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Rezensionen

Stadt der Hunde

Autor: Leon de Winter

Erschienen 2025 bei Diogenes
ISBN 978-3-257-07281-5
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Interessanter Plot - 3 Sterne

Jaap war einer der besten Neurochirurgen der Welt. Als seine Tochter plötzlich in Israel verschwand, war das eine große Zäsur in seinem Leben. Danach scheiterte seine Ehe und er wurde zu einem traurigen alten Mann: er verlor an Attraktivität, auch seine Haare am Kopf. Wenn er über sich selbst nachdachte, wusste er, dass er in gewisser Weise ein skrupelloser Mann war: sein Erfolg erlaubte es, dass Frauen mit ihm ins Bett gingen und danach mehr von ihm wollten, doch er wollte sie danach nicht mehr kennen.

Über zehn Jahre flog Jaap einmal im Jahr von Holland nach Israel in der Hoffnung seine Tochter Lea zu finden, denn er konnte einfach nicht glauben, dass sie tot sei. Was genau geschehen war, konnte nie rekonstruiert werden.

Bei einem dieser Aufenthalte erhielt er einen Anruf vom israelischen Ministerpräsidenten. Als Neurochirurg sollte er eine geradezu aussichtslose Operation bei einer der wichtigsten Personen der Weltgeschichte.

Bis dahin war die Geschichte realistisch, interessant und spannend. Als er jedoch auf Ibrahim trifft, kippt die Story etwas ins Absurde. Am Ende ist dieser Teil schon nachvollziehbar, jedoch meinen Geschmack hat es nicht getroffen.

Von meiner Seite kann ich das Buch einerseits empfehlen, andererseits auch wieder nicht. Lesende, die Absurditäten in einem Roman nicht stören, wird dieses Buch sicher gefallen – meines war es nur zum Teil.
von Nicole Koppandi - 2025-05-23 19:56:00

Nicht nur für Hundeliebhaber - 5 Sterne

Jaap, Holländer, Gehirnchirurg und gleich einer der besten, unglücklich verheiratet, Vater einer Tochter.
Allerdings verschwand die vor zwanzig Jahren auf einer Reise nach Israel spurlos. Jährlich kehrt er an den Ort des Verschwindens zurück, aber erst nach seiner Pensionierung intensiviert er die Suche. Zudem erhält er einen sehr sonderbaren Auftrag.
Was Hunde mit der Sache zu tun haben soll die Lektüre klären. Und die macht richtig Freude.
Leon De Winter hat ein ganz außergewöhnliches Buch geschrieben, voll unerwarteter Twists, keine Spur voraussehbar, voll skurriler Szenen, phantastisch und eigenartig. Eine große Leseempfehlung!
von Stephan Lauf - 2025-02-07 16:41:55

Stadt der Hunde - 5 Sterne

Jaap zählt zu den weltweit besten Neurochirurgen. Als seine Tochter auf einer Israelreise spurlos verschwindet, macht er sich auf den Weg in die Wüste Negev um sie zu suchen, doch trotz aufwändigster Hilfsmitte findet sich keine Spur. Frustriert wartet er in seinem Hotelzimmer auf Neuigkeiten, da erhält er einen Anruf von israelischer Regierungsseite. Dadurch kommen Ereignisse ins Rollen, die sein ganzes Weltbild umkrempeln werden. Leon de Winter legt mit seinem neuen Roman eine meisterhafte Geschichte über Genie, Macht und Vergänglichkeit vor, in der der Zufall Regie führt und erstaunliche Ergebnisse zeitigt - unbedingte Empfehlung!
von Florian Lechner aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2025-01-30 13:27:13

Ein äußerst beeindruckender Roman über Verlust und Läuterung. - 5 Sterne

Jaap Hollander ist Gehirnchirurg. Und nicht irgendeiner, sondern er zählt zu den besten der Welt. Wenn nicht gar der Beste. In seinen jungen Jahren wurde sein Aussehen mit Al Pacino verglichen – ein Umstand, der ihm gefiel, und er auch auszunützen wusste. Er ließ keine Möglichkeit aus, seinen Trieben Folge zu leisten. Denn schließlich waren ja all die Ärztinnen und Krankenschwestern an nichts anderem interessiert, als mit ihm in der Kiste zu landen, damit deren Karriere auch einen Sprung nach vorne machte. Klingt sehr misogyn, ist es auch, macht den Herrn nicht gerade zu einem Sympathieträger.
Die Ehe von Jaap mit Nicole ist nicht gerade zum Vorzeigen. Er kümmert sich kaum um Frau und Tochter Lea.
Lea, kaum erwachsen, wollte zum Judentum konvertieren. In diesem Zuge durfte sie auf Einladung der jüdischen Gemeinde nach Israel. Zusammen mit ihrem Freund Joshua reiste sie in die Wüste Negev zum Ramon-Krater. Während heftiger Regenfälle verschwanden dort beide spurlos. Ob Unfall, Entführung, Mord oder freiwilliges Verschwinden, konnte niemals herausgefunden werden.
Jaap und Nicole reisten sofort an den Unglücksort. Auch Joshuas Eltern waren anwesend. Das machten sie dann zu jedem Jahrestag des Verschwindens. Besonders Jaap wollte sich damit nicht abfinden, dass seine Tochter tot war. Allmählich begann er begreifen, dass ihm damals seine Karriere weit wichtiger war als seine Familie. Sehr viele Jahre nach Leas Verschwinden war die Ehe zerbrochen. Seinen Trieben blieb Jaap treu, auch wenn er sich mittlerweile mit blauen Pillen helfen musste, und das schwarze Al Pacino Haar einer Glatze gewichen ist.
Er beginnt, immer mehr und mehr Zeit in Israel zu verbringen. Als Pensionist versäumte er in Amsterdam in seinem großen Haus nichts. Da erreichte ihn ein Hilferuf der besonderen Art…
Mittlerweile finanziell unabhängig beauftragt er Archäologen, den Krater vollständig zu erforschen. Er wollte Spuren seiner Tochter finden, koste es, was es wolle. Da übereilt ihn ein weiterer Schicksalschlag.
Jaaps Realität beginnt zu verschwimmen zwischen… mehr wird jetzt wirklich nicht mehr verraten. Bitte unbedingt selber lesen.
Auch was es mit den titelgebenden Hunden auf sich hat, wäre jetzt nur gespoilert.
Leon de Winter erzählt diese Geschichte in einer sehr fesselnden Art. Die Sprache ist direkt, schnörkellos, kommt schnell auf den Punkt. Er versteht es, präzise Bilder zu schreiben. Sie rücken an die Leser*innen heran, als wäre man mitten drin und direkter Augenzeuge der Geschehnisse. Die vielen Fachtermini rund um die Gehirnchirurgie sind, soweit ich das beurteilen kann, sehr gewissenhaft recherchiert.
Die ganze Geschichte beschreibt den Wandel des misogynen, selbstverliebten Gottes in Weiß zu einem geläuterten alten Mann, dessen biologische Uhr, wie bei Menschen es nun mal so ist, auch nicht aus Gold ist, und das Ticken manchmal zu holpern beginnt.
Der Umgang mit Verlust ist ein zentrales Thema. Eine andere Botschaft mag sein, dass man sich mit Geld vieles, aber nicht alles kaufen kann. Es ist nebenbei eine Liebeserklärung an die Stadt Tel Aviv – und das Land Israel. Letztendlich schlägt der Autor auch einen Bogen zu den politischen Geschehnissen, wenn auch nur am Rande.
Was mich allerdings etwas irritiert hat, ist die (lüsterne) Sicht auf Frauen. Ich kann nicht immer zuordnen, ob diese Sexualisierungen gekonnt provokant zu verstehen sind.
Nichts desto trotz ist der Roman eine sehr intensive Geschichte, der indirekt viele Gesellschaftsthemen anspricht, dem Lesefluss aber keinen Abbruch tun.
Gerne gebe ich eine Leseempfehlung für diesen (großen) Eindruck hinterlassenden Roman, in dem die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Traum manchmal verschwimmen.
von MarcoL - 2025-01-26 11:34:00

Ein interessantes Werk - 5 Sterne



Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter hat mit seinem neuen Roman, Stadt der Hunde, wieder ein gutes literarisches Werk geschaffen.
Der Gehirnchirurg Japp Hollander
hat vor zwanzig Jahren seine Tochter verloren. Sie war mit ihrem Freund in Israel unterwegs und dann einfach verschwunden. Japp gibt mit der Suche nicht auf. Jedes Jahr fliegt er nach Tel Aviv.
Dieses Mal wird er gebeten, Die schwer erkrankte Tochter des Herrschers zu operieren. Nur er wagt sich an diese schwere Operation.
Später muss er selbst operiert werden.
Der Autor schreibt diese Geschichte fesselnd. Man begleitet Japp durch Israel, das ist ein interessantes Buch. Nie langweilig und deshalb lesenswert.


von begine - 2025-01-23 11:55:00