In einem Zug
Roman
Taschenbuch
DuMont Buchverlag (2026)
208 Seiten; Mit bedruckten Umschlaginnenseiten; 19 cm x 12.5 cm
ISBN 978-3-7558-0560-1
Sofort verfügbar oder abholbereit
Hauptbeschreibung
Eduard Brünhofer, ehemals gefeierter Autor von Liebesromanen, sitzt im Zug von Wien nach München. Nicht unbedingt in der Absicht, sich mit der Frau frühen mittleren Alters im Abteil zu unterhalten. Schon gar nicht in der Absicht, mit ihr über seine Bücher zu sinnieren. Erst recht nicht in der Absicht, über seine Ehejahre mit Gina zu reflektieren. Aber Therapeutin Catrin Meyr, die Langzeitbeziehungen absurd findet, ist unerbittlich. Sie will mit ihm über die Liebe reden. Dabei gerät der Schriftsteller gehörig in Zugzwang.
»Was befähigt einen Autor, über die Liebe zu schreiben?«, fragt sie.
»Ihre Frage ist klüger als jede Antwort darauf«, erwidere ich.
»Danke. Probieren Sie es trotzdem.«
»Wir haben so viel Spaß wie 2006 bei Daniel Glattauers Riesenerfolg ›Gut gegen Nordwind‹.« Elke Heidenreich, BUNTE
»Einer der zauberhaftesten und klügsten Liebesdialoge der Gegenwartsliteratur« DER SPIEGEL über ›Gut gegen Nordwind‹
Hersteller: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln DE
E-Mail: herstellung@dumont.de
In einem Zug
Wir folgen dem Gespräch und Geplänkel zweier – bis dahin einander unbekannter – Menschen; hier fühlte ich mich an Glattauers Bestseller „Gut gegen Nordwind“ erinnert, und da wie dort waren mir beide Hauptfiguren nicht wirklich sympathisch.
Hier in diesem Zug ist es der „alternde Schriftsteller“ – so bezeichnet er sich gerne selbst, und dieses leicht jammernde Kokettieren mit seinem Alter ging mir dann nach geraumer Zeit doch gehörig auf den Wecker – dem gegenüber eine wesentlich jüngere Dame Platz nimmt.
Er hofft, er betet geradezu, dass sie ihn in kein Gespräch verwickelt, und ist dann umso mehr in seiner Eitelkeit gekränkt, als sie in ihm ihren alten Englischlehrer wiederzuerkennen glaubt und nicht etwa den berühmten, alternden Schriftsteller, der er ja nun mal ist.
Was nun folgt, ist eine Unterhaltung, die sich von Wien-Hütteldorf bis München Hauptbahnhof erstreckt. Jeder, der schon mal mit dem Zug von Innsbruck bis München gefahren ist, weiß genau, dass die kurze Zeitspanne von München Ost bis München Hbf., bei der alle schon ihr Geraffel zusammenklauben und gen Ausgang strömen, niemals reicht für ein dermaßen langes Gespräch, wie es hier in diesem vorletzten Kapitel geführt wird. Das ist für jemanden, der seine Schriftsteller-Hauptfigur gerne einen (Bahn-)Stationsführer-Essay-Band schreiben lassen würde, zu ungenau recherchiert.
Aber nun zu der Unterhaltung… ich kann nur den Kopf schütteln über diese haarsträubenden Dialoge. Beispiel gefällig?
„Also, was interessiert dich?“
„Was dich beschäftigt.“
„Wenn du das wüsstest!“
„Was wäre dann?“
„Du würdest staunen.“
„Dann würde ich es gerne wissen…“
„Du willst es wirklich wissen?“
„Ja.“
„Du willst wissen, was mich beschäftigt?“
„Ja.“
„Ehrlich?“
„Ja.“
Solche Dialoge, bei der jede Frage mit einer Gegenfrage beantwortet wird – und achten Sie mal darauf: Es gibt praktisch keine Frage, die NICHT mit einer Gegenfrage beantwortet wird, im ganzen Buch nicht! – erstecken sich über mehrere Seiten, immer wieder, und Glattauer schreibt an einer Stelle sogar selbst:
„Bitte nicht! Oder in Worten an sie: ‚Bitte frag mich nicht andauernd, warum ich etwas glaube, wovon ich keinen blassen Schimmer habe, sonst würde ich dich ja nicht fragen.‘“
Vielleicht ist der ganze Roman eine einzige große Ironie, und ich habe es einfach nicht verstanden?! Das möchte ich nicht ausschließen, denn auch das Ende, das für meinen Geschmack völlig an den Haaren herbeigezogen war, entbehrt mit seinem Nachwort und dem darauffolgenden Schlusswort nicht einer gewissen Ironie. Vielleicht macht Glattauer sich also einfach über alternde Schriftsteller, d.h. auch über sich selbst, lustig? Das wäre dann schon wieder großartig!
Mein letzter Kritikpunkt: Wenn im Schlusswort der alternde Schriftsteller darum bittet, sein demnächst erscheinendes Buch möge „für Gina“ als Widmung erhalten – wäre es dann nicht konsequent gewesen, genau das auf einer der ersten Seiten von „In einem Zug“ zu lesen (anstatt „für Lisi“)?
So hätte sich doch der (Ironie-)Kreis perfekt geschlossen!


