Rezensionen
Das Ministerium der Zeit
Roman. „Eine sehr spannende, komische und traurige Geschichte über uns Menschen und darüber, wie die Zeit, in der wir leben, uns prägt.“ Christine Westermann, „Zwei Seiten“
Autor: Kaliane Bradley
Erschienen 2025 bei Penguin;Sceptre, London 2024
ISBN 978-3-328-60353-5
Cooles Konzept, etwas schwieriger Stil - 4 Sterne
Das Konzept der Geschichte hat mich direkt überzeugt: Eine geheime neue Technik ermöglicht es, Personen aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart zu holen. Dort bekommen sie eine Art Betreuer an die Seite gestellt, der sie an das neue Leben gewöhnen soll.
Hier im Fokus steht Polarforscher Graham Gore, den es fast 200 Jahre in die Zukunft verschlägt.
Interessant und durchaus auch mal lustig zu lesen fand ich seine Erkundung der heutigen Welt. Wir begleiten ihn auf dieser Reise im altbekannten und doch sehr fremden England und entdecken dabei unsere eigene Welt auch wieder ganz neu, das was für uns selbstverständlich ist, war damals noch eine Sensation oder unvorstellbar.
Parallel zu diesen Kapiteln gehen wir aber auch mit auf die Expedition von Gore, bei der er eigentlich damals ums Leben kam. Diese Kapitel fand ich nochmal besonders interessant, da Gore ja eine historische Persönlichkeit ist und die Erzählungen auf wahren Begebenheiten beruhen.
Gleichzeitig hätte ich mir aber auch gewünscht, dass man noch mehr zu den anderen Zeitreisenden/Expats erfährt, hier hätte man das Potenzial ruhig noch mehr ausschöpfen können.
Auch die Liebesgeschichte hat mich nicht ganz abgeholt, es gab zwar immer wieder mal passende Momente, allerdings hab ich die Chemie nicht wirklich gespürt.
Beim Stil und der Sprache bin ich zwiegespalten. Einerseits mochte ich die zahlreichen Abschweifungen von der Haupthandlung teilweise sehr gerne, andererseits habe ich sie zwischendurch auch mal als zäh empfunden.
Themen wie die Macht der Sprache haben mich zum Nachdenken angeregt, während ich gleichzeitig den Schreibstil mit seinen eher ungewöhnlichen Formulierungen manchmal verflucht habe.
Insgesamt war es nicht so ganz das, was ich zuerst erwartet habe, jedoch hat mich die Geschichte doch zum Großteil überzeugen können.
Hier im Fokus steht Polarforscher Graham Gore, den es fast 200 Jahre in die Zukunft verschlägt.
Interessant und durchaus auch mal lustig zu lesen fand ich seine Erkundung der heutigen Welt. Wir begleiten ihn auf dieser Reise im altbekannten und doch sehr fremden England und entdecken dabei unsere eigene Welt auch wieder ganz neu, das was für uns selbstverständlich ist, war damals noch eine Sensation oder unvorstellbar.
Parallel zu diesen Kapiteln gehen wir aber auch mit auf die Expedition von Gore, bei der er eigentlich damals ums Leben kam. Diese Kapitel fand ich nochmal besonders interessant, da Gore ja eine historische Persönlichkeit ist und die Erzählungen auf wahren Begebenheiten beruhen.
Gleichzeitig hätte ich mir aber auch gewünscht, dass man noch mehr zu den anderen Zeitreisenden/Expats erfährt, hier hätte man das Potenzial ruhig noch mehr ausschöpfen können.
Auch die Liebesgeschichte hat mich nicht ganz abgeholt, es gab zwar immer wieder mal passende Momente, allerdings hab ich die Chemie nicht wirklich gespürt.
Beim Stil und der Sprache bin ich zwiegespalten. Einerseits mochte ich die zahlreichen Abschweifungen von der Haupthandlung teilweise sehr gerne, andererseits habe ich sie zwischendurch auch mal als zäh empfunden.
Themen wie die Macht der Sprache haben mich zum Nachdenken angeregt, während ich gleichzeitig den Schreibstil mit seinen eher ungewöhnlichen Formulierungen manchmal verflucht habe.
Insgesamt war es nicht so ganz das, was ich zuerst erwartet habe, jedoch hat mich die Geschichte doch zum Großteil überzeugen können.
von Ryria - 2025-07-23 22:30:00
Interessanter Beginn, wenig nachvollziehbares Ende - 3 Sterne
In einer nahen, nicht näher bezeichneten Zukunft gelingt es in Großbritannien, mehrere Personen aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu holen. Diesen werden Personen zur Seite gestellt, die sie begleiten sollen, denn keiner weiß, wie der Transfer auf die Menschen wirkt.
Eine dieser Personen ist die namenlose Ich-Erzählerin, diese kümmert sich um Graham Gore, einem Mitglied der Franklin-Expedition und eine tatsächliche historische Persönlichkeit. Wie die anderen sogenannten Expats gilt er in der Vergangeheit als verstorben.
Der Roman hat zehn Kapitel, wobei, eigentlich sind es zwanzig, denn jede Kapitelnummer gibt es zweimal, einmal, in römischen Ziffern, geht es in die Vergangenheit, wo man zunächst Graham Gore begleitet, später dann erfährt, was nach seinem Tod beziehungsweise Transfer in Zusammenhang mit der Expedition weiter passiert ist. Die Kapitel mit den arabischen Ziffern erzählen, was in der Gegenwart passiert, und zwar, wie schon erwähnt aus der Perspektive der Begleiterin Graham Gores. Hin und wieder, allerdings nicht sehr oft, spricht die Ich-Erzählerin jemand direkt mit „Du“ an, wobei ich als Leserin mich davon nicht angesprochen fühlte, und auch am Ende ist mir nicht ganz klar, wer „Du“ sein soll.
So sind diese beiden die Hauptcharaktere, man lernt aber auch andere Charaktere näher kennen, zum Beispiel die anderen Expats, und erfährt auch, wie diese, die immerhin aus verschiedenen Jahrhunderten (17. bis 20. Jahrhundert) stammen, untereinander agieren und jeweils mit der Situation klar kommen. Das fand ich recht interessant und auch nachvollziehbar erzählt.
Erlebt man zunächst nur mit, wie sich die veränderten Umstände auf alle auswirken, und wie mit den Expats umgegangen wird, die im Grunde ein Experiment sind, kommt es in der zweiten Hälfte zu einer Wendung, die lebensgefährlich wird.
Verzichten hätte ich auf die Liebesgeschichte können, die sich zunächst nur andeutet, später nicht nur greifbarer, sondern dann auch zu ausführlich erzählt wird. Leider hat mich da schon, etwa ab dem letzten Viertel, die Geschichte etwas verloren, danach dann immer mehr. Gegen Ende erschien sie mir immer weniger nachvollziehbar.
Mir hat die Geschichte leider nicht durchgehend gefallen, zunächst fand ich sie recht originell, doch gegen Ende verlor sie in meinen Augen immer mehr an Logik. Schade, da wurde einiges an Potential verschenkt. Da ich den Roman recht lange ganz gut fand, vergebe ich noch 3 Sterne.
Eine dieser Personen ist die namenlose Ich-Erzählerin, diese kümmert sich um Graham Gore, einem Mitglied der Franklin-Expedition und eine tatsächliche historische Persönlichkeit. Wie die anderen sogenannten Expats gilt er in der Vergangeheit als verstorben.
Der Roman hat zehn Kapitel, wobei, eigentlich sind es zwanzig, denn jede Kapitelnummer gibt es zweimal, einmal, in römischen Ziffern, geht es in die Vergangenheit, wo man zunächst Graham Gore begleitet, später dann erfährt, was nach seinem Tod beziehungsweise Transfer in Zusammenhang mit der Expedition weiter passiert ist. Die Kapitel mit den arabischen Ziffern erzählen, was in der Gegenwart passiert, und zwar, wie schon erwähnt aus der Perspektive der Begleiterin Graham Gores. Hin und wieder, allerdings nicht sehr oft, spricht die Ich-Erzählerin jemand direkt mit „Du“ an, wobei ich als Leserin mich davon nicht angesprochen fühlte, und auch am Ende ist mir nicht ganz klar, wer „Du“ sein soll.
So sind diese beiden die Hauptcharaktere, man lernt aber auch andere Charaktere näher kennen, zum Beispiel die anderen Expats, und erfährt auch, wie diese, die immerhin aus verschiedenen Jahrhunderten (17. bis 20. Jahrhundert) stammen, untereinander agieren und jeweils mit der Situation klar kommen. Das fand ich recht interessant und auch nachvollziehbar erzählt.
Erlebt man zunächst nur mit, wie sich die veränderten Umstände auf alle auswirken, und wie mit den Expats umgegangen wird, die im Grunde ein Experiment sind, kommt es in der zweiten Hälfte zu einer Wendung, die lebensgefährlich wird.
Verzichten hätte ich auf die Liebesgeschichte können, die sich zunächst nur andeutet, später nicht nur greifbarer, sondern dann auch zu ausführlich erzählt wird. Leider hat mich da schon, etwa ab dem letzten Viertel, die Geschichte etwas verloren, danach dann immer mehr. Gegen Ende erschien sie mir immer weniger nachvollziehbar.
Mir hat die Geschichte leider nicht durchgehend gefallen, zunächst fand ich sie recht originell, doch gegen Ende verlor sie in meinen Augen immer mehr an Logik. Schade, da wurde einiges an Potential verschenkt. Da ich den Roman recht lange ganz gut fand, vergebe ich noch 3 Sterne.
von PMelittaM - 2025-07-19 21:41:00
Ein Zeitsprung ins Absurde, Berührende und Erhellende - 5 Sterne
Ich lese ja wirklich vieles – aber Das Ministerium der Zeit hat meine Vorstellung von „originell“ noch mal neu kartografiert. Gelesen habe ich es, weil es im Podcast Zwei Seiten empfohlen wurde. Ich hatte Lust auf etwas, das anders ist. Und bekam ein Buch, das nicht nur anders, sondern auch herrlich seltsam, klug und emotional verwirrend ist.
Die Ausgangslage: Eine junge Frau bekommt einen Job in einem geheimnisvollen Ministerium, das Zeitreisen ermöglicht. Ihre Aufgabe? Einen echten viktorianischen Polarforscher – Commander Graham Gore, historisch verbürgt und moralisch irgendwo zwischen „gentleman“ und „verzweifelt überfordert“ – ins 21. Jahrhundert einzuführen. Gore wird also ins London von heute geholt und lernt zwischen Spotify, Bussen mit WLAN und „Frauen wohnen hier auch einfach so?“ das moderne Leben kennen. Und sie – unsere Ich-Erzählerin mit kambodschanischen Wurzeln – soll ihn begleiten. Als „Brücke“. Als Mitbewohnerin. Als Mensch, der erklären soll, was hier eigentlich Sache ist.
Was daraus entsteht, ist eine Zeitreise-Romanze ohne Kitsch, ein Science-Fiction-Roman ohne Raumschiffe, ein literarischer Tanz über die großen Themen: Kolonialismus, Identität, Sprache, Nähe, Gewalt, Macht, Erinnerung, Verlust. Und: Liebe. Ja, es wird auch romantisch – aber auf die leise, verdrehte, bittersüße Art. Kein großes Tamtam. Dafür Blicke, Dialoge, Momente, die lange nachhallen.
Bradleys Stil ist dabei etwas ganz Eigenes: gleichzeitig intellektuell und verspielt, bildstark und lakonisch, oft mit einem trockenen Witz, der mich mitten im Satz hat auflachen lassen. Und dann wieder poetisch und traurig, wie ein Gedicht, das zu spät auf dem Anrufbeantworter ankommt.
Commander Gore? Ein absoluter Szenendieb. Sein trockener Humor, seine Verlorenheit, sein Mut, sich in diese seltsame Welt hineinzutasten – all das macht ihn zu einer Figur, die man nicht vergisst. Unsere namenlose Erzählerin hingegen wirkt oft wie ein Gegenpol: kontrolliert, vorsichtig, manchmal fast zu zurückgenommen – und gerade deshalb faszinierend.
Aber: Irgendwann, so im letzten Viertel, rutscht das Buch ein wenig ins narrative Chaos. Geheimnisse überschlagen sich, politische Verschwörungen tauchen auf, die Zeit springt, die Perspektiven auch, und ich hatte kurz das Gefühl, als hätte jemand im Ministerium vergessen, die Chronologie zu sichern. Es wird wirr, manchmal zu sehr. Aber irgendwie passt auch das wieder zu dieser Geschichte, die sich nie ganz greifen lässt – wie die Zeit selbst.
Mein Fazit:
Dieses Buch ist wie ein handgeschriebener Brief aus einer anderen Epoche, der in einem modernen Briefkasten landet und genau im richtigen Moment gelesen wird. Es ist nicht perfekt, aber es will auch gar nicht perfekt sein. Es will überraschen, berühren, zum Nachdenken bringen – und genau das tut es.
Die Ausgangslage: Eine junge Frau bekommt einen Job in einem geheimnisvollen Ministerium, das Zeitreisen ermöglicht. Ihre Aufgabe? Einen echten viktorianischen Polarforscher – Commander Graham Gore, historisch verbürgt und moralisch irgendwo zwischen „gentleman“ und „verzweifelt überfordert“ – ins 21. Jahrhundert einzuführen. Gore wird also ins London von heute geholt und lernt zwischen Spotify, Bussen mit WLAN und „Frauen wohnen hier auch einfach so?“ das moderne Leben kennen. Und sie – unsere Ich-Erzählerin mit kambodschanischen Wurzeln – soll ihn begleiten. Als „Brücke“. Als Mitbewohnerin. Als Mensch, der erklären soll, was hier eigentlich Sache ist.
Was daraus entsteht, ist eine Zeitreise-Romanze ohne Kitsch, ein Science-Fiction-Roman ohne Raumschiffe, ein literarischer Tanz über die großen Themen: Kolonialismus, Identität, Sprache, Nähe, Gewalt, Macht, Erinnerung, Verlust. Und: Liebe. Ja, es wird auch romantisch – aber auf die leise, verdrehte, bittersüße Art. Kein großes Tamtam. Dafür Blicke, Dialoge, Momente, die lange nachhallen.
Bradleys Stil ist dabei etwas ganz Eigenes: gleichzeitig intellektuell und verspielt, bildstark und lakonisch, oft mit einem trockenen Witz, der mich mitten im Satz hat auflachen lassen. Und dann wieder poetisch und traurig, wie ein Gedicht, das zu spät auf dem Anrufbeantworter ankommt.
Commander Gore? Ein absoluter Szenendieb. Sein trockener Humor, seine Verlorenheit, sein Mut, sich in diese seltsame Welt hineinzutasten – all das macht ihn zu einer Figur, die man nicht vergisst. Unsere namenlose Erzählerin hingegen wirkt oft wie ein Gegenpol: kontrolliert, vorsichtig, manchmal fast zu zurückgenommen – und gerade deshalb faszinierend.
Aber: Irgendwann, so im letzten Viertel, rutscht das Buch ein wenig ins narrative Chaos. Geheimnisse überschlagen sich, politische Verschwörungen tauchen auf, die Zeit springt, die Perspektiven auch, und ich hatte kurz das Gefühl, als hätte jemand im Ministerium vergessen, die Chronologie zu sichern. Es wird wirr, manchmal zu sehr. Aber irgendwie passt auch das wieder zu dieser Geschichte, die sich nie ganz greifen lässt – wie die Zeit selbst.
Mein Fazit:
Dieses Buch ist wie ein handgeschriebener Brief aus einer anderen Epoche, der in einem modernen Briefkasten landet und genau im richtigen Moment gelesen wird. Es ist nicht perfekt, aber es will auch gar nicht perfekt sein. Es will überraschen, berühren, zum Nachdenken bringen – und genau das tut es.
von nil_liest - 2025-06-28 12:34:00
Ein zweites Leben - 5 Sterne
1845 brach eine Expedition unter der Leitung von John Franklin in die Arktis auf, um die Nordwestpassage zu durchsegeln und somit den schnellsten Schiffsweg zwischen Europa und Asien aufzuzeigen. Diese Expedition sollte scheitern und keiner der 129 Teilnehmer überlebte. Unter Ihnen First Lieutenant Graham Gore.
Die Autorin Kaliane Bradley lässt in einem London der nicht allzu fernen Zukunft die Möglichkeit des Zeitreisens bestehen. Graham Gore wird wie einige andere Menschen, die in ihrer Zeit durch Unglücke, Krankheiten oder Krieg verstorben wären, aus der Vergangenheit geholt. Um die Anpassung in der neuen Umgebung zu erleichtern, werden ihnen die sogenannten „Brücken“ zur Seite gestellt; Regierungsbeamt:innen, die sie rund um die Uhr begleiten, damit sich die „Expats“ in ihrem zweiten Leben zurechtzufinden lernen.
Die Autorin spielt in ihrem Buch ein sehr ausgeklügeltes Gedankenspiel, das mich auf mehreren Ebenen angesprochen hat. Sie nutzt die Möglichkeit des Zeitreisens, um gesellschaftspolitische Themen anzusprechen. Der unterschiedliche Umgang der Expats mit den Entwicklungen der modernen Zeit ist sehr interessant und regt zum Nachdenken darüber an. Vieles davon sind Errungenschaften, die sich für sehr viele Menschen in Europa positiv ausgewirkt haben, manche stehen jedoch noch immer auf fragilen Füßen. Der Klimawandel hat ebenfalls in der Zukunft mit voller Härte zugeschlagen und nicht nur extreme Wetterphänomene, sondern auch humanitäre Notsituationen mit sich gebracht. Ein erschreckend realistischer Ausblick!
Die historische Figur des Graham Gore, über den eigentlich nur wenig bekannt ist, wird von der Autorin als aufgeschlossener, intelligenter, vielseitig talentierter und überaus humorvoller Mensch dargestellt. Die romantische Beziehung der beiden Protagonist:innen entsteht deshalb wenig überraschend, ließ mich aber nur noch mehr mit ihrer Geschichte mitfiebern. In kurzen Kapiteln wird auch zur Franklin-Expetition zurückgesprungen. Die Verknüpfung von historischen Fakten und Fiktion haben für mich einen besonderen Reiz ausgemacht.
Kaliane Bradley schreibt sehr einnehmend, intelligent, verarbeitet gesellschaftlich relevante Themen und verpackt sie in einem (un)möglichen Plot. Mich hat sie mit ihrem Buch absolut begeistert und ich kann es von ganzem Herzen weiterempfehlen.
Die Autorin Kaliane Bradley lässt in einem London der nicht allzu fernen Zukunft die Möglichkeit des Zeitreisens bestehen. Graham Gore wird wie einige andere Menschen, die in ihrer Zeit durch Unglücke, Krankheiten oder Krieg verstorben wären, aus der Vergangenheit geholt. Um die Anpassung in der neuen Umgebung zu erleichtern, werden ihnen die sogenannten „Brücken“ zur Seite gestellt; Regierungsbeamt:innen, die sie rund um die Uhr begleiten, damit sich die „Expats“ in ihrem zweiten Leben zurechtzufinden lernen.
Die Autorin spielt in ihrem Buch ein sehr ausgeklügeltes Gedankenspiel, das mich auf mehreren Ebenen angesprochen hat. Sie nutzt die Möglichkeit des Zeitreisens, um gesellschaftspolitische Themen anzusprechen. Der unterschiedliche Umgang der Expats mit den Entwicklungen der modernen Zeit ist sehr interessant und regt zum Nachdenken darüber an. Vieles davon sind Errungenschaften, die sich für sehr viele Menschen in Europa positiv ausgewirkt haben, manche stehen jedoch noch immer auf fragilen Füßen. Der Klimawandel hat ebenfalls in der Zukunft mit voller Härte zugeschlagen und nicht nur extreme Wetterphänomene, sondern auch humanitäre Notsituationen mit sich gebracht. Ein erschreckend realistischer Ausblick!
Die historische Figur des Graham Gore, über den eigentlich nur wenig bekannt ist, wird von der Autorin als aufgeschlossener, intelligenter, vielseitig talentierter und überaus humorvoller Mensch dargestellt. Die romantische Beziehung der beiden Protagonist:innen entsteht deshalb wenig überraschend, ließ mich aber nur noch mehr mit ihrer Geschichte mitfiebern. In kurzen Kapiteln wird auch zur Franklin-Expetition zurückgesprungen. Die Verknüpfung von historischen Fakten und Fiktion haben für mich einen besonderen Reiz ausgemacht.
Kaliane Bradley schreibt sehr einnehmend, intelligent, verarbeitet gesellschaftlich relevante Themen und verpackt sie in einem (un)möglichen Plot. Mich hat sie mit ihrem Buch absolut begeistert und ich kann es von ganzem Herzen weiterempfehlen.
von stina23 - 2025-05-25 10:46:00
Ein genialer Genre-Mix - 4 Sterne
„Das Ministerium der Zeit“ ist das Debüt der in London lebenden Autorin Kaliane Bradley.
Dem Ministerium der Zeit ist es gelungen, Menschen aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren. Diese bekommen jemanden - eine sogenannte „Brücke“ - zur Seite gestellt, der sie beim Einleben in der Gegenwart begleiten und unterstützen soll.
Eine durchgehend namenlose, junge Frau, die bisher als Übersetzerin gearbeitet hat, erhält den Auftrag Graham Gore in der Gegenwart zu begleiten. Der Polarforscher war Teilnehmer der Franklin-Expedition und ist im Jahr 1847 mit gerade einmal 37 Jahren bei einer Arktisexpedition verstorben.
Neben ihm werden vier weitere Personen aus der Vergangenheit in die Gegenwart gebracht.
Zunächst fand ich es total spannend wie Graham Gore auf die Veränderungen, die es von seinem Tod bis zum 21. Jahrhundert gegeben hat, reagiert. Dieser Kulturschock ist durchaus nachvollziehbar und teilweise ausgesprochen amüsant.
Durch Rückblenden in Graham Gores Leben vermittelt die Autorin historische Ereignisse der Franklin Expedition und hat diese gut mit der fiktiven Story verwoben.
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich vieles verändert und die Sicht der Zeitreisenden, für die unsere Welt an vielen Stellen vollkommen neu und unfassbar ist, gibt eine interessante Sicht auf unsere Kultur und die Gesellschaft. Dadurch werden auch kritische Themen wie der Klimawandel, Technik, Rassismus, Macht, Kriege, Digitalisierung, Bürokratie, Feminismus und viele weitere Angelegenheiten in die Handlung gebracht. Zudem fließt auch noch eine Liebesgeschichte der Protagonisten mit ein. Für Abwechslung ist also bestens gesorgt.
Der Roman hat leider zwischenzeitlich einige Längen, ist aber dennoch ein gelungener Genre-Mix - spannend und vielschichtig - den ich gerne gelesen habe und der mich neugierig auf weitere Werke der Autorin warten lässt.
Dem Ministerium der Zeit ist es gelungen, Menschen aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren. Diese bekommen jemanden - eine sogenannte „Brücke“ - zur Seite gestellt, der sie beim Einleben in der Gegenwart begleiten und unterstützen soll.
Eine durchgehend namenlose, junge Frau, die bisher als Übersetzerin gearbeitet hat, erhält den Auftrag Graham Gore in der Gegenwart zu begleiten. Der Polarforscher war Teilnehmer der Franklin-Expedition und ist im Jahr 1847 mit gerade einmal 37 Jahren bei einer Arktisexpedition verstorben.
Neben ihm werden vier weitere Personen aus der Vergangenheit in die Gegenwart gebracht.
Zunächst fand ich es total spannend wie Graham Gore auf die Veränderungen, die es von seinem Tod bis zum 21. Jahrhundert gegeben hat, reagiert. Dieser Kulturschock ist durchaus nachvollziehbar und teilweise ausgesprochen amüsant.
Durch Rückblenden in Graham Gores Leben vermittelt die Autorin historische Ereignisse der Franklin Expedition und hat diese gut mit der fiktiven Story verwoben.
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich vieles verändert und die Sicht der Zeitreisenden, für die unsere Welt an vielen Stellen vollkommen neu und unfassbar ist, gibt eine interessante Sicht auf unsere Kultur und die Gesellschaft. Dadurch werden auch kritische Themen wie der Klimawandel, Technik, Rassismus, Macht, Kriege, Digitalisierung, Bürokratie, Feminismus und viele weitere Angelegenheiten in die Handlung gebracht. Zudem fließt auch noch eine Liebesgeschichte der Protagonisten mit ein. Für Abwechslung ist also bestens gesorgt.
Der Roman hat leider zwischenzeitlich einige Längen, ist aber dennoch ein gelungener Genre-Mix - spannend und vielschichtig - den ich gerne gelesen habe und der mich neugierig auf weitere Werke der Autorin warten lässt.
von Tara - 2025-05-22 17:14:00
Entführungen durch Zeit und Raum - 3 Sterne
Eine Zeitreise-Technik, die zu Entführungen durch Zeit und Raum missbraucht wird? Mein Interesse am Buch war schnell geweckt. Also versuchte ich fortan, gemeinsam mit der Erzählerin hinter die Ziele des Ministeriums der Zeit zu kommen.
Dieser Frau wird gemeinsam mit einigen anderen Auserwählten ein Expat übergeben, eine aus der Vergangenheit entführte Person, die damals sowieso gestorben wäre. So die lapidare Erklärung. In ihrem Fall handelt es sich um den Polarforscher Commander Graham Gore, über den bis auf wenige Briefe kaum etwas bekannt ist.
Neben den sich ergebenden Differenzen gesellschaftlicher Ideale, dem Erlernen fortschrittlicher Technik und einigem mehr plätschert die Handlung leider lange vor sich hin, bis eine Bedrohung aus der Zukunft auftaucht und man endlich ein paar mehr Details zu den Zeitreisen bzw. Zeitentführungen erfährt. Ich hatte mir mehr Spannung versprochen, mehr Reibereien, Komplikationen, irgendwas, was die Handlung unterhaltsamer gemacht hätte. Zumal die Idee und die Charaktere dies hergaben. Und, wie es in der Beschreibung so schön heißt, die Entwicklung zu mehr als nur tiefer Freundschaft zwischen der Erzählerin und ihrem Expat war mir einfach zu schnulzig, so wirklich was Knistern hab ich zwischen den beiden nicht gespürt, um eine derartige Entwicklung stimmig zu empfinden. Das wirkte mehr wie ein: Naja, er/sie war halt grad greifbar.
Kurz: Viel verschenktes Potential, zu viele Längen um spannend zu sein.
Dieser Frau wird gemeinsam mit einigen anderen Auserwählten ein Expat übergeben, eine aus der Vergangenheit entführte Person, die damals sowieso gestorben wäre. So die lapidare Erklärung. In ihrem Fall handelt es sich um den Polarforscher Commander Graham Gore, über den bis auf wenige Briefe kaum etwas bekannt ist.
Neben den sich ergebenden Differenzen gesellschaftlicher Ideale, dem Erlernen fortschrittlicher Technik und einigem mehr plätschert die Handlung leider lange vor sich hin, bis eine Bedrohung aus der Zukunft auftaucht und man endlich ein paar mehr Details zu den Zeitreisen bzw. Zeitentführungen erfährt. Ich hatte mir mehr Spannung versprochen, mehr Reibereien, Komplikationen, irgendwas, was die Handlung unterhaltsamer gemacht hätte. Zumal die Idee und die Charaktere dies hergaben. Und, wie es in der Beschreibung so schön heißt, die Entwicklung zu mehr als nur tiefer Freundschaft zwischen der Erzählerin und ihrem Expat war mir einfach zu schnulzig, so wirklich was Knistern hab ich zwischen den beiden nicht gespürt, um eine derartige Entwicklung stimmig zu empfinden. Das wirkte mehr wie ein: Naja, er/sie war halt grad greifbar.
Kurz: Viel verschenktes Potential, zu viele Längen um spannend zu sein.
von C. P. - 2025-05-04 23:37:00
Interessant konstruierter Roman über Zeitreisen und deren gesellschaftlichen Konflikte - 4 Sterne
Auf Grundlage einer verschollenen Arktis-Expedition, die 1845 startete, um die Nordwestpassage zu finden, hat die Autorin einen fiktiven Roman geschaffen. Hauptprotagonist ist der Expeditionsteilnehmer Graham Gore – eine reale Person, über die es kaum historische Aufzeichnungen gibt.
Dem sicheren Tod entrissen, sieht er sich in unserer Zeit wieder. Er wurde mittels einer Zeitmaschine in unsere Gegenwart katapultiert, zusammen mit anderen Personen aus anderen Jahrhunderten, bis zurück ins Jahr 1615.
Es ist ein geheimes Projekt der britischen Regierung. Jeder Person wird eine persönliche „Brücke“ in Form einer Regierungsangestellt:in beigestellt, die ab sofort zusammen leben. Aufgabe der „Brücke“ ist es vornehmlich, die Zeitreisenden in die neue Welt einzuführen – und natürlich rund um die Uhr zu überwachen. Im Falle von Gore ist es die Ich-Erzählerin Eleanor, eine junge Britin, mit Kambodschanischen Wurzeln. Als sie den Job (der eingeht mit einer Verdreifachung ihres Gehalts) annimmt, weiß sie noch nicht, was auf sie zukommt. Hier wird für mich (etwas unglaubwürdig) eine Person mit schwachem Durchsetzungsvermögen auf ein ranghohes ehemaliges Mitglied der Britischen Marine mit antiquierten Vorstellungen losgelassen.
Auch wenn es meist sehr harmonisch zugeht, Gore sich anzupassen versucht, ein Musterbeispiel an britischer Biederkeit der präviktorianischen Gesellschaft zu sein scheint, hat er so seine Schwierigkeiten damit, mit einer unverheirateten Frau zusammen zu wohnen.
Die anderen Expatriats (so werden die Entführten genannt) haben ebenfalls so ihre Anpassungsprobleme. Verständlicherweise.
Aber es geht in diesem Roman um sehr viel mehr. Es sind nicht nur die neuen technischen Errungenschaften und Lebensweisen, wie die Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft versus der vergangenen Jahrhunderte. Auch die Ethnien (v.a. People of Color, Ethnische Vermischungen (sehr schwierig das richtig zu beschreiben!) wie im Falle von Eleanor) wurden damals anders behandelt als heute (obwohl sich da nicht wirklich viel Positives getan hat im Laufe der Zeit).
Was die ganze Zeit im Hintergrund schlummert ist der Grund dieses Experiments, Menschen kurz vor ihrem Tod und Verschwinden von deren Zeitlinie ungefragt in die Zukunft zu verfrachten. Nur sehr allmählich poppen die Antworten auf die Fragen auf, die man sich beim Lesen stellt. So wird zwar ein gewisser Spannungsbogen aufrechterhalten, wird aber meines Erachtens nicht befriedigend gelöst.
Der Roman ist dennoch sehr interessant konstruiert. Dabei geht es sehr wenig um das technische Brimborium, als um zwischenmenschliche Aspekte. Und davon gibt es für meinen Geschmack wiederum zu viel. Die Einarbeitung unserer gesellschaftlichen Probleme wie Flüchtlinge, Kriege, Rassismus und der drohende Kollaps durch den Klimawandel sind hingegen sehr gut gelungen. Und so sehe ich dieses Buch mehr als Fingerzeig im zwischenmenschlichen Umgang, und in unserem verantwortungsvollen Gebaren der Natur gegenüber, denn als eine rasante Science-Fiction Geschichte. Diese tritt tatsächlich in den Hintergrund und kann bestenfalls als Beiwerk oder Story-Aufhänger betrachtet werden.
Nichts desto trotz habe ich das Buch trotz den gewissen kleinen Mängel gerne gelesen und finde, 4 Sterne kann man dafür getrost vergeben.
Dem sicheren Tod entrissen, sieht er sich in unserer Zeit wieder. Er wurde mittels einer Zeitmaschine in unsere Gegenwart katapultiert, zusammen mit anderen Personen aus anderen Jahrhunderten, bis zurück ins Jahr 1615.
Es ist ein geheimes Projekt der britischen Regierung. Jeder Person wird eine persönliche „Brücke“ in Form einer Regierungsangestellt:in beigestellt, die ab sofort zusammen leben. Aufgabe der „Brücke“ ist es vornehmlich, die Zeitreisenden in die neue Welt einzuführen – und natürlich rund um die Uhr zu überwachen. Im Falle von Gore ist es die Ich-Erzählerin Eleanor, eine junge Britin, mit Kambodschanischen Wurzeln. Als sie den Job (der eingeht mit einer Verdreifachung ihres Gehalts) annimmt, weiß sie noch nicht, was auf sie zukommt. Hier wird für mich (etwas unglaubwürdig) eine Person mit schwachem Durchsetzungsvermögen auf ein ranghohes ehemaliges Mitglied der Britischen Marine mit antiquierten Vorstellungen losgelassen.
Auch wenn es meist sehr harmonisch zugeht, Gore sich anzupassen versucht, ein Musterbeispiel an britischer Biederkeit der präviktorianischen Gesellschaft zu sein scheint, hat er so seine Schwierigkeiten damit, mit einer unverheirateten Frau zusammen zu wohnen.
Die anderen Expatriats (so werden die Entführten genannt) haben ebenfalls so ihre Anpassungsprobleme. Verständlicherweise.
Aber es geht in diesem Roman um sehr viel mehr. Es sind nicht nur die neuen technischen Errungenschaften und Lebensweisen, wie die Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft versus der vergangenen Jahrhunderte. Auch die Ethnien (v.a. People of Color, Ethnische Vermischungen (sehr schwierig das richtig zu beschreiben!) wie im Falle von Eleanor) wurden damals anders behandelt als heute (obwohl sich da nicht wirklich viel Positives getan hat im Laufe der Zeit).
Was die ganze Zeit im Hintergrund schlummert ist der Grund dieses Experiments, Menschen kurz vor ihrem Tod und Verschwinden von deren Zeitlinie ungefragt in die Zukunft zu verfrachten. Nur sehr allmählich poppen die Antworten auf die Fragen auf, die man sich beim Lesen stellt. So wird zwar ein gewisser Spannungsbogen aufrechterhalten, wird aber meines Erachtens nicht befriedigend gelöst.
Der Roman ist dennoch sehr interessant konstruiert. Dabei geht es sehr wenig um das technische Brimborium, als um zwischenmenschliche Aspekte. Und davon gibt es für meinen Geschmack wiederum zu viel. Die Einarbeitung unserer gesellschaftlichen Probleme wie Flüchtlinge, Kriege, Rassismus und der drohende Kollaps durch den Klimawandel sind hingegen sehr gut gelungen. Und so sehe ich dieses Buch mehr als Fingerzeig im zwischenmenschlichen Umgang, und in unserem verantwortungsvollen Gebaren der Natur gegenüber, denn als eine rasante Science-Fiction Geschichte. Diese tritt tatsächlich in den Hintergrund und kann bestenfalls als Beiwerk oder Story-Aufhänger betrachtet werden.
Nichts desto trotz habe ich das Buch trotz den gewissen kleinen Mängel gerne gelesen und finde, 4 Sterne kann man dafür getrost vergeben.
von MarcoL - 2025-04-27 14:20:00
Ermüdende Zeitreise - 2 Sterne
Das Ministerium der Zeit von Kaliane Bradley klang nach einem interessanten Roman zwischen historischen Ereignissen und fiktiven Zusammentreffen. Ich mochte die Grundidee, dass verschiedene Figuren aus der Vergangenheit in die Zukunft geholt werden und mit der Andersartigkeit „ihrer“ Welt klarkommen müssen.
Leider hat es für mich aber nur zu einer grandiosen Idee gereicht, die Umsetzung konnte mich nämlich nicht überzeugen. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Einer ist die Ich-Erzählerin. Bis zum Schluss erfahren wir keinen Namen, weswegen die Namenlose für mich auch nicht greifbar wurde. Außerdem empfand ich trotz der Ich-Erzählweise die Geschichte sehr steril und emotionslos erzählt. Wir erfahren nichts über das Innenleben der Protagonisten, weshalb die Geschichte ziemlich kühl wirkte und mich nicht abholen konnte.
Schade fand ich auch, dass ich mir immer wieder dachte „Show, don‘t Tell“. Die Protagonistin berichtet immer wieder, wie ihr Expat Graham Gore in bestimmten Situationen reagierte, vergleichsweise selten erleben wir die Situationen mit. Das sorgt nicht nur für ein zähes Lesevergnügen, sondern auch dafür, dass ich absolut keine Nähe zu den Figuren aufbauen konnte.
Dabei gab es immer wieder Hoffnung, dass es doch noch spannend und interessant werden könnte, denn immer wenn wir Situationen miterleben durften, wurde die Geschichte auch besser und hatte phasenweise sogar einen gewissen Charme. Nur war das wirklich sehr selten der Fall, was sich auch auf meine Lesegeschwindigkeit auswirkte. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Zeit benötigt, um ein Buch zu beenden.
Leider hat es für mich aber nur zu einer grandiosen Idee gereicht, die Umsetzung konnte mich nämlich nicht überzeugen. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Einer ist die Ich-Erzählerin. Bis zum Schluss erfahren wir keinen Namen, weswegen die Namenlose für mich auch nicht greifbar wurde. Außerdem empfand ich trotz der Ich-Erzählweise die Geschichte sehr steril und emotionslos erzählt. Wir erfahren nichts über das Innenleben der Protagonisten, weshalb die Geschichte ziemlich kühl wirkte und mich nicht abholen konnte.
Schade fand ich auch, dass ich mir immer wieder dachte „Show, don‘t Tell“. Die Protagonistin berichtet immer wieder, wie ihr Expat Graham Gore in bestimmten Situationen reagierte, vergleichsweise selten erleben wir die Situationen mit. Das sorgt nicht nur für ein zähes Lesevergnügen, sondern auch dafür, dass ich absolut keine Nähe zu den Figuren aufbauen konnte.
Dabei gab es immer wieder Hoffnung, dass es doch noch spannend und interessant werden könnte, denn immer wenn wir Situationen miterleben durften, wurde die Geschichte auch besser und hatte phasenweise sogar einen gewissen Charme. Nur war das wirklich sehr selten der Fall, was sich auch auf meine Lesegeschwindigkeit auswirkte. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Zeit benötigt, um ein Buch zu beenden.
von Anndlich - 2025-04-24 13:50:00
Zäh und langweilig - 2 Sterne
Als ich das Cover gesehen hatte und den Klappentext gelesen, war ich sofort fasziniert! Das Cover ist mir ins Auge gefallen und die Idee fand ich grandios und total spannend! Die Frage wie sich ein Mensch in der aktuellen Zeit verhalten wurde, der vor einigen hundert Jahren geboren wurde und ein ganz anderes Leben kennt, hat mich fasziniert und begeistern können! Schnell war ich allerdings enttäuscht und ernüchtert doch zunächst einmal zum Inhalt.
Als eine junge Frau einen neuen Job bei einem geheimnisvollen Ministerium antritt, ahnt sie nicht, dass dieser schwüle Sommer ihr Leben für immer verändern wird. Denn das Ministerium der Zeit hat das geschafft, was niemand jemals für möglich hielt: Menschen durch die Zeit zu transportieren. Und so soll sie dem eigentlich 1847 verstorbenen Polarforscher Commander Graham Gore das Ankommen im lärmenden London des 21. Jahrhunderts erleichtern. Während er sich an mit den Wundern der Moderne wie Toilettenspülungen und Spotify vertraut macht, muss sie ihn damit konfrontieren, dass sich die Welt nicht unbedingt nur zum Guten gewandelt hat. Und als sei nicht alles ohnehin kompliziert genug, entwickelt sich aus dem anfänglichen Unbehagen weit mehr als nur eine tiefe Freundschaft. Doch das Ministerium hat seine ganz eigenen Pläne mit dem Zeitreisenden und plötzlich verschieben sich heute, morgen und gestern, und was die beiden zusammengeführt hat, droht sie nun mit aller Macht auseinanderzureißen.
Den Anfang und das Kennenlernen zwischen der Pratagonistin und dem Commander Graham fand ich sehr schön beschrieben. Das Buch war flott zu lesen und konnte mich mitreissen und vorallem von der Idee des Buches war ich äußerst angetan. Der Schreibstil hatte zwar von Beginn etwas eigenes an sich aber zunächst war ich positiv überrascht davon und wollte gar nicht aufhören zu lesen! Dann jedoch kam die Ernüchterung! Nach einem tollen Anfang war der Reiz des Schreibstils komplett weg und der Inhalt der Geschichte hat begonnen sich sehr in die Länge zu ziehen und war unglaublich langatmig! Ich hatte das Gefühl das die Autorin gewechselt hat, denn der Schreibstil der zunächst sehr nahbar beim Treffen der beiden war, wurde sehr unnahbar und ich kam weder an die Charaktere ran noch an die Handlung. Ich habe es ganz, ganz selten, dass ein Buch mich so langweilt und überhaupt nicht interessiert das ich queerlesen anfange, aber hier war dies der Fall. Die Geschichte konnte mich so wenig packen und ich habe mich wirklich durch die Seiten gequält. Nach der Hälfte des Buches habe ich leider aufgeben müssen. Ich kam nicht in die Geschichte rein, ich kam nicht an die Personen ran und es hat mich einfach null intressiert wie das Buch weitergeht oder endet, deshalb habe ich es ungefähr bei der Hälfte abgebrochen.
Fazit: Nach einem tollen Beginn kommt die Ernüchterung und Enttäuschung. Eines der ganz, ganz wenigen Bücher, die ich leider (ungefähr bei der Hälfte) abbrechen musste.
Als eine junge Frau einen neuen Job bei einem geheimnisvollen Ministerium antritt, ahnt sie nicht, dass dieser schwüle Sommer ihr Leben für immer verändern wird. Denn das Ministerium der Zeit hat das geschafft, was niemand jemals für möglich hielt: Menschen durch die Zeit zu transportieren. Und so soll sie dem eigentlich 1847 verstorbenen Polarforscher Commander Graham Gore das Ankommen im lärmenden London des 21. Jahrhunderts erleichtern. Während er sich an mit den Wundern der Moderne wie Toilettenspülungen und Spotify vertraut macht, muss sie ihn damit konfrontieren, dass sich die Welt nicht unbedingt nur zum Guten gewandelt hat. Und als sei nicht alles ohnehin kompliziert genug, entwickelt sich aus dem anfänglichen Unbehagen weit mehr als nur eine tiefe Freundschaft. Doch das Ministerium hat seine ganz eigenen Pläne mit dem Zeitreisenden und plötzlich verschieben sich heute, morgen und gestern, und was die beiden zusammengeführt hat, droht sie nun mit aller Macht auseinanderzureißen.
Den Anfang und das Kennenlernen zwischen der Pratagonistin und dem Commander Graham fand ich sehr schön beschrieben. Das Buch war flott zu lesen und konnte mich mitreissen und vorallem von der Idee des Buches war ich äußerst angetan. Der Schreibstil hatte zwar von Beginn etwas eigenes an sich aber zunächst war ich positiv überrascht davon und wollte gar nicht aufhören zu lesen! Dann jedoch kam die Ernüchterung! Nach einem tollen Anfang war der Reiz des Schreibstils komplett weg und der Inhalt der Geschichte hat begonnen sich sehr in die Länge zu ziehen und war unglaublich langatmig! Ich hatte das Gefühl das die Autorin gewechselt hat, denn der Schreibstil der zunächst sehr nahbar beim Treffen der beiden war, wurde sehr unnahbar und ich kam weder an die Charaktere ran noch an die Handlung. Ich habe es ganz, ganz selten, dass ein Buch mich so langweilt und überhaupt nicht interessiert das ich queerlesen anfange, aber hier war dies der Fall. Die Geschichte konnte mich so wenig packen und ich habe mich wirklich durch die Seiten gequält. Nach der Hälfte des Buches habe ich leider aufgeben müssen. Ich kam nicht in die Geschichte rein, ich kam nicht an die Personen ran und es hat mich einfach null intressiert wie das Buch weitergeht oder endet, deshalb habe ich es ungefähr bei der Hälfte abgebrochen.
Fazit: Nach einem tollen Beginn kommt die Ernüchterung und Enttäuschung. Eines der ganz, ganz wenigen Bücher, die ich leider (ungefähr bei der Hälfte) abbrechen musste.
von DoraLupin - 2025-04-24 08:51:00
Idee hui, Umsetzung pfui. - 1 Sterne
In "Das Ministerium der Zeit" von Kaliane Bradley begleiten wir eine namenlose Ministeriumsmitarbeiterin. Sie ist eine Begleitperson, eine sogenannte "Brücke", für den Zeitreisenden Graham Gore, Commander der Royal Navy, aus 1847. Sie soll Graham im 21. Jahrhundert auffangen und ihn gegenwartstauglich machen. Wie man sich denken kann ist das nicht alles. In abwechselnden Kapiteln erfahren wir außerdem mehr über Graham Gore und seine missglückte Mission in die Arktis.
Zu Beginn der Geschichte war ich begeistert. Man landet direkt mitten im Geschehen und es ist sehr spannend. Die Idee fand ich großartig. Leider wurde ich dann immer mehr enttäuscht. Schnell wurde die Erzählung langatmig, schwer zu folgen und "all over the place." Es wurden wahllos Absätze eingestreut die nichts mit der Handlung zu tun haben. Es gab mir zu viele Sachverhalte, die einfach plötzlich da waren ohne erklärt zu werden. So zum Beispiel auch die Faszination unserer Protagonistin für Graham.
Die Sprache hat zu meiner Enttäuschung einen großen Teil beigetragen. Sie ist teils merkwürdig, übertrieben theatralisch und bildhaft. Es gibt immer wieder Sätze oder Phrasen, die ich nicht verstehe. Eventuell liegt das auch an der Übersetzung. Hierfür ein paar Beispiele: "Porridge-milder Mittwoch", "Meine Knie rebellieren wie zwei eingesperrte Frösche.", "Ich wollte in einen Zug beißen oder vielleicht einen vögeln." Außerdem hat mich der exzessive Gebrauch von Ellipsen (...) massiv gestört. Das wirkte teilweise wie ein Chatverlauf.
Immerhin wurde es gegen Ende wieder etwas spannender. Allerdings konnte mich das Ende auch nicht abholen. Es war für meinen Geschmack etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen.
Das Buch hat sich für mich angefühlt wie eine Story für jüngere Leser*innen, was allerdings nicht sein kann, da extrem explizite Sexszenen beschrieben wurden. Also ich weiß nicht, wem ich das Buch empfehlen würde.
Zu Beginn der Geschichte war ich begeistert. Man landet direkt mitten im Geschehen und es ist sehr spannend. Die Idee fand ich großartig. Leider wurde ich dann immer mehr enttäuscht. Schnell wurde die Erzählung langatmig, schwer zu folgen und "all over the place." Es wurden wahllos Absätze eingestreut die nichts mit der Handlung zu tun haben. Es gab mir zu viele Sachverhalte, die einfach plötzlich da waren ohne erklärt zu werden. So zum Beispiel auch die Faszination unserer Protagonistin für Graham.
Die Sprache hat zu meiner Enttäuschung einen großen Teil beigetragen. Sie ist teils merkwürdig, übertrieben theatralisch und bildhaft. Es gibt immer wieder Sätze oder Phrasen, die ich nicht verstehe. Eventuell liegt das auch an der Übersetzung. Hierfür ein paar Beispiele: "Porridge-milder Mittwoch", "Meine Knie rebellieren wie zwei eingesperrte Frösche.", "Ich wollte in einen Zug beißen oder vielleicht einen vögeln." Außerdem hat mich der exzessive Gebrauch von Ellipsen (...) massiv gestört. Das wirkte teilweise wie ein Chatverlauf.
Immerhin wurde es gegen Ende wieder etwas spannender. Allerdings konnte mich das Ende auch nicht abholen. Es war für meinen Geschmack etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen.
Das Buch hat sich für mich angefühlt wie eine Story für jüngere Leser*innen, was allerdings nicht sein kann, da extrem explizite Sexszenen beschrieben wurden. Also ich weiß nicht, wem ich das Buch empfehlen würde.
von Tinimore - 2025-04-20 18:58:00


