Rezensionen
Amphibium
Roman | »Eines der Bücher, von denen ich wünschte, ich hätte es bereits lesen können, als ich 20 Jahre alt war. Das hätte etwas verändert.« Lea Ruckpaul
Autor: Tyler Wetherall
Erschienen 2025 bei dtv Verlagsgesellschaft
ISBN 978-3-423-28456-1
Zwei Teenager auf der Suche nach ihrer Identität - 4 Sterne
Sissy ist 12, hat eine psychisch kranke Mutter, die Eltern sind getrennt, andere Bezugspersonen gibt es nicht. Ihr Leben besteht aus Beziehungsabbrüchen, Sorge um die Mutter und diffusen Sehnsüchten, viel Einsamkeit und dem besorgten Beobachten der körperlichen Veränderungen. Sie lernt in der Schule die 13-jährige Tegan kennen, deren Bruder sich kürzlich suizidiert hat und deren Bezugspersonen ebenso blind für ihre Bedürfnisse sind wie selbstbezogen. Es entsteht eine tiefe Freundschaft. Tegan beschützt Sissy zwar vor schmerzhaftem Bullying, ist aber so manipulativ und egozentrisch, dass Sissy in seelische Not gerät und sich in ein Amphibium zu verwandeln meint.
Die zart keimende Weiblichkeit wird obendrein bedroht von einer geilen und rücksichtslosen Männerwelt.
Intensive Bilder, manches klischeehaft, ein tiefer Einblick in das Unbewusste keimender Weiblichkeit und in die Nöte vernachlässigter Heranwachsender.
von Herwig Oberlerchner - 2026-03-19 08:54:00
Schmerzhaftes Erwachsenwerden - 5 Sterne
Die 1990er Jahre in Südwestengland.
Sissy, elf Jahre alt, noch nicht lange an der Schule, ist Außenseiterin, noch gehört sie nicht dazu. Tegan ist das coole Mädchen, um das sich alle aus der Klasse scharren, und Sissy möchte auch so dazu gehören. Erst als Sissy einem Jungen mit einem Stein auf den Kopf schlägt, würdigt Tegan sie als Freundin – zuerst aber nur heimlich, nicht vor den anderen. Bald sind die beiden richtige Freundinnen, teilen alles miteinander und haben trotzdem auch Geheimnisse voreinander.
Sissys Mutter ist lange ein gewisses Geheimnis in dieser Freundschaft. Sie ist alleinerziehend und leidet unter einer psychischen Krankheit, so dass sie tagelang nicht aufstehen kann und Sissy allein auf sich gestellt ist - der Kühlschrank leer, die Vorhänge zugezogen. Sissy hat das Gefühl, dass sie ihre Mutter beschützen muss, auch dafür lügen muss, damit weder Schule noch Jugendamt oder sonst jemand auf diese Situation aufmerksam wird.
Erwachsen werden ist in dieser Geschichte ein schmerzlicher Prozess. Es geht um akzeptiert, geliebt und anerkannt werden, weil man dazugehören will. Es geht um eine toxische Beziehung, die sich Freundschaft nennt. Und um eine unfähige Mutter, weil sie krank ist. Die 11-jährige kompensiert die mütterlichen Unzulänglichkeiten durch Lügen und Verheimlichen. Es geht auch darum, wie sich so junge Mädchen Begehren und Sex vorstellen, obwohl sie noch nicht einmal geküsst haben.
Normalerweise lese ich Coming-of-age Geschichten nicht gerne, aber diese hier ist besonders. Sie zeigt in unterschiedlichen Bereichen, was es bedeutet vom Kind zu einem pubertierenden Mädchen zu werden, was es heißt Aufmerksamkeiten auf sich zu ziehen bzw diese zu provozieren.
Absolute Leseempfehlung
Aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn
Sissy, elf Jahre alt, noch nicht lange an der Schule, ist Außenseiterin, noch gehört sie nicht dazu. Tegan ist das coole Mädchen, um das sich alle aus der Klasse scharren, und Sissy möchte auch so dazu gehören. Erst als Sissy einem Jungen mit einem Stein auf den Kopf schlägt, würdigt Tegan sie als Freundin – zuerst aber nur heimlich, nicht vor den anderen. Bald sind die beiden richtige Freundinnen, teilen alles miteinander und haben trotzdem auch Geheimnisse voreinander.
Sissys Mutter ist lange ein gewisses Geheimnis in dieser Freundschaft. Sie ist alleinerziehend und leidet unter einer psychischen Krankheit, so dass sie tagelang nicht aufstehen kann und Sissy allein auf sich gestellt ist - der Kühlschrank leer, die Vorhänge zugezogen. Sissy hat das Gefühl, dass sie ihre Mutter beschützen muss, auch dafür lügen muss, damit weder Schule noch Jugendamt oder sonst jemand auf diese Situation aufmerksam wird.
Erwachsen werden ist in dieser Geschichte ein schmerzlicher Prozess. Es geht um akzeptiert, geliebt und anerkannt werden, weil man dazugehören will. Es geht um eine toxische Beziehung, die sich Freundschaft nennt. Und um eine unfähige Mutter, weil sie krank ist. Die 11-jährige kompensiert die mütterlichen Unzulänglichkeiten durch Lügen und Verheimlichen. Es geht auch darum, wie sich so junge Mädchen Begehren und Sex vorstellen, obwohl sie noch nicht einmal geküsst haben.
Normalerweise lese ich Coming-of-age Geschichten nicht gerne, aber diese hier ist besonders. Sie zeigt in unterschiedlichen Bereichen, was es bedeutet vom Kind zu einem pubertierenden Mädchen zu werden, was es heißt Aufmerksamkeiten auf sich zu ziehen bzw diese zu provozieren.
Absolute Leseempfehlung
Aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn
von Nicole Koppandi - 2025-10-02 22:33:00


