Rezensionen
Im Leben nebenan
Roman | »Ein Roman, der das Herz und den Kopf berührt« NDR Kultur
Autor: Anne Sauer
Erschienen 2025 bei dtv Verlagsgesellschaft
ISBN 978-3-423-28483-7
Ein Buch, das unter die Haut geht - 5 Sterne
Dieser Roman trifft einen wunden Punkt – leise, aber mit voller Wucht. Im Leben nebenan erzählt von zwei möglichen Lebensrealitäten einer Frau und stellt dabei die Frage: Was wäre, wenn man sich anders entschieden hätte? Doch was zunächst wie ein gedankliches Spiel wirkt, entwickelt sich schnell zu einer emotionalen Auseinandersetzung mit unerfüllten Lebensentwürfen – insbesondere dem unerfüllten Kinderwunsch.
Für Leserinnen und Leser, die selbst ungewollt kinderlos sind, entfaltet das Buch eine ganz besondere Intensität. Es ist kaum möglich, die Geschichte rein „von außen“ zu betrachten – eigene Erinnerungen, Hoffnungen und Enttäuschungen schwingen unweigerlich mit. Das Wissen, alles versucht zu haben, die quälenden Fragen von außen („Warum habt ihr keine Kinder?“), und dieser Schmerz, der auch nach Jahrzehnten nicht ganz vergeht – all das findet hier einen ehrlichen, schonungslosen Widerhall.
Anne Sauer schreibt dabei weder kitschig noch belehrend, sondern mit feinem Gespür für Zwischentöne. Gerade diese Zurückhaltung macht den Roman so eindringlich. Er zeigt, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt – nur unterschiedliche Wege, mit Sehnsucht, Verlust und der eigenen Lebensrealität umzugehen.
Ein Buch, das unter die Haut geht. Kein leichtes Lesen, aber ein wichtiges. Und eines, in dem sich viele auf schmerzhafte Weise wiederfinden werden.
Für Leserinnen und Leser, die selbst ungewollt kinderlos sind, entfaltet das Buch eine ganz besondere Intensität. Es ist kaum möglich, die Geschichte rein „von außen“ zu betrachten – eigene Erinnerungen, Hoffnungen und Enttäuschungen schwingen unweigerlich mit. Das Wissen, alles versucht zu haben, die quälenden Fragen von außen („Warum habt ihr keine Kinder?“), und dieser Schmerz, der auch nach Jahrzehnten nicht ganz vergeht – all das findet hier einen ehrlichen, schonungslosen Widerhall.
Anne Sauer schreibt dabei weder kitschig noch belehrend, sondern mit feinem Gespür für Zwischentöne. Gerade diese Zurückhaltung macht den Roman so eindringlich. Er zeigt, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt – nur unterschiedliche Wege, mit Sehnsucht, Verlust und der eigenen Lebensrealität umzugehen.
Ein Buch, das unter die Haut geht. Kein leichtes Lesen, aber ein wichtiges. Und eines, in dem sich viele auf schmerzhafte Weise wiederfinden werden.
von HEYN Leserunde, Silvia Grutze - 2026-04-06 17:25:00
Das andere Leben - 2 Sterne
Anne Sauers Roman „Im Leben nebenan“ spielt mit der Idee einer Parallelwelt und befasst sich im zuge dessen mit Themen wie Mutterschaft, Kinderwunsch, Frausein und Lebensplanung.
Wir erhalten Einblick in zwei verschiedene Versionen des Lebens von Hauptfigur Toni beziehungsweise Antonia.
Eines Tages findet sich Toni im Leben von Antonia wieder. Ein Leben, in dem sie sich nie von ihrer Jugendliebe Adam getrennt hat und die beiden kürzlich ein Baby bekommen haben.
Sie führt ihr Leben fortan mit den Erinnerungen an ihr „echtes Leben“ als Toni: kinderlos und in einer Beziehung mit Jakob.
Leider konnte mich der Roman absolut nicht überzeugen. Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht die richtige Zielgruppe. Grundsätzlich fand ich die Idee von zwei völlig unterschiedlichen parallelen Leben durchaus interessant aber letztendlich hatte ich den Eindruck, das keines der Leben ein für die Protagonistin erfüllendes oder glückliches Leben ist.
Es gibt auch leider nichts, was ich aus dem Gelesenen für mich mitnehme oder woran ich nochmal zurückdenken werde. Ich glaube, vor allem junge Frauen, die sich erst noch darüber klar werden müssen, ob sie ihr Leben mit oder ohne Kinder gestalten möchten, könnten eher gefallen an dem Buch finden.
Wir erhalten Einblick in zwei verschiedene Versionen des Lebens von Hauptfigur Toni beziehungsweise Antonia.
Eines Tages findet sich Toni im Leben von Antonia wieder. Ein Leben, in dem sie sich nie von ihrer Jugendliebe Adam getrennt hat und die beiden kürzlich ein Baby bekommen haben.
Sie führt ihr Leben fortan mit den Erinnerungen an ihr „echtes Leben“ als Toni: kinderlos und in einer Beziehung mit Jakob.
Leider konnte mich der Roman absolut nicht überzeugen. Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht die richtige Zielgruppe. Grundsätzlich fand ich die Idee von zwei völlig unterschiedlichen parallelen Leben durchaus interessant aber letztendlich hatte ich den Eindruck, das keines der Leben ein für die Protagonistin erfüllendes oder glückliches Leben ist.
Es gibt auch leider nichts, was ich aus dem Gelesenen für mich mitnehme oder woran ich nochmal zurückdenken werde. Ich glaube, vor allem junge Frauen, die sich erst noch darüber klar werden müssen, ob sie ihr Leben mit oder ohne Kinder gestalten möchten, könnten eher gefallen an dem Buch finden.
von Sina - 2025-10-09 23:07:00
Parallelwelten - 3 Sterne
In Anne Sauers "Im Leben nebenan" geht es um Toni, die mit ihrem Freund Jakob in einer Altbauwohnung in der Stadt lebt und versucht schwanger zu werden. Leider vergebens. Eines Tages wacht Toni als Antonia auf, einer anderen und doch gleichen Version ihrer selbst: Sie lebt in ihrem Heimatdorf, ist mit ihrer ersten großen Liebe Adam verheiratet und... hat ein Kind. In einer Art Parallelerzählung begleitet man zum einen Toni, die ihr Leben weiterhin lebt und Antonia, die das Leben mit Jakob kennt, aber auf der anderen Seite mit Adam und ihrer Tochter Hanna.
Innerhalb des Romans kommen somit Fragen und Gedanken auf zum Thema "Was wäre gewesen, wenn...?", aber auch wie sich eigentlich so ein Leben mit Kind anfühlt und ob dieser Wunsch intrinsisch ist oder einfach vorgelebt wird. Außerdem auch, welche Herausforderungen Frauen in der Gesellschaft als Mutter durchleben müssen. Meiner Meinung nach sind dies wichtige Themen, die vor allem Frauen um die 30 Jahre ansprechen.
Mir hat das Buch gut gefallen, auch, wenn es meiner Meinung nach nicht komplett ausgefeilt war. Die Idee der Parallelwelten finde ich an sich gut, aber leider wurde im Buch nicht direkt klar, wie sie entstanden sind.
Dennoch ist es ein Buch, das auch zum Nachdenken anregt und daher kann ich es empfehlen, sofern man sich nicht zu sehr auf die Parallelwelten konzentriert. Daher vergebe ich 3,5 Sterne.
Innerhalb des Romans kommen somit Fragen und Gedanken auf zum Thema "Was wäre gewesen, wenn...?", aber auch wie sich eigentlich so ein Leben mit Kind anfühlt und ob dieser Wunsch intrinsisch ist oder einfach vorgelebt wird. Außerdem auch, welche Herausforderungen Frauen in der Gesellschaft als Mutter durchleben müssen. Meiner Meinung nach sind dies wichtige Themen, die vor allem Frauen um die 30 Jahre ansprechen.
Mir hat das Buch gut gefallen, auch, wenn es meiner Meinung nach nicht komplett ausgefeilt war. Die Idee der Parallelwelten finde ich an sich gut, aber leider wurde im Buch nicht direkt klar, wie sie entstanden sind.
Dennoch ist es ein Buch, das auch zum Nachdenken anregt und daher kann ich es empfehlen, sofern man sich nicht zu sehr auf die Parallelwelten konzentriert. Daher vergebe ich 3,5 Sterne.
von rosetheline - 2025-10-06 20:38:00
Das andere Leben - 4 Sterne
Eines morgens erwacht Toni nicht in der kleinen, hellhörigen Altbauwohnung in der Stadt mit ihrem Freund Jakob, sondern in einem grossen, hellen, neu gebauten Haus. Sie scheint ein Kind zu haben, eine Tochter. Sie hat keine Ahnung was passiert ist. Offensichtlich hat sie in „diesem Leben“ ihren Freund aus der Schule geheiratet. Die beiden wohnen mit ihrer Tochter in dem Dorf in dem sie aufgewachsen sind. Toni versucht verzweifelt, in ihr altes Leben zurückzukehren…
Abwechselnd wird aus Tonis (altes Leben) und Antonias (neues Leben mit Kind) Perspektive erzählt. Toni hatte ursprünglich einen Kinderwunsch mit Freund Jakob, aber irgendwann realisiert, dass ein Kind gar nicht das ist was sie eigentlich möchte. Antonia ist gebeutelt von postpartaler Depression, hat alles um die Geburt und vorher vergessen und kennt ihren Partner nicht (mehr). Die Idee ist richtig gut und es ist spannend umgesetzt. Dennoch fand ich den Text zum Teil etwas flach und hätte mir von den Protagonisten noch etwas mehr Tiefe erhofft.
Abwechselnd wird aus Tonis (altes Leben) und Antonias (neues Leben mit Kind) Perspektive erzählt. Toni hatte ursprünglich einen Kinderwunsch mit Freund Jakob, aber irgendwann realisiert, dass ein Kind gar nicht das ist was sie eigentlich möchte. Antonia ist gebeutelt von postpartaler Depression, hat alles um die Geburt und vorher vergessen und kennt ihren Partner nicht (mehr). Die Idee ist richtig gut und es ist spannend umgesetzt. Dennoch fand ich den Text zum Teil etwas flach und hätte mir von den Protagonisten noch etwas mehr Tiefe erhofft.
von skiaddict7 - 2025-09-21 22:19:00
Das andere Leben - 4 Sterne
Eines morgens erwacht Toni nicht in der kleinen, hellhörigen Altbauwohnung in der Stadt mit ihrem Freund Jakob, sondern in einem grossen, hellen, neu gebauten Haus. Sie scheint ein Kind zu haben, eine Tochter. Sie hat keine Ahnung was passiert ist. Offensichtlich hat sie in „diesem Leben“ ihren Freund aus der Schule geheiratet. Die beiden wohnen mit ihrer Tochter in dem Dorf in dem sie aufgewachsen sind. Toni versucht verzweifelt, in ihr altes Leben zurückzukehren…
Abwechselnd wird aus Tonis (altes Leben) und Antonias (neues Leben mit Kind) Perspektive erzählt. Toni hatte ursprünglich einen Kinderwunsch mit Freund Jakob, aber irgendwann realisiert, dass ein Kind gar nicht das ist was sie eigentlich möchte. Antonia ist gebeutelt von postpartaler Depression, hat alles um die Geburt und vorher vergessen und kennt ihren Partner nicht (mehr). Die Idee ist richtig gut und es ist spannend umgesetzt. Dennoch fand ich den Text zum Teil etwas flach und hätte mir von den Protagonisten noch etwas mehr Tiefe erhofft.
Abwechselnd wird aus Tonis (altes Leben) und Antonias (neues Leben mit Kind) Perspektive erzählt. Toni hatte ursprünglich einen Kinderwunsch mit Freund Jakob, aber irgendwann realisiert, dass ein Kind gar nicht das ist was sie eigentlich möchte. Antonia ist gebeutelt von postpartaler Depression, hat alles um die Geburt und vorher vergessen und kennt ihren Partner nicht (mehr). Die Idee ist richtig gut und es ist spannend umgesetzt. Dennoch fand ich den Text zum Teil etwas flach und hätte mir von den Protagonisten noch etwas mehr Tiefe erhofft.
von skiaddict7 - 2025-09-21 22:19:00
Interessante Idee, düster, schlechte Sprache - 3 Sterne
Der Roman erzählt die Geschichte von zwei Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Antonia, aus ihrem bisherigen Alltag gerissen, wacht eines Tages in ihrer Heimatstadt auf – mit einem fünf Wochen alten Baby auf dem Bauch. In dieser alternativen Realität hat sie sich nie von ihrer Jugendliebe Adam getrennt, ist nie aus ihrer Kleinstadt weggezogen und lebt seit Jahren glücklich verheiratet. Nun ist sie frischgebackene Mutter. Doch Antonia kann sich an dieses Leben nicht erinnern! Stattdessen hat sie klare Erinnerungen an ein anderes Leben: eines, in dem sie mit ihrem Partner Jakob lebt und der unerfüllte Kinderwunsch ihre Beziehung zunehmend belastet.
Mit Rückblenden schildert der Roman, wie beide Leben voranschreiten. Antonia und Toni, wie sie in der jeweils anderen Realität genannt wird, werden von einer allwissenden Erzählstimme begleitet. Diese beschreibt mit schonungsloser Ehrlichkeit die Verzweiflung und Hilflosigkeit der beiden Frauen in ihren jeweiligen Situationen. Tabuthemen wie das Hadern mit der Mutterschaft, die Schmerzen nach einem Kaiserschnitt oder das Gefühl des Versagens angesichts eines unerfüllten Kinderwunsches werden offen angesprochen.
Das Buch ist ein hochaktueller, feministischer Roman, der die vielen Facetten von Frausein, Beziehung und Lebensplanung beleuchtet. Mit Humor und Ehrlichkeit wirft die Autorin einen wohlwollenden Blick auf verschiedene Lebensentwürfe, ohne dabei zu werten, welcher der richtige ist.
Trotz des vielversprechenden Klappentextes konnte mich die Umsetzung nicht überzeugen. Die Charaktere wirkten auf mich flach und unnahbar, die Protagonistin blieb blass und durchgehend deprimiert. Die Geschichte hinterließ bei mir ein düsteres Gefühl. Zudem hat mich leider die sprachliche Umsetzung nicht überzeugt und lässt viel Raum für Verbesserung.
Mit Rückblenden schildert der Roman, wie beide Leben voranschreiten. Antonia und Toni, wie sie in der jeweils anderen Realität genannt wird, werden von einer allwissenden Erzählstimme begleitet. Diese beschreibt mit schonungsloser Ehrlichkeit die Verzweiflung und Hilflosigkeit der beiden Frauen in ihren jeweiligen Situationen. Tabuthemen wie das Hadern mit der Mutterschaft, die Schmerzen nach einem Kaiserschnitt oder das Gefühl des Versagens angesichts eines unerfüllten Kinderwunsches werden offen angesprochen.
Das Buch ist ein hochaktueller, feministischer Roman, der die vielen Facetten von Frausein, Beziehung und Lebensplanung beleuchtet. Mit Humor und Ehrlichkeit wirft die Autorin einen wohlwollenden Blick auf verschiedene Lebensentwürfe, ohne dabei zu werten, welcher der richtige ist.
Trotz des vielversprechenden Klappentextes konnte mich die Umsetzung nicht überzeugen. Die Charaktere wirkten auf mich flach und unnahbar, die Protagonistin blieb blass und durchgehend deprimiert. Die Geschichte hinterließ bei mir ein düsteres Gefühl. Zudem hat mich leider die sprachliche Umsetzung nicht überzeugt und lässt viel Raum für Verbesserung.
von xx - 2025-09-20 10:04:00
Wirklich toll, aber leider etwas zu viel Drama-Potpourri - 4 Sterne
Auch wenn dieses Buch in keiner Weise meine Lebensrealität widerspiegelt, so finden sich doch viele Dinge wieder, die in meinem Umfeld immer mehr Menschen beschäftigen. Mit Anfang 30 ist irgendwie in meinem Freundeskreis nochmals Umbruch zu spüren. Paare trennen sich, heiraten, bekommen Kinder, wollen keine bekommen, können keine bekommen. Das Leben ist einfach facettenreich.
Und da fand ich die Prämisse des Buches so spannend, eben zwei Facetten eines Lebens zu beleuchten. Jedes Leben besteht aus so vielen Entscheidungen und Richtungen, in diesem Buch wurde auf gerade einmal 272 Seiten nur eine Entscheidung als Aufhänger genommen. Das "wie wäre es gewesen, wenn...?".
Denn wie wäre Tonis Leben verlaufen, wenn sie sich damals vor dem Studium nicht von ihrem Freund getrennt hätte?
Über Nacht wird Toni plötzlich in ein anderes Leben geworfen, wird zu Antonia mit Neugeborenem, Mann und Haus in ihrem Heimatort und ist nicht länger Toni mit Jakob in der Altbauwohnung in der Großstadt und mit Kinderwunsch.
Parallel wird ab dem Zeitpunkt die Geschichte von Antonia und Toni beleuchtet. Das Spielen mit den beiden Perspektiven fand ich wirklich toll. Etwas irritiert hat mich am Anfang, dass nur eine der beiden in ein neues Leben geworfen wurde. Tonis Leben läuft sozusagen einfach weiter, während Toni II den Platz von Antonia einnimmt. Mit all ihren Erinnerungen an Jakob und wie ihr Leben verlaufen ist. Anfangs hat es mich doch etwas gestört, dass nur eine der beiden Erzählstimmen mehr in der Vergangenheit hing, an einem Leben, das sie vermisste und das nicht mehr das jetzige war. Während Toni ungeahnt ihr Leben weiterlebte. Aber der Erzählsprung wäre natürlich niemals der selbe gewesen, wenn eine Frau, die gerade frisch entbunden hat, plötzlich ohne ihr Kind in eine vollkommen fremden Leben aufwachen würde und sich zurecht finden müsste.
Die Themen, die in diesem Buch durch die Vermischung beider Leben aufgegriffen werden, sind echt wuchtig, wurden mir aber leider teilweise etwas zu oberflächlich behandelt. Auf den wenigen Seiten ist es aber auch schwer, mehr in die Tiefe zu gehen. Postpartale Depression und unerfüllter Kinderwunsch sind dabei schon die beiden größten Felder. Es geht aber auch um die Veränderung von Freundschaften, wenn die eigene Lebensrealität nicht mehr ganz zu der einer Freundin passt - lässt für mich dabei nur leider etwas aus, das man als Freundinnen den Spagat sehr wohl auch gut schaffen kann. Die Belastung, die eine Beziehung aushalten muss, wenn eine Person arbeitslos wird. Das Verhältnis zu den eigenen Eltern, wenn man entweder "nebenan" oder weiter entfernt lebt. Es wird sehr viel in einen Topf geworfen und so konnte leider nicht allen Themen gerecht werden. Und irgendwie fühlte es sich ein wenig nach zu viel negativem an. Ja, manchmal kann das Leben echt ganz schön aus den Bahnen laufen, aber irgendwie war hier alles ein wenig zu dunkel getrübt und ein wenig weniger Drama hätte den Grundton der Geschichte nicht wirklich verändert.
So reicht es für mich nicht für 5 Sterne, insgesamt ist das Buch aber wirklich toll gewesen und ich bin sowohl Toni als auch Antonia gerne gefolgt.
von C.P. - 2025-09-16 11:39:00
Zum Nachdenken - 5 Sterne
Zwei Versionen derselben Frau erleben zwei Versionen ihres Lebens - zum einen Toni, deren Kinderwunschbehandlungen sie zweifeln lassen, ob sie das wirklich alles so will und zum anderen Antonia, in deren Leben Toni plötzlich aufwacht: Als Mutter eines kleinen Babys, mit der Jugendliebe verheiratet und im spießigen Dorf geblieben.
Beide, Toni und Antonia, hadern mit ihren Lebensversionen, sie erleben Momente des Glücks und der Leichtigkeit ebenso wie Momente der Überforderung und der Frage, was sie eigentlich wollen vom Leben. Vor allem begegnen sie immer wieder Situationen, in denen andere von ihnen verlangen, sich zur Mutterschaft zu verhalten, eine Rolle anzunehmen und gefälligst genau zu wissen, wie man sich verhält, obwohl sie das nicht wollen oder können.
Sprachlich geschickt und zum Nachdenken anregend ist dies ein Debutroman, den auch auf jeden Fall Männer lesen sollten, zumal Bücher zu diesem Thema aus Männerperspektive vollständig fehlen.
Beide, Toni und Antonia, hadern mit ihren Lebensversionen, sie erleben Momente des Glücks und der Leichtigkeit ebenso wie Momente der Überforderung und der Frage, was sie eigentlich wollen vom Leben. Vor allem begegnen sie immer wieder Situationen, in denen andere von ihnen verlangen, sich zur Mutterschaft zu verhalten, eine Rolle anzunehmen und gefälligst genau zu wissen, wie man sich verhält, obwohl sie das nicht wollen oder können.
Sprachlich geschickt und zum Nachdenken anregend ist dies ein Debutroman, den auch auf jeden Fall Männer lesen sollten, zumal Bücher zu diesem Thema aus Männerperspektive vollständig fehlen.
von Reiseweise - 2025-09-14 20:25:00
Eindrückliches Gedankenexperiment zu einem Frauenleben mit versus ohne Kind - 5 Sterne
Dieser Roman hat mich sehr berührt und aufgewühlt. Er behandelt auf schonungslose und gleichzeitig einfühlsame Weise ein sensibles Thema. Bereits die Ausgangsidee fand ich genial. Wer von uns hat sich nicht schon einmal gefragt, wie es wäre, wenn man im Leben an einer Stelle eine andere Abzweigung genommen hätte?! Anne Sauer kontrastiert auf diese Art für ihre Protagonistin Antonia zwei alternative Leben: eines mit und eines ohne Kind. Beide Versionen werden in ihren Herausforderungen, aber auch in ihrem Potenzial realistisch und berührend dargestellt. Ich habe eine ganze Reihe von verschiedenen Gefühlen durchlebt, darunter Beklemmung, Trauer, Zuversicht und Hoffnung. Es ist auch die ein oder andere Träne geflossen. Beide Antonias erleben schmerzhafte Verluste - von Menschen, Lebenskonzepten, Freiheiten, dem bisherigen Selbstbild. Sie müssen sich durch Leid und Schmerz kämpfen, bis endlich ein Hoffnungsstreifen am Horizont erscheint. Dabei ist der Schreibstil fesselnd, klug und modern. Fazit: Dieses Buch ist sicher keine leichte Kost, dennoch kann ich es wärmstens empfehlen. Ich möchte es vor allem denjenigen Leserinnen ans Herz legen, die ambivalent sind in ihrem Kinderwunsch oder mit ihrer Rolle als Mutter oder Nicht-Mutter teilweise hadern. Für männliche Leser dürfte ähnliches gelten. Dieser Roman begegnet allen freiwilligen und unfreiwilligen Varianten mit großem Verständnis und Mitgefühl. Man muss aber auch bereit sein, sich auf Gefühle der Trauer und Hilflosigkeit einzulassen.
von Katja K. - 2025-09-12 23:33:00
Was wäre wenn ... - 3 Sterne
Toni hat das Kleinstadtleben hinter sich gelassen, lebt mit ihrem Hipsterfreund in einer tollen Altbauwohnung und ist erfolgreich in ihrem Job. Doch ihre Freunde ziehen mit Kleinfamilie ins Umland, während Tonis eigener Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Der Druck, den das Umfeld unbeabsichtigt ausübt und die Tatsache, dass Sex keinen Spaß mehr macht, sondern zur Aufgabe wird, lassen sie fast zusammenbrechen.
Doch plötzlich wacht sie in ihrer ehemaligen Heimatstadt auf mit einem Baby und den Mann, den sie zu Schulzeiten liebte, neben sich. Ihre Verwirrung ist groß, das plötzliche Kind überfordert sie und sie versucht anfangs diesem "neuen" Leben zu entfliehen.
Erzählt wird in abwechselnden Abschnitten. Wir lesen von Toni und Antonia. Die eine hat den Absprung geschafft, die andere ist geblieben. Das Szenario ist so nicht ganz unbekannt und die Frage, was wäre wenn, hat sich wohl jede*r schon mal gestellt.
Auch die Problematik des unerfüllten Kinderwunsches ist in unserer Zeit allen ein Begriff. Ich denke, alle Menschen kennen Paare die damit hadern oder den steinigen Weg der künstlichen Befruchtung beschreiten. Mit Antonia zeigt die Autorin auf, dass auch mit Nachwuchs nicht alles eitel Wonne ist. Als Mutter bleibt man anfangs selbst auf der Strecke. Man muss sich in die neue Rolle einleben und sich seine Freiräume schaffen.
Warum ich es so empfinde, dass das "was wäre wenn" hier nicht ganz aufgeht, ist die Tatsache, dass Toni, die in der Großstadt weiter sozialisiert wurde, plötzlich als Antonia wieder Kleinstädterin ist. Doch Antonia ist nie weggezogen, hat nie Großstadtluft geschnuppert und hat nie den Mut bewiesen, ihre eigenen Wege zu beschreiten. Antonia wäre ein komplett anderer Mensch! Sie würde anders denken und handeln. Viele ihrer Zweifel hätte sie nicht, denn sie würde bestimmt weniger hinterfragen. Und die Tatsache, im anderen Leben aufzuwachen, ist ausreichend, um komplett durch den Wind zu sein und als verrückt zu gelten.
Es ist völlig normal, dass Antonia mit dem Baby vorerst nicht zurecht kommt, denn sie hatte keine neun Monate Zeit, sich darauf vorzubereiten, kann sich an keine Geburt erinnern und kennt ihren Mann eigentlich nicht, denn dieser war ein Junge, als sie sich von ihm getrennt hatte.
Also ich würde wahrscheinlich durchdrehen!
Stilistisch ist das Buch wenig aufregend. Es liest sich flott und flüssig, ist nicht zu emotional. Die Sprache ist klar, es gibt nicht zu viele Metaphern und die Trennung der zwei Lebensentwürfe gelingt durch die Verwendung des Kosenamens im ersten Strang problemlos. Die Idee finde ich prinzipiell nicht schlecht, aber die Antonia hier erscheint mir nicht ganz glaubwürdig. Von mir gibt es nur eine bedingte Empfehlung.
Doch plötzlich wacht sie in ihrer ehemaligen Heimatstadt auf mit einem Baby und den Mann, den sie zu Schulzeiten liebte, neben sich. Ihre Verwirrung ist groß, das plötzliche Kind überfordert sie und sie versucht anfangs diesem "neuen" Leben zu entfliehen.
Erzählt wird in abwechselnden Abschnitten. Wir lesen von Toni und Antonia. Die eine hat den Absprung geschafft, die andere ist geblieben. Das Szenario ist so nicht ganz unbekannt und die Frage, was wäre wenn, hat sich wohl jede*r schon mal gestellt.
Auch die Problematik des unerfüllten Kinderwunsches ist in unserer Zeit allen ein Begriff. Ich denke, alle Menschen kennen Paare die damit hadern oder den steinigen Weg der künstlichen Befruchtung beschreiten. Mit Antonia zeigt die Autorin auf, dass auch mit Nachwuchs nicht alles eitel Wonne ist. Als Mutter bleibt man anfangs selbst auf der Strecke. Man muss sich in die neue Rolle einleben und sich seine Freiräume schaffen.
Warum ich es so empfinde, dass das "was wäre wenn" hier nicht ganz aufgeht, ist die Tatsache, dass Toni, die in der Großstadt weiter sozialisiert wurde, plötzlich als Antonia wieder Kleinstädterin ist. Doch Antonia ist nie weggezogen, hat nie Großstadtluft geschnuppert und hat nie den Mut bewiesen, ihre eigenen Wege zu beschreiten. Antonia wäre ein komplett anderer Mensch! Sie würde anders denken und handeln. Viele ihrer Zweifel hätte sie nicht, denn sie würde bestimmt weniger hinterfragen. Und die Tatsache, im anderen Leben aufzuwachen, ist ausreichend, um komplett durch den Wind zu sein und als verrückt zu gelten.
Es ist völlig normal, dass Antonia mit dem Baby vorerst nicht zurecht kommt, denn sie hatte keine neun Monate Zeit, sich darauf vorzubereiten, kann sich an keine Geburt erinnern und kennt ihren Mann eigentlich nicht, denn dieser war ein Junge, als sie sich von ihm getrennt hatte.
Also ich würde wahrscheinlich durchdrehen!
Stilistisch ist das Buch wenig aufregend. Es liest sich flott und flüssig, ist nicht zu emotional. Die Sprache ist klar, es gibt nicht zu viele Metaphern und die Trennung der zwei Lebensentwürfe gelingt durch die Verwendung des Kosenamens im ersten Strang problemlos. Die Idee finde ich prinzipiell nicht schlecht, aber die Antonia hier erscheint mir nicht ganz glaubwürdig. Von mir gibt es nur eine bedingte Empfehlung.
von Miro - 2025-09-12 16:51:00


