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Rezensionen



Nimm dein Schicksal selbst in die Hand! 18. Juni 2019
Zacharias lebt in einer Welt ähnlich der unseren, in welcher Magische einst gemeinsam mit den Menschen lebten und Prophezeiungen ihrer Orakel entgegen nahmen. Heute werden die Magischen von den Menschen unterdrückt und das einzig verbliebene Orakel dazu gezwungen, täglich Prophezeiungen für Jedermann gegenüber auserwählten Menschen auszusprechen, welche dann in einer Queste ihr Schicksal erfüllen sollen. Als Zacharias auserwählt wird, seine Prophezeiung vom Orakel zu empfangen, entwickelt sich seine Queste immer mehr zu einer unlösbaren Aufgabe…
Zugegeben, das Buch beginnt etwas ungewohnt. Zacharias lebt in einer Welt, die von Regeln und Ordnung bestimmt wird. Je mehr man sich anpasst und nicht in der Menge auffällt, desto höher sind die Chancen auf Erfolg. Und genau da liegt Zacharias' Problem, denn er hält sich für einen chaotischen Tollpatsch, der nicht recht ins System passt. Seine Phobie macht es zudem nicht besser. Erschrocken war ich, unter welchen Bedingungen die Magischen mittlerweile leben müssen. Einst dem Schicksal und der Natur verbunden, leben sie nun mit wenigen Rechten ausgestattet, während ihre Magie von Eisenringen unterdrückt wird. Denn Eisen ist ihr Kryptonit. Und das letzte Orakel wird dazu gezwungen, täglich Prophezeiungen im Akkord auszusprechen, von gerechter Arbeitszeitenregelung keine Spur. Da mutete es schon fast witzig an, welch obskure Prophezeiung manch einer zu erfüllen bekam.

„Pläne sind eine Erfindung der Menschen. Das echte Leben erfordert Flexibilität.“ (Zitat Kap. 11)

In einer Welt von Struktur und Ordnung wird natürlich vorausgesetzt, dass jeder sein Schicksal möglichst schnell zu erfüllen hat, damit der Alltag weiter seinen planmäßigen Lauf nehmen kann. Ein regelrechtes System wurde errichtet mit Questenurlaub, Questenhäusern und Questensiegel, wobei die Bedeutung hinter dem Ganzen mit der Zeit beim Lesen ans Licht kommt. Und ich denke, ich verrate nicht zuviel, dass das Ganze über kurz oder lang einfach in die Hose gehen muss, denn: Das Schicksal ist einfach nicht zeitlich planbar, es erfüllt sich dann, wenn es soweit ist. Und nicht mit Gewalt innerhalb eines Urlaubs. Das muss auch Zacharias lernen, dessen Aufgabe von Tag zu Tag immer unlösbarer scheint, als hätte das Schicksal sich gegen ihn verschworen.
Mir hat es viel Spaß gemacht, gemeinsam mit Zacharias nicht nur seiner Queste zu folgen, sondern die Möglichkeit zu bekommen, hinter das Ganze zu blicken, zu verstehen, was da seit Jahrhunderten abläuft – und was daran falsch ist. Nicole Gozdek hat mit "Prophezeiungen für Jedermann" einen Roman geschrieben, der auf unterhaltsame Weise Gesellschaftskritik übt. Ebenfalls fiel mir positiv auf, wie gut sie selbst Nebencharaktere gezeichnet hat, ein jeder mit seiner für ihn eigenen, erkennbaren Persönlichkeit. Wer nun neugierig auf die Geschichte ist, muss sein Schicksal – oder das Buch – einfach mal selbst in die Hand nehmen. Es lohnt sich!