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Rezensionen

Das Vogelmädchen von London
Historischer Roman

Autor: Mat Osman

Erschienen 2023 bei Rütten & Loening Berlin
ISBN 978-3-352-00993-8
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Historische Fantasy - 4 Sterne

Shay lebt mir ihrem Vater in der Nähe von London. Sie ist Botenmädchen, Falknerin und Wahrsagerin. Dann trifft sie auf Nonesuch, ein Jungen vom Theater. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander und gründen das Geistertheater. Dann kommt die Pest nach London und alles ändert sich

Eine Mischung aus historischem und fanatischen, bis auf wenige, dafür umso fantasievollere Ausnahmen, könnte es tatsächlich eine historische Erzählung sein. Es beginnt recht langsam, Shay und Nonesuch lernen sich kennen, verbringen ihre Zeit miteinander. Nonesuch lebt in Theater, mit vielen anderen Jungs, sie verkörpern sämtliche Rollen, ob männlich, ob weiblich, Hauptsache es unterhält die "bessere" Gesellschaft. Dann werden einige auf Shay aufmerksam, vor allem auf ihre Kunst des Wahrsagens und es beginnt ein spannendererTeil, in dem es aber auch viel Unheil gibt. Gerade das letzte Drittel des Buches fand ich sehr spannend und aufregend. Hat mir gut gefallen.
von _ich.lese_ - 2024-01-09 12:25:00

Das Vogelmädchen von London - 4 Sterne

Das Vogelmädchen von London

Ich fand das Setting toll, London 1601. Am Anfang war das Buch sehr spannend und hat mich gleich mitgenommen. Shay, das Vogelmädchen, ist Botenmädchen, Falknerin und Wahrsagerin, Nonesuch ist der Star des Blackfriars-Theaters. Shay hat gefangene Vögel befreit und muste fliehen, so lernt sie Nonesuch kennen. Zusammen gründen sie das Ghost Theatre. Das Buch bleibt weiterhin spannend, es passiert sehr viel in dem Buch.
Für mich war das Buch überfüllt mit Handlung, irgendwann war mir sehr oberflächlich und ich hatte den Eindruck, dass ich mich nicht mehr auskenne. Es gibt historische Elemente, ist aber kein historischer Roman, die Liebe zwischen Shay und Nonesuch spürt man, das Buch ist aber trotzdem kein Liebesroman. Und es gibt auch magische Elemente, ist aber kein Fantasy Roman.
Das Buch ist trotzdem sehr gut, auch wenn ich nicht so deutlich sagen kann, was das Buch ist. Man spürt einfach zwischen den Zeilen und fühlt mit den Charakteren mit. Das Cover ist sehr schön und ergänzt das Buch.
Für mich ein 4* Buch und gerne weiterzuempfehlen allen, die auf der Suche nach besonderen Bücher sind.
von nikomiko - 2023-12-28 15:14:00

Eigenwillige historische Erzählung mit etwas Fantasy - 3 Sterne

Ein aussergewöhnliches Buch welches sich ganz anders gestaltete, als ich zuvor erwartete. Ging ich zunächst von einem Fantasybuch mit historischem Setting aus würd ich das Buch im Nachhinein als historischen Roman mit einigen Fantasyelementen beschreiben.
Im Mittelpunkt steht zunächst Londons Blackfriars-Theater mit seinem Jungen-Theater. Publikumsmagnet ist ein jugendlicher Akteur, der sich Nonesuch nennt und bei seinen Streifzügen auf den Dächern Londons dem Botenjungen Shay aus der Patsche hilft. Shay, in Wahrheit ein Mädchen, gehört einer Glaubensgemeinschaft vor den Toren der Stadt an, die Vögel als gottgleiche Geschöpfe betrachtet und an eine gewisse Form der Wahrsagerei glaubt. Fasziniert von der Welt des Theaters rutscht Shay immer mehr in diese aussergewöhnliche Welt hinein und sitzt plötzlich der Königin als wahrsagendes Vögelchen gegenüber.
Mat Osmans Stil ist bildhaft, teilweise provozierend direkt, während er an anderer Stelle nur oberflächlich die Handlung streift. Wäre der Roman ein Theaterstück, sähe man mal ein detailliertes Bühnenbild mit entsprechenden Akteuren, mal eine fast schon surreale Inszenierung, mal ein reduziertes Bühnenbild mit provokanter Darstellung.
Mit Interesse las ich die Zustände im Blackfriars Theater, welche unter heutigen Bedingungen mehr als schockierend waren. Umso unverständlicher empfand ich es, dass Shay, die mit Stolz ihre Freiheit über den Dächern Londons genießt, sich freiwillig wie ein Vogel in den Käfig des Theaters begibt, ihr Leben und ihre Freiheit einfach aufgibt für, ja, für was? Generell war dies ein gewichtiger Punkt, weswegen ich mit Shay als Protagonistin nicht warm wurde. Als Tochters eines Falkners und mit einer Zukunft als eine Art Seherin ihrer Gemeinde vor sich, scheint sie nicht fähig, die Konsequenzen ihres Handelns für sich und ihre Mitmenschen absehen zu können. Mit scheinbar romantisch verklärter Sicht auf das Leben der Theaterjungen setzt sie alles aufs Spiel und ist in ihrer Naivität entsetzt, als sie wiederholt mit der harten Realität konfrontiert wird.
Was mir ebenso fehlte war ein Spannungsbogen. Mal geht der Autor überaus explizit ins Detail, dann wischt er nur so über die Handlung rüber, um dann wieder zäh auf der Stelle zu treten oder seine Leserschaft durchs Geschehen zu hetzen. Das ist schade, denn die historischen Details sind meist gut platziert, gehen nur leider in ermüdenden Szenen samt anstrengendem Stilmix unter.
von C. P. - 2023-11-06 22:36:00

Phantastische Reise durch ein längst vergangenes London - 3 Sterne

Mir fällt es wirklich schwer, den Inhalt, oder zumindest einen ansatzweisen Ausblick auf das Buch in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Und da wären wir auch schon bei meinem ersten großen - eigentlich dem Hauptproblem - des Buches. Ich hatte den Klappentext schon nicht so ganz durchblickt, erwartete mir ein Theater, dass in die höchsten Kreise der Londoner Gesellschaft aufsteigen würde, wodurch unsere Protagonistin Shay in Berührung mit dem Königshof und der Königin selber kommen würde. Das ganze dann garniert mit fantastischen Elementen, bei denen die Grenze zum Realismus verschwimmt. In dieser Hinsicht wurde ich auch nicht enttäuscht. Physische und Metaphysische Magie findet statt. Aber die Geschichte weiß dennoch nicht so ganz, was sie nun eigentlich möchte. Immer wieder werden neue Richtungen angerissen, ohne dass sich letztendlich darauf weiter intensiviert wird. Teilweise werden wirklich interessante Dinge am Rande erwähnt, die meiner Meinung nach deutliches Potential haben, und dann einfach liegen gelassen. Es entsteht ein richtig konfuses Bild der Geschichte und noch dazu kommt, dass das eigentliche Ziel der Geschichte, woraufhin die Protagonist:innen hinarbeiten, undurchsichtig bis nicht existent ist. Ich hatte die ganze Geschichte über absolut keine Ahnung, auf was ich nun eigentlich hinsteuere. Im Mittelteil lichtete sich der Nebel, hier wurde die Geschichte viel klarer und Strukturierter, verlief lange in einem linearen Muster, doch im letzten Drittel liesen Aufbau und Struktur wieder stark nach. Dennoch muss man dem Buch eines lassen, über weite Teile ist es wirklich rasant, spannend und hat wirkliches Pageturner Potential.

An den Figuren unserer Geschichte muss ich auch noch einmal Kritik üben. Shay und Nonesuch sind eigentlich so ziemlich die beiden wichtigsten Figuren der Geschichte. Dennoch vermag es der Autor nicht, ihnen eine angemessene Tiefe und eine Charaktergestaltung zu geben, die ihrer Rolle gerecht werden würde. ZU Shay konnte ich keine wirkliche Bindung aufbauen, auch wenn man immer wieder ihre Emotionslage sehr nahe mitbekommt, und Nonesuch war so blass, dass er mir mit der Zeit auch einfach egal wurde. Im Näheren Umfeld des Theater gab es dann auch noch ein paar andere Charaktere, die eigentlich interessant wären, zumindest, was man so angedeutet bekommt, aber ja, sie bleiben mehr als nur farblos.

Was ich dem Autor allerdings zugute halten muss, ist, dass er es vermag, ein spannendes Setting zu kreieren. Die Beschreibungen vom pulsierenden Leben in London haben fast süchtig gemacht. Im Generellen wurde alles immer geradezu magisch und fantastisch beschrieben, was bei mir sehr oft das Bedürfnis, weiterzulesen gesteigert hat.

Insgesamt ist das Buch viel zu konfus und undurchsichtig, als wisse der Autor selbst nicht so ganz, was alles er nun in die Geschichte packen solle. Die Spannung und die Atmosphäre können das Buch aber teilweise retten. Dennoch leider keine Leseempfehlung.
von MeinSohnPrinzAndreas - 2023-10-18 10:30:00

Atmosphärisch, magisch, historisch - 5 Sterne


Das Buchcover fasziniert mit goldenen Elementen und einem Steinadler, der darauf hinweist, worum es in diesem historischen Roman geht. Ist die Geschichte ebenso schillernd und träumerisch, wie das schöne Cover vermuten lässt?

Matt Osman entführt auf poetische Art in das Jahr 1601, in das elisabethanischen London. Es kommt einem wie eine ganz andere Welt vor, die viele Herausforderungen für die Charaktere bietet. Allen voran dem Vogelmädchen Shay, eine vielschichtig Hauptfigur mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die sich als Junge ausgibt, um Geld zu verdienen. Ihre größte Faszination geht von Vögeln aus, zu denen sie eine Verbindung hat, die ihr sogar das Wahrsagen ermöglicht. Bei einer Flucht üb er den Dächern lernt sie Nonesuch kennen, der im Theater für den Adel auftritt. Daraus ergeben sich neue Chancen und eine große Liebesgeschichte, mit einigen Wendungen.

Wer poetische Beschreibungen liebt, die sich in lyrischer Sprache verlieren, wird zu gern in diese träumerisch, fantasievolle Geschichte eintauchen, die sehr bildhaft und einnehmend geschildert wird. Trotzdem fehlt es ihr nicht an tragischer Glaubwürdigkeit, wobei sogar hier der magische Funke überspringt. Besonders das historische Setting von London konnte mich völlig einnehmen. Die Hauptcharaktere lassen keine Tiefe vermissen und der wendungsreiche Handlungsverlauf stellt einen vor emotionale Momente, wenn man sie ins Herz geschossen hat. Was anfangs noch verwirrend erschien, findet nach und nach Klarheit. Wenn man sich an das ruhige Erzähltempo und den besonderen Erzählstil gewöhnt hat, ist es ein Vergnügen, in diesen vielfältigen Genremix einzutauchen.
von La Calavera Catrina - 2023-10-17 18:33:00

Fantasievoll - 5 Sterne

Dieses Buchcover ist einfach traumhaft schön und obwohl ich mir beim ersten Blick auf das Cover nicht sicher war, um welches Genre es sich hier handelt (den kleinen Hinweis hatte ich erst übersehen), war ich sofort neugierig auf diese Geschichte - perfekter Einstieg.
Und so traumhaft wie das Cover ist auch diese ungewöhnliche Geschichte - sehr magisch und eine Geschichte, auf die man sich einlassen muss.
Sie "entführt" uns nach London zu Beginn des 15. Jahrhunderts, in die Welt des Theaters, aber auch die Geschicke des elisabethanischen Zeitalters spielen hier eine Rolle.
Die Protagonisten Shay und Nonesuch sind wunderbar ausgestaltet und mit ihnen werden wir in ganz unterschiedliche Viertel und Schichten des elisabethanischen Londons geschickt und erleben neben der Welt des Theaters auch viel Elend und Leid, aber auch Liebe.
Ein wunderbarer Schreibstil vervollständigt das Bild - ich hatte jedenfalls Mühe, aus diesem Roman wieder "aufzutauchen".
von marsu - 2023-10-05 14:40:00

Schiffbrüchige Tage - 5 Sterne

"Jahre später noch spürte sie das Fehlen dieser Berührung; es war genau wie beim ersten Zahn, den sie verloren hatte. Die Zunge erkundete diesen jüngsten Verlust, ihr Körper war ein fremdes Land für sie geworden."

Die junge Shay gehört zu den Aviscultariern, einem wandernden Volk, das Vögel als Götter verehrt. Nach dem Tod ihrer Mutter ist ihr nur dieser Kult und ihr blinder Vater geblieben. Neben Gelegenheitsarbeiten verbringt sie ihre Zeit damit, Vögel aus der Gefangenschaft zu befreien. Dabei trifft sie auf den geheimnisvollen Nonsuch, der sich als einer der Blackfriar Boys entpuppt, junge Männer einer Londoner Theatertruppe. Obwohl sich Shay bei den Boys zu Hause fühlt, verbirgt das Theater eine äußerst dunkle Seite. Shay und Nonsuch finden immer mehr Halt aneinander und entwickeln die Idee einer eigenen Theatertruppe...

Meisterlich webt Mat Osman diese Story im England Elisabeths I. Bei den Blackfriar Boys, die auch die Frauenrollen spielen, verschwimmen ebenso unmerklich die Geschlechter wie Osman Realität und Magie ineinander übergleiten lässt. Er kreiert eine unverwechselbare Geschichte, wie man sie noch nicht gelesen hat. Shay und Nonsuch sind Protagonisten, die in ihrer Plastizität förmlich aus den Seiten zu springen scheinen. Sprachlich findet der Autor selbst für Grausamkeiten beinahe poetische Worte, wenn etwa Blutergüsse Arme umranken. Wunderbar atmosphärisch dicht erzählt, bieten sich hier Lesestunden, in denen man herrlich abtauchen kann.

Sehr gern hätte ich noch erfahren, was hier historisch verbürgt ist und was reine Fiktion darstellt.
von Sago - 2023-10-01 16:40:00

Wundervoll - 5 Sterne

Mat Osmans "Das Vogelmädchen von London" ist für mich ein Meisterwerk der einfallsreichen Erzählkunst im elisabethanischen London - über Magie, Rebellion und Liebe. Das Buch hat mich komplett gefesselt.

Die Darstellung des elisabethanischen Londons ist bemerkenswert - eine Stadt, sowohl golden als auch dunkel. Im Herzen der Geschichte stehen die Charaktere: Shay, mit ihrer mystischen Fähigkeit, die Zukunft durch die Bewegungen der Vögel vorherzusagen, und Nonesuch, der charismatische Star des Blackfriars-Theaters, werden unwiderstehlich voneinander angezogen, ihre wachsende Bindung treibt die Geschichte voran und bietet eine fesselnde Erzählung über die berauschenden Höhen und verheerenden Tiefen der Liebe.

Die Geschichte lebt von ihre Details - der Vogelreligion, dem ergreifenden Schicksal junger Schauspieler und des zähen Widerstands des Londoner Untergrunds. Osmans Talent, eine lebendige und sinnliche Welt zu beschwören, lässt dich die muffige Luft der Gassen riechen, das Flattern der Flügel hören und die Atmosphäre im Theater miterleben.

Osmans Schreibstil ist genauso wunderbar wie die Geschichte selbst. Seine Prosa ist üppig, lyrisch und bildhaft - balanciert geschickt den magischen Realismus mit historischer Fiktion.
von Julchentim - 2023-09-28 09:00:00