Rezensionen
Tanzende Frau, blauer Hahn
Roman
Autor: Dana Grigorcea
Erschienen 2026 bei Penguin
ISBN 978-3-328-60440-2
Märchenhafte Ferienzeit - 4 Sterne
Schauplatz des Romans ist der kleine Ort Busteni in den rumänischen Karpaten. Hier verbringt Roxana jedes Jahr ihre Sommerferien bei ihren Verwandten. Auf dem Dorf ist das Leben so ganz anders als in Roxanas Heimatstadt Bukarest. Am liebsten verbringt sie ihre Zeit mit Camil, der in der Eisenbahnsiedlung in Busteni zu Hause ist.
Dana Grigorcea fängt die Zeit nach der Wende in den Neunzigerjahren gut ein. Der Blick ins Dorf und auf die Menschen ist originell verpackt. Roxana und Camil sind gute Beobachter und beschreiben die Nachbarin, den Nachbarn und die Paare aus Busteni mit viel Fantasie. Dadurch wirkt jedes einzelne Kapitel wie eine bunte eigene Geschichte.
Von Roxana und Camil lässt die Autorin ebenfalls ein genaues Bild entstehen. Ich spüre die Gefühle, die von Freundschaft und Freude erzählen, aber auch das leichte Bauchkribbeln, das zwischendurch plötzlich da ist.
Für mich durfte in der Geschichte Radu nicht fehlen, der als Dritter im Bunde Zeit mit Roxana und Camil verbracht und mit seiner humorvollen Art für so manchen Lacher gesorgt hat.
Es ist erstaunlich, was man in ein Buch von nur wenig mehr als 150 Seiten alles hineinpacken kann. Es gibt da nämlich noch eine Autorin, die auf Lesereisen Geschichten erzählt…
Zum Schluss bleibt alles ein wenig geheimnisvoll und verschwommen. Wer erzählt denn nun wessen Geschichte? Gibt es noch Fragen zu „Tanzende Frau, blauer Hahn“? Am Ende nicht mehr – eine schöne Erklärung, die zum Träumen und Mitmachen einlädt.
Dana Grigorcea fängt die Zeit nach der Wende in den Neunzigerjahren gut ein. Der Blick ins Dorf und auf die Menschen ist originell verpackt. Roxana und Camil sind gute Beobachter und beschreiben die Nachbarin, den Nachbarn und die Paare aus Busteni mit viel Fantasie. Dadurch wirkt jedes einzelne Kapitel wie eine bunte eigene Geschichte.
Von Roxana und Camil lässt die Autorin ebenfalls ein genaues Bild entstehen. Ich spüre die Gefühle, die von Freundschaft und Freude erzählen, aber auch das leichte Bauchkribbeln, das zwischendurch plötzlich da ist.
Für mich durfte in der Geschichte Radu nicht fehlen, der als Dritter im Bunde Zeit mit Roxana und Camil verbracht und mit seiner humorvollen Art für so manchen Lacher gesorgt hat.
Es ist erstaunlich, was man in ein Buch von nur wenig mehr als 150 Seiten alles hineinpacken kann. Es gibt da nämlich noch eine Autorin, die auf Lesereisen Geschichten erzählt…
Zum Schluss bleibt alles ein wenig geheimnisvoll und verschwommen. Wer erzählt denn nun wessen Geschichte? Gibt es noch Fragen zu „Tanzende Frau, blauer Hahn“? Am Ende nicht mehr – eine schöne Erklärung, die zum Träumen und Mitmachen einlädt.
von liesmal - 2026-06-15 09:10:00
Sommer in Busteni - 4 Sterne
Der Prolog lässt bereits keinerlei Hoffnung auf ein Happy-End aufkommen. Die zarte Freundschafts- und Liebesgeschichte zwischen Roxana und Camil muss irgendwann ein Ende gefunden haben. Denn nun liest die Ich-Erzählerin auf einer spanischen Nachrichtenseite vom Unfalltod ihres „ ersten und besten Freundes“ und beginnt sich an all die Sommerferien zu erinnern, die sie in den 1990er Jahren in Busteni verbracht hat
In diesem kleinen Dorf am Rande der Karpaten haben Großmutter und Großtante ein Sommerhaus und hierher fährt Roxana Jahr für Jahr. Sie, ein Mädchen aus der gehobenen Bukarester Gesellschaft, freundet sich mit Camil, dem gleichaltrigen Jungen aus der heruntergekommenen Eisenbahnersiedlung an. Dass Welten zwischen ihnen liegen, spielt in diesen Wochen keine Rolle. Sie durchstreifen die Gegend, beobachten die Bewohner des Ortes und erzählen sich Geschichten. So z.B. die von der feinen Madame Smara aus Bukarest, die mit ihrem ehemals notorisch untreuen, nun aber todkranken Mann hierher zog. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihn, bis eines Tages ein Kirschbaum in ihrem Haus zu wachsen beginnt.
Oder die Geschichte von der schönen Frau Helmann, die nicht wegen ihres kleinwüchsigen Ehemannes, der Tag für Tag mit einer Sense auf der Schulter durch den Ort läuft, Aufmerksamkeit erhält. Nein, es ist ihre frappierende Ähnlichkeit mit der „Sklavin Isaura“ aus der gleichnamigen brasilianischen Telenovela, die die Dorfbewohner begeistert.
Das sind aber nicht die einzigen ungewöhnlichen Liebespaare, über die Camil und Roxana sich amüsieren.
Daneben begleiten auch andere Kinder die beiden gerne auf ihren Exkursionen, wollen dazugehören und bleiben während dieser Sommerwochen doch nur Randfiguren. So z.B. Radu, der selbst ein bisschen in Roxana verliebt scheint, dem aber die Rolle des Spaßmachers zufällt. Oder Ana-Mia, die immer von ihrem zweibeinigen Hund begleitet wird. Dass diese aus ärmlichsten Verhältnissen stammt, entgeht selbst Roxana nicht.
Man muss zwischen den Zeilen lesen, um bei all den Geschichten, die Dana Grigorcea fabulierfreudig vor uns ausbreitet, etwas über die gesellschaftlichen Verhältnisse in Rumänien zu erfahren. Da heißt es dann, „Bitte keine Politik am Tisch“ bei einem Fest des ehemaligen Direktors der örtlichen Papierfabrik. Und dass Einheimische dabei nicht gewünscht sind, erfährt man nur in einem Nebensatz.
Auch wenn der Ort gerade anfangs, als wir alles durch die kindliche Perspektive erleben, wie eine Idylle wirkt, so ist er das keineswegs. Von Klassenunterschieden, von den Unterschieden zwischen den Großstädtern und der einheimischen Landbevölkerung, von prekären Verhältnissen lesen wir in allen Geschichten. Ebenso erfahren wir vom Müll, der auf der Prahova schwimmt oder auf dem Grund des Flusses liegt und an dem man sich beim Baden verletzen kann.
Später hören wir von Ovidiu, der wie Roxana seine Sommerferien in Busteni verbracht hat. Er macht als Erwachsener Karriere in der Politik , bevor er nach einem Korruptionsverdacht untertaucht.
Camil und Roxana werden älter, aus der Kinderfreundschaft wird erste Verliebtheit, doch bald wird klar, dass dies eine Sommerliebe bleibt, leicht, unverbindlich, ohne Zukunft.
Und so etwas Leichtes, Schwebendes liegt über dem ganzen Roman. Es sind einzelne Episoden, die die Autorin miteinander verwebt, voller Atmosphäre, manche witzig, beinahe absurd, andere eher still und traurig. Nicht selten mischen sich Realität mit surrealen Elementen.
Eingebunden ist dies in eine Rahmenhandlung, kursiv gesetzt, in der eine Schriftstellerin auf einer Lesereise unterwegs ist, genau mit den Geschichten, die wir lesen. Begleitet wird sie dabei von einem älteren Musiker, der die Texte mit passenden Musikstücken unterlegt.
Und am Ende überrascht uns die Autorin noch mit einer unerwarteten Volte.
Dana Grigorcea und ihr Schriftstellerkollege Catalin Dorian Florescu haben dieses Frühjahr einen neuen Roman veröffentlicht . Beide stammen aus Rumänien und leben schon viele Jahre in Zürich und beide kehren in ihren Büchern gerne in ihre frühere Heimat zurück.
Catalin Dorian Florescu schlägt in „Matei entdeckt die Freiheit“ einen weiten Bogen von der Zeit noch vor Ceaucescus Diktatur bis in die Nachwendejahre und schildert darin eindrucksvoll das Schicksal seines Protagonisten, der seine Zeit im Arbeitslager nicht vergessen kann und auf Rache sinnt, als er Jahrzehnte später auf seinen ehemaligen Peiniger trifft.
Sein Roman unterscheidet sich nicht nur im Ton von „Tanzende Frau, Blauer Hahn“. Wer tief eintauchen möchte in die unheilvolle Geschichte Rumäniens, ist mit dem emotional packenden „Matei entdeckt die Freiheit“ besser bedient. Wer es stattdessen leichter, luftiger und trotzdem tiefgründig haben will, der greife zu Dana Grigorcea . Am besten lese man beide Bücher und bekomme damit einen Einblick in die rumänische Gesellschaft und gleichzeitig gute Literatur.
von Ruth - 2026-06-08 18:48:00


