Rezensionen
Eine bewegende Geschichte von Mut - 5 Sterne
Christina Fonthes’ Roman „Wohin du auch gehst“ ist ein außergewöhnlich feinfühliges und zugleich kraftvolles Debüt, das die LeserInnen auf zwei Zeitebenen in das Leben zweier kongolesischer Frauen entführt: Bijoux und ihre Tante Mira. Beide sind auf ihre Weise entwurzelt, geprägt von der politischen Lage ihrer Heimat und den gesellschaftlichen Erwartungen, die ihr Leben bestimmen.
Fonthes erzählt mit einer klaren, eindringlichen Sprache, die sofort fesselt und tief unter die Haut geht. Die Kontraste zwischen dem brodelnden Kinshasa und dem viel zu stillen London werden ebenso spürbar wie die innere Zerrissenheit der Figuren. Besonders Bijoux’ Kampf zwischen der eigenen Identität und dem Druck religiöser Traditionen ist aufwühlend, ehrlich und erschütternd zugleich.
Mira, deren Geschichte Jahrzehnte früher beginnt, ist keine einfache Figur – doch gerade ihre Brüche, ihre Verzweiflung und ihre Versuche, sich in einer patriarchalen Welt zu behaupten, machen sie so authentisch. Beide Frauen sind durch Schmerz, Schweigen und familiäre Geheimnisse verbunden, und doch gelingt es der Autorin, aus diesen Schatten Momente von Zärtlichkeit, Hoffnung und Selbstermächtigung zu formen.
Mit „Wohin du auch gehst“ ist Christina Fonthes ein beeindruckendes Werk gelungen – literarisch stark, emotional intensiv und voller leiser Schönheit. Es ist ein Roman über Liebe und Freiheit, über das Loslassen und das Wiederfinden der eigenen Stimme – ein Buch, das nachhallt, lange nachdem man die letzte Seite umgeschlagen hat.
Fazit: Eine berührende und klug erzählte Geschichte über Identität, Mut und weibliche Stärke – ein beeindruckendes Debüt, das man nicht so schnell vergisst.
von Carmen19994 - 2025-10-07 11:10:00
Ein fein erzähltes und emotional unglaublich starkes Debüt - 5 Sterne
Das war ein sehr unerwartetes Highlight! Geschichten, die über mehrere Zeitebenen hinweg und aus verschiedenen Perspektiven heraus erzählt werden, gefallen mir generell sehr gut. Und doch bin ich ohne besondere Erwartungen in die Lektüre gegangen.
Was gleich zu Beginn und auch im Verlauf immer wieder deutlich wird: Christina Fonthes hat eine ganz besondere Stimme, die mich gleichermaßen gepackt wie berührt hat. Sie schreibt sprachlich zugänglich und authentisch, behält sich aber stets eine angenehme Sensibilität bei. Außerdem hat sie ein echtes Händchen für kleine Hints, die nicht zu viel von der Handlung vorwegnehmen und später makellos wieder eingefangen werden.
Auch thematisch ist dieser Roman meisterinnenhaft! Ganz zentral geht es um familiären Druck, Religion, Kultur, Identität und Queerness. Fonthes erzählt ehrlich und echt, schafft es aber auch, Schmerzhaftes nur so weit auszuerzählen, dass es sich beim Lesen nicht traumatisch anfühlt. Emotional hat mich die Geschichte trotzdem an so vielen Stellen tief berührt und manchmal regelrecht zerrissen!
An den Figuren gibt es ebenso nichts auszusetzen! Sowohl Bijoux als auch ihre Tante Mira sind vielschichtige Figuren mit einer komplexen Geschichte und einer ebenso komplexen Beziehung zueinander. Besonders der Umgang von Eltern mit ihren Kindern ist in diesem Roman oft unglaublich schmerzhaft! Gleichzeitig verpasst es die Autorin nicht, ihren Lesenden auch heilsame Elemente zu schenken - ganz besonders in Form weiblicher Solidarität und Stärke.
Ich konnte wirklich einige Geschehnisse der Erzählung erahnen und doch war ich zutiefst bewegt, wenn sie dann entsprechend aufgeklärt wurden. Das spricht in meinen Augen für Fonthes’ großes Talent! Die Autorin schreibt so gut, dass sie auf überflüssige Spannungselemente getrost verzichten kann. Durch das geschickte Vermitteln kongolesischer Geschichte habe ich auch wirklich viel über die Demokratische Republik Kongo, früher Zaire, gelernt.
Der einzige Punkt, den ich zumindest ambivalent sehe, ist die Verwendung verschiedener Lingala-Begriffe und -Sätze. Einerseits trägt sie extrem zur Authentizität der Geschichte bei und die Kursivschreibung sowie das angeschlossene Glossar sind hilfreiche Tools. Andererseits konnte ich mir die Übersetzungen trotzdem so schlecht merken, dass ich ständig noch einmal nachsehen musste, was meinen Lesefluss behindert hat.
Ich bin aber viel zu begeistert von diesem bemerkenswerten Debüt, als dass ich irgendetwas von der Wertung abziehen würde. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Geschichte über Befreiung und ihr Schluss einfach nur ein Paukenschlag. Lest unbedingt diesen spannenden, feinfühligen und auch schmerzhaften Roman!
Was gleich zu Beginn und auch im Verlauf immer wieder deutlich wird: Christina Fonthes hat eine ganz besondere Stimme, die mich gleichermaßen gepackt wie berührt hat. Sie schreibt sprachlich zugänglich und authentisch, behält sich aber stets eine angenehme Sensibilität bei. Außerdem hat sie ein echtes Händchen für kleine Hints, die nicht zu viel von der Handlung vorwegnehmen und später makellos wieder eingefangen werden.
Auch thematisch ist dieser Roman meisterinnenhaft! Ganz zentral geht es um familiären Druck, Religion, Kultur, Identität und Queerness. Fonthes erzählt ehrlich und echt, schafft es aber auch, Schmerzhaftes nur so weit auszuerzählen, dass es sich beim Lesen nicht traumatisch anfühlt. Emotional hat mich die Geschichte trotzdem an so vielen Stellen tief berührt und manchmal regelrecht zerrissen!
An den Figuren gibt es ebenso nichts auszusetzen! Sowohl Bijoux als auch ihre Tante Mira sind vielschichtige Figuren mit einer komplexen Geschichte und einer ebenso komplexen Beziehung zueinander. Besonders der Umgang von Eltern mit ihren Kindern ist in diesem Roman oft unglaublich schmerzhaft! Gleichzeitig verpasst es die Autorin nicht, ihren Lesenden auch heilsame Elemente zu schenken - ganz besonders in Form weiblicher Solidarität und Stärke.
Ich konnte wirklich einige Geschehnisse der Erzählung erahnen und doch war ich zutiefst bewegt, wenn sie dann entsprechend aufgeklärt wurden. Das spricht in meinen Augen für Fonthes’ großes Talent! Die Autorin schreibt so gut, dass sie auf überflüssige Spannungselemente getrost verzichten kann. Durch das geschickte Vermitteln kongolesischer Geschichte habe ich auch wirklich viel über die Demokratische Republik Kongo, früher Zaire, gelernt.
Der einzige Punkt, den ich zumindest ambivalent sehe, ist die Verwendung verschiedener Lingala-Begriffe und -Sätze. Einerseits trägt sie extrem zur Authentizität der Geschichte bei und die Kursivschreibung sowie das angeschlossene Glossar sind hilfreiche Tools. Andererseits konnte ich mir die Übersetzungen trotzdem so schlecht merken, dass ich ständig noch einmal nachsehen musste, was meinen Lesefluss behindert hat.
Ich bin aber viel zu begeistert von diesem bemerkenswerten Debüt, als dass ich irgendetwas von der Wertung abziehen würde. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Geschichte über Befreiung und ihr Schluss einfach nur ein Paukenschlag. Lest unbedingt diesen spannenden, feinfühligen und auch schmerzhaften Roman!
von nessabo - 2025-09-17 17:24:00
Schonungslos und hoffnungsvoll zugleich – ein beeindruckendes Debüt - 5 Sterne
Dieses Buch hat mich tief berührt und beeindruckt. Die Autorin verwebt gleich mehrere gesellschaftlich und historisch relevante Themen, wie homophobe und rassistische Ausgrenzung, Unterdrückung von Frauen, Verlust-Traumata und kulturelle Zerrissenheit, zu einer spannenden und teilweise erschütternden Geschichte zweier Frauen unterschiedlicher Generation, die sich ähnlicher sind, als es zunächst den Anschein hat. Anfangs empfand ich den Schreibstil als eher nüchtern und machte mich auf einen etwas langatmigen Roman gefasst. Das Gegenteil war der Fall. Ich wurde immer mehr in den Sog der Erzählung hineingezogen und konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Protagonistinnen sind kongolesischer Abstammung und die Ereignisse des Romans erstrecken sich über zwei Generationen und zwei Kontinente. Beide Frauen, die ältere schweigsame Mira und die jüngere Bijoux, die mit ihrer queeren Identität kämpft, werden in ihrer Persönlichkeit behutsam ausgearbeitet. Die Erzählperspektive wechselt und während Bijoux das aktuelle Geschehen in London aus der Ich-Perspektive und in der Vergangenheitsform schildert, erleben wir bei Mira Rückblenden aus der Beobachterperspektive, die im Präsens erzählt werden und sich bis zur heutigen Zeit hinziehen. Die gesamte Geschichte ist sehr komplex und es erscheint mir unmöglich, alle behandelten Themen aufzuzählen, ohne zu spoilern. Fast beiläufig erfahren wir viel über die kongolesische Geschichte und Kultur, was ich unglaublich spannend fand. Beide Figuren müssen eine Reihe von traumatischen Situationen überstehen, bis sich ihre Erlebnisse zu einem Gesamtbild zusammenfügen und schließlich Hoffnung und Erlösung möglich scheinen. Mein Fazit: Keine leichte Kost, aber wer nicht davor zurückschreckt, sich auch mit schweren und bis heute gesellschaftlich relevanten Themen zu beschäftigen, der wird mit einer dicht erzählten, tiefgründigen Geschichte belohnt, die zum Nachdenken anregt und gleichzeitig Raum für Liebe und Hoffnung schafft.
von Katja K. - 2025-09-13 17:13:00
Berührend, ehrlich und mutig erzählt - 5 Sterne
„Wohin du auch gehst“ hat mich auf mehreren Ebenen beeindruckt. Die Geschichte von Bijoux und Mira, zwei kongolesischen Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen, war für mich emotional und thematisch sehr bewegend. Es geht um kulturelle Prägung, Identität, Trauma und Selbstbestimmung – alles feinfühlig und sehr authentisch erzählt.
Ich fand besonders spannend, wie die Erzählung zwischen verschiedenen Zeiten und Orten – Kinshasa und Manchester – wechselt, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Der Aufbau ist klar, aber nicht zu gradlinig, was gut zu den inneren Spannungen der Figuren passt. Beide Frauen sind auf ihre Weise geprägt von äußeren Zwängen und inneren Kämpfen, und obwohl sie ganz verschieden sind, verbindet sie mehr, als es auf den ersten Blick scheint.
Der Schreibstil ist ruhig, klar und gleichzeitig voller Gefühl. Ich mochte, dass die Autorin auf Dramatik verzichtet und trotzdem viel ausdrückt – manchmal gerade durch das, was unausgesprochen bleibt. Besonders Bijoux’ Perspektive hat mich berührt. Ihre Gedanken, ihr innerer Konflikt zwischen Herkunft und persönlicher Freiheit, haben mich lange beschäftigt.
Auch das Cover passt für mich sehr gut: schlicht, ruhig und gleichzeitig stark – genau wie das Buch. Es wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, entfaltet aber beim Lesen eine überraschende Tiefe.
Fazit:
Ein kluges, leises Buch, das wichtige Themen anspricht, ohne belehrend zu wirken. Wer sich für Identität, Migration, queeres Leben und das Spannungsfeld zwischen Tradition und Selbstverwirklichung interessiert, sollte dieses Buch lesen. Kein leichter Stoff, aber sehr lohnend – und vor allem: absolut ehrlich.
Ich fand besonders spannend, wie die Erzählung zwischen verschiedenen Zeiten und Orten – Kinshasa und Manchester – wechselt, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Der Aufbau ist klar, aber nicht zu gradlinig, was gut zu den inneren Spannungen der Figuren passt. Beide Frauen sind auf ihre Weise geprägt von äußeren Zwängen und inneren Kämpfen, und obwohl sie ganz verschieden sind, verbindet sie mehr, als es auf den ersten Blick scheint.
Der Schreibstil ist ruhig, klar und gleichzeitig voller Gefühl. Ich mochte, dass die Autorin auf Dramatik verzichtet und trotzdem viel ausdrückt – manchmal gerade durch das, was unausgesprochen bleibt. Besonders Bijoux’ Perspektive hat mich berührt. Ihre Gedanken, ihr innerer Konflikt zwischen Herkunft und persönlicher Freiheit, haben mich lange beschäftigt.
Auch das Cover passt für mich sehr gut: schlicht, ruhig und gleichzeitig stark – genau wie das Buch. Es wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, entfaltet aber beim Lesen eine überraschende Tiefe.
Fazit:
Ein kluges, leises Buch, das wichtige Themen anspricht, ohne belehrend zu wirken. Wer sich für Identität, Migration, queeres Leben und das Spannungsfeld zwischen Tradition und Selbstverwirklichung interessiert, sollte dieses Buch lesen. Kein leichter Stoff, aber sehr lohnend – und vor allem: absolut ehrlich.
von Piet1990 - 2025-09-01 15:36:00
Über vielfältige Verbindungen zwischen Menschen - 5 Sterne
Der Roman "Wohin du auch gehst" von Christina Fonthes heißt im englischsprachigen Original "Where you go, I will go". Das bezieht sich auf den Bibelspruch aus dem Buch Rut: "Rut antwortete: Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da will ich begraben sein. Der Herr soll mir dies und das antun – nur der Tod wird mich von dir scheiden.", der gerne bei Hochzeiten zitiert wird. Dabei geht es ursprünglich darin gar nicht um eine heterosexuelle Paarbeziehung, sondern um die Verbindung zwischen der verwitweten Rut und ihrer Schwiegermutter.
Damit ist es eine äußerst klug und passend gewählte Referenz für ein besonderes Buch, in dem es um vielfältige Beziehungen zwischen Menschen geht, die über klassische heterosexuelle Paarbeziehungen, aber auch über leibliche Eltern-Kind-Beziehungen weit hinaus gehen.
Wir erleben das Buch aus zwei Perspektiven, die abwechselnd geschildert werden. Da ist zum einen die lebenslustige, fröhliche, freche Mira, ein 16-jähriger Teenager, die unbeschwert mit ihrer älteren Schwester Eugenie und den gemeinsamen Eltern in Kinshasa in Zaire (jetzt "Demokratische Republik Kongo") in Afrika lebt. Die Mädchen wachsen geliebt und unterstützt auf, die Familie ist finanziell sehr gut situiert, hat ein schönes großes Haus mit Garten, sie sprechen perfekt Französisch und Lingala, dürfen eine gute Schulbildung genießen und haben scheinbar alles, was sie brauchen. Doch die Familie ist auch konservativ und auf ihren Ruf bedacht, insbesondere, da der Vater gerade für den Posten des Gouverneurs kandidiert. So brechen Ereignisse über Mira herein, die sie sehr von ihrer Familie entfremden und für viele Jahre alleine nach Europa führen werden.
Die zweite Perspektive des Buches ist die der jungen Bijoux, etwa 15 bis 25 Jahre später (je nach Kapitel). Es werden Erlebnisse aus verschiedenen Lebensphasen der jungen Frau geschildert, in den meisten Kapiteln ist sie Anfang bis Mitte 20. Bijoux ist bis zu ihrem 12. Lebensjahr bei ihren Eltern Sylvain und Eugenie in Zaire aufgewachsen, als Teil der dortigen Oberschicht mit beiden Eltern in gesellschaftlich hochstehenden Positionen (die Mutter ist etwa Ärztin), jedoch in einer von politischen und militärischen Konflikten überschatteten, unsicheren Zeit. Mit 12 musste sie plötzlich und ungefragt zu ihrer schweigsamen und erzkonservativen Tante Mireille nach Europa ziehen und fortan dort aufwachsen. Nun ist Bijoux seit einigen Jahren volljährig und formal erwachsen, weiß eigentlich, dass sie lesbisch ist, doch es ist eine Herausforderung, gegenüber ihrer Mutter, die eine leitende Position in einer charismatischen Bibelgemeinde einnimmt, dazu zu stehen.
Das Buch ist sehr zugänglich und interessant geschrieben. Ich habe dabei viel über ein mir bisher unbekanntes Land gelernt: Zaire/Kongo. Wie schon beschrieben, ist es die Position einer sehr privilegierten afrikanischen Familie, aus der wir auf dieses Land schauen, und dadurch ganz spezifische Möglichkeiten und Herausforderungen kennen lernen, mit denen die Charaktere zu tun haben. Die Charaktere sind tiefgründig, authentisch und liebevoll gezeichnet, sodass ich mich beim Lesen mit beiden weiblichen Hauptfiguren verbunden gefühlt habe und sehr mitgefiebert habe. Das Thema des Coming-of-Age und Outing speziell als lesbische Frau mit afrikanischem Hintergrund ist für mich gut in die Gesamtkonstruktion des Buches eingewoben. Dabei war es für mich sehr interessant zu lesen, mit wie vielen Schwierigkeiten speziell Bijoux zu kämpfen hat und wie sie ihren Weg findet, aber auch Mira/Mireille ist eine sehr spannende Persönlichkeit mit einer Geschichte, die Mitgefühl erregt und zum Nachdenken anregt, und auch interessante Twists und Turns aufweist.
Ich kann das Buch allen, die sich für Migrationsgeschichten, Afrika, vielschichtige Familienbeziehungen und das Thema Queerness interessieren, oder zumindest für all diese Themen offen sind, sehr empfehlen. Ich habe es sehr gerne gelesen, dabei mit den Charakteren mitgefiebert, wurde gut unterhalten und habe so einiges gelernt.
Damit ist es eine äußerst klug und passend gewählte Referenz für ein besonderes Buch, in dem es um vielfältige Beziehungen zwischen Menschen geht, die über klassische heterosexuelle Paarbeziehungen, aber auch über leibliche Eltern-Kind-Beziehungen weit hinaus gehen.
Wir erleben das Buch aus zwei Perspektiven, die abwechselnd geschildert werden. Da ist zum einen die lebenslustige, fröhliche, freche Mira, ein 16-jähriger Teenager, die unbeschwert mit ihrer älteren Schwester Eugenie und den gemeinsamen Eltern in Kinshasa in Zaire (jetzt "Demokratische Republik Kongo") in Afrika lebt. Die Mädchen wachsen geliebt und unterstützt auf, die Familie ist finanziell sehr gut situiert, hat ein schönes großes Haus mit Garten, sie sprechen perfekt Französisch und Lingala, dürfen eine gute Schulbildung genießen und haben scheinbar alles, was sie brauchen. Doch die Familie ist auch konservativ und auf ihren Ruf bedacht, insbesondere, da der Vater gerade für den Posten des Gouverneurs kandidiert. So brechen Ereignisse über Mira herein, die sie sehr von ihrer Familie entfremden und für viele Jahre alleine nach Europa führen werden.
Die zweite Perspektive des Buches ist die der jungen Bijoux, etwa 15 bis 25 Jahre später (je nach Kapitel). Es werden Erlebnisse aus verschiedenen Lebensphasen der jungen Frau geschildert, in den meisten Kapiteln ist sie Anfang bis Mitte 20. Bijoux ist bis zu ihrem 12. Lebensjahr bei ihren Eltern Sylvain und Eugenie in Zaire aufgewachsen, als Teil der dortigen Oberschicht mit beiden Eltern in gesellschaftlich hochstehenden Positionen (die Mutter ist etwa Ärztin), jedoch in einer von politischen und militärischen Konflikten überschatteten, unsicheren Zeit. Mit 12 musste sie plötzlich und ungefragt zu ihrer schweigsamen und erzkonservativen Tante Mireille nach Europa ziehen und fortan dort aufwachsen. Nun ist Bijoux seit einigen Jahren volljährig und formal erwachsen, weiß eigentlich, dass sie lesbisch ist, doch es ist eine Herausforderung, gegenüber ihrer Mutter, die eine leitende Position in einer charismatischen Bibelgemeinde einnimmt, dazu zu stehen.
Das Buch ist sehr zugänglich und interessant geschrieben. Ich habe dabei viel über ein mir bisher unbekanntes Land gelernt: Zaire/Kongo. Wie schon beschrieben, ist es die Position einer sehr privilegierten afrikanischen Familie, aus der wir auf dieses Land schauen, und dadurch ganz spezifische Möglichkeiten und Herausforderungen kennen lernen, mit denen die Charaktere zu tun haben. Die Charaktere sind tiefgründig, authentisch und liebevoll gezeichnet, sodass ich mich beim Lesen mit beiden weiblichen Hauptfiguren verbunden gefühlt habe und sehr mitgefiebert habe. Das Thema des Coming-of-Age und Outing speziell als lesbische Frau mit afrikanischem Hintergrund ist für mich gut in die Gesamtkonstruktion des Buches eingewoben. Dabei war es für mich sehr interessant zu lesen, mit wie vielen Schwierigkeiten speziell Bijoux zu kämpfen hat und wie sie ihren Weg findet, aber auch Mira/Mireille ist eine sehr spannende Persönlichkeit mit einer Geschichte, die Mitgefühl erregt und zum Nachdenken anregt, und auch interessante Twists und Turns aufweist.
Ich kann das Buch allen, die sich für Migrationsgeschichten, Afrika, vielschichtige Familienbeziehungen und das Thema Queerness interessieren, oder zumindest für all diese Themen offen sind, sehr empfehlen. Ich habe es sehr gerne gelesen, dabei mit den Charakteren mitgefiebert, wurde gut unterhalten und habe so einiges gelernt.
von Eternal-Hope - 2025-08-29 08:19:00
falsche Lieben - 4 Sterne
Während die Unruhen in Kinshasa ihren Höhepunkt zusteuern wirft ein Brief aus London Bijouxs Träume von einer künstlerischen Ausbildung über den Haufen. Ihre Eltern schicken sie zu ihrer Tante Mira in eine für sie völlig fremde Welt. Neue Schulkameraden und die englische Sprache machen ihr das Leben nicht gerade einfach. Zudem drängt Mira sie zu Besuchen in der afrikanischen Gemeinde um einen sehr bestimmenden Pastor. Mira ist nicht nur extrem gläubig, sie ist nahezu besessen. Als sie herausfindet, das Bijoux lesbisch ist muss gehandelt werden. Eine mehrtägige Reinigung und Lossagung der Homosexualität bis zur arrangierten Hochzeit sollen sie von dem unafrikanisch Bösen befreien.
In einzelnen Episoden erfahren wir das Mira in ihrer Teenagerzeit in Zaire ganz anders war. Sie war lebhaft, ging gerne auf Partys u d war verliebt in einen mittellosen Musiker. Um diese Liebe zu unterbinden wurde Mira zu ihrer älteren Schwester und deren Mann geschickt um im Haushalt zu helfen.
Abwechselnd werden die weiteren Lebensabschnitte der beiden Protagonistinnen erzählt, ihre persönlichen Probleme aber auch das Leben im ehemaligen Zaire, jetzt Kongo, und in einigen europäischen Städten. Der Zusammenhalt afrikanischer Frauen, Männer, die größtenteils schwach sind, gewalttätig oder triebgesteuert, die politischen Verhältnisse und das Leben im Ausland werden thematisiert und sehr gut beschrieben. Manche Passagen sind ein wenig langatmig und es gibt Wiederholungen im Text, die für mich überflüssig sind und den Lesefluss hemmten.
In einzelnen Episoden erfahren wir das Mira in ihrer Teenagerzeit in Zaire ganz anders war. Sie war lebhaft, ging gerne auf Partys u d war verliebt in einen mittellosen Musiker. Um diese Liebe zu unterbinden wurde Mira zu ihrer älteren Schwester und deren Mann geschickt um im Haushalt zu helfen.
Abwechselnd werden die weiteren Lebensabschnitte der beiden Protagonistinnen erzählt, ihre persönlichen Probleme aber auch das Leben im ehemaligen Zaire, jetzt Kongo, und in einigen europäischen Städten. Der Zusammenhalt afrikanischer Frauen, Männer, die größtenteils schwach sind, gewalttätig oder triebgesteuert, die politischen Verhältnisse und das Leben im Ausland werden thematisiert und sehr gut beschrieben. Manche Passagen sind ein wenig langatmig und es gibt Wiederholungen im Text, die für mich überflüssig sind und den Lesefluss hemmten.
von Ulla - 2025-08-17 12:02:00
super - 5 Sterne
Ich mag die Bücher des deogenes verdags immer besonders gerne, dass sie immer literarisch anspruchsvoll sind und ich wurde bis jetzt nie enttäuscht. Auch dieses Buch ist wieder eines davon und ich wurde in einer neue für mich noch nicht so bekannte Welt mitgenommen. Die protagonistin in dem Buch ist eine junge Frau die sich in erinner neuen welt, genauer gesagt in england, zurechtfinden muss. Dort begegnet sie einer anderen Frau und verliebt sich in sie. Diese Liebe ist jedoch von vielen hürden geprägt , da sie ineinem sehr religiös geprägten. Haushalt wohnt. Trotz allem geht diese junge Frau ihren Weg und Beweis darin sehr viel Stärke. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, da es sehr authentisch geschrieben es und der Schrribstil mir im allgemeinen sehr zugesagt hat. Das Buch verbindet verschiedene Kulturen Komme auf ein sehr einfühlsame art und weise.
von inya - 2025-08-04 21:37:00
Der lange Kampf um Selbstbestimmung - 5 Sterne
Christina Fonthes zeigt in ihrem Debütroman eindrücklich was es bedeutet in einer Gesellschaft zu leben in der Frauen unterdrückt und Minderheiten diskriminiert werden. Für mich persönlich eine Warnung wie eine Gesellschaft aussehen kann, wenn es reaktionären Kräften gelingt in der Gesellschaft bereits erkämpfte Freiheiten wieder zu beschneiden.
Im Deutschlandfunk Podcast über den rechts-konservativen Investor und Polit-Lobbyisten Peter Thiel war von einem „Mindshift“ in Amerika, die mit Trumps zweiter Amtszeit begann die Rede. Damit ist gemeint, dass sich die Denkweisen und -muster innerhalb einer Gesellschaft oder Kultur verändern. Ein gutes Beispiel sind die Silikon-Valley unternehmen, die nun offen eine andere Richtung einschlagen. Setze man vormals auf Inklusion und Frauenförderung wird nun darauf verzichtet und es wird ein veraltetes Bild von Leistung gezeichnet.
Der Roman spielt nämlich in einer für uns ungewohnt konservativen Gesellschaft.
Fonthes behandelt eine breite Palette an Themen wie: Entwurzelung, Trauma, Missbrauch, häusliche Gewalt, HIV, Homophobie, Femizid, Zwangsheirat und Korruption.
Das ist viel. Dabei gelingt der jungen Autorin das Kunststück, die Geschichte nicht überladen wirken zu lassen. Im Kern ist „Wohin du auch gehst“ einfach eine extrem fesselnde Geschichte mit Sogwirkung. Beim Lesen möchte man wissen wie es mit der Hauptfigur Bijoux weitergeht, man lacht und leidet mit ihr. Gleichzeitig fragt man sich auch, was ist mit ihrer Tante passiert, dass sie so geworden ist. Die Figuren sind oft impulsiv, was sie aber auch glaubwürdig wirken lässt. Lediglich das Ende fand ich etwas überhastet.
Es sind vor allem die Details, die den Roman großartig machen. Wie die Mehrdeutigkeit des Titels, die sich erst beim Lesen erschließt. Mir machen solche Sachen Spaß.
Im Deutschlandfunk Podcast über den rechts-konservativen Investor und Polit-Lobbyisten Peter Thiel war von einem „Mindshift“ in Amerika, die mit Trumps zweiter Amtszeit begann die Rede. Damit ist gemeint, dass sich die Denkweisen und -muster innerhalb einer Gesellschaft oder Kultur verändern. Ein gutes Beispiel sind die Silikon-Valley unternehmen, die nun offen eine andere Richtung einschlagen. Setze man vormals auf Inklusion und Frauenförderung wird nun darauf verzichtet und es wird ein veraltetes Bild von Leistung gezeichnet.
Der Roman spielt nämlich in einer für uns ungewohnt konservativen Gesellschaft.
Fonthes behandelt eine breite Palette an Themen wie: Entwurzelung, Trauma, Missbrauch, häusliche Gewalt, HIV, Homophobie, Femizid, Zwangsheirat und Korruption.
Das ist viel. Dabei gelingt der jungen Autorin das Kunststück, die Geschichte nicht überladen wirken zu lassen. Im Kern ist „Wohin du auch gehst“ einfach eine extrem fesselnde Geschichte mit Sogwirkung. Beim Lesen möchte man wissen wie es mit der Hauptfigur Bijoux weitergeht, man lacht und leidet mit ihr. Gleichzeitig fragt man sich auch, was ist mit ihrer Tante passiert, dass sie so geworden ist. Die Figuren sind oft impulsiv, was sie aber auch glaubwürdig wirken lässt. Lediglich das Ende fand ich etwas überhastet.
Es sind vor allem die Details, die den Roman großartig machen. Wie die Mehrdeutigkeit des Titels, die sich erst beim Lesen erschließt. Mir machen solche Sachen Spaß.
von tinten_fischchen - 2025-08-04 18:03:00
Ausbruch aus Konventionen - 5 Sterne
Bijoux stammt aus Kinshasa, muss aber vorgeblich aufgrund der Unruhen in der Heimat zu ihrer Tante Mira nach London ziehen. Sie versteht nicht nur die distanzierte Art ihrer Verwandten nicht, auch deren wahnhaften Glauben an Gott und die Gemeinschaft setzen sie in Fesseln. Als sie im Erwachsenwerden erkennt, dass ihre Liebe Frauen gilt, erfährt sie die volle Härte der familiären Banden. Doch auch Mira hat eine Vergangenheit, die so gar nicht in das vorgegebene Weltbild passt.
Christina Fonthes erzählt in "Wohin du auch gehst" die Geschichte zweier Frauen, die sich zwischen den engen Grenzen afrikanischer Traditionen und den sich auflösenden Beschränkungen in der europäischen afrikanischen Community bewegen bzw. daraus auszubrechen versuchen. Sie erzählt aus zwei Perspektiven: Protagonistin Miras Erzählung spielt in der Zeit zwischen 1974 und 1997, Bijoux Erlebnisse verfolgen wir von 2004 bis 2007. Schnell kann gemutmaßt werden, dass die beiden eine engere Vergangenheit miteinander verbindet, als sie zu wissen scheinen. Durch die Rückblenden wissen wir, dass Mira vieles durchmachen musste, auch wenn uns bis kurz vor Ende die wahren Ausmaße nicht bewusst sind und auch nicht geahnt werden können. Miras gegenwärtiges Ich ist nur schwer zu greifen: sie ist äußerst distanziert und fanatisch gläubig. Lange Zeit ist unverständlich, wie sie eine so harte und strickt konservative Frau werden konnte, denn in ihren Rückblenden ist sie eine sensible und durch die vielen Schicksalsschläge immer stärker werdende Frau. Ihre Nichte Bijoux fühlt sich von ihr abgestoßen, sie kann und will sie nicht durchschauen, auch wenn sie sich lange Zeit an ihre strikten Regeln hält. Besonders erschreckend ist die Vorgehensweise, nachdem Bijoux ihrer Tante die Liebe zu einer Frau gesteht: mittels des Pastors wird eine Art Teufelsaustreibung durchgeführt, die die junge Frau von ihrer Homosexualität heilen soll. Bijoux fügt sich und geht eine arrangierte Ehe ein, doch nachdem auch mit ihrem Mann "etwas nicht stimmt" und sie in der Kirchengemeinde eine neue Liebe kennenlernt, versucht sie einen Ausbruch aus den starren Fesseln der Gemeinschaft.
In "Wohin du auch gehst" durchlebte ich ein Wechselbad der Gefühle. Die groben Einschränkungen der Gemeinschaft lassen einen kaum Raum zum Atmen, ich fühlte das Hin- und Hergerissen-Sein zwischen sogenannter Tradition der christlich-afrikanischer Gemeinschaft und dem Streben nach dem eigenen Glück der Protagonistin Bijoux. Lange Zeit konnte ich kein Verständnis für Mira aufbringen, konnte mir ihre extreme Distanziertheit Bijoux gegenüber und ihren fanatischen Glauben nicht erklären. Bis kurz vor Schluss dachte ich mir, es gäbe keine Erklärung für ihr Verhalten, doch am Ende schafft es die Autorin das Rätsel zu lösen, auch wenn die Aufklärung für das Gesamtbild fast ein wenig zu spät kommt. Bijoux, in moderneren Zeit aufgewachsen, ist trotzdem tief in der Community verwurzelt, fügt sich lange Zeit dem gesellschaftlichen Druck, bis sie es schafft, sich selbst daraus zu befreien.
Besonders beeindruckend fand ich das Spiel mit den Twists in der Geschichte - oft ahnen die Leser*innen schon einiges und es dauert manchmal unnpackbar lange, bis die beiden Protagonistinnen erkennen, was Sache ist. Das stellt die eigene Geduld manchmal auf die Probe, lässt die Geschichte aber auch glaubhafter machen. Anderes wiederum konnte bis zum Schluss nicht geahnt werden, wodurch man am Ende mit einem großen Aha-Erlebnis belohnt wird und einen auch mit der oft unverständlichen Mira versöhnt. Als kleinen Kritikpunkt möchte ich erwähnen, dass die Auflösung fast zu rasch geschieht, besonders was den religiösen Fanatismus betrifft, der trotz allem eher unverständlich bleibt.
Mein Fazit: "Wohin du auch gehst" ein gelungener Roman über die engen Grenzen einer Community und das safte Ausbrechen daraus. Er ermöglicht es, die eigene Meinung anhand der Geschichte immer wieder ein Stück zurecht zu rücken und zu erkennen, dass meist mehr hinter gewissen Konventionen und Verhaltensweisen steckt, als auf den ersten Blick ersichtlich. Am Schluss überrascht die Autorin mit einem Twist, der einen schließlich auch mit der unzugänglich scheinenden Protagonistin Mira versöhnt. Eine große Leseempfehlung für alle, die Frauen bei der Selbstermächtigung begleiten wollen und dafür auch die nötige Geduld aufbringen.
Christina Fonthes erzählt in "Wohin du auch gehst" die Geschichte zweier Frauen, die sich zwischen den engen Grenzen afrikanischer Traditionen und den sich auflösenden Beschränkungen in der europäischen afrikanischen Community bewegen bzw. daraus auszubrechen versuchen. Sie erzählt aus zwei Perspektiven: Protagonistin Miras Erzählung spielt in der Zeit zwischen 1974 und 1997, Bijoux Erlebnisse verfolgen wir von 2004 bis 2007. Schnell kann gemutmaßt werden, dass die beiden eine engere Vergangenheit miteinander verbindet, als sie zu wissen scheinen. Durch die Rückblenden wissen wir, dass Mira vieles durchmachen musste, auch wenn uns bis kurz vor Ende die wahren Ausmaße nicht bewusst sind und auch nicht geahnt werden können. Miras gegenwärtiges Ich ist nur schwer zu greifen: sie ist äußerst distanziert und fanatisch gläubig. Lange Zeit ist unverständlich, wie sie eine so harte und strickt konservative Frau werden konnte, denn in ihren Rückblenden ist sie eine sensible und durch die vielen Schicksalsschläge immer stärker werdende Frau. Ihre Nichte Bijoux fühlt sich von ihr abgestoßen, sie kann und will sie nicht durchschauen, auch wenn sie sich lange Zeit an ihre strikten Regeln hält. Besonders erschreckend ist die Vorgehensweise, nachdem Bijoux ihrer Tante die Liebe zu einer Frau gesteht: mittels des Pastors wird eine Art Teufelsaustreibung durchgeführt, die die junge Frau von ihrer Homosexualität heilen soll. Bijoux fügt sich und geht eine arrangierte Ehe ein, doch nachdem auch mit ihrem Mann "etwas nicht stimmt" und sie in der Kirchengemeinde eine neue Liebe kennenlernt, versucht sie einen Ausbruch aus den starren Fesseln der Gemeinschaft.
In "Wohin du auch gehst" durchlebte ich ein Wechselbad der Gefühle. Die groben Einschränkungen der Gemeinschaft lassen einen kaum Raum zum Atmen, ich fühlte das Hin- und Hergerissen-Sein zwischen sogenannter Tradition der christlich-afrikanischer Gemeinschaft und dem Streben nach dem eigenen Glück der Protagonistin Bijoux. Lange Zeit konnte ich kein Verständnis für Mira aufbringen, konnte mir ihre extreme Distanziertheit Bijoux gegenüber und ihren fanatischen Glauben nicht erklären. Bis kurz vor Schluss dachte ich mir, es gäbe keine Erklärung für ihr Verhalten, doch am Ende schafft es die Autorin das Rätsel zu lösen, auch wenn die Aufklärung für das Gesamtbild fast ein wenig zu spät kommt. Bijoux, in moderneren Zeit aufgewachsen, ist trotzdem tief in der Community verwurzelt, fügt sich lange Zeit dem gesellschaftlichen Druck, bis sie es schafft, sich selbst daraus zu befreien.
Besonders beeindruckend fand ich das Spiel mit den Twists in der Geschichte - oft ahnen die Leser*innen schon einiges und es dauert manchmal unnpackbar lange, bis die beiden Protagonistinnen erkennen, was Sache ist. Das stellt die eigene Geduld manchmal auf die Probe, lässt die Geschichte aber auch glaubhafter machen. Anderes wiederum konnte bis zum Schluss nicht geahnt werden, wodurch man am Ende mit einem großen Aha-Erlebnis belohnt wird und einen auch mit der oft unverständlichen Mira versöhnt. Als kleinen Kritikpunkt möchte ich erwähnen, dass die Auflösung fast zu rasch geschieht, besonders was den religiösen Fanatismus betrifft, der trotz allem eher unverständlich bleibt.
Mein Fazit: "Wohin du auch gehst" ein gelungener Roman über die engen Grenzen einer Community und das safte Ausbrechen daraus. Er ermöglicht es, die eigene Meinung anhand der Geschichte immer wieder ein Stück zurecht zu rücken und zu erkennen, dass meist mehr hinter gewissen Konventionen und Verhaltensweisen steckt, als auf den ersten Blick ersichtlich. Am Schluss überrascht die Autorin mit einem Twist, der einen schließlich auch mit der unzugänglich scheinenden Protagonistin Mira versöhnt. Eine große Leseempfehlung für alle, die Frauen bei der Selbstermächtigung begleiten wollen und dafür auch die nötige Geduld aufbringen.
von Kwinsu - 2025-08-04 13:05:00
Zuhause kann ich ich sein. - 5 Sterne
Mit ihrem Debütroman „Wohin du auch gehst“ erzählt die Autorin Christina Fonthes eine emotional mitreißende, lebhafte Geschichte über das Leben von queeren Afrikaner:innen und generationsübergreifenden Fehlern.
Wie es von dem Verlag Diogenes gewohnt ist, sagt das Cover von alleine nicht viel aus. Es ist eine schwarze Frau mit einem Afro abgebildet, die die lesende Person direkt anschaut. Hierbei könnte es sich um eine der Protagonistinnen Bijoux oder Mira handeln, richtig deutlich wird es jedoch nicht. Auch der Buchdeckel ist sehr schlicht, in einem dunklen Blau, gehalten. Bestimmt hätte man eine etwas auffälligere Gestaltung wählen können, was jedoch nicht mit der Devise des Verlages übereinstimmt.
Die Themen sind sehr hart und vielfältig. Es geht um Selbstbestimmtheit, Sexualität, Vergewaltigungen, Religion, Geschlechterrollen und Vorurteile. Diese Themen werden an der Geschichte von Mira und Bijoux dargestellt. Bijoux ist queer und ihre Tante kann dies nicht akzeptieren. Aber auch Mira hat in ihrem Leben bereits schlimmes erlebt und konnte dies nicht wirklich aufarbeiten. Die Geschichte ist allesamt rund und auch zum Ende tun sich stetig Plot Twists auf. Manchmal kann man diese vorahnen, meist kommen sie jedoch aus dem Nichts. Es war wirklich bis ganz zum Ende spannend.
Auch die Charaktere sind sehr authentisch. Man kann insbesondere mit den Protagonistinnen sympathisieren und deren Geschichte nachvollziehen.
Der Schreibstil ist erwähnenswert, da immer wieder Begriffe aus der Sprache der Einheimischen aus der Demokratischen Republik Kongo verwendet, da dort die Charaktere herkommen. Die kann für einige Menschen bestimmt etwas verwirrend wirken, hat mir jedoch geholfen mich in die Geschichte einzufühlen.
Ich kann den Roman allen Menschen empfehlen, die ihr Sichtfeld erweitern wollen, speziell in dem Bezug auf das Verständnis von Queerness in Mittelafrikanischen Ländern, spezifisch Kongo. Ich kann die Empfehlung nicht auf eine Altersgruppe festmachen, da ich denke, dass fast alle Menschen etwas finden, mit dem sie resonieren können.
Wie es von dem Verlag Diogenes gewohnt ist, sagt das Cover von alleine nicht viel aus. Es ist eine schwarze Frau mit einem Afro abgebildet, die die lesende Person direkt anschaut. Hierbei könnte es sich um eine der Protagonistinnen Bijoux oder Mira handeln, richtig deutlich wird es jedoch nicht. Auch der Buchdeckel ist sehr schlicht, in einem dunklen Blau, gehalten. Bestimmt hätte man eine etwas auffälligere Gestaltung wählen können, was jedoch nicht mit der Devise des Verlages übereinstimmt.
Die Themen sind sehr hart und vielfältig. Es geht um Selbstbestimmtheit, Sexualität, Vergewaltigungen, Religion, Geschlechterrollen und Vorurteile. Diese Themen werden an der Geschichte von Mira und Bijoux dargestellt. Bijoux ist queer und ihre Tante kann dies nicht akzeptieren. Aber auch Mira hat in ihrem Leben bereits schlimmes erlebt und konnte dies nicht wirklich aufarbeiten. Die Geschichte ist allesamt rund und auch zum Ende tun sich stetig Plot Twists auf. Manchmal kann man diese vorahnen, meist kommen sie jedoch aus dem Nichts. Es war wirklich bis ganz zum Ende spannend.
Auch die Charaktere sind sehr authentisch. Man kann insbesondere mit den Protagonistinnen sympathisieren und deren Geschichte nachvollziehen.
Der Schreibstil ist erwähnenswert, da immer wieder Begriffe aus der Sprache der Einheimischen aus der Demokratischen Republik Kongo verwendet, da dort die Charaktere herkommen. Die kann für einige Menschen bestimmt etwas verwirrend wirken, hat mir jedoch geholfen mich in die Geschichte einzufühlen.
Ich kann den Roman allen Menschen empfehlen, die ihr Sichtfeld erweitern wollen, speziell in dem Bezug auf das Verständnis von Queerness in Mittelafrikanischen Ländern, spezifisch Kongo. Ich kann die Empfehlung nicht auf eine Altersgruppe festmachen, da ich denke, dass fast alle Menschen etwas finden, mit dem sie resonieren können.
von Cxicken - 2025-07-29 17:47:00


