Rezensionen
Die Spielerin - 5 Sterne
In „Die Spielerin“ erzählt Isabelle Lehn die Geschichte einer unscheinbaren Frau – sie wird im Buch nur „A.“ genannt, wächst in den 1990er Jahren in der niedersächsischen Provinz auf, ist dann als Bankerin in Zürich tätig und gewinnt Einblick in Methoden, wie man Geld „reinwaschen“ und, ohne Spuren zu hinterlassen, von A nach B transferieren kann. „In diese Rolle fügt sie sich ein, ihr bezeichnendes Merkmal ist ihre Durchschnittlichkeit“, erklärt die Autorin. Man könnte schlussfolgern, eine bessere Tarnung gibt es nicht. Sie wird so zur weltweit operierenden Verwalterin des Vermögens der kalabresischen Mafia. Dass sie durchschaut, was hier geschieht, macht es für sie nicht einfacher. „Das Ganze war ein großes Theater“, heißt es über ein schauriges Morgenmeeting-Ritual, und: „Gewonnen hatte das Spiel, wer in der Lage war, die Distanz zwischen der Person, die er darstellte, und dem Elend, das sich dahinter verbarg, mit der größten Leichtigkeit zu überbrücken.“ A. beißt sich konzentriert und zäh durch, arbeitet sehr viel, viel mehr als die Männer um sie herum, aber sie passt auf, dass es keiner merkt. Als sich zeigt, dass Computer-Updates (wer kennt das nicht?) das Hochfahren am Montag enorm verzögern, gewöhnt sie sich an, am Samstag ins Büro zu gehen und ihren Rechner zu starten. Bald macht sie das auch für die Kollegen, die nicht im Traum auf den Gedanken kämen, am Wochenende im Büro vorbeizuschauen. Dann zitiert ihr Chef sie zu sich, schwer aufgebracht, aber es geht zu ihrer völligen Verblüffung lediglich um die Frage, warum sie nicht auch seinen Computer am Samstag hochfährt. A. zeigt sich schuldbewusst, demütig, entgegenkommend, vielleicht sogar zu sehr? „Sie hatte Angst, es übertrieben zu haben.“ Aber der Chef ist zufrieden, dass sie künftig auch seinen Rechner am Samstag hochfahren wird. A. ist eine ausgezeichnete „Spielerin“. Sie würde mitspielen, während die Männer sich zunächst sträuben, und später bekommen sie nicht mit, wie ihnen geschieht, denn – so die Autorin - „es ist eine Welt des schönen Scheins und der Fassaden. Eine Welt, die glänzt und durch Komplexität blendet, um zu verbergen, was sich hinter den Fassaden verbirgt.“
Isabelle Lehn erschafft mit A. eine ambivalente Heldin, die ihre Unscheinbarkeit zu nutzen weiß – sie erkennt, wie viel Freiraum es ihr gewährt, in der Bank übersehen zu werden. So liest sich das Buch wie ein gut recherchierter Wirtschafts- und Mafiakrimi, der ebenso spannend wie unterhaltsam ist. Amüsiert liest man von Männern, die Frauen am Arbeitsplatz erst dann wahrnehmen, wenn es zu spät ist. Besonders faszinierend ist der kühle Erzählton, sodass die Distanz, die die Lesenden zur Protagonistin aufbauen, deren Rätselhaftigkeit unterstreicht: Weshalb wird A. zur Hochstaplerin? Ist sie lediglich süchtig nach Geld und Macht – eine Spielerin? „Ich wollte zeigen, dass Frauen genauso machtgeil sein können wie Männer. Sie sind nicht automatisch die moralisch Überlegenen“, sagt Isabelle Lehn. Wer ist ihr Auftraggeber? Der seltsame Majestätsplural – das „Wir“, das immer wieder in die Perspektiven einfließt, lässt wohl auf die Mafia schließen … Der Roman basiert übrigens auf einer wahren Begebenheit: 2009 wurde Martina N. als Betrügerin in einer Luxussuite in Florenz festgenommen. Von diesem Fall hat Isabelle Lehn auf der Website des Mafia-Experten Sandro Mattioli erfahren. Die Figur, sagt die Autorin, habe sie sofort gereizt. Aus Martina N. hat sie für ihren Roman A. gemacht, die jahrelang undercover für die kalabresische Mafia gearbeitet haben soll.
Erzählt wird die Geschichte aus den Blickwinkeln verschiedener Weggefährtinnen und -gefährten von A.; so heißt es etwa: „Er muss sich in sich selbst getäuscht haben“, denkt sich einer, „sonst hätte er sich nicht von ihr täuschen lassen. Das verzeiht er sich nicht.“ Schöner ist eine unbelehrbare Selbstüberhebung nicht auszudrücken. Unterschätzt zu werden, ist A.s „Superkraft“, heißt es später, und dazu gehört auch, dass ihre Chefs sie zwar emsig finden: „doch sie überschätzte sich schnell“. Und genau das macht den Roman so raffiniert, denn allen ist gemeinsam, dass sie auf A. – „die Spielerin“ - hereingefallen sind.
Der Titel ist übrigens eine Anspielung auf Fjodor Dostojewskis Erzählung «Der Spieler». Darin geht es um einen Mann, der vom Glücksspiel nicht loskommt. Lehns Roman nimmt nun die Sucht auf, das Rauschhafte, die Jagd nach mehr und noch mehr Geld. „Es hat mich gewundert, dass der Romantitel ‹Die Spielerin› noch frei war“, so Lehn. „Offenbar hat man Gier bislang nicht mit Frauen in Verbindung gebracht.“ Auch hier liegt also eine eklatante Unterschätzung vor...
Beeindruckt hat mich, dass Isabelle Lehn ohne den moralisierenden Zeigefinger auskommt; die Ambivalenz der Protagonistin lässt offen, ob A. mehr Täter oder mehr Opfer war; die Grenzen zwischen legitim und legal sind fließend. A. erlernt das Spiel so perfekt, dass sie den Umstand, ständig unterschätzt zu werden, zur Stärke macht: „Die Macht ist nicht etwas, was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert; die Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht“ (Michel Foucault). Wie viel eine „unscheinbare Frau mittleren Alters“ bewirken, aber auch anrichten kann, zeigt dieses Buch auf wunderbare Weise – wir sollten uns jedenfalls auf das Leben spielerisch einlassen, denn – wie schon Friedrich von Schiller wusste – „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“
Isabelle Lehn erschafft mit A. eine ambivalente Heldin, die ihre Unscheinbarkeit zu nutzen weiß – sie erkennt, wie viel Freiraum es ihr gewährt, in der Bank übersehen zu werden. So liest sich das Buch wie ein gut recherchierter Wirtschafts- und Mafiakrimi, der ebenso spannend wie unterhaltsam ist. Amüsiert liest man von Männern, die Frauen am Arbeitsplatz erst dann wahrnehmen, wenn es zu spät ist. Besonders faszinierend ist der kühle Erzählton, sodass die Distanz, die die Lesenden zur Protagonistin aufbauen, deren Rätselhaftigkeit unterstreicht: Weshalb wird A. zur Hochstaplerin? Ist sie lediglich süchtig nach Geld und Macht – eine Spielerin? „Ich wollte zeigen, dass Frauen genauso machtgeil sein können wie Männer. Sie sind nicht automatisch die moralisch Überlegenen“, sagt Isabelle Lehn. Wer ist ihr Auftraggeber? Der seltsame Majestätsplural – das „Wir“, das immer wieder in die Perspektiven einfließt, lässt wohl auf die Mafia schließen … Der Roman basiert übrigens auf einer wahren Begebenheit: 2009 wurde Martina N. als Betrügerin in einer Luxussuite in Florenz festgenommen. Von diesem Fall hat Isabelle Lehn auf der Website des Mafia-Experten Sandro Mattioli erfahren. Die Figur, sagt die Autorin, habe sie sofort gereizt. Aus Martina N. hat sie für ihren Roman A. gemacht, die jahrelang undercover für die kalabresische Mafia gearbeitet haben soll.
Erzählt wird die Geschichte aus den Blickwinkeln verschiedener Weggefährtinnen und -gefährten von A.; so heißt es etwa: „Er muss sich in sich selbst getäuscht haben“, denkt sich einer, „sonst hätte er sich nicht von ihr täuschen lassen. Das verzeiht er sich nicht.“ Schöner ist eine unbelehrbare Selbstüberhebung nicht auszudrücken. Unterschätzt zu werden, ist A.s „Superkraft“, heißt es später, und dazu gehört auch, dass ihre Chefs sie zwar emsig finden: „doch sie überschätzte sich schnell“. Und genau das macht den Roman so raffiniert, denn allen ist gemeinsam, dass sie auf A. – „die Spielerin“ - hereingefallen sind.
Der Titel ist übrigens eine Anspielung auf Fjodor Dostojewskis Erzählung «Der Spieler». Darin geht es um einen Mann, der vom Glücksspiel nicht loskommt. Lehns Roman nimmt nun die Sucht auf, das Rauschhafte, die Jagd nach mehr und noch mehr Geld. „Es hat mich gewundert, dass der Romantitel ‹Die Spielerin› noch frei war“, so Lehn. „Offenbar hat man Gier bislang nicht mit Frauen in Verbindung gebracht.“ Auch hier liegt also eine eklatante Unterschätzung vor...
Beeindruckt hat mich, dass Isabelle Lehn ohne den moralisierenden Zeigefinger auskommt; die Ambivalenz der Protagonistin lässt offen, ob A. mehr Täter oder mehr Opfer war; die Grenzen zwischen legitim und legal sind fließend. A. erlernt das Spiel so perfekt, dass sie den Umstand, ständig unterschätzt zu werden, zur Stärke macht: „Die Macht ist nicht etwas, was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert; die Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht“ (Michel Foucault). Wie viel eine „unscheinbare Frau mittleren Alters“ bewirken, aber auch anrichten kann, zeigt dieses Buch auf wunderbare Weise – wir sollten uns jedenfalls auf das Leben spielerisch einlassen, denn – wie schon Friedrich von Schiller wusste – „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“
von Katja Hölzl aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2025-01-28 09:48:15
Die Spielerin - 5 Sterne
Wir nehmen an einem Gerichtsprozess teil, der gegen eine Frau mittleren Alters, nennen wir sie A., geführt wird. A. selber kommt nicht zu Wort; was wir so nach und nach über sie wissen, erfahren wir nur aus dem, was andere uns erzählen.
Als junge Frau aus der Provinz versucht A. in Zürich als Bankerin Fuß zu fassen; dort verdient sie gut und was dort begann, hat zumindest am Anfang noch wie der Beginn einer Karriere gewirkt. Was jedoch folgt, ist eine Reihe falscher Entscheidungen, und nach ein paar Jahren kündigt A., um das Spiel künftig nach ihren eigenen Regeln zu spielen.
„Die Spielerin“ ist die hochspannende Geschichte einer Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt, in der Welt der Hochfinanz, immer um ein Vielfaches mehr anstrengen muss als die männlichen Kollegen und die sich den Arsch aufreißt, um Erfolg zu haben, um wahrgenommen zu werden, aber doch immer übersehen wird – bis sie begreift, dass sie genau diese Unscheinbarkeit für sich nutzen kann, dass sie sich immer neu erfinden kann und dass jeder Anfang ein Davonkommen sein kann.
„Heute heißt es, dass sie ihr Leben zum Schein geführt hat. Im Schutz einer Fassade, die ihr Unsichtbarkeit gewährte…“, denn wenn A. eines im Investmentgeschäft gelernt hat, dann das: Wie man Scheinwelten erschafft und den Ursprung des Geldes vergessen macht, den sie ihren Kunden als Rendite verspricht.
A. ist eine (Anti-)Heldin, die es einem nicht leicht macht, sie sympathisch zu finden, aber der spröden Faszination, die von ihr ausgeht, kann man sich auch nicht entziehen. Wenn man dann zum Schluss erfährt, dass diese unscheinbare und so naiv wirkende Frau jahrelang mit der Mafia kooperiert hat und dort kein kleines Rädchen im Getriebe, sondern eine ganz große Nummer war, dann erscheint einem das völlig logisch.
„Denn seien wir mal ehrlich: Hätte A. vorgehabt, sich an Ideale zu klammern, dann wäre sie besser mal Erzieherin oder auch Hebamme geworden, anstatt den Wert eines Menschen an der Anzahl der Nullen zu bemessen, der nach Geschäftsschluss auf seinem Konto stehen würde.“
Als junge Frau aus der Provinz versucht A. in Zürich als Bankerin Fuß zu fassen; dort verdient sie gut und was dort begann, hat zumindest am Anfang noch wie der Beginn einer Karriere gewirkt. Was jedoch folgt, ist eine Reihe falscher Entscheidungen, und nach ein paar Jahren kündigt A., um das Spiel künftig nach ihren eigenen Regeln zu spielen.
„Die Spielerin“ ist die hochspannende Geschichte einer Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt, in der Welt der Hochfinanz, immer um ein Vielfaches mehr anstrengen muss als die männlichen Kollegen und die sich den Arsch aufreißt, um Erfolg zu haben, um wahrgenommen zu werden, aber doch immer übersehen wird – bis sie begreift, dass sie genau diese Unscheinbarkeit für sich nutzen kann, dass sie sich immer neu erfinden kann und dass jeder Anfang ein Davonkommen sein kann.
„Heute heißt es, dass sie ihr Leben zum Schein geführt hat. Im Schutz einer Fassade, die ihr Unsichtbarkeit gewährte…“, denn wenn A. eines im Investmentgeschäft gelernt hat, dann das: Wie man Scheinwelten erschafft und den Ursprung des Geldes vergessen macht, den sie ihren Kunden als Rendite verspricht.
A. ist eine (Anti-)Heldin, die es einem nicht leicht macht, sie sympathisch zu finden, aber der spröden Faszination, die von ihr ausgeht, kann man sich auch nicht entziehen. Wenn man dann zum Schluss erfährt, dass diese unscheinbare und so naiv wirkende Frau jahrelang mit der Mafia kooperiert hat und dort kein kleines Rädchen im Getriebe, sondern eine ganz große Nummer war, dann erscheint einem das völlig logisch.
„Denn seien wir mal ehrlich: Hätte A. vorgehabt, sich an Ideale zu klammern, dann wäre sie besser mal Erzieherin oder auch Hebamme geworden, anstatt den Wert eines Menschen an der Anzahl der Nullen zu bemessen, der nach Geschäftsschluss auf seinem Konto stehen würde.“
von Maxie Bantleon aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2024-10-07 20:57:27
Eine unterschätzte Frau ist gefährlich - 3 Sterne
Dieses Buch ist inspiriert von einer wahren Geschichte und genauso liest es sich- irgendwo zwischen Realität und Fiktion, wie eine Mischung aus Biografie, Reportage und Tatsachenroman. Ich hatte mir tatsächlich etwas anderes erwartetet und bin eher schwer in das Buch reingekommen, das mich bis zuletzt nicht ganz erreicht hat.
Zum Inhalt: A. Ist eine unscheinbare, junge Frau, die der ländlichen Heimat entflieht um in der Schweiz im Finanzwesen Karriere zu machen und sich bald in den Graubereich der Legalität begibt. Dass sie als Frau oft unterschätzt wird, spielt ihr in die Karten. Bis sie eben doch auffliegt.
Obwohl A. im Fokus der Handlung steht, ist sie eine passive Protagonistin, bleibt anonym und stimmlos, lebt nur in den Erinnerungen anderer, die sie belächeln, über sie urteilen, meinen sie zu kennen oder sich von ihr abwandten. Das Buch hat ein bisschen von einer Sozialstudie nach dem Motto „den größtem Vorteil für sich selbst aus jeglicher Situation herausschlagen“.
Erst im Zweiten Teil geht es tatsächlich mehr um A selbst. Geschildert wird die Flucht aus der dörflichen und familiären Enge und die Hoffnung, die mit dem neuen Leben verbunden ist. A bleibt trotzdem distanziert. Es dauert insgesamt sehr lange bis die im Klappentext so stark angeteaserte Handlung auf den Punkt kommt. Die Geschichte ist mehr ein Sittenbild des Bankenwesens der 90er Jahre als die tatsächliche Geschichte von A.
Ich fand es schwer einen Zugang zur Geschichte und zu A. zu finden. Vermutlich weil man nie ihre Perspektive auf das ganze Geschehen sieht, sondern sie immer fremdbestimmt und durch andere gezeichnet erscheint.
Durchaus interessant, aber so richtig abgeholt hat es mich nicht.
Zum Inhalt: A. Ist eine unscheinbare, junge Frau, die der ländlichen Heimat entflieht um in der Schweiz im Finanzwesen Karriere zu machen und sich bald in den Graubereich der Legalität begibt. Dass sie als Frau oft unterschätzt wird, spielt ihr in die Karten. Bis sie eben doch auffliegt.
Obwohl A. im Fokus der Handlung steht, ist sie eine passive Protagonistin, bleibt anonym und stimmlos, lebt nur in den Erinnerungen anderer, die sie belächeln, über sie urteilen, meinen sie zu kennen oder sich von ihr abwandten. Das Buch hat ein bisschen von einer Sozialstudie nach dem Motto „den größtem Vorteil für sich selbst aus jeglicher Situation herausschlagen“.
Erst im Zweiten Teil geht es tatsächlich mehr um A selbst. Geschildert wird die Flucht aus der dörflichen und familiären Enge und die Hoffnung, die mit dem neuen Leben verbunden ist. A bleibt trotzdem distanziert. Es dauert insgesamt sehr lange bis die im Klappentext so stark angeteaserte Handlung auf den Punkt kommt. Die Geschichte ist mehr ein Sittenbild des Bankenwesens der 90er Jahre als die tatsächliche Geschichte von A.
Ich fand es schwer einen Zugang zur Geschichte und zu A. zu finden. Vermutlich weil man nie ihre Perspektive auf das ganze Geschehen sieht, sondern sie immer fremdbestimmt und durch andere gezeichnet erscheint.
Durchaus interessant, aber so richtig abgeholt hat es mich nicht.
von Lies_ein_Buch - 2024-10-06 19:26:00
Die Spielerin - 5 Sterne
Von der Bankerin in Zürich zur weltweit operierenden Buchhalterin der kalabrischen Mafia – ein Roman über eine unauffällige Frau.
Eine junge Frau zieht in den 1990er Jahren aus der niedersächsischen Provinz nach Zürich, um als Investmentbankerin Karriere zu machen. Dort lernt sie die Welt der Bad Banks kennen, in der weder Grenzen noch Gesetze zu gelten scheinen. Als ihre Karriere jedoch stagniert, erkennt sie, wie viel Freiraum es ihr gewährt, eine Frau zu sein, die übersehen wird: Abseits der Legalität investiert sie bald Millionen. Vor Gericht schließlich schweigt sie. Ihre Geschichte erzählen andere.
Mit "Die Spielerin" erschafft Isabelle Lehn eine ambivalente Heldin, die ihre Unscheinbarkeit zu nutzen weiß. Ein smarter und geschmeidiger Roman einer unbestechlichen Autorin – und ein aufregendes Spiel mit unseren eigenen Erwartungen. Inspiriert von einer wahren Geschichte.
Eine junge Frau zieht in den 1990er Jahren aus der niedersächsischen Provinz nach Zürich, um als Investmentbankerin Karriere zu machen. Dort lernt sie die Welt der Bad Banks kennen, in der weder Grenzen noch Gesetze zu gelten scheinen. Als ihre Karriere jedoch stagniert, erkennt sie, wie viel Freiraum es ihr gewährt, eine Frau zu sein, die übersehen wird: Abseits der Legalität investiert sie bald Millionen. Vor Gericht schließlich schweigt sie. Ihre Geschichte erzählen andere.
Mit "Die Spielerin" erschafft Isabelle Lehn eine ambivalente Heldin, die ihre Unscheinbarkeit zu nutzen weiß. Ein smarter und geschmeidiger Roman einer unbestechlichen Autorin – und ein aufregendes Spiel mit unseren eigenen Erwartungen. Inspiriert von einer wahren Geschichte.
von Sandra Weigel - 2024-09-02 11:13:45
Fabelhaftes Buch - hab es förmlich weginhaliert - 5 Sterne
Die Entwicklung der Protagonistin in „Die Spielerin“ ist faszinierend und komplex. Zu Beginn des Romans zieht die junge Frau, deren Name bewusst nicht genannt wird, aus einer niedersächsischen Kleinstadt in den 1990er Jahren nach Zürich, um als Investmentbankerin Karriere zu machen. Sie beginnt ihre Laufbahn in einer Welt, die von Männern dominiert wird und in der sie zunächst als unscheinbar wahrgenommen und immer übersehen wird. Diese Unscheinbarkeit erweist sich jedoch als ihre größte Stärke und ihre Ambivalenz im Charakter ist beeindruckend.
Im Laufe ihrer Karriere stößt sie auf die düstere Seite des Bankwesens, die sogenannten „Bad Banks“, in denen die üblichen Regeln und Gesetze keine Rolle mehr spielen. Als ihre Karriere stagniert und sie realisiert, dass sie in der konventionellen Finanzwelt nicht weiterkommt, beginnt sie, diese Schattenseiten für sich zu nutzen. Sie erkennt, dass ihre Position als „unsichtbare“ Frau ihr erlaubt, Risiken einzugehen und in einer Welt der Illegalität zu operieren, ohne dass man ihr sofort auf die Schliche kommt.
Dieser Wendepunkt ist entscheidend für ihre Transformation. Sie entwickelt eine bemerkenswerte Kaltschnäuzigkeit und Intelligenz, mit der sie beginnt, Millionen für die kalabrische Mafia zu investieren. Ihre Fähigkeit, sich in dieser gefährlichen Welt zu behaupten, zeigt eine tiefgreifende Veränderung von einer ambitionierten, aber zunächst angepassten Frau, zu einer kalkulierenden Spielerin, die das System gekonnt für ihre Zwecke nutzt.
Schließlich führt ihre Reise sie vor Gericht, doch anstatt sich zu erklären, schweigt sie. Dies unterstreicht ihre endgültige Transformation. Sie ist nicht mehr das unscheinbare Mädchen aus der Provinz, sondern eine Frau, die sich in einer moralisch fragwürdigen, aber mächtigen Position befindet und die Kontrolle über ihre eigene Geschichte behält, indem sie diese nicht preisgibt. Ihr Schweigen ist nicht nur ein Zeichen von Macht, sondern auch eine bewusste Entscheidung, die Deutung ihrer Geschichte anderen zu überlassen.
Was mich fasziniert, ist, wie Lehn die komplexen Verflechtungen innerhalb des Finanzwesens in die Handlung integriert hat. Die Welt der „Bad Banks“ wird lebendig und greifbar dargestellt. Die Protagonistin navigiert durch diese Welt mit einer Kaltschnäuzigkeit und Intelligenz, die sie zu einer faszinierenden, wenn auch moralisch zwiespältigen, Heldin macht. Ihre Entwicklung, von einer ehrgeizigen Bankerin zur skrupellosen Person, macht „Die Spielerin“ zu einem besonders fesselnden und vielschichtigen Roman, der zeigt, wie Menschen durch ihre Umgebung und ihre Entscheidungen geformt werden. Ihre stille Macht und die Art, wie sie sich in einem männlich dominierten Umfeld behauptet, finde ich fabelhaft. Das Schweigen vor Gericht, während andere ihre Geschichte erzählen, ist ein kraftvoller Moment im Roman, der viel Raum für eigene Reflexionen über Schuld, Macht und Moral lässt.
Für mich ein Highlight und meisterhaft erzählter Roman, ich bin total begeistert! Fette Leseempfehlung!
Im Laufe ihrer Karriere stößt sie auf die düstere Seite des Bankwesens, die sogenannten „Bad Banks“, in denen die üblichen Regeln und Gesetze keine Rolle mehr spielen. Als ihre Karriere stagniert und sie realisiert, dass sie in der konventionellen Finanzwelt nicht weiterkommt, beginnt sie, diese Schattenseiten für sich zu nutzen. Sie erkennt, dass ihre Position als „unsichtbare“ Frau ihr erlaubt, Risiken einzugehen und in einer Welt der Illegalität zu operieren, ohne dass man ihr sofort auf die Schliche kommt.
Dieser Wendepunkt ist entscheidend für ihre Transformation. Sie entwickelt eine bemerkenswerte Kaltschnäuzigkeit und Intelligenz, mit der sie beginnt, Millionen für die kalabrische Mafia zu investieren. Ihre Fähigkeit, sich in dieser gefährlichen Welt zu behaupten, zeigt eine tiefgreifende Veränderung von einer ambitionierten, aber zunächst angepassten Frau, zu einer kalkulierenden Spielerin, die das System gekonnt für ihre Zwecke nutzt.
Schließlich führt ihre Reise sie vor Gericht, doch anstatt sich zu erklären, schweigt sie. Dies unterstreicht ihre endgültige Transformation. Sie ist nicht mehr das unscheinbare Mädchen aus der Provinz, sondern eine Frau, die sich in einer moralisch fragwürdigen, aber mächtigen Position befindet und die Kontrolle über ihre eigene Geschichte behält, indem sie diese nicht preisgibt. Ihr Schweigen ist nicht nur ein Zeichen von Macht, sondern auch eine bewusste Entscheidung, die Deutung ihrer Geschichte anderen zu überlassen.
Was mich fasziniert, ist, wie Lehn die komplexen Verflechtungen innerhalb des Finanzwesens in die Handlung integriert hat. Die Welt der „Bad Banks“ wird lebendig und greifbar dargestellt. Die Protagonistin navigiert durch diese Welt mit einer Kaltschnäuzigkeit und Intelligenz, die sie zu einer faszinierenden, wenn auch moralisch zwiespältigen, Heldin macht. Ihre Entwicklung, von einer ehrgeizigen Bankerin zur skrupellosen Person, macht „Die Spielerin“ zu einem besonders fesselnden und vielschichtigen Roman, der zeigt, wie Menschen durch ihre Umgebung und ihre Entscheidungen geformt werden. Ihre stille Macht und die Art, wie sie sich in einem männlich dominierten Umfeld behauptet, finde ich fabelhaft. Das Schweigen vor Gericht, während andere ihre Geschichte erzählen, ist ein kraftvoller Moment im Roman, der viel Raum für eigene Reflexionen über Schuld, Macht und Moral lässt.
Für mich ein Highlight und meisterhaft erzählter Roman, ich bin total begeistert! Fette Leseempfehlung!
von mari_liest - 2024-08-23 13:06:00


