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Erwin KräutlerErneuerung jetzt

E-Book (EPUB)

Tyrolia (2019)

160 Seiten

ISBN 978-3-7022-3787-5

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Kurztext / Annotation
Frischer Wind aus dem Süden - Ein Plädoyer für Veränderung
Das Buch zur Amazoniensynode im Vatikan

Die Kirche steht unter Druck. Die Seelsorger werden weniger und weniger und viele Gläubige ziehen sich zurück. Was tun? Was lassen? Welche Prioritäten gilt es zu setzen? Was muss sich ändern, damit es der Kirche gelingt, den Menschen nahe zu sein?
Priestermangel sowie soziale und ökologische Konflikte sind im Amazonas-Gebiet schon viel länger virulent als bei uns. Daher blicken die Katholiken Europas neugierig und gespannt nach Rom. Dort findet im Oktober 2019 eine Bischofssynode unter dem Titel 'Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie' statt. Im Vorbereitungsteam mit dabei ist Erwin Kräutler, seit 54 Jahren im Amazonasgebiet, 35 davon als Bischof.
In diesem Buch geht er auf die Agenda der Synode ein und zeigt Wege auf für eine Kirche der Zukunft - in Amazonien, aber ebenso in Europa: Schutz für Mensch und Natur, de-zentrale Entscheidungsfindung, Leben aus der Bibel und Seelsorge vor Ort mit geweihten, auch verheirateten Männern und Frauen.

ERWIN KRÄUTLER, geb. 1939 in Vorarlberg, Mitglied der Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut, seit 1965 in Brasilien, war von 1981 bis 2016 Bischof der Prälatur Xingu. Für seinen Einsatz für die Umwelt und die indigenen Völker wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit Ehrendoktoraten, mit dem Alternativen Nobelpreis und mit dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln.
JOSEF BRUCKMOSER, Mag., geb. 1954 in Salzburg, Studium der Theologie, von 1989 bis Februar 2019 Redakteur, jetzt ständiger freier Mitarbeiter der Salzburger Nachrichten. Gemeinsam mit Bischof Kräutler verfasste er dessen Bücher 'Mein Leben für Amazonien' und 'Habt Mut'.

Textauszug
1.1. Seit tausenden Jahren leben indigene Völker in Amazonien

Amazonien befindet sich in neun Ländern des südamerikanischen Kontinents. 67,9 Prozent sind in Brasilien und machen die Hälfte der Oberfläche dieses Landes aus (49,29 Prozent). Bolivien hat 9,8 Prozent, Peru 8,8 Prozent, Kolumbien 6,4 Prozent, Ecuador 1,6 Prozent. Die restlichen 5,5 Prozent der Amazonasregion verteilen sich auf Venezuela, Guyana, Französisch-Guayana und Surinam. Amazonien ist eine Makroregion sui generis. Es gibt sicher keine andere vergleichbare auf dem Planeten. Ursprünglich war es eine Welt üppiger Urwälder, durchflossen vom wasserreichsten Strom der Erde mit seinen gigantischen und zum Teil über 2000 Kilometer langen Nebenflüssen. Dazu noch das unermessliche Netz von Rinnsalen, Bächen, Tümpeln und Seen. Aber nicht nur tropischer Regenwald und die Flusslandschaften charakterisieren Amazonien. Es gibt auch eine Savanne von 267.000 Quadratkilometern, zu 90 Prozent in Brasilien und Bolivien und kleinere Flächen in Venezuela, Guyana und Surinam.

Lange Zeit wurde Amazonien als "grüne Hölle" bezeichnet. Und es soll immer noch Fremdenverkehrsagenturen geben, die Ausflüge in den Urwald als Exkursionen in die "grüne Hölle" anbieten. Selbst Nachtclubs und Diskotheken in den Breitengraden von Amazonien borgen sich diesen Namen, um erlebnishungrige Touristen zu ködern. Woher dieser Begriff stammt und wer ihn prägte, weiß ich nicht. Vielleicht war es einer jener Deutschen wie Von Humboldt, Von Martius, Von den Steinen oder Prinz Adalbert von Preußen, die im 19. Jahrhundert von Belém aus ins Landesinnere vordrangen und dann zurück im alten Kontinent ihre abenteuerlichen Expeditionen eindrücklich beschrieben.

Warum "Hölle"? Ist es der Myriaden von Insekten wegen, von denen in bestimmten Regionen einige Arten den Menschen das Leben tatsächlich zur Hölle machen können? Denken wir nur an die Anopheles, die die Malaria überträgt, oder die Stegomyia fasciata, die für das Gelbfieber verantwortlich ist. In diesem Zusammenhang kann man tatsächlich Goethe zitieren: "Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen" (Johann W. von Goethe, Die Wahlverwandtschaften , II, 7, 1809). Er meinte dabei zwar nicht Amazonien, sondern Afrika, aber die Realität ist dieselbe. Sind es die Schlangen, die uns plötzlich im gedämpften Licht des Dschungels am feuchten Boden erschrecken? Sind es die Krokodile in den sumpfigen Wassern, deren große Augen im Licht der Scheinwerfer drohend blitzen? Sind es die Piranhas, die imstande sind, in Sekundenschnelle ihre Opfer bis auf das Skelett zu verzehren? Sind die Affen für den Namen "Hölle" verantwortlich, weil manche von ihnen höllisch brüllen können und sich gar nicht einverstanden zeigen, wenn andere Zweibeiner auch nur auf einen Kurzbesuch in ihren Lebensraum eindringen? Sind es die fauchenden Leoparden und Wildkatzen, die selbst Einheimischen eine Höllenangst einjagen? Oder sind es vielleicht immer noch die "wilden Indianer", von denen es zunächst hieß, sie hätten keine Seele und seien wie Tiere zu behandeln, bis schließlich ein Papst, Paul III., 1537 in seiner Bulle Veritas ipsa das Gegenteil behauptete, aber auf taube Ohren und blinde Augen stieß und keine menschenwürdige Behandlung für die Indios erreichte?

"Grüne Hölle"? Vielleicht handelt es sich um eine düstere Zukunftsvision. Ich denke dabei weniger an das Adjektiv "grün", sondern an die "Hölle". Hölle wird spätestens seit Matthäus 25,41 - "Hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer" - oder Markus 9,44, wo vom "unauslöschlichen Feuer" die Rede ist, mit "Feuer" assoziiert. In diesem Zusammenhang ist es schrecklich, dieses von Gott paradiesisch geschaffene Amazonien plötzlich als Hölle erleben zu müssen. Von skrupellosen Menschen dazu verdammt! Ich erinnere mich, wie mir im südlichen Teil unseres Bistums Xingu Tag und Nacht die Augen vom Rauch brannte

Beschreibung für Leser
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