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Rezensionen

Der Fährmann
Roman | Freundschaft und Neid, Liebe und Schuld – und eine Gemeinschaft, die der Nationalismus entzweit

Autor: Regina Denk

Erschienen 2026 bei Droemer eBook
ISBN 978-3-426-56629-9
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Eine klare Leseempfehlung! - 5 Sterne

Schauplatz sind die beiden Dörfer Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts, die durch den Grenzfluss Salzach in Österreich-Ungarn und Deutschland getrennt sind. Man kennt sich und heiratet über die Grenze hinüber. Der einzige, der davon ausgenommen ist der Fährmann. Er darf wegen des gefährlichen Berufs, den aber jeder braucht, keine Familie gründen. In Zeiten ohne Sozialversicherung würden seine Hinterbliebenen der jeweilige Dorfgemeinschaft zur Last fallen. Diese Ehelosigkeit führt oft dazu, dass der Fährmann ein Gspusi mit der einen oder anderen verheirateten Frau eingeht, was auch nicht ganz ungefährlich ist.

Soweit der historische Hintergrund vor dem dieser Roman spielt. Es ist auch die Zeit, in denen Frauen nichts, aber auch gar nichts zu sagen hatten, sondern möglichst viel Mitgift und Arbeitskraft in die Ehe mitbringen soll und für zahlreiche Söhne (Töchter sind nur eine Last) zu sorgen hat.

Der aktuelle Fährmann ist Hannes Winkler, ein Bauernsohn, der wegen seines älteren Bruders keine Chance hat, den elterlichen Hof zu übernehmen. Er liebt heimlich seine Jugendfreundin Elisabeth, die allerdings Josef Hofer, den Erben des größten Hofes diesseits der Salzach heiraten soll - so haben es die beiden Väter seit langem ausgemacht. Diese Entscheidung trifft nicht nur Hannes und Elisabeth, die seine Gefühle erwidert, hart, sondern auch die Wirtstochter Annemarie, Elisabeths beste Freundin, die sich Chancen auf eine Heirat mit Josef ausgerechnet hat. Doch Josef ist ein gewalttätiger Mann, der nur sein Vergnügen im Sinn hat und sich seinem ebenfalls brutalen Vater unterordnet.

Als Österreich-Ungarn an der Seite Deutschlands Serbien 1914 den Krieg erklärt, ist Josef wie Tausende andere junge Männer Feuer und Flamme für den Krieg. Man(n) verspricht, bis Weihnachten siegreich wieder zu Hause sein - das Ergebnis ist bekannt. Erst im Großen Krieg kann Josef endlich aus dem Schatten seines dominanten Vaters heraustreten. Als er dann, an Körper und Seele schwerst versehrt sowie morphiumsüchtig, auf den Hof, den Elisabeth, seine Mutter und Schwester in seiner Abwesenheit so gut wie möglich bewirtschaftet haben, zurückkehrt, bereitet er seiner Familie und da vor allem Elisabeth, die Hölle auf Erden. Das von den Frauen erwirtschaftete Geld gibt er ohne nachzudenken für Morphium aus. Er macht den Frauen Vorwürfe den Hof abgewirtschaftet zu haben. Als der erstgeborene Sohn Vinzenz verschwindet, eskaliert die unhaltbare Situation.

Meine Meinung:

Regina Denk hat mit diesem historischen Roman ein Dokument der patriarchalischen und oft archaischen Lebensart entworfen, in der die Männer über Leben und Tod ihrer Familien geherrscht haben. Die Frauen haben keinen Wert, sind oft nur ein personifiziertes Objekt, an dem man(n) sich, je nach Laune abreagieren konnte. Das muss Annemarie am eigenen Leib über sich ergehen, wie ehedem auch ihre Mutter, die Wirtin. Für die ist es selbstverständlich zur Ankurbelung des Schnapskonsums (und damit zum höheren Einkommen), ihre Tochter zu prostituieren.

Sprachlich ist der Roman ein Hochgenuss, auch wenn es für die eine oder andere Leserin schwer ist, über solche Zustände zu lesen.

Gerne hätte ich mehr über die alte Fanny gelesen, die als Kräuterfrau in einer Kate lebt. Natürlich abseits der Gemeinschaft und scheel angesehen. Ich bin sicher, hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand wird sie Hexe genannt. Dass Fanny letztendlich Annemarie als Lehrling aufnimmt und sie aus der übergriffigen Wirtsstube entkommt, ist für Annemarie eine gute Lösung.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der durch Regina Denks fesselnden Schreibstils in seiner düsteren und intensiven Art besticht, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
von Bellis-Perennis - 2026-05-01 08:42:00

Düster und beklemmend - 5 Sterne

Der Fährmann, Historischer Roman, Regina Denk Ebook, Droemer-Verlag
Schicksal, Freundschaft, Leidenschaft und Liebe. Dazu die Naturgewalt des Flusses, es hat mich förmlich mitgerissen.
Elisabeth genannt Lisi, Annemarie und Hannes sind von Kindesbeinen an befreundet, die drei waren unzertrennlich, bis die Liebe, Eifersucht und Gehorsam bzw. Pflicht der Familie gegenüber, alles zerstört. Die Großbauersttochter Lisi und Hannes lieben sich, schon als er im Kindesalter beinahe gestorben wäre, hat sie sich um ihn gesorgt. Aus Pflichtgefühl und weil es die Eltern so bestimmten, soll sie Josef heiraten, damit Geld zu Geld kommt. Josef, ein reicher Bauernsohn, der vom Vater ohne Liebe und mit starker Hand erzogen wurde jedoch, gefällt die forsche Annemarie, die schneidige und wilde Wirtstochter, die schwer schuften muss und von den Eltern angehalten wird, sich bei den männlichen Gästen anzuschmeicheln. Annemarie jedoch ist heimlich auch in den blondgelockten, fröhlichen Hannes verliebt Hannes letztendlich ist der Fährmann, der die Fähre auf der Salzach zwischen Bayern und Österreich betreibt. Der Fährmann allerdings muss ledig bleiben so will es das Gesetz, denn dieser Beruf ist so gefährlich und die Gemeinden wollen für die möglichen hinterbliebenen Angehörigen nicht aufkommen müssen. Dazwischen die Salzach, bedrohlich und reißend die, was sie einmal in ihren Fluten mitgenommen hat, sich nicht mehr entreißen lässt.
Ich habe „Der Fährmann“ geliebt, ich habe das Buch von der ersten Zeile bis zum Schlusspunkt in einem Rutsch durchgelesen, die halbe Nacht hindurch, weil ich es einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Schicksale der Personen haben mich so sehr berührt, ich habe mit ihnen gelitten und geliebt und geweint. Das Buch hat mich ordentlich mitgenommen und aufgewühlt, dies ist mir auch bei der Schwarzgeherin von selbiger Autorin passiert, hier noch etwas mehr. Unglaublich mit welcher Kraft, mit welcher Gewalt, Denk zu schreiben vermag. So bildgewaltig und stark in der Sprache, ist mir nur selten untergekommen. Ich wünschte mir, dass diese beiden Bücher verfilmt würden. Alle Figuren, die guten wie auch die Bösen sind so echt, so unglaublich gut gezeichnet, so authentisch, dass es mich z.B. bei der Beschreibung von Josef, nach seinen Kriegsverletzungen, einfach nur überzeugt hat, ich habe direkt mitgelitten. Ich habe die Angst von Lisi gespürt, die Zweifel und den Kummer vom Hannes, dies alles hat die Autorin mit einer Wortgewalt beschrieben, es hat mich zutiefst beeindruckt. Auch die Beschreibungen des Settings war überzeugend, die Hütte des Fährmanns, Kleidung und nicht zuletzt die Naturbeschreibungen haben die Bilder im Kopf befeuert. Die Kapitel „Anderswo“ die dazwischen platziert sind, sind m. E. aus der Sicht des Flusses, eine Naturgewalt aufs Papier gebracht, haben mich regelrecht mitgerissen.
Alle Figuren sind hervorragend charakterisiert, so echt und glaubwürdig, das hat mich immer wieder verblüfft, denn selbst die bösen Figuren kommen authentisch rüber, ihre Gründe für ihr Verhalten sind so glaubhaft begründet. Diese Schicksale haben mich richtig aufgewühlt. Als Warnung sollte angeführt werden, dass es sich hier um häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen handelt.
Der Fährmann kann ich jedem empfehlen, der authentische historische Bücher schätzt, natürlich all jenen die die Schwarzgeherin genossen haben, ich warte schon auf ein neues Buch der Autorin in diesem Genre. Der Fährmann wird sicherlich eines der Highlights in meinem Lesejahr sein. Leider darf ich nur 5 Sterne vergeben.
von Ele - 2026-04-21 17:58:00

Das Leben am Fluss und seine dunklen Schatten - 5 Sterne

Das Leben in den beiden kleinen Orten an der Salzach wirkt zunächst ruhig und vertraut. Die Menschen kennen sich, viele Wege führen immer wieder über den Fluss, und alte Regeln bestimmen den Alltag. Einer, der dabei eine besondere Rolle spielt, ist der Fährmann. Er verbindet die beiden Ufer und damit auch die Menschen. Doch diese scheinbar feste Ordnung wird nach und nach spürbar unsicher.
Im Mittelpunkt steht Hannes Winkler. Als Fährmann hat er eine Aufgabe, die nicht ungefährlich ist. Nach alter Regel darf er keine Familie gründen. Denn falls ihm auf dem Fluss etwas zustößt, sollen keine Frau und keine Kinder zurückbleiben. Doch sein Herz gehört schon lange Elisabeth. Sie fühlt ähnlich, ist aber einem anderen versprochen. So entsteht eine schwierige Lage, die für alle Beteiligten schwer zu tragen ist und die die Geschichte ruhig, aber deutlich prägt.
Auch das Leben in den beiden Dörfern verändert sich langsam. Was früher selbstverständlich war, beginnt sich zu verschieben. Der Erste Weltkrieg bringt Unruhe in die kleine Gemeinschaft an der Salzach. Misstrauen wächst, alte Freundschaften geraten unter Druck und manche Entscheidungen werden plötzlich von Angst, Unsicherheit und auch von Wut begleitet. Besonders unter den jungen Leuten treten Gefühle wie Neid, Enttäuschung und verletzter Stolz stärker hervor.
Als schließlich ein Kind verschwindet, gerät alles aus dem Gleichgewicht. Die Suche nach der Wahrheit lässt lange verborgene Spannungen sichtbar werden. In den Dörfern breitet sich Unruhe aus und aus einzelnen Ereignissen entsteht Schritt für Schritt ein Drama, das immer weitere Kreise zieht.
Regina Denk beschreibt das Leben an der Salzach sehr anschaulich. Die beiden Orte wirken lebendig und glaubwürdig mit ihren Höfen, den Wegen zum Fluss und den vielen kleinen Begegnungen im Alltag. Besonders die Figuren bleiben im Gedächtnis, weil ihre Gedanken und Gefühle gut nachvollziehbar sind. Ihre Hoffnungen, ihre Fehler und ihre Entscheidungen wirken echt und machen die Geschichte berührend.
Der Roman entwickelt eine ruhige, aber stetig wachsende Spannung. Die Geschichte entfaltet sich nach und nach und zeigt, wie stark Liebe, Pflicht, Neid und Schuld das Leben der Menschen prägen können. Gerade die ernste Stimmung und die glaubwürdigen Figuren sorgen dafür, noch eine Weile nachklingt. So entsteht ein eindrucksvolles Familiendrama vor historischer Kulisse, das durch seine dichte Atmosphäre und seine menschliche Nähe besonders in Erinnerung bleibt.
Fazit:
Ein ruhiger, dichter Roman über Liebe, Pflicht und Schuld in einer kleinen Gemeinschaft an der Salzach zur Zeit des Ersten Weltkriegs.
5 Sterne und eine Leseempfehlung.
von Shilo - 2026-03-08 02:20:00

Wow - 5 Sterne

Der Fuhrmann spielt vor und während des ersten Weltkrieges an einem Grenzfluß zwischen Deutschland und Österreich. Im Fokus der Geschichte stehen der Fuhrmann Hannes, die Wirtstochter Annemarie, ihre Freundin Elisabeth und der Bauerensohn Joseph. Es geht um Liebe die nicht erwidert wird oder die nicht sein darf. Es geht um Frauen die nicht über ihr Leben bestimmen dürfen und von Anferen in eine Rolle gesteckt werden, erschreckend und schonungslos erzählt Regina Denk davon wie junge Mädchen in eine Rolle gedrängt worden sind, wie sie nichts gegen die Eltern ausrichten konnten und wie dominant die Männer damals waren.
Der Roman zieht einen in seinen Bann und obwohl eigentlich kein schönes Leben beschrieben wird so ist er doch so packend das ich nicht aufhören konnte zu lesen. Ihre Figuren sind so lebensecht beschrieben das sie mich nicht losgelassen haben, niemand wird hier zum Helden gemacht, alle sind ganz normale Menschen, alle haben Fehler. Einige vielleicht zu viele.
Der Roman beschreibt vor allem das Leben der jungen Frauen mit all seinen Schwierigkeiten, man leidet mit den Beiden mit.
Aber vor allem hat der Roman eine wichtige Aussage die nicht nur für die damaligen Zeit zählt, sondern bis heute eichttig ist. Und diese ist, das man nicht weggehen darf.
von Philiene - 2026-03-03 17:54:00