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Rezensionen

Ruf der Leere
Roman | Vom Autor des Erfolgsromans »Hundswut« | Düsteres Setting in bayrischer Hütte | Über menschliche Abgründe und die Grenzen von Moral | Erinnert an Andrea Maria Schenkels »Tannöd«

Autor: Daniel Alvarenga

Erschienen 2025 bei HarperCollins Taschenbuch
ISBN 978-3-365-01138-6
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Das Spiel des Todes - 4 Sterne

Sieben Menschen Anfang 20, ein Partywochenende in einer einsamen Waldhütte, was soll schon schiefgehen? Blöd nur, dass alle ihre ganz eigenen Geheimnisse mitbringen, die nicht immer nur harmlos sind - und dann taucht auch noch ein seltsamer alter Mann auf...
Dieses Buch ist mal wieder ein typisches Opfer seines Klappentextes. Das was man anhand dessen erwartet, spielt in Wirklichkeit nur eine geringe Rolle und kommt auch erst in der zweiten Hälfte überhaupt vor. Für Psychothriller-Fans kann dies daher durchaus verwirrend sein.
Wenn man sich daran jedoch nicht stört, erwartet einen eine spannende Geschichte über menschliche Abgründe, Moral und Ethik, Manipulation sowie die Beziehungen und Gefühle der jungen Charaktere.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven der Partygäste, jedoch gehen wir auch immer wieder mal in die Vergangenheit zurück und erkunden das letzte halbe Jahr, um so zu verstehen, was die Hintergründe für alles sind.
Dies mag verwirrend klingen, ist allerdings doch recht einfach zu folgen, da Zeitangaben am Kapitelanfang vorhanden sind.
Manche Charaktere sind allerdings doch etwas sehr kurz dabei gekommen, sie waren mehr Beiwerk und hatten kaum Tiefe bzw. hat sich diese auf einen einzigen Aspekt beschränkt, der relevant für die Handlung war. Felix hingegen war ein aus meiner Sicht sehr interessanter Charakter und stand auch ziemlich im Fokus. Ich mochte ihn nicht wirklich, aber das war im Grunde auch nicht das Ziel das Geschichte.
Wenn man sich nicht zu sehr auf den Klappentext versteift und stattdessen anhand immer neuer Puzzlestücke die Geschichte und Gefühle einiger Charaktere zusammensetzen möchte, dann kann ich dieses Buch durchaus empfehlen.
von Ryria - 2026-03-20 23:16:00

Erst mau, dann absolut perfide - 4 Sterne

Der Roman beginnt erstmal eher unspektakulär- eine Gruppe junge Erwachsene in verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungsstadien und eine abgelegene Hütte. Die Gruppendynamik insgesamt eher kühl und Protagonist Felix, der im Zentrum des ganzen Plots steht, auf blasierte Art unsympathisch.

Die Handlung beginnt in eher gemäßigtem Tempo und so richtig ist nicht klar, worauf der Plot eigentlich hinauslaufen soll. Anfangs fand ich die Rückblenden in Felix und Lauras sich entwickelnde Beziehung, die sich irgendwo zwischen Rivalität und Freundschaft bewegt, eher belanglos, aber als zur Mitte der Geschichte der Wendepunkt naht, bekommen nicht nur die Medizinethikseminare und Diskussionen über Moral eine neue Bedeutung, sondern auch Felix Freundschaft zu Laura.

Die zweite Hälfte der Geschichte liest sich dann wie ein absoluter Fiebertraum. Bin immer noch völlig platt vom Ausmaß dessen, wie die Geschichte den Bach runtergeht. Vom Plot her eigentlich super geschickt gemacht, aber bin doch ehrlich: ich hätte da zum Schluss noch ein paar Fragen.

Felix ist auf jeden Fall ein Protagonist, wie ich selten einen hasse. Zwischendurch tat der mir doch tatsächlich ein bisschen leid, aber mein Gott, selten so eine abgründige Romanfigur erlebt, die es auf reine Provokation anlegt.

Hatte ein ganz anderes Buch erwartet, bin aber vor allem in der zweiten Hälfte positiv überrascht worden
von Lies_ein_Buch - 2026-02-15 17:24:00

Eine eindringliche, atmosphärische Reise ins Ungewisse - 4 Sterne

„Ruf der Leere“ von Daniel Alvarenga entfaltet eine Sogwirkung, die man anfangs kaum erwartet. Der Roman verbindet psychologische Spannung mit einer fast poetischen Erkundung innerer Abgründe. Besonders stark wirkt die Art, wie Alvarenga seine Figuren an den Rand des Fassbaren führt, ohne je ins Plakative abzurutschen.

Der Autor arbeitet mit einer dichten, manchmal beklemmenden Stimmung, die sich wie ein feiner Nebel über die Handlung legt. Die Sprache ist präzise, oft bildhaft, und erzeugt ein Gefühl von ständiger Unruhe. Man spürt, dass hier jemand schreibt, der genau weiß, wie man Spannung nicht nur aufbaut, sondern hält.

Die Protagonistinnen und Protagonisten wirken glaubwürdig, verletzlich und komplex. Ihre inneren Konflikte stehen im Zentrum, und gerade diese psychologische Tiefe macht das Buch so fesselnd. Themen wie Identität, Verlust und die Sehnsucht nach Bedeutung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.

Einziges kleines Minus: Manchmal verliert sich der Roman etwas in seiner eigenen Symbolik. Einzelne Passagen wirken dadurch leicht überladen oder verlangsamend. Das schmälert den Gesamteindruck aber nur minimal.

Fazit:
„Ruf der Leere“ ist ein kraftvoller, nachdenklicher Roman, der lange im Kopf bleibt. Wer psychologisch dichte Literatur mit einem Hauch Mystery schätzt, wird hier definitiv fündig.
von greenpanda - 2026-01-22 20:11:00

Ich bin der Tod - 3 Sterne

Da ich bereits das Buch "Hundswut" des Autors gelesen hatte, habe ich mich auch auf sein zweites Buch gefreut. Ich mag den Schreibstil des Autors und auch das Cover von "Ruf der Leere" hat etwas an sich, was in mir Neugier weckt. Der Klappentext gefiel mir auf Anhieb und auch die Leseprobe, das Buch selbst konnte mich aber dann doch nicht so ganz fesseln. Bei mir kam erst ab Seite 150 immer wieder mal Spannung auf, im Großen und Ganzen hat es mich jedoch nicht abgeholt. Mit den Charakteren konnte ich nicht mitfühlen und es war lange unklar, worauf die Handlung zusteuert. Einen Teil des Twists habe ich zudem kommen sehen. Obwohl ich gerne offene Enden in Büchern und Geschichten mag, war mir dies hier eindeutig zu offen. Am Ende lässt mich das Buch etwas ratlos zurück- den Ansatz finde ich gut, die Umsetzung konnte zumindest mich nicht begeistern. Schade.
von JD - 2026-01-11 21:01:00

Gut geschrieben, inhaltlich nicht ganz überzeugend - 3 Sterne

Felix hat alles vorbereitet. Sein bester Freund Ben kommt nach einem längeren Auslandsaufenthalt zurück und nun soll ihm zu Ehren eine Party in der Waldhütte steigen. Außerdem hat Felix Laura eingeladen, seine Kommilitonin. Allerdings bringen die beiden uneingeladene Gäste mit, was Felix überhaupt nicht gefällt. Als dann plötzlich noch ein seltsamer alter Mann vor der Tür steht und sich als Tod vorstellt, läuft gar nichts mehr nach Plan.
Der Schreibstil von Daniel Alvarenga ist flüssig und ich bin durch die Seiten geflogen. Der Mix aus Monatsrückblicken und der Gegenwart, die aufgrund der fortschreitenden Uhrzeit wie ein Countdown wirkt, gefällt mir sehr gut. Als Leser spürt man, wie man auf etwas Ungutes zusteuert. Die alternierenden Erzählperspektiven tragen ebenfalls zu dem Lesevergnügen bei. Nach ungefähr zwei Dritteln des Buches war zwar noch der Sog vorhanden, allerdings sagte mir der Inhalt immer weniger zu. Das Gerede um Moral erscheint mir nicht sehr tiefgründig und die Äußerungen der Figuren ist passend zu ihrem doch noch jungen Alter. Selbstverständlich kommen die allgegenwärtigen Themen Klimawandel, Rechte, Queerness und Feminismus vor. Dazu persönliche Emotionen wie Liebe, Eifersucht und Wut. Der Schluss ist passend. Näheres will ich aber nicht verraten. Insgesamt muss ich sagen, dass am Ende fast sowas wie ein ‚Ruf der Leere‘ bei mir aufgetreten ist. Ob und was der Autor dem Leser bzgl. Moral mit auf den Weg geben will, erschließt sich mir nicht so ganz.
von Normanfips - 2025-12-29 12:32:00

Unentschlossen - 4 Sterne


Ich habe dieses Buch in einem Rutsch gelesen und mir dafür unvernünftigerweise eine kleine Nachtschicht eingelegt. Es hat mich schnell gepackt und nicht mehr losgelassen. Mein Tipp: Lest besser nicht den Klappentext. Er macht zwar neugierig, verrät aber meiner Meinung nach schon zu viel.

Der Roman stellt viele ethische Fragen, mit denen man sich während des Lesens immer wieder auseinandersetzen muss. Genau das mag ich sehr, weil die Geschichte dadurch lange nachhallt.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart treffen sich Freunde in einer abgelegenen Hütte, feiern eine Party, bis eine weitere Person auftaucht… Dazwischen stehen Kapitel aus der Vergangenheit, die aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt sind. Nach und nach setzt sich das Bild zusammen. Man erfährt die Geschichten der einzelnen Figuren, versteht die Dynamiken innerhalb der Freundesgruppe und erkennt, warum die Ereignisse in der Hütte ihren Lauf nehmen. Dieser Aufbau hat mir sehr gefallen, weil er einen unglaublichen Sog erzeugt und Zusammenhänge langsam freilegt.

Ab einem bestimmten Punkt wird die Handlung sehr abgefahren, und ich war mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Der große Plot Twist hat mich eher zwiegespalten zurückgelassen. Das Ende hingegen fand ich wieder richtig gelungen und stimmig, es hat für mich vieles aufgefangen. 3,5/5 Sterne

von Alo - 2025-12-28 13:11:00

Spannendes Buch - Abruptes Ende - 3 Sterne

„Ruf der Leere“ ist ein psychologischer Roman, der den Hauptprotagonisten Felix begleitet, während dieser sich mit den vergangenen Monaten seines Lebens auseinandersetzt. Felix lädt die relevanten Personen seines Lebens auf eine Hütte ein um eine Party zu feiern, bis scheinbar ein alter Mann die Party zu unterbrechen scheint, mit der Verkündung, dass nur einer von sieben überleben wird.

Das Buch beschreibt sehr spannend die Beziehungen der Protagonisten untereinander, deren Geheimnisse, Ängste und Sorgen und deckt auch so einiges auf.
Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig. Als Leser möchte man unbedingt dran bleiben und das Buch nimmt zusehends an Fahrt auf, auch wenn die Kernfrage, wer überleben wird, nur am Rande diskutiert wird.

Auch viele Wendungen sind dabei und man kann durchaus zu den Charakteren Sympathien aufbauen.

Allerdings ist der Schluss sehr abrupt und hinterließ bei mir einige Fragen.
Da ich derartige offene Enden und die damit einhergehenden Spekulationen nicht mag, muss ich zwei Sterne abziehen.
von Sonne89 - 2025-12-27 22:22:00

Wie weit würdest du gehen? - 2 Sterne

Eine Studentin sitzt im Seminar. Ihr Puls rast. Sie möchte nichts Falsches sagen. Da platzt es aus ihr heraus. Alle starren sie an. Sie fühlt sich als hätte sie an „Heilgenabend in einer vollbesetzten Kirche während der Predigt laut gefurzt“. Ihr Mitstudent gibt ein Kontra das ihr die „Luft aus den Lungen trieb“.

Szenen wie diese kommen in „Ruf der Leere“ häufig vor. Und als Leser fragt man sich, was das soll. Figurenzeichnung? Die Figuren werden mit Stehsätzen wie „sie führt keine Beziehung, die hält sich Haustiere“ oder „einen Menschen der mit einen Verstand gesegnet war, wie es ihn nur selten gab“ beschrieben. Viel mehr ist da nicht. Die versprochene Konfrontation mit dem alten Mann findet erst ab etwa der Hälfte des Romans statt.

Zuvor werden in einer Moral und Ethik Vorlesungen werden zwar interessante Fragen gestellt. Aber mehr als ein Kratzen an der Oberfläche findet da nicht statt. z.B. scheint niemand der Figuren Brechts Dreigroschenoper oder „Against Empathy“ von Paul Bloom zu kennen. Daher erinnert das Seminar eher an einen Philosophie-Oberstufen Leistungskurs.

Ab dem Auftritt des alten Mannes nimmt die Geschichte aber zumindest fahrt auf. Sie entwickelt sich jedoch komplett anders als erwartet und vermag zu überraschen. Neben einen starken Anfang bietet das Buch auch ein spannendes Ende. Die Grundidee ist gut. Der Spannungsbogen ist auch hoch. Es gibt interessante Konfrontationen und durchaus groteske Szenen. Aber mich hab das Buch nicht ganz abgeholt.

Aufgrund des schönen düsteren Covers und der Inhaltsbeschreibung hab ich ein düsteres Drama erwartet. Bekommen habe ich einen Thriller gemischt mit ein wenig Coming of Age. Das Buch hat Potential, verschenkt aber leider auch viel davon.
von tinten_fischchen - 2025-12-25 07:21:00

Die wahre Gefahr lauert im Menschen - 4 Sterne

Ruf der Leere war für mich ein total intensiver Thriller, der weniger auf Action setzte sondern viel mehr auf psychologischen Druck und zwischenmenschliche Abgründe. Die Ausgangssituation kennen wir alle schon aus vielen anderen Büchern oder Filmen - vielleicht sogar aus dem echten Leben, ein Wochenende mit Freunden in einer abgelegenen Waldhütte. Doch man merkt relativ früh, dass eine gewisse Spannung in der Luft liegt, die sich mit dem Auftauchen des alten Mannes schlagartig in pures Entsetzen verwandelt.

Richtig stark fand ich die Darstellung der Gruppendynamik. Unter dem extremem Druck fallen die Masken, Loyalitäten verschieben sich und moralische Grundsätze werden infrage gestellt. Parallel dazu bietet die zweite Erzählebene um Felix’ Vater einen gelungenen Kontrast. Die Suche nach dem verschwundenen Sohn und die dabei aufkommenden Erkenntnisse verleihen der Geschichte emotionale Tiefe und verhindern, dass der Roman sich ausschließlich auf das Kammerspiel im Wald beschränkt. Das bringt alles einen guten Schwung ins Buch.

Der Schreibstil von Daniel Alvarenga ist klar und flüssig, die Spannung wird im gesamten Roman kontinuierlich gesteigert. Ruf der Leere ist kein klassischer Thriller mit schnellen Schockmomenten, sondern ein Buch mit unangenehmen Fragen über Selbstschutz, Schuld und Moral. Ich kann hier eine ganz klare Empfehlung aussprechen für alle die gerne psychologische Spannung und moralisch fragwürdige Hintergründe in Romanen zu schätzen wissen.
von Anilam - 2025-12-23 11:53:00

Moralische Abgründe - fatale Manipulation - 3 Sterne

Felix hat für seinen besten Freund Ben und für Laura, eine Kommilitonin, zu der er sich hingezogen fühlt, eine Party in einer alten Jagdhütte geplant. Doch nicht nur, dass beide weitere ungebetene Gäste mitbringen, auch der Tod kündigt sich an. Bis Mitternacht soll die Gruppe entscheiden, wer von ihnen als Einziger überleben darf.

Mit Titel und Cover des Buches Ruf der Leere von Daniel Alvarenga konnte ich gar nicht so viel anfangen. Der Klappentext liest sich aber interessant. Neben der Handlung in der einsamen Waldhütte springt das Buch immer wieder in die Vergangenheit. Dadurch glaubt man die Situation besser zu verstehen, wird aber auch mit komplexer Manipulation überrascht. Die Figuren des Romans wirken alle irgendwie problembelastet, insbesondere im Umgang miteinander. Der Schreibstil und der Inhalt des Buches waren fesselnd. Um es dem Genre Thriller zuzuordnen fehlte mir etwas die Spannung. Auch ethische Diskussionsansätze sind vorhanden, werden aber nicht ganz ausgeschöpft. Die letzten Kapitel sind leider etwas wirr, Fragen bleiben offen.

Fazit: Ein Buch mit packender Wirkung, das insgesamt aber meine Erwartungen nicht ganz erfüllt hat und trotzdem irgendwie nachhalt.
von Anjulia - 2025-12-22 21:38:00