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Rezensionen

Tage des Lichts
Roman

Autor: Megan Hunter

Erschienen 2026 bei C.H.Beck;Picador, an imprint of Pan Macmillan, London
ISBN 978-3-406-84339-6
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Eine Erleuchtung für die Spirituellen - 2 Sterne

Gleich vorweg: ich bin absolut unspirituell und unreligiös und habe kein Talent darin, Spuren dieser Wahrnehmungsformen zu entdecken. Das ist auch der Grund, warum ich diesen Roman auch nicht verstanden habe. Erst durch die intensive Diskussion mit anderen ist mir dahingehend ein Licht aufgegangen - allerdings macht diese Erkenntnis aus "Tage des Lichts" für mich auch kein gutes Buch, weil ich Haltung und Geschehen einfach nicht nachvollziehen kann.

Es geht in diesem Buch um Ivy, deren Lebensgeschichte anhand von 6 ausgewählten Tagen erzählt wird. Mit 19 Jahren muss sie ein traumatisches Ereignis miterleben: ihre geliebter Bruder Joseph ertrinkt beim gemeinsamen Schwimmen. Während er um Hilfe schreit, ist Ivy zwar neben ihm, schwebt aber geistig in anderen Dimensionen und bekommt somit auch seinen Todeskampf nicht mit. Seine Leiche wird nie gefunden. Das beschäftigt Ivy zeitlebens, nicht aber die anzunehmenden Schuldgefühle, die sie haben könnte. Die weiteren Tage werden im Laufe ihres langen Lebens erzählt, zum Schluss ist sie 80 Jahre alt. Ihr Leben war durchaus bewegt - Anziehung zu einen wesentlich älteren Mann (der sie absurderweise schon als Baby heiraten wollte), Kinder, die wirklich innige Liebe zu einer Frau, eine unerwartete, religiöse Entscheidung, die ihr Leben schlagartig verändert und das gute Ende zum Schluss. Das alles umrahmt von ihrer Familie, die fix im Künstler*innen-Milieu verankert ist und entsprechend enttäuscht ist, dass Ivy nicht auch künstlerische Avancen an den Tag legt. Die Geschichte erstreckt sich im Zeitraum von 1938 bis ins Jahr 1999, immer zur Osterzeit in England.

Mit der Sprache der Autorin hab ich mir nicht leicht getan. Sie schreibt schon eingängig, aber besonders die ersten 50 Seiten haben sich für mich enorm gezogen, ich hab kaum mehr Erinnerung daran, außer, dass ich Sätze immer und immer wieder lesen musste, ohne dass sie hängen blieben. Danach wird es besser, aber so richtig in den Bann gezogen hat mich das Buch nicht. Hinzu kommen einige schräge Metaphern, die einen staunen lassen - ist das Kreativität oder tut das weh, wenn beispielsweise ein Phoenix aus den Fluten steigt oder Lebenserfahrungen an ihrer Schwerkraft im Herzen gemessen werden. Aber vielleicht liegt hierin auch der tiefere Sinn, den ich nicht nachvollziehen kann. Durch die Diskussionen zu dem Buch wurde mir klar, dass die Autorin schwerwiegende christliche Symbolik verwendet, die sich mir mangels entsprechendem Wissen bzw. Kenntnissen nicht erschlossen. Das Thema Licht und Dunkelheit zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, auch wenn ich die Lichterscheinungen oft schwerlich finden konnte. Das hat wohl ebenfalls etwas mit Spirituellem zu tun. Dass dadurch aber jegliche Realität ausgeblendet wird, ist für mich allerdings vollkommen unverständlich.

Die Geschichte wird mittels personalem Erzähler erzählt, dieser führt uns ganz nah zu Ivys Empfindungen. Es scheint, als würde sie in ihrer Geistesblase schweben und nur schwerlich Bezug zur Realität finden. So sitzt sie - während die Bomben über England fallen - mit ihrer Liebe am Dach und betrachtet die romantischen Aspekte des Raketenflugs. Grundsätzlich scheint Ivy eine Getriebene zu sein, aber niemals eine Suchende. Dinge passieren ihr, ohne, dass sie sie bewusst lenkt. Und vor allem: sie weiß nie was sie will. Wer kennt es nicht, aber so als komplette Lebensgeschichte erzählt, wirkt das auf mich sehr unglaubwürdig. Oder halt spirituell.

Mein Fazit: "Tage des Lichts" wird sicher viele begeistern, die sich als spirituell bezeichnen. Für mich, die keinen Zugang dazu hat, war das Buch eine Mischung aus Ärgernis und Unglaubwürdigkeit, mit wenigen, aber doch vorhandenen Eingänglichkeiten.
von Kwinsu - 2026-03-08 18:30:00

Ein unkonventionelles Leben auf der Suche nach dem Licht - 4 Sterne

Dieses Buch ist speziell. Ich empfehle, mit nicht zu speziellen Erwartungen an die Lektüre heranzugehen und sich insbesondere dabei nicht zu sehr auf den Klappen- und Umschlagtext zu verlassen, denn diese könnten eine Erwartung auslösen, die dieses Buch dann nicht erfüllen kann.

Kernthema dieses Buches ist für mich das Innenleben einer Frau, die auf der Suche nach Orientierung ist und dabei tief in sich hineinfühlt, im Außen immer wieder ein Licht wahrnimmt und diesem folgen will. Aus dieser Beschreibung zeigt sich vielleicht schon: es ist von großem Vorteil, wenn man selbst eine Verbindung zu Spiritualität und Mystik hat, wenn man an diesem Buch Gefallen finden möchte. Vorangestellt ist dem Buch folgendes Bibelzitat aus dem Johannesevangelium: "Es leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können". Für mich bezieht sich dieses Licht stark auf Ivy und ihren Weg, und es kommt auch im Buch immer wieder vor als etwas, das ihr eine neue Richtung weist. Überhaupt findet sich so einiges an interessanter Symbolik in dem Buch, auch speziell bezogen auf die Ostermythologie.

Erzählt werden exemplarisch einige Tage aus dem Leben Ivys, jeweils um die Osterzeit, und in ganz unterschiedlichen Lebensabschnitten, von der jungen Frau bis ins hohe Alter.

Wer an das eigene Leben ausschließlich rational-planerisch herangeht, Kontinuität sehr schätzt, das für die einzig richtige Herangehensweise ans Leben hält und mit intuitiven Eingebungen und plötzlichen Richtungswechseln im Leben nichts anfangen kann, der wird sich mit der Hauptfigur Ivy möglicherweise schwer tun.

Denn Ivy ist keine, die sich im Leben auf eine Rolle beschränkt und sie wird, jeweils ihren momentanen Intuitionen und ihrem gefühlten inneren Kompass folgend, ganz unterschiedliche Erfahrungen in ihrem Leben machen wollen: das reicht von der konventionellen Rolle als Mutter und Partnerin, allerdings eines 25 Jahre älteren Mannes, über eine Verliebtheit, Schwärmerei und schließlich Affäre und Partnerschaft mit einer anderen Frau bis zu einem Ausflug in ein ganz anderes Leben als Nonne in einem Kloster.

Es gibt solche Menschen, die das Gefühl haben, dass das Leben sie in ganz verschiedene Richtungen zieht und dass es für sie dran ist, ganz unterschiedliche Erfahrungen zu machen, um sich in Summe vollständig zu fühlen und das Gefühl zu haben, den eigenen inneren Lebensplan zu erfüllen. Da sind wir wieder bei der spirituellen Komponente: Ivy, schon in eine unkonventionelle Künstlerfamilie geboren, aber bei sich selbst keine besonderen Talente in dieser Hinsicht entdeckend, fühlt sich nicht in ein standardisiertes Schablonenleben passend. Zwar gibt es die Zeit mit Töchtern und Mann, doch sie ist immer eine Persönlichkeit, die viel Raum für Rückzug und ihr Innenleben braucht.

So erleben wir auch den Roman: aus Ivys sehr spezieller Perspektive, die schon als Jugendliche fernab von den traditionellen Geschlechterrollen ihrer Zeit ist: "Vielleicht, so überlegte sie, lag das daran, dass sie keine Frau wie andere war. Schon als Kind hatte Ivy das Gefühl gehabt, ihre Seele sei nicht ganz weiblich." (S. 37)

Zeitlich umspannt der Roman ein ganzes Leben: von der Jugend Ivys zur Zeit des 2. Weltkrieges in Großbritannien und danach, über die Jahrzehnte danach, bis in die Gegenwart. Das dient allerdings nur als eher schwach ausgearbeiteter Rahmen für Ivys Persönlichkeit: zwar werden etwa der Krieg, Bombardierungen und Rationierungen erwähnt, aber insgesamt bleibt das Zeitgeschehen blass gestaltet und die Figuren und insbesondere Hauptfigur Ivy wirken kaum in der jeweiligen Zeitperiode verankert. So ist zum Beispiel in der Reaktion der Umwelt auf Ivys durchaus exzentrische Handlungsweisen wenig Unterschied zwischen den 1940ern und späteren Zeitperioden spürbar.

Am spannendsten wird das Buch, wenn man den Lesefokus tatsächlich auf die Persönlichkeitsstudie Ivys legt und weniger um das Geschehen drumherum: dann kann das Bild einer unkonventionellen Frau entstehen, die es dahin zieht, viel zu erleben und zu erfahren in ihrem Leben, und ganz unterschiedliche, scheinbar für die meisten Menschen ganz unvereinbare Dinge zu erleben, immer geführt von ihrem inneren Kompass und dem im Außen wahrgenommenen Licht. Ich finde es spannend, darüber nachzudenken, was für eine interessante Persönlichkeit das am Ende ihres Lebens sein muss, die so ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen gemacht und in ihrem Leben vereint hat. Wer offen dafür ist, sich mit so einer durchaus nicht so häufig vorkommenden Persönlichkeit tiefer zu beschäftigen und sich auch für Lebensentwürfe und Einstellungen zu öffnen, die möglicherweise sehr stark von den eigenen abweichen, kann aus diesem Buch einiges an Inspiration mitnehmen.

Wer sich hingegen ein eher lineares, gut in der jeweiligen Zeitepoche verankertes Buch mit vielfältigen interessanten Interaktionen zwischen tiefgründigen Figuren statt der ausführlichen Innenschau einer Figur erwartet, ist mit anderen Büchern besser beraten.
von Eternal-Hope - 2026-02-23 11:34:00

Nicht die Zielgruppe - 3 Sterne

Beim Rückblick auf das Leben ihrer Protagonistin greift die Autorin sechs Tage heraus, die immer um die Osterzeit herum spielen..
Die Geschichte nimmt ihren Ausgang am Ostersonntag 1938. Die neunzehnjährige Ivy verbringt den Tag mit ihrer Großfamilie auf deren Landsitz Cressingdon, „ dem unchristlichsten Haus in ganz England“. Man feiert gemeinsam Ostern und erwartet den Besuch von Frances, der Verlobten von Joseph, dem Sohn des Hauses. Doch am Ende des Tages wird nichts mehr sein wie zuvor. Ein tragisches Unglück wird alles verändern.
Der Roman verfolgt nun das Leben von Ivy chronologisch über sechs Jahrzehnte, immer anhand einzelner Schlüsselmomente.
So erleben wir Ivy zunächst als eine junge Frau, die noch nicht weiß, wohin sie die Zukunft führen wird. Schon in ihrer Kindheit haben alle erwartet, dass sie so außergewöhnlich sei wie die anderen Familienmitglieder, allesamt erfolgreiche und berühmte Maler und Schriftsteller. Doch leider erweist Ivy sich als völlig talentlos. Auch steht sie immer im Schatten ihres zwei Jahre älteren Bruders John, dem „Goldjungen“.
Aber dessen Ertrinken nach einem gemeinsamen Bad im Fluss macht aus Ivy eine ewig Suchende. Jenes Licht, das ihr dabei erschien und das sie blind machte für Josephs Verschwinden, steht dafür sinnbildlich. Der Titel des Romans weist schon explizit darauf hin. Ebenso das vorangestellte Zitat aus dem Johannesevangelium: „ Es leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können.“
Obwohl Ivy auf einer spirituellen Suche ist, lässt sie sich erst einmal treiben. Sie heiratet Bear, einen 25 Jahre älteren Freund der Familie, bekommt zwei Töchter mit ihm. Als sie sechs Jahre später, im April 1944 Frances wieder trifft, beginnen die beiden Frauen eine Liebesbeziehung. Frances ist für Ivy die Antwort auf alle Fragen. Die glückliche Zeit endet, weil Frances sich für ihren Mann entscheidet. Auch dann noch, als sich die beiden Frauen Jahre später wieder begegnen, Ivy ist mittlerweile Witwe. Daraufhin sucht Ivy ihr Seelenheil im Kloster und es sollen weitere Jahre vergehen, bis die beiden Frauen zusammenfinden.
Das ist die äußere Handlung und das hört sich zunächst vielversprechend an. Doch leider hat mich der Roman bereits nach dem Auftaktkapitel verloren. Obwohl wir alles aus Ivys Perspektive sehen, blieb mir die Figur völlig fremd, ihr Denken und Handeln nicht nachvollziehbar. Es dreht sich alles um Ivys inneres Befinden, ihr Suchen nach dem Göttlichen. Dabei geht sie völlig egozentrisch durch die Welt. Mit gelebtem Christentum hat das wenig zu tun. Ihr Mann, ihre Kinder, Randfiguren in ihrem Universum. „ Eine Frau mit ihren Sprösslingen zu sein, war keine Kategorie, die für Ivy gemacht zu sein schien.“
Die historischen Umstände werden nur am Rande gestreift, die Zumutungen des Krieges, die gesellschaftlichen Veränderungen in den 1960er Jahren, alles nur Staffage, Kulisse. Dabei hätte gerade das mich interessiert, ein Frauenleben durch ein Jahrhundert hin zu begleiten. Aber dazu hätte ich ein anderes Buch lesen müssen.
Der Autorin geht es um spirituelle Erfahrungen, der Suche nach Transzendenz. Dazu bemüht sie eine Unmenge an Symbolen, wie das schon erwähnte Licht, das beständig beschworen wird, spielt mit dem Mythos von Ostern und manchem mehr.
Auch die sprachliche Umsetzung machte mir zu schaffen. So finden sich im Roman wunderschöne poetische Passagen, voller Atmosphäre und Gefühl. Dem gegenüber stehen völlig verunglückte Bilder und kryptische Aussagen.
Die Struktur des Romans ist wohldurchdacht, die Beschränkung auf einzelne Tage vielversprechend. Trotzdem müssen die Leerstellen dazwischen verständlich gefüllt, Brüche und unerwartete Wendungen plausibel werden. So wird z.B. der Lesende völlig überrascht von Ivys Entschluss ins Kloster zu gehen.
Wie die Autorin in ihrer Nachbemerkung schreibt, ließ sie sich von der legendären Bloomsbury Group um Virginia Woolf und ihre Schwester Vanessa Bell inspirieren. Die Gruppe war bekannt für ihre Ablehnung viktorianischer Moralbegriffe, ihre pazifistische Gesinnung und ihren offenen Umgang mit Sexualität. Diese Gruppe ist Vorbild für Ivys Großfamilie. Und Ivy selbst basiert lose auf Vanessa Bells Tochter Angelica, die einen wesentlich älteren Freund der Familie und ehemaligen Liebhaber ihres Vaters heiratete. Das aber nur am Rande.
Fazit: Für Leser, die sich im Esoterischen zuhause fühlen, mag die Lektüre von „Tage des Lichts“ ein Gewinn sein. Ich bin nicht die richtige Zielgruppe.
von Ruth - 2026-02-18 15:44:00

Sechs Sequenzen aus einem langen Leben und sie erzählen so viel - 5 Sterne

Sechs Tage, eine kurze Zeit, wenn man auf ein langes Leben zurückblickt, doch hier erzählen sie so viel. Die 19-jährige Ivy, so voller Lust auf das Leben, wohin es gehen soll, weiß sie noch nicht, aber das Aufwachsen in einer Künstlerfamilie gibt ihr das Gefühl von grenzenloser Freiheit und alles ist möglich. Doch dann kommt der Tag, der alles verändert. Ihr großer Bruder, den sie über alles liebt, stirbt bei einem Badeunfall. Der Schock, die Realität dieses Todes, machen ihr Angst und sie heiratet, mit dem tiefen Bedürfnis nach Sicherheit, einen älteren Freund und bekommt Kinder. Dann der zweite Tag des Lichts, Jahre später, eingezwängt in diese Ehe, trifft sie auf die damalige Freundin ihres Bruders und es entwickelt sich ein tiefe Beziehung. Es steht eine Entscheidung im Raum, doch es fehlt der Mut und die Verpflichtung siegt. Weitere Tage folgen und eine lange Zeit bleibt die Sehnsucht, den eigenen Bedürfnissen einen Weg zu bahnen, ohne Widerhall, bei sich selbst oder ihrem Gegenüber.
Dieses Geschichte, wir Leser begleiten sie, begleiten diesen Menschen, Ivy, berührend, verzweifelt, mutig und irgendwann doch mit der richtigen Entscheidung, wenn der Moment gegeben ist. Und es ist die poetische, leicht melancholische Sprache, die einem ihr Fühlen so nahe bringt. Man hofft, wartet, trauert mit, bis zum Ende.
Ein Erleben, das sich Zeit lässt. Und es ist besonders und ein wirkliches Leseerlebnis.
von Bockonia - 2026-02-14 03:08:00

Hallt nach - 4 Sterne

Was mir direkt aufgefallen ist, ist die blumige Sprache, die passend zur Zeit und den Lebensumständen der eher unkonventionellen, künstlerisch veranlagten Familie gewählt wurde. Die Erzählweise der Geschichte ist sehr besonders: nur sechs Tage eines Lebens, teilweise über Jahre voneinander getrennt. Lässt sich unser Leben auf so wenig reduzieren? Auf sechs Schlüsselmomente?!

Ivy hat eine einfältige Unschuld an sich, was sich nicht nur darin zeigt wie sich über sich selbst als Mädchen, sondern auch über die Liebe und das Leben allgemein denkt.
Und wie klein ihre so unendlich scheinende Welt plötzlich wird. Erst durch Verlust, dann eine unbedachte Impulshandlung.

Die Schrecken des Krieges werden zwar nur angerissen aber trotzdem sehr eindringlich. Und über allem lag immer die Erinnerung an Joseph, die Fragen die sein Fehlen aufwarf. Ivy wird ältern, bleibt aber diese kleine, trostlose Versionen ihrer Selbst, immer sehnend, sich verzehrend, rast- und irgendwie heimatlos.

Ich war überrascht, wie viel man mit nur sechs Tagen erzählen und ausdrücken kann. Ivys Schicksal hat mir das Herz schwer gemacht.
Unterhaltsam fand ich, wie in dieser Familie jegliche Beziehungskonstrukte und Neigungen vorhanden zu sein scheinen. Es ist eine Geschichte von Liebe und Verlust, von Überschwang und Vernunft, von Sinnsuche und spätem Glück. Ein Leben, auf das elementarste herunterreduziert.
von Lies_ein_Buch - 2026-02-08 19:25:00

Ein leiser Roman - 3 Sterne

Der Roman „Tage des Lichts" wurde von Megan Hunter verfasst und erschien am 30. Januar 2026 im C.H. Beck Verlag. Das Buch umfasst 304 Seiten und das Cover ist passend zum Titel gestaltet. In der Geschichte geht es um die 19-jährige Ivy, die 1938 in England voller Träume ins Erwachsenenleben startet. Nach einem tragischen Ereignis am Ostersonntag entscheidet sie sich für ein angepasstes Leben mit Ehe und Kindern. Erst Jahre später, als sie Frances wiedertrifft, erkennt sie, wie sehr ihr etwas fehlt. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine heimliche, leidenschaftliche Liebe, die jedoch verborgen bleiben muss. Die Autorin schreibt flüssig, ruhig und emotional. Ihr Stil ist angenehm zu lesen und fängt besonders die leisen, melancholischen Töne der Geschichte gut ein. Die Spannung im Roman ist solide, aber nicht herausragend. Die Figuren sind grundsätzlich klar und übersichtlich gestaltet. Allerdings fehlt es ihnen, insbesondere der Protagonistin Ivy, an Tiefe. Teilweise empfand ich sie als nicht greifbar, was sehr schade ist. Insgesamt ist das Buch ein mittelmäßiger Roman, mit schönen Momenten, welcher hinter den Erwartungen zurückbleibt.
von Odina - 2026-01-31 11:14:00

Spannend - 4 Sterne



Megan Hunter spielt in ihrem Roman, Tage des Lichts, virtuos mit den Gefühlen der Icherzählerin Ivy.
1938 ist Ivy 19 Jahre alt, als in die Familie einen traurigen Verlust erleiden musste.
Die Autorin hat ein besondere Familie geschaffen. Vater und Mutter sind Künstler. Außerdem leben noch andere Künstler mit aus dem Anwesen. Da geht es oft hoch her.
Ivy erzählt ihr ganzes Leben, aus der Erinnerung bis sie 80 Jahre alt ist.
Sie heiratet und bekommt zwei Töchter. Während des Krieges erlebt sie eine Liebe mit einer Frau. Die ist auch verheiratet.
Ivys Emotionen erleben wir die ganze Zeit mit.
Das hat die Autorin gefühlvoll geschrieben.
Sie zeigt ein Frauenleben, mit allen Wünschen und Träumen und Rückschlägen.
Der Roman ist mit wohltönender Sprache geschrieben.
Es war eine gute Lektüre, die mich gefesselt hat.
Ich möchte den Roman gerne weiter empfehlen.




von begine - 2026-01-30 12:17:00

interessant geschrieben - 5 Sterne

In diesem Buch geht es um das Leben von Ivy. Das Buch beginnt als Ivy Neunzehn Jahre alt ist und es ist Ostern. Zu diesem Osterfest Treffen sich wie immer alle aus der Familie. Doch das Fest wird dieses Jahr von einem tragischen Ereignis überschattet. Dieses Ereignis lenkt ihr Leben in eine komplett andere Bahn. Nicht mehr so freigeistig sondern eher konventionell. Doch auch aus dieser normalen Bahn geriet die Protagonistin wieder heraus. Man begleitet die Figur bis ans Ende ihres Lebens. Es bleibt konstant interessant und spannen und die Schreibweise ist sehr lyrisch und angenehm zu lesen. Es ist eher ein ruhiges Buch welches uns auf eine Lebensreise mitnimmt. Doch genau das gefällt mir an diesem Buch. Es ist nicht schnell und auch nicht laut. Es zeigte eine Geschichte eines Lebens ganz intensiv und berührend. Ich kann das Buch sehr empfehlen.
von v_im_wunderland - 2026-01-20 21:10:00

Zwischen dem Nichts.. - 4 Sterne

„Tage des Lichts“ ist ein eigentümliches Buch, dessen Reiz sich erst nach und nach erschließt. In sehr ausladender Sprache, die voller Metaphern ist, erzählt Megan Hunter von 6 Tagen aus dem Leben einer Frau. Wir lernen Ivy im Jahr 1938 kennen. Da ist sie gerade einmal 19 Jahre alt und weiß nicht, welche Richtung sie in ihrem Leben einschlagen soll. Ivy, Spross einer unkonventionellen Künstler- und Intellektuellenfamilie zeigt selbst weder Talent noch Ambitionen.

Nicht nur die Erzählweise, auch die Geschichte wirkt wie aus der Zeit gefallen. Sie lässt längst vergangen Zeiten und Lebensumstände wieder aufleben. Von der Musik und der Befreiungsbewegung der 60er bekommt man nicht viel mit, Ivy ist noch in einem anderen Weltbild beheimatet. Sie ist auch eher ein Mitläufer, keine Rebellin. So lässt sie sich treiben, wie ein Stück Treibholz im Fluss. Vieles an ihren Leben und Alltag wirkt leer und eintönig.

Hunter erklärt nichts, sie psychologisiert nichts. Der Leser selbst muss aus den Figuren seine Schlüsse ziehen und ihre Geschichte reflektieren. Material dazu bietet die Geschichte genug. Dadurch bleiben die Figuren, aber vor allem das Zeitbild mit all seinen Restriktionen, aber auch mystischen Geheimnissen und die Bilder die Hunter erschaffen hat, beim Leser länger hängen. Genau so soll es sein.
von tinten_fischchen - 2026-01-17 16:32:00

Sechs Tage, die alles verändern - 4 Sterne

In ihrem Roman " Tage des Lichts" erzählt die Autorin Megan Hunter eine stille und eindringliche Geschichte über Sehnsucht, verpasste Momente und die Frage , wieviel Einfluss wir wirklich auf unser Leben haben.
Im Zentrum steht Ivy, deren Leben durch sechs prägende Tage erzählt wird.
Im Jahr1938 ist Ivy eine junge neunzehnjährige Frau, die in England lebt und voller Träume ist. Am Ostersonntag passiert ein Unglück, das ihr Leben in eine andere Richtung lenkt. Sie wird ein angepasstes Leben mit Ehemann und Kindern führen.
Das Wiedersehen mit Francis, der sie an jenem Ostersonntag das erste mal begegnet ist, bringt etwas in ihr zum Aufflammen. Beide Frauen spüren sich zueinander hingezogen. Aber darf das sein?
Mir hat es gut gefallen, wie die Autorin die Spannung zwischen Anpassung und inneren Verlangen erzählt hat. Die sechs entscheidenden Tage in Ivys Leben sind gut gewählt.
Leseempfehlung!
von peppi - 2026-01-16 15:39:00