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Rezensionen

Reise nach Laredo
Roman

Autor: Arno Geiger

Erschienen 2024 bei Hanser, Carl
ISBN 978-3-446-28118-9
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was ist Glück - 4 Sterne

Im Jahr 1558 verweilt der zurückgetretene Kaiser Karl der fünfte bereits seit 1 1/2 Jahren im Kloster im spanischen Yuste. Er siecht dahin und seine Bediensteten, sein Arzt, sein Sekretär, alle um ihn herum warten auf seinen Tod um wieder frei zu sein. Für Karl selbst ist seine einzige Freude, im Garten zu sitzen. Von dort sieht er den elfjährigen Geronimo, seinen Sohn, der nicht weiß, dass der ehemalige Kaiser sein Vater ist. Beiden ist langweilig. Karl möchte ausbrechen aus seiner klösterlichen Enge und den Vorschriften. Er bittet Geronimo um Hilfe um sein Ziel, Laredo im Norden Spaniens, zu erreichen. Mit seiner Armbrust, einem Pferd und einem Maulesel machen sie sich auf den beschwerlichen Weg. Hilfe bekommen sie von dem Geschwisterpaar Honza und Angelita, die der geächteten Gruppe der Cagots angehörten. Im Laufe ihrer gemeinsamen Reise sind sie Gefahren ausgesetzt, die für Karl völlig fremd sind. Während seines abgeschirmten Lebens hat er das Leben der einfachen Bevölkerung nicht kennengelernt.
Auf der Reise erfährt Karl was Liebe und Zuneigung bedeutet, wie man ums Überleben kämpfen muss und was Glück ist und er erinnert sich an sein privilegiertes Leben, an seine Lehrer, seine geliebte und früh verstorbene Frau, seinen Umgang mit seinen Kindern. Der Roman ist phantasievoll, poetisch und mit viel Lebensweisheit geschrieben.
von Ulla - 2024-11-17 18:08:00

Selbstfindung mit historischem Setting - 3 Sterne

Als König in Spanien führte er ein anderes Leben, darum hält die Reise nach Laredo neue Erfahrungen und Erkenntnisse für den 59-jährigen Karl bereit, dem wahre Freundschaft, Freiheit und im Moment leben, fremd ist. Dank seiner Weggefährten und dem elfjährigen Geronimo kann der kranke Karl, der sich eigentlich in ein Kloster zurückgezogen hatte, den Weg mit Maultier und Pferd zurücklegen. Es ist nicht nur eine körperlich beschwerliche, sondern auch eine philosophische Reise, die Karl durchläuft.

Arno Geiger erzählt tiefsinnig und poetisch über das Leben und Sterben. Es fällt leicht, sich die Strapazen, Karls Eindrücke und Gedankengänge vorzustellen. Das historische Setting um 1558 bietet interessante Möglichkeiten und die Landschaften verfehlen ihre Wirkung nicht. Man muss sich allerdings darauf einstellen, dass es eine ruhige und eindrückliche Geschichte ist. Durch die mühsamen Ausschweifungen und die überwiegend zähe Handlung konnte mich der Roman schlussendlich nicht mitreißen.
von La Calavera Catrina - 2024-10-09 16:18:00

nicht mein Buch - 3 Sterne

Ich habe Arno Geiger erst im letzten Jahr als Autor für mich entdeckt und mochte vor allem seine nahbare Erzählweise, „Reise nach Lareto“ fand ich vom Klappentext her für mich nicht ganz so ansprechend, war aber neugierig, welchen Ton Geiger für diese Geschichte anschlagen würde. Erzählerisch hats mir wieder gut gefallen, inhaltlich hat mich diese Geschichte aber nicht so ganz erreicht.

Zum Inhalt: Karl ist ein König im wahrsten Sinne. Doch er ist seiner Ämter und des Lebens allgemein müde. Von Krankheit und anderen Zimperlein geplagt, sich selbst und anderen überdrüssig, zieht sich Karl in Kloster in Spanien zurück. Dort trifft er auf einen Jungen und gemeinsam beschließen sie, zusammen nach Laredo zu reisen.

Sprachlich gewaltig, reflektiert und philosophisch erzählt die Geschichte vom Ende eines Lebens und dem Blick auf dieses. Die Geschichte strotzt vor eloquenten Weisheiten und Redewendungen. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und fand den Sprecher perfekt geeignet für die Vertonung dieses Werkes. Die ruhige, angenehm weiche Erzählstimme hat dazu beigetragen, Karls inneren Monolog, seine Beobachtungen und seine Sicht auf die Welt eindrücklich zu vertonen und mich als Zuhörer einzuhüllen.

Es gibt viele kleine, detailverliebte Beschreibungen, durch die ich Karl gut vor Augen hatte. Alles rund um Karls körperlichen Zustand war dagegen für mein Empfinden fast schon ordinär beschrieben, so viele Informationen hätte ich persönlich nicht benötigt. Auch die vielen Referenzen auf Gott, den Glauben und das Innere selbst waren nicht ganz leicht verdaulich, wodurch das Buch für mich keines war, dass ich mal eben in einem Rutsch durchlesen bzw. in meinem Fall hören konnte.
Gleichzeitig ist die Geschichte selbst eher handlungsarm, im Fokus stehen die Gespräche und Gedanken an denen Karl beteiligt ist.

Ich glaube ich habe mich einfach zu sehr in den sprachlichen Aspekten der Geschichte verloren und hatte öfter mal das Gefühl gar nicht verstanden zu haben, was der Autor hier eigentlich rüberbringen will. Vielleicht muss ich das Buch einfach nochmal selbst lesen, um den Kern des ganzen wirklich zu erfassen.
von Lies_ein_Buch - 2024-09-29 14:07:00

„In jedem steckt ein zurückgetretener König.“ - Die Reise nach Laredo - 5 Sterne

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Unsere Kundin Doris Sebela-Schardax schreibt:

Das Schwere und das Leichte spielen eine große Rolle in Arno Geigers Roman. Karl V,
der zurückgezogen in einem abgelegenen Kloster in Spanien lebt, kämpft mit seinem
alten, hässlichen und schweren Körper. In wirren Träumen gefangen, resümiert er über
sein Leben. Der Anblick seines jüngsten Sohnes Geronimo löst in ihm eine Sehnsucht
nach Leichtigkeit, Unbeschwertheit und Gelassenheit aus. Die reale Begegnung mündet in
einen Traum vom Aufbruch zur Reise nach Laredo. Geronimo wartet mit Pferd und
Maultier auf Karl. Doch Karls schwerer Körper schafft es nicht aufs Pferd, das Maultier
muss reichen. Schwer und beschwerlich ist die Reise nach Laredo, es ist kalt und nebelig,
die „Stadt der Toten“ ist unheimlich, verführerisch und zerstörerisch. Der Anblick von
furchtbarer Gewalt ist für die Reisenden schwer erträglich.

Karl sammelt seine letzte Kraft, er überwindet seinen kranken, plumpen Körper und reitet
auf dem Grauschimmel Laredo entgegen. Seit langem fühlt er sich wieder leicht und das
Reiten macht ihm Freude. Auch die Schmerzen sind fast verschwunden. Das Ziel ist die
Küste, die kleine Gruppe hört und riecht das Meer schon, bevor sie es zu Gesicht
bekommt. Es ist das Ende der Reise für Karl, er erkennt, dass er sein Wirken als König vor
sich selbst verantworten muss. Der Anblick des glücklichen Geronimos in den Wellen
lässt in Karl alles Schwere verschwinden. Er wird leichter und leichter. „Der Tod könnte
schön sein, wenn man gelebt hat.“ (S. 249) Dieser Satz reduziert sich auf einen
Augenblick, in dem das Schöne sichtbar wird.

Karls Reise nach Laredo ist eine Reise in seine Vergangenheit, er findet den „Holzschuh
seiner Kindheit“ (S. 85), den er sein Leben lang mit sich herumgetragen hat. Geronimo,
der glücklich zwischen den Wellen auf- und abtaucht, versinnbildlicht Karls Suche.

„Reise nach Laredo“ ist eine ungeheuere Reise, frei nach Franz Kafka, mit einem gewissen
Ausgang. Die Reise ist spannend und packend an der Grenze zwischen Realität und
Traum erzählt. Die Landschaft, die Natur und das Wetter widerspiegeln die inneren
Seelenzustände der Reisegruppe. Arno Geiger findet dafür kraftvolle Bilder, eine
poetische Sprache und einen packenden literarischen Stil.

Wir sagen vielen herzlichen Dank für die Rezension!
von Gewinnspiel-Sieger - 2024-09-25 14:06:46

Reflexion am Ende des Daseins - 3 Sterne

Wir schreiben das Jahr 1558. Karl, der einflussreiche König und Kaiser, ist seiner Ämter müde geworden. Mit seinen 58 Jahren, geplagt von Gicht und vom immer wiederkehrenden Fieber, legt er all seine Ämter zurück und zieht sich in ein einsames Kloster in Spanien zurück, um das Ende seines Daseins zu erwarten. Er beobachtet seinen außerehelichen elfjährigen Sohn Geronimo, nimmt zu ihm Kontakt auf und schlägt ihm vor, diesen Ort des Nächtens gemeinsam zu verlassen. Geronimo erwartet ihn in einer regnerischen, windigen Nacht, ausgestattet mit einem Esel und einem Pferd, und gemeinsam machen sie sich heimlich auf den Weg. Sie geraten in barbarische Auseinandersetzungen, lernen neue Zeitgenossen kennen und setzen mit diesen ihre Reise nach Laredo fort.
Arno Geiger hat wie gewohnt einen poetisch literarischen Roman geschrieben. Doch diesmal fehlt leider die Spannung, der Plot wirkt etwas langatmig und farblos. Obwohl ich ansonsten die Texte und Romane von Arno Geiger sehr schätze, habe ich dieses Mal keinen richtigen Zugang zu dieser Erzählung gefunden.
von Dorsay - 2024-09-17 15:50:00

Karls letzte Reise - 5 Sterne

Reise nach Laredo ist ein Roman, der vor kurzen kontrovers beim Literarischen Quartett besprochen wurde. Die Meinungen gingen auseinander, also hilft nur, selbst dieses interessante Buch zu lesen. Zunächst muss man wissen, wer Karl, die Hauptfigur dieses Buches ist. Es ist Karl V. Er war Kaiser sowie König von Spanien. Er lebte von 1500 bis 1558 und war eine interessante, historische Persönlichkeit.
Der Roman setzt gegen sein Lebensende ein, als er sich ins Kloster von Yuste zurückgezogen hatte. Die Handlung zeigt seine letzte (fiktive) Reise, die er zusammen mit einem Jungen unternimmt. Arno Geiger gelingen einige bemerkenswerte Szenen, zum Beispiel wie der König einen misshandelten Cagot rettete. Mit neuer Begleitung geht die Reise weiter. Eine Vielzahl von Details machen den Roman aus.
Arno Geigers literarische Qualitäten kommen auch in diesem Buch zum tragen.
von yellowdog - 2024-09-17 10:55:00

Poetische Sprache, wirrer Inhalt - 2 Sterne

Schon vor vielen Jahten habe ich vom gleichen Autor Der alte König in seinem Exil gelesen und ich war total ergriffen. Der Schriftsteller beschreibt darin den Umgang und das Leben bzw. die Gespräche mit seinem alternden Vater, der immer mehr von der Demenz ergriffen wird. Teils führen sie kuriose, dann wieder unglaublich sensible und tiefschürfende Gespräche.
Man fühlt sehr mit, wie Arno Geiger dem Leben seines Vaters und dessen Geschichten nachspürt und gleichzeitig dadurch auch sich selbst und seiner Vergangenheit immer mehr auf die Spur kommt.

Natürlich war ich voller Vorfreude auf die Reise nach Laredo und war gespannt, was hier kommen wird. Leider war ich von Anfang an irgendwie verloren und konnte mich nicht recht in die Geschichte einfinden. Zwar ist das Buch wieder sehr poetisch geschrieben und ich mag die Vergleiche, die Bilder, die der Autor im Kopf entstehen lässt, sehr gefühlvoll und mit der Erkenntnis, dass das Leben immer wieder schön und wunderbar ist. "Der Tod könnte schön sein, wenn man gelebt hat." Leider wurde ich aber dennoch nicht richtig warm mit dem Buch und auch Karl blieb mir sehr fern. Schade, aber das war absolut nicht meins!
von Streiflicht - 2024-09-08 20:14:00

Erwartungen nicht erfüllt - 3 Sterne

Der Roman von Arno Geiger nimmt uns mit in eine uns völlig unbekannte Welt des Mittelalters. Er handelt im Jahre 1558. Karl ein gläubiger und mächtiger Mann, bekleidete er doch das Amt eines Königs und Kaisers. Mittlerweile hat er alle seine Ämter niedergelegt, denn von Krankheit gezeichnet hat er keine Kraft mehr als Herrscher zu fungieren. Also zieht er sich in die Einsamkeit eines Klosters in Spanien zurück und wartet auf sein Ende. Sein elfjährige geheimer Sohn Geronimo lebt in seinem Umfeld und eines Tages beschließt Karl mit seinem Sohn das Kloster zu verlassen. Geronimo besorgt einen Esel und ein Pferd und in einer unwirtlichen, regnerischen Nacht machen sie sich auf den Weg ins Ungewisse. Sie kommen in bedrohliche Situationen, lernen neuen Weggefährten kennen und reisen nun gemeinsam nach Laredo. Diesmal hat mich der Roman von Arno Geigen nicht überzeugt. Manche Passagen sind zu langatmig und die philosophischen Ansätze zu wenig deutlich ausgefeilt. Spannendes Thema, leider nicht vollends ausgeschöpft
von froschman - 2024-08-19 22:47:00