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Wencke MühleisenWas ist in meinem Alter sonst noch üblich?

Roman | Über das Älterwerden und die Sehnsucht nach Nähe – erfrischend und voller Lebensmut| Für Leserinnen und Leser von Doris Knecht und Julia Schoch

E-Book (EPUB)

Nagel & Kimche (2026)

100 Seiten

ISBN 978-3-312-01480-4

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Wenn eine lange Ehe plötzlich zerbricht
von Shilo
An einem warmen Abend in Triest sitzt ein Ehepaar beim Essen, und plötzlich steht nichts mehr so, wie es all die Jahre schien. Ein Geständnis, das völlig unerwartet kommt, erschüttert eine lange Ehe und stellt alles infrage, was vertraut war. Von einem Moment auf den anderen wird aus Sicherheit Unsicherheit.
Diese erste Szene bleibt im Kopf. Sie ist ruhig erzählt und trifft trotzdem tief. Es gibt kein großes Drama, nur einen klaren Moment, der alles verändert. Gerade das macht den Beginn so eindringlich.
Erika steht nach diesem Abend nicht nur vor dem Ende ihrer Ehe, sondern auch vor ganz neuen Fragen. Jahrelang hat sie mit der Zurückweisung ihres Mannes gelebt, ohne wirkliche Antworten zu bekommen. Als er von seiner Affäre erzählt, bricht etwas in ihr zusammen. Doch es bleibt nicht nur bei Schmerz und Wut. Schnell rückt eine andere Frage in den Vordergrund. Was ist in ihrem Alter noch möglich?
Der Roman begleitet Erika in dieser Zeit mit großer Offenheit. Vieles geschieht in ihren Gedanken. Es geht weniger um äußere Ereignisse als um das, was sie innerlich bewegt. Scham, Unsicherheit und ein leiser Wunsch nach Nähe und Begehren lassen sich nicht mehr verdrängen.
Besonders beeindruckend sind die Passagen, in denen über Körper und Alter gesprochen wird. Weibliche Lust in der Lebensmitte wird hier nicht beschönigt und nicht versteckt. Das wirkt ehrlich und manchmal ungewohnt direkt. Einige Stellen können beim Lesen kurz verunsichern, weil sie so klar benannt sind. Und dadurch fühlen sie sich glaubhaft an.
Mit der Zeit verändert sich der Blick auf Erika. Aus der verletzten Ehefrau wird eine Frau, die langsam beginnt, sich selbst wieder ernst zu nehmen. Ihr Weg ist kein schneller Aufbruch. Er ist vorsichtig, tastend und nicht immer klar. Genau das macht ihn nachvollziehbar.
Nicht jede Szene ist gleich stark. Manche Gedanken wiederholen sich leicht, und an einigen Stellen hätte der Text etwas straffer sein können. Doch die ruhige und nachdenkliche Art passt zum Thema. Es geht nicht um große Wendungen, sondern um einen inneren Prozess.
Schließlich bleibt das Bild einer Frau, die sich nach einem tiefen Bruch nicht aufgibt. Schmerz und Zweifel gehören zu ihrem Weg, doch zugleich wächst der Mut, die eigenen Wünsche nicht länger kleinzureden. Der Roman zeigt ruhig und ehrlich, dass Nähe und Begehren kein Privileg der Jugend sind. 4 Sterne für eine Geschichte, die lange nachklingt und zum Nachdenken anregt.

Lesenswert
Zum Inhalt:
Den letzten Abend des IIalienurlaubs hatte sich Erika ganz anders vorgestellt. Ihr Mann Jan, der Erika schon seit jegliche körperliche Nähe verweigert, eröffnet ihr, dass er seit anderthalb Jahren ein Verhältnis hat. Das trifft Erika unvorbereitet und eine Welt bricht zusammen. Doch zum Glück nur für eine kurze Zeit, dann treiben sie andere Fragen um, vorallem welche Möglichkeiten sie denn nun hat.
Meine Meinung:
In einem bestimmten Alter und Dauer einer Ehe erleben die Partner vieles. So hatte Erika selbst vor Jahren mal eine kurze Affäre, die fast zur Scheidung geführt hätte und nun ist es Jan der eine Affäre hat, allerdings schon deutlich länger als Erika seinerzeit. Wie damals würde Erika gerne durch eine Paartherapie die Ehe retten. Das Ende der vielen Überlegungen bringt zwar keine Lösung aber viele neue Denkanstöße. Mir hat dieses Auseinanderzusetzen mit dem bisherigen Leben und was Erika eigentlich gerne noch erleben möchte, sehr gut gefallen, denn das Buch war wirklich wie aus dem Leben gegriffen.
Fazit:
Lesenswert

Verlorene Jahre
von peedee
Erika und Jan, beide Mitte sechzig, sind im Italienurlaub. Im Restaurant spricht Erika ihn darauf an, weshalb er ihr seit Jahren Intimität verweigert. Gefährliche Frage. Die Antwort bringt sie zu Fall: Er hat seit anderthalb Jahren ein Verhältnis mit einer anderen Frau! Was soll nun aus ihrer Ehe werden? Erika liebt Jan immer noch. Ist es zu spät, ihre Ehe zu retten?

Erster Eindruck: Ein cooles Cover, das ein bisschen Retro-Feeling und ganz viel Optimismus versprüht – gefällt mir sehr gut.

Oha, der Urlaub nimmt ein bitteres Ende, als Jan verkündet, dass er mit einer anderen Frau zusammen ist. Erika hat damit zu kämpfen, dass die andere Frau, Marie, die sie auch kennt, fünfzehn Jahre jünger und dicker als sie ist. Wie kann Jan Marie bevorzugen? Als sie dann erfährt, dass Marie und er auch in ihrer gemeinsamen Wohnung zusammen waren, ist das Gefühlschaos komplett. Wie konnte er nur? Wie konnte Marie nur? Nach viel Geschrei von Erikas Seite geht’s ab in die Paartherapie. Aber wollen wirklich beide die Beziehung retten?

Leider hat mir diese Geschichte nicht wirklich gefallen. Aufgrund der Inhaltsbeschreibung habe ich gedacht, dass es – auch aufgrund des fröhlichen Covers – optimistisch und fröhlich zugeht. Aber nein. Das Buch hat mich deprimiert. Warum das? Für mich blieb Erika farblos – ihr Mann war eh nur eine Nebenfigur – und ich konnte nicht nachvollziehen, wie sie an einer Beziehung festhalten wollen, die ganz offensichtlich schon seit Jahren nicht mehr die Qualität einer liebevollen Paarbeziehung hat. Sie hat ihn vor zwanzig Jahren betrogen – er hat es ihr nun gleichgetan. Wie heisst es so schön? Auge um Auge, Zahn um Zahn?
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Es hatte immer wieder sehr lange Sätze, wie z.B. „Das ist die Hölle der retrospektiven Erkenntnis und der fatalen Neukalibrierung der eigenen Erfahrung, es ist, als würde man von einer fremden Macht überfallen, die eine andere Erzählung über die eigene unmittelbare Vergangenheit spinnt – schrecklich, aber wahrer als die, in der man gelebt hat.“ Am Ende des Satzes habe ich vergessen, wie er begonnen hat. Zudem ging sehr viel um Erikas Sexgedanken (und die dabei verwendete derbe Wortwahl entspricht gar nicht meinem Geschmack).
Menschen sind sehr interessant. Und sehr kompliziert. Wenn dann noch eine Beziehung dazukommt, wird es ultrakomplex. Eine Beziehung unbedingt aufrechterhalten zu wollen, nur um nicht alleine zu sein? Dies scheinen mir verlorene Jahre. Von mir gibt es leider nur 2 Sterne, schade.