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Annegret LiepoldUnter Grund

Roman - »Ein beeindruckendes Debüt« SZ

Hardcover

Blessing (2025)

256 Seiten; 20.6 cm x 13.3 cm

ISBN 978-3-89667-766-2

Sofort verfügbar oder abholbereit

Unter Grund

Hauptbeschreibung

*Ausgezeichnet mit dem Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals und dem Publikumspreis beim Franz-Tumler-Literaturpreis*




Inmitten des Schweigens ihrer Familie hat Franka sich schon immer verloren gefühlt. Bereits ihre Großmutter, genannt die Fuchsin, hortete Geheimnisse wie die schwarzen Steine in ihrer Schürze. Als Franka mit Ende Zwanzig in die fränkische Provinz mit den Himmelsweihern und Spiegelkarpfen zurückfährt, sieht sie endlich hin: Wie das war in den Nullerjahren, als Deutschland Weltmeister im eigenen Land werden wollte. Als ihr Vater starb und sie in Patrick und Janna Gleichgesinnte fand, die Unsicherheit mit Krawall, Frustration mit Faustschlägen übertünchten. Als sie immer tiefer in die rechte Szene einstieg. Sie beginnt Fragen zu stellen und sucht nach einer Haltung zur Vergangenheit.



Ein hochaktuelles Debüt über eine Jugend auf dem Land zwischen der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, radikaler Wut und den blinden Flecken der eigenen Familie.



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Was auch heute in Deutschland mehr oder minder im Untergrund rumort, bringt Annegret Liepold mutig zur Sprache
.« Abendzeitung


Hersteller: Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
Neumarkter Straße 28, 81673 München DE
E-Mail: produktsicherheit@penguinrandomhouse.de


Beeindruckendes Debüt
Das Debüt "Unter Grund" von Annegret Liepold ist ein Buch, das vor allem im Moment aktueller denn je ist. Franka fühlte sich in ihrer Familie schon immer verloren. Als sie mit Ende Zwanzig in die fränkische Provinz zurückkehrt, erinnert sie sich an das Aufwachsen in dem kargen Dorf: An die Zeit in den Nullerjahren, als Deutschland Weltmeister im eigenen Land werden wollte. Als ihr Vater starb und sie in Patrick und Janna Gleichgesinnte fand, die ihre Unsicherheit mit Krawall und Frustration mit Faustschlägen überdeckten. Als sie immer weiter in die rechte Szene abrutschte.

Annegret Liepold zeigt sehr deutlich, wie schnell man in die rechte Szene geraten kann. Die Entwicklung von Franka ist sehr glaubwürdig dargestellt. Zuerst verbringt sie einfach nur Zeit mit Patrick und Janna und versteht auch nicht wirklich, was um sie herum geschieht. Doch im Laufe der Zeit driftet sie immer weiter ab, übernimmt Gedanken und Gerede der beiden. Am Ende wird Franka sogar zu einer Person, die selbst Aktionen plant und andere anstiftet, mitzumachen. Besonders gefiel mir, wie Liepold Frankas ambivalente Gefühle geschildert hat. Bis zu ihrer Rückkehr im Heimatdorf hat sich Franka nicht mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt. Zu groß ist die Scham darüber, was damals passiert ist. Erst heute in der Gegenwart erkennt sie, dass sie damals rechtsradikal war.

Der Roman hat mich von Anfang an gefesselt. Das Erzähltempo ist eher langsam, die Atmosphäre durchgehend melancholisch und düster, passend zu Frankas Heimatdorf. Er beginnt mit den NSU-Prozessen, an denen Franka als Lehrerin zusammen mit ihrer Klasse teilnimmt. Es sind die Prozesse rund um Beate Zschäpe. Ich fand es sehr gelungen, diese Prozesse als Einstieg und auch als Abschluss zu wählen, da der Lebensweg von Zschäpe beinahe auch der von Franka gewesen wäre. Das hätte Frankas Zukunft sein können, hätte sie nicht noch die Kurve gekriegt.

Ein großes Lob auch für das Glossar am Ende des Buches, das z. B. Nazi-Begriffe und Liedzeilen, die im Text vorkommen, erklärt. Das war sehr hilfreich und hat das Verständnis erheblich gefördert. Empfehlung, gerade in Zeiten wie diesen!

Der Fuchs geht um
von Ecinev
Die Lehramts Referendarin Franka besucht mit ihrer Klasse den NSU Prozess gegen Beate Zschäpe, nach einer unbedachten Äußerung eines Schülers flieht sie in der Verhandlungspause aus dem Gerichtssaal. Spontan beschließt sie aus der gemeinsamen WG mit Hannah einer Reporterin auszuziehen, zurück in ihre fränkische Heimat um sich den Geistern der Vergangenheit zu stellen.

In Rückblicken erfährt man wie Franka nach dem Tod ihres Vaters und dem komplizierten Verhältnis zu ihrer Mutter von Freunden in die Rechte Szene gezogen wird. Endlich findet sie Anerkennung und Freunde. Sie läuft nur mit, ist nie mitten drin und doch Teil der Rechten Szene. Inmitten idyllischer Beschreibungen eines fränkischen Dorfes mit Himmelsweihern und Spiegelkarpen tun sich hier Abgründe auf.

Es ist nicht immer leicht den Zeitsprüngen in dem Buch zu folgen der Schreibstil ist autentisch, eher nüchtern beschreibend wie leicht es ist einer verstörten Jugendlichen einen neuen Hafen zu bieten.

Wichtiger und aktueller Roman
Hals über Kopf flüchtet Franka in ihr Heimatdorf in der fränkischen Povinz, nachdem sie mit ihrer Klasse in München eine Gerichtsverhandlung des NSU-Prozesses besucht hat. Viele Jahre war sie nicht mehr hier, hat die Ereignisse ihrer Jugend verdrängt, deretwegen sie sich schon einmal in einem Gerichtssaal wiedergefunden und ihre Mutter sie auf ein Internat geschickt hat. Nun kommt alles wieder hoch: Die Sommertage mit Leon am Weiher, während die halbe Welt im WM-Taumel ist. Die Treffen der NPD in der örtlichen Dorfkneipe, von denen jeder weiß, aber jeder so tut, als wisse er nichts. Patrick und Janna, die ein paar Jahre älter sind und eine merkwürdige Anziehung auf die fünfzehnjährige Franka ausüben, weil sie kein Blatt vor den Mund nehmen. Weil sie rebellieren. Weil sie auch mal handeln und nicht bloß immer nur reden.

Nun, zurück auf dem Land, zurück im "Fuchsbau" - dem Haus ihrer Großmutter, die von allen stets nur "die Fuchsin" genannt wurde und um die man lieber einen Bogen gemacht hat -, muss Franka sich endlich damit auseinandersetzen, wie das war, damals, als sie langsam aber sicher immer weiter in die rechte Szene hineingerutscht ist. Und auch damit, warum jeder im Dorf weiß: Man muss aufpassen, wenn der Fuchs umgeht.

Franka ist keine ganz einfache Protagonistin. Besonders ihre Eigenschaft, Schuld grundsätzlich nicht bei sich zu suchen, sich selbst als jemanden zu betrachten, der ohne viel eigenes Zutun in alles hineingezogen wird, kann beim Lesen manchmal anstrengen - trotzdem finde ich genau das auch irgendwie wieder passend, weil es vermutlich den Kern des Problems recht gut trifft: Man hält sich selbst nie für schuldig, man reagiert nur auf das, was das Umfeld vorgibt. Obwohl das beim Lesen also vielleicht etwas stört, finde ich diese Eigenschaft in Frankas Charakter druchaus glaubwürdig und gelungen.
Das Ende des Romans dagegen war mir etwas zu überhastet; gerne hätte ich mehr darüber erfahren, wie Franka letztendlich ihren Weg aus der rechten Szene hinausgefunden hat.
"Unter Grund" fragt danach, wie es sein kann, dass sich Jugendliche radikalisieren, obwohl wir es doch eigentlich alle besser wissen müssten - eine wichtige Frage, heute vielleicht mehr denn je. Die Antwort, die der Roman liefert, ist nur eine von vielen möglichen, aber eine plausible und nachvollziehbare (auch dann, wenn man selbst sich politisch genau in der entgegengesetzten Richtung verortet).
Auch, wenn mich der Roman nicht in allen Punkten vollkommen überzeugt hat, ist er unglaublich wichtig. Gerade heute. Von daher auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

Wie geht man mit seiner eigenen Vergangenheit um?
Wann beginnt Schuld? Gibt es Unschuld? Kann man sich von seinem eigenen jüngeren Selbst distanzieren? Auf mehreren zeitlichen Erzählebenen erzählt die Protagonistin im Rückblick von ihrer Jugend, in der sie in die rechts-radikale Szene gerutscht ist. Ich war gespannt zu lesen, wie sie damals radikalisiert wurde und gleichzeitig, wie sie sich 15 Jahre später im Rückblick sieht. Man merkt die Diskrepanz zwischen ihrem jüngeren und ihrem älteren Selbst, die Essenz des Romans liegt für mich in dieser Spannung. Wie geht sie als ältere (immer noch junge) Frau mit ihrer ruhmlosen Vergangenheit um, hier passiert ein Wandel. Der erste Wandel 15 Jahre zuvor von der einsamen, etwas außenstehenden Jugendlichen, die eine Gemeinschaft unter Rechten findet, ist für mich etwas zu kurz gekommen; sie gerät mir zu naiv und unreflektiert in die Szene und wenn es so ist, dann fehlt mir die Auseinandersetzung der Erzählerin heute mit ihrem Selbst von damals. Vom Klappentext hatte ich erwartet, dass ich mehr über ihre Radikalisierung erfahre. Gelungen finde ich die Darstellung des Landlebens, der Dorfgemeinschaft, des Vereinswesens, die gleichzeitige Einmischung in die Angelegenheiten anderer und das Heraushalten aus allem, was unbequem wird, die eingeschränkten Möglichkeiten, eigene Wege zu gehen, wenn man nirgendwo dazugehört.
Insgesamt bin ich etwas zwiegespalten bezüglich des Romans. Ich finde die Thematik aktuell und sehr wichtig, der Roman liest sich flüssig, mir gefallen die unterschiedlichen Erzählebenen, aber mir fehlt eine tiefere Auseinandersetzung mit den Beweggründen für die Radikalisierung und Reaktionen der Protagonistin auf die Aktionen ihrer neuen rechten Freunde, sowohl damals als auch heute. Die Auflösung des Familiengeheimnisses finde ich unbefriedigend – soll man es als Grund für ihre Radikalisierung lesen oder als Grund, sich zu distanzieren? Auch hier fehlt mir die Greifbarkeit. Insgesamt ein interessantes Debut mit einem guten Thema und einer guten Idee. Ich gebe das Buch meiner 17jährigen Tochter, um zu sehen, was sie sagt. Vielleicht habe ich zu viel erwartet, ein bisschen getriggert durch die Ähnlichkeit des Titels mit „Über Menschen“ von Juli Zeh. Aber es wird eine gute Grundlage für ein Gespräch mit ihr.


Gelungenes Debüt!
Auf Unter Grund von Annegret Liepold bin ich wegen des mega Covers aufmerksam geworden. Aber ich kann euch versichern: da steckt auch ein richtig gutes Buch dahinter.
Wir begleiten Franka auf zwei Zeitebenen: als Jugendliche im Jahr 2006 und als Referendarin zur Zeit der NSU-Prozesse etwa 12 Jahre später. Wir erfahren, dass sie als Teenager immer tiefer in die rechte Szene abgleitet und vor allem erfahren wir auch, wieso und wie das passiert. Ich will gar nicht zu viel vorwegnehmen, aber der Roman führt vor Augen, dass es gar nicht immer unbedingt die Fremdenfeindlichkeit ist, die Menschen in rechtsradikale Gruppierungen treibt. Selbstverständlich entschuldigt dies in keinster Weise die verübten Straf- und Gewalttaten, aber es macht deutlich, wie schnell der Weg gehen kann: von dem Mädchen, das sich für den Naturschutz engagiert zu dem Mädchen, das antisemitische Straftaten begeht, sind es gerade mal ein paar Monate (und einige Schnäpse und Enttäuschungen).
Die Aufarbeitung der eigenen und familiären Vergangenheit und die Konfrontation mit unbequemen Wahrheiten ist auch Thema des Buches. Hier gelingt es der Autorin gut, die Notwendigkeit einer ehrlichen Auseinandersetzung damit aufzuzeigen, ohne dabei jedoch anklagend zu sein. Generell gefällt mir der Ton des Buches sehr gut, denn es wird zwar nichts beschönigt, aber eben auch nicht eindimensional dargestellt. Und so erschreckend es auch zunächst sein mag: irgendwie kann man Frankas Entwicklung nachvollziehen. Die unaufdringliche, aber trotzdem überzeugende Sprache unterstützt hier die Fokussierung auf den Inhalt, und hilft gleichzeitig dabei, dass sich das Buch wunderbar zügig lesen lässt. Ich habe lediglich zwei klitzekleine Kritikpunkte an diesem insgesamt wirklich gelungenen Buch: manchmal fand ich die Zeitsprünge etwas verwirrend und habe ein paar Sätze gebraucht, mich zu orientieren; und ich fand es ein bisschen schade, dass wir über die Zeit zwischen den beiden Zeitebenen nichts erfahren.
Dennoch ist es ein tolles Debut, das hochaktuell ist und zum Nachdenken anregt – auch auf ganz persönlicher Ebene. Ich habe zum Beispiel einiges mit der Protagonistin gemeinsam: ich bin in unmittelbarer Nähe zu ihr aufgewachsen (zumindest bis zu meinem Umzug in ein oberfränkisches Dorf mit mehr Kühen als Einwohner:innen), in den Nullerjahren erwachsen geworden, und habe Lehramt studiert. Hier hören die Parallelen zum Glück auf. Und jetzt überlege ich, ob das vielleicht wirklich einfach Glück war. Natürlich möchte ich von mir behaupten, dass ich unter gar keinen Umständen in die rechte Szene abgedriftet wäre. Aber das Buch zeigt eindrücklich, wie subtil dieser Prozess vonstattengehen kann und dass einige Jugendliche etwas ganz anderes suchen als rechtes Gedankengut: Verständnis, Freundschaft, Zugehörigkeitsgefühl. Und vielleicht ist es auch einfach unsere Aufgabe als Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass sie danach nicht am rechten Rand suchen müssen.

Frankas Weg
Unter Grund ist ein Buch, das Sogwirkung hat und mich sehr gefesselt hat.
Die Protagonistin Franka ist junge Lehrerin, die durch ein Wort getriggert wird, das bei ihr Erinnerung an ihre Zeit als Jugendliche auslöst. Man taucht mit ihr ein in die Vergangenheit, in der sie durch Einfluß ihrer Frteunde Jana und Patrick in die rechte Szene abrutscht. Sie ist in einem Dorf aufgewachsen, dass auch eine Vergangenheit aus der schlimmen Zeit hatte. Dazu gehörte auch die Füchsiin, wie Frankas Großmutter genannt wurde.
Man kann verfolgen, wie Franka sich immer tiewfer verstrickt, schließlich auch gewalttätig wird.
Annegret Liepold hat mich mit ihren suggestiven, eindringlichen Stil überzeugt und begeistert. Es ist ein düsterer Stoff, aber wie Franka dargestellt wird, ist realistsich und glaubhaft.
Es bleibt einiges hängen. Man wünscht sich als Leser, das man Franka helfen könnte, ihren richtigen Weg zu finden. Diese Zuversicht lässt einen die Autorin.

Authentisch
von Alo
"So kann sie in den Staub schreiben, was sie vergessen möchte. FRANKA schreibt sie mit dem Zeigefinger auf das Acryl, darunter NAZISCHLAMPE." (Unter Grund, S. 96)

In "Unter Grund" geht es um Franka, die in das Dorf ihrer Kindheit und Jugend zurückkehrt, um sich ihrer Vergangenheit in der rechten Szene zu stellen. Das Buch erzählt, wie Franka dort hineingeraten ist, sich radikalisiert und vom Mitläufer zur Täterin wird.

Ich muss sagen, das Buch hat es mir nicht immer leicht gemacht. Am Anfang empfand ich es als zäh geschrieben. Ich fand nicht so recht hinein, dazu haben auch die nicht immer relevanten Szenen und die vielen Zeitsprünge, denen man aber in der Regel gut folgen kann, beigetragen. Irgendwann versteht man, wo das Buch hinwill, die Fäden führen zusammen und es liest sich besser bis gut.

Die Atmosphäre und die Charakterzeichnungen sind authentisch. Ich bin selbst in einem süddeutschen Dorf in dieser Zeit aufgewachsen und kann leider sagen, dass das genau so passt. Ich habe mich in meine Jugend zurückversetzt gefühlt und unsere "Dorfnazis" (dieser Begriff ist verharmlosend) und ihre Parolen vor mir gehabt. Gut fand ich auch die vielen Leerstellen, die Platz für eigene Gedanken und Interpretationen lassen.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Zitathinweise und Erklärungen am Ende des Buches, in denen die Herkunft der rechten Ausdrücke und Symbole aufgezeigt und einige Begriffe erklärt werden.

Ich könnte mir das Buch gut als Schullektüre vorstellen, weil es eindrücklich zeigt, wie schnell man auf die schiefe Bahn geraten kann, auch wenn man einen guten Geschichtsunterricht genossen hat und weil es leider aktueller denn je ist. Allerdings steht dem der etwas zähe Einstieg ins Buch im Weg, ich sehe hier die Gefahr, dass die oft etwas lesefaulen Jugendlichen schnell demotiviert werden. 3,5/5 Sterne

Der Weg in die Radikalisierung
In ihrem Debütroman „Unter Grund“ hat Annegret Liepold den Weg einer Jugendlichen in die Radikalisierung zu einer Rechtsextremen sehr geschickt beschrieben.
Doch zuerst will ich auf das Cover eingehen. Auf dem Titelbild ist ein Fuchs im Dickicht abgebildet, was meines Erachtens sehr passend ist. In dem Roman ist die Großmutter der Protagonistin eine zentrale Figur, welche den Spitznamen Füchsin hat. Was ich auch noch zu der Gestaltung des Romanes zähle ist die Anzahl der Kapitel: Das Buch hat vergleichsweise sehr wenige Kapitel, was leider nicht den „1-Kapitel-lese-ich-noch-Effekt“ hat. Jedoch hat die Aufteilung schon Sinn ergeben.
Doch nun zu dem Thema: Die angesprochenen Themen sind bedauerlicherweise höchst aktuell, was schon mit dem Einstieg, den NSU-Prozessen, klar wird. Jedoch wird all dies gut aufgearbeitet. Es geht auch um die Aufarbeitung von Geheimnissen, die über Generationen hinweg verschwiegen wurden, um Antisemitismus, Xenophobie, sexuelle Belästigung und Gewalt. Auch am Ende des Buches gibt es eine Erklärung von Begriffen oder Liedtexte, die in dem Roman angesprochen wurden.
Der Schreibstil gefällt mir sehr gut, da er sehr verständlich ist und eher parataktisch aufgebaut ist. Das Einbauen der Dialoge in den Fließtext ist sehr gut gelungen.
Die Figuren haben mir sehr gut gefallen und wirkten sehr authentisch. Mir waren fast alle Charaktere äußerst unsympathisch, was jedoch wahrscheinlich die Intention dahinter war. Insbesondere Franziska macht innerhalb des Romanes eine unfassbare Entwicklung. Interessant anzumerken ist auch, dass sehr viel mit Zeitsprüngen gearbeitet wird. Von der Situation am Romananfang bis zum Ende vergehen nur ungefähr zwei Tage, jedoch gibt es sehr häufig Rückblenden.
Ich empfehle diesen Roman wirklich für jede Person in Deutschland. Eigentlich sollten alle Menschen einmal so eine Geschichte gelesen haben, um zu verstehen, wie „einfach“ es ist, in eine solche Szene abzurutschen und wie gefährlich so etwas werden kann.

Das Schweigen brechen
Franka hat es geschafft. Obwohl ihr in der Grundschule nahegelegt wurde, nicht ins Gymnsasium zu gehen, hat sie Abi gemacht, studiert und ist jetzt in München im Referendariat. Sie mag ihren Beruf und kann sich sogar eingestehen, dass sie ihn gut macht.
Doch dann geht sie mit ihren Schüler:innen zum NSU-Prozess, ein Schüler nennt die Angeklagte „Nazischlampe“ und alles ist wieder da. Auf die Frage ihrer Mitbewohnerin, was los sei, kann sie nicht antworten. Die Sprachlosigkeit ihrer Jugend, die die Sprachlosigkeit ihrer Familie ist, hält sie zurück.
Franka flieht zurück in ihr Dorf. Ob es ein Davonlaufen ist, eine Spurensuche?
Doch auch hier hat sich alles verändert, die Karpfenteiche ihres Vaters wurden verkauft, jetzt soll auch noch das Haus der Großmutter, die „Fuchsin“ genannt wurde verkauft werden. Franke lehnt sich auf, sehnt sich nach Offenheit, nach klaren Worten ihrer Mutter.
Dieser Roman erzählt eine Geschichte der Sprachlosigkeit. Nach dem frühen Tod des Vaters wurde so viel nicht gesagt. Es wurde auch nichts gesagt, als Franka nach und nach in rechte Kreise abrutschte. Und auch sie selber konnte nie über diese Zeit sprechen. Zu groß die Scham, aber auch zu groß die Gewohnheit des Nichtsprechens.
Ein sehr gelungenes Debüt, das sprachlich wie aus einem Guss ist und einige spannende Themen aufgreift: normalisiertes rechtes Gedankengut im Dorf, wie junge Menschen in rechte Gruppen abrutschen, Einsamkeit, Familien, in denen nicht gesprochen wird, Verlust, Freundschaft, Liebe, …
Von mir gibt es definitiv eine Empfehlung. Ich bin schon gespannt auf weitere Titel der Autorin.

Unter Grund
Franka ist nicht stolz auf ihre Jugendzeit. In ihrer Familie wurde schon immer mehr geschwiegen als geredet. Als sie in ihrer Jugend jeglichen Halt verliert, findet sie in Patrick und Janna Freunde, die sie in ihren Kreis aufnehmen. Doch mit ihnen gerät Franka immer tiefer in die rechte Szene. Jetzt, mit Ende zwanzig, ist sie bereit, sich ihrer Vergangenheit zu stellen.
„Unter Grund“ erzählt die Geschichte eines Mädchens, das auf der Suche nach Anerkennung und Zugehörigkeit in die rechte Szene abrutscht. Ein aktuelles Thema – eine Geschichte, die verstört und nachdenklich macht.