Rezensionen
Der Versuch die Leere zu füllen - 4 Sterne
Wer ist Waldo? Die mit der Teenager-Mutter, die aus dem Trailerpark, die mit dem Schreibtalent oder die, die eine geheime Affäre mit ihrem doppelt so alten verheirateten Lehrer anfängt?
Waldo ist all das, aber auch so viel mehr. In diesem Buch erzählt sie ihre Geschichte aus ihrer Sicht.
Wir lernen Auszüge aus ihrer Kindheit kennen, ihre Beziehungen zu Freunden und ihrer Mutter, aber im Fokus steht natürlich die verbotene Beziehung zu ihrem Lehrer.
Zunächst hat mir der Schreibstil echt gut gefallen. Kurze Kapitel mit wechselnden kleinen Szenen halten die Aufmerksamkeit hoch und erleichtern den Lesefluss noch zusätzlich. Waldo hat immer wieder beeindruckend kluge Gedanken und Beobachtungen, die sich in tollen Zitaten widerspiegeln.
Sie drückt sich durch das Schreiben aus, verliert sich aber gleichzeitig auch schnell in eher negativen Formen des Leere Füllens.
Auf der Suche nach einer echten Verbindung und Anerkennung findet sie zu ihrem Lehrer und immer wieder lässt sich gut rauslesen, wie die Erlebnisse ihrer Kindheit ihr Verhalten geprägt haben.
Die Charakterdarstellung von Waldo fand ich dadurch echt gut gelungen, ich konnte zwar nicht mitfühlen, aber ihre Gefühle irgendwie nachvollziehen.
Als Erzählerin hat sie auch eine freche, aber gleichzeitig verletzliche Art, was ich sehr authentisch fand.
Das Thema der Affäre hingegen ist ja eher schwierig und nicht wirklich leicht zu verdauen, gerade wenn man Waldo als Charakter besser kennenlernt.
Man kann nicht mit ihr mitfiebern und hoffen, dass ihr "Auserwählter" sich meldet, weil diese ganze Beziehung einfach so falsch ist.
Auch werden oft recht explizite und teils sehr seltsame Szenen eingebaut, die ich ein wenig überflüssig fand, da sie vermutlich nur den Schockfaktor erhöhen sollten.
Mit diesen Gedanken im Hinterkopf hat mich das Buch aber auf seine ganz eigene Art unterhalten und zum Nachdenken gebracht.
Waldo ist all das, aber auch so viel mehr. In diesem Buch erzählt sie ihre Geschichte aus ihrer Sicht.
Wir lernen Auszüge aus ihrer Kindheit kennen, ihre Beziehungen zu Freunden und ihrer Mutter, aber im Fokus steht natürlich die verbotene Beziehung zu ihrem Lehrer.
Zunächst hat mir der Schreibstil echt gut gefallen. Kurze Kapitel mit wechselnden kleinen Szenen halten die Aufmerksamkeit hoch und erleichtern den Lesefluss noch zusätzlich. Waldo hat immer wieder beeindruckend kluge Gedanken und Beobachtungen, die sich in tollen Zitaten widerspiegeln.
Sie drückt sich durch das Schreiben aus, verliert sich aber gleichzeitig auch schnell in eher negativen Formen des Leere Füllens.
Auf der Suche nach einer echten Verbindung und Anerkennung findet sie zu ihrem Lehrer und immer wieder lässt sich gut rauslesen, wie die Erlebnisse ihrer Kindheit ihr Verhalten geprägt haben.
Die Charakterdarstellung von Waldo fand ich dadurch echt gut gelungen, ich konnte zwar nicht mitfühlen, aber ihre Gefühle irgendwie nachvollziehen.
Als Erzählerin hat sie auch eine freche, aber gleichzeitig verletzliche Art, was ich sehr authentisch fand.
Das Thema der Affäre hingegen ist ja eher schwierig und nicht wirklich leicht zu verdauen, gerade wenn man Waldo als Charakter besser kennenlernt.
Man kann nicht mit ihr mitfiebern und hoffen, dass ihr "Auserwählter" sich meldet, weil diese ganze Beziehung einfach so falsch ist.
Auch werden oft recht explizite und teils sehr seltsame Szenen eingebaut, die ich ein wenig überflüssig fand, da sie vermutlich nur den Schockfaktor erhöhen sollten.
Mit diesen Gedanken im Hinterkopf hat mich das Buch aber auf seine ganz eigene Art unterhalten und zum Nachdenken gebracht.
von Ryria - 2026-04-13 23:39:00
gemischte Gefühle - 5 Sterne
Das Cover ist schon sehr gewagt und provokant und macht neugierig. Es passt perfekt zum Inhalt des Buches. In dem Buch geht es um die minderjährige Protagonistin Waldo, die eher einsam ist und in ihren jungen Jahren schon ein sehr exzessives Leben führt und eine Affäre mit ihrem 40-jährigen Lehrer beginnt.
Ich wusste bis zum Schluss nicht was ich von der Protagonistin halten sollte. Ich konnte mich so gar nicht in die Gefühle von Waldo hineinversetzen und musste öfters man den Kopf schütteln oder das Buch zuklappen, weil es mir zu anstrengend wurde. Zumindest konnte Waldo ihr eigenes Verhalten reflektieren, was mir gut gefallen hat. Die Beziehung der beiden war auch ziemlich schwer zu lesen und glich eher einem Unfall bei dem man teilweise nicht wegsehen bzw. In dem Fall aufhören konnte zu lesen. Vor allem die Sexszenen waren schwer erträglich zu lesen, weshalb ich die meisten übersprungen habe.
Auch der Schreibstil ist sehr unverblümt und direkt, was man mögen muss bzw. worauf man sich einlassen muss. Es passt aber sehr gut zur Geschichte.
Insgesamt habe ich eher gemischte Gefühle über das Buch, denke aber auch dass das die Intention dahinter war.
Ich wusste bis zum Schluss nicht was ich von der Protagonistin halten sollte. Ich konnte mich so gar nicht in die Gefühle von Waldo hineinversetzen und musste öfters man den Kopf schütteln oder das Buch zuklappen, weil es mir zu anstrengend wurde. Zumindest konnte Waldo ihr eigenes Verhalten reflektieren, was mir gut gefallen hat. Die Beziehung der beiden war auch ziemlich schwer zu lesen und glich eher einem Unfall bei dem man teilweise nicht wegsehen bzw. In dem Fall aufhören konnte zu lesen. Vor allem die Sexszenen waren schwer erträglich zu lesen, weshalb ich die meisten übersprungen habe.
Auch der Schreibstil ist sehr unverblümt und direkt, was man mögen muss bzw. worauf man sich einlassen muss. Es passt aber sehr gut zur Geschichte.
Insgesamt habe ich eher gemischte Gefühle über das Buch, denke aber auch dass das die Intention dahinter war.
von Tara - 2026-04-12 23:26:00
Missbrauch und Machtgefälle - 3 Sterne
Mit „Half his age“ bekommen wir nach ihrem Memoir „I’m glad my mom died” nun das Romandebüt von Schauspielerin Jennette McCurdy vorgelegt.
Im Fokus der Geschichte steht die 17-jährige Schülerin Waldo. Waldo ist ohne Vater und dafür mit ständig wechselnden Partnern ihrer Mutter in eher ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Das Geld, welches sie für das Jobben bei Victorias Secret verdient, gibt sie beim exzessiven Online-Shopping wieder aus. Mit Gleichaltrigen kann sie nicht viel anfangen und die einzige Freundin, die Waldo hat, versucht ihr eigenes Ego an ihr aufzupolieren. Als Waldo ihren Lehrer für Kreatives Schreiben zum ersten Mal erblickt, spürt sie direkt eine tiefe Verbindung zu dem 40-jährigen Mann. Schnell entwickelt sich aus einer anfänglichen Schwärmerei eine starke Obsession und letztendlich auch ein Verhältnis zwischen den beiden.
Als Hauptfigur ist Waldo - wenn auch, oder gerade wegen ihrer Fehler - sehr authentisch. Ihr Innenleben ist komplex und mitunter auch ziemlich reflektiert dargestellt, dennoch handelt sie oft widersprüchlich, was gerade im Kontext ihres Alters durchaus nachvollziehbar ist.
McCurdys Schreibstil ist hier klar und sachlich, sehr explizit und mitunter ziemlich vulgär.
Stellenweise war die Handlung etwas repetitiv und zu sehr auf Schockmomente ausgerichtet. Es steht außer Frage, dass McCurdy mit ihrem Roman provozieren will und ich verstehe auch die Intention dahinter, dennoch war es mir an einigen Stellen einfach too much und hatte in meinen Augen keinen Mehrwert.
Trotz meiner Kritikpunkte kann ich das Buch zumindest eingeschränkt empfehlen. Für mich war es zwar kein Highlight aber das Thema ist wichtig. Wer sich nicht an vulgärer Sprache stört, wird es wertschätzen können.
Im Fokus der Geschichte steht die 17-jährige Schülerin Waldo. Waldo ist ohne Vater und dafür mit ständig wechselnden Partnern ihrer Mutter in eher ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Das Geld, welches sie für das Jobben bei Victorias Secret verdient, gibt sie beim exzessiven Online-Shopping wieder aus. Mit Gleichaltrigen kann sie nicht viel anfangen und die einzige Freundin, die Waldo hat, versucht ihr eigenes Ego an ihr aufzupolieren. Als Waldo ihren Lehrer für Kreatives Schreiben zum ersten Mal erblickt, spürt sie direkt eine tiefe Verbindung zu dem 40-jährigen Mann. Schnell entwickelt sich aus einer anfänglichen Schwärmerei eine starke Obsession und letztendlich auch ein Verhältnis zwischen den beiden.
Als Hauptfigur ist Waldo - wenn auch, oder gerade wegen ihrer Fehler - sehr authentisch. Ihr Innenleben ist komplex und mitunter auch ziemlich reflektiert dargestellt, dennoch handelt sie oft widersprüchlich, was gerade im Kontext ihres Alters durchaus nachvollziehbar ist.
McCurdys Schreibstil ist hier klar und sachlich, sehr explizit und mitunter ziemlich vulgär.
Stellenweise war die Handlung etwas repetitiv und zu sehr auf Schockmomente ausgerichtet. Es steht außer Frage, dass McCurdy mit ihrem Roman provozieren will und ich verstehe auch die Intention dahinter, dennoch war es mir an einigen Stellen einfach too much und hatte in meinen Augen keinen Mehrwert.
Trotz meiner Kritikpunkte kann ich das Buch zumindest eingeschränkt empfehlen. Für mich war es zwar kein Highlight aber das Thema ist wichtig. Wer sich nicht an vulgärer Sprache stört, wird es wertschätzen können.
von Sina - 2026-04-12 21:23:00
Eine unbequeme, hochpräzise Charakterstudie und ein absoluter Banger - 5 Sterne
Das war mein erstes Buch von Jennette McCurdy und es war ein absoluter Banger, ich kann es nicht anders sagen! Was für eine talentierte Autorin, die uns hier in ihrem literarischen Debüt eine schonungslos ehrliche und kluge Geschichte geschenkt hat.
Was vorab sicher wichtig ist zu wissen: McCurdys Sprache ist roh, provokant und teilweise vulgär, sie nimmt absolut kein Blatt vor den Mund. Ich habe damit keine Probleme und fand die Sprache einfach genial eingesetzt. Die Autorin engt ihre Protagonistin nicht ein, verweigert sich jeglicher moralischen Bewertung. Authentischer und nahbarer hätte sie die 17-jährige Waldo gar nicht schreiben können, ich hing von Anfang bis Ende an ihren Lippen.
Und dabei war ich vor der Lektüre noch skeptisch. Würde es eine weitere sexuell aufgeladene Erzählung über eine ihren Lehrer verführende Minderjährige werden? Oder eine Geschichte über Machtmissbrauch, die diesen aber nicht adäquat einordnet? Wenn das eure Sorgen sind, kann ich sie euch nehmen. McCurdy zentriert ganz klar die Protagonistin und schafft es makellos, ihr ein Profil zu geben, das über das einer Verführerin weit hinaus geht.
Waldo versucht die ganze Zeit, sich in der Welt zu verorten. So anstrengend Coming-of-Age-Geschichten auch manchmal sein können, ist diese hier durch McCurdys Sprachgewalt mitreißend und auf nachvollziehbare Weise schmerzvoll. Waldo bezeichnet sich selbst als „White Trash“, also als Mitglied der weißen Unterschicht. Ihre Mutter rutscht von einer in die nächste Abhängigkeit, stets zu mindestens problematischen und manchmal auch gewaltvollen Männern. Ihren Schmerz darüber sowie ihre innere Einsamkeit versucht die Heranwachsende nun zu stillen - mal über Konsum, mal über Männer.
Ihr deutlich älterer Lehrer Mr. Korgy wird schnell zum Objekt ihrer Begierde. Doch auch das ist deutlich weniger platt als es sich im ersten Moment vielleicht anhört. McCurdy schreibt so schonungslos offen, dass ich nachfühlen konnte, welche Hoffnungen Waldo in diese Affäre gesetzt hat - auch wenn ich sie für falsch halte. Und im Endeffekt ist die Anziehung auch von ganz viel Abneigung geprägt, was die relativ expliziten Sexszenen ziemlich unangenehm macht.
Aber das zeichnet diesen tollen Roman eben auch aus. Er steckt voller Ambivalenzen, die unser Leben nun einmal prägen. Ich weiß nicht, ob ich schon einmal eine so präzise Charakterstudie einer 17-Jährigen gelesen habe. „Half His Age“ will nicht gefallen, es will provozieren und gleichzeitig politisch relevant sein - und das gelingt ihm auch. Dies ist keine Erzählung über Liebe, Sex oder Beziehungen, sondern auf so vielen Ebenen eine Emanzipationsgeschichte, die ihresgleichen sucht - mit einem Ende, das seine Schlagkraft im Subtilen entfaltet.
Was vorab sicher wichtig ist zu wissen: McCurdys Sprache ist roh, provokant und teilweise vulgär, sie nimmt absolut kein Blatt vor den Mund. Ich habe damit keine Probleme und fand die Sprache einfach genial eingesetzt. Die Autorin engt ihre Protagonistin nicht ein, verweigert sich jeglicher moralischen Bewertung. Authentischer und nahbarer hätte sie die 17-jährige Waldo gar nicht schreiben können, ich hing von Anfang bis Ende an ihren Lippen.
Und dabei war ich vor der Lektüre noch skeptisch. Würde es eine weitere sexuell aufgeladene Erzählung über eine ihren Lehrer verführende Minderjährige werden? Oder eine Geschichte über Machtmissbrauch, die diesen aber nicht adäquat einordnet? Wenn das eure Sorgen sind, kann ich sie euch nehmen. McCurdy zentriert ganz klar die Protagonistin und schafft es makellos, ihr ein Profil zu geben, das über das einer Verführerin weit hinaus geht.
Waldo versucht die ganze Zeit, sich in der Welt zu verorten. So anstrengend Coming-of-Age-Geschichten auch manchmal sein können, ist diese hier durch McCurdys Sprachgewalt mitreißend und auf nachvollziehbare Weise schmerzvoll. Waldo bezeichnet sich selbst als „White Trash“, also als Mitglied der weißen Unterschicht. Ihre Mutter rutscht von einer in die nächste Abhängigkeit, stets zu mindestens problematischen und manchmal auch gewaltvollen Männern. Ihren Schmerz darüber sowie ihre innere Einsamkeit versucht die Heranwachsende nun zu stillen - mal über Konsum, mal über Männer.
Ihr deutlich älterer Lehrer Mr. Korgy wird schnell zum Objekt ihrer Begierde. Doch auch das ist deutlich weniger platt als es sich im ersten Moment vielleicht anhört. McCurdy schreibt so schonungslos offen, dass ich nachfühlen konnte, welche Hoffnungen Waldo in diese Affäre gesetzt hat - auch wenn ich sie für falsch halte. Und im Endeffekt ist die Anziehung auch von ganz viel Abneigung geprägt, was die relativ expliziten Sexszenen ziemlich unangenehm macht.
Aber das zeichnet diesen tollen Roman eben auch aus. Er steckt voller Ambivalenzen, die unser Leben nun einmal prägen. Ich weiß nicht, ob ich schon einmal eine so präzise Charakterstudie einer 17-Jährigen gelesen habe. „Half His Age“ will nicht gefallen, es will provozieren und gleichzeitig politisch relevant sein - und das gelingt ihm auch. Dies ist keine Erzählung über Liebe, Sex oder Beziehungen, sondern auf so vielen Ebenen eine Emanzipationsgeschichte, die ihresgleichen sucht - mit einem Ende, das seine Schlagkraft im Subtilen entfaltet.
von nessabo - 2026-02-26 01:00:00
Half His Age - 5 Sterne
Dieser Debütroman ist roh, wild, schmerzhaft, ehrlich, unangenehm, laut, düster und zwischenzeitlich ein einziger Fiebertraum. Und es ist richtig gut!
Die 17jährige Waldo verliebt sich in ihren Lehrer für Kreatives Schreiben. Der ist natürlich deutlich älter, Vater, verheiratet und scheint unerreichbar. Waldo will ihn aber unbedingt für sich gewinnen, will, dass sie endlich jemand wirklich wahrnimmt. Ihre Mutter ist mit sich selbst beschäftigt, ihre beste Freundin kommt aus einer finanziell ganz anders aufgestellten Familie, ihre eigene Zukunft ist ungewiss, denn über allem steht die eine große Frage: Was will ich denn eigentlich? Und als Zusatzfrage: Wenn ich es denn endlich herausgefunden habe, wie kann ICH es erreichen?
So weit, so bekannt – dieser Roman ist allerdings viel mehr als eine Geschichte über Sex oder über das Erwachsenwerden. Es geht um Macht und Machtmissbrauch, um Klassenunterschiede und unsere Konsumgesellschaft, um Körperbilder und das Internet und noch vieles mehr.
Die Sprache ist hart und direkt, das Erzählte ungeschönt – das wird sicher nicht allen gefallen. Wer kurz reinliest wird sofort feststellen, ob es ein Match ist oder nicht. Für mich war es ein wirklich grandioses Buch, über das ich immer noch nachdenke.
Die 17jährige Waldo verliebt sich in ihren Lehrer für Kreatives Schreiben. Der ist natürlich deutlich älter, Vater, verheiratet und scheint unerreichbar. Waldo will ihn aber unbedingt für sich gewinnen, will, dass sie endlich jemand wirklich wahrnimmt. Ihre Mutter ist mit sich selbst beschäftigt, ihre beste Freundin kommt aus einer finanziell ganz anders aufgestellten Familie, ihre eigene Zukunft ist ungewiss, denn über allem steht die eine große Frage: Was will ich denn eigentlich? Und als Zusatzfrage: Wenn ich es denn endlich herausgefunden habe, wie kann ICH es erreichen?
So weit, so bekannt – dieser Roman ist allerdings viel mehr als eine Geschichte über Sex oder über das Erwachsenwerden. Es geht um Macht und Machtmissbrauch, um Klassenunterschiede und unsere Konsumgesellschaft, um Körperbilder und das Internet und noch vieles mehr.
Die Sprache ist hart und direkt, das Erzählte ungeschönt – das wird sicher nicht allen gefallen. Wer kurz reinliest wird sofort feststellen, ob es ein Match ist oder nicht. Für mich war es ein wirklich grandioses Buch, über das ich immer noch nachdenke.
von Verena Gruber aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2026-02-16 13:38:29
Wann bin ich es wert, geliebt zu werden? - 5 Sterne
Keine Bedürfnisse äußern. Ja, darauf achten, nicht zu viel zu sein und erst recht nicht kompliziert. Sonst wird dich niemand lieben. Das denkt zumindest die siebzehnjährige Waldo in "Half His Age". Zugegeben, in dem Denken habe ich gerade mein jüngeres Ich absolut wiedererkannt. Und manchmal, da ertappe ich mich noch heute bei solchen Gedanken. Aber machen Bedürfnisse und echte Gefühle einen Menschen nicht eigentlich attraktiv?
Waldo verguckt sich gleich in der ersten Stunde in ihren Lehrer Mr. Korgy. Viel zu alt und unerreichbar. Aber in ihren Augen ist er etwas Besonderes Und so kann sie nicht anders, als dafür zu sorgen, dass er sie wahrnimmt. Der Roman ist jedoch etwas ganz anderes als eine sensationsgeile Schüler-Lehrer-Romance. Hier geht es viel tiefer: Female Rage, Konsum, Macht (-missbrauch), Sexualität, Familie, Klassenunterschiede. Eine ganze Bandbreite an Themen, die alle würdig behandelt werden.
Die Sprache des Buchs ist ziemlich derb und direkt. Dies muss man tatsächlich einfach mögen, sonst wird man mit der Geschichte nicht warm werden. Wenn man es mag - so wie ich - wird man sehr schnell süchtig nach diesem Buch. Ich konnte es tatsächlich kaum aus der Hand legen, auch wenn die Handlung eher ohne krasse Höhepunkte daher kommt. Waldo war für mich jedoch ein so sympathischer Charakter, dass ich einfach wissen musste, was mit ihr geschieht bzw. wie sie sich entscheiden wird, wann sie endlich merkt, was sie wirklich braucht. Das Buch hat dazu sehr kurze Kapitel, was ich einfach auch absolut liebe! Letztendlich hatte ich das Buch in gerade so 24 h einfach verschlungen.
Tatsächlich hatte ich danach ein unglaubliches Bedürfnis über das gelesene zu sprechen und das schafft selten eine Geschichte. Ich würde fast sagen, irgendwas in mir hat das Buch geheilt. Da sind so viele Sätze drin, die ich mir markieren wollte, es aber nicht konnte, weil ich keinen Textmarker hatte. Deswegen, aber auch weil diese Geschichte etwas mit mir gemacht hat, was für mich noch nicht ganz greifbares mit mir gemacht hat, ist das für mich ein Buch was ich auf jeden Fall noch mal lesen will.
Wer feministische Romane mag, wird mit dem Buch auf jeden Fall nichts falsch machen. Ich habe einfach selten ein Buch gelesen, was den aktuellen Zeitgeist so auf den Punkt getroffen hat, weshalb ich nur sagen kann lest es!
Waldo verguckt sich gleich in der ersten Stunde in ihren Lehrer Mr. Korgy. Viel zu alt und unerreichbar. Aber in ihren Augen ist er etwas Besonderes Und so kann sie nicht anders, als dafür zu sorgen, dass er sie wahrnimmt. Der Roman ist jedoch etwas ganz anderes als eine sensationsgeile Schüler-Lehrer-Romance. Hier geht es viel tiefer: Female Rage, Konsum, Macht (-missbrauch), Sexualität, Familie, Klassenunterschiede. Eine ganze Bandbreite an Themen, die alle würdig behandelt werden.
Die Sprache des Buchs ist ziemlich derb und direkt. Dies muss man tatsächlich einfach mögen, sonst wird man mit der Geschichte nicht warm werden. Wenn man es mag - so wie ich - wird man sehr schnell süchtig nach diesem Buch. Ich konnte es tatsächlich kaum aus der Hand legen, auch wenn die Handlung eher ohne krasse Höhepunkte daher kommt. Waldo war für mich jedoch ein so sympathischer Charakter, dass ich einfach wissen musste, was mit ihr geschieht bzw. wie sie sich entscheiden wird, wann sie endlich merkt, was sie wirklich braucht. Das Buch hat dazu sehr kurze Kapitel, was ich einfach auch absolut liebe! Letztendlich hatte ich das Buch in gerade so 24 h einfach verschlungen.
Tatsächlich hatte ich danach ein unglaubliches Bedürfnis über das gelesene zu sprechen und das schafft selten eine Geschichte. Ich würde fast sagen, irgendwas in mir hat das Buch geheilt. Da sind so viele Sätze drin, die ich mir markieren wollte, es aber nicht konnte, weil ich keinen Textmarker hatte. Deswegen, aber auch weil diese Geschichte etwas mit mir gemacht hat, was für mich noch nicht ganz greifbares mit mir gemacht hat, ist das für mich ein Buch was ich auf jeden Fall noch mal lesen will.
Wer feministische Romane mag, wird mit dem Buch auf jeden Fall nichts falsch machen. Ich habe einfach selten ein Buch gelesen, was den aktuellen Zeitgeist so auf den Punkt getroffen hat, weshalb ich nur sagen kann lest es!
von Phija - 2026-02-02 19:05:00
Gutes Romandebüt - 3 Sterne
Jennette McCurdy ist vielen durch ihre Rolle der "Sam" in iCarly bekannt und hat mit "I'm Glad My Mom Died" ein sehr persönliches und starkes Memoir veröffentlicht. Mit "Half His Age" ihrem ersten Roman polarisiert sie nun zum zweiten Mal.
Im Buch geht es um Waldo, eine 17-jährige Schülerin, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter in Anchorage (Alaska) lebt und dabei ist ihrem Schulabschluss zu machen. Ihr Leben könnte kaum schwieriger und trister sein, da ihre 34-jährige Mutter nicht genug für sie da ist und ihren Lebensinhalt vor allem durch ihre Beziehungen füllt. Und auch das Geld, das Waldo in ihrem Nebenjob verdient, wird regelmäßig für Online-Shopping Exzesse missbraucht, um eine Leere zu füllen.
Doch eines Tages tritt Mr. Korgy, ihr Lehrer für Kreatives Schreiben in ihr Leben und obwohl dieser Anfang vierzig, verheiratet, Vater und nicht mehr besonders attraktiv ist, entwickelt Waldo eine Obsession für ihn. Denn Mr. Korgy scheint in Waldo Talent zu sehen.
Die Geschichte ließ sich sehr gut und flüssig lesen und wurde durch die kurzen Kapitel vereinfacht. Schnell entstand für mich ein Sog und ich wollte unbedingt wissen, ob/was zwischen den beiden Protagonist*innen entsteht. Provokant waren dabei die expliziten und obsessiven Beschreibungen und ich kann verstehen, dass diese nicht jedem gefallen würden.
Ich denke, dass McCurdy außerdem gewisse Parallelen aus ihrem eigenen Leben mit einfließen lassen hat, was vor allem die Thematik rund um die Mutter-Tochter-Beziehung angeht.
Prinzipiell fand ich die Geschichte gut und habe sie gerne gelesen, doch zum Ende hin wurde sie für mich ein bisschen eintönig. Dennoch ist es ein gelungenes Romandebüt und ich bin gespannt, welche Themen in McCurdys weiteren Büchern vorkommen werden.
Daher kann ich das Buch für alle nicht zu Zartbesaiteten empfehlen.
Im Buch geht es um Waldo, eine 17-jährige Schülerin, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter in Anchorage (Alaska) lebt und dabei ist ihrem Schulabschluss zu machen. Ihr Leben könnte kaum schwieriger und trister sein, da ihre 34-jährige Mutter nicht genug für sie da ist und ihren Lebensinhalt vor allem durch ihre Beziehungen füllt. Und auch das Geld, das Waldo in ihrem Nebenjob verdient, wird regelmäßig für Online-Shopping Exzesse missbraucht, um eine Leere zu füllen.
Doch eines Tages tritt Mr. Korgy, ihr Lehrer für Kreatives Schreiben in ihr Leben und obwohl dieser Anfang vierzig, verheiratet, Vater und nicht mehr besonders attraktiv ist, entwickelt Waldo eine Obsession für ihn. Denn Mr. Korgy scheint in Waldo Talent zu sehen.
Die Geschichte ließ sich sehr gut und flüssig lesen und wurde durch die kurzen Kapitel vereinfacht. Schnell entstand für mich ein Sog und ich wollte unbedingt wissen, ob/was zwischen den beiden Protagonist*innen entsteht. Provokant waren dabei die expliziten und obsessiven Beschreibungen und ich kann verstehen, dass diese nicht jedem gefallen würden.
Ich denke, dass McCurdy außerdem gewisse Parallelen aus ihrem eigenen Leben mit einfließen lassen hat, was vor allem die Thematik rund um die Mutter-Tochter-Beziehung angeht.
Prinzipiell fand ich die Geschichte gut und habe sie gerne gelesen, doch zum Ende hin wurde sie für mich ein bisschen eintönig. Dennoch ist es ein gelungenes Romandebüt und ich bin gespannt, welche Themen in McCurdys weiteren Büchern vorkommen werden.
Daher kann ich das Buch für alle nicht zu Zartbesaiteten empfehlen.
von rosetheline - 2026-01-30 18:12:00
Weird Girl trifft Female Rage - 5 Sterne
Half His Age ist roh, provokant und kompromisslos. Jennette McCurdy erzählt eine Geschichte, die bewusst aneckt und genau deshalb so beeindruckend ist. Im Zentrum steht die siebzehnjährige Waldo, die sich auf ihren Lehrer Mr. Korgy fixiert. Waldo ist keine Figur, die Dinge einfach über sich ergehen lässt. Sie beobachtet, reflektiert, ordnet ein und urteilt. Genau das macht sie zu einer so spannenden Protagonistin.
Der Text ist explizit, stellenweise obszön, ungeschönt und direkt. Nichts wird romantisiert oder weichgezeichnet. Machtverhältnisse werden sichtbar gemacht. McCurdy weiß genau, was sie tut, und warum sie es so tut. Nach der Lektüre hatte ich das starke Bedürfnis, Interviews der Autorin zu sehen, um ihre Entscheidungen besser zu verstehen. Ein Zeichen dafür, wie sehr das Buch nachhallt.
Besonders beeindruckt hat mich die Figurenzeichnung. Waldo wirkt erschreckend real, mit all ihren Widersprüchen, ihrer Shoppingsucht, ihrer inneren Gedankenwelt und ihrem Blick auf andere Menschen. Auch die Nebenfiguren fühlen sich greifbar an, wie Personen, denen man im echten Leben begegnen könnte.
Half His Age ist kein angenehmes Buch, aber ein starkes. Es zwingt zum Nachdenken über Begehren, Macht, Jugend und weibliche Wut. Für mich eine mutige und extrem eindringliche Lektüre, die ich dringend empfehlen kann.
Der Text ist explizit, stellenweise obszön, ungeschönt und direkt. Nichts wird romantisiert oder weichgezeichnet. Machtverhältnisse werden sichtbar gemacht. McCurdy weiß genau, was sie tut, und warum sie es so tut. Nach der Lektüre hatte ich das starke Bedürfnis, Interviews der Autorin zu sehen, um ihre Entscheidungen besser zu verstehen. Ein Zeichen dafür, wie sehr das Buch nachhallt.
Besonders beeindruckt hat mich die Figurenzeichnung. Waldo wirkt erschreckend real, mit all ihren Widersprüchen, ihrer Shoppingsucht, ihrer inneren Gedankenwelt und ihrem Blick auf andere Menschen. Auch die Nebenfiguren fühlen sich greifbar an, wie Personen, denen man im echten Leben begegnen könnte.
Half His Age ist kein angenehmes Buch, aber ein starkes. Es zwingt zum Nachdenken über Begehren, Macht, Jugend und weibliche Wut. Für mich eine mutige und extrem eindringliche Lektüre, die ich dringend empfehlen kann.
von NT - 2026-01-28 17:06:00
Waldo - 4 Sterne
Nachdem ich bereits viel Gutes über Jennette McCurdys erstes Buch gehört habe, war ich sehr auf ihr Romandebüt 'Half His Age' gespannt. Schon auf den ersten Blick wird durch die eindrückliche Covergestaltung und einen relativ klaren Klappentext klar, dass in diesem Buch kein Blatt vor den Mund genommen wird. Und so war es auch.
McCurdy schreibt, in der deutschen Übersetzung durch Olivia Kuderewski, in einem schonungslosen, offenen und sehr direkten Stil. Die im Mittelpunkt stehende Beziehung zwischen Schülerin Waldo und ihrem Lehrer Mr. Korgy wird aus Waldos Perspektive geschildert, wodurch unweigerlich ein Bruch in der moralischen Einordnung entsteht. Denn dass diese Beziehung moralisch verwerflich ist, steht außer Frage. Sie wird auch nicht romantisiert, sondern scheint eine rohe, teils verzweifelte, teils anwiedernde Kraft zu haben. Diese Dissonanz finde ich gut herausgearbeitet, dennoch bleibt der Wunsch nach mehr Einordnung, der aber aus der gewählten Erzählperspektive nur schwer geliefert werden kann.
Dabei werden viele Themen offen und direkt thematisiert, neben der moralisch fragwürdigen Beziehung geht es u.a. um Klassenunterschiede, emotionale Vernachlässigung und Armut. McCurdy gelingt es diese Vielzahl an Themen miteinander zu verpflechten, ohne dass es zu viel, zu kitschig wird. Vielmehr wirkt Waldo authentisch und aus dem Leben gegriffen. Dieser Realismus hat mir gefallen und W. zu einer interessanten Protagonistin gemacht, mit der man, trotz all der Widrigkeiten kein Mitleid hat.
McCurdy schreibt, in der deutschen Übersetzung durch Olivia Kuderewski, in einem schonungslosen, offenen und sehr direkten Stil. Die im Mittelpunkt stehende Beziehung zwischen Schülerin Waldo und ihrem Lehrer Mr. Korgy wird aus Waldos Perspektive geschildert, wodurch unweigerlich ein Bruch in der moralischen Einordnung entsteht. Denn dass diese Beziehung moralisch verwerflich ist, steht außer Frage. Sie wird auch nicht romantisiert, sondern scheint eine rohe, teils verzweifelte, teils anwiedernde Kraft zu haben. Diese Dissonanz finde ich gut herausgearbeitet, dennoch bleibt der Wunsch nach mehr Einordnung, der aber aus der gewählten Erzählperspektive nur schwer geliefert werden kann.
Dabei werden viele Themen offen und direkt thematisiert, neben der moralisch fragwürdigen Beziehung geht es u.a. um Klassenunterschiede, emotionale Vernachlässigung und Armut. McCurdy gelingt es diese Vielzahl an Themen miteinander zu verpflechten, ohne dass es zu viel, zu kitschig wird. Vielmehr wirkt Waldo authentisch und aus dem Leben gegriffen. Dieser Realismus hat mir gefallen und W. zu einer interessanten Protagonistin gemacht, mit der man, trotz all der Widrigkeiten kein Mitleid hat.
von CanYouSeeMe - 2026-01-25 21:53:00
Ziemlich gutes Debüt - 5 Sterne
Ich hatte etwas "Angst," dass mir "Half his age" von Jennette McCurdy (Ü: Oivia Kuderewski) nicht gefallen würde. Ihr Memoir "I'm glad my Mom died" war 2023 unter meinen Highlights. Als ich den Klappentext von ihrem Romandebüt gelesen habe, war ich erstmal skeptisch. Spoiler: völlig unbegründet. Dieses Romandebüt ist unbequem, witzig und ein ziemlicher Banger. ✨
Waldo wächst mit einer emotional abwesenden Mutter auf. Sie sucht Nähe dort, wo sie sie bekommt: in Konsum, Sex – und schließlich bei ihrem Englischlehrer Mr. Korgy. Sie weiß selbst nicht, was sie eigentlich von ihm will: seine Lebenserfahrung oder einfach das Gefühl, endlich gesehen zu werden. Die beiden beginnen eine Affäre.
Was dieses Buch für mich ausmacht, ist Waldo. McCurdy hat eine Protagonistin geschaffen, die gleichzeitig impulsiv, klug und zutiefst widersprüchlich ist. Waldo musste viel zu früh erwachsen werden und sich um die emotionalen Bedürfnisse ihrer Mutter kümmern. Während andere Jugendliche sich um Schule oder Freundschaften sorgen, fragt sie sich, ob noch Wasser aus dem Hahn kommt oder ob ihre Mutter die nächste Trennung übersteht. Sie arbeitet, finanziert sich selbst, wirkt unabhängig. Und verliert sich trotzdem im Online-Shopping, sobald alles zu viel wird, füllt Warenkörbe mit Fast Fashion und hofft, dass es die Leere kurz überdeckt.
Ich mochte, wie McCurdy verschiedene Themen (Klassismus, Konsum, Patriarchat) in den Roman einfließen lässt. Waldo weiß zum Beispiel genau, wie absurd es ist, wie viel Zeit, Geld und Energie Frauen investieren, um für Männer „präsentierbar“ zu sein. Und trotzdem reicht ein einziger Anruf von Mr. Korgy, und sie ist sofort, emotional wie körperlich, verfügbar. Sie hat sogar eine Notfall-„Tonne“ im Auto: Make-up und Kleidung, um sich jederzeit schnell für ihn herzurichten, wenn er plötzlich doch Zeit für sie hat.
"Ein Frauenkörper kann nie genug abgeschabt und abgetragen werden. Was ist eine Frau schon anderes als Seidigkeit? Weichheit? Geschmeidigkeit, Straffheit, Porenlosigkeit?" (S. 65)
McCurdy schreibt also auch hervorragende Romane. Hoffen wir, es folgen noch viele weitere. ????✨
Waldo wächst mit einer emotional abwesenden Mutter auf. Sie sucht Nähe dort, wo sie sie bekommt: in Konsum, Sex – und schließlich bei ihrem Englischlehrer Mr. Korgy. Sie weiß selbst nicht, was sie eigentlich von ihm will: seine Lebenserfahrung oder einfach das Gefühl, endlich gesehen zu werden. Die beiden beginnen eine Affäre.
Was dieses Buch für mich ausmacht, ist Waldo. McCurdy hat eine Protagonistin geschaffen, die gleichzeitig impulsiv, klug und zutiefst widersprüchlich ist. Waldo musste viel zu früh erwachsen werden und sich um die emotionalen Bedürfnisse ihrer Mutter kümmern. Während andere Jugendliche sich um Schule oder Freundschaften sorgen, fragt sie sich, ob noch Wasser aus dem Hahn kommt oder ob ihre Mutter die nächste Trennung übersteht. Sie arbeitet, finanziert sich selbst, wirkt unabhängig. Und verliert sich trotzdem im Online-Shopping, sobald alles zu viel wird, füllt Warenkörbe mit Fast Fashion und hofft, dass es die Leere kurz überdeckt.
Ich mochte, wie McCurdy verschiedene Themen (Klassismus, Konsum, Patriarchat) in den Roman einfließen lässt. Waldo weiß zum Beispiel genau, wie absurd es ist, wie viel Zeit, Geld und Energie Frauen investieren, um für Männer „präsentierbar“ zu sein. Und trotzdem reicht ein einziger Anruf von Mr. Korgy, und sie ist sofort, emotional wie körperlich, verfügbar. Sie hat sogar eine Notfall-„Tonne“ im Auto: Make-up und Kleidung, um sich jederzeit schnell für ihn herzurichten, wenn er plötzlich doch Zeit für sie hat.
"Ein Frauenkörper kann nie genug abgeschabt und abgetragen werden. Was ist eine Frau schon anderes als Seidigkeit? Weichheit? Geschmeidigkeit, Straffheit, Porenlosigkeit?" (S. 65)
McCurdy schreibt also auch hervorragende Romane. Hoffen wir, es folgen noch viele weitere. ????✨
von pageturner - 2026-01-24 18:48:00


