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Rezensionen

Melken
Roman

Autor: Sanna Samuelsson

Erschienen 2026 bei Hanser, Carl;Albert Bonniers Forlag, Stockholm
ISBN 978-3-446-28484-5
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Alte Heimat - 3 Sterne

Ellen zieht es zurück aufs Land in ihre alte Heimat die sie einst verlassen musste.
Sie hat nicht vergessen wie es damals war.
Der Geruch von Kühe , Mist und Dung.
Als sie ankommt liegt noch immer der Schlüssel unter dem Blumentopf vor der Haustüre.
Der Hof gehört ihr aber nicht mehr und die neuen Besitzer sind angeblich im Urlaub.
Es soll nur für einige Tage sein wo sie dort bleiben will.
Sie hat mit sechzehn Jahren den Hof verlassen und nun taucht auf einmal wieder der ehemalige Sohn vom Nachbarn auf.
Sie ist jetzt dreißig Jahre alt und kann sich nicht mehr so genau an alles erinnern.
Damals wurde ihr Vater krank und das war eigentlich das Ende des Lebens auf dem Hof.
Ellen muss sich nun wieder auf die Flucht begeben als die neuen Besitzer ganz plötzlich wieder nach Hause kommen.
Der Autorin geht es in diesem Buch auf den Verfall der Landwirtschaft .
von Gundi57 - 2026-05-23 14:54:00

Sehr ruhig und langatmig - 3 Sterne

Ich habe „Melken“ über ein paar Abende gelesen und bin zwiegespalten – im guten Sinn. Das Buch erzählt keine große Handlung, sondern beobachtet: den Rhythmus im Stall, müde Hände, das Wetter, das alles bestimmt, und Menschen, die mehr verschweigen als sagen. Genau das macht seinen Reiz aus. Die Sprache ist schlicht, manchmal fast protokollarisch, und ja, einige Absätze fühlen sich absichtlich lang an – wie Wartezeit zwischen zwei Handgriffen. Wer Tempo und Plot-Twists sucht, findet sie nicht; wer sich auf Alltagspräzision einlassen kann, bekommt viel zurück.

Besonders geblieben ist mir der alte Bauer, der mit knappen Sätzen ganze Landschaften aufzieht, und die Szene im Regen, in der nichts „passiert“ und trotzdem alles klar wird. Nicht jedes Kapitel trägt gleich gut, stellenweise hätte ich mir etwas mehr Kante gewünscht, aber insgesamt wirkt das Buch stimmig und respektvoll gegenüber seiner Welt.

Mein Fazit: kein Lieblingsbuch, aber eines, das nachwirkt – wie Heugeruch in der Jacke am nächsten Tag.
von Katyleh - 2026-03-31 06:59:00

Nichts passiert - 3 Sterne

Nach der Trennung von ihrer Freundin steigt Ellen in ihr kaputtes Auto und fährt raus aufs Land in das kleine Örtchen, in dem sie als Kind gelebt hat. Sie betritt ihr Elternhaus und verbringt dort Tag um Tag - obwohl das Haus längst nicht mehr ihrer Familie gehört. Da die neuen Besitzer jedoch gerade in Urlaub sind und sie selbst einst so viele Jahre hier verbracht hat, sieht Ellen sich im Recht. Dann taucht Max auf, ihr Nachbar aus Kindertagen, und Ellen denkt zurück an damals, als ihrer Familie noch ein Milchbetrieb gehörte und sie und Max die einzigen beiden richtigen Bauernkinder in ihrer Klasse waren.

Ohne wirklichen Faden folgen wir Ellen, deren Gedanken mal hierhin, mal dorthin schweifen. Sie blieb mir als Protagonistin fremd; zwar scheint ihr Wunsch nach einer Heimkehr auf den ersten Blick nachvollziehbar, dann aber irgendwie auch wieder nicht, wenn immer offensichtlicher wird, dass sie dieses Anders-Sein als Kind eigentlich stets als Last empfunden hat - die matschigen Schuhe, der weite Schulweg, der ständige Mist-Geruch, der sie auf all ihren Schritten begleitet hat. Noch unverständlicher blieb mir ihr Handeln - einfach in ein "fremdes" Haus eindringen und sich dort einrichten, die Kleidung der ihr völlig unbekannten Besitzer tragen? Ihren Kühlschrank leeressen, ihr Sofa vollkrümeln? Ich weiß ja nicht.
Hinzu kommt, dass am Ende des kurzen Romans eigentlich nichts passiert ist. Man wartet vergeblich auf irgendeinen Twist, irgendeine Erkenntnis, doch am Ende verläuft sich die Geschichte einfach.
von Anna625 - 2026-03-27 08:12:00

hat mich nicht überzeugt - 2 Sterne

ich habe mich mit diesem Debüt von Sanna Samuelsson sehr schwer getan.
Mir ist es nicht gelungen einen wirklichen Zugang zu Ellen zu finden.
Ellen, die sich nach einer gescheiterten Beziehung, in ihr Elternhaus, deren jetzige Besitzer in Urlaub sind, einschleicht, verstehe ich einfach nicht. Ihre Vergangenheit existiert nicht mehr so wie sie sie in Erinnerung hat. Sie ist verschwunden, wirkt aber trotzdem nach. Die Stellen an deren Ellen sich an ihre Kindheit erinnert empfand ich als sehr gut erzählt. Auf der anderen Seite konnte ich viele ihrer Handlungen nicht nachvollziehen. Auch die Begegnung mit Max, dem Jugendfreund, war für mich merkwürdig.
Ich glaube, ich habe das Buch nur zu Ende gelesen , weil es nicht sehr umfangreich war. Bei einem dicken Buch hätte ich mit Sicherheit vor dem Ende abgebrochen.
Fazit: Das war kein Buch für mich!
von peppi - 2026-03-23 16:43:00

"Wem gehört ein Ort?" - 5 Sterne

Ellen wuchs auf einem Bauernhof auf. Doch ihre Familie ist schon lange weggezogen und hat den Hof verkauft. Nach der Trennung von ihrer Freundin empfindet Ellen jedoch so große Sehnsucht nach ihrem alten Leben, dass sie kurzerhand auf den Hof fährt. Die neuen Besitzer sind verreist, doch der Schlüssel liegt in seinem angestammten Versteck.

Und so verschafft sich Ellen Zutritt zu ihrem alten Zuhause. Alles sieht ganz anders aus, ist anders eingerichtet und die Kühe, ein ehemals elementarer Bestandteil des Hofes, sind weg. Ellen legt sich in ein Bett, benutzt die Toilette und schwelgt immer mehr in ihren Erinnerungen. Die heimliche Inbesitznahme des alten Hofs wird auch nicht unterbrochen, als Max, ein ehemaliger Schulfreund und Nachbar, der sich während der Abwesenheit um den Hof kümmert, die Anwesenheit Ellens bemerkt.

Der gesamte Roman besteht größtenteils aus Erinnerungen. Die Handlung ist wenig spektakulär, sondern beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Gefühlswelt von Ellen. Eine melancholische Stimmung liegt über dem gesamten Roman. Kurze Kapitel mit kurzen Gedankengängen prägen den Schreibstil. Es bleibt viel Raum für eigene Gedanken. Auch insgesamt ist das Buch mit etwas mehr als 150 Seiten sehr knappgehalten.

Ich konnte mich sehr gut in die Protagonistin hineinversetzten. Ein altes Zuhause kann tiefe Gefühle hervorrufen. Ein Ort kann für den einen so viel bedeuten und für den anderen gar nichts. In diesem Zusammenhang fand ich folgende Überlegung Ellens besonders aussagekräftig: „Wem gehört ein Ort? Die mit dem nötigen Geld oder, denjenigen die geschuftet haben…?

Das Cover des Romans mit dem Ausschnitt eines Gesichts und den Milchflecken ist genauso besonders wie der Inhalt des Buches. Mir hat der Roman gut gefallen und ich kann ihn nur weiterempfehlen.
von Wolle - 2026-03-21 16:42:00

verstörend und faszinierend - 5 Sterne

Verstörend und zugleich faszinierend. Mit „Melken“ ist Sanna Samuelsson meiner Meinung nach, ein kleines sprachliches Meisterwerk gelungen. Die Autorin erzählt von Ellen, die sich nach einer Trennung zurück in ihr zu Hause verkriecht. Nur leider wohnen da mittlerweile fremde Personen. Zum Glück sind diese aber verreist und haben das altbekannte Schlüsselversteck beibehalten. So kommt es, dass sie in ihrem eigenen kleinen Bullerbü ihre Wunden leckt. Das Hauptaugenmerk wird dabei aber nicht auf die Trennung gerichtet (ihre Freundin Diana hat die Beziehung beendet) sondern auf ihre Scham die sie schon als Kind empfand, weil sie auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Immer wieder achtet sie in ihrer Kindheit und Jugend penibel darauf nicht zu stinken, ja nicht mit ihren Schuhen in Kuhfladen zu treten. Doch jeder Weichspüler und jedes Parfum sind vergebens.
Der Roman hat mich sehr überrascht mit seiner Widersprüchlichkeit, in ihrer Jugend will Ellen vom Bauernhof flüchten und als Erwachsene sucht sie genau dort Zuflucht. Die Sprache gefällt mir auch sehr gut, obwohl sie intensiv und stellenweise sehr körperlich ist, verleiht das dem Roman seinen gewissen Charme.
von Lydia_Te - 2026-03-10 21:05:00

Heimat ist auch Geruch - 3 Sterne

Ein Romandebut ist für mich immer beachtenswert, denn wer es erstmals geschafft hat, gedruckt zu werden, kann kein schlechter Autor sein. Und so bin ich auch von diesem Erstling angetan. Die Autorin führt uns mitten in eine Welt, die für die meisten von uns eher fremd ist: in die Landwirtschaft mit all ihren unangenehmen, aber unerlässlichen Nebenerscheinungen. Und noch dazu ein unerlaubter Einbruch in die Welt ihrer Jugend, ihrer Vergangenheit, das allein wäre schon aufregend.
Sanna Samuelsson erzählt lebhaft fließend und sehr anschaulich, sodass der Leser die verschiedenen Stall- und vor allem Milchgerüche fast in die Nase kriechen. Ihre Protagonistin Ellen tritt nicht allzu deutlich hervor, was das Äußere angeht, doch ihr Denken und Fühlen dafür umso mehr.
Viel Wehmut kommt aus den Seiten, viel Erinnerung und späte Einsicht. Dass die Erzählerin Ellen ihr Handy kurzerhand im Wasser versenkt hat, beginnt sie bald zu bereuen. So ganz von ihrem bisherigen Leben und der Partnerin ausgeschlossen zu sein, fällt ihr dann doch nicht leicht. Ich konnte gut mitfühlen und stellte mir unwillkürlich vor, wie es wäre, wenn ich unversehens in mein Elternhaus zurückkehren würde, in dem längst andere Leute leben. Und wenn diese Gedanken beim Lesen hervorgerufen werden, ist das doch eine der schönen Aufgaben eines Romans.
Ich kann ihn guten Gewissens allen Lesefreudigen weiterempfehlen.
von Emmmbeee - 2026-03-10 17:16:00

Sinnlich und poetisch - 3 Sterne

Ellen ist lesbisch und hat in der Stadt Karriere gemacht. Nach einer Trennung besucht sie den Hof, auf dem sie aufgewachsen ist. Sie trifft einen Freund aus Kindertagen wieder.
Die Geschichte ist recht handlungsarm. Die Protagonistin schildert Erinnerungen an ihre Kindheit auf dem Milchhof. Durch die Naturbeschreibungen wirkt diese Kindheit geradezu idyllisch. Doch für ihre Eltern war es harte Arbeit, an jedem einzelnen Tag. Inzwischen wird der Hof längst nicht mehr bewirtschaftet, Fremde wohnen hier. Nicht nur die Kindheit der Protagonistin ist vorbei, die Lebensweise der kleinen Bauern ist es auch. Der Gegensatz zwischen dem Lebensgefühl in der Stadt und dem auf dem Land wird in der Protagonistin sehr deutlich. Die Fichtenwälder, durch die Ellen heimfährt, sind für die Bauerstocher ein Friedhof.
Der Stil ist poetisch und sehr sinnlich. Das ist schön zu lesen. Es ist ein leises Buch, von Empfindungen und Wahrnehmungen getragen, in dem nicht viel passiert. Weil es eher eine Betrachtung ist als ein Roman, vergebe ich nur drei Sterne.
von Krani - 2026-03-10 13:44:00

Anderer Bauernhofroman - 4 Sterne

Der Roman „Melken“ beginnt mit einer originellen Ausgangssituation: Nach der Trennung von ihrer Freundin fährt Ellen zurück auf den Bauernhof, auf dem sie zwischen Milchkühen aufgewachsen ist. Die neuen Besitzer sind verreist, der Schlüssel liegt noch an seinem alten Platz. Aus einem kurzen Besuch wird ein längerer Aufenthalt, bei dem sie versucht sowohl den Verkauf des Bauernhofs in ihrer Jugend als auch die Trennung zu verarbeiten.

Schon ab den ersten Seiten hat mir der Roman sehr gut gefallen. Die Anfahrt aufs Land und die Eindrücke des Hofs sind dicht beschrieben. Dadurch wird schnell spürbar, wie sehr Ellen noch mit diesem Ort verbunden ist. Zwischen den Szenen in der Gegenwart tauchen immer wieder kurze Rückblicke auf Ellens Kindheit auf dem Hof auf, die ich besonders interessant fand, da ich wenig über die Milchwirtschaft wusste.

Für mich war „Melken“ ein origineller „Bauernhofroman“, der sich deutlich von romantisierenden Landgeschichten unterscheidet. Statt Nostalgie steht eher die Frage im Mittelpunkt, was von einem Herkunftsort bleibt, wenn sich das Leben in Schweden längst in eine andere Richtung bewegt hat. Man sollte allerdings auch Freude an ungewöhnlichen Fakten zu Milchkühen und Natur auf dem Land haben, die immer wieder eingestreut werden.
von LeserinLu - 2026-03-08 17:41:00

Rau, ungewöhnlich und eindringlich - 3 Sterne

„Melken“ ist ein Roman, den ich nicht ganz so leicht einordnen kann, wenn ich ehrlich bin. Die Geschichte wirkt roh und direkt, manchmal fast sperrig. Genau das macht dann aber einen großen Teil ihrer Wirkung aus. Statt einer klassischen Handlung steht vor allem das Leben der Figuren und ihr Umfeld im Mittelpunkt.

Der Schreibstil ist reduziert und nüchtern. Vieles bleibt zwischen den Zeilen, was das Lesen für mich stellenweise herausfordernd gemacht hat.

Die Figuren wirken außerdem widersprüchlich, aber dadurch auch irgendwie doch sehr real. Nicht jede Passage hat mich gleich stark in ihren Bann gezogen, trotzdem bleibt das Buch durch seine eigene Tonlage und Perspektive im Gedächtnis.

Fazit:
Ein doch eher eigenwilliger Roman mit rauer Sprache und starken Figuren. Keine leichte Lektüre, aber eine, die durch ihre besondere Atmosphäre lange nachwirkt.
von Piet1990 - 2026-03-07 15:57:00