Icon Kontrast wechseln

Rezensionen

Dr. No
Roman

Autor: Percival Everett

Erschienen 2025 bei Hanser, Carl;Graywolf Press
ISBN 978-3-446-28417-3
Rezension verfassen

Dr. No - 5 Sterne

Percival Everetts neuer Roman „Dr. No“ ist ein Buch wie ein nächtlicher Spaziergang durch eine fremde Stadt: schillernd, rätselhaft
und voller unerwarteter Abzweigungen … Man glaubt zunächst, sich in einer spielerischen Parodie auf klassische Agentengeschichten
zu befinden, doch mit jeder Seite öffnet sich darunter eine tiefere Ebene – eine über Identität, Macht, Sprache und die seltsame Sehnsucht
des Menschen, dem Chaos Bedeutung abzuringen. Dabei gelingt Percival Everett etwas Seltenes: Er schreibt einen Roman, der
gleichzeitig klug und leichtfüßig, absurd und berührend ist, der mich sogleich in seinen Bann gezogen hat …
Im Mittelpunkt steht der Mathematikprofessor Wala Kitu, ein Mann, der sich mit dem „Nichts“ beschäftigt und dessen Name selbst
schon wie ein Echo der Leere klingt, denn Wala ist kein glänzender Held, keiner, der Räume mit Charisma füllt oder die Welt mit
lässiger Sicherheit beherrscht, und gerade das macht ihn so faszinierend. Er bewegt sich durch die Handlung wie jemand, der stets ein
wenig neben der Wirklichkeit steht – still, beobachtend und verloren in den verschlungenen Gängen seiner Gedanken; der Autor zeichnet
ihn mit feinem Humor und einer leisen Melancholie, sodass man ihn nicht nur versteht, sondern beinahe zärtlich ins Herz schließt.
Die Geschichte beginnt mit einer jener wunderbar absurden Ideen, die nur in den Händen eines großen Schriftstellers glaubhaft wirken:
Ein exzentrischer Milliardär engagiert Wala Kitu, um das „Nichts“ zu finden, das angeblich in einem Schuhkarton in Fort Knox
verborgen liegt. Schon diese Prämisse besitzt eine surreale Komik, und doch steckt darin weit mehr als ein literarischer Scherz: Everett
verwandelt die Jagd nach dem Nichts in eine kluge Reflexion über Macht, Besitz und die Leere moderner Gesellschaften, denn hinter
dem Humor liegt stets ein Schatten aus Bitterkeit und Wahrheit, der nachdenklich stimmt ...
Besonders beeindruckend ist meines Erachtens die Art, wie Everett mit Sprache spielt; seine Sätze wirken auf mich oft wie kleine
Spiegelräume: elegant, verschmitzt und voller überraschender Perspektiven, denn immer wieder entstehen Momente, in denen man
lachen muss – und kurz darauf innehält, weil hinter der Pointe plötzlich etwas Philosophisches aufscheint. Der Roman stellt Fragen, die
sich nicht eindeutig beantworten lassen: Kann man Leere besitzen? Was geschieht, wenn Begriffe ihren Sinn verlieren? Und wie viel
Absurdität braucht es manchmal, um die Wirklichkeit überhaupt sichtbar zu machen?
Dabei schwebt über allem der Geist klassischer Agentenfilme. Die Anspielungen auf James Bond und andere Ikonen der Popkultur
verleihen dem Roman einen spielerischen Rhythmus: Luxus, Geheimnisse, exzentrische Schurken und überzeichnete Szenen erscheinen
wie Versatzstücke eines vertrauten Genres. Und doch nutzt der Autor diese Kulisse nicht bloß zur Unterhaltung, denn hinter den
ironischen Bildern verbirgt sich eine präzise Gesellschaftssatire. So spricht der Roman über Rassismus, Kapitalismus und die moralische
Müdigkeit einer Welt, die sich immer stärker über Macht definiert. Und gerade diese Verbindung aus Popkultur und intellektueller Tiefe
macht „Dr. No“ so einzigartig und hat mich fasziniert.
Natürlich verlangt Everett seinem lesenden Publikum Aufmerksamkeit ab, denn manche Gedankenspiele wirken bewusst ausufernd,
manche Dialoge kreisen mit fast mathematischer Hartnäckigkeit um Begriffe und Bedeutungen. Wer einen geradlinigen Thriller
erwartet, könnte irritiert sein; doch genau darin liegt die Schönheit dieses Romans: Er will nicht nur unterhalten, sondern den Leser aus
vertrauten Denkbahnen lösen. „Dr. No“ liest sich wie ein kunstvoller Traum, der sich jeder vollständigen Erklärung entzieht und gerade
dadurch lange nachhallt.
Auch sprachlich besitzt das Buch einen eigentümlichen Zauber, denn Percival Everett schreibt mit Witz und rhythmischer Eleganz, und
die deutsche Übersetzung von Nikolaus Stingl bewahrt diese feine Balance aus Intellekt und Ironie auf beeindruckende Weise. So
wirkten viele Sätze auf mich wie kleine funkelnde Splitter – leicht genug, um zu schweben, und doch scharf genug, um Gedanken
aufzubrechen.
Am Ende blieb „Dr. No“ wie eine seltsame Melodie in meinem Kopf zurück; es ist ein Roman voller Widersprüche, voller Humor und
philosophischer Tiefe, der zeigt, wie Literatur selbst aus dem Nichts etwas Bedeutungsvolles erschaffen kann. Percival Everett beweist
einmal mehr, dass große Bücher nicht immer Antworten geben müssen. Manchmal genügt es, wenn sie den Leser staunend zurücklassen
– mit dem Gefühl, für einen Moment in eine Welt geblickt zu haben, in der Unsinn und Wahrheit untrennbar miteinander tanzen. Eine
große Lese-Empfehlung!
von Katja Hölzl aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2026-06-01 10:36:27

Einzigartig, schräg und nicht immer leicht - 3 Sterne

???? Worum geht’s?

In Dr. No begegnen wir dem Mathematikprofessor Wala Kitu, der sich auf das „Nichts“ spezialisiert hat – und prompt von dem Milliardär John Sill rekrutiert wird, um genau dieses „Nichts“ aus Fort Knox zu stehlen. Everett spielt hier mit James-Bond-Tropen, Satire und jeder Menge Wortwitz, während er zugleich gesellschaftskritische Themen wie Rassismus behandelt.

???? Experimentierfreude

Dr. No war mein erstes Buch von Percival Everett – und wenn ich es in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das wohl „merkwürdig“. Und zwar gleichzeitig positiv und negativ. Positiv, weil es wirklich einzigartig ist, sich von der Masse abhebt und mir garantiert in Erinnerung bleiben wird. Negativ, weil ich manches schwer zugänglich fand und mir sicher bin, nicht alle Ebenen erfasst zu haben.

???? Einstieg & Humor

Ganz ehrlich: Am Anfang wusste ich überhaupt nicht, was ich mit dieser Lektüre anfangen soll. Mit den mathematischen Referenzen konnte ich nichts anfangen und habe sie stupide weggelesen. Trotzdem hat mich der Humor stellenweise richtig abgeholt – in anderen Momenten wiederum gar nicht. Humor ist eben Geschmackssache. Es gab allerdings einige Dialoge, die so skurril waren, dass ich mich sehr gut unterhalten gefühlt habe. Ab etwa der Hälfte hat der Humor für mich allerdings geschwächelt. Die besten Witze waren erzählt, die Bond-Parodie hat sich wiederholt und auch die philosophischen Elemente wirkten auserzählt.

???? Ein Roman, der sicher nicht jedem liegt – aber wer Lust auf eine ungewöhnliche, experimentelle Mischung aus Satire, Bond-Parodie und Gesellschaftskritik hat, wird hier fündig.
von Bücherwurmine - 2025-09-21 12:22:00

Was ist so gefährlich wie nichts? - 4 Sterne

Wala Kitu ist ein schräger, genialer Mathematikprofessor, weltfremd und autistisch. Er wird vom Milliardär John Sill kontaktiert, der sich zum Ziel gesetzt hat, ein Schurke zu sein und dafür hinter „nichts“ her ist, das angeblich in einem Schuhkarton in Fort Knox aufbewahrt sei und für das Wala Kitu ein Experte ist. Soweit zur bekannten und beworbenen Hintergrundstory.

„Dr. No“ ist ein satirisch-schräger Roman, eine James-Bond-Persiflage mit Schurken, Luxusanwesen, Helikoptern, Waffen, Haifischbecken, einer hochbegabten autistischen Mathematikerin, Eigen Vector, die als Bond-Girl entfremdet wird, einem einbeinigen Hund namens Trigo, der „Fettgesicht“ genannt wird und als imaginärer Berater für Wala Kitu dient, aber auch mit vielen Einschüben aus Logik und Mathematik:

„Die Lüge ist das arithmetische Axiom, demzufolge x für jedes x auf der Welt gleich x ist. Nur der Glaube lässt dies als unwiderlegbare Wahrheit zu. Selbst wenn ich x als das Ding definiere, das zu einer bestimmten Position in der Zeit eine bestimmte Position im Raum einnimmt.“ (S. 52)

Ganz ehrlich, am Anfang wusste ich gar nicht, was ich mit dieser Lektüre anfangen soll und es hat schon einige Dutzend Seiten gebraucht, bis ich in das Buch reingekommen bin. Das mag daran liegen, dass die mathematischen Referenzen mich nicht sonderlich interessiert haben und ich außerdem nichts das klassische James-Bond-Fangirl bin, auch wenn ich im Laufe meines Lebens durchaus schon ein paar dieser Filme gesehen habe.

Interessant ist, wie in dem Buch mit dem Konzept des „Nichts“ gespielt wird. Ist nichts wirklich nichts und was wäre, wenn wir nichts als etwas behandeln würden? Dazu gibt es viele humorvolle und gleichzeitig nachdenklich machende Dialoge und Einschübe, so wie diesen hier:

- „Wir wissen, dass Sill es auf irgendwas abgesehen hat. Sagen Sie uns einfach, was Sie wissen, und alles ist im Lack.“

- „Was?“

- „Sagen Sie mir, was Sie wissen.“

- „Nichts. Ich habe von nichts eine Ahnung. Ich weiß außerdem, dass Sill es auf nichts abgesehen hat.“

- „Sie sagen also, dass er nichts plant.“

- „Das habe ich nicht gesagt. Hören Sie diesmal genau zu. Sill interessiert sich für nichts. Er will nichts. Er plant, nichts zu stehlen. Er will oder vielmehr braucht mich, weil ich mich mit nichts auskenne.“ (S. 154)

Von diesen Wort- und Denkspielerein lebt der Roman hauptsächlich. Sind sie am Anfang sehr lustig, wurde mir das Konzept aber gegen Ende ein bisschen überstrapaziert. Ähnlich ging es mir mit einigen anderen Themen, die wieder und wieder erwähnt wurden: etwa die Mathematiker, die „am Asperger-Syndrom leiden“ würden (ein veralteter und in diesem Wortlauf in der autistischen Community umstrittener Ausdruck) oder auch die vielfache Erwähnung davon, dass die Polizei schwarze Menschen anhalten und erschießen würde, nur weil sie schwarz seien… was zweifellos den Tatsachen entspricht und wichtig zu kritisieren ist, aber eben auch sehr oft erwähnt wurde.

Humor ist etwas Subjektives und in manchen Bereichen hat dieser Roman sehr meinen Humor getroffen, in anderen gar nicht. Das hat sicherlich auch mit meiner Lebensumwelt und -erfahrung zu tun und damit, wie diese sich vom Autor unterscheidet.

Insgesamt ist es ein durchaus sehr humorvolles und gleichzeitig nachdenklich machendes Buch, mit dem insbesondere Mathematikinteressierte sowie James-Bond-Fans ihre Freude haben dürften.
von Eternal-Hope - 2025-09-09 13:43:00

unterhaltsam verrückte, mathematische Bond Sartire - 5 Sterne

Wala Kitu forscht an der renommierten Brown Universität an nichts, an dem Nichts. John Sill möchte ins US-amerikanische Fort Knox, dem Golddepot der USA einbrechen, um das angeblich dort gelagerte Nichts zu stehlen. Wala Kitu wird engagiert, um Sill im Umgang damit zu unterstützen.

Das Buch kann man getrost als eine Mischung aus Spionageroman, Science-Fiction, Satire und philosophische Betrachtung bezeichnen. Man hat einen eher verrückten Professor, „Dr. No“ der das Nichts erforscht. Einen klassischen Schurken, den Milliardär John Will, ein Bond Girl Eigen und Gloria, ein Roboter. Speziell den Professor fand ich auf Grund seiner Unbedarftheit und Schrullen – gut er ist im Spektrum- faszinierend und es erlaubt damit der Geschichte, den Lauf, den sie nimmt. Alle Figuren sind satirisch entsprechend überzeichnet und man findet Elemente aus diversen Actionfilmen wieder, wie Men in Black, also sonderlich glaubhaft ist die Geschichte nicht.

Die philosophisch mathematischen Ergüsse vor allem zu Beginn, führen schon mal leicht zu Kopfschmerzen, wenn man nicht vom Fach ist, jedoch können diese Stellen auch getrost übersprungen sein.

Hintergründig läuft immer etwas Systemkritik an den Vereinigten Staaten mit, den Ressentiments und Problemen die Schwarze in den USA ausgesetzt sind und auch das Luxusleben der Superreichen allgemein wird thematisiert. Andere Werke des Autors haben aber vielleicht eine größere gesellschaftlichere Relevanz, da sie diverse Probleme in den USA stärker thematisieren.

Man erhält hierbei also einen unterhaltsam geschriebenen Schurkenroman, gewürzt mit mathematischen und philosophischen Überlegungen zum Nichts.
von ingri - 2025-09-01 20:23:00

Am Ende bleibt nichts - 3 Sterne

Der Protagonist des neuen Romans von Percival Everett mit dem sprechenden Namen Dr. No ist ein renommierter Mathematikprofessor an der Brown University, der sich Wala Kitu nennt. Die Wörter stammen aus den Sprachen Tagalog und Suaheli und bedeuten „nichts“. Er ist Spezialist für nichts. Eines Tages engagiert ihn der farbige Milliardär John Sill. Wala Kitu und seine Kollegin Eigen Vector sollen in Fort Knox einbrechen und einen Schuhkarton stehlen, der nichts enthält. Mit dem Inhalt hofft Sill die Weltherrschaft zu erlangen und sich für die Ermordung seiner Eltern durch weiße Polizisten zu rächen. Sill wirkt wie ein Bond-Schurke. Es beginnt eine aberwitzige Reise mit vielen grotesken Episoden. Der Roman enthält philosophische Ausführungen sowie zahlreiche Passagen in einem für Laien unverständlichen mathematischen Jargon, aber auch viele witzige Episoden, die auf den Wortspielen um „nichts“ basieren. Am Ende sind alle erleichtert, denn es geschieht nichts.
Neben der Beschreibung der wilden Reise geht es um Gesellschaftskritik, vor allem um den immer noch allgegenwärtigen Rassismus. Das Thema und seine sprachliche Umsetzung sind schon sehr speziell. Ein Zitat, das hier für zahllose andere steht: “…, es ist nicht nicht-nichts, und damit ist es nichts.“ (S. 319). Mir hat der Roman nicht so gut gefallen wie zwei andere Bücher des Autors, die ich kenne: “Erschütterung“ und “James.“ Von daher bin ich etwas enttäuscht.
von cosmea - 2025-08-28 08:36:00

Nichts - 3 Sterne

Professor Wala Kitu unterrichtet Mathematik. Sein Spezialgebiet ist das Nichts. Nun kommt John Sill, der sich als Bond-Schurke bezeichnet und kauft seine Dienste ein: Kitu soll helfen, aus Fort Knox einen Schuhkarton mit Nichts zu rauben. Es entwickelt sich eine verwirrende und witzige Parodie auf Spionage-Thriller, in der mehrere Nationen, ein skrupelloser Milliardär, zahlreiche Agenten und eine furchtbare Waffe eine Rolle spielen.
Die Figuren sind ungefähr so seltsam wie ein einbeiniger Hund, der besonderer Pflege bedarf, oder wie ein Mathematiker, der sich mit Themen befasst, die ein normaler Mensch nicht versteht. Abgesehen von allerlei Sonderbarkeiten rund um nichts ist die Geschichte durchaus vorhersehbar. Alles was man aus Geheimdienstromanen kennt, passiert hier. Hinzu kommen viele schräge Einfälle, die Spaß machen. Spannend wird es nicht, eher witzig und unterhaltsam, auch für mathematisch Unbedarfte. Wer sich gern mit Mathematik befasst, wird besondere Freude haben.
von Krani - 2025-08-27 18:00:00

Mathe und James Bond - 3 Sterne

Die sich daraus entspinnende Geschichte ist voll von Absurdität. Absurde Dialoge: Im Traum unterhält sich der Protagonist mit seinem einbeinigen Hund über mathematisch-philosophische Probleme. Absurde Figuren: Der ab und zu sprechende einbeinige Hund und diverse Mathematikgenies mit Spektrumsstörung. Absurde Plots: Mr. Sill reist von Bösewichtversteck zu Bösewichtversteck. Die Dialoge und inneren Monologe sind oft geradezu nihilistisch, nach dem fünfzigsten Wortspiel mit dem Wort „nichts“ wird auch das eher nervig, die Darstellung von Aspergerverhalten ist klischeehaft und viele Seiten Text sind ebenso belanglos wie unverständlich. Nicht, dass man nicht auch mal Fermi-Unsicherheiten googlen kann beim Lesen, aber sie einfach so hinzuwerfen ohne Bezug macht die Geschichte nicht besser. Wie genau das mit dem „nichts“ funktioniert, bleibt ebenso unklar und die im Klappentext besprochenen Seitenhiebe auf Macht und Ethnie sind rar. Schade. „Die Bäume“ war eine großartige Satire auf Rassismus, „James“ war sprachlich grandios, diesem Buch von Everett fehlt beides, guter Inhalt und gute Sprache. Den dritten Stern nur wegen des halbwegs gelungen Endes.
von Reiseweise - 2025-08-26 21:21:00

Die Macht des Nichts - 5 Sterne

Ich bin ein großer Fan von Percival Everett und zuletzt konnte er mich mit "James" begeistern.
In seinem neuen Roman geht es um den Mathematik-Professor Wala Kitu und den Milliardär John Sill - und um das Nichts. Wala ist nämlich ein großer Experte für das Nichts, womit er sich auf wissenschaftlicher Ebene schon lange beschäftigt.
Wie kann es um das Nichts gehen, wie kann es so bedeutend sein? Und weshalb geht es bei dem Nichts um eben nichts weniger als die Weltherrschaft? Und weshalb ist das Nichts so wichtig für John Sill?
Ganz viele Fragen und es klingt alles etwas absurd, aber Percival Everett hat hier viel Gesellschaftskritik und Philosophie untergebracht, wie üblich viel Tiefgang und ein Roman, der viele Denkanstöße gibt. Und auch ein wenig höhere Mathematik - bei dem Thema ein Muss und eben kein Nichts.
Der Schreibstil ist auch wieder außergewöhnlich gut und wirklich ein Genuss - auch hier ein Lob für die Übersetzung von Nikolaus Stingl.
Für mich wieder ein Highlight.
von lectrice - 2025-08-20 17:57:00

Etwas absurd und gleichzeitig ein kritischer Blick auf die Gesellschaft - 5 Sterne

„Dr. No“ ist ein unterhaltsamer Roman des US-amerikanischen Autors Percival Everett mit philosophischen Zügen.

Der Mathematikprofessor Dr. No - eigentlich heißt er Wala (Tagalog für nichts) Kitu (Swahili für nichts) – hat sich auf das Nichts spezialisiert. Der schwarze Milliardär John Sill will mit seiner Hilfe die Weltherrschaft an sich reißen, in dem er einen in Fort Knox aufbewahrten Schuhkarton mit nichts an sich bringen will.

Der Schreibstil von Percival Everett lässt sich angenehm lesen, ist durch die Dialoge sehr lebendig aber auch sehr dicht. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf James Bond, andere Filme und Bücher, die bei mir für ein besonderes Lesevergnügen gesorgt haben, obwohl ich befürchte, dass ich längst nicht alle Hinweise entdeckt habe.

Das Handlung ist ein wenig absurd, so viel Wörter und Seiten über nichts, das muss man auch erst einmal hinbekommen. Gleichzeitig ist das Buch aber auch gesellschaftskritisch, aktuell und philosophisch.

Obwohl das Buch gerade einmal 320 Seiten umfasst, habe ich zum Lesen recht viel Zeit benötigt, da ich mir die Anspielungen, Wortspiele, philosophischen und mathematischen Verknüpfungen erst einmal durch den Kopf gehen lassen musst. Mir hat diese Kombination sowie die kritischen und humorvollen Untertönen sehr gut gefallen und ich bin schon sehr gespannt auf weitere Bücher des Autors.
von Tara - 2025-08-16 16:28:00