Rezensionen
Der Fährmann
Roman | Freundschaft und Neid, Liebe und Schuld – und eine Gemeinschaft, die der Nationalismus entzweit
Autor: Regina Denk
Erschienen 2026 bei Droemer
ISBN 978-3-426-56628-2
Die Fehler der Vergangenheit und ihre Wiederholungsgefahr - 5 Sterne
Ende des 19. Jahrhunderts werden vier Kinder geboren, deren Leben in den nächsten Jahren untrennbar miteinander verknüpft werden sollten, auf gute und auch schlechte Weise.
Das Buch ist anders als erwartet, aber hat mich dadurch sehr positiv überrascht. Statt nur über den Fährmann zu berichten, wird die Geschichte aus allen vier Perspektiven erzählt, über die Jahre hinweg. Dies hat den großen Vorteil, dass die Charaktere mehr Tiefe bekommen, man verschiedene Blickwinkel erhält und sich die Handlung auf die wichtigsten Ereignisse fokussiert.
Während ich sonst bei diesem Stilelement immer eine favorisierte Perspektive habe, hatte ich dieses Gefühl hier gar nicht, jeder Charakter hatte seinen eigenen Reiz, auch die inhaltlich schweren Kapitel waren doch irgendwie auch wichtig.
Dies soll auch vorweg gesagt werden, das Buch ist keine leichte Kost, Themen wie häusliche Gewalt, Missbrauch und Krieg sind allgegenwärtig und werden auch nicht beschönigt.
Gerade deswegen rüttelt es den Leser aber umso mehr wach, man ist emotional voll dabei und zieht unweigerlich auch öfters Parallelen und Vergleiche zu unserer heutigen Zeit.
Durch die Geschichte zieht sich so auch der Fluss, der schön und einladend aussieht, aber unter seiner Oberfläche Gefahren und Tod verbirgt, ähnlich wie das Buch selbst und einige der Charaktere.
Wir bekommen einen authentischen Einblick in das Leben der damaligen Zeit, in die Bauernhöfe, das Wirtshaus und in das Fährgeschäft. Der Schreibstil passt dabei super zu der Zeit und auch dem Handlungsort, was sich auch im Dialekt der Dialoge widerspiegelt.
Die Charaktere sind nicht eindimensional, sondern wir erleben Stück für Stück mit, warum ihr Leben so verläuft, welche Erlebnisse dazu geführt und ihre Persönlichkeit geprägt haben.
Lediglich manchmal erschienen mir manche von ihnen jedoch ein wenig Schwarz-Weiß, Gut und Böse waren teils sehr deutlich dargestellt.
Sehr gut dargestellt ist jedoch die Rolle der Frau zu der damaligen Zeit: Die Beziehungen der Mütter zu ihren Kindern, die Erwartungen an eine Ehefrau, die ständigen Vorurteile und Diskriminierungen wenn man aus der Rolle fällt, die Machtlosigkeit, die Freundschaften und (fehlende) weibliche Solidarität... das alles war sehr emotional zu lesen und hat auch heute noch Relevanz, genau wie das Plädoyer gegen den Krieg.
Manche Kleinigkeiten waren vielleicht ein wenig unrealistisch, aber überwiegend war dies nicht der Fall, sodass mich diese Ausnahmen auch nicht gestört haben.
Das Buch nimmt einen gefangen wie der Fluss, man gerät in einen Lesesog und kommt am Ende lebend heraus, aber emotional aufgewühlt und mit vielen Gedanken im Kopf.
Das Buch ist anders als erwartet, aber hat mich dadurch sehr positiv überrascht. Statt nur über den Fährmann zu berichten, wird die Geschichte aus allen vier Perspektiven erzählt, über die Jahre hinweg. Dies hat den großen Vorteil, dass die Charaktere mehr Tiefe bekommen, man verschiedene Blickwinkel erhält und sich die Handlung auf die wichtigsten Ereignisse fokussiert.
Während ich sonst bei diesem Stilelement immer eine favorisierte Perspektive habe, hatte ich dieses Gefühl hier gar nicht, jeder Charakter hatte seinen eigenen Reiz, auch die inhaltlich schweren Kapitel waren doch irgendwie auch wichtig.
Dies soll auch vorweg gesagt werden, das Buch ist keine leichte Kost, Themen wie häusliche Gewalt, Missbrauch und Krieg sind allgegenwärtig und werden auch nicht beschönigt.
Gerade deswegen rüttelt es den Leser aber umso mehr wach, man ist emotional voll dabei und zieht unweigerlich auch öfters Parallelen und Vergleiche zu unserer heutigen Zeit.
Durch die Geschichte zieht sich so auch der Fluss, der schön und einladend aussieht, aber unter seiner Oberfläche Gefahren und Tod verbirgt, ähnlich wie das Buch selbst und einige der Charaktere.
Wir bekommen einen authentischen Einblick in das Leben der damaligen Zeit, in die Bauernhöfe, das Wirtshaus und in das Fährgeschäft. Der Schreibstil passt dabei super zu der Zeit und auch dem Handlungsort, was sich auch im Dialekt der Dialoge widerspiegelt.
Die Charaktere sind nicht eindimensional, sondern wir erleben Stück für Stück mit, warum ihr Leben so verläuft, welche Erlebnisse dazu geführt und ihre Persönlichkeit geprägt haben.
Lediglich manchmal erschienen mir manche von ihnen jedoch ein wenig Schwarz-Weiß, Gut und Böse waren teils sehr deutlich dargestellt.
Sehr gut dargestellt ist jedoch die Rolle der Frau zu der damaligen Zeit: Die Beziehungen der Mütter zu ihren Kindern, die Erwartungen an eine Ehefrau, die ständigen Vorurteile und Diskriminierungen wenn man aus der Rolle fällt, die Machtlosigkeit, die Freundschaften und (fehlende) weibliche Solidarität... das alles war sehr emotional zu lesen und hat auch heute noch Relevanz, genau wie das Plädoyer gegen den Krieg.
Manche Kleinigkeiten waren vielleicht ein wenig unrealistisch, aber überwiegend war dies nicht der Fall, sodass mich diese Ausnahmen auch nicht gestört haben.
Das Buch nimmt einen gefangen wie der Fluss, man gerät in einen Lesesog und kommt am Ende lebend heraus, aber emotional aufgewühlt und mit vielen Gedanken im Kopf.
von Ryria - 2026-05-03 23:32:00
Düster, intensiv und lange nachhallend - 5 Sterne
Der Fährmann ist ein Buch, das sich deutlich von vielen anderen abhebt – und genau das macht für mich seinen besonderen Reiz aus. Der Schreibstil ist zu Beginn noch etwas gewöhnungsbedürftig, doch je weiter man liest, desto mehr entfaltet er seine Wirkung. Mit der Zeit habe ich ihn nicht nur akzeptiert, sondern wirklich zu schätzen gelernt.
Die Geschichte selbst ist düster und atmosphärisch dicht erzählt. Sie beschönigt nichts, sondern zeigt die harte Realität der damaligen Zeit in all ihren Facetten. Themen wie Gewalt, Untreue und die Auswirkungen des Krieges werden offen dargestellt und tragen zur eindringlichen Wirkung der Handlung bei.
Angesiedelt ist die Geschichte an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, was sich auch in den Dialogen widerspiegelt. Der eingesetzte Dialekt verleiht dem Ganzen zusätzliche Authentizität und unterstreicht die besondere Atmosphäre des Settings.
Erzählt wird aus den Perspektiven von Hannes, Josef, Elisabeth und Annemarie. Sie alle verbindet ihre Heimat und ein enges Geflecht an Beziehungen, und doch könnten ihre Lebenswege und Entwicklungen kaum unterschiedlicher sein. Gerade diese Vielschichtigkeit macht die Geschichte besonders spannend.
Dieses Buch ist sicherlich keine leichte Kost und auch nicht darauf ausgelegt, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen oder die Vergangenheit zu romantisieren. Stattdessen überzeugt es durch seine schonungslose Ehrlichkeit und emotionale Tiefe. Für mich ein gelungenes und eindringliches Werk, das noch lange nachwirkt und das ich definitiv weiterempfehlen kann.
Die Geschichte selbst ist düster und atmosphärisch dicht erzählt. Sie beschönigt nichts, sondern zeigt die harte Realität der damaligen Zeit in all ihren Facetten. Themen wie Gewalt, Untreue und die Auswirkungen des Krieges werden offen dargestellt und tragen zur eindringlichen Wirkung der Handlung bei.
Angesiedelt ist die Geschichte an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, was sich auch in den Dialogen widerspiegelt. Der eingesetzte Dialekt verleiht dem Ganzen zusätzliche Authentizität und unterstreicht die besondere Atmosphäre des Settings.
Erzählt wird aus den Perspektiven von Hannes, Josef, Elisabeth und Annemarie. Sie alle verbindet ihre Heimat und ein enges Geflecht an Beziehungen, und doch könnten ihre Lebenswege und Entwicklungen kaum unterschiedlicher sein. Gerade diese Vielschichtigkeit macht die Geschichte besonders spannend.
Dieses Buch ist sicherlich keine leichte Kost und auch nicht darauf ausgelegt, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen oder die Vergangenheit zu romantisieren. Stattdessen überzeugt es durch seine schonungslose Ehrlichkeit und emotionale Tiefe. Für mich ein gelungenes und eindringliches Werk, das noch lange nachwirkt und das ich definitiv weiterempfehlen kann.
von Julia - 2026-04-18 09:20:00
Ein sprachlicher und inhaltlicher Donnerschlag, der mich noch immer festhält - 5 Sterne
Ich schreibe diese Rezension drei Wochen nach Ende der Lektüre und mein Körper reagiert beim Hineindenken direkt wieder intensiv auf die Geschichte. Mit historischen Romanen hab ich sprachlich oft meine Schwierigkeiten, aber Regina Denk ist nun schon wiederholt so positiv besprochen worden, dass ich ihrem neuen Werk gern eine Chance geben wollte. Und diese hätte gar nicht besser genutzt werden können!
Denk beherrscht ihr Handwerk auf schlicht bemerkenswerte Weise. Sie schafft sprachlich eine dichte Atmosphäre, der sich ihre Leser*innen unmöglich entziehen können. Dabei trifft sie nicht nur den Ton dieser Zeit mit bewundernswerter Präzision, sondern transportiert auch zwischen den Zeilen eine Fülle an Details und Emotionen.
Die Geschichte ist dabei alles andere als leicht und in ihrer Danksagung bzw. auf Social Media erklärt Denk auch, warum sie sich für diese in jedem Sinne gewaltige Erzählung entschieden hat. Ich habe übrigens erst nach dem Lesen erfahren, dass sie mit dem Titel in Kontrast zum Inhalt (der sich weniger um Männer als um die Frauen dreht) auch schon eine politische Botschaft vermitteln will. Denn wem wird am ehesten eine Heldenrolle zugeschrieben, unabhängig von der tatsächlichen Leistung?
Und das führt sie makellos auf 380 Seiten fort. Sie bleibt als Autorin zwar im Hintergrund, aber ich habe immer wieder ein gutes Gefühl dafür bekommen, was ihre Meinung zu Dingen wie Krieg, Militärdienst, Nationalismus und patriarchale Prägung ist. Diesen Bogen so elegant zu schlagen zwischen einer historischen Geschichte und allem, was heute in ähnlicher Weise wieder oder immer noch Relevanz hat, zeugt von purem Talent.
Die Handlung ist spannend gestrickt und wechselt in gutem Tempo zwischen den vier Figuren mit einem starken Fokus auf die Frauen der Geschichte. Ihre Resilienz, Solidarität und Beständigkeit haben mir viel abverlangt - vor allem aber die Gewalt, die sie erfahren.
Und das ist für mich wirklich der einzige Grund, aus dem ich nicht mit vollen 5 Sternen bewerte. Ich kann total verstehen, warum Regina Denk hier auch explizit geworden ist. Mich hat es aber besonders am Ende schlicht ein wenig überfordert. Die Intensität ist enorm, was allerdings auch dazu führt, dass ich die Geschichte nicht mehr vergessen werde. Deshalb verbleibe ich mit einer unbedingten Empfehlung und dem Hinweis, sich zu wappnen. Diese Autorin hat einen Platz auf allen Bühnen dieser Welt verdient - schaut sie euch an, auch wenn ihr mit historischen Settings wie ich vielleicht gar nicht so viel anfangen könnt.
4,5 Sterne
Denk beherrscht ihr Handwerk auf schlicht bemerkenswerte Weise. Sie schafft sprachlich eine dichte Atmosphäre, der sich ihre Leser*innen unmöglich entziehen können. Dabei trifft sie nicht nur den Ton dieser Zeit mit bewundernswerter Präzision, sondern transportiert auch zwischen den Zeilen eine Fülle an Details und Emotionen.
Die Geschichte ist dabei alles andere als leicht und in ihrer Danksagung bzw. auf Social Media erklärt Denk auch, warum sie sich für diese in jedem Sinne gewaltige Erzählung entschieden hat. Ich habe übrigens erst nach dem Lesen erfahren, dass sie mit dem Titel in Kontrast zum Inhalt (der sich weniger um Männer als um die Frauen dreht) auch schon eine politische Botschaft vermitteln will. Denn wem wird am ehesten eine Heldenrolle zugeschrieben, unabhängig von der tatsächlichen Leistung?
Und das führt sie makellos auf 380 Seiten fort. Sie bleibt als Autorin zwar im Hintergrund, aber ich habe immer wieder ein gutes Gefühl dafür bekommen, was ihre Meinung zu Dingen wie Krieg, Militärdienst, Nationalismus und patriarchale Prägung ist. Diesen Bogen so elegant zu schlagen zwischen einer historischen Geschichte und allem, was heute in ähnlicher Weise wieder oder immer noch Relevanz hat, zeugt von purem Talent.
Die Handlung ist spannend gestrickt und wechselt in gutem Tempo zwischen den vier Figuren mit einem starken Fokus auf die Frauen der Geschichte. Ihre Resilienz, Solidarität und Beständigkeit haben mir viel abverlangt - vor allem aber die Gewalt, die sie erfahren.
Und das ist für mich wirklich der einzige Grund, aus dem ich nicht mit vollen 5 Sternen bewerte. Ich kann total verstehen, warum Regina Denk hier auch explizit geworden ist. Mich hat es aber besonders am Ende schlicht ein wenig überfordert. Die Intensität ist enorm, was allerdings auch dazu führt, dass ich die Geschichte nicht mehr vergessen werde. Deshalb verbleibe ich mit einer unbedingten Empfehlung und dem Hinweis, sich zu wappnen. Diese Autorin hat einen Platz auf allen Bühnen dieser Welt verdient - schaut sie euch an, auch wenn ihr mit historischen Settings wie ich vielleicht gar nicht so viel anfangen könnt.
4,5 Sterne
von nessabo - 2026-04-12 20:35:00
Mitreißend wie der Fluss - 5 Sterne
Schon nach wenigen Seiten spüre ich die Verbundenheit und die Liebe der Autorin zu ihrer Heimat. Dabei ist die Geschichte kein Heimatroman im üblichen Sinn, in denen man von Intrigen und Lügen, aber auch von viel Liebe lesen kann.
Der Roman von Regina Denk geht zurück in den Anfang des 20. Jahrhunderts, dorthin, wo der Salzach die Grenze bildet zwischen Österreich und Deutschland, mit den Ortschaften Hohenwart und Siegering.
„Vier junge Menschen… Ihre Schicksale sind fest miteinander verwoben: durch Freundschaft und Liebe, durch Traditionen und Verpflichtungen.“ So steht es in der Buchbeschreibung. Einer der vier Menschen ist Hannes, Titelfigur und Hauptprotagonist. Alles, was die vier Menschen aus den beiden Nachbarorten schon in Kindheit und Jugend über die Grenzen hinaus verbindet, beschreibt die Autorin in einem fesselnden, der Zeit entsprechenden großartigen Erzählstil.
Aufwühlend, mitreißend und spannend liest sich die Geschichte, die mich nicht loslässt. Bald schon habe ich das Gefühl, die Menschen, die zu der damaligen Zeit dort lebten, hatten kaum eine eigene Meinung. Sie leben nach einem vorgegebenen Plan, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Vor allem die Frauen kommen dabei nicht gut weg, müssen vieles ertragen. Worte wie Zufriedenheit und Glück scheinen nicht zu existieren. In meinem Kopfkino sehe ich keine Farben, alles ist düster und grau.
„Ihr Körper, ihre Seele, es kam ihr vor, als wäre alles zu einer einzigen Narbe verwachsen.“ Mit Sätzen dieser Art gelingt es der Autorin immer wieder, den Schmerz fast körperlich fühlbar werden zu lassen.
Nur sehr wenige Glücksmomente hellen die Geschichte auf, und wenn, dann ist der Fährmann Hannes daran beteiligt, dessen Aufgabe es ist, die Menschen gefahrlos von einem Ufer der Salzach an das andere zu bringen.
Selten erkenne ich in einem Cover die Geschichte. „Der Fährmann“, der groß und fest als Titel in dem reißenden Fluss und der düsteren Landschaft zu sehen ist, beschreibt die Geschichte für mich mit einem einzigen Bild.
„Der Fährmann“ beschreibt ein Stück Geschichte und ist ein großartiger Roman, der auf jeden Fall zu den Highlights des Jahres zählt.
Der Roman von Regina Denk geht zurück in den Anfang des 20. Jahrhunderts, dorthin, wo der Salzach die Grenze bildet zwischen Österreich und Deutschland, mit den Ortschaften Hohenwart und Siegering.
„Vier junge Menschen… Ihre Schicksale sind fest miteinander verwoben: durch Freundschaft und Liebe, durch Traditionen und Verpflichtungen.“ So steht es in der Buchbeschreibung. Einer der vier Menschen ist Hannes, Titelfigur und Hauptprotagonist. Alles, was die vier Menschen aus den beiden Nachbarorten schon in Kindheit und Jugend über die Grenzen hinaus verbindet, beschreibt die Autorin in einem fesselnden, der Zeit entsprechenden großartigen Erzählstil.
Aufwühlend, mitreißend und spannend liest sich die Geschichte, die mich nicht loslässt. Bald schon habe ich das Gefühl, die Menschen, die zu der damaligen Zeit dort lebten, hatten kaum eine eigene Meinung. Sie leben nach einem vorgegebenen Plan, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Vor allem die Frauen kommen dabei nicht gut weg, müssen vieles ertragen. Worte wie Zufriedenheit und Glück scheinen nicht zu existieren. In meinem Kopfkino sehe ich keine Farben, alles ist düster und grau.
„Ihr Körper, ihre Seele, es kam ihr vor, als wäre alles zu einer einzigen Narbe verwachsen.“ Mit Sätzen dieser Art gelingt es der Autorin immer wieder, den Schmerz fast körperlich fühlbar werden zu lassen.
Nur sehr wenige Glücksmomente hellen die Geschichte auf, und wenn, dann ist der Fährmann Hannes daran beteiligt, dessen Aufgabe es ist, die Menschen gefahrlos von einem Ufer der Salzach an das andere zu bringen.
Selten erkenne ich in einem Cover die Geschichte. „Der Fährmann“, der groß und fest als Titel in dem reißenden Fluss und der düsteren Landschaft zu sehen ist, beschreibt die Geschichte für mich mit einem einzigen Bild.
„Der Fährmann“ beschreibt ein Stück Geschichte und ist ein großartiger Roman, der auf jeden Fall zu den Highlights des Jahres zählt.
von liesmal - 2026-04-11 17:01:00
"Dorfleben" - 5 Sterne
Atmosphärisch dicht führt uns dieses Buch in eine Zeit, die eigentlich noch nicht soo weit entfernt ist. Hat sich in den letzten 100 Jahren wirklich so viel verändert? Die Grundthemen, die unseren Alltag bestimmen, sind dieselben geblieben. Nämlich die Verpflichtungen anderen gegenüber, die Arbeit, die Brüchigkeit von Freundschaften und natürlich die Liebe.
Was auf den ersten Blick wie ein Heimatroman erscheint, entpuppt sich als vielschichtige Tragödie. Erzählt in einer eigenen, besonderen Sprache.
Das Buch ist wie ein Sog der einen mitreißt und nicht eher loslässt, als man an der letzten Seite angelangt ist.
Große Empfehlung!
Was auf den ersten Blick wie ein Heimatroman erscheint, entpuppt sich als vielschichtige Tragödie. Erzählt in einer eigenen, besonderen Sprache.
Das Buch ist wie ein Sog der einen mitreißt und nicht eher loslässt, als man an der letzten Seite angelangt ist.
Große Empfehlung!
von HEYN Leserunde, Manuela Meierhofer - 2026-04-05 09:42:00
Der Fährmann - 4 Sterne
Mit großer erzählerischer Kraft beschreibt Regina Denk das Leben einfacher Bauern am Beginn des 20.Jahrhunderts .
In einer Gesellschaft in der Männer wüten dürfen und Frauen sich ducken müssen,
übersteht die Freundschaft dreier Menschen selbst bitterste Erfahrungen .
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil man darin die Lebensrealität auch unserer Großeltern und Urgroßeltern wiederfindet.
In einer Gesellschaft in der Männer wüten dürfen und Frauen sich ducken müssen,
übersteht die Freundschaft dreier Menschen selbst bitterste Erfahrungen .
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil man darin die Lebensrealität auch unserer Großeltern und Urgroßeltern wiederfindet.
von Margit Pircher aus der Athesia-Filiale in Algund - 2026-04-02 12:23:39
Packend, berührend, historisch interessant - 5 Sterne
Die Geschichte führt uns in eine malerische Gegend an der deutsch-österreichischen Grenze zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts. Die Salzach trennt hier nicht nur zwei Dörfer, sondern gleich zwei Länder.
Und hier wachsen Hannes, Elisabeth und Annemarie auf. Die drei verbindet von früher Kindheit an eine enge Freundschaft. Aber Kindheit endet früh zu jenen Zeiten.
Für Hannes, jüngster Sohn eines armen Bauern, steht sein späteres Betätigungsfeld schon lange fest. Er wird wie sein Onkel Fährmann werden. Eine wichtige Aufgabe, ist er doch das Verbindungsglied zwischen den Menschen hüben und drüben vom Fluss. Tag und Nacht muss er bereitstehen, bekommt dafür keinen festgelegten Lohn, sondern ist auf die Großzügigkeit seiner Fahrgäste angewiesen. Doch das ist noch nicht mal das Schlimmste: Ein Fährmann darf nicht heiraten, damit im Falle seines Todes seine Witwe und seine Kinder nicht der Allgemeinheit zur Last fallen. Hannes fügt sich, auch wenn er andere Träume hat. Dabei weiß er um die Gefährlichkeit seines Berufes, der Fluss ist unberechenbar. Das hat er schon als Kind erfahren müssen, als er beinahe ertrunken ist und danach wochenlang auf Leben und Tod lag. Damals haben die Menschen beider Dörfer um seine Gesundung gebetet. Hannes ist dankbar, Gott und der ganzen Gemeinschaft gegenüber und übernimmt auch aus diesem Grund die notwendige Aufgabe des Fährmanns.
Obwohl er Elisabeth liebt und sie gerne heiraten würde.
Die erwidert seine Gefühle, doch auch für sie ist ein anderer Lebensweg vorgezeichnet. Sie soll nach dem Wunsch zweier Väter Josef heiraten, Sohn eines Großbauern. Ehen werden zu diesen Zeiten oftmals nicht aus Liebe geschlossen, sondern aus ganz pragmatischen Gründen. In diesem Fall: Geld zu Geld, Acker zu Acker.
Elisabeth fügt sich ebenfalls den gesellschaftlichen Konventionen und dem Willen ihrer Eltern und heiratet Josef. Es erwarten sie schlimme Jahre. Auf dem Hof regiert der Altbauer als absoluter Herrscher, mit brutaler Gewalt. Sogar Josef, der einmal den Hof übernehmen soll, behandelt er wie einen Knecht. Und Josef entwickelt sich zu einem genauso unbarmherzigen Menschen wie sein Vater.
Auch Annemarie lässt bald die unbeschwerten Kindheitstage hinter sich. Schon früh muss sie in der elterlichen Wirtschaft mithelfen. Dabei hat sie gelernt, immer freundlich zu den Gästen zu sein, auch wenn die Männer dabei zudringlich werden. Josef ist einer davon. Er kommt sogar noch zu ihr, als er schon längst verheiratet ist und sie gegen ihren Willen zum Beischlaf zwingt. Doch was soll sie tun?
Auch bei ihr, wie bei Elisabeth, zeigt sich, dass Frauen in dieser patriarchalen Gesellschaft keine Stimme haben. Solidarität erfahren sie nicht mal von ihren Müttern, die lieber wegschauen bzw. ihre Töchter zwingen, ihre Rolle klaglos anzunehmen.
Dann kommt der Krieg und vieles ändert sich.
Hannes hat Glück: Seine Stellung als Fährmann ist so wichtig, dass er nicht eingezogen wird. Josef dagegen ist einer der Ersten, der sich freiwillig meldet. Das Soldatentum entspricht so ganz seiner Vorstellung von Männlichkeit.
Bald fehlen auf den Höfen die Männer. Das ist die Stunde der Frauen. „Sie wuchsen, nach oben, nach links und nach rechts, in Winkel, die sonst niemand erreichen konnte, breiteten sich aus, nahmen Platz ein, weil niemand mehr da war, der ihn für sich beanspruchte…“
Elisabeth hofft, dass Josef nicht mehr aus dem Krieg heimkommt . Zu furchtbar war für sie die Zeit mit ihm. Und vielleicht wäre dann ein gemeinsames Leben mit Hannes möglich.
Doch Josef kehrt zurück, schwer versehrt, aber grausamer denn je. Eine Katastrophe zeichnet sich ab.
Regina Denk beschreibt bilderreich und voller eindringlicher Szenen eine vergangene Welt. Dabei fängt sie die Atmosphäre stimmig ein. Das Leben verläuft hier in engen vorgegebenen Bahnen, ein Ausbrechen aus den Konventionen ist kaum möglich. Männer bestimmen zwar den Alltag der Frauen, doch Freiräume gibt es für sie ebenfalls nicht viel. Dazu sind die Lebensbedingungen zu hart. Außerdem legen Tradition und Religion die Regeln fest für beide Geschlechter.
Das vorangestellte Zitat von Erich Maria Remarque verweist auf ein weiteres Thema des Roman. Auch wenn die erzählte Zeit bereits im Jahr 1915 endet, so sind die Verheerungen des Krieges schon überall spürbar. Bald hat jedes Haus Verluste zu beklagen. Und Josef hat nach seiner Rückkehr Albträume, in denen ihn seine auf dem Feld begangenen Taten heimsuchen.
Regina Denk beherrscht ihr Handwerk. Sie arbeitet mit Cliffhängern und versteht es auch sonst Spannung zu erzeugen. Dabei erspart sie ihren Figuren und ihrer Leserschaft nichts. Mancher Schicksalsschlag, manche Wendung ist kaum erträglich. Das Ende war mir dann etwas zu viel Dramatik, doch das hat den positiven Leseeindruck nur unwesentlich geschmälert.
Besonders hervorzuheben ist die Sprachmacht der Autorin, die sich am stärksten in den mit „Anderswo“ gekennzeichneten Einschüben zeigt. Hier erhält der Fluss eine zentrale metaphorische Rolle. Der Fluss, der mal ruhig dahinplätschert, mal wild sich aufbäumt, in dessen Tiefen sich Abgründe verbergen. Ebenso ist die Figur des Fährmanns symbolisch zu deuten: Der Fährmann als Verbindungsglied zwischen Menschen, Dörfern und Ländern, zwischen Leben und Tod. So war Hannes für Elisabeth „ der Mann, der die Brücke zwischen ihnen war, so wie der Josef den Graben ausmachte.“
Der Roman endet versöhnlich und mit der Hoffnung, dass die Menschen aus ihren Fehlern lernen und die Jungen es einmal besser machen. Wir wissen allerdings, dass auf den Ersten ein Zweiter Weltkrieg folgt.
Regina Denk hat mit „ Der Fährmann“ einen unglaublich packenden Roman geschrieben, der eine berührende Liebesgeschichte vor historisch interessantem Hintergrund erzählt.
von Ruth - 2026-03-26 20:59:00
Wo der Fluss alles sieht - 5 Sterne
Der Fluss ist dunkel, schwer und unberechenbar. Die Strömung zieht unter der Oberfläche, still und doch voller Kraft. Ein Boot löst sich vom Ufer, ein Mann setzt über – hin und zurück, immer wieder, Tag für Tag. Und während er Menschen über die Salzach bringt, trägt der Fluss ihre Geheimnisse mit sich.
„Der Fährmann“ von Regina Denk ist eines meiner Highlights des 1. Quartals 2026! Dieser Roman erzählt nicht nur eine Geschichte. Er erschafft eine Welt. Eine Welt voller Spannungen, Sehnsüchte und dunkler Abgründe.
Die Handlung spielt an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Zwei Dörfer liegen sich an der Salzach gegenüber und sind enger miteinander verbunden, als man zunächst glaubt. Mittendrin steht Hannes, der Fährmann. Sein Leben gehört dem Fluss – und den Menschen, die er täglich ans andere Ufer bringt. Doch dieser Beruf verlangt einen hohen Preis: Ein Fährmann darf nicht heiraten.
Das macht seine Liebe zu Elisabeth unmöglich. Sie wiederum wird aus wirtschaftlichen Gründen mit Josef verheiratet, dem Sohn eines wohlhabenden Bauern. Gleichzeitig trägt Annemarie, Elisabeths Freundin, ihre eigenen Gefühle und Enttäuschungen mit sich herum. Aus diesem Geflecht entsteht eine Geschichte über unerfüllte Liebe, Neid, Loyalität und Gewalt – während im Hintergrund der Krieg näher rückt und die fragile Ordnung der Dörfer zu zerbrechen droht.
Regina Denk gelingt es, ihre Figuren so lebendig zu zeichnen, dass man ihnen beim Lesen sehr nahe kommt. Ihre Entscheidungen sind nicht immer nachvollziehbar – aber immer menschlich. Besonders erschütternd ist die Figur des Josef. Seine Brutalität und sein Machtanspruch machen ihn zu einer der düstersten Figuren der Geschichte. Gleichzeitig zeigt der Roman auch, wie sehr Gewalt oft aus Gewalt entsteht.
Am meisten berührt haben mich jedoch Elisabeth und Annemarie. In einer Welt, die von Männern bestimmt wird, müssen sie Wege finden, mit ihren begrenzten Möglichkeiten zu überleben. Ihre Geschichten sind voller Schmerz, aber auch voller Stärke.
Regina Denk schreibt poetisch, atmosphärisch und unglaublich bildhaft. Ihre Sätze sind oft lang und rhythmisch, aber nie schwerfällig. Vielmehr tragen sie einen regelrecht durch die Geschichte. Toll ist wie die Natur in die Erzählung eingebunden wird. Die Salzach ist weit mehr als nur eine Kulisse – sie wirkt wie eine stille Beobachterin, die das Schicksal der Menschen begleitet.
„Der Fährmann“ ist kein leichtes Buch. Einige Szenen sind schmerzhaft, manche Entwicklungen erschütternd. Gerade die Darstellung von patriarchalen Strukturen und Gewalt geht unter die Haut. Und doch entsteht daraus eine enorme Sogwirkung.
Mit „Der Fährmann“ ist ein Buch über Liebe, Schuld, Macht und die Frage, wie sehr Menschen von ihrer Zeit geprägt werden. Ein atmosphärischer, düsterer und gleichzeitig zutiefst berührender Roman – und für mich eines der stärksten Bücher dieses Jahresbeginns.
„Der Fährmann“ von Regina Denk ist eines meiner Highlights des 1. Quartals 2026! Dieser Roman erzählt nicht nur eine Geschichte. Er erschafft eine Welt. Eine Welt voller Spannungen, Sehnsüchte und dunkler Abgründe.
Die Handlung spielt an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Zwei Dörfer liegen sich an der Salzach gegenüber und sind enger miteinander verbunden, als man zunächst glaubt. Mittendrin steht Hannes, der Fährmann. Sein Leben gehört dem Fluss – und den Menschen, die er täglich ans andere Ufer bringt. Doch dieser Beruf verlangt einen hohen Preis: Ein Fährmann darf nicht heiraten.
Das macht seine Liebe zu Elisabeth unmöglich. Sie wiederum wird aus wirtschaftlichen Gründen mit Josef verheiratet, dem Sohn eines wohlhabenden Bauern. Gleichzeitig trägt Annemarie, Elisabeths Freundin, ihre eigenen Gefühle und Enttäuschungen mit sich herum. Aus diesem Geflecht entsteht eine Geschichte über unerfüllte Liebe, Neid, Loyalität und Gewalt – während im Hintergrund der Krieg näher rückt und die fragile Ordnung der Dörfer zu zerbrechen droht.
Regina Denk gelingt es, ihre Figuren so lebendig zu zeichnen, dass man ihnen beim Lesen sehr nahe kommt. Ihre Entscheidungen sind nicht immer nachvollziehbar – aber immer menschlich. Besonders erschütternd ist die Figur des Josef. Seine Brutalität und sein Machtanspruch machen ihn zu einer der düstersten Figuren der Geschichte. Gleichzeitig zeigt der Roman auch, wie sehr Gewalt oft aus Gewalt entsteht.
Am meisten berührt haben mich jedoch Elisabeth und Annemarie. In einer Welt, die von Männern bestimmt wird, müssen sie Wege finden, mit ihren begrenzten Möglichkeiten zu überleben. Ihre Geschichten sind voller Schmerz, aber auch voller Stärke.
Regina Denk schreibt poetisch, atmosphärisch und unglaublich bildhaft. Ihre Sätze sind oft lang und rhythmisch, aber nie schwerfällig. Vielmehr tragen sie einen regelrecht durch die Geschichte. Toll ist wie die Natur in die Erzählung eingebunden wird. Die Salzach ist weit mehr als nur eine Kulisse – sie wirkt wie eine stille Beobachterin, die das Schicksal der Menschen begleitet.
„Der Fährmann“ ist kein leichtes Buch. Einige Szenen sind schmerzhaft, manche Entwicklungen erschütternd. Gerade die Darstellung von patriarchalen Strukturen und Gewalt geht unter die Haut. Und doch entsteht daraus eine enorme Sogwirkung.
Mit „Der Fährmann“ ist ein Buch über Liebe, Schuld, Macht und die Frage, wie sehr Menschen von ihrer Zeit geprägt werden. Ein atmosphärischer, düsterer und gleichzeitig zutiefst berührender Roman – und für mich eines der stärksten Bücher dieses Jahresbeginns.
von nil_liest - 2026-03-22 10:58:00
Erschütternd - 5 Sterne
Der Roman „Der Fährmann“ hat mich von Anfang an begeistert. Das historische Setting an der Salzach, zwischen Österreich und Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ist atmosphärisch dicht und wird mit einer fast märchenhaften Erzählweise verbunden, die mich sofort in die Geschichte hineingezogen hat.
Im Mittelpunkt steht die Dreiecksgeschichte zwischen Hannes, der als Fährmann nicht heiraten darf, Elisabeth, der Bauerntochter, die Josef heiraten muss, aber in Hannes verliebt ist, und Annemarie, die ebenfalls in Hannes verliebt ist. Damit entsteht ein Geflecht aus unerfüllten Hoffnungen, Loyalitäten und Verletzungen, die sich im Laufe des Romans immer weiter zuspitzen. Neben den individuellen Lebensgeschichten wird zusätzlich die gesellschaftliche Geschichte des Patriarchats, von Gewalt und dem Ersten Weltkrieg erzählt. Die politische und gesellschaftliche Zerrissenheit spiegelt sich auch in ihren persönlichen Beziehungen wider. Was zunächst wie eine Liebes- und Dorfgeschichte beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer düsteren, spannungsgeladenen Erzählung, in der Gewalt, Schuld und moralische Konflikte eine große Rolle spielen.
Ich fand den Roman stellenweise wirklich hart zu lesen, gerade wegen der drastischen Ereignisse und der emotionalen Intensität. Gleichzeitig konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, so sehr hat mich die Geschichte gepackt. Besonders berührt hat mich das Ende.Und auch die letzten Seiten und sogar die Danksagung haben bei mir noch einmal Gänsehaut ausgelöst. Wenn ein Buch so erschüttern und gleichzeitig berühren kann, bleibt es definitiv im Gedächtnis, für mich war es ein echtes Highlight.
Im Mittelpunkt steht die Dreiecksgeschichte zwischen Hannes, der als Fährmann nicht heiraten darf, Elisabeth, der Bauerntochter, die Josef heiraten muss, aber in Hannes verliebt ist, und Annemarie, die ebenfalls in Hannes verliebt ist. Damit entsteht ein Geflecht aus unerfüllten Hoffnungen, Loyalitäten und Verletzungen, die sich im Laufe des Romans immer weiter zuspitzen. Neben den individuellen Lebensgeschichten wird zusätzlich die gesellschaftliche Geschichte des Patriarchats, von Gewalt und dem Ersten Weltkrieg erzählt. Die politische und gesellschaftliche Zerrissenheit spiegelt sich auch in ihren persönlichen Beziehungen wider. Was zunächst wie eine Liebes- und Dorfgeschichte beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer düsteren, spannungsgeladenen Erzählung, in der Gewalt, Schuld und moralische Konflikte eine große Rolle spielen.
Ich fand den Roman stellenweise wirklich hart zu lesen, gerade wegen der drastischen Ereignisse und der emotionalen Intensität. Gleichzeitig konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, so sehr hat mich die Geschichte gepackt. Besonders berührt hat mich das Ende.Und auch die letzten Seiten und sogar die Danksagung haben bei mir noch einmal Gänsehaut ausgelöst. Wenn ein Buch so erschüttern und gleichzeitig berühren kann, bleibt es definitiv im Gedächtnis, für mich war es ein echtes Highlight.
von LeserinLu - 2026-03-21 16:49:00
Diesseits und jenseits des Flusses - 5 Sterne
Dieser Fluss, das ist die Salzach, die Österreich von Deutschland trennt.
Der die an ihrem Ufer liegenden Dörfer seit jeher durch ein Fähre verbindet, und durch Hannes, den Fährmann.
Diesen Fluss nimmt Regina Denk als Grundlage für ihren Roman, der in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg beginnt und das Leben von drei Kindern prägt. Annemarie und Elisabeth, die gerne am Fluss spielen, ungeachtet seiner Gefahren. Hannes, den nur eine beherzte Hand aus den Fluten der Salzach rettet und der Gott gelobt, nie mehr Unrechtes zu tun. Eine Freundschaft entsteht, die auch der Fluss nie wird trennen können.
Annemarie ist Wirtstochter auf deutscher Seite, arbeitet bereits als Kind im Gasthaus der Eltern, lernt, dass man zu den Gästen immer freundlich zu sein hat. Lernt, dass man sich gegen sexuelle Übergriffe nicht wehrt, lernt, dass man willfährig ist. So auch dem Steiner Josef gegenüber, einem Großbauern aus Österreich. Den Elisabeth heiraten soll und der in der Ehe zu einem gewalttätigen Tyrann wird, seine Frau misshandelt, aber seine Geliebte Annemarie nicht aufgibt. Und auch zu ihr brutal ist, um seinen Willen zu bekommen.
Ein Hauptthema in Regina Denks ungewöhnlich dicht gewebter und mit großer Erzählkunst geschriebener Geschichte ist die Situation der Frauen am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Die, obwohl von den Männern geschunden, auch bei den eigenen Müttern keine Zuflucht finden. Ein paar Ohrfeigen, einige blaue Flecken, das müsse man in Kauf nehmen und dem Mann recht schön tun. Eine aussichtslose Zwangslage für Annemarie und Elisabeth, die immer wieder bei Hannes Zuflucht suchen. Hannes, der Elisabeth seit seiner Kindheit liebt und erkennt, dass seine Gefühle erwidert werden. Hannes, der keine Familie haben darf, da seine Arbeit so gefährlich ist. Annemarie, die sich wünscht, dass Hannes sie lieben würde.
Als der erste Weltkrieg ausbricht, gibt es Hoffnung für Elisabeth. Josef meldet sich zum Militär. Hoffnung, dass er nie zurückkommt, auf Befreiung von Gewalt und Misshandlung. Hoffnung, dass ihre Kinder nicht mehr unter dem brutalen Vater leiden müssen. Doch die Salzach, der Fluss, der noch nie vermocht hat, Elisabeth und Hannes zu trennen, holt sich einen von Elisabeths Söhnen und über die Salzach wird ihr schwer kriegsversehrter Mann zurückgebracht, dessen Wut und Raserei keine Grenzen mehr kennt. Als Hannes sein Gott gegebenes Versprechen bricht ist es die Salzach, die helfen wird, ein Geheimnis zu bewahren.
Regina Denk hat mit “Der Fährmann” einen Roman von großer Kraft und Tiefe geschaffen. Selten werden Brutalitäten explizit beschrieben, dennoch sind die Lesenden hineingezogen in das Geschehen, fühlen die Angst der Frauen, empfinden ihren Ekel und Abscheu, genau wissend, dieser unerträglichen Situation nicht entrinnen zu können. Diese Realitätsnähe, die klare Sprache und das Aufzeigen der Bruchlinien zwischen Lebenswunsch und Wirklichkeit machen den Roman zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis. Jedes Kapitel ist mit dem Namen der jeweiligen Hauptperson und ihrem Alter überschrieben, was die Einordnung des Geschehens erleichtert. Dazwischen gibt es Einschübe, das “Anderswo” wird beschrieben. Anderswo, das ist das, was der Fluss bewirken kann, der Wunsch, in diesem Wasser zu versinken, ihm die geheimsten Wünsche anzuvertrauen und sich wegtragen zu lassen in eine andere Zeit und eine andere Welt. Es ist der Fluss, dessen Kraft die Lesenden schon auf dem Buchumschlag von Regina Denks Roman erkennen und der, unbeeindruckt von den Schicksalen der Menschen, selbst zu ihrem Schicksal wird.
“Der Fährmann” ist ein wirkmächtiges Buch, dem man sich als Lesender nicht entziehen kann, das die Schicksale der Protagonisten mit dem Fluss verbindet, dessen Wasser ihn immer wieder zu einem anderen macht, und der doch immer wieder derselbe bleibt. Ich war von diesem außergewöhnlichen Roman sehr beeindruckt, dieses Buch sollte man gelesen haben.
Der die an ihrem Ufer liegenden Dörfer seit jeher durch ein Fähre verbindet, und durch Hannes, den Fährmann.
Diesen Fluss nimmt Regina Denk als Grundlage für ihren Roman, der in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg beginnt und das Leben von drei Kindern prägt. Annemarie und Elisabeth, die gerne am Fluss spielen, ungeachtet seiner Gefahren. Hannes, den nur eine beherzte Hand aus den Fluten der Salzach rettet und der Gott gelobt, nie mehr Unrechtes zu tun. Eine Freundschaft entsteht, die auch der Fluss nie wird trennen können.
Annemarie ist Wirtstochter auf deutscher Seite, arbeitet bereits als Kind im Gasthaus der Eltern, lernt, dass man zu den Gästen immer freundlich zu sein hat. Lernt, dass man sich gegen sexuelle Übergriffe nicht wehrt, lernt, dass man willfährig ist. So auch dem Steiner Josef gegenüber, einem Großbauern aus Österreich. Den Elisabeth heiraten soll und der in der Ehe zu einem gewalttätigen Tyrann wird, seine Frau misshandelt, aber seine Geliebte Annemarie nicht aufgibt. Und auch zu ihr brutal ist, um seinen Willen zu bekommen.
Ein Hauptthema in Regina Denks ungewöhnlich dicht gewebter und mit großer Erzählkunst geschriebener Geschichte ist die Situation der Frauen am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Die, obwohl von den Männern geschunden, auch bei den eigenen Müttern keine Zuflucht finden. Ein paar Ohrfeigen, einige blaue Flecken, das müsse man in Kauf nehmen und dem Mann recht schön tun. Eine aussichtslose Zwangslage für Annemarie und Elisabeth, die immer wieder bei Hannes Zuflucht suchen. Hannes, der Elisabeth seit seiner Kindheit liebt und erkennt, dass seine Gefühle erwidert werden. Hannes, der keine Familie haben darf, da seine Arbeit so gefährlich ist. Annemarie, die sich wünscht, dass Hannes sie lieben würde.
Als der erste Weltkrieg ausbricht, gibt es Hoffnung für Elisabeth. Josef meldet sich zum Militär. Hoffnung, dass er nie zurückkommt, auf Befreiung von Gewalt und Misshandlung. Hoffnung, dass ihre Kinder nicht mehr unter dem brutalen Vater leiden müssen. Doch die Salzach, der Fluss, der noch nie vermocht hat, Elisabeth und Hannes zu trennen, holt sich einen von Elisabeths Söhnen und über die Salzach wird ihr schwer kriegsversehrter Mann zurückgebracht, dessen Wut und Raserei keine Grenzen mehr kennt. Als Hannes sein Gott gegebenes Versprechen bricht ist es die Salzach, die helfen wird, ein Geheimnis zu bewahren.
Regina Denk hat mit “Der Fährmann” einen Roman von großer Kraft und Tiefe geschaffen. Selten werden Brutalitäten explizit beschrieben, dennoch sind die Lesenden hineingezogen in das Geschehen, fühlen die Angst der Frauen, empfinden ihren Ekel und Abscheu, genau wissend, dieser unerträglichen Situation nicht entrinnen zu können. Diese Realitätsnähe, die klare Sprache und das Aufzeigen der Bruchlinien zwischen Lebenswunsch und Wirklichkeit machen den Roman zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis. Jedes Kapitel ist mit dem Namen der jeweiligen Hauptperson und ihrem Alter überschrieben, was die Einordnung des Geschehens erleichtert. Dazwischen gibt es Einschübe, das “Anderswo” wird beschrieben. Anderswo, das ist das, was der Fluss bewirken kann, der Wunsch, in diesem Wasser zu versinken, ihm die geheimsten Wünsche anzuvertrauen und sich wegtragen zu lassen in eine andere Zeit und eine andere Welt. Es ist der Fluss, dessen Kraft die Lesenden schon auf dem Buchumschlag von Regina Denks Roman erkennen und der, unbeeindruckt von den Schicksalen der Menschen, selbst zu ihrem Schicksal wird.
“Der Fährmann” ist ein wirkmächtiges Buch, dem man sich als Lesender nicht entziehen kann, das die Schicksale der Protagonisten mit dem Fluss verbindet, dessen Wasser ihn immer wieder zu einem anderen macht, und der doch immer wieder derselbe bleibt. Ich war von diesem außergewöhnlichen Roman sehr beeindruckt, dieses Buch sollte man gelesen haben.
von gabiliest - 2026-03-18 17:16:00


