Rezensionen
Wenn das Leben dich aus der Bahn wirft - 4 Sterne
Was passiert mit Eltern, wenn die 17-jährige Tochter plötzlich bei einem Verkehrsunfall verstirbt? Wie kann das Leben nach einem so tragischen Unglücksfall weitergehen?
Lindas Leben ändert sich mit dem Tod ihrer Tochter Sonja schlagartig. Sie verlässt Wohnung, Mann und Job, zieht aufs Land und lebt zurückgezogen in einem alten Haus. Ihr altes Leben lässt sie hinter sich.
Körperliche Arbeit am Hof und ausgedehnte Spaziergänge mit ihrer Hündin Kaja sind jene Dinge, die sie in ihrer Trauer noch am Leben halten, besonders die Hündin, für die sie da sein muss- aber aus ihrer Trauer kommt Linda nicht heraus. Ihr Mann Richard versucht ihr zu helfen – am Hof und bei der Verarbeitung der Trauer, aber er kann Linda nicht erreichen. Sein Umgang mit dem Tod der Tochter ist zwei Jahre danach ein gänzlich anderer – Linda kann das überhaupt nicht verstehen. So driften auch die beiden auseinander.
Ein tieftrauriges Buch, das zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit schweren Verlusten umgehen. Linda nervt manchmal beim Lesen, ist unsympathisch, dann wieder kann man aber ihr Verhalten gut nachvollziehen – auch das ihres Ehemannes.
Der Roman war auf der Short-List für den Deutschen Buchpreis.
Kriens Vorgängerromane konnte mich besser überzeugen oder vielleicht lag es einfach an meiner Erwartungshaltung?
Lindas Leben ändert sich mit dem Tod ihrer Tochter Sonja schlagartig. Sie verlässt Wohnung, Mann und Job, zieht aufs Land und lebt zurückgezogen in einem alten Haus. Ihr altes Leben lässt sie hinter sich.
Körperliche Arbeit am Hof und ausgedehnte Spaziergänge mit ihrer Hündin Kaja sind jene Dinge, die sie in ihrer Trauer noch am Leben halten, besonders die Hündin, für die sie da sein muss- aber aus ihrer Trauer kommt Linda nicht heraus. Ihr Mann Richard versucht ihr zu helfen – am Hof und bei der Verarbeitung der Trauer, aber er kann Linda nicht erreichen. Sein Umgang mit dem Tod der Tochter ist zwei Jahre danach ein gänzlich anderer – Linda kann das überhaupt nicht verstehen. So driften auch die beiden auseinander.
Ein tieftrauriges Buch, das zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit schweren Verlusten umgehen. Linda nervt manchmal beim Lesen, ist unsympathisch, dann wieder kann man aber ihr Verhalten gut nachvollziehen – auch das ihres Ehemannes.
Der Roman war auf der Short-List für den Deutschen Buchpreis.
Kriens Vorgängerromane konnte mich besser überzeugen oder vielleicht lag es einfach an meiner Erwartungshaltung?
von Nicole Koppandi - 2024-12-09 07:01:00
Trauriges und wunderschönes Lesehighlight - 5 Sterne
Wie lange ist eine starke Trauer über ein verlorenes Kind angebracht? Ist es möglich diesen Schmerz hinter sich zu lassen?
Mein drittes Leben ist ein tiefes Buch, das mich beim Lesen sehr berührt hat und noch lange in mir nachhallen wird.
Lindas Leben hat sich für immer verändert, als ihre Tochter Sonja bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt. Ihr Leben ist nun in ein Vorher und Nachher unterteilt. Vorher waren sie eine glückliche und erfolgreiche Familie. Linda, Richard, Sonja und die Patchworkgeschwister Ylvie und Arvid. Während sich Richard nach einiger Zeit langsam aus dem Abgrund kämpft, verliert sich Sonja in ihrer Trauer und zieht sich in die Einsamkeit auf einen alten Bauernhof samt Hund und Hühnern zurück, während ihr Umfeld nicht mehr wirklich Verständnis für sie aufbringen kann.
Das Szenario des Buches ist mein persönlicher Alptraum und so ist es auch nicht verwunderlich, dass ich schon nach dem ersten Kapitel zum ersten Mal geweint habe. Das liegt aber nicht nur am Thema, sondern auch in der Art wie Daniela Krien es schafft Lindas Schmerz und innere Zerrissenheit dazustellen, was nicht zuletzt an der wunderbaren Sprache liegt. Sie macht es einem das Einfühlen und Mitfühlen leicht, sie lässt einen geradezu mitleiden. Aber das Buch schmerzt nicht nur, es spendet auch Hoffnung und lässt einen mit einem guten Gefühl zurück. Auch wenn ich am Ende traurig war, dass ich die mir liebgewordenen Figuren nicht noch ein wenig länger begleiten konnte.
Gut fand ich auch, dass auch dargestellt ist, wie Richard den Tod seiner Tochter anders verarbeitet als seine Frau. „Er hat sich gerettet. Auf einem schmalen Grat zwischen Leben und Tod hat er sich für das Leben entschieden…“ (S.71)
Fazit: Unbedingte Leseempfehlung für dieses unglaublich berührende Buch, das nicht zu Unrecht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stand. 5/5 Sterne
Mein drittes Leben ist ein tiefes Buch, das mich beim Lesen sehr berührt hat und noch lange in mir nachhallen wird.
Lindas Leben hat sich für immer verändert, als ihre Tochter Sonja bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt. Ihr Leben ist nun in ein Vorher und Nachher unterteilt. Vorher waren sie eine glückliche und erfolgreiche Familie. Linda, Richard, Sonja und die Patchworkgeschwister Ylvie und Arvid. Während sich Richard nach einiger Zeit langsam aus dem Abgrund kämpft, verliert sich Sonja in ihrer Trauer und zieht sich in die Einsamkeit auf einen alten Bauernhof samt Hund und Hühnern zurück, während ihr Umfeld nicht mehr wirklich Verständnis für sie aufbringen kann.
Das Szenario des Buches ist mein persönlicher Alptraum und so ist es auch nicht verwunderlich, dass ich schon nach dem ersten Kapitel zum ersten Mal geweint habe. Das liegt aber nicht nur am Thema, sondern auch in der Art wie Daniela Krien es schafft Lindas Schmerz und innere Zerrissenheit dazustellen, was nicht zuletzt an der wunderbaren Sprache liegt. Sie macht es einem das Einfühlen und Mitfühlen leicht, sie lässt einen geradezu mitleiden. Aber das Buch schmerzt nicht nur, es spendet auch Hoffnung und lässt einen mit einem guten Gefühl zurück. Auch wenn ich am Ende traurig war, dass ich die mir liebgewordenen Figuren nicht noch ein wenig länger begleiten konnte.
Gut fand ich auch, dass auch dargestellt ist, wie Richard den Tod seiner Tochter anders verarbeitet als seine Frau. „Er hat sich gerettet. Auf einem schmalen Grat zwischen Leben und Tod hat er sich für das Leben entschieden…“ (S.71)
Fazit: Unbedingte Leseempfehlung für dieses unglaublich berührende Buch, das nicht zu Unrecht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stand. 5/5 Sterne
von Alo - 2024-11-15 14:57:00
Auferstehung - 5 Sterne
Mit dem Tod der Tochter hat das Leben für Linda jeglichen Sinn verloren. Sie zieht sich zurück, lässt niemanden an sich heran.
Daniela Krien beschreibt eindrücklich die Phasen der Trauer.
Tiefgründig, absolut authentisch.
Ein großartiges Buch!
Daniela Krien beschreibt eindrücklich die Phasen der Trauer.
Tiefgründig, absolut authentisch.
Ein großartiges Buch!
von HEYN Leserunde, Manuela Meierhofer - 2024-11-13 14:56:00
Ein Echo über das Leben - wenn es keine Antworten gibt - 5 Sterne
#danielakrien hat mit #MeinDrittesLeben erneut etwas geschaffen, das mich sehr, sehr, sehr be- und gerührt hat. Die Geschichte von Linda, die nach dem tragischen Unfalltod ihrer Tochter Sonja den Boden unter den Füßen verliert, hat mich in ihrer rohen und unverblümten Darstellung von Schmerz und Trauer umgehauen. Die Fähigkeit, Lindas innere Zerrissenheit zu schildern, machte es mir leicht, mich in etwas einzufühlen, auch wenn ich solch einen Verlust selbst nie erlebt habe. Ihr Rückzug aufs Land wirkt nicht wie ein klassischer Neuanfang, sondern wie ein verzweifelter Versuch, den erdrückenden Gefühlen zu entkommen, die sie in der Stadt umgeben; den Erinnerungen auszuweichen, die sie täglich emotional erschlagen würden, Menschen zu entgehen, die sich sorgen und denen man nicht erklären kann, dass man nichts mehr ist. Das einfach nichts mehr übrig ist. Jeder Tag wird zur Prüfung, jede Handlung zur Herausforderung, und doch vermittelt Krien subtil die Möglichkeit eines neuen Lebens, selbst wenn es ein anderes ist als das, das Linda sich jemals gewünscht hätte oder welches sich in unseren Köpfen auftut.
Besonders wirkend fand ich die Dynamik zwischen Linda und ihrem Mann Richard. Obwohl sie beide den gleichen Verlust erlitten haben, gehen sie so divergent damit um, dass es unausweichlich scheint, dass sie sich voneinander entfernen. Während Linda sich in ihrer Trauer verliert und die Nähe zu ihrem früheren Leben meidet, sucht Richard weiter nach Halt im Leben. Seine Versuche, Linda zu erreichen, werden von ihr mit Ablehnung beantwortet. Die Spannungen zwischen den beiden spiegeln die Frage wider, wie Menschen gemeinsam trauern können, wenn jeder eine andere Art der Bewältigung benötigt. Die Schilderungen dieses emotionalen Konflikts wirken zutiefst ehrlich, ungefiltert und für mich vollkommen nachvollziehbar, ohne dass es immens sentimental erscheint.
Auch die langsame, beinahe zähe Art, in der Lindas Leben quasi wieder in eine Art Gestalt annimmt (auf dem Hof, den sie gemietet hat), finde ich stark. Katatonisch ist der Zustand für lange Zeit. Doch sie arbeitet sich auf völlig andere Art, anders als ihr Leben bisher war, wieder „an ein Leben“ heran. Retrospektiv lesen wir über ihre Kindheit, ihre Mutter, Sonia, ihren Job, ein Leben mit Richard. Rückblenden auf ihr „altes“ Leben und eine völlig andere Linda. Es gibt keinen Moment der plötzlichen Heilung, keinen klaren Wendepunkt. Stattdessen zeigt Krien, wie Trauer ein ständiger Begleiter bleibt und Linda nach und nach lernt, damit zu leben, auch wenn der Schmerz nie ganz verschwinden wird. Das Buch strahlt trotz der tiefen Traurigkeit einen feinen Funken Hoffnung aus: Die Zeit heilt nicht alle Wunden, aber sie lässt sie verblassen und erlaubt es, dass das Leben (irgendwann) weitergeht – wenn auch in einer anderen Form.
Manche Kritikpunkte an der Geschichte, die ich gelesen habe, wie bspw. Lindas vermeintlich übertriebene moralische Handlungen, empfinde ich als nicht störend, da sie für mich wie ein Teil ihrer Selbstfindung wirken. Sie spendet Geld und unterstützt andere nicht aus moralischer Überlegenheit, sondern als Teil ihres Versuchs, Kontrolle über ein Leben zurückzugewinnen, das ihr vollständig entglitten ist. Ein weiterer Kritikpunkt, den einige nannten: sie wirkt unsympathisch und man konnte keine Beziehung zur Protagonistin aufbauen. Ist es denn, angesichts dieses Plots, wichtig, dass die Protagonistin, die das für sich schlimmste erlebt, nämlich, dass ihr Kind stirbt, sympathisch ist? Denn in diesem Fall tut es nichts für oder gegen die Geschichte, ob wir Leser*innen diese Figur sympathisch finden. Dies ist eine Kritik, die ich nicht nachvollziehen kann. Und ist es denn immer wichtig, dass Figuren sympathisch sind – was lerne ich denn aus gewissen Romanen, Schilderungen, Erzählungen, wenn immer alles so läuft, wie in meiner Denke, nichts. In welche Reflexion kann ich mich begeben, wenn die Figur in einem Buch alles tut wie ich es (vermeintlich) tun würde!?
Dieses Buch ist für mich eines der bewegendsten, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Die Feinfühligkeit im Ton, mit dem Krien den Umgang mit Trauer, Schuld und Verzweiflung beschreibt, hat mich wieder volle gekriegt. Mich hat das Buch u.a. auch so aufgewühlt, weil viele von Lindas Handlungen meine Gedankengänge treffen. Ich weiß, dass mein Papa irgendwann sterben wird. Das ist unumgänglich. Das ist in irgendeinen göttinnenverdammten Stein gemeißelt. Und wenn ich darüber nachdenke, dass dieser Tag X kommen wird, dann wird’s mir ganz eng um den Hals, mein Puls erhöht sich und die Brust wird mir extrem eng – dennoch kann ich mir vorstellen, dass ich eine Person wäre, oder auch bin, die den „Linda-Weg“ geht, weil ich keine Ahnung davon habe, wie dieser Verlust, dieser Schmerz, je wieder gut werden kann; wie dieses Gefühl in meinem Herzen jemals verschwindet. Aber jetzt habe ich zumindest eine Idee, die sich gut anfühlen könnte ….
Auch dieses Buch ist für mich eines, das wie ein Echo ist … es schreit ein Thema raus, und es hallt lange, mehrfach retour … es tut weh und es stellen sich so viele Fragen auf einmal, auf die es keine Antwort gibt – Antworten erst, wenn „es“ passiert ist.
#leseempfehlung von Herzen für ein #jahreshighlight!
von mari_liest - 2024-10-13 20:18:00
Mein drittes Leben - 5 Sterne
Es ist ein kurzer Moment der Unachtsamkeit an einem schwülen Vormittag im Juli, der Lindas Zukunft im Bruchteil einer Sekunde auslöscht. Ein LKW-Fahrer, der vergessen hat, in den Seitenspiegel zu schauen, biegt über den Radweg nach rechts ab und überfährt Lindas Tochter Sonja – die Zeit bleibt stehen.
Seitdem teilt sich Lindas Leben in ein Davor und ein Danach, die Trauer ist überwältigend und der Alltag kaum zu bewältigen. In Leipzig lauert hinter jeder Ecke eine Erinnerung, ein gemeinsames Trauern mit ihrem Mann Richard ist für Linda nicht wirklich möglich.
Und so zieht Linda aufs Land, ohne Richard und nur vorübergehend, wie sie versichert, um Abstand zu gewinnen, um den ewigen Schmerz zu besänftigen und den Erinnerungen zu entkommen. „Kein einziges Mal starrte ich hier einer jungen, schlanken Frau mit hohem, wippenden Pferdeschwanz hinterher… nie hörte ich ihr Lachen auf der Straße… und keiner ihrer Freunde stand plötzlich vor mir. An keinem Fleck hier ist sie je gewesen, und hinter keiner Ecke lauerten Erinnerungen und fielen mich an… Was Sonja betraf, befand ich mich im Niemandsland.“
Hier, in diesem öden Dorf mit den abweisenden Fassaden und den leeren Bürgersteigen beginnt nach dem Leben vor Sonja und nach dem Leben mit Sonja nun Lindas drittes Leben. Es ist ein mühsames Leben in dem alten Haus mit Hof und Garten, aber mühsam ist gut, denn solange Linda in Bewegung ist und bleibt, kann das Gedankenkarussell nicht anspringen und sie übersteht die Stunden bis zum Schlafengehen. Für die schweren Nächte helfen dann die Tabletten…
Daniela Krien hat – wieder einmal, endlich! – einen Roman geschrieben, der mich vollends begeistert hat. Ihr Gespür für ihre Figuren und deren Geschichten und ihre besondere, eindrückliche Sprache sind immer wieder ein Ereignis und ein Genuss, und ein Schmankerl für Krien-Kenner ist das Auftreten von Personal aus ihren anderen Büchern.
„Mein drittes Leben“ ist die Geschichte einer Frau, der niemand „den Umgang mit dem Schicksal beigebracht“ hat. Es ist die Geschichte der alten Linda, die vor Sonja ein eigenständig fühlendes Individuum war, „ab ihrer Geburt war mein Lebensglück ihrem unterworfen. Von Beginn an und bis über ihr Ende hinaus bin ich das, was sie ist – glücklich, unglücklich, ängstlich, traurig, euphorisch, lebendig oder tot. Denn wenn ein Kind geht, nimmt es dich mit. Es lässt nicht mehr von dir zurück als eine welke Hülle.“
Und es ist die Geschichte der neuen Linda, die sich entgegen aller Vorstellungen aus ihrem Kokon befreit und irgendwann wieder so etwas wie eine leise Freude empfinden und vielleicht wieder glücklich werden kann.
„Es ist eine andere Art von Glück… Es hat Tiefe, aber keine Leichtigkeit.“
Traurig, berührend, wunderschön. Absolut lesenswert!
Seitdem teilt sich Lindas Leben in ein Davor und ein Danach, die Trauer ist überwältigend und der Alltag kaum zu bewältigen. In Leipzig lauert hinter jeder Ecke eine Erinnerung, ein gemeinsames Trauern mit ihrem Mann Richard ist für Linda nicht wirklich möglich.
Und so zieht Linda aufs Land, ohne Richard und nur vorübergehend, wie sie versichert, um Abstand zu gewinnen, um den ewigen Schmerz zu besänftigen und den Erinnerungen zu entkommen. „Kein einziges Mal starrte ich hier einer jungen, schlanken Frau mit hohem, wippenden Pferdeschwanz hinterher… nie hörte ich ihr Lachen auf der Straße… und keiner ihrer Freunde stand plötzlich vor mir. An keinem Fleck hier ist sie je gewesen, und hinter keiner Ecke lauerten Erinnerungen und fielen mich an… Was Sonja betraf, befand ich mich im Niemandsland.“
Hier, in diesem öden Dorf mit den abweisenden Fassaden und den leeren Bürgersteigen beginnt nach dem Leben vor Sonja und nach dem Leben mit Sonja nun Lindas drittes Leben. Es ist ein mühsames Leben in dem alten Haus mit Hof und Garten, aber mühsam ist gut, denn solange Linda in Bewegung ist und bleibt, kann das Gedankenkarussell nicht anspringen und sie übersteht die Stunden bis zum Schlafengehen. Für die schweren Nächte helfen dann die Tabletten…
Daniela Krien hat – wieder einmal, endlich! – einen Roman geschrieben, der mich vollends begeistert hat. Ihr Gespür für ihre Figuren und deren Geschichten und ihre besondere, eindrückliche Sprache sind immer wieder ein Ereignis und ein Genuss, und ein Schmankerl für Krien-Kenner ist das Auftreten von Personal aus ihren anderen Büchern.
„Mein drittes Leben“ ist die Geschichte einer Frau, der niemand „den Umgang mit dem Schicksal beigebracht“ hat. Es ist die Geschichte der alten Linda, die vor Sonja ein eigenständig fühlendes Individuum war, „ab ihrer Geburt war mein Lebensglück ihrem unterworfen. Von Beginn an und bis über ihr Ende hinaus bin ich das, was sie ist – glücklich, unglücklich, ängstlich, traurig, euphorisch, lebendig oder tot. Denn wenn ein Kind geht, nimmt es dich mit. Es lässt nicht mehr von dir zurück als eine welke Hülle.“
Und es ist die Geschichte der neuen Linda, die sich entgegen aller Vorstellungen aus ihrem Kokon befreit und irgendwann wieder so etwas wie eine leise Freude empfinden und vielleicht wieder glücklich werden kann.
„Es ist eine andere Art von Glück… Es hat Tiefe, aber keine Leichtigkeit.“
Traurig, berührend, wunderschön. Absolut lesenswert!
von Maxie Bantleon aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2024-10-06 19:44:05
Zurück ins Leben - 5 Sterne
Linda ist schwer traumatisiert vom Tod ihrer Tochter ihrer Tochter und zieht sich mehr und mehr in sich zurück. Erst als sie die Möglichkeit erhält auf einen Hof zu ziehen und im alltäglichen Tun Bestätigung findet, scheint sie in kleinen, ganz kleinen Schritten wieder Fuß zu fassen. Ihr Mann versucht alles um ihr beizustehen, doch heran kommt auch er nicht an sie.
Während anfangs das Leben auf dem Hof thematisiert wurde, und man in die Gefühlswelt eintaucht, wirkt sich die Handlung planlos und symbolisiert perfekt Lindas Zustand. Erst mit ihrer Rückkehr in die Stadt und ins Leben nehmen auch die Ereignisse, die Lunda wahrnimmt wieder zu. Ein kluger Schachzug, so Lindas Zustand darzustellen, denn dieser geht dadurch auch unweigerlich auf den Leser über. Nur muss man diese Planlosigkeit zu Beginn auch aushalten können. Gelingt dies, ist dieses Buch wirklich wunderbar.
Während anfangs das Leben auf dem Hof thematisiert wurde, und man in die Gefühlswelt eintaucht, wirkt sich die Handlung planlos und symbolisiert perfekt Lindas Zustand. Erst mit ihrer Rückkehr in die Stadt und ins Leben nehmen auch die Ereignisse, die Lunda wahrnimmt wieder zu. Ein kluger Schachzug, so Lindas Zustand darzustellen, denn dieser geht dadurch auch unweigerlich auf den Leser über. Nur muss man diese Planlosigkeit zu Beginn auch aushalten können. Gelingt dies, ist dieses Buch wirklich wunderbar.
von Anno - 2024-10-03 06:16:00
Weiterleben - 5 Sterne
Es ist ein ganz normaler Wochentag, der Lindas Leben für immer verändert hat. Ihr Tochter Sonja wurde von einem abbiegenden LKW übersehen und überfahren. Sie starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus, während Linda ein geschäftliches Telefonat führte und nicht einmal den kleinsten Stich im Herzen fühlte.
Sie waren eine glückliche Familie; Linda, Richard und Sonja mit den Patchworkindern Ylvie und Arvid. Doch nun ist alles zerbrochen. Das Leid hat die Liebe aufgefressen und zwei Jahre später kann Linda noch immer nicht nach vorne schauen, während sich Richard langsam aus dem Abgrund kämpft. Heilung braucht Zeit und verläuft nie linear und immer anders.
Also trennt sich Linda auch von Richard und zieht sich auf einen halb verfallen Bauernhof in einem Dorf am Ende der Welt zurück. Dort übernimmt sie Hund und Hühner von der Vorbesitzerin und beginnt sich in die Gartenarbeit zu stürzen. Das tägliche Werk mit den Händen hilft ihr an vielen Tagen und der Hund verlangt seine Spaziergänge. Doch an manchen Tagen gelingt es Linda nicht, das Bett zu verlassen.
Dieser völlig Rückzug birgt den Nährboden für Lindas Narben und ganz langsam beginnt auch Linda zu heilen. Es braucht wieder einen Anstoß, damit sie sich dem Leben wieder zuwenden kann, aber Linda steht nicht allein. Es gibt Menschen, die ihr beistehen und es kommt auch wieder eine Zeit, in der Linda jemandem beistehen kann.
Daniela Krien hat mit diesem Roman ein sehr emotionales Buch verfasst. Der erste Teil ist wirklich hart zu lesen, denn der Sog des Leides zieht mich auch als Lesende mit sich in den Abgrund. Es ist schwer zu ertragen. Doch ganz langsam ändert sich das Gefühl beim Lesen und mit Lindas Heilung werden auch die Zeilen des Romans leichter. Und auch wenn das Leben weiteres Leid für Linda parat hält, ist das Ende hoffnungsvoll. Es gibt einen Weg und es gibt eine Zukunft. Linda wird nie wieder dieselbe sein, sie wird auch nie wieder eine Mutter sein. Doch sie wird eine Frau sein, die sich ihren Abgründen stellen kann und mehr Kraft und Stärke in sie trägt, als sie je für möglich gehalten hätte!
Sie waren eine glückliche Familie; Linda, Richard und Sonja mit den Patchworkindern Ylvie und Arvid. Doch nun ist alles zerbrochen. Das Leid hat die Liebe aufgefressen und zwei Jahre später kann Linda noch immer nicht nach vorne schauen, während sich Richard langsam aus dem Abgrund kämpft. Heilung braucht Zeit und verläuft nie linear und immer anders.
Also trennt sich Linda auch von Richard und zieht sich auf einen halb verfallen Bauernhof in einem Dorf am Ende der Welt zurück. Dort übernimmt sie Hund und Hühner von der Vorbesitzerin und beginnt sich in die Gartenarbeit zu stürzen. Das tägliche Werk mit den Händen hilft ihr an vielen Tagen und der Hund verlangt seine Spaziergänge. Doch an manchen Tagen gelingt es Linda nicht, das Bett zu verlassen.
Dieser völlig Rückzug birgt den Nährboden für Lindas Narben und ganz langsam beginnt auch Linda zu heilen. Es braucht wieder einen Anstoß, damit sie sich dem Leben wieder zuwenden kann, aber Linda steht nicht allein. Es gibt Menschen, die ihr beistehen und es kommt auch wieder eine Zeit, in der Linda jemandem beistehen kann.
Daniela Krien hat mit diesem Roman ein sehr emotionales Buch verfasst. Der erste Teil ist wirklich hart zu lesen, denn der Sog des Leides zieht mich auch als Lesende mit sich in den Abgrund. Es ist schwer zu ertragen. Doch ganz langsam ändert sich das Gefühl beim Lesen und mit Lindas Heilung werden auch die Zeilen des Romans leichter. Und auch wenn das Leben weiteres Leid für Linda parat hält, ist das Ende hoffnungsvoll. Es gibt einen Weg und es gibt eine Zukunft. Linda wird nie wieder dieselbe sein, sie wird auch nie wieder eine Mutter sein. Doch sie wird eine Frau sein, die sich ihren Abgründen stellen kann und mehr Kraft und Stärke in sie trägt, als sie je für möglich gehalten hätte!
von Miro - 2024-09-22 10:41:00
Krien- wie immer toll! - 5 Sterne
Daniela Krien ist mittlerweile eine meiner Lieblingsautorinnen! Mit ihrer gewaltigen Sprache und ihren immer berührenden Themen hat mir bisher jedes Buch von ihr gefallen. Vor allem gefällt ir, dass man manche Protagonisten auch in anderen Büchern von ihr wieder findet- mal mehr, mal weniger präsent- so auch in diesem Buch.
In diesem neuen Buch von Krien, welches auch auf der Longlist des deutschen Buchpreises steht und weswegen ich es mir sofort kaufen musste, geht es um die Trauer um das eigene Kind. Es werden auch noch viele andere Themen behandelt, wie beispielsweise die Pflege eines behinderten Kindes, Krankheit, psychische Probleme etc. Die Trauer um das verstorbene Kind und wie sich die Hauptprotagonistin damit auseinandersetzt, nimmt jedoch den größten Teil des Buches ein und obwohl das Buch sehr ernst, traurig und berührend ist, schafft es Krien trotzdem Elemente einzubauen, die einen zum schmunzeln bringen!
In diesem neuen Buch von Krien, welches auch auf der Longlist des deutschen Buchpreises steht und weswegen ich es mir sofort kaufen musste, geht es um die Trauer um das eigene Kind. Es werden auch noch viele andere Themen behandelt, wie beispielsweise die Pflege eines behinderten Kindes, Krankheit, psychische Probleme etc. Die Trauer um das verstorbene Kind und wie sich die Hauptprotagonistin damit auseinandersetzt, nimmt jedoch den größten Teil des Buches ein und obwohl das Buch sehr ernst, traurig und berührend ist, schafft es Krien trotzdem Elemente einzubauen, die einen zum schmunzeln bringen!
von Carmen19994 - 2024-09-18 09:40:00
Hat mich schon ein bisschen umgehauen - 5 Sterne
Daniela Krien ist ja inzwischen ein Name, an dem man nicht mehr vorbeikommt und deren Werke mir schon von vielen Seiten empfohlen worden sind. Daher habe ich die Nominierung des deutschen Buchpreises zum Anlass genommen ihr neustes Buch zu lesen. Kurz und knapp: ich bin jetzt Fan und die anderen Bücher von ihr sind bereits bestellt.
Zum Inhalt: ihr Leben war voller Glück, bis ein Moment alles zerstört und ihre Welt in Dunkelheit versinkt. Gefangen in ihrer Trauer verlernt Linda zu leben, bis sie beschließt, dass sie sich zurück an die Oberfläche kämpfen will.
Also erstmal wow, tough topic. Der Klappentext lässt es ja bereits vermuten und ich bin da eigentlich auch gar nicht sensibel, aber Daniela Kriens Schreibstil trägt dazu bei, dass sich auch bei mir während des Lesens eine gewisse Schwere breit gemacht hat. Lindas Empfindungen werden sehr nahbar und authentisch geschildert, ihre völlige Selbstaufgabe hat mir ganz schön zu schaffen gemacht.
Aber wo Schatten ist, ist auch Licht- allen voran die Menschen, die Linda nicht aufgeben, egal wie harsch sie sie von sich stößt oder es einfach nicht schafft, am Leben teilzunehmen. Wie authentisch die Beziehung zu Robert dargestellt ist, kann ich nicht beurteilen, vor seinem Charakter kann man aber nur den Hut ziehen. Generell gibt es in diesem Buch allerhand berührende kleine Gesten, die so viel ausmachen können.
Die Geschichte kommt mit wenig aus- wenig Figuren, wenig Handlungsort, kein schmückendes Beiwerk. Die Handlung ist Fühlen und Reflektieren, Erinnern und Zurückblicken, Weitermachen und Loslasssen. Die offene Erzählstruktur, die schnörkellos und ungeschönt erzählt, hat mir gut gefallen und mich tief bewegt. Es sind kleine Schritte, mit denen sich Linda ihr Leben zurückholt, die feinfühlig geschildert werden.
Ein grandioses Buch über eine bewegende Geschichte. Für mich ein Buch, dass auch nach dem Zuschlagen noch lange bleibt und nachhallt. Und ein viel zu alltägliches, tragisches Thema, das hier auf sanfte Art ganz wunderbar aufbereitet wurde.
Zum Inhalt: ihr Leben war voller Glück, bis ein Moment alles zerstört und ihre Welt in Dunkelheit versinkt. Gefangen in ihrer Trauer verlernt Linda zu leben, bis sie beschließt, dass sie sich zurück an die Oberfläche kämpfen will.
Also erstmal wow, tough topic. Der Klappentext lässt es ja bereits vermuten und ich bin da eigentlich auch gar nicht sensibel, aber Daniela Kriens Schreibstil trägt dazu bei, dass sich auch bei mir während des Lesens eine gewisse Schwere breit gemacht hat. Lindas Empfindungen werden sehr nahbar und authentisch geschildert, ihre völlige Selbstaufgabe hat mir ganz schön zu schaffen gemacht.
Aber wo Schatten ist, ist auch Licht- allen voran die Menschen, die Linda nicht aufgeben, egal wie harsch sie sie von sich stößt oder es einfach nicht schafft, am Leben teilzunehmen. Wie authentisch die Beziehung zu Robert dargestellt ist, kann ich nicht beurteilen, vor seinem Charakter kann man aber nur den Hut ziehen. Generell gibt es in diesem Buch allerhand berührende kleine Gesten, die so viel ausmachen können.
Die Geschichte kommt mit wenig aus- wenig Figuren, wenig Handlungsort, kein schmückendes Beiwerk. Die Handlung ist Fühlen und Reflektieren, Erinnern und Zurückblicken, Weitermachen und Loslasssen. Die offene Erzählstruktur, die schnörkellos und ungeschönt erzählt, hat mir gut gefallen und mich tief bewegt. Es sind kleine Schritte, mit denen sich Linda ihr Leben zurückholt, die feinfühlig geschildert werden.
Ein grandioses Buch über eine bewegende Geschichte. Für mich ein Buch, dass auch nach dem Zuschlagen noch lange bleibt und nachhallt. Und ein viel zu alltägliches, tragisches Thema, das hier auf sanfte Art ganz wunderbar aufbereitet wurde.
von Lies_ein_Buch - 2024-09-15 20:22:00
Vom Klarkommen danach - 4 Sterne
Daniela Krien schreibt in „Mein drittes Leben“ über den Umgang mit dem tragischen und plötzlichen Verlust des eigenen Kindes. Linda kämpft sich nach diesem Schicksalsschlag zurück ins Leben, indem sie sich von ihrem bisherigen, gut situierten, Lebensstil abwendet, und auf einen Hof in dörflicher Gegend zieht. Doch auch diese Gelegenheit der Trauerbewältigung wird ihr entzogen, sodass sie sich Schritt für Schritt durch den Kontakt zu anderen Familienmitgliedern öffnet und weiterkämpft.
Die Autorin hat einen sehr klaren und eindrücklichen Schreibstil. Durch die gelungene Darstellung der Gedanken- und Gefühlswelt von Linda, kann man sich gut in sie hineinversetzen und ihre Emotionen gewissermaßen nachempfinden. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung bezüglich Trauer, hat mich der Roman sehr nachdenklich gestimmt und einige Zeit nicht losgelassen.
Die Autorin hat einen sehr klaren und eindrücklichen Schreibstil. Durch die gelungene Darstellung der Gedanken- und Gefühlswelt von Linda, kann man sich gut in sie hineinversetzen und ihre Emotionen gewissermaßen nachempfinden. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung bezüglich Trauer, hat mich der Roman sehr nachdenklich gestimmt und einige Zeit nicht losgelassen.
von warda - 2024-09-08 13:47:00


