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"I am a musician, a dreamer, a melancholic and an optimist", sagt Souad Massi. Ihre Musik erzählt kleine Begebenheiten aus ihrer Heimat Algerien, sie singt Lieder von der Liebe und auch der Einsamkeit, der sie als Migrantin in Paris ausgesetzt ist. Ihre Stimme hat etwas Sehnsüchtiges, Verlorenes, zugleich Zartes. Während das neokonservative französische Regime mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen konfrontiert ist, radikal durchgreift und den Ausnahmezustand ausruft, erscheint eine CD namens Mesk Elil, auf Deutsch das Geißblatt. Nach Sonnenuntergang duftet die Blüte des Geißblatts auf betörende Weise entlang der Vorstädte Algiers - eine unvergessliche Erinnerung einer algerischen Migrantin in Paris. Dass die Integrationspolitik Frankreichs innerhalb weniger Tage einem Trümmerhaufen gleicht und dass es zugleich einer Musikerin wie Souad Massi gegeben ist, mit blumigen Klängen auf Arabisch und Französisch ein Weltmusikpublikum quer durch Europa zu verzaubern, ist traurige Ironie.
Begonnen hat ihre Karriere in Algerien, beeinflusst von vielen unterschiedlichen Musikrichtungen. Zuerst fasziniert sie die klassische Gitarre, bis sie zu singen beginnt und Frontfrau einer Rockband wird. Eine universitäre Ausbildung zur Stadtplanerin ermöglicht ihr ein sicheres Standbein in einem "bürgerlichen" Beruf, während die instabile politische Situation in Algerien immer mehr eskaliert und Auftritte von jungen ausgelassenen Bands unmöglich werden. Ausgangssperren und Repression gegenüber Frauen schränken die Bewegungsfreiheit in jeder Hinsicht ein. Die heutigen Liedtexte der gereiften Souad Massi zeugen immer noch, nach mehreren Jahren des Exils in Frankreich, von jener Erfahrung an Enge und Einschränkung, die sie damals durchlebt hat.
Wo steht die Weltmusikerin per se heute? Ihr drittes internationales Album ist seit November des Vorjahrs auf dem Markt und scheint sich mindestens so erfolgreich wie die beiden Vorgänger zu entwickeln. Es ist eine feine Sammlung zumeist nachdenklicher Lieder voller Erinnerungen und unterschiedlicher Färbungen geworden - sanft und melancholisch. Um ihren ganz eigenen Stil zu untermalen, lädt die weltoffene Algerierin Gäste aus dem Maghreb, Westafrika und Europa ein, auf diesem Album mitzuwirken. Dieser lässt sich am ehesten als ein Hybrid aus Folk, Chanson und Ballade definieren mit einer halb-offenen Türe zu Flamenco und Rumba Congolaise. Letztgenannte Rhythmen fordern auch zum Tanz auf ...
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