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Rezensionen

Die Passantin

Autor: Nina George

Erschienen 2025 bei Kein & Aber
ISBN 978-3-0369-5073-0
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Ein wundervoll vielfältiger Frauenroman - 5 Sterne

Mir gefällt die Verknüpfung von realen und bekannten politischen und gesellschaftlichen Ereignissen und die darin eingewobenen Geschichten über unterschiedliche Frauenschicksale, die es durch die Jahrtausende hinweg bis heute gegeben hat und gibt.

Herzerfrischend einfallsreich, schnell und zugleich wundervoll poetisch und bunt beschrieben.

Unbedingte Leseempfehlung!
von HEYN Leserunde, Barbara Maria Angerer - 2025-11-12 18:17:00

Wer liest, verpasst nichts und erlebt alles - 4 Sterne

Das Buch „Die Passantin“ von Nina George hat mir sehr gut gefallen. Schon der Klappentext macht neugierig, und ich fand die Idee, so eine Geschichte zu schreiben, wirklich sensationell. Ich konnte schnell in das Geschehen eintauchen und war von Anfang an gefesselt. Die Hauptfigur Jeanne steht mitten im Leben, ist aber innerlich zerrissen. Sie fragt sich, wer sie wirklich ist und was sie vom Leben will.
Besonders schön finde ich, wie ruhig und gefühlvoll Nina George schreibt. Man spürt Jeannes Fürsorge und ihr Nachdenken über sich selbst und ihre Familie. Auch die Begegnung mit der Passantin ist etwas Besonderes, weil sie Jeanne verändert. Die Passantin ist eine Frau, die ihr begegnet, aber sie steht auch symbolisch für Jeanne selbst – für das Weitergehen, Loslassen und den Mut, das eigene Leben neu zu gestalten.
Sehr spannend fand ich den Anfang und besonders das dritte Buch mit den Begegnungen zwischen Bernard, Claire und Alva. Diese Szenen bringen viel Bewegung in die Geschichte und zeigen, wie eng alles miteinander verbunden ist. Mit dem Ausgang der Geschichte habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Das Ende hat mich überrascht, aber auch nachdenklich gemacht.
Am Schluss findet Jeanne einen Ort und einen Weg, die zu ihr passen. Sie lernt, loszulassen und wieder Teil ihres eigenen Lebens zu werden. Das Ende ist ruhig, versöhnlich und zeigt, dass sie Frieden mit sich und ihrer Vergangenheit gefunden hat.
Etwas langatmig fand ich dagegen die Passagen über Enric, Leyla und sein Verschwinden. Auch die wiederholte Schilderung der Schicksale der einzelnen Frauen war mir an manchen Stellen zu ausführlich – hier hätte eine kürzere Darstellung für mich besser gepasst.
Insgesamt ist „Die Passantin“ eine ruhige, gefühlvolle und stellenweise spannende Geschichte über Neuanfang, Selbstfindung und das Weiterleben nach schwierigen Zeiten.
4 von 5 Sternen für ein berührendes Buch mit kleinen Längen, aber einer starken Botschaft und einem Ende, das mich wirklich überrascht hat.
von HEYN Leserunde, Silvia Grutze - 2025-11-12 17:41:00

Schonungslos und ergreifend - 4 Sterne



Eine geniale Idee, den (tatsächlichen) Absturz eines Flugzeuges damit zu verknüpfen, dass eine Passagierin aus einem Impuls nicht einsteigt, um ihrem Leben als berühmte Schauspielerin einen neuen Sinn zu geben, damit die Chance erhält, als tot zu gelten und somit die bisherige Existenz zu verlassen und eine neue Identität aufbauen zu können.

Diese Grundlage ist der Einstieg in eine spannende und präzise Erzählung über bestürzt machende Frauenschicksale, einen Ort der Zuflucht, der von Frauen für derart gedemütigte und verletzte Frauen geschaffen wurde, bis hin zur Schaffung neuer Existenzen für etliche dieser Frauen.

In mancher Hinsicht liest sich der Roman, wie eine Sammlung von Schilderungen über Misshandlungen und massive Repressalien an Frauen, die in Frauenhäusern Schutz gesucht und gefunden haben. Durch die Einbindung in einen Roman wirken diese Schilderungen aber viel stärker und regen hoffentlich viele Leserinnen und Leser zum Nachdenken an. Für Spannung ist jedenfalls gesorgt.

Und das Ende ist sehr überraschend und – obwohl ein bisschen Blut fließt – auch irgendwie befriedigend, in Anbetracht von aufgestauten Rachegefühlen..

Jedenfalls sehr empfehlenswert, nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer, obwohl die im Roman genannten nur schlecht wegkommen. Deshalb nur 4 Sterne, denn es sind nicht alle Männer so, wie die im Roman gezeichneten.
von HEYN Leserunde Manfred Angerer - 2025-11-12 17:33:00

Egotrip zum Glück? - 3 Sterne

Ein Roman über eine rigorose Flucht aus dem bisherigen Leben einer Ehefrau, Mutter und zugleich sehr berühmten Schauspielerin. Sie akzeptiert dabei ihren angeblichen Tod, über den in den Medien berichtet wird. Dieser feministisch aufgeladene Egotrip endet in einem überraschenden und verstörenden Finale. Im Gesamten wird diese fiktionale Geschichte dem Leben leider zu wenig gerecht.
von Laszlo Zoltan - 2025-11-12 08:04:00

„Gewalt überlebt nur dank des Unglaubens der Anständigen“ - 5 Sterne

Barcelona 2015–2019
Die Bestseller-Autorin Nina George hat ein originelles, geniales Buch geschaffen.
Die brillante Idee hat sie dabei zu einer thrillerstarken Geschichte entwickelt.
Ein hochspannender Gedankenschwarm über körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt als Eingriff in die persönliche Freiheit, Unversehrtheit, Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein eines Menschen. Dieses Thema ist heute in unserer Gesellschaft wichtiger denn je.
Die Sprache ist kraftvoll und unerschrocken. Kein Pardon – die klaren Formulierungen machen die Geschichte unfassbar eindringlich.

„Die Gewalt lebt davon, dass sie von Anständigen nicht für möglich gehalten wird.“ — Jean-Paul Sartre (1905–1980)

Fazit: Sehr empfehlenswert – ab jetzt gehört Nina George zu meinen liebsten Autorinnen
von HEYN Leserunde, Ewa Wiercinska - 2025-11-12 06:23:00

Selbstfindung? - 4 Sterne

Nina George erzählt die Geschichte einer Frau, die die Chance zu einem kompletten Neubeginn nützt oder genauer gesagt: die Geschichte einer Frau, die die Chance nützt sich selbst wieder zu finden. Identität, Selbstfindung aber auch Solidarität unter Frauen sind zentrale Themen.

Die Autorin lässt ihre Protagonistin in einem Haus Unterschlupf finden, das von sogenannten „unsichtbaren Frauen“ bewohnt wird – Frauen, die auch aus ihrem alten Leben geflüchtet sind.
Ihre Schicksale sind unglaublich grausam, vielschichtig und vermutlich lebensnah.
Sie erzählen von absurder Gewalt und Unterdrückung, aber auch von Mut, Wehrhaftigkeit und Befreiung – erschütternd und aufwühlend.

Nina Georges sprachlicher Stil ist bemerkenswert. Manchmal poetisch, aber dabei immer klar und gnadenlos offen (und deshalb oft schwer erträglich) führt sie die Leserin durch verschiedenste Schicksale, Erinnerungen und spannende Gedankenspiele.

Es ist kein Buch, das so einfach nebenher gelesen werden kann, es fordert Aufmerksamkeit und Gefühl und vor allem: auch nach Beendigung der Lektüre wirkt es lange nach!
Auf alle Fälle findet dieses Buch seinen Platz in meinem „Muss-ich-unbedingt-noch-einmal-oder-öfters-lesen“-Regal!
Lesenswert!

von HEYN Leserunde, Miriam Brandl - 2025-11-11 22:02:00

Welch intensive Sprache! - 4 Sterne

Als ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich mir sofort: welch geniale Idee ist denn Nina Georges Kopf da entsprungen! Der Einstieg in die Geschichte gelang wirklich wunderbar, machte mich neugierig und fesselte mich von Beginn an. Die Autorin arbeitet mit einer für mich sehr intensiven Sprache, mit der sie mich immer wieder auf besondere Art und Weise berühren konnte. Mit ihren Worten, Beschreibungen, Schilderungen gelingt es ihr das ganze Buch hindurch, in das Erlebte und die Gefühle der Protagonistin Einblick zu geben, die Lesenden spüren zu lassen, wie es denn sein könnte, diesem Mann zu verfallen, unter ihm zu leiden, gefangen zu sein in einer ihr fremden Identität, sich nicht zu wehren, (nicht) zu sterben, vor Sehnsucht nach den Kindern fast zu zerbrechen, sich aber dann dem Leben zu stellen und "zurück" zu kommen. Ja, das Thema an sich ist nichts Neues ... und ja, das Buch hatte im Mittelteil seine Längen. Aber das ist für mich Jammern auf hohem Niveau. Deshalb meine Empfehlung: bitte lesen.
von HEYN Leserunde, Dagmar Pfleger - 2025-11-11 20:12:00

reich und schön vs. frei und selbstbestimmt - 3 Sterne

Nina George schreibt in „Die Passantin“ über Identität, Freiheit und dem Wunsch nach Selbstbestimmung einer Frau, die durch einen Zufall aus ihrem bisherigen Leben jäh aussteigen kann. Schön, reich und berühmt als Schauspielerin – warum aus so einem Märchen aussteigen wollen? Seite für Seite werden die Untiefen in ihrem bisherigen Leben sichtbar, eine Fassade, in der sich die Protagonistin selbst verloren hat. Eine toxische Beziehung, der Anspruch, allen Erwartungen gerecht zu werden, dabei hat sie all die Jahre nur eine weitere Rolle gespielt. Von diesen Fesseln befreit bleibt zunächst nichts übrig, kein Selbst, keine eigenen Gedanken oder Wünsche. Andere Frauen mit schweren Schicksalen, die nicht in das gesellschaftliche „Normal“ passen oder vor drohender männlicher Gewalt fliehen und sich verstecken müssen, helfen der Hauptdarstellerin dabei, sich selbst wieder zu (er)finden und sich ihrer Vergangenheit als Opfer zu stellen.
Nina George nutzt die Sprache poetisch und kreativ, das kann manchmal ein Genuss oder eine Überraschung sein, streckenweise ist es für mich aber mühsam gewesen. Die Geschichte verfolgt hauptsächlich zwei Erzählstränge, am Ende kommt ein dritter und zusätzlich unterschiedliche Erzählperspektiven hinzu, das war beim Lesen zwar stellenweise etwas herausfordernd, hat die Geschichte durchaus interessant gemacht und die Spannung erhöht.
Leider sind die Figuren eher flach geblieben, die feministische Gesellschaftskritik habe ich als gar zu arg aufgetragen empfunden. Obwohl die Geschichte davon handelt, dass sich Frauen aus ihrem Opfersein und den gesellschaftlichen Zwängen befreien, können sie das anscheinend nur, wenn sie sämtliche – böse – Männer aus ihrem Leben verbannen. So definiere ich modernen Feminismus für mich nicht.


von HEYN Leserunde, Evi Werkl - 2025-11-11 19:42:00

Was wäre wenn... - 4 Sterne

Die Protagonistin steigt aus ihrem Leben aus, in dem sie nicht ins Flugzeug steigt und somit für ihre Familie und die gesamte Welt, nach dem Flugzeugabsturz, fälschlicherweise für tot gehalten wird. Sie beginnt ein Leben in der Anonymität, in einem Haus, das nur von Frauen, mit unterschiedlichen Schicksalen, bewohnt wird. Hier muss sie sich den Folgen ihres Verschwindens, ihrer Persönlichkeit, ihrer Rache stellen. Das Ende ist raffiniert erzählt und die gesamte Geschichte manchmal etwas zu dick aufgetragen, aber sehr rasant erzählt.
Die Frage hat sich mir am Ende gestellt: was wäre, wenn ich alles zurücklassen würde, irgendwo neu beginnen, immer auf der Flucht sein… geht das überhaupt?

von HEYN Leserunde, Lieselotte Fieber - 2025-11-11 18:33:00

Libertat - 5 Sterne

Ein herausragendes Buch über Gewalt gegen Frauen, über Freundschaft und Frauensolidarität, über Selbstermächtigung und den Weg zu einem selbst bestimmten Leben mit einem fulminanten Show Down. Nina George erfindet nicht nur einen spannenden Plot sondern zeichnet emphatisch und nachvollziehbare Leidensgeschichten von Frauen und deren Mut, ihren Opferstatus zu verlassen. Eine Buchempfehlung, für alle, die vor Gewalt gegen Frauen nicht die Augen verschließen.
von HEYN Leserunde, Sigrun Alten - 2025-11-11 16:40:00