Rezensionen
No Way Home
Roman. Deutsche Ausgabe
Autor: T.C. Boyle
Erschienen 2025 bei Hanser, Carl;Liveright
ISBN 978-3-446-28423-4
Ausweglos ... - 4 Sterne
Terrence, Arzt in Ausbildung in L. A., erfährt vom Tod seiner Mutter und macht sich auf den Weg nach Hause, einer Kleinstadt an einem Stausee in Nevada. Kaum angekommen lernt er dort Bethany kennen, eine attraktive junge Frau, die sich erst kürzlich von Jesse getrennt hat. Beth hat kein Geld, keine Bleibe, Terrence braucht jemanden vor Ort für Hund und Haus und Behördenwege, sodass er sich nach anfänglichem Zögern auf dieses Arrangement und auf eine Beziehung einlässt. Jesse ist trotz Trennung nach wie vor überzeugt, dass Bethany zu ihm gehört, und es entspannt sich ein turbulenter von Gewalt und Betrug und heftigster Konkurrenz geprägter Kampf der drei Protagonisten um Nähe und Distanz im Spektrum Autonomie versus Bindung, Einsamkeit versus Zweisamkeit. Destruktive, kollusive Beziehungsmuster, von Boyle jeweils aus den drei verschiedenen Erzählperspektiven dargestellt. Ein erstes Stilmittel, ein zweites: ein geschickter Spannungsaufbau, verschärft durch den Wechsel in Nebenschauplätze und Auslassungen.
Boyle gibt nicht nur einen Einblick in toxische Beziehungsmuster sondern auch in Einstellungen und Lebensgestaltung junger Amerikaner aus der Mittelschicht, materialistisch, oberflächlich, kultur- und perspektivenlos. Keine Introspektion, keine Selbstreflexion. Und so bleibt es bis zum Schluss, die Wiederkehr des Befürchteten, die nächste Eskalation sind vorprogrammiert. Es gibt scheinbar keinen Ausweg, keine Entwicklung, zuletzt bleibt ein Gefühl von Resignation. Sogar der Stausee trocknet aus.
Boyle gibt nicht nur einen Einblick in toxische Beziehungsmuster sondern auch in Einstellungen und Lebensgestaltung junger Amerikaner aus der Mittelschicht, materialistisch, oberflächlich, kultur- und perspektivenlos. Keine Introspektion, keine Selbstreflexion. Und so bleibt es bis zum Schluss, die Wiederkehr des Befürchteten, die nächste Eskalation sind vorprogrammiert. Es gibt scheinbar keinen Ausweg, keine Entwicklung, zuletzt bleibt ein Gefühl von Resignation. Sogar der Stausee trocknet aus.
von Herwig Oberlerchner - 2026-02-03 12:34:00
No Way Home - 4 Sterne
Das Buch handelt von der Liebe zweier Männer zu ein- und derselben Frau.
Terry, ein Arzt aus L. A. erbt nach dem Tod seiner Mutter ein Haus in Nevada. Eigentlich will er das Haus verkaufen, aber dann begegnet er Bethany und verliebt sich in sie. Bethany quartiert sich gegen Terry´s Willen in dessen Haus ein. Auch Terry zieht in das Haus der Mutter ein, doch immer wieder taucht Bethany´s eifersüchtiger Exfreund Jesse auf. Terry und Jesse geraten immer öfter aneinander und mitten in der Wüste eskaliert die Sache.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Terry, Jesse und Bethany erzählt, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.
Sowohl Drogen, zu viel Alkohol und toxische Liebesbeziehungen die alle drei Protagonisten ins Unglück ziehen, beschreiben den typischen T. C. Boyle - Stil.
Das Buch liest sich sehr flüssig und wird nie langweilig.
Terry, ein Arzt aus L. A. erbt nach dem Tod seiner Mutter ein Haus in Nevada. Eigentlich will er das Haus verkaufen, aber dann begegnet er Bethany und verliebt sich in sie. Bethany quartiert sich gegen Terry´s Willen in dessen Haus ein. Auch Terry zieht in das Haus der Mutter ein, doch immer wieder taucht Bethany´s eifersüchtiger Exfreund Jesse auf. Terry und Jesse geraten immer öfter aneinander und mitten in der Wüste eskaliert die Sache.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Terry, Jesse und Bethany erzählt, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.
Sowohl Drogen, zu viel Alkohol und toxische Liebesbeziehungen die alle drei Protagonisten ins Unglück ziehen, beschreiben den typischen T. C. Boyle - Stil.
Das Buch liest sich sehr flüssig und wird nie langweilig.
von Gabriele Geissl - 2026-01-29 10:06:26
Ich entkomme mir nicht - 4 Sterne
Wie die Figuren in diesem Roman handeln, lässt mich manchmal die Haare raufen. Sie bleiben sich selbst aber treu. Niemand lernt dazu, niemand entwickelt sich wirklich weiter. Boyle bleibt in meinen Augen ein Garant für großes Lesevergnügen.
Empfehlung!
Empfehlung!
von HEYN Leserunde, Manuela Meierhofer - 2025-12-26 11:33:00
Wenn Liebe zum toxischen Desaster wird - 5 Sterne
Terry, ein in Ausbildung stehender Assistenzarzt aus Los Angeles, fährt nach dem Tod seiner Mutter in die Wüste Nevadas nach Boulder City, um sein Erbe anzutreten: Ein kleines Haus, ein altes Auto und einen Hund. Das Haus wollte er verkaufen, den Hund Daisy mitnehmen, obwohl es in seinem Mietvertag nicht erlaubt war, Tiere zu halten. Aber es sollte ganz anders kommen. In einer Bar in Boulder City begegnet er Bethany, die sich gegen seinen Willen bei ihm im Haus seiner Mutter einquartierte, er kann ihrem Sexappeal nicht widerstehen. Wenn da nicht der eifersüchtige Jesse, Ex-Partner von Bethany, immer wieder auftauchte. Es kommt zu einer folgenschweren Dreiecksbeziehung, die zu schweren Verletzungen führt.
Boyle braucht keine großen Gesten, um Spannung aufzubauen, die Hitze in der Wüste Nevadas trägt ihres dazu bei und wird zur perfekten Bühne. Sprachlich ist dieser Roman ein typischer Boyle – vielschichtig geschriebene Beziehungen, die zerbrechlich sind. T.C. Boyle beweist einmal mehr, dass er ein Meister seines Faches ist.
Boyle braucht keine großen Gesten, um Spannung aufzubauen, die Hitze in der Wüste Nevadas trägt ihres dazu bei und wird zur perfekten Bühne. Sprachlich ist dieser Roman ein typischer Boyle – vielschichtig geschriebene Beziehungen, die zerbrechlich sind. T.C. Boyle beweist einmal mehr, dass er ein Meister seines Faches ist.
von froschman - 2025-12-14 21:58:00
Wenn Liebe zum toxischen Desaster wird - 5 Sterne
Terry, ein in Ausbildung stehender Assistenzarzt aus Los Angeles, fährt nach dem Tod seiner Mutter in die Wüste Nevadas nach Boulder City, um sein Erbe anzutreten: Ein kleines Haus, ein altes Auto und einen Hund. Das Haus wollte er verkaufen, den Hund Daisy mitnehmen, obwohl es in seinem Mietvertag nicht erlaubt war, Tiere zu halten. Aber es sollte ganz anders kommen. In einer Bar in Boulder City begegnet er Bethany, die sich gegen seinen Willen bei ihm im Haus seiner Mutter einquartierte, er kann ihrem Sexappeal nicht widerstehen. Wenn da nicht der eifersüchtige Jesse, Ex-Partner von Bethany, immer wieder auftauchte. Es kommt zu einer folgenschweren Dreiecksbeziehung, die zu schweren Verletzungen führt.
Boyle braucht keine großen Gesten, um Spannung aufzubauen, die Hitze in der Wüste Nevadas trägt ihres dazu bei und wird zur perfekten Bühne. Sprachlich ist dieser Roman ein typischer Boyle – vielschichtig geschriebene Beziehungen, die zerbrechlich sind. T.C. Boyle beweist einmal mehr, dass er ein Meister seines Faches ist.
Boyle braucht keine großen Gesten, um Spannung aufzubauen, die Hitze in der Wüste Nevadas trägt ihres dazu bei und wird zur perfekten Bühne. Sprachlich ist dieser Roman ein typischer Boyle – vielschichtig geschriebene Beziehungen, die zerbrechlich sind. T.C. Boyle beweist einmal mehr, dass er ein Meister seines Faches ist.
von froschman - 2025-12-14 21:51:00
Wenn Liebe zum toxischen Desaster wird - 5 Sterne
Terry, ein in Ausbildung stehender Assistenzarzt aus Los Angeles, fährt nach dem Tod seiner Mutter in die Wüste Nevadas nach Boulder City, um sein Erbe anzutreten: Ein kleines Haus, ein altes Auto und einen Hund. Das Haus wollte er verkaufen, den Hund Daisy mitnehmen, obwohl es in seinem Mietvertag nicht erlaubt war, Tiere zu halten. Aber es sollte ganz anders kommen. In einer Bar in Boulder City begegnet er Bethany, die sich gegen seinen Willen bei ihm im Haus seiner Mutter einquartierte, er kann ihrem Sexappeal nicht widerstehen. Wenn da nicht der eifersüchtige Jesse, Ex-Partner von Bethany, immer wieder auftauchte. Es kommt zu einer folgenschweren Dreiecksbeziehung, die zu schweren Verletzungen führt.
Boyle braucht keine großen Gesten, um Spannung aufzubauen, die Hitze in der Wüste Nevadas trägt ihres dazu bei und wird zur perfekten Bühne. Sprachlich ist dieser Roman ein typischer Boyle – vielschichtig geschriebene Beziehungen, die zerbrechlich sind. T.C. Boyle beweist einmal mehr, dass er ein Meister seines Faches ist.
Boyle braucht keine großen Gesten, um Spannung aufzubauen, die Hitze in der Wüste Nevadas trägt ihres dazu bei und wird zur perfekten Bühne. Sprachlich ist dieser Roman ein typischer Boyle – vielschichtig geschriebene Beziehungen, die zerbrechlich sind. T.C. Boyle beweist einmal mehr, dass er ein Meister seines Faches ist.
von froschman - 2025-12-14 21:49:00
Wenn Liebe zum toxischen Desaster wird - 5 Sterne
Terry, ein in Ausbildung stehender Assistenzarzt aus Los Angeles, fährt nach dem Tod seiner Mutter in die Wüste Nevadas nach Boulder City, um sein Erbe anzutreten: Ein kleines Haus, ein altes Auto und einen Hund. Das Haus wollte er verkaufen, den Hund Daisy mitnehmen, obwohl es in seinem Mietvertag nicht erlaubt war, Tiere zu halten. Aber es sollte ganz anders kommen. In einer Bar in Boulder City begegnet er Bethany, die sich gegen seinen Willen bei ihm im Haus seiner Mutter einquartierte, er kann ihrem Sexappeal nicht widerstehen. Wenn da nicht der eifersüchtige Jesse, Ex-Partner von Bethany, immer wieder auftauchte. Es kommt zu einer folgenschweren Dreiecksbeziehung, die zu schweren Verletzungen führt.
Boyle braucht keine großen Gesten, um Spannung aufzubauen, die Hitze in der Wüste Nevadas trägt ihres dazu bei und wird zur perfekten Bühne. Sprachlich ist dieser Roman ein typischer Boyle – vielschichtig geschriebene Beziehungen, die zerbrechlich sind. T.C. Boyle beweist einmal mehr, dass er ein Meister seines Faches ist.
Boyle braucht keine großen Gesten, um Spannung aufzubauen, die Hitze in der Wüste Nevadas trägt ihres dazu bei und wird zur perfekten Bühne. Sprachlich ist dieser Roman ein typischer Boyle – vielschichtig geschriebene Beziehungen, die zerbrechlich sind. T.C. Boyle beweist einmal mehr, dass er ein Meister seines Faches ist.
von froschman - 2025-12-14 21:45:00
Obsessiv - 4 Sterne
T.C. Boyle schreibt Bücher, die unter die Haus gehen und dort gären, bis das ganze Elend und die Tragik hervorbricht.
Das beziehungskontrukt, dass hier im Zentrum steht und frei Menschen auf obsessive und destruktive Art verbinden ist fragil, toxisch und furchtbar fesselnd.
Als Leser fühlt man sich als Voyeur im Leben der drei zentralen Figuren aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Die Geschichte entwickelt eine fast schon obszöne Sogwirkung, bekommt beinahe Telenovela-Charakter und schlittert unaufhörlich auf den Abgrund zu.
Bethany ist unbestritten die zentrale Figur, um die sich der Fokus der beiden Männer dreht. Für sie ist sie Lichtgestalt, gleichwohl fragt man sich als Leser unwillkürlich woran das eigentlich liegt. Denn Bethany ist wankelmütig, fast schon dreist und trotzdem unbeholfen.
Der Autor kann einfach erzählen, ich wollte unaufhörlich wissen wie es weitergeht; was als nächstes kommt. Die Geschichte entwickelt eine fast schon unangenehme Sogwirkung und bekommt einen voyeuristischen Charakter, der den Leser in seinen Bann schlägt. Ich hab selten bei einem Roman so mitgefiebert.
Das Ende lässt mich zwar ein bisschen unschlüssig zurück, passt aber eigentlich auch zur Geschichte. Ich fands super.
Das beziehungskontrukt, dass hier im Zentrum steht und frei Menschen auf obsessive und destruktive Art verbinden ist fragil, toxisch und furchtbar fesselnd.
Als Leser fühlt man sich als Voyeur im Leben der drei zentralen Figuren aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Die Geschichte entwickelt eine fast schon obszöne Sogwirkung, bekommt beinahe Telenovela-Charakter und schlittert unaufhörlich auf den Abgrund zu.
Bethany ist unbestritten die zentrale Figur, um die sich der Fokus der beiden Männer dreht. Für sie ist sie Lichtgestalt, gleichwohl fragt man sich als Leser unwillkürlich woran das eigentlich liegt. Denn Bethany ist wankelmütig, fast schon dreist und trotzdem unbeholfen.
Der Autor kann einfach erzählen, ich wollte unaufhörlich wissen wie es weitergeht; was als nächstes kommt. Die Geschichte entwickelt eine fast schon unangenehme Sogwirkung und bekommt einen voyeuristischen Charakter, der den Leser in seinen Bann schlägt. Ich hab selten bei einem Roman so mitgefiebert.
Das Ende lässt mich zwar ein bisschen unschlüssig zurück, passt aber eigentlich auch zur Geschichte. Ich fands super.
von Lies_ein_Buch - 2025-11-16 14:59:00
Der Titel ist Programm - 4 Sterne
Als seine Mutter starb, hatte er Dienst.“. Terry, 31, ein junger Assistenzarzt kurz vor dem Examen wird völlig unvorbereitet mit dem Tod seiner Mutter konfrontiert. Normalerweise ist er es, der die Angehörigen vom Tod eines Menschen unterrichtet. Doch nun ist er persönlich gefordert. Er muss sich in Boulder City, einer Kleinstadt mitten in der Wüste von Nevada, um die Beerdigung und den Nachlass seiner Mutter kümmern. Eine Aufgabe, die ihn überfordert. Hilfe bekommt er von Bethany, einer jungen, attraktiven Frau, die er in einem Café kennenlernt. Nach einer gemeinsamen Nacht bietet sie ihm an, sie könne sich, während er in L.A. seiner Arbeit nachgeht, um das Haus seiner Mutter und deren Hund Daisy kümmern. Ihr Angebot ist keineswegs uneigennützig, denn Bethany ist nach ihrem Auszug aus der Wohnung ihres Ex-Freundes Jesse ohne Bleibe.
Gegen Terrys Willen quartiert sich Bethany im Haus der verstorbenen Mutter ein und feiert dort sogar während seiner Abwesenheit wilde Partys mit ihren Freunden. Doch als Terry anreist, um sie rauszuschmeißen, landen sie wieder im Bett.
Richtig Probleme gibt es dann, als Jesse auftaucht und auf seinen alten Rechten beharrt. Er ist keineswegs gewillt, seinen Anspruch auf Bethany aufzugeben. „ Sie ist Gift. Das weißt du noch nicht, aber du wirst es bald rausfinden.“ warnt er Terry.
Aber die Warnung kommt zu spät. Terry ist Bethany verfallen und der Kampf zwischen den beiden ungleichen Männern beginnt. Ein Streit um eine Frau, der bald immer drastischere Formen annimmt.
T.C.Boyle beschreibt hier eine Dreiecksgeschichte, bei der es weniger um Liebe als vielmehr um Obsessionen, Abhängigkeiten und Besitzansprüche geht.
Für keine der drei Figuren kann der Lesende Sympathien entwickeln. Terry ist zwar ein Arzt, der sich fürsorglich um seine Patienten kümmert, doch ansonsten wirkt er höchst unreif und unreflektiert. Man fragt sich, warum er sich auf diese unheilvolle Liaison einlässt. Schließlich ist offensichtlich, dass er und Bethany nicht zusammenpassen. Trotzdem trifft er eine fatale Entscheidung nach der anderen. Als Leser kann man nur den Kopf schütteln.
Obwohl Terry und Jesse auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Typen sind , so eint sie doch ihr Anspruch auf Bethany. Beide sehen in ihr das Objekt ihrer Begierden, weniger eine eigenständige Frau.
Jesse ist ein Macho wie aus dem Bilderbuch. Er akzeptiert keine Zurückweisung, nimmt sich, notfalls mit Gewalt, was ihm vermeintlich zusteht. Aber auch ihn zeichnet Boyle nicht eindimensional. Er ist nicht nur Trinker und Biker, sondern auch Lehrer und versucht sich in der Schriftstellerei. Inwiefern diese unterschiedlichen Rollen zusammenpassen und glaubwürdig sind, muss jeder Lesende selbst entscheiden.
Und Bethany ist eine Frau, die sich einerseits treiben lässt, gerne Party macht und sich mit Alkohol und Drogen zudröhnt, aber trotzdem Sicherheit sucht. Von Jesse kommt sie nicht los, mit ihm ist das Leben aufregender als mit dem Langweiler Terry. Der verspricht dafür finanzielle Sicherheit als zukünftiger Arzt und ein höheres gesellschaftliches Ansehen. Ihr größtes Pfund ist ihr Aussehen, das weiß sie und das setzt sie ganz gezielt auch ein.
Während man Bethany manipulatives Verhalten vorwerfen muss, so kann man Jesse und Terry toxische Männlichkeit attestieren, dem einen mehr, dem anderen weniger.
Von wirklicher Liebe zwischen den Figuren ist wenig zu spüren, auch wenn sie diese behaupten.
Der einzig wirkliche Sympathieträger ist Daisy, die Hündin. Auch wenn sie nach einem gewalttätigen Zusammenstoß mit Jesse nur noch ein Auge hat, so ist sie doch weniger blind als die anderen Figuren.
Boyle erzählt diese Dreiecksgeschichte chronologisch, aber aus wechselnden Perspektiven. Das hat seinen besonderen Reiz, denn so zeigen sich oftmals verschiedene Versionen der Geschichte und neue Facetten in den Charakteren.
Nicht nur Jesse und Terry sind Gegenspieler, auch der Kontrast zwischen Stadt und Land wird anschaulich herausgearbeitet. Ist Terry als Arzt in der Notaufnahme seiner Klinik mit den Gestrandeten, den Obdachlosen und Armen in der Multikulti-Stadt L.A. konfrontiert, so trifft er in Boulder City auf die Tristesse einer heruntergekommenen Kleinstadt, wo sich die Menschen mit billigem Fast Food, Alkohol, Drogen und Sex betäuben.
Der Titel des Romans ist Programm. Keiner hier hat ein Zuhause, jeder sucht es, im wörtlichen und übertragenen Sinn. Es ist kein Zufall, dass Boyle den einen Handlungsort in der Wüste ansiedelt, auch dies ein unwirtlicher Ort.
„No Way Home“ ist kein typischer Boyle. Behandelte er in seinen meisten Romanen doch politische und ökologische Themen, so kommen diese hier nur am Rande vor.
Da lässt er den Möchtegern-Schriftsteller Jesse an einem Roman schreiben, der vom Bau des Hoover-Damms und seinen Folgen für Mensch und Umwelt erzählt. Hier am Lake Mead zeigt sich der Klimawandel ganz massiv. Seit Jahren sinkt der Wasserspiegel und legt tote Tiere und menschliche Skelette bloß.
Möglicherweise lässt sich „No Way Home“ als Parabel lesen, wie Menschen sich von zerstörerischen Kräften manipulieren und instrumentalisieren lassen, obwohl offensichtlich ist, wie sehr diese ihnen schaden.
Auf jeden Fall zeichnet der Roman das Bild einer Gesellschaft, die nur auf sich bezogen ist und Beziehungen nach dem Nutzprinzip eingeht.
„No Way Home“ ist sicher nicht Boyles bestes Buch. Trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Es liest sich süffig, bleibt spannend und auch sprachlich konnte es mich überzeugen. Ihm gelingen großartige Bilder ( „ Und dann stürzte der Nachmittag krachend in den Abend.“), atmosphärische Beschreibungen von Landschaft und Milieu, und entlarvende Dialoge.
Das Ende mag manchen enttäuschen, für mich ist es stimmig.
Gegen Terrys Willen quartiert sich Bethany im Haus der verstorbenen Mutter ein und feiert dort sogar während seiner Abwesenheit wilde Partys mit ihren Freunden. Doch als Terry anreist, um sie rauszuschmeißen, landen sie wieder im Bett.
Richtig Probleme gibt es dann, als Jesse auftaucht und auf seinen alten Rechten beharrt. Er ist keineswegs gewillt, seinen Anspruch auf Bethany aufzugeben. „ Sie ist Gift. Das weißt du noch nicht, aber du wirst es bald rausfinden.“ warnt er Terry.
Aber die Warnung kommt zu spät. Terry ist Bethany verfallen und der Kampf zwischen den beiden ungleichen Männern beginnt. Ein Streit um eine Frau, der bald immer drastischere Formen annimmt.
T.C.Boyle beschreibt hier eine Dreiecksgeschichte, bei der es weniger um Liebe als vielmehr um Obsessionen, Abhängigkeiten und Besitzansprüche geht.
Für keine der drei Figuren kann der Lesende Sympathien entwickeln. Terry ist zwar ein Arzt, der sich fürsorglich um seine Patienten kümmert, doch ansonsten wirkt er höchst unreif und unreflektiert. Man fragt sich, warum er sich auf diese unheilvolle Liaison einlässt. Schließlich ist offensichtlich, dass er und Bethany nicht zusammenpassen. Trotzdem trifft er eine fatale Entscheidung nach der anderen. Als Leser kann man nur den Kopf schütteln.
Obwohl Terry und Jesse auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Typen sind , so eint sie doch ihr Anspruch auf Bethany. Beide sehen in ihr das Objekt ihrer Begierden, weniger eine eigenständige Frau.
Jesse ist ein Macho wie aus dem Bilderbuch. Er akzeptiert keine Zurückweisung, nimmt sich, notfalls mit Gewalt, was ihm vermeintlich zusteht. Aber auch ihn zeichnet Boyle nicht eindimensional. Er ist nicht nur Trinker und Biker, sondern auch Lehrer und versucht sich in der Schriftstellerei. Inwiefern diese unterschiedlichen Rollen zusammenpassen und glaubwürdig sind, muss jeder Lesende selbst entscheiden.
Und Bethany ist eine Frau, die sich einerseits treiben lässt, gerne Party macht und sich mit Alkohol und Drogen zudröhnt, aber trotzdem Sicherheit sucht. Von Jesse kommt sie nicht los, mit ihm ist das Leben aufregender als mit dem Langweiler Terry. Der verspricht dafür finanzielle Sicherheit als zukünftiger Arzt und ein höheres gesellschaftliches Ansehen. Ihr größtes Pfund ist ihr Aussehen, das weiß sie und das setzt sie ganz gezielt auch ein.
Während man Bethany manipulatives Verhalten vorwerfen muss, so kann man Jesse und Terry toxische Männlichkeit attestieren, dem einen mehr, dem anderen weniger.
Von wirklicher Liebe zwischen den Figuren ist wenig zu spüren, auch wenn sie diese behaupten.
Der einzig wirkliche Sympathieträger ist Daisy, die Hündin. Auch wenn sie nach einem gewalttätigen Zusammenstoß mit Jesse nur noch ein Auge hat, so ist sie doch weniger blind als die anderen Figuren.
Boyle erzählt diese Dreiecksgeschichte chronologisch, aber aus wechselnden Perspektiven. Das hat seinen besonderen Reiz, denn so zeigen sich oftmals verschiedene Versionen der Geschichte und neue Facetten in den Charakteren.
Nicht nur Jesse und Terry sind Gegenspieler, auch der Kontrast zwischen Stadt und Land wird anschaulich herausgearbeitet. Ist Terry als Arzt in der Notaufnahme seiner Klinik mit den Gestrandeten, den Obdachlosen und Armen in der Multikulti-Stadt L.A. konfrontiert, so trifft er in Boulder City auf die Tristesse einer heruntergekommenen Kleinstadt, wo sich die Menschen mit billigem Fast Food, Alkohol, Drogen und Sex betäuben.
Der Titel des Romans ist Programm. Keiner hier hat ein Zuhause, jeder sucht es, im wörtlichen und übertragenen Sinn. Es ist kein Zufall, dass Boyle den einen Handlungsort in der Wüste ansiedelt, auch dies ein unwirtlicher Ort.
„No Way Home“ ist kein typischer Boyle. Behandelte er in seinen meisten Romanen doch politische und ökologische Themen, so kommen diese hier nur am Rande vor.
Da lässt er den Möchtegern-Schriftsteller Jesse an einem Roman schreiben, der vom Bau des Hoover-Damms und seinen Folgen für Mensch und Umwelt erzählt. Hier am Lake Mead zeigt sich der Klimawandel ganz massiv. Seit Jahren sinkt der Wasserspiegel und legt tote Tiere und menschliche Skelette bloß.
Möglicherweise lässt sich „No Way Home“ als Parabel lesen, wie Menschen sich von zerstörerischen Kräften manipulieren und instrumentalisieren lassen, obwohl offensichtlich ist, wie sehr diese ihnen schaden.
Auf jeden Fall zeichnet der Roman das Bild einer Gesellschaft, die nur auf sich bezogen ist und Beziehungen nach dem Nutzprinzip eingeht.
„No Way Home“ ist sicher nicht Boyles bestes Buch. Trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Es liest sich süffig, bleibt spannend und auch sprachlich konnte es mich überzeugen. Ihm gelingen großartige Bilder ( „ Und dann stürzte der Nachmittag krachend in den Abend.“), atmosphärische Beschreibungen von Landschaft und Milieu, und entlarvende Dialoge.
Das Ende mag manchen enttäuschen, für mich ist es stimmig.
von Ruth - 2025-11-01 23:36:00
Von der vergeblichen Sehnsucht nach einem Ankommen - 5 Sterne
"No way home", der neue Roman von T.C.Boyle, beschäftigt sich vordergründig nicht so stark mit aktuellen Gesellschaftsthemen wie manche andere seiner Bücher. Sieht man aber genauer hin, dann tut er das sehr wohl. Porträtiert werden drei unreife junge Erwachsene, die alle drei sich auf ihre Art entwurzelt und heimatlos fühlen und auf der Suche nach Sicherheit, Geborgenheit und Bestätigung sind: nach einer äußeren Heimat für die innere Heimatlosigkeit. Drei Menschen, die diesen Halt nicht in sich selbst finden können und ihn deshalb, natürlich vergeblich, in einer anderen Person suchen müssen.
Da gibt es Terry, einen jungen Assistenzarzt in Los Angeles, den der Zufall erst einmal gelegentlich in die abgelegene Wüstenstadt Boulder City verschlägt: denn hier war der Altersruhesitz seiner Mutter (aber nicht der Ort und das Haus, an dem er aufgewachsen ist - seine Heimat ist es hier nicht), hier hatte sie ein Haus gekauft und bewohnt, und nun ist sie plötzlich verstorben und an ihm ist es, das Haus zu erben, sich um ihren Hund Daisy zu kümmern und sich um alle bürokratischen Formalitäten zu kümmern. Terry ist ein engagierter und völlig überarbeiteter Arzt, mit kaum Privatleben und nur wenig Erfahrungen mit Frauen. Auch die mit der Abwicklung des Erbes verbundene Bürokratie ist ihm fremd und er fühlt sich innerlich dieser Sache kaum gewachsen. Sein bisheriger Werdegang mit der starken Konzentration auf das Medizinstudium und den ersten Jahren als Arzt hat wohl seine intellektuellen Fähigkeiten gefordert und gefördert und ihm einen sechsstelligen Schuldenberg an Studiengebühren hinterlassen, ihn aber emotional nicht erwachsen werden lassen.
So kommt es ihm durchaus gelegen und er wehrt sich höchstens halbherzig, als die sehr attraktive und nach einer Trennung von ihrem impulsiven Ex-Freund Jesse temporär obdachlose Bethany ins Haus von Terrys Mutter einziehen will und verspricht, sich um das Haus und den Hund sowie die mit dem Erbe verbundene Bürokratie zu kümmern. Zwar sagt er erst einmal "nein" dazu, sie macht es trotzdem, zieht einfach ein, stellt ihn vor vollendete Tatsachen. Statt sie entschlossen hinauszuwerfen, verfällt er ihren äußeren Reizen und die beiden beginnen eine sexuelle Beziehung. Er fühlt sich von ihr sehr angezogen - so eine attraktive Frau hat sich wohl noch nie für ihn interessiert - auch wenn sie abgesehen von der körperlichen Attraktivität viele problematische Persönlichkeitseigenschaften aufweist, das Haus verkommen lässt, ihre dubiosen Freunde gegen seinen Willen dorthin einlädt, um wilde Partys zu feiern, und nicht einmal davor Halt macht, sich dort gegen Terrys ausdrücklichen Wunsch mit ihrem Ex Jesse zu treffen, mit unangenehmen Folgen verschiedenster Art für Terry. Dennoch wird Terry sie nicht los und überlegt letztlich in seiner grenzenlosen Naivität sogar, sie zu heiraten. Bethany wiederum erhofft sich von der Verbindung mit ihm sozialen Aufstieg - immerhin ist er Arzt - und materielle Absicherung.
Der dritte im Spiel ist Jesse, Lehrer an der Junior High School, leidenschaftlicher Motorradfahrer, impulsiv und zu Gewalt neigend und der vermeintliche Ex Bethanys, mit dem sie fünf gemeinsame Jahre verbracht hat, der ihr in Bezug auf das soziale Milieu viel ähnlicher ist als Terry und von dem auch sie sich nicht so wirklich lösen will, was aus dem Ganzen eine sehr toxische Dreiecksgeschichte macht. Auch er will Bethany nicht loslassen, erhebt Besitzansprüche auf sie, ist eifersüchtig auf Terry, den er als "Spießer" ansieht und dafür zutiefst verachtet, und meint, eine tiefe Verbindung zu Bethany zu fühlen.
Sympathisch ist in diesem Roman keine der drei menschlichen Figuren, nur mit dem klugen Hund Daisy habe ich mitgefühlt. Alle drei Hauptcharaktere sind zutiefst unreif, unreflektiert und machen über den Roman keine sichtbare Charakterentwicklung durch. Dadurch wiederholen sich verschiedene Situationen in ihrem Leben auch immer wieder, beispielsweise versucht Terry immer wieder auf zaghafte und ungeschickte Art, Bethany Grenzen in Bezug auf den sorglosen Umgang mit seinem Eigentum aufzuzeigen, doch werden diese Versuche nie vehementer oder entschlossener und bleiben immer erfolglos. Bethany wiederum verharrt in ihrer Schwebesituation zwischen den beiden Männern selbst dann noch, als sich einige Ereignisse deutlich zuspitzen, die bei einer psychisch gesünderen Frau längst zu einer Distanzierung geführt hätten. Auch Jesse ist und bleibt der impulsive, zu gewalttätigen Ausbrüchen neigende Mann, der er immer war.
Das Ganze findet vor der Hintergrundkulisse von Boulder City statt, die als unattraktive und wenig Perspektiven für junge Leute bietende Wüstenstadt wirkt, in der die einzigen Freizeitaktivitäten zielloses Herumfahren mit dem Motorrad oder Saufen in Lokalen zu sein scheinen.
Reine Dreiecksgeschichten und Liebesdramen sind nichts, was ich normalerweise gerne lese, und ich schätze es sonst auch, wenn es eine charakterliche Weiterentwicklung der Figuren gibt. Dieses Buch hat mich dennoch sehr überzeugt, denn es ist auf eine Art und Weise geschrieben, in der ich gerade diese Stagnation der Charaktere und ihr Verweilen in ihrer Unbewusstheit und den daraus resultierenden Schwierigkeiten sehr glaubhaft finde.
Solche Menschen gibt es viele, und Boyle gelingt es hier, sie in ihrem Umfeld treffend zu porträtieren, und dabei gleichzeitig zum Nachdenken darüber anzuregen, was es für eine Gesamtgesellschaft bedeutet, wenn es viele solcher Menschen gibt und wie genau die dahinterstehenden Sehnsüchte nach einer inneren wie äußeren Heimat und einem Ankommen, ohne wirklich die dafür erforderliche innere und äußere Arbeit leisten zu müssen, sehr leicht von politischen Verführern eingefangen werden können (das ist nicht Hauptthema des Romans, schwingt für mich aber zwischen den Zeilen mit). Damit ist es ein düsteres, aber durchaus treffendes Gesellschaftsporträt des modernen Amerikas in den 2020er Jahren.
Auch sprachlich weiß Boyle genau, was er tut, und jeder Satz sitzt. Hier ein paar Beispiele:
"Leute, die behaupteten, die Wüste zu lieben, redeten immer von unverstellter Weite, aber für ihn war es mehr wie die Sohle eines alten Joggingschuhs: nichts als Druck und abgewetztes Profil. Dass die Wüste leer war, hatte einen Grund - sie war ein negativer Raum zwischen einem selbst und einem Ort, wo man sein wollte, eine letzte Zuflucht für Heilige und Skorpione." (S. 15)
"Das Wasser war kalt, und er blieb nicht lange drin. Auf dem Board hatte er keine Probleme mit dem Gleichgewicht, auch wenn dieser Sport - das ganze Konzept - ihm neu war. Der See war ebenfalls neu, jedenfalls diese intime Bekanntschaft mit ihm." (S. 56)
"Er schlief im Gästezimmer, und nicht mal der Hund leistete ihm Gesellschaft." (S. 293)
"Sie machte keinen Versuch aufzuräumen, noch nicht jedenfalls. Sie ließ Jesse stänkern, bis ihm die Luft ausging, und dann stand sie auf und zog Schuhe und Jacke an." (S. 368)
Insgesamt ist es ein tiefgründiges und interessantes Buch, das ich allen empfehlen kann, die sich für das moderne Amerika und seine vielfältigen Probleme interessieren und die kein Problem damit haben, ein Buch ohne (menschliche) Sympathieträger zu lesen.
Da gibt es Terry, einen jungen Assistenzarzt in Los Angeles, den der Zufall erst einmal gelegentlich in die abgelegene Wüstenstadt Boulder City verschlägt: denn hier war der Altersruhesitz seiner Mutter (aber nicht der Ort und das Haus, an dem er aufgewachsen ist - seine Heimat ist es hier nicht), hier hatte sie ein Haus gekauft und bewohnt, und nun ist sie plötzlich verstorben und an ihm ist es, das Haus zu erben, sich um ihren Hund Daisy zu kümmern und sich um alle bürokratischen Formalitäten zu kümmern. Terry ist ein engagierter und völlig überarbeiteter Arzt, mit kaum Privatleben und nur wenig Erfahrungen mit Frauen. Auch die mit der Abwicklung des Erbes verbundene Bürokratie ist ihm fremd und er fühlt sich innerlich dieser Sache kaum gewachsen. Sein bisheriger Werdegang mit der starken Konzentration auf das Medizinstudium und den ersten Jahren als Arzt hat wohl seine intellektuellen Fähigkeiten gefordert und gefördert und ihm einen sechsstelligen Schuldenberg an Studiengebühren hinterlassen, ihn aber emotional nicht erwachsen werden lassen.
So kommt es ihm durchaus gelegen und er wehrt sich höchstens halbherzig, als die sehr attraktive und nach einer Trennung von ihrem impulsiven Ex-Freund Jesse temporär obdachlose Bethany ins Haus von Terrys Mutter einziehen will und verspricht, sich um das Haus und den Hund sowie die mit dem Erbe verbundene Bürokratie zu kümmern. Zwar sagt er erst einmal "nein" dazu, sie macht es trotzdem, zieht einfach ein, stellt ihn vor vollendete Tatsachen. Statt sie entschlossen hinauszuwerfen, verfällt er ihren äußeren Reizen und die beiden beginnen eine sexuelle Beziehung. Er fühlt sich von ihr sehr angezogen - so eine attraktive Frau hat sich wohl noch nie für ihn interessiert - auch wenn sie abgesehen von der körperlichen Attraktivität viele problematische Persönlichkeitseigenschaften aufweist, das Haus verkommen lässt, ihre dubiosen Freunde gegen seinen Willen dorthin einlädt, um wilde Partys zu feiern, und nicht einmal davor Halt macht, sich dort gegen Terrys ausdrücklichen Wunsch mit ihrem Ex Jesse zu treffen, mit unangenehmen Folgen verschiedenster Art für Terry. Dennoch wird Terry sie nicht los und überlegt letztlich in seiner grenzenlosen Naivität sogar, sie zu heiraten. Bethany wiederum erhofft sich von der Verbindung mit ihm sozialen Aufstieg - immerhin ist er Arzt - und materielle Absicherung.
Der dritte im Spiel ist Jesse, Lehrer an der Junior High School, leidenschaftlicher Motorradfahrer, impulsiv und zu Gewalt neigend und der vermeintliche Ex Bethanys, mit dem sie fünf gemeinsame Jahre verbracht hat, der ihr in Bezug auf das soziale Milieu viel ähnlicher ist als Terry und von dem auch sie sich nicht so wirklich lösen will, was aus dem Ganzen eine sehr toxische Dreiecksgeschichte macht. Auch er will Bethany nicht loslassen, erhebt Besitzansprüche auf sie, ist eifersüchtig auf Terry, den er als "Spießer" ansieht und dafür zutiefst verachtet, und meint, eine tiefe Verbindung zu Bethany zu fühlen.
Sympathisch ist in diesem Roman keine der drei menschlichen Figuren, nur mit dem klugen Hund Daisy habe ich mitgefühlt. Alle drei Hauptcharaktere sind zutiefst unreif, unreflektiert und machen über den Roman keine sichtbare Charakterentwicklung durch. Dadurch wiederholen sich verschiedene Situationen in ihrem Leben auch immer wieder, beispielsweise versucht Terry immer wieder auf zaghafte und ungeschickte Art, Bethany Grenzen in Bezug auf den sorglosen Umgang mit seinem Eigentum aufzuzeigen, doch werden diese Versuche nie vehementer oder entschlossener und bleiben immer erfolglos. Bethany wiederum verharrt in ihrer Schwebesituation zwischen den beiden Männern selbst dann noch, als sich einige Ereignisse deutlich zuspitzen, die bei einer psychisch gesünderen Frau längst zu einer Distanzierung geführt hätten. Auch Jesse ist und bleibt der impulsive, zu gewalttätigen Ausbrüchen neigende Mann, der er immer war.
Das Ganze findet vor der Hintergrundkulisse von Boulder City statt, die als unattraktive und wenig Perspektiven für junge Leute bietende Wüstenstadt wirkt, in der die einzigen Freizeitaktivitäten zielloses Herumfahren mit dem Motorrad oder Saufen in Lokalen zu sein scheinen.
Reine Dreiecksgeschichten und Liebesdramen sind nichts, was ich normalerweise gerne lese, und ich schätze es sonst auch, wenn es eine charakterliche Weiterentwicklung der Figuren gibt. Dieses Buch hat mich dennoch sehr überzeugt, denn es ist auf eine Art und Weise geschrieben, in der ich gerade diese Stagnation der Charaktere und ihr Verweilen in ihrer Unbewusstheit und den daraus resultierenden Schwierigkeiten sehr glaubhaft finde.
Solche Menschen gibt es viele, und Boyle gelingt es hier, sie in ihrem Umfeld treffend zu porträtieren, und dabei gleichzeitig zum Nachdenken darüber anzuregen, was es für eine Gesamtgesellschaft bedeutet, wenn es viele solcher Menschen gibt und wie genau die dahinterstehenden Sehnsüchte nach einer inneren wie äußeren Heimat und einem Ankommen, ohne wirklich die dafür erforderliche innere und äußere Arbeit leisten zu müssen, sehr leicht von politischen Verführern eingefangen werden können (das ist nicht Hauptthema des Romans, schwingt für mich aber zwischen den Zeilen mit). Damit ist es ein düsteres, aber durchaus treffendes Gesellschaftsporträt des modernen Amerikas in den 2020er Jahren.
Auch sprachlich weiß Boyle genau, was er tut, und jeder Satz sitzt. Hier ein paar Beispiele:
"Leute, die behaupteten, die Wüste zu lieben, redeten immer von unverstellter Weite, aber für ihn war es mehr wie die Sohle eines alten Joggingschuhs: nichts als Druck und abgewetztes Profil. Dass die Wüste leer war, hatte einen Grund - sie war ein negativer Raum zwischen einem selbst und einem Ort, wo man sein wollte, eine letzte Zuflucht für Heilige und Skorpione." (S. 15)
"Das Wasser war kalt, und er blieb nicht lange drin. Auf dem Board hatte er keine Probleme mit dem Gleichgewicht, auch wenn dieser Sport - das ganze Konzept - ihm neu war. Der See war ebenfalls neu, jedenfalls diese intime Bekanntschaft mit ihm." (S. 56)
"Er schlief im Gästezimmer, und nicht mal der Hund leistete ihm Gesellschaft." (S. 293)
"Sie machte keinen Versuch aufzuräumen, noch nicht jedenfalls. Sie ließ Jesse stänkern, bis ihm die Luft ausging, und dann stand sie auf und zog Schuhe und Jacke an." (S. 368)
Insgesamt ist es ein tiefgründiges und interessantes Buch, das ich allen empfehlen kann, die sich für das moderne Amerika und seine vielfältigen Probleme interessieren und die kein Problem damit haben, ein Buch ohne (menschliche) Sympathieträger zu lesen.
von Eternal-Hope - 2025-10-30 07:08:00


