Rezensionen
Heimat
Roman
Autor: Hannah Lühmann
Erschienen 2025 bei hanserblau in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
ISBN 978-3-446-28282-7
Erschreckend - 3 Sterne
Jana und ihr Mann und die zwei kleinen Kinder ziehen von der Stadt auf das Land und verwirklichen sich ihren Traum vom eigenen Haus.
Der Preis dafür ist hoch.
Janas Mann muss täglich weit pendeln und Jana arbeitet nicht mehr und fühlt sich am neuen Wohnort in der Neubausiedlung fremd und einsam.
Als sie Karolin kennenlernt, möchte Jana unbedingt ihre Freundin werden. Sie stalkt schon fast obsessiv Karolins Insta Account und wird schließlich in die Clique um Karolin aufgenommen.
Karolin lebt konservativ. Sie ist Hausfrau und Mutter von fünf Kindern, ihr Mann der Ernährer und Familienoberhaupt. Perfekte Inszenierung auf Social Media inklusive.
Unter dem Begriff Tradwife habe ich bislang nur die US-Frauen subsumiert, die ultrakonservativ und für mich rückwärtsgerichtet in einer völlig anderen Welt leben. Nein, die Welt ist ja identisch, das Weltbild aber nicht.
Das Buch spielt in einer nahen Zukunft, alles sehr realistisch gezeichnet und Karolin wirkte auf mich gar nicht so wie mein Bild eines typischen Tradwifes. Sie ist eine Macherin.
Allerdings ändert sich das im Verlauf des Buches bzw. ich habe eine erweiterte Definition erweitert.
Ich fand das Lesen sehr gruselig. Die düstere Zukunftsversion und das Erkennen, wie schnell man unter gewissen Parametern doch anfällig wird für rechtes Gedankengut oder es zumindest verharmlost, das zeigt das Buch sehr gut auf.
Insgesamt sowohl spannend als auch sehr nachdenklich machend.
Gerade auch, weil es Janas eigenständiger Weg ist, sie nicht von ihrem Mann dahin getrieben wird, ganz im Gegenteil, dieser distanziert sich eindeutig.
Ich habe zusätzlich zum Buch auch das Hörspiel gehört und dies konnte mich nicht ganz so begeistern wie das Buch. Es ist ungekürzt, aber die Sprecherin fand ich etwas anstrengend. Trotzdem auch hier noch fünf Sterne, weil der Inhalt so gut ist und die Sprecherin auch nicht schlecht ist, das sind nur Abzüge in der B-Note.
Der Preis dafür ist hoch.
Janas Mann muss täglich weit pendeln und Jana arbeitet nicht mehr und fühlt sich am neuen Wohnort in der Neubausiedlung fremd und einsam.
Als sie Karolin kennenlernt, möchte Jana unbedingt ihre Freundin werden. Sie stalkt schon fast obsessiv Karolins Insta Account und wird schließlich in die Clique um Karolin aufgenommen.
Karolin lebt konservativ. Sie ist Hausfrau und Mutter von fünf Kindern, ihr Mann der Ernährer und Familienoberhaupt. Perfekte Inszenierung auf Social Media inklusive.
Unter dem Begriff Tradwife habe ich bislang nur die US-Frauen subsumiert, die ultrakonservativ und für mich rückwärtsgerichtet in einer völlig anderen Welt leben. Nein, die Welt ist ja identisch, das Weltbild aber nicht.
Das Buch spielt in einer nahen Zukunft, alles sehr realistisch gezeichnet und Karolin wirkte auf mich gar nicht so wie mein Bild eines typischen Tradwifes. Sie ist eine Macherin.
Allerdings ändert sich das im Verlauf des Buches bzw. ich habe eine erweiterte Definition erweitert.
Ich fand das Lesen sehr gruselig. Die düstere Zukunftsversion und das Erkennen, wie schnell man unter gewissen Parametern doch anfällig wird für rechtes Gedankengut oder es zumindest verharmlost, das zeigt das Buch sehr gut auf.
Insgesamt sowohl spannend als auch sehr nachdenklich machend.
Gerade auch, weil es Janas eigenständiger Weg ist, sie nicht von ihrem Mann dahin getrieben wird, ganz im Gegenteil, dieser distanziert sich eindeutig.
Ich habe zusätzlich zum Buch auch das Hörspiel gehört und dies konnte mich nicht ganz so begeistern wie das Buch. Es ist ungekürzt, aber die Sprecherin fand ich etwas anstrengend. Trotzdem auch hier noch fünf Sterne, weil der Inhalt so gut ist und die Sprecherin auch nicht schlecht ist, das sind nur Abzüge in der B-Note.
von Marie aus E. - 2025-11-19 22:07:00
"Heimat" - 5 Sterne
Der Roman "Heimat" von Hannah Lühmann erzählt die Geschichte von Jana und ihrer Familie, die auf Land ziehen und an einer idyllisches Leben hier träumen.
Zum dritten Mal schwanger, kündigt Jana ihr Job in der Stadt und lebt nun nur im Vorstadt, wo sie neue Freundinnen findet. Sie merkt nicht wie, langsam aber sicher, ihre Ideen von den neuen Freundinnen beeinflusst werden. Die Atmosphäre ist am Anfang idyllisch und im Laufe des Buches wird alles bedrückender.
Der Schreibstill ist flüssig und die Geschichte war die ganze Zeit spannend. Die Atmosphäre habe ich ständig zweideutig gefunden, man glaubt man hat Freunden gefunden, man rückt aber sehr leicht in Extremen. Diese Veränderung spürt Jana nicht an sich selber, obwohl sie ist die, die sich verändert hat, sondern sie spürt nur die Entfremdung von Noah, ihr Mann, der im Laufe des Bucher sich gar nicht verändert hat.
Das Buch ist ein gutes Spiegelbild der heutiger Gesellschaft. Wenn man naiv genug ist und die Sachen nicht gut genug hinterfragt, rücks man in Extreme schneller als man glauben kann.
Für mich war "Heimat" von Hannah Lühmann ein tolles Buch, das ich gerne weiterempfehlen kann.
Zum dritten Mal schwanger, kündigt Jana ihr Job in der Stadt und lebt nun nur im Vorstadt, wo sie neue Freundinnen findet. Sie merkt nicht wie, langsam aber sicher, ihre Ideen von den neuen Freundinnen beeinflusst werden. Die Atmosphäre ist am Anfang idyllisch und im Laufe des Buches wird alles bedrückender.
Der Schreibstill ist flüssig und die Geschichte war die ganze Zeit spannend. Die Atmosphäre habe ich ständig zweideutig gefunden, man glaubt man hat Freunden gefunden, man rückt aber sehr leicht in Extremen. Diese Veränderung spürt Jana nicht an sich selber, obwohl sie ist die, die sich verändert hat, sondern sie spürt nur die Entfremdung von Noah, ihr Mann, der im Laufe des Bucher sich gar nicht verändert hat.
Das Buch ist ein gutes Spiegelbild der heutiger Gesellschaft. Wenn man naiv genug ist und die Sachen nicht gut genug hinterfragt, rücks man in Extreme schneller als man glauben kann.
Für mich war "Heimat" von Hannah Lühmann ein tolles Buch, das ich gerne weiterempfehlen kann.
von Niko - 2025-11-03 15:16:00
Ein Schritt zurück - 4 Sterne
Wo genau der Roman spielt, erfährt man nicht. Jana, die bereits zwei Kinder hat und mit dem dritten schwanger ist, zieht mit ihrer Familie auf's Land. Ihr Mann ist Lehrer, sie selbst hat ihren Job aus einem Impuls heraus gekündigt, obwohl sie das Geld eigentlich dringend brauchen, um das Haus abzubezahlen. Die Mütter an ihrem neuen Wohnort sind anders als ihr bisheriges Umfeld. Viele stehen ganz offen zur AfD. Besonders fasziniert ist Jana von Karolin, die sich ganz auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter mehrerer Kleinkinder fokussiert und das Leben einer "Tradwife" regelrecht zelebriert, insbesondere auch auf Social Media. Ungewollt lässt sich Jana immer mehr in deren Bann ziehen und beneidet sie irgendwie sogar um ihr Leben.
Ich fand den Roman sehr interessant, da er ein sehr aktuelles Thema behandelt und am Beispiel Janas aufzeigt, wie auch eine eigentlich aufgeklärte, weltoffene und moderne Frau in den Sog national-konservativer Kreise geraten kann. Was mich etwas gestört hat, war allerdings, dass einige Leerstellen und Hintergrundinformationen mehrere Personen betreffend, bis zum Ende ungeklärt blieben und auch der Schluss des Romans ließ mich etwas unbefriedigt zurück. Dennoch ein sehr lesenswertes Buch und auch das Hörbuch kann ich empfehlen. Die Sprecherin ist passend gewählt und man kann ihr sehr gut folgen. Der Autorin ist es zudem gelungen, so anschaulich zu schreiben, dass man sich gut in die beschriebenen Situationen hineinversetzen kann.
Ich fand den Roman sehr interessant, da er ein sehr aktuelles Thema behandelt und am Beispiel Janas aufzeigt, wie auch eine eigentlich aufgeklärte, weltoffene und moderne Frau in den Sog national-konservativer Kreise geraten kann. Was mich etwas gestört hat, war allerdings, dass einige Leerstellen und Hintergrundinformationen mehrere Personen betreffend, bis zum Ende ungeklärt blieben und auch der Schluss des Romans ließ mich etwas unbefriedigt zurück. Dennoch ein sehr lesenswertes Buch und auch das Hörbuch kann ich empfehlen. Die Sprecherin ist passend gewählt und man kann ihr sehr gut folgen. Der Autorin ist es zudem gelungen, so anschaulich zu schreiben, dass man sich gut in die beschriebenen Situationen hineinversetzen kann.
von Island - 2025-10-19 20:34:00
Unausgeschöpftes Potenzial - 2 Sterne
In Hannah Lühmanns "Heimat" geht es um Jana und ihren Mann Noah, die mit ihren zwei Kindern (ein drittes ist auf dem Weg) von der Stadt aufs Land ziehen. Doch in ihrem Dorf ist alles ein bisschen anders, als erwartet. Jana freundet sich mit der Dorfbewohnerin Karolin an, die mehrere Kinder hat, auf Instagram als Tradwife bekannt ist und ansonsten auch sehr traditionell, religiös, konservativ und rechts lebt. So hält sie beispielsweise recht wenig von fremder Kinderbetreuung und Impfungen. Obwohl Jana zuerst skeptisch ist, wird sie schnell in Karolins Welt hineingezogen.
Und so könnte es natürlich in gewisser Hinsicht auch eine plausible Geschichte sein, doch hat man als Leser*in immer mehr das Gefühl, dass Jana ihren Verstand und ihr Gefühl ausschaltet und alles nur noch als Roboter wahrnimmt und so durchs Leben geht, obwohl sie immer mehr über Karolin erfährt und dies eigentlich hinterfragen müsste.
Die Prämisse klang für mich so interessant, doch leider wurde das Potenzial hier nicht ansatzweise ausgeschöpft. Natürlich hat das Buch vieles aufgezeigt, was man kennt, wenn man sich ein bisschen mehr mit Tradwife- und anderen konservativ-religiösen Accounts auseinandergesetzt hat. Diese Details fand ich auch definitiv gut, doch war alles andere drumherum nicht gut genug ausgearbeitet. Daher vergebe ich 2,5 Sterne.
Und so könnte es natürlich in gewisser Hinsicht auch eine plausible Geschichte sein, doch hat man als Leser*in immer mehr das Gefühl, dass Jana ihren Verstand und ihr Gefühl ausschaltet und alles nur noch als Roboter wahrnimmt und so durchs Leben geht, obwohl sie immer mehr über Karolin erfährt und dies eigentlich hinterfragen müsste.
Die Prämisse klang für mich so interessant, doch leider wurde das Potenzial hier nicht ansatzweise ausgeschöpft. Natürlich hat das Buch vieles aufgezeigt, was man kennt, wenn man sich ein bisschen mehr mit Tradwife- und anderen konservativ-religiösen Accounts auseinandergesetzt hat. Diese Details fand ich auch definitiv gut, doch war alles andere drumherum nicht gut genug ausgearbeitet. Daher vergebe ich 2,5 Sterne.
von rosetheline - 2025-10-06 22:14:00
Ein gefährliches Spiel - 3 Sterne
Jana und Noah ziehen mit Kindern Ella und Louis aufs Land. Jana ist beruflich erfolgreich, wieder schwanger und kündigt scheinbar sehr unüberlegt und unabgesprochen mit Noah ihren Job. Auf dem Land lernt sie Karolin kennen: Influencerin, Tradwife, religiös, viele Kinder. Irgendwie fasziniert sie Karolins scheinbar perfektes Leben und so rutscht sie ganz leise immer weiter in dieses Leben...
Ich finde die Geschichte eigentlich spannend und habe das Buch schnell gelesen. Allerdings bin ich nicht sicher, wie die Autorin ihre Erzählung meint. Für mich als Links-Mitte Feministin zeigt es, wie schnell und einfach es ist, in rechte Kreise zu rutschen: im Buch scheint Jana das lange gar nicht zu merken, wie rechts Karolin und ihre Freundinnen sind. Allerdings: es wird nie offen angesprochen. Vielleicht will die Autorin damit inspirieren? Zeigen, wie schön es sein könnte, als Tradwife? Vieles im Buch wird nur angedeutet und bleibt unausgesprochen. Eine Geschichte mit Potential, aber auch Gefahr. Ich bin hin- und hergerissen.
Ich finde die Geschichte eigentlich spannend und habe das Buch schnell gelesen. Allerdings bin ich nicht sicher, wie die Autorin ihre Erzählung meint. Für mich als Links-Mitte Feministin zeigt es, wie schnell und einfach es ist, in rechte Kreise zu rutschen: im Buch scheint Jana das lange gar nicht zu merken, wie rechts Karolin und ihre Freundinnen sind. Allerdings: es wird nie offen angesprochen. Vielleicht will die Autorin damit inspirieren? Zeigen, wie schön es sein könnte, als Tradwife? Vieles im Buch wird nur angedeutet und bleibt unausgesprochen. Eine Geschichte mit Potential, aber auch Gefahr. Ich bin hin- und hergerissen.
von skiaddict7 - 2025-09-20 18:48:00
Ein gefährliches Spiel - 3 Sterne
Jana und Noah ziehen mit Kindern Ella und Louis aufs Land. Jana ist beruflich erfolgreich, wieder schwanger und kündigt scheinbar sehr unüberlegt und unabgesprochen mit Noah ihren Job. Auf dem Land lernt sie Karolin kennen: Influencerin, Tradwife, religiös, viele Kinder. Irgendwie fasziniert sie Karolins scheinbar perfektes Leben und so rutscht sie ganz leise immer weiter in dieses Leben...
Ich finde die Geschichte eigentlich spannend und habe das Buch schnell gelesen. Allerdings bin ich nicht sicher, wie die Autorin ihre Erzählung meint. Für mich als Links-Mitte Feministin zeigt es, wie schnell und einfach es ist, in rechte Kreise zu rutschen: im Buch scheint Jana das lange gar nicht zu merken, wie rechts Karolin und ihre Freundinnen sind. Allerdings: es wird nie offen angesprochen. Vielleicht will die Autorin damit inspirieren? Zeigen, wie schön es sein könnte, als Tradwife? Vieles im Buch wird nur angedeutet und bleibt unausgesprochen. Eine Geschichte mit Potential, aber auch Gefahr. Ich bin hin- und hergerissen.
Ich finde die Geschichte eigentlich spannend und habe das Buch schnell gelesen. Allerdings bin ich nicht sicher, wie die Autorin ihre Erzählung meint. Für mich als Links-Mitte Feministin zeigt es, wie schnell und einfach es ist, in rechte Kreise zu rutschen: im Buch scheint Jana das lange gar nicht zu merken, wie rechts Karolin und ihre Freundinnen sind. Allerdings: es wird nie offen angesprochen. Vielleicht will die Autorin damit inspirieren? Zeigen, wie schön es sein könnte, als Tradwife? Vieles im Buch wird nur angedeutet und bleibt unausgesprochen. Eine Geschichte mit Potential, aber auch Gefahr. Ich bin hin- und hergerissen.
von skiaddict7 - 2025-09-20 18:48:00
Unkritisch und ohne Tiefgang - 2 Sterne
Der Klappentext von Hannah Lühmanns zweiten Roman »Heimat« hat mich sofort neugierig gemacht. Ein Buch, welches verspricht, sich mit gegenwärtigen Themen unserer Gesellschaft wie Rechtspopulismus, Social Media, Mutterschaft, Geschlechterrollen und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit auseinanderzusetzen.
Jana - die gerade mit ihrem dritten Kind schwanger ist - und ihr Mann Noah kehren dem Stadtleben den Rücken und ziehen mit ihren Kindern aufs Land. Hier findet Jana schnell Anschluss bei Karolin und ihren Freundinnen. Jana ist fasziniert von der Frau, die ihr Leben als Hausfrau und Mutter von fünf Kindern zur Berufung gemacht hat und als Influencerin ihr Leben als Tradwife auf Instagram zur Schau stellt.
Die Figuren wirken leider viel zu blass und konturlos, eher wie Statisten. Insbesondere Jana als Hauptfigur ist so für die Leser:innen eine schwer greifbare Protagonistin. Anfangs noch ansatzweise skeptisch übernimmt Jana viel zu schnell die erzkonservativen Ansichten und rechtspolitischen Ideale von Karolin, ohne diese kritisch zu hinterfragen.
Im Klappentext angekündigt wurde Jana als eine Protagonistin mit gefestigten (feministischen) Idealen und Prinzipien. Unter dieser Voraussetzung hätte es eine interessante Geschichte werden können, jedoch entpuppte Jana sich als eine Art weiße Leinwand: hochgradig beeinflussbar und ohne Rückgrat.
Auf nur knapp 170 Seiten habe ich keine hochkomplexe Auseinandersetzung mit solch prekären Thematiken erwartet aber etwas mehr Tiefgang und einen kritischeren Blick auf diese hatte ich mir dennoch erhofft.
Die Lebensweise von Karolin wird stark glorifiziert und zu keiner Zeit kritisch eingeordnet. Themen wie Impfskepsis oder häusliche Gewalt werden angerissen aber nicht tiefergehend behandelt.
Die Idee des Romans hatte viel Potential, was jedoch daraus gemacht wurde, kann ich guten Gewissens nicht mit mehr als 2 Sternen bewerten. Anstelle einer differenzierten Auseinandersetzung mit den Themen wurden hier einfach eine Art Checkliste mit einigen Schlagwörtern abgehakt und dann nicht weiter verfolgt. Am Ende fragt man sich, was der Roman eigentlich aussagen soll und lässt mehr Fragen offen, als er beantwortet.
Jana - die gerade mit ihrem dritten Kind schwanger ist - und ihr Mann Noah kehren dem Stadtleben den Rücken und ziehen mit ihren Kindern aufs Land. Hier findet Jana schnell Anschluss bei Karolin und ihren Freundinnen. Jana ist fasziniert von der Frau, die ihr Leben als Hausfrau und Mutter von fünf Kindern zur Berufung gemacht hat und als Influencerin ihr Leben als Tradwife auf Instagram zur Schau stellt.
Die Figuren wirken leider viel zu blass und konturlos, eher wie Statisten. Insbesondere Jana als Hauptfigur ist so für die Leser:innen eine schwer greifbare Protagonistin. Anfangs noch ansatzweise skeptisch übernimmt Jana viel zu schnell die erzkonservativen Ansichten und rechtspolitischen Ideale von Karolin, ohne diese kritisch zu hinterfragen.
Im Klappentext angekündigt wurde Jana als eine Protagonistin mit gefestigten (feministischen) Idealen und Prinzipien. Unter dieser Voraussetzung hätte es eine interessante Geschichte werden können, jedoch entpuppte Jana sich als eine Art weiße Leinwand: hochgradig beeinflussbar und ohne Rückgrat.
Auf nur knapp 170 Seiten habe ich keine hochkomplexe Auseinandersetzung mit solch prekären Thematiken erwartet aber etwas mehr Tiefgang und einen kritischeren Blick auf diese hatte ich mir dennoch erhofft.
Die Lebensweise von Karolin wird stark glorifiziert und zu keiner Zeit kritisch eingeordnet. Themen wie Impfskepsis oder häusliche Gewalt werden angerissen aber nicht tiefergehend behandelt.
Die Idee des Romans hatte viel Potential, was jedoch daraus gemacht wurde, kann ich guten Gewissens nicht mit mehr als 2 Sternen bewerten. Anstelle einer differenzierten Auseinandersetzung mit den Themen wurden hier einfach eine Art Checkliste mit einigen Schlagwörtern abgehakt und dann nicht weiter verfolgt. Am Ende fragt man sich, was der Roman eigentlich aussagen soll und lässt mehr Fragen offen, als er beantwortet.
von Sina - 2025-09-20 09:40:00
Sanfte Gehirnwäsche in ländlicher Idylle - 4 Sterne
Dieses hochaktuelle Buch wird sicher noch lange nachwirken. Bereits das Cover lässt etwas vom Inhalt erahnen: unbelassene grüne Natur, über der sich dunkle Wolken zusammenbrauen, in deren Mitte der plakative Titel "Heimat" prangt. Es ist direkt klar, dass es sich hier nicht um einen Wohlfühlroman handelt. Obwohl in den ersten Seiten noch gar nicht so viel passiert, haben mich der lebendige Sprachstil und das bereits unterschwellig angedeutete hochbrisante Konfliktthema direkt gefesselt. Die Autorin baut in ruhiger, unaufgeregter, aber sehr anschaulicher Erzählweise psychologisch so viel Spannung auf, dass ich das Buch bis zum Schluss kaum aus der Hand legen konnte. Vom Begriff der Tradwife hatte ich vor dem Lesen der Buchbeschreibung noch gar nichts gehört, wohl aber von dem Phänomen, das hier von Karolin verkörpert wird. Dieses ruft bei der neu hinzugezogenen Jana, deren Erleben die neutrale Erzählstimme folgt, zunächst Befremden, dann aber zunehmend Faszination hervor. Fast urteilsfrei werden hier zentrale menschliche und politische Werte kontrastiert, die immer mehr verschwimmen. Der Autorin ist es gelungen, äußerst eindrücklich und plausibel darzustellen, auf welch sanfte und verführerische Weise Karolin ihre gefährliche Ideologie – immer unter dem Deckmantel der Menschlichkeit und Christlichkeit – mittels sozialer Medien und lokaler Hilfsaktionen verbreitet und damit das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Sorglosigkeit befriedigt. Dies alles geschieht so genial subtil, dass es gerade deshalb umso beklemmender und gruseliger wirkt. Das Ende kam für mich unerwartet und ich muss gestehen, dass ich es nicht gänzlich verstanden habe. Ich hätte es mir ein bisschen konkreter gewünscht, auch wenn ich eine unheimliche Ahnung habe. Fazit: Große Empfehlung für alle Leser*innen, die gesellschaftlich und politisch aktuelle und kritische Romane mögen und gerne zum Nachdenken angeregt werden.
von Katja K. - 2025-09-19 16:49:00
Wenn Geborgenheit gefährlich wird - 5 Sterne
Hannah Lühmanns kurzer Roman Heimat ist eine Provokation im besten Sinn: Auf gerade einmal 170 Seiten verhandelt sie die gefährliche Schnittstelle zwischen Sehnsucht nach Zugehörigkeit und der Verführbarkeit durch reaktionäre Ideologien.
Im Zentrum steht Jana, die mit Familie aufs Land zieht – auf der Suche nach Ruhe, Einfachheit, Bodenhaftung. Was zunächst wie ein vertrautes Stadtflucht-Narrativ beginnt, entpuppt sich als beklemmende Studie über das Wiedererstarken traditioneller Rollenbilder. Jana begegnet Karolin, einer charismatischen Mutter von fünf Kindern, die ihr Leben als Tradwife-Influencerin inszeniert: Herd, Heim, Hingabe. Die Faszination ist unmittelbar, das Unbehagen wächst leise – und genau darin liegt die Stärke des Romans.
Hannah Lühmann erzählt in kühler, klarer Prosa. Sie verzichtet auf moralische Kommentare, überlässt es den Leser:innen, die Ambivalenz auszuhalten. Diese Zurückhaltung macht Heimat literarisch interessant und politisch brisant: Der Text führt mitten hinein in eine Denk- und Gefühlswelt, in der Geborgenheit nahtlos in autoritäre Muster übergeht. Dass AfD-Wahlergebnisse im Dorf wie selbstverständlich hingenommen werden, ist keine Fußnote, sondern Teil eines Systems.
Gerade in einer Gegenwart, in der rechte Bewegungen und Tradwife-Accounts Millionen erreichen, trifft die Autorin ins Mark. Dass sie ihre Leser:innen nicht mit einer klaren Auflösung entlässt, ist konsequent – auch wenn es manche unbefriedigt zurücklassen dürfte. Mich machte es schon leicht rasend. Aber wie gesagt, textlich richtig.
Fazit: Heimat ist kein idyllischer Landroman, sondern eine präzise sezierende Versuchsanordnung über Sehnsucht und Verführung. Ein schmales Buch, das wie ein Schlaglicht wirkt – und nachwirkt.
Im Zentrum steht Jana, die mit Familie aufs Land zieht – auf der Suche nach Ruhe, Einfachheit, Bodenhaftung. Was zunächst wie ein vertrautes Stadtflucht-Narrativ beginnt, entpuppt sich als beklemmende Studie über das Wiedererstarken traditioneller Rollenbilder. Jana begegnet Karolin, einer charismatischen Mutter von fünf Kindern, die ihr Leben als Tradwife-Influencerin inszeniert: Herd, Heim, Hingabe. Die Faszination ist unmittelbar, das Unbehagen wächst leise – und genau darin liegt die Stärke des Romans.
Hannah Lühmann erzählt in kühler, klarer Prosa. Sie verzichtet auf moralische Kommentare, überlässt es den Leser:innen, die Ambivalenz auszuhalten. Diese Zurückhaltung macht Heimat literarisch interessant und politisch brisant: Der Text führt mitten hinein in eine Denk- und Gefühlswelt, in der Geborgenheit nahtlos in autoritäre Muster übergeht. Dass AfD-Wahlergebnisse im Dorf wie selbstverständlich hingenommen werden, ist keine Fußnote, sondern Teil eines Systems.
Gerade in einer Gegenwart, in der rechte Bewegungen und Tradwife-Accounts Millionen erreichen, trifft die Autorin ins Mark. Dass sie ihre Leser:innen nicht mit einer klaren Auflösung entlässt, ist konsequent – auch wenn es manche unbefriedigt zurücklassen dürfte. Mich machte es schon leicht rasend. Aber wie gesagt, textlich richtig.
Fazit: Heimat ist kein idyllischer Landroman, sondern eine präzise sezierende Versuchsanordnung über Sehnsucht und Verführung. Ein schmales Buch, das wie ein Schlaglicht wirkt – und nachwirkt.
von nil_liest - 2025-09-19 10:37:00
Fesselnd und verstörend - 4 Sterne
Jana und ihr Partner ziehen mit den beiden Kindern aufs Land. Schwanger mit dem dritten Kind kündigt Jana ihren Job - das führt zu Konflikten mit ihrem Mann (und ihrem Kontostand). Es läuft also nicht so richtig gut - bis Jana Karolin und ihren Freundeskreis kennenlernt. Karolin scheint alles richtig zu machen mit ihren fünf Kindern und wird dafür von Jana bewundert. Erst mit der Zeit bemerkt Jana, dass Karolin (und auch einige ihrer Freundinnen) sehr konservatives Frauenbild vertritt und auch politisch eigentlich ganz andere Werte vertritt, als sie selbst. Doch während in ihrem Leben sonst nicht so viel richtig läuft und sich ihr Partner von ihr trennt, geben die "Freundinnen" ihr Halt.
Das Buch hat mich einerseits gefesselt, andererseits auch bestürzt. Beim Lesen wartet man darauf, dass Jana endlich "aufwacht" und merkt, dass das Tradwife-Dasein und die ultrakonservativen Werte ihrer neuen "Freundinnen" eigentlich so gar nicht zu ihren eigenen passen.
Das Buch hat mich einerseits gefesselt, andererseits auch bestürzt. Beim Lesen wartet man darauf, dass Jana endlich "aufwacht" und merkt, dass das Tradwife-Dasein und die ultrakonservativen Werte ihrer neuen "Freundinnen" eigentlich so gar nicht zu ihren eigenen passen.
von Kat - 2025-09-14 22:47:00


