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Rezensionen

Rezensionen von Mirko

Autor: Brian Sewell

Empathische Hundegeschichten - 5 Sterne

Der britische Kunstkritiker und Kolumnist Brian Sewell war Zeit seines Lebens ein großer Tier- und insbesondere Hundefreund. Von klein auf hatte er immer Hunde, teils mehrere gleichzeitig. Und genau davon erzählt er in diesem kleinen Büchlein. In kurzen Kapiteln, welche jeweils einem seiner Hunde gewidmet sind, begleitet man ihn durch sein Leben. Dabei erzählt er aber weniger von sich selbst (höchstens am Rande), sondern vielmehr von seinen tierischen Freunden. Man erfährt etwas über Ihre Charakterzüge, ihre Besonderheiten, die Eigenheiten, die sie geprägt haben, und vor allem über die Liebe, die sie ihrem Besitzer ohne Erwartung völlig bedingungslos geschenkt haben. Obwohl es sich immer nur um kurze Anekdoten handelt, vermittelt der Autor dadurch viel Gefühl. Wer selbst Hundebesitzer ist, kann das sicherlich bestens nachvollziehen. Der Hund ist nun einmal der größte Freund des Menschen. Und für all jene ist dieses schön gestaltete Buch (man findet neben den Texten diverse Skizzen der Hunde) ganz bestimmt eine Bereicherung. Ich habe es sehr gerne gelesen und gemeinsam mit dem leider schon verstorbenen Brian Sewell gelitten und gelacht.
von Mirko - 2026-05-20 11:10:00
Autor: Douglas Stuart

Studie von Inselmenschen - 4 Sterne

„John of John“ ist der dritte Roman von Douglas Stuart. „Shuggie Bain“ und „Young Mungo“ waren jeweils rohe Naturgewalten, in denen der Autor seine Figuren in einer schonungslosen Welt gezeigt hatte. Homosexualität spielte eine Rolle und wurde authentisch und ungeschönt in die Erzählungen integriert, ohne das Thema zum Selbstzweck verkommen zu lassen.
Und das ist in „John of John“ nicht anders. Stuart bleibt sich treu. Geändert hat er die Umgebung: Spielt „Shuggie Bain“ noch in der urbanen Welt von Glasgow in den 80er Jahren und „Young Mungo“ in einem Mix aus schottischer Natur und städtischer Umgebung, so verlegt er sein neues Werk in die raue Kulisse der äußeren Hebriden. Das steht dem Roman und den ihn prägenden Charakteren gut.
Im Mittelpunkt steht der junge Cal, der nach einem Kunststudium in Edinburgh zurück in seine Heimat kommt, obwohl er sich von ihr angezogen und gleichzeitig abgestoßen fühlt.
Es geht um den Konfilkt mit seinem Vater, wobei beide ein ähnliches Geheimnis umgibt. Es geht um Familie in all ihren Facetten, es geht um Tradition, um innere Zerrissenheit, um Pflichten und Aufbruch - und Douglas Stuart zeigt dem Leser am Beispiel weniger Personen, wie all dies unser Leben beeinflusst und lenkt.
Er skizziert dies sehr professionell und zeichnet Charaktere, die haften bleiben. Aber als sprachliches Feuerwerk kann man das Werk nicht unbedingt bezeichnen. Es ist solide und modern geschrieben, nicht mehr und nicht weniger.
Stuart geht es vielmehr darum, von den Fallstricken eines Lebens, das sich zwischen Tradition und Moderne bewegt, zu erzählen. Und das wiederum gelingt ihm exzellent.
So ist der Roman wirklich lesenswert und enthält viele bewegende Momente. Die ganz, ganz großen Emotionen sind bei mir aber dennoch nicht geweckt worden. Es hat sich für mich so angefühlt, als sei ich das ein oder andere Mal knapp daran vorbeigeschrammt. Aber dann nahm die Geschichte (auf einer sehr tiefen Ebene) wahrscheinlich einen anderen, für mich eher unverständlichen Lauf. Vielleicht lag es in diesen Momenten aber auch an sprachlichen Barrieren. Wie auch immer, man findet hier genug Wärme und Menschlichkeit, um das Buch letztlich mit einem guten Gefühl zu beenden. Zurück bleibt all das, was im zu Beginn niedergeschriebenen Zitat von Donald Macleod enthalten ist: „ Inselmenschen auf der ganzen Welt sind fürs Exil geboren. Inseln gewähren dir eine privilegierte Kindheit, aber nachdem sie dich zu dem gemacht haben, was du bist, lassen sie dir keinen Platz, um dich auszudrücken.“
von Mirko - 2026-05-10 20:09:00