Rezensionen
Rezensionen von Gertie G.
Autor: Julian Brave NoiseCat
Eine Leseempfehlung - 4 Sterne
In diesem autobiografischen Buch erzählt Julian Brave NoiseCat, die Geschichte seiner indigenen Familie. Dabei spart er Grausamkeiten der Behörden, die den Ureinwohnern Kanadas ihre Kinder entrissen haben, um sie in Klosterschulen umzuerziehen. Man kennt dies aus zahlreichen anderen Romanen und Sachbüchern wie z. B. jenen von Michel Jean, der über ähnliche Schicksale der Inuit schreibt.
Dieses hier ist ein wenig anders, denn es bindet die indigenen Mythen prominent in die Ich-Erzählung ein. Gleichzeitig schildert Julian Brave NoiseCat die epigenetischen Traumata seiner Familie, von denen auch er nicht verschont bleibt. Sein Vater ist eines jener Babys, das in der berüchtigten St. Joseph‘s Mission geboren worden ist und getötet werden sollte. Nur durch eine glücklich Fügung ist er gerettet worden. Julian Brave NoiseCat hat eine Notiz über dessen Rettung in der Williams Lake Tribune vom 28. Oktober 1959 entdeckt:
„Neugeborenes Kind aus der Müllverbrennungsanlage gerettet“.
Dass ein solcher Start in das Leben ein lebenslanges Trauma verursacht, ist wohl verständlich.
Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Recherche rund um seine Herkunft, die eigene und fremde Erinnerung sowie indigener Erzähltradition mit zahlreichen Gleichnissen. Julian Brave NoiseCat rechnet sich zu den Coyote People, in dem ein Koyote als „Trickser“ eine große Rolle mythologischer Ahne spielt.
„Jene, die nicht bei ihren Namen gerufen werden und deren Zeit noch nicht gekommen ist, werden ins Land der Lebenden zurückgeschickt. Einigen gibt der Häuptling ein Lied mit auf den Weg zurück und lässt den Coyote People ausrichten, sie sollen weiter im Uhrzeigersinn im Kreis tanzen, so wie es die Ahnen auf der jenseitigen Seite tun. Wenn wir dies täten, so sagt der Häuptling der Toten, würde der Tod rückgängig gemacht werden, unsere Länder und Flüsse wieder so wunderschön und fischreich sein wie einst, unsere Vorfahren würden zurückkehren und mit ihnen Kojote.“ (S. 469 eBook)
Fazit:
Gerne gebe ich diesem interessanten Buch über die Geschichte der Vernichtung der indigenen Bevölkerung Kanadas, das nicht immer leicht zu lesen ist, 4 Sterne.
Dieses hier ist ein wenig anders, denn es bindet die indigenen Mythen prominent in die Ich-Erzählung ein. Gleichzeitig schildert Julian Brave NoiseCat die epigenetischen Traumata seiner Familie, von denen auch er nicht verschont bleibt. Sein Vater ist eines jener Babys, das in der berüchtigten St. Joseph‘s Mission geboren worden ist und getötet werden sollte. Nur durch eine glücklich Fügung ist er gerettet worden. Julian Brave NoiseCat hat eine Notiz über dessen Rettung in der Williams Lake Tribune vom 28. Oktober 1959 entdeckt:
„Neugeborenes Kind aus der Müllverbrennungsanlage gerettet“.
Dass ein solcher Start in das Leben ein lebenslanges Trauma verursacht, ist wohl verständlich.
Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Recherche rund um seine Herkunft, die eigene und fremde Erinnerung sowie indigener Erzähltradition mit zahlreichen Gleichnissen. Julian Brave NoiseCat rechnet sich zu den Coyote People, in dem ein Koyote als „Trickser“ eine große Rolle mythologischer Ahne spielt.
„Jene, die nicht bei ihren Namen gerufen werden und deren Zeit noch nicht gekommen ist, werden ins Land der Lebenden zurückgeschickt. Einigen gibt der Häuptling ein Lied mit auf den Weg zurück und lässt den Coyote People ausrichten, sie sollen weiter im Uhrzeigersinn im Kreis tanzen, so wie es die Ahnen auf der jenseitigen Seite tun. Wenn wir dies täten, so sagt der Häuptling der Toten, würde der Tod rückgängig gemacht werden, unsere Länder und Flüsse wieder so wunderschön und fischreich sein wie einst, unsere Vorfahren würden zurückkehren und mit ihnen Kojote.“ (S. 469 eBook)
Fazit:
Gerne gebe ich diesem interessanten Buch über die Geschichte der Vernichtung der indigenen Bevölkerung Kanadas, das nicht immer leicht zu lesen ist, 4 Sterne.
von Bellis-Perennis - 2026-06-09 07:27:00
Autor: Savita Diana Wagner
Eine klare Leseempfehlung! - 5 Sterne
Dieses Buch ist das Vermächtnis von Savita Diana Wagner, die sich kurz nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 als humanitäre Helfern freiwillig gemeldet hat. Warum? Weil ihr die zögerliche Haltung des Westens und besonders Deutschlands der Ukraine zu helfen, unerträglich schien.
In chronologischer Reihenfolge werden Auszüge aus Wagners E-mails, Chats, Blog Posts und anderen Nachrichtenkanälen zu einem fiktiven Tagebuch verarbeitet. Herausgekommen ist eine erschütternde und sehr berührende sowie authentische Bestandsaufnahme über das Leben an der Front. Denn Savita Diana Wagner tritt, nachdem ihr ihre humanitäre Hilfe zu gering erscheint, in die ukrainische Armee ein und dient bis zu ihrem Tod am 31. Jänner 2024 als Combat Medic, also als Kampfsanitäterin. Sie gewährt uns einen Einblick in das reale dramatische Kampfgeschehen an der Front, von dem wir im allgemeinen durch amerikanische Serien wie M.A.S.H. nur eine eher unrealistische Vorstellung haben.
Zudem korrigiert sie mit ihren Schilderungen die oft abstrahierten Nachrichten. Sie zeigt den Alltag an der Front, der sie nach Butscha oder nach Charkiw geführt hat. Sie schildert Luftalarm, Artilleriebeschuss, die Versorgung Verwundeter unter Feuer und sowie die permanente Unsicherheit, den nächsten Tag zu erleben. Sie schreibt über Angst und Solidarität, über Kameradschaft, Zweifel und Entschlossenheit, sowie darüber, dass es an manchen Tagen sehr schwer ist, nicht die Hoffnung zu verlieren. Aus ihrem Tagebuch kann man herauslesen, wie sich das Denken und Handeln verändern. Mehrmals lässt sie ihrer Wut über die zögerliche Bereitschaft der Ukraine Waffen und Munition zur Verfügung zu stellen, freien Lauf. So hat sie ihr eigenes Fahrzeug mitgebracht, da zu wenige geländegängige SUVs zur Verfügung stehen.
Savita Diana Wagner malt sich aus, welche Folgen ein Sieg von Putins über die Ukraine haben könnte und welche was das für Europa bedeuten könnte. Allerdings nicht in einer warmen Amtsstube fernab, sondern in Schmutz und Kälte, mitten drin im Geschehen.
Besonders berührend sind jene Worte vom 2. Jänner 2023, die sie bei einem kurzen Heimaturlaub niederschreibt und die ihre Mutter im Nachwort zitiert:
„In Deutschland an der Seitenlinie zu sitzen und zuzusehen, wie meine Leute in der Ukraine fertiggemacht werden, ist so unglaublich anstrengend... Ich bin wütend und fühle mich gleichzeitig irgendwie völlig leer....Ich möchte einfach nur durch diese Türe rennen, zurück auf die andere Seite, und wenn das bedeutet, dass ich dort in einem Meer von Blut ertrinken werde, dann ist es so.“
Ihre Mutter wird sie nicht mehr wiedersehen.
Noch am 20. Jänner 2024 schreibt sie, dass sie sich des Risikos bewusst ist, dass sie
„lieber aufrecht kämpfend für etwas, an das ich glaube, sterben, als die nächsten 50 Jahre nichts zu tun, ...“
Am 31. Jänner 2024 erfüllt sich ihr Schicksal. Combat Medic Savita Diana Wagner, die Deutsche in der Ukraine, wird beim Versuch zwei Verwundete zu bergen, tödlich verletzt. Als Angehörige der Ukrainischen Armee erhält sie ein Begräbnis mit allen militärischen Ehren auf dem Lukianivske-Friedhof in Kiew. Savita Diana Wagner gilt in der Ukraine als Heldin, weil sie Dutzenden verwundeten Soldatinnen und Soldaten durch ihren Einsatz das Leben gerettet hat.
Dieses Buch hat mich tief berührt. Es ist ein außergewöhnliches Zeugnis von Mut und Courage sowie eine Hommage an das ukrainische Volk, das sich gegen einen übermächtigen Aggressor stellt. Leider sieht es aktuell so aus, als ob Trump der Ukraine die Unterstützung durch die USA und die NATO entzieht, weil er sich in seinem eigenen verqueren Weltbild, das sich nur wenig von dem Putins unterscheidet, verschanzt und das, in der Ukraine dringend benötigte Material, in dem von ihm selbst angezettelten Krieg gegen den Iran verschleudert.
Zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos ergänzen und illustrieren sehr anschaulich sowohl die schonungslosen Texte als auch das Ausmaß der der Zerstörung. Gleichzeitig bieten private Fotos unvergleichliche Einblicke in das kurze, aber für Savita Diana Wagner erfüllende Leben an der Front.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem schonungslosen Fronttagebuch, das Savita Diana Wagners Mutter gemeinsam mit Karl Stenerud im Verlag Herder herausgegeben hat, und eine Liebeserklärung an eine Frau ist, die bewusst diesen Weg gewählt hat, 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung, auch wenn manche Stellen schwer zu ertragen sind.
In chronologischer Reihenfolge werden Auszüge aus Wagners E-mails, Chats, Blog Posts und anderen Nachrichtenkanälen zu einem fiktiven Tagebuch verarbeitet. Herausgekommen ist eine erschütternde und sehr berührende sowie authentische Bestandsaufnahme über das Leben an der Front. Denn Savita Diana Wagner tritt, nachdem ihr ihre humanitäre Hilfe zu gering erscheint, in die ukrainische Armee ein und dient bis zu ihrem Tod am 31. Jänner 2024 als Combat Medic, also als Kampfsanitäterin. Sie gewährt uns einen Einblick in das reale dramatische Kampfgeschehen an der Front, von dem wir im allgemeinen durch amerikanische Serien wie M.A.S.H. nur eine eher unrealistische Vorstellung haben.
Zudem korrigiert sie mit ihren Schilderungen die oft abstrahierten Nachrichten. Sie zeigt den Alltag an der Front, der sie nach Butscha oder nach Charkiw geführt hat. Sie schildert Luftalarm, Artilleriebeschuss, die Versorgung Verwundeter unter Feuer und sowie die permanente Unsicherheit, den nächsten Tag zu erleben. Sie schreibt über Angst und Solidarität, über Kameradschaft, Zweifel und Entschlossenheit, sowie darüber, dass es an manchen Tagen sehr schwer ist, nicht die Hoffnung zu verlieren. Aus ihrem Tagebuch kann man herauslesen, wie sich das Denken und Handeln verändern. Mehrmals lässt sie ihrer Wut über die zögerliche Bereitschaft der Ukraine Waffen und Munition zur Verfügung zu stellen, freien Lauf. So hat sie ihr eigenes Fahrzeug mitgebracht, da zu wenige geländegängige SUVs zur Verfügung stehen.
Savita Diana Wagner malt sich aus, welche Folgen ein Sieg von Putins über die Ukraine haben könnte und welche was das für Europa bedeuten könnte. Allerdings nicht in einer warmen Amtsstube fernab, sondern in Schmutz und Kälte, mitten drin im Geschehen.
Besonders berührend sind jene Worte vom 2. Jänner 2023, die sie bei einem kurzen Heimaturlaub niederschreibt und die ihre Mutter im Nachwort zitiert:
„In Deutschland an der Seitenlinie zu sitzen und zuzusehen, wie meine Leute in der Ukraine fertiggemacht werden, ist so unglaublich anstrengend... Ich bin wütend und fühle mich gleichzeitig irgendwie völlig leer....Ich möchte einfach nur durch diese Türe rennen, zurück auf die andere Seite, und wenn das bedeutet, dass ich dort in einem Meer von Blut ertrinken werde, dann ist es so.“
Ihre Mutter wird sie nicht mehr wiedersehen.
Noch am 20. Jänner 2024 schreibt sie, dass sie sich des Risikos bewusst ist, dass sie
„lieber aufrecht kämpfend für etwas, an das ich glaube, sterben, als die nächsten 50 Jahre nichts zu tun, ...“
Am 31. Jänner 2024 erfüllt sich ihr Schicksal. Combat Medic Savita Diana Wagner, die Deutsche in der Ukraine, wird beim Versuch zwei Verwundete zu bergen, tödlich verletzt. Als Angehörige der Ukrainischen Armee erhält sie ein Begräbnis mit allen militärischen Ehren auf dem Lukianivske-Friedhof in Kiew. Savita Diana Wagner gilt in der Ukraine als Heldin, weil sie Dutzenden verwundeten Soldatinnen und Soldaten durch ihren Einsatz das Leben gerettet hat.
Dieses Buch hat mich tief berührt. Es ist ein außergewöhnliches Zeugnis von Mut und Courage sowie eine Hommage an das ukrainische Volk, das sich gegen einen übermächtigen Aggressor stellt. Leider sieht es aktuell so aus, als ob Trump der Ukraine die Unterstützung durch die USA und die NATO entzieht, weil er sich in seinem eigenen verqueren Weltbild, das sich nur wenig von dem Putins unterscheidet, verschanzt und das, in der Ukraine dringend benötigte Material, in dem von ihm selbst angezettelten Krieg gegen den Iran verschleudert.
Zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos ergänzen und illustrieren sehr anschaulich sowohl die schonungslosen Texte als auch das Ausmaß der der Zerstörung. Gleichzeitig bieten private Fotos unvergleichliche Einblicke in das kurze, aber für Savita Diana Wagner erfüllende Leben an der Front.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem schonungslosen Fronttagebuch, das Savita Diana Wagners Mutter gemeinsam mit Karl Stenerud im Verlag Herder herausgegeben hat, und eine Liebeserklärung an eine Frau ist, die bewusst diesen Weg gewählt hat, 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung, auch wenn manche Stellen schwer zu ertragen sind.
von Bellis-Perennis - 2026-06-09 07:21:00
Autor: Bianca Walther
Die frühe Frauenbewegung - fesselnd erzählt - 5 Sterne
Historikerin und Autorin Bianca Walther lässt in diesem Buch die Vorkämpferinnen der ersten deutschen Frauenrechte aufmarschieren. Ja, ich wähle bewusst diese martialische Einleitung. Dann, dass deutsche Frauen ab Jänner 1919 erstmals wählen durften, ist ein langer, zermürbender Kampf. Österreich ist da ein bisschen schneller. Zeitgleich mit der Ausrufung der Republik dürfen Frauen ab 12. November 1918 ihr aktives und passives Wahlrecht ausüben.
In fünf großen Abschnitten, die in zahlreiche Kapitel gegliedert sind, stellt uns Bianca Walther die Pionierinnen der frühen Frauenbewegung von 1848 bis 1919 vor:
Die enttäuschten Töchter der Revolution
Nach der Revolution: Eine Bewegung im Aufbau
Gründerzeit: Erfolge, Rückschläge und der Beginn einer Massenbewegung
Eine gesellschaftliche Kraft: Die Kämpfe werden vielfältiger
Krieg und Umbruch
Beginnend mit der Französin Olympe de Gouges (1748-1793), die für ihre Forderung nach Freiheit und Gleichheit für Frauen, hingerichtet worden ist, über Louise Otto-Peters (1819-1865), Helene Lange (1848-1930) sowie Minna Cauer (1841-1922)und Anita Augspurg (1857-1943) bis hin zu Clara Zetkin (1857-1933) - um nur einige zu nennen - spannt die Autorin den Bogen zu all jenen Frauen, die für ihre Rechte mehr oder weniger militant aufgetreten sind und mitunter auch auf die sprichwörtlichen Barrikaden gegangen sind.
Nicht immer agieren die unterschiedlichen Frauengruppen geschickt und ziehen selten an einem Strang. So bemerken einzelne bürgerliche Frauengruppen, die von Hauspersonal umgeben sind, dass das Engagement der Arbeiterinnen für die Vereinstätigkeit zu wünschen übrig lässt. Ja, eh! Nach einem 12-Stunden-Tag in der Fabrik, Care-Arbeit vor und nach der Erwerbsarbeit sowie Pflichten der Kindererziehung und Hausarbeit, der kaum Zeit zum Durchschnaufen lässt, ist es kaum möglich, zu einer der Versammlungen zu gehen. Zudem fragt zunächst keine der bürgerlichen Damen, was denn die Arbeiterinnen zu ihrer Entlastung bräuchten. Das Wahlrecht oder doch eher einen Acht-Stunden-Tag und Kinderbetreuung. Erst Arbeitervereine schaffen es, Arbeiterinnen zu mobilisieren.
Dieses Buch bringt uns diese ereignisreichen Jahrzehnte nahe. Es beleuchtet, welche Widerständen Frauen ausgesetzt sind, wenn sie keine (Versorgungs)Ehe eingehen wollen, dafür aber mehr als häkeln oder stricken lernen wollen. So ihnen Bildung und Berufstätigkeit verwehrt. Ausgenommen sind natürlich die Arbeiterinnen, deren Familien ohne das Zubrot, so gering es auch ausfällt, nicht überleben können. Für bürgerliche Töchter ziemt es sich nicht, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Lediglich eine Anstellung als Gouvernante ist bis zu ihrer Verehelichung opportun.
Jene Frauen, denen es gelingt, an einer der privaten Lehrerinnenakademien eine Ausbildung zu machen, dürfen zunächst nur Privatschulen für Mädchen unterrichten (ein einwandfreier Leumund und Lebenswandel vorausgesetzt). Als Lehrerinnen sind sie dem sogenannten Lehrerinnenzölibat unterworfen: Kaum ist ein Ehemann in Sicht, werden sie aus dem Schuldienst entlassen.
Wenn frau nun aus dem elterlichen Haushalt ausscheiden will (oder muss), bleibt nur das Zusammenleben mit einer anderer Frau, am besten einer Verwandten übrig. Anderes gilt recht schnell als unschicklich. Diese sexuelle Konnotation sagt im allgemeinen mehr über jene aus, die den Frauen unmoralisches Verhalten unterstellen. Mehrere der Vorkämpferinnen, die mit einer Frau zusammenleben, geraten in das Visier der Behörden. Weibliche Homosexualität steht in Deutschland in Gegensatz zu Österreich nicht unter Strafe.
Erst im Ersten Weltkrieg greift man(n) auf das Reservoir an weiblichen Arbeitskräften zurück, die nach Kriegsende sofort wieder den Männern Platz machen müssen.
Auch wenn die frühe Frauenbewegung zwischen 1848 - 1919 zahlreiche Erfolge erreicht hat und Wegbereiterin für weitere Errungenschaften gewesen ist, muss eines klar sein: Der Kampf ist noch lange nicht vorbei! Den Frauen weht, durch die aktuelle politische Lage in zahlreichen Ländern, die Frauen aus ihren mühsam erkämpften Positionen verdrängen will, ein rauer Wind entgegen.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser lebendig und mitreißend erzählte Geschichte der Frauenbewegung, die mehr als siebzig Jahre um politische Rechte und Freiheiten für Frauen gekämpft hat, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
In fünf großen Abschnitten, die in zahlreiche Kapitel gegliedert sind, stellt uns Bianca Walther die Pionierinnen der frühen Frauenbewegung von 1848 bis 1919 vor:
Die enttäuschten Töchter der Revolution
Nach der Revolution: Eine Bewegung im Aufbau
Gründerzeit: Erfolge, Rückschläge und der Beginn einer Massenbewegung
Eine gesellschaftliche Kraft: Die Kämpfe werden vielfältiger
Krieg und Umbruch
Beginnend mit der Französin Olympe de Gouges (1748-1793), die für ihre Forderung nach Freiheit und Gleichheit für Frauen, hingerichtet worden ist, über Louise Otto-Peters (1819-1865), Helene Lange (1848-1930) sowie Minna Cauer (1841-1922)und Anita Augspurg (1857-1943) bis hin zu Clara Zetkin (1857-1933) - um nur einige zu nennen - spannt die Autorin den Bogen zu all jenen Frauen, die für ihre Rechte mehr oder weniger militant aufgetreten sind und mitunter auch auf die sprichwörtlichen Barrikaden gegangen sind.
Nicht immer agieren die unterschiedlichen Frauengruppen geschickt und ziehen selten an einem Strang. So bemerken einzelne bürgerliche Frauengruppen, die von Hauspersonal umgeben sind, dass das Engagement der Arbeiterinnen für die Vereinstätigkeit zu wünschen übrig lässt. Ja, eh! Nach einem 12-Stunden-Tag in der Fabrik, Care-Arbeit vor und nach der Erwerbsarbeit sowie Pflichten der Kindererziehung und Hausarbeit, der kaum Zeit zum Durchschnaufen lässt, ist es kaum möglich, zu einer der Versammlungen zu gehen. Zudem fragt zunächst keine der bürgerlichen Damen, was denn die Arbeiterinnen zu ihrer Entlastung bräuchten. Das Wahlrecht oder doch eher einen Acht-Stunden-Tag und Kinderbetreuung. Erst Arbeitervereine schaffen es, Arbeiterinnen zu mobilisieren.
Dieses Buch bringt uns diese ereignisreichen Jahrzehnte nahe. Es beleuchtet, welche Widerständen Frauen ausgesetzt sind, wenn sie keine (Versorgungs)Ehe eingehen wollen, dafür aber mehr als häkeln oder stricken lernen wollen. So ihnen Bildung und Berufstätigkeit verwehrt. Ausgenommen sind natürlich die Arbeiterinnen, deren Familien ohne das Zubrot, so gering es auch ausfällt, nicht überleben können. Für bürgerliche Töchter ziemt es sich nicht, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Lediglich eine Anstellung als Gouvernante ist bis zu ihrer Verehelichung opportun.
Jene Frauen, denen es gelingt, an einer der privaten Lehrerinnenakademien eine Ausbildung zu machen, dürfen zunächst nur Privatschulen für Mädchen unterrichten (ein einwandfreier Leumund und Lebenswandel vorausgesetzt). Als Lehrerinnen sind sie dem sogenannten Lehrerinnenzölibat unterworfen: Kaum ist ein Ehemann in Sicht, werden sie aus dem Schuldienst entlassen.
Wenn frau nun aus dem elterlichen Haushalt ausscheiden will (oder muss), bleibt nur das Zusammenleben mit einer anderer Frau, am besten einer Verwandten übrig. Anderes gilt recht schnell als unschicklich. Diese sexuelle Konnotation sagt im allgemeinen mehr über jene aus, die den Frauen unmoralisches Verhalten unterstellen. Mehrere der Vorkämpferinnen, die mit einer Frau zusammenleben, geraten in das Visier der Behörden. Weibliche Homosexualität steht in Deutschland in Gegensatz zu Österreich nicht unter Strafe.
Erst im Ersten Weltkrieg greift man(n) auf das Reservoir an weiblichen Arbeitskräften zurück, die nach Kriegsende sofort wieder den Männern Platz machen müssen.
Auch wenn die frühe Frauenbewegung zwischen 1848 - 1919 zahlreiche Erfolge erreicht hat und Wegbereiterin für weitere Errungenschaften gewesen ist, muss eines klar sein: Der Kampf ist noch lange nicht vorbei! Den Frauen weht, durch die aktuelle politische Lage in zahlreichen Ländern, die Frauen aus ihren mühsam erkämpften Positionen verdrängen will, ein rauer Wind entgegen.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser lebendig und mitreißend erzählte Geschichte der Frauenbewegung, die mehr als siebzig Jahre um politische Rechte und Freiheiten für Frauen gekämpft hat, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
von Bellis-Perennis - 2026-06-09 07:15:00
Autor: Norma Schneider
Wichtiges Thema gut erklärt - 5 Sterne
Ich mag die Reihe „100 Seiten“ aus dem Reclam Verlag sehr gerne, da zu komplexen Themen ohne viel Geschwurbel ziemlich punktgenaue Informationen geliefert werden.
Diesmal beschäftigen sich die „100 Seiten“ mit dem Begriff „QUEER“, der bei vielen Menschen wegen ihres Unwissens oder Halbwissens Ablehnung und Unverständnis hervorruft.
Norma Schneider, Journalistin und Autorin, bietet hier einen kompakten Überblick, was „queer“ eigentlich bedeutet. Sachlich, aber dennoch kurzweilig beleuchtet sie die Begriffe und gibt uns Leserinnen und Lesern Argumente, um so manche hitzige Diskussion wieder auf den Boden der Objektivität zurück zu holen.
Sehr angenehm finde ich das Cover, das in dunkelblau gehalten ist und auf Farben wie quietschpink oder violett verzichtet.
Das Buch eignet sich sehr gut als Einstieg in das doch komplexe Thema, weshalb ich es von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung erhält.
Diesmal beschäftigen sich die „100 Seiten“ mit dem Begriff „QUEER“, der bei vielen Menschen wegen ihres Unwissens oder Halbwissens Ablehnung und Unverständnis hervorruft.
Norma Schneider, Journalistin und Autorin, bietet hier einen kompakten Überblick, was „queer“ eigentlich bedeutet. Sachlich, aber dennoch kurzweilig beleuchtet sie die Begriffe und gibt uns Leserinnen und Lesern Argumente, um so manche hitzige Diskussion wieder auf den Boden der Objektivität zurück zu holen.
Sehr angenehm finde ich das Cover, das in dunkelblau gehalten ist und auf Farben wie quietschpink oder violett verzichtet.
Das Buch eignet sich sehr gut als Einstieg in das doch komplexe Thema, weshalb ich es von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung erhält.
von Bellis-Perennis - 2026-06-09 07:08:00
Autor: Hans Meyer zu Düttingdorf; Juan Carlos Risso
Hat mir nicht gefallen - 2 Sterne
Walter und Willy sind seit über 50 Jahren ein (Ehe)Paar und verbringen anlässlich Walter 80. Geburtstags einen Kurzurlaub im Luxushotel Palace an der Ostsee. Die beiden rüstigen Rentner langweilen sich ein wenig. Doch dann macht Walter am verregneten Morgen eine Beobachtung, die ihn an ein Verbrechen denken lässt. Und wirklich, der Bauunternehmer Helmuth Winterfeldt wird tot im Wasser der Ostsee gefunden. Nachdem der Tote laut seiner Ehefrau an Herzbeschwerden gelitten hat, ist für die Polizei klar: ein bedauerlicher Tod durch Herzinfarkt.
Doch die Polizei schenkt Walters Beobachtung keine Beachtung, weshalb sich das Paar in ein kriminalistischen Abenteuer stürzen, das sie bis nach Mallorca führen wird.
Meine Meinung:
Dieser Krimi ist vor allem eines: überzeichnet. Das Autoren-Duo Hans Meyer von Düttingsdorf und Juan Carlos Risso, im Leben selbst ein langjähriges Paar, dichtet ihren Protagonisten so ziemlich jedes Klischee, das gleichgeschlechtlich Liebenden nachgesagt wird, an: Tuntenhaftes Verhalten, „Schatzi hin, Schatzi her“, in die Wange zwicken, geziertes Halten eines Weinglases und so weiter. Wenn das humorvoll sein soll, bin ich die falsche Adressatin.
Ehrlich, ein Ehepaar, egal ob homo- oder heterosexuell benimmt sich nach fünfzig Jahren des gemeinsamen Lebens nicht wie frisch verliebte Teenager.
Die sogenannten Ermittlungen sind eher ein Herumstochern als echtes Ermitteln, was aber klar ist, denn die beiden sind Laien. Manches liest sie wie das Ergebnis einer Summe gelesener Kriminalromane und überbordender Fantasie von Walter und Willy. Die Auflösung ist für mich leicht vorherzusehen gewesen. Der Spannungsbogen eher flach gehalten.
Sollte es für dieses „Ermittlerpaar“ eine Fortsetzung geben, wird die ohne mich stattfinden.
Fazit:
Dieser Krimi hat mich leider gar nicht überzeugt. Zudem ist diese Art Humor nicht die meine, daher reicht es gerade einmal für 2 Sterne..
Doch die Polizei schenkt Walters Beobachtung keine Beachtung, weshalb sich das Paar in ein kriminalistischen Abenteuer stürzen, das sie bis nach Mallorca führen wird.
Meine Meinung:
Dieser Krimi ist vor allem eines: überzeichnet. Das Autoren-Duo Hans Meyer von Düttingsdorf und Juan Carlos Risso, im Leben selbst ein langjähriges Paar, dichtet ihren Protagonisten so ziemlich jedes Klischee, das gleichgeschlechtlich Liebenden nachgesagt wird, an: Tuntenhaftes Verhalten, „Schatzi hin, Schatzi her“, in die Wange zwicken, geziertes Halten eines Weinglases und so weiter. Wenn das humorvoll sein soll, bin ich die falsche Adressatin.
Ehrlich, ein Ehepaar, egal ob homo- oder heterosexuell benimmt sich nach fünfzig Jahren des gemeinsamen Lebens nicht wie frisch verliebte Teenager.
Die sogenannten Ermittlungen sind eher ein Herumstochern als echtes Ermitteln, was aber klar ist, denn die beiden sind Laien. Manches liest sie wie das Ergebnis einer Summe gelesener Kriminalromane und überbordender Fantasie von Walter und Willy. Die Auflösung ist für mich leicht vorherzusehen gewesen. Der Spannungsbogen eher flach gehalten.
Sollte es für dieses „Ermittlerpaar“ eine Fortsetzung geben, wird die ohne mich stattfinden.
Fazit:
Dieser Krimi hat mich leider gar nicht überzeugt. Zudem ist diese Art Humor nicht die meine, daher reicht es gerade einmal für 2 Sterne..
von Bellis-Perennis - 2026-06-09 07:04:00
Autor: Anna Johannsen
Fesselnd bis zur letzten Seite - 5 Sterne
In ihrem 13. Fall werden HK Lena Lorenzen und ihre Kollegin Naya Olsen abermals nach Amrun geschickt, um den Tod von Dennis Claasen zu untersuchen, der möglicherweise etwas mit angeschwemmten Drogenpaketen zu hat. Recht bald entdecken die beiden Ermittlerinnen, dass es im Leben des Toten einige Ungereimtheiten gibt. Zum einen scheint er zahlreiche Liebschaften auch mit verheirateten Frauen zu unterhalten und zum anderen hat er mit seinen drei Geschwistern Haus und Grundstück geerbt, um dessen Verkauf nun gestritten wird. Um seine Geschwister auszahlen zu können, reicht sein Verdienst als Mädchen für alles im Yachthafen nicht aus.
Als wenig später in Claasens Haus eingebrochen wird und verwüstet wird, deutet alles darauf hin, dass der Tote in die Drogengeschäfte involviert war. Doch wer sind die Drahtzieher? Oder ist alles ganz anders?
Meine Meinung:
Anna Johannsen schafft es, auch im 13. Fall den Spannungsbogen hoch zu halten. Neben dem oft mühsamen Ermittleralltag, der durch Bürokratie, Rivalitäten zwischen Ordnungspolizei und Kriminalbeamten sowie auf ihre Karriere bedachten Staatsanwälte nicht unbedingt erleichtert wird, gibt es für Lena und Naya doch immer wieder Kolleginnen und Kollegen, die durch unbürokratisches Handeln für Lichtblicke sorgen. Manches Macho-Gehabe des einen oder anderen Kollegen soll nur die Angst vor der Nordsee verbergen, die man(n) nicht wirklich zugeben kann.
Wie schon in den Vorgängern spielt das Privatleben von Lorenzen und Olsen eine große Rolle. Die Charaktere und die Schauplätze sind sehr gut und authentisch beschrieben. Lena Lorenzen, die auf Amrun aufgewachsen ist, kann auf zahlreiche Bekannte, wie zum Beispiel ihren früheren Lehrer zurückgreifen, um die eine oder andere Information zu erhalten. Nicht immer fühlt sie sich dabei wohl in ihrer Haut.
Fazit:
Autorin Anna Johannsen hat wieder einen vielschichtigen Krimi geschrieben, der mit einer doch überraschenden, aber stimmigen Aufllösung punktet. Gerne gebe ich dafür 5 Sterne.
Als wenig später in Claasens Haus eingebrochen wird und verwüstet wird, deutet alles darauf hin, dass der Tote in die Drogengeschäfte involviert war. Doch wer sind die Drahtzieher? Oder ist alles ganz anders?
Meine Meinung:
Anna Johannsen schafft es, auch im 13. Fall den Spannungsbogen hoch zu halten. Neben dem oft mühsamen Ermittleralltag, der durch Bürokratie, Rivalitäten zwischen Ordnungspolizei und Kriminalbeamten sowie auf ihre Karriere bedachten Staatsanwälte nicht unbedingt erleichtert wird, gibt es für Lena und Naya doch immer wieder Kolleginnen und Kollegen, die durch unbürokratisches Handeln für Lichtblicke sorgen. Manches Macho-Gehabe des einen oder anderen Kollegen soll nur die Angst vor der Nordsee verbergen, die man(n) nicht wirklich zugeben kann.
Wie schon in den Vorgängern spielt das Privatleben von Lorenzen und Olsen eine große Rolle. Die Charaktere und die Schauplätze sind sehr gut und authentisch beschrieben. Lena Lorenzen, die auf Amrun aufgewachsen ist, kann auf zahlreiche Bekannte, wie zum Beispiel ihren früheren Lehrer zurückgreifen, um die eine oder andere Information zu erhalten. Nicht immer fühlt sie sich dabei wohl in ihrer Haut.
Fazit:
Autorin Anna Johannsen hat wieder einen vielschichtigen Krimi geschrieben, der mit einer doch überraschenden, aber stimmigen Aufllösung punktet. Gerne gebe ich dafür 5 Sterne.
von Bellis-Perennis - 2026-06-09 06:56:00
Autor: Joseph Wisnicki
Eine klare Leseempfehlung! - 5 Sterne
Das vorliegende Buch ist die kaum zu glaubende Lebensgeschichte von Joseph Wisnicki (1916-2016), eines jüdischen Mannes, dem es zunächst gelingt, aus dem Deportationszug, der ihn nach Treblinka bringen sollte, zu springen und durch eine spektakuläre Flucht, die ihn, mit Unterstützung zahlreicher mutiger Helfer und falschen Papiere bis nach Vorarlberg bringt, wo er sich mit viel Chuzpe als „katholischer Fremdarbeiter“ ausgibt, in einer Gärtnerei arbeitet und so den Holocaust überlebt. Angetrieben ist Wisnicki immer von seinem Leitsatz „Mich kriegt ihr nicht!“. Bis auf seinen Bruder Dawid, werden alle Familienmitglieder ermordet.
In Innsbruck wird er Leokadia Justmann kennenlernen, die eine ähnliche Lebensgeschichte hat. Die beiden heiraten 1946 und lassen sich 1950 in den USA nieder.
1997 schreibt Wisnicki seine Lebenserinnerungen unter dem Titel „My Fight for Survival“ nieder, nachdem seine Frau die ihren unter dem Titel „Brechen wir aus“ bereits verfasst hat.
Ich möchte diesem Buch hier gar nicht vorgreifen, sondern empfehle, es selbst zu lesen. Das Buch ist als Hardcover mit zahlreichen privaten Abbildungen im Tyrolia-Verlag erschienen. Den Herausgebern Dominik Markl und Niko Höfinger sei an dieser Stelle für ihre ergänzenden Recherchen, die diese Lebenserinnerungen so eindringlich und lebendig machen, gedankt. Sie haben Tage und Wochen in diversen Archiven verbracht, und dabei ähnliche Schicksale entdeckt. Ihre Forschungen tragen dazu bei, die Geschichte der Überlebenden am Leben zu erhalten, auch wenn diese schon längst nicht mehr unter uns weilen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesen aufwühlenden und doch von feinem Humor durchzogenen Lebenserinnerungen 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
In Innsbruck wird er Leokadia Justmann kennenlernen, die eine ähnliche Lebensgeschichte hat. Die beiden heiraten 1946 und lassen sich 1950 in den USA nieder.
1997 schreibt Wisnicki seine Lebenserinnerungen unter dem Titel „My Fight for Survival“ nieder, nachdem seine Frau die ihren unter dem Titel „Brechen wir aus“ bereits verfasst hat.
Ich möchte diesem Buch hier gar nicht vorgreifen, sondern empfehle, es selbst zu lesen. Das Buch ist als Hardcover mit zahlreichen privaten Abbildungen im Tyrolia-Verlag erschienen. Den Herausgebern Dominik Markl und Niko Höfinger sei an dieser Stelle für ihre ergänzenden Recherchen, die diese Lebenserinnerungen so eindringlich und lebendig machen, gedankt. Sie haben Tage und Wochen in diversen Archiven verbracht, und dabei ähnliche Schicksale entdeckt. Ihre Forschungen tragen dazu bei, die Geschichte der Überlebenden am Leben zu erhalten, auch wenn diese schon längst nicht mehr unter uns weilen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesen aufwühlenden und doch von feinem Humor durchzogenen Lebenserinnerungen 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
von Bellis-Perennis - 2026-06-03 07:41:00
Autor: Leokadia Justman
Eine klare Leseempfehlung! - 5 Sterne
Dieses Memoir, das von Dominik Markl und Niko Höfinger 2025 im Tyrolia-Verlag herausgegeben worden ist, ist die bewegende Flucht- und Überlebensgeschichte von Leokadia Justmann (1922-2002), die gemeinsam mit ihrem Vater aus dem Warschauer Ghetto geflohen ist, während ihre Mutter nach Treblinka deportiert und ermordet worden ist.
Leokadia und ihr Vater kommen 1943 als Zwangsarbeiter nach Tirol, leben dort mit falschen Papieren bis sie an die Gestapo verraten werden. Der Vater stirbt im KZ Reichenau, während es Leokadia mit einer Freundin gelingt, aus dem Gefängnis zu fliehen. Die beiden Frauen werden mit Hilfe von fünf mutigen Polizisten und drei unerschrockenen Frauen versteckt. In Innsbruck wird sie Joseph Wisnicki, einen polnischen Juden kennenlernen, der eine ähnliche Lebensgeschichte hat. Die beiden heiraten 1946 und lassen sich 1950 in den USA nieder.
Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.
Meine Meinung:
Leokadia Justmann hat, wie man im Nachwort lesen kann, mit ihren Aufzeichnungen bereits während ihrer Flucht begonnen, sie mehrmals redigiert und in mehreren Auszügen veröffentlicht unter anderem 1963 als „In Quest for Life“. Bei ihrem Tod 2002 findet sich eine neuerliche überarbeitete Version dieser acht Jahre dauernden Überlebensgeschichte, die Grundlage für die Forschungsarbeit von Dominik Markl und Niko Höfinger ist. Die beiden Herausgeber haben den Bericht behutsam redigiert, die Angaben gegengecheckt und dort wo notwendig, die eine oder andere Ergänzung oder Korrektur angebracht. Auf Grund der detaillierten Angaben von Leokadia Justmann, ist es Dominik Markl und Niko Höfinger gelungen, einige wenige ähnliche Schicksale ausfindig zu machen.
Das Buch ist, ebenso wie jenes ihres Ehemanns Joseph Wisnicki, als Hardcover mit zahlreichen privaten Abbildungen erschienen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem, erstmals in Deutsche übersetze Memoir, das einen authentischen Einblick in die (Über)Lebengsgeschichte einer polnischen Jüdin in Tirol gibt, eine Leseempfehlung und 5 Sterne.
Leokadia und ihr Vater kommen 1943 als Zwangsarbeiter nach Tirol, leben dort mit falschen Papieren bis sie an die Gestapo verraten werden. Der Vater stirbt im KZ Reichenau, während es Leokadia mit einer Freundin gelingt, aus dem Gefängnis zu fliehen. Die beiden Frauen werden mit Hilfe von fünf mutigen Polizisten und drei unerschrockenen Frauen versteckt. In Innsbruck wird sie Joseph Wisnicki, einen polnischen Juden kennenlernen, der eine ähnliche Lebensgeschichte hat. Die beiden heiraten 1946 und lassen sich 1950 in den USA nieder.
Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.
Meine Meinung:
Leokadia Justmann hat, wie man im Nachwort lesen kann, mit ihren Aufzeichnungen bereits während ihrer Flucht begonnen, sie mehrmals redigiert und in mehreren Auszügen veröffentlicht unter anderem 1963 als „In Quest for Life“. Bei ihrem Tod 2002 findet sich eine neuerliche überarbeitete Version dieser acht Jahre dauernden Überlebensgeschichte, die Grundlage für die Forschungsarbeit von Dominik Markl und Niko Höfinger ist. Die beiden Herausgeber haben den Bericht behutsam redigiert, die Angaben gegengecheckt und dort wo notwendig, die eine oder andere Ergänzung oder Korrektur angebracht. Auf Grund der detaillierten Angaben von Leokadia Justmann, ist es Dominik Markl und Niko Höfinger gelungen, einige wenige ähnliche Schicksale ausfindig zu machen.
Das Buch ist, ebenso wie jenes ihres Ehemanns Joseph Wisnicki, als Hardcover mit zahlreichen privaten Abbildungen erschienen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem, erstmals in Deutsche übersetze Memoir, das einen authentischen Einblick in die (Über)Lebengsgeschichte einer polnischen Jüdin in Tirol gibt, eine Leseempfehlung und 5 Sterne.
von Bellis-Perennis - 2026-06-03 07:35:00
Autor: Angela Marina Reinhardt
Eine gelungene Fortsetzung - 4 Sterne
Autorin Angela Marina Reinhardt führt uns, zwei Jahre nach dem ersten Band, zunächst abermals nach Meran.
Man schreibt das Jahr 1874 als sich die Wege der drei Hauptakteure Helen von Burt und ihre Verehrer Maximilian von Montalban und Jean de Benedetti erneut kreuzen. Der Börsenkrach von 1873 und ungezügeltes Geldausgeben haben zahlreiche Vermögen in Luft auflösen lassen, weshalb Max eine reiche Erbin heiraten muss.
Während es Jean eigentlich nur um das Wohl seiner kleinen Tochter geht, spinnen Max und Helens Bruder eine Intrige, um ihn von Helen fern zu halten, damit ihr eigenes Ziel erreicht werden kann. Nach einem verbotenen Duell reist Jean mit Tochter und Kindermädchen überstürzt ab.
Wenig später erfüllt sich Helens Schicksal, das sie nach Wien führt und durch den verheerenden Brand des Ringtheaters am 8. Dezember 1881 eine neuerliche dramatische Wendung erfährt .
Meine Meinung:
Autorin Angela Marina Reinhardt gelingt es abermals ihre Leserinnen in die Welt des Fin de Siècle eintauchen zu lassen. Dabei spart sie nicht mit Gesellschaftskritik. Zum einen beschreibt sie die Welt der Reichen und Schönen sowie andererseits jene, die von ihnen abhängig sind. Auch die unzureichende medizinische Versorgung, und hier im Speziellen, die gynäkologischen Probleme, werden sehr gut beschrieben. Helen leidet vermutlich an Endometriose, einer Krankheit, der auch heute vielfach zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ende des 19. Jahrhunderts gibt es weder Ärztinnen noch das Fach Frauenheilkunde. Also zuckt man entweder mit den Schulter oder stellt die (Fern)Diagnose Hysterie. Das hat häufig eine Entfernung der Gebärmutter zur Folge, die man(n) als Ursache glaubt. Nicht wenige Frauen sterben bei diesen Operationen, von den seelischen Wunden der Überlebenden spricht niemand.
Der Brand des Ringtheaters, der nach amtlichen Angaben über 380 Tote, (Schätzungen gehen aber von deutlich mehr Toten aus) gefordert hat, wird zur Gründung der Wiener Rettungsgesellschaft sowie zu einer der strengsten Bauordnungen und feuerpolizeilichen Bestimmungen in der Monarchie führen. Auslöser des Brandes ist eine Serie von Unterlassungen, Inkompetenz und Schlamperei.
Interessant ist auch der Sidestep zur österreichisch-ungarischen Polarexpedition von Julius Payer und Carl Weyprecht, an der der Meraner Johann Haller teilgenommen hat und bei seiner Ankunft in Meran wie ein Spitzensportler gefeiert wird, was ihm sehr unangenehm ist. Diese Episode hat zwar mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun, passt aber gut in das Setting.
Das Ende dieses Bandes, der bezeichnenderweise den Titel „Schattenflamme“ trägt, lässt auf eine Fortsetzung hoffen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der zeigt, dass die gute , alte Zeit, vor allem für Frauen nicht wirklich gut war, hier 4 Sterne.
Man schreibt das Jahr 1874 als sich die Wege der drei Hauptakteure Helen von Burt und ihre Verehrer Maximilian von Montalban und Jean de Benedetti erneut kreuzen. Der Börsenkrach von 1873 und ungezügeltes Geldausgeben haben zahlreiche Vermögen in Luft auflösen lassen, weshalb Max eine reiche Erbin heiraten muss.
Während es Jean eigentlich nur um das Wohl seiner kleinen Tochter geht, spinnen Max und Helens Bruder eine Intrige, um ihn von Helen fern zu halten, damit ihr eigenes Ziel erreicht werden kann. Nach einem verbotenen Duell reist Jean mit Tochter und Kindermädchen überstürzt ab.
Wenig später erfüllt sich Helens Schicksal, das sie nach Wien führt und durch den verheerenden Brand des Ringtheaters am 8. Dezember 1881 eine neuerliche dramatische Wendung erfährt .
Meine Meinung:
Autorin Angela Marina Reinhardt gelingt es abermals ihre Leserinnen in die Welt des Fin de Siècle eintauchen zu lassen. Dabei spart sie nicht mit Gesellschaftskritik. Zum einen beschreibt sie die Welt der Reichen und Schönen sowie andererseits jene, die von ihnen abhängig sind. Auch die unzureichende medizinische Versorgung, und hier im Speziellen, die gynäkologischen Probleme, werden sehr gut beschrieben. Helen leidet vermutlich an Endometriose, einer Krankheit, der auch heute vielfach zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ende des 19. Jahrhunderts gibt es weder Ärztinnen noch das Fach Frauenheilkunde. Also zuckt man entweder mit den Schulter oder stellt die (Fern)Diagnose Hysterie. Das hat häufig eine Entfernung der Gebärmutter zur Folge, die man(n) als Ursache glaubt. Nicht wenige Frauen sterben bei diesen Operationen, von den seelischen Wunden der Überlebenden spricht niemand.
Der Brand des Ringtheaters, der nach amtlichen Angaben über 380 Tote, (Schätzungen gehen aber von deutlich mehr Toten aus) gefordert hat, wird zur Gründung der Wiener Rettungsgesellschaft sowie zu einer der strengsten Bauordnungen und feuerpolizeilichen Bestimmungen in der Monarchie führen. Auslöser des Brandes ist eine Serie von Unterlassungen, Inkompetenz und Schlamperei.
Interessant ist auch der Sidestep zur österreichisch-ungarischen Polarexpedition von Julius Payer und Carl Weyprecht, an der der Meraner Johann Haller teilgenommen hat und bei seiner Ankunft in Meran wie ein Spitzensportler gefeiert wird, was ihm sehr unangenehm ist. Diese Episode hat zwar mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun, passt aber gut in das Setting.
Das Ende dieses Bandes, der bezeichnenderweise den Titel „Schattenflamme“ trägt, lässt auf eine Fortsetzung hoffen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der zeigt, dass die gute , alte Zeit, vor allem für Frauen nicht wirklich gut war, hier 4 Sterne.
von Bellis-Perennis - 2026-06-03 07:26:00
Autor: Tim Sohr
Kein Märchen, sondern pure Gewalt - 4 Sterne
Autor Tim Sohr entführt seine Leserinnen und Leser in das Hamburg der 1970er und 1980er Jahre, also in jene Zeit, in denen auf St. Pauli die Messer tief fliegen und Banden das Rotlichtviertel mit brutaler Gewalt regieren. Tom „Katze“ Katzenberger ist ein knapp 15-jähriger Schüler, der heimlich den Polizeifunk abhört und bei der Eröffnung der Köhlbrandbrücke grandiose Fotos schießt, die er an die „Hamburger Morgenpost“, kurz MoPo schickt und wenig später, zunächst als freier Mitarbeiter, dann als Polizeireporter regelmäßig Aufsehen erregende Fotos schießt. Katze ist fast immer früher als die Konkurrenz am Ort des Geschehens. Während Fotos anderer Fotografen ziemlich voyeuristisch sind, hat Katze einen etwas anderen Blick und lässt den Opfern ihre Würde.
Gleichzeitig lenkt Tim Sohr unseren Blick sowohl auf die Polizisten, die auf der berühmten Davidwache Dienst tun, als auch auf Zuhälter und Prostituierte. Es ist kein weichgezeichnetes Bild der Reeperbahn, sondern blutiger Alltag. Im Lauf der Jahre hat sich Katze an die harte Realität genauso gewöhnt, wie die Polizisten an ihren bestechlichen Chef, der billigend den Tod des einen oder anderen Kollegen im Dienst in Kauf nimmt. Daneben haben die Zuhälter ihre eigenen Regeln, auf deren Einhaltung streng geachtet wird. So sind Schusswaffen verboten. Man regelt alles per Faust oder Messer. Als ein neu Generationen von Zuhältern den Kiez übernimmt, gelten die alten Regeln plötzlich nicht mehr. Die alten Gangster, soferne sie überlebt haben, können nur mit Wehmut in die Vergangenheit zurückblicken - mit Blues eben.
Meine Meinung:
Als erklärter Hamburg-Fan habe ich dieses Buch, das der Autor als Roman und nicht als Krimi bezeichnet, gerne gelesen. Der Roman ist an einige reale Ereignisse angelehnt. So gibt es für den fiktiven Tom „Katze“ Katzenberger ein echtes Vorbild. Dieses Buch ist keine Romantisierung der Menschen und der Zeit. Viele sterben, andere geben auf und verlassen den Kiez, oft auch die Stadt Hamburg.
Der Hamburger Kiez ist heute für viele Hamburg-Besucher eine Vergnügungsmeile vielfältiger Art, die auch familientauglich ist. In den 1970er- und 1980er-Jahren ging es da aber ziemlich rau zu. Touristinnen, die auf der Reeperbahn flanieren, wurden scheel angesehen und häufig blöd angemacht.
Die Charaktere sind häufig widersprüchlich angelegt. Dieses Leben zeichnet alle Figuren.
So meint Zuhälter Frankie fast philosophisch: „Was man seinem Kind vorlebt, das nimmt es auch an. Wenn das Kind sieht, dass der Vater sich gewalttätig verhält oder Geschäfte betreibt mit dementsprechenden Leuten, dann wird das auf den Jungen abfärben.“
Wenig später widerspricht er sich selbst, wenn er einen Streit mit der Mutter des Sohnes mit einem Bügeleisen beendet - mitten im Gesicht der Mutter.
Vielleicht ist die Darstellung der Gewalt nicht jedermanns Sache.
Fazit:
Tim Sohr ist mit "KiezBlues" ein ebenso rauer wie schneller sowie unterhaltsamer Roman gelungen, der kein Märchen sondern den harten Blues von St. Pauli erzählt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Gleichzeitig lenkt Tim Sohr unseren Blick sowohl auf die Polizisten, die auf der berühmten Davidwache Dienst tun, als auch auf Zuhälter und Prostituierte. Es ist kein weichgezeichnetes Bild der Reeperbahn, sondern blutiger Alltag. Im Lauf der Jahre hat sich Katze an die harte Realität genauso gewöhnt, wie die Polizisten an ihren bestechlichen Chef, der billigend den Tod des einen oder anderen Kollegen im Dienst in Kauf nimmt. Daneben haben die Zuhälter ihre eigenen Regeln, auf deren Einhaltung streng geachtet wird. So sind Schusswaffen verboten. Man regelt alles per Faust oder Messer. Als ein neu Generationen von Zuhältern den Kiez übernimmt, gelten die alten Regeln plötzlich nicht mehr. Die alten Gangster, soferne sie überlebt haben, können nur mit Wehmut in die Vergangenheit zurückblicken - mit Blues eben.
Meine Meinung:
Als erklärter Hamburg-Fan habe ich dieses Buch, das der Autor als Roman und nicht als Krimi bezeichnet, gerne gelesen. Der Roman ist an einige reale Ereignisse angelehnt. So gibt es für den fiktiven Tom „Katze“ Katzenberger ein echtes Vorbild. Dieses Buch ist keine Romantisierung der Menschen und der Zeit. Viele sterben, andere geben auf und verlassen den Kiez, oft auch die Stadt Hamburg.
Der Hamburger Kiez ist heute für viele Hamburg-Besucher eine Vergnügungsmeile vielfältiger Art, die auch familientauglich ist. In den 1970er- und 1980er-Jahren ging es da aber ziemlich rau zu. Touristinnen, die auf der Reeperbahn flanieren, wurden scheel angesehen und häufig blöd angemacht.
Die Charaktere sind häufig widersprüchlich angelegt. Dieses Leben zeichnet alle Figuren.
So meint Zuhälter Frankie fast philosophisch: „Was man seinem Kind vorlebt, das nimmt es auch an. Wenn das Kind sieht, dass der Vater sich gewalttätig verhält oder Geschäfte betreibt mit dementsprechenden Leuten, dann wird das auf den Jungen abfärben.“
Wenig später widerspricht er sich selbst, wenn er einen Streit mit der Mutter des Sohnes mit einem Bügeleisen beendet - mitten im Gesicht der Mutter.
Vielleicht ist die Darstellung der Gewalt nicht jedermanns Sache.
Fazit:
Tim Sohr ist mit "KiezBlues" ein ebenso rauer wie schneller sowie unterhaltsamer Roman gelungen, der kein Märchen sondern den harten Blues von St. Pauli erzählt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
von Bellis-Perennis - 2026-06-03 07:19:00











