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Rezensionen

Finding My Way. Ein Memoir
Deutsche Ausgabe

Autor: Malala Yousafzai

Erschienen 2025 bei Droemer
ISBN 978-3-426-44975-2
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Eine beeindruckende Frau - 5 Sterne

Malala ist für mich schon sehr lange eine Frau die mich total fasziniert. Ihr Mut sich für die Rechte der Mädchen einzusetzen, der ihr tragischerweise eine Kugel in den Kopf bescherte, ist total beeindruckend.

In diesem Memoir erzählt sie aus ihrem Leben auf eine sehr authentische und ungeschönte Art und Weise. Immer wieder reflektiert sie über sich, ihr Leben und dem Zwiespalt zwischen ihren Wünschen und dem was die Tradition oder die Gesellschaft von ihr erwartet.

Man lernt eine junge Frau kennen die ihren Uniabschluss fast nicht schafft weil sie zu viele Fehlzeiten aufweist die sie angesammelt hat um auf Konferenzen über Mädchennildung zu sprechen, eine Mädchenschule in Afghanistan aufzubauen oder mit staatsoberhäuptern zu sprechen. Eine Frau die mit ihren Freundinnen feiern und tanzen geht und von ihren Eltern kritisiert wird weil man sie beim Rudern fotografiert und die immer wieder den Satz:"was sollen die Menschen zuhause von dir denken" zu hören bekommt. Immer wieder liest man von Malalas Zwiespalt, von ihren Schwierigkeiten über die sie oft spricht ohne zu beschönigen. Sie spricht über ihre traumatischen Erfahrungen und die Folgen ebendieser, erzählt von ihrer Therapieerfahrung ebenso wie von ihren politischen erfolgen für die Mädchenbildung.

All das hat in ihren Erzählungen gleich viel Platz was dieses Buch in meinen Augen sehr authentisch und leicht zu lesen macht. Manchmal fühlt man sich ihr so verbunden als würde sie neben einem sitzen.

Für mich war dieses Buch wirklich absolut großartig zu lesen und eine der interessantesten Memoiren die ich bisher gelesen habe. Ich finde Malala einfach großartig und habe dieses Buch mit Freuden gelesen, mit ihr mitgeliefert, mitgelitten und mitgehofft. Ein total tolles Buch einer total tollen Frau.
von Katharina Grassmugg - 2026-03-19 09:51:00

Eine ganz normale außergewöhnliche junge Frau - 5 Sterne

Malala Yousafzai ist mittlerweile 28 Jahre alt, fast doppelt so alt als damals, als ihr die Taliban in den Kopf schossen, weil sie sich schon als Kind und Jugendliche, unterstützt von ihrem Vater, mutig für das Recht pakistanischer und afghanischer Mädchen auf Bildung einsetzte.

In diesem Memoir spricht sie in ihren eigenen Worten über die Zeit danach. Mit dem Mordanschlag auf sie änderte sich ihr Leben komplett: sie überlebte nur knapp, wurde mit ihrer Familie nach Birmingham in Großbritannien ausgeflogen und musste über die Jahre viele Operationen über sich ergehen lassen, um ihre Gesichtsfunktionen einigermaßen wiederherzustellen. Bis heute kann sie kaum einen Schritt machen, ohne Leibwächter hinter sich zu haben, denn die Taliban haben die Drohung, sie zu ermorden, schon mehrmals wiederholt. Gleichzeitig öffneten sich ein neues Leben und neue Perspektiven für sie als Botschafterin für Mädchenbildung und Friedensnobelpreisträgerin.

Offen und persönlich erzählt Malala in diesem Buch von ihren Hoffnungen und Träumen, von ihren Erfolgen und Rückschlägen, und von dem großen Spagat, den es erfordert, einerseits eine weltberühmte Bildungsbotschafterin und Friedensnobelpreisträgerin zu sein, ständig in dieser Mission um die Welt zu fliegen, dabei Geld für ihre Familie und Verwandtschaft zu verdienen und gleichzeitig zu versuchen, eine ganz normale junge Frau zu sein, zur High School zu gehen und dann in Oxford zu studieren, Freundschaften zu knüpfen, tanzen zu gehen, und sich vor einem nach wie vor kulturell sehr konservativen Hintergrund zu verlieben, mit einer tiefgehenden Skepsis gegenüber der Institution Ehe und allem, was damit einhergehen kann.

Wir begleiten Malala durch eine einsame Zeit im britischen Schulsystem, erst einmal ohne Freundinnen. Wir erleben ihre Schwierigkeiten damit, in diesem neuen Schulsystem und auch auf der Uni, wo Verständnis viel wichtiger ist als in Pakistan, wo es nur um Auswendiglernen, ging, zurechtzukommen, selbständig ihre Defizite zu beheben und überhaupt neben all ihren anderen Aufgaben genug Zeit für akademische Belange zu finden.

In Malalas Herkunftskultur ist das Konzept, auf die eigene psychische Gesundheit zu achten, ein noch nicht sehr verbreitetes und so dauert es einige Zeit, bis ihr bewusst wird, dass sie unter Panikattacken und einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, doch dann nimmt sie mutig Psychotherapie in Anspruch. Eine von ihr gegründete Mädchenschule im ländlichen Pakistan wird auch eine der ersten sein, in der es zusätzlich das Angebot einer psychosozialen Beratung gibt, die von den Mädchen begeistert angenommen wird.

Doch es gibt auch herbe Rückschläge: wie bekannt ist, haben die Taliban Afghanistan nach dem Rückzug der amerikanischen Truppen wieder für sich eingenommen und seitdem werden Mädchen und Frauen dort wieder stark unterdrückt und aus dem Berufsleben, der Öffentlichkeit und von Bildung ausgeschlossen. Sehr traurig für die Welt und auch für Malala und ihren Einsatz für Mädchenbildung!

Sie erzählt auch, wie sehr diese Entwicklungen sie getroffen haben und wie desillusionierend es für sie war, wie wenig es auf der Welt um Information und wie viel es um Macht zu gehen scheint und wie viel Online-Hass sie immer wieder für ihre Auftritte erntet, doch ist sie entschlossen, ihren tapferen Kampf für eine bessere Welt weiterzuführen.

Das Buch ist in eher einfacher Sprache verfasst, doch gerade das macht es sehr authentisch und für viele Menschen überall auf der Welt zugänglich. Es braucht keine akademische Bildung, um Malalas Geschichte zu verstehen und sich von ihr berührt zu fühlen. Besonders berührt hat mich, wie diese mutige junge Frau gleichzeitig in so vielen anderen Bereichen einfach ein ganz normales Mädchen und eine ganz normale heranwachsende Frau ist: eine, die Freude am Leben hat, mit Freundinnen lacht, gerne tanzt und sich verliebt. Auch ihre Familie lernen wir ein bisschen kennen, genauso wie ihre tiefe Liebe zur Heimat, die sie nach einigen Jahren unter strengen Auflagen und gut geschützt kurz wieder besuchen kann.

Insgesamt ist es ein sehr berührendes Werk, das ich einer breiten Leserschaft wärmstens empfehlen kann.
von Eternal-Hope - 2026-01-22 16:04:00