Rezensionen
Die Geschichte des Klangs
Autor: Ben Shattuck
Erschienen 2025 bei Hanser, Carl;Viking
ISBN 978-3-446-28424-1
Habe mir mehr erwartet - 3 Sterne
Das Buch hat mich am Ende so ein wenig ratlos zurückgelassen. Auf der einen Seite fand ich die Geschichte von Lionel und David wirklich schön und auch poetisch geschrieben. Auf der anderen Seite sind knapp über 100 Seiten nicht gerade viel und für meinen Geschmack vielleicht sogar zu wenig, um alles in seiner Gänze zu erfassen.
Ich würde nicht so weit gehen, so sagen, dass ich die Erzählung oberflächlich fand, aber es gibt doch einige Lücken, die Interpretationsspielraum lassen und die gerne etwas mehr hätten gefüllt werden dürfen.
Auch waren mir die zeitlichen Abläufe bzw. wie viel Zeit insgesamt vergangen ist trotz mehrmaligen Lesens nicht ganz klar, was mich schon auch gestört hat und einen kleinen unbefriedigenden Beigeschmack hinterlassen hat.
Der zweite Teil erschien mir zwar etwas konstruiert, aber trotzdem berührend, dass der Fund der Wachswalzen und die Auseinandersetzung mit deren Geschichte auch etwas in Annie und ihrem Leben bewegt.
Alles in allem fand ich „Die Geschichte des Klangs“ nicht schlecht, habe mir aber durchaus mehr erwartet.
Ich würde nicht so weit gehen, so sagen, dass ich die Erzählung oberflächlich fand, aber es gibt doch einige Lücken, die Interpretationsspielraum lassen und die gerne etwas mehr hätten gefüllt werden dürfen.
Auch waren mir die zeitlichen Abläufe bzw. wie viel Zeit insgesamt vergangen ist trotz mehrmaligen Lesens nicht ganz klar, was mich schon auch gestört hat und einen kleinen unbefriedigenden Beigeschmack hinterlassen hat.
Der zweite Teil erschien mir zwar etwas konstruiert, aber trotzdem berührend, dass der Fund der Wachswalzen und die Auseinandersetzung mit deren Geschichte auch etwas in Annie und ihrem Leben bewegt.
Alles in allem fand ich „Die Geschichte des Klangs“ nicht schlecht, habe mir aber durchaus mehr erwartet.
von Rinoa - 2025-10-21 12:35:00
Poetisch, mir aber zu flüchtig - 3 Sterne
„Die Geschichte des Klangs“ hat mich mit seiner ruhigen, fast kontemplativen Atmosphäre zunächst sehr angesprochen. Zwei junge Männer, die im Sommer 1916 durch Maine reisen, um Geräusche für ein Klangarchiv aufzuzeichnen – das ist ein ungewöhnliches und schönes Motiv. Gerade der Einstieg mit Lionel und David hat für mich gut funktioniert: sprachlich fein, stimmungsvoll, leise, aber eindrucksvoll.
Auch die Gestaltung des Buches gefällt mir: das Cover ist stilvoll und vermittelt genau diese melancholische, nachdenkliche Grundstimmung. Die Sprache – in der deutschen Übersetzung von Dirk van Gunsteren – ist klar, fast poetisch, und hat streckenweise einen fast musikalischen Rhythmus, der gut zur Thematik passt.
Was mir allerdings gefehlt hat, war echte Tiefe. Auf nur etwas mehr als 100 Seiten bleibt vieles nur angedeutet. Die Figuren – vor allem Annie in der zweiten Zeitebene – wirkten auf mich eher als literarische Funktionsträgerin denn als echte Persönlichkeit. Die emotionalen Entwicklungen bleiben oberflächlich, wichtige Themen werden eher angerissen als wirklich durchdrungen.
Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte mehr Raum bekommt. Vieles hätte intensiver wirken können, wenn es Zeit gehabt hätte, sich zu entfalten. So bleibt das Buch für mich eher eine schöne Skizze als ein vollständiges Werk.
Fazit:
Ein ruhiges, poetisches Buch mit interessanter Grundidee und schöner Sprache – aber auch mit einer gewissen Leere zwischen den Zeilen. Für Leser*innen, die reduzierte, stimmungsvolle Erzählungen mögen, sicherlich empfehlenswert. Wer allerdings nach emotionaler Tiefe und echten Entwicklungen sucht, könnte enttäuscht zurückbleiben.
Auch die Gestaltung des Buches gefällt mir: das Cover ist stilvoll und vermittelt genau diese melancholische, nachdenkliche Grundstimmung. Die Sprache – in der deutschen Übersetzung von Dirk van Gunsteren – ist klar, fast poetisch, und hat streckenweise einen fast musikalischen Rhythmus, der gut zur Thematik passt.
Was mir allerdings gefehlt hat, war echte Tiefe. Auf nur etwas mehr als 100 Seiten bleibt vieles nur angedeutet. Die Figuren – vor allem Annie in der zweiten Zeitebene – wirkten auf mich eher als literarische Funktionsträgerin denn als echte Persönlichkeit. Die emotionalen Entwicklungen bleiben oberflächlich, wichtige Themen werden eher angerissen als wirklich durchdrungen.
Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte mehr Raum bekommt. Vieles hätte intensiver wirken können, wenn es Zeit gehabt hätte, sich zu entfalten. So bleibt das Buch für mich eher eine schöne Skizze als ein vollständiges Werk.
Fazit:
Ein ruhiges, poetisches Buch mit interessanter Grundidee und schöner Sprache – aber auch mit einer gewissen Leere zwischen den Zeilen. Für Leser*innen, die reduzierte, stimmungsvolle Erzählungen mögen, sicherlich empfehlenswert. Wer allerdings nach emotionaler Tiefe und echten Entwicklungen sucht, könnte enttäuscht zurückbleiben.
von Piet1990 - 2025-09-01 15:38:00
Erinnerungen - 5 Sterne
Zwei lose miteinander verbundene Geschichten über Musik und Neuengland, aber vor allem über verpasste Chancen und über verlorene Lieben, deren Bedeutung erst zu spät klar wurde. Manchmal merkt man ja tatsächlich erst im Nachhinein, wie prägend ein Verlust sein kann.
Der Stil des Autors ist poetisch und verdeutlicht nur die Tragik der einzelnen Protagonisten. Man liest zwischen den Zeilen und spürt eine alles überdauernde Schwermut. Nicht die große Depression, aber eine konstante Melancholie, die alles ein wenig farbloser erscheinen lässt. Das Leben gelingt trotzdem, Beziehungen werden trotzdem gelebt. Aber die Erinnerung an Vergangenes wird zu einem kostbaren Schatz - gleichzeitig voller Freude und Trauer.
Großartig!
Knapp 100 Seiten sind schnell gelesen und wirken lange nach!
Der Stil des Autors ist poetisch und verdeutlicht nur die Tragik der einzelnen Protagonisten. Man liest zwischen den Zeilen und spürt eine alles überdauernde Schwermut. Nicht die große Depression, aber eine konstante Melancholie, die alles ein wenig farbloser erscheinen lässt. Das Leben gelingt trotzdem, Beziehungen werden trotzdem gelebt. Aber die Erinnerung an Vergangenes wird zu einem kostbaren Schatz - gleichzeitig voller Freude und Trauer.
Großartig!
Knapp 100 Seiten sind schnell gelesen und wirken lange nach!
von HEYN Leserunde, Miriam Brandl - 2025-08-26 16:12:00
Melodisch und poetisch - 4 Sterne
In 'Die Geschichte des Klangs' erzählt Ben Shattuck in einer wahnsinnig ruhigen, melodischen und poetischen Sprache von der Liebe zwischen Lionel und David, welche nur einen Sommer währt und von Anni und Henry, welche Jahre später beim Entrümpeln auf die Wachszylinder stoßen, die in diesem Sommer voller Liebe entstanden sind.
Ein Werk, welches auf wenigen Seiten tiefe Einblicke gibt, viel sagt, zum Nachdenken anregt und einfach schön ist. Ich bin eingetaucht und habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und war fast ein bisschen traurig, dass ich Lionel und Anni nicht noch weiter begleiten darf. Dennoch ist das Erzählte rund, mit viel Tiefgang ohne unnötige Ausschweifungen. Ein sehr starkes Buch, welches nachwirkt und durchaus die Frage aufwirft, was wäre, wenn man an dem ein oder anderen Punkt im Leben anders entschieden hätte.
Ein Werk, welches auf wenigen Seiten tiefe Einblicke gibt, viel sagt, zum Nachdenken anregt und einfach schön ist. Ich bin eingetaucht und habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und war fast ein bisschen traurig, dass ich Lionel und Anni nicht noch weiter begleiten darf. Dennoch ist das Erzählte rund, mit viel Tiefgang ohne unnötige Ausschweifungen. Ein sehr starkes Buch, welches nachwirkt und durchaus die Frage aufwirft, was wäre, wenn man an dem ein oder anderen Punkt im Leben anders entschieden hätte.
von Michaela - 2025-08-07 14:58:00
Viele Fragen - 4 Sterne
"Die Geschichte des Klangs" von Ben Shattuck erzählt die Liebesgeschichte zwischen Lionel und David, die sich in einer Zeit ineinander verlieben, in der dies unmöglich scheint. Beide verbindet eine Liebe zur Musik, die bei Lionel sogar als Synästhesie ausgeprägt ist.
Nachdem die beiden einen Sommer Musik mit einem Phonographen aufnehmen, zerbricht der Kontakt der beiden und Lionel erfährt erst später, was mit David passiert ist. Im zweiten Teil der Geschichte sieht eine Frau ein Interview mit Lionel und entdeckt daraufhin Tage später im neuen Haus, in das sie und ihr Mann einziehen werden, die Walzen mit der Musik der beiden. Sie versucht Kontakt mit der Vorbesitzerin aufzunehmen, um mehr darüber zu erfahren.
Die Leseprobe hatte mir damals sehr gut gefallen. Shattuck hat einen angenehmen Schreibstil und auch die Geschichte hat durchaus viel Potenzial. Mir hat allerdings eine gewisse Tiefe gefehlt und ich hätte gerne viel viel mehr über Lionel und David erfahren.
Die englische Originalversion ist viel länger und die Geschichten dort sollen auch verwoben sein. Warum das nicht ins Deutsche übertragen wurde, ist mir ein Rätsel. Da es allerdings einen Film zum Buch geben wird, bin ich sehr gespannt, wie dieser sein wird.
Alles in Allem ist es eine schöne, aber zu kurzweilige Geschichte (in der deutschen Version) und daher werde ich mir überlegen sie vielleicht noch im Englischen zu lesen. Deshalb vergebe ich 3.75 Sterne.
Nachdem die beiden einen Sommer Musik mit einem Phonographen aufnehmen, zerbricht der Kontakt der beiden und Lionel erfährt erst später, was mit David passiert ist. Im zweiten Teil der Geschichte sieht eine Frau ein Interview mit Lionel und entdeckt daraufhin Tage später im neuen Haus, in das sie und ihr Mann einziehen werden, die Walzen mit der Musik der beiden. Sie versucht Kontakt mit der Vorbesitzerin aufzunehmen, um mehr darüber zu erfahren.
Die Leseprobe hatte mir damals sehr gut gefallen. Shattuck hat einen angenehmen Schreibstil und auch die Geschichte hat durchaus viel Potenzial. Mir hat allerdings eine gewisse Tiefe gefehlt und ich hätte gerne viel viel mehr über Lionel und David erfahren.
Die englische Originalversion ist viel länger und die Geschichten dort sollen auch verwoben sein. Warum das nicht ins Deutsche übertragen wurde, ist mir ein Rätsel. Da es allerdings einen Film zum Buch geben wird, bin ich sehr gespannt, wie dieser sein wird.
Alles in Allem ist es eine schöne, aber zu kurzweilige Geschichte (in der deutschen Version) und daher werde ich mir überlegen sie vielleicht noch im Englischen zu lesen. Deshalb vergebe ich 3.75 Sterne.
von rosetheline - 2025-07-27 17:13:00
Eine Liebe gegen die Konventionen - 5 Sterne
Wie schön, einmal im Leben die große Liebe zu erleben – und wie tragisch, wenn man nicht wagt, diese Liebe auszuleben! Lionel und David erleben genau das; Jahre später stößt Annie auf die Spuren dieser großen Liebe und nimmt dies zum Anlass, ihr Leben umzukrempeln.
Ergreifend!
Ergreifend!
von Ina Cassik - 2025-07-24 11:05:10
Über die Liebe - 4 Sterne
Ben Shattuck hätte sicherlich einen dickeren Roman schreiben können, aber er entschied sich, auf wenigen Seiten eine Kurzgeschichte zu erzählen, die von der ersten Liebe zweier Menschen handelt, deren Leben unterschiedlich verlaufen ist. Da wäre Lionel, der ein Packet erhält, dass ihn an seine Jugendliebe David erinnert. Verschickt hat das Packet Annie, die mit ihrer Jugendliebe Henry verheiratet ist. Eine Erfahrung, die Lionel verwehrt bleibt. Geht die erste Liebe nie wirklich gut aus? Was ist, wenn die besten Jahren schon vorbei sind? Ist Kummer im Leben wertvoll? Es ist die zarte Sprache, die mir gefallen hat und die kleinen Dinge, die Ben Shattuck so treffend beschreibt. Dadurch konnte ich ganz eintauchen, mich berühren und zum Nachdenken bringen lassen. Immer wieder folgt man den Gedanken über Musik und den Naturbeschreibungen. Ein kluger Roman voller Fülle, mit genau der richtigen Anzahl an Seiten, wie ich finde.
von Kokoloreslot - 2025-07-23 19:21:00
Die Wachszylinder - 5 Sterne
Ben Schattucks Die Geschichte des Klangs besteht aus zwei Teilen, die zeitlich versetzt sind und sich doch aufeinander beziehen.
Der erste Teil erzählt die Begegnung zweier Männer, Lionel und David. Es ist die Zeit von 1917 bis 1919 und eine große erste Liebe.
Das große Thema ist Musik. David ist Komponist, Lionel Sänger. Er hat das absolute Gehör, knn Töne wie Farben oder Gerüche wahrnehmen.
Gemeinsam ziehen sie los und nehmen Lieder der Bevölkerung auf.
Dieser Abschnitt wurde dieses Jahr auch verfilmt.
Im zweiten Text ,Jahrzehnte später findet eine Frau, Annie, diese Aufnahmen. Sie hat ihre erste große Liebe Henry geheiratet. Doch wo David und Lionels Liebe durch Davids Tod viel zu früh endete, scheint ihre Liebe am Endpunkt.
Ein sehr sensibel und einfühlsam erzähltes Buch.
Der erste Teil erzählt die Begegnung zweier Männer, Lionel und David. Es ist die Zeit von 1917 bis 1919 und eine große erste Liebe.
Das große Thema ist Musik. David ist Komponist, Lionel Sänger. Er hat das absolute Gehör, knn Töne wie Farben oder Gerüche wahrnehmen.
Gemeinsam ziehen sie los und nehmen Lieder der Bevölkerung auf.
Dieser Abschnitt wurde dieses Jahr auch verfilmt.
Im zweiten Text ,Jahrzehnte später findet eine Frau, Annie, diese Aufnahmen. Sie hat ihre erste große Liebe Henry geheiratet. Doch wo David und Lionels Liebe durch Davids Tod viel zu früh endete, scheint ihre Liebe am Endpunkt.
Ein sehr sensibel und einfühlsam erzähltes Buch.
von yellowdog - 2025-07-22 04:15:00


