Der Luxus ist ein sehr notwendiges Ding
Taschenbuch
Jung u. Jung (2026)
96 Seiten; 16.5 cm x 10.5 cm
ISBN 978-3-99027-447-7
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Hauptbeschreibung
Manchen seiner Zeitgenossen galt Adolf Loos als der »Mann, der Nein sagt«, und kaum einer sagte es mit mehr Entschiedenheit: Nein zum Ornament, Nein zum dekorativen Aufputz, Nein zur Vergeudung, Nein zum Überkommenen und Irrationalen. Mit überwältigendem Furor und unverhohlener Lust zur Provokation propagierte er Klarheit und Einfachheit, den modernen Geist in allen Lebensbereichen, nicht nur in der Architektur.Programmatisch ist der Titel seines berühmten Vortrags »Ornament und Verbrechen«, legendär seine Polemik gegen den Unverstand mancher Zeiterscheinungen und den allgegenwärtigen Modeterror. Auch in den hierversammelten philosophisch-literarischen Texten zeigt er sich als eigensinniger Denker und origineller Schriftsteller, mit einer Botschaft, die aktueller nicht sein könnte: Luxus und Sparsamkeit sind keine Gegensätze!
Eigenschaften
Pointiert, amüsant und provokant: Adolf Loos über Sparsamkeit und Verschwendung
Hersteller: Kampa Verlag AG
Hegibachstrasse 2, 8032 Zürich CH
E-Mail: info@kampaverlag.ch
Adolf Loos - ein Provokateur
Sein Statement auf S. 13 über das Sparen zeigt, dass er auf einem ziemlich hohen Ross sitzt. Dies ist für mich ein wenig unangebracht, da Loos in den Jahren 1893 bis 1896 in den USA lebt und sich selbst als Hilfsarbeiter durchschlagen muss. So bezichtigt er die Proletarier des leichtsinnigen Umgangs mit Geld, weil „der Arbeiter ohne lang nachzudenken, Geld für ein Glas Bier ausgibt“. Ob die Mehrheit der Bevölkerung, nämlich jene, die am Existenzminimum leben, diese Weisheiten erkannt und ihm, Loos, beigepflichtet hätte? Wie viel Geld gibt Loos für seine Feste aus? Und wie sehen es jene Kinder, die Loos gegen geringe Bezahlung für Aktstudien (und noch anderes) zur Verfügung gestanden sind, diesen Vorwurf?
Um es selbst provokant auszudrücken: Mit voller Hose ist leicht stinken.
Wenn er das Diktat der häufig wechselnden Moden anprangert, ist dies eine leicht zu verstehende Parallele zur Gegenwart. Grundsätzlich hat er recht, wenn er Kleidung, die zeitlos und aus Stoffen guter Qualität gefertigt ist, empfiehlt, statt jede Mode(torheit) mitzumachen. Der Rat, in ordentlich verarbeitete Kleidung zu investieren, statt in billige Fetzen, kann nur für jene gelten, die es sich auch leisten können. Die Heimarbeiterin, die vielleicht jene Kleidung herstellt und dafür nur unzureichend bezahlt wird, hat davon nichts. Dabei sind jene das Gros der Menschen zu Adolf Loos‘ Lebenszeit.
Fazit:
Teile dieser Sammlung von philosophisch-literarischen Texten des Architekten Adolf Loos können durchaus auf heutige Verhältnisse umgelegt werden. Einiges ist so gültig wie provokant, damals wie heute. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.


