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Rezensionen

Mo & Moritz

Autor: Julya Rabinowich

Erschienen 2026 bei Hanser, Carl
ISBN 978-3-446-28589-7
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Mo & Moritz - 5 Sterne

Testleserin LENA, Tyrolia-Filiale Innsbruck (14 Jahre, Kufstein)

Das Buch handelt von Mo, einem muslimischen Jungen, der eine Friseurlehre absolviert. Er macht sich so gut, dass er sogar auf den Ball mitgehen und dort helfen darf. Dabei lernt er Moritz kennen, einen Jungen, in den er sich sofort verliebt. Doch es gibt ein Problem: Moritz ist ein Jude und Mos Familie wäre damit nicht einverstanden.

Ich finde das Buch spannend, aber auch irgendwie traurig, denn im echten Leben wird es wahrscheinlich auch so sein.
von Tyrolia Testleser:in aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2026-03-04 16:39:21

MoMos - 3 Sterne

Mo & Moritz von Julya Rabinowich ist ein (Jugend-)Roman, der mich wie kaum ein Buch in einen absoluten Zwiespalt versetzt. Einerseits ist hier die sprachliche Ebene, die schön poetisch, aber leicht daherkommt und ein tolles Leseerlebnis beschert. Manchmal kommt das Gefühl, dass dieser Schreibstil, der auch die Gedankenwelt Mos präsentiert, nicht authentisch wirkt, nicht wie Mo. Nicht weil Mo ein Moslem ist, sondern weil er sich selbst als ‚Nicht-Leser‘ bezeichnet und die Sprachvielfalt, die erweckten Bilder, das genaue Gegenteil hervorrufen. Doch das konnte ich gut abschütteln, weil mich der Schreibstil wirklich durch die Geschichte tragen konnte.

Dann ist da Mos Familie. Queere Beziehungen haben (leider) häufig ihre Probleme, dass Mos Familie nun aber komplett dem Vorurteil entspricht, kommt dem natürlich noch weniger zu Gute und genau hier sitzt mein ganz großes Problem: es werden wirklich alle Vorurteile ausgeschöpft. Mos Vater, dessen Erscheinungsbild eher als bedrohlich dargestellt wird, der kein Deutsch spricht und dennoch einen Aufstand in der Schule macht. Mos Bruder Faris, der nicht nur aggressive Verhaltensweisen an den Tag legt und unter den Geschwistern für Krawall sorgt, sondern auch Anschläge organisiert und Eltern, die dennoch eher zu ihm, als zu den anderen Geschwistern halten. In einer Welt, die leider sehr geprägt von diesen Vorurteilen ist, hätte ich mir etwas weniger davon gewünscht, denn Mo & Moritz müssen laut Klappentext ‚Vorurteile‘ überwinden, dass aber sehr viele auf Mos Familie zutreffen, hilft der Geschichte für meinen Geschmack absolut nicht.

Denn die Liebe zwischen Mo & Moritz hat genug eigene Probleme, die in der Geschichte deutlich tiefgründiger erarbeitet hätten werden können. So hatte ich das Gefühl, dass die Annäherung der beiden nur ein Nebenstrang der Familienprobleme darstellt und die zu überwindenden Vorurteile ihrer queeren Beziehung gar nicht im Fokus standen, sondern eher das sich-lösen von toxischen Familienverhältnissen, was durchaus ein wichtiges Thema darstellt, aber so gar nicht das war, was ich von dieser Geschichte erwartet hatte.

Neben der Sprache gab es aber zwei Charaktere, die mir während des Lesens wirklich eine pure Freude bereitet haben. Das wären Mos kleine Schwester Maryam, die unglaubliches Feingefühl und eine Reife besitzt, von der sich manch Familienmitglieder etwas abschauen können. Gleichzeitig mochte ich auch die Thematik, die ihre Figur aufgeworfen hat, denn die (leider vorhandene) Wichtigkeit des eigenen Namens wird manchmal unterschätzt. Und dann noch die ‚blaue Fee‘, die einem mitgibt, dass man zwar ein gutes, aber kein erfülltes Leben hat, wenn man nicht auf sich selbst hört.
von Anndlich - 2026-02-02 09:01:00

Stark und zart zugleich - 5 Sterne

Mo hat so viel mehr als nur seinen Geburtsnamen hinter sich gelassen, als er mit seinen Eltern und Geschwistern aus seinem Land flüchten musste. Zugehörigkeit, Sicherheit und Akzeptanz fühlt er in seinem neuen Zuhause Wien nur vereinzelt. Als er aus der Schule geworfen wird, eröffnet sich für ihn in seiner Lehre als Friseur mit viel Glück ein neuer Pfad. Einer, der für ihn jedoch auch mit vielen Hindernissen bestückt ist. Mo lernt Moritz kennen und lieben, trifft auf Menschen, die an ihn glauben und steht vor der Herausforderung, sein Selbst leben zu lernen und seinen Weg zu gehen.
Die Autorin, Julya Rabinowich, schreibt sehr einnehmend. Wie an einem Faden wird man durch die Geschichte gezogen. Ich wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und beleuchtet das Leben von Mo und Moritz über den Zeitraum von einigen Monaten. Dabei wird klar, dass in den Familien der beiden tiefliegende Traumata schwelen. Zeitnah ist es bei Mo, der unter gewaltsamen Umständen die Flucht aus seiner Heimat erleben musste und dessen Familienmitglieder damit und mit den Lebensumständen – sie wohnen in einer sehr kleinen Wohnung in einer oft voreingenommenen neuen Stadt - umgehen müssen. Moritz‘ Familie trägt das Trauma schon ein bis zwei Generationen mehr mit sich herum. Aufgrund antisemitischer Vorfälle bricht es immer wieder an die Oberfläche. Die beiden jungen Männer, die sich trotzdem für eine Beziehung entscheiden, sind eine Fackel der Hoffnung und stehen für eine vorurteilsfrei(er)e Gesellschaft. In absolutem Gegensatz dazu steht Mos Bruder. Die Autorin lässt seine radikalisierte Lebensweise mit einem Thema, das vor eineinhalb Jahren in Wien und darüber hinaus traurige Brisanz erfuhr, verschmelzen. Julya Rabinowich hat ihre Figuren wunderbar gezeichnet, gestaltet sie vielschichtig und ihre Handlungen sind nachvollziehbar. Weiters lässt sie sie sich im Fortschreiten der Geschichte weiterentwickeln und bringt sie den Lesenden nahe, indem sie nahe an der Realität bleibt.
Mich hat das Buch, wie schon erwähnt, gefesselt, einen Blick in andere Lebensrealitäten ermöglicht und auch etwas Hoffnung geschenkt. Eine absolute Empfehlung meinerseits.
von stina23 - 2026-01-27 16:35:00

Zart und realistisch, poetisch und hart - 5 Sterne

Ein sehr bewegendes Buch, dass unter die Haut geht. Mo ist Moslem und musste mit seiner Familie nach Wien fliehen. Er lebt beengt mit seinen Eltern, seiner Schwester, die sich gerne anpassen möchte und seinem Bruder, der dieser westlichen Welt sehr kritisch gegenübersteht. Da Mo von der Schule fliegt, fängt er eine Lehre in einem angesagten Friseursalon an. Herr Franz der Meister ist eine besonderer Mensch, der sich sehr um Mo kümmert. Auf dem Opernball begegnet Mo dann einem anderen Mo, nämlich Moritz, der Jude ist und die beiden verbindet eine zarte Liebe.
Mir gefällt es besonders, wie die Autorin diese Liebe beschreibt. Besonders in die Gefühle von Mo, der sich seiner Familie und dem Meister verbunden fühlt und den es gleichzeitig zu Moritz zieht, konnte ich mich sehr gut hineinfühlen. Wie die ganze Geschichte meine Gefühle durcheinanderbrachten. Deshalb hat mich die Hoffnung zu Ende des Buches ein wenig beruhigt, denn es ist zu befürchten, dass so eine Liebe in unserer Welt keine Zukunft haben wird. Wie schön, dass „die blaue Fee“, eine alte Dame Mo so unterstützt hat.
Ein zarte Geschichte, die doch mit dem Anschlagplänen auf das Taylor Swift Konzert einen sehr realistischen Part hat.
Die Geschichte ist konfliktreich und doch voller Hoffnung. Wollen wir Mo & Moritz ganz viel Glück für ihre Zukunft wünschen.

von Daggy - 2026-01-25 21:10:00

Vielschichtig, berührend, relevant - 5 Sterne

Mo & Moritz, der neue (Jugend-)Roman von Julya Rabinowich, wurde bereits vor seinem Erscheinen als „Jugendbuch des Monats“ von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet. Die Vorschusslorbeeren sind entsprechend hoch – und in vielerlei Hinsicht auch verdient.

Im Mittelpunkt steht Mo, ein Teenager aus einfachen Verhältnissen mit muslimischen Wurzeln und Fluchtgeschichte. Nach einem zweifelhaften Schulverweis beginnt er eine Friseurlehre in einem noblen Salon, womit sich für Mo eine völlig neue Welt eröffnet. Neben der Freude an der Arbeit findet zunehmend zu sich selbst und erlebt über Umwege auch seine erste Liebe. Diese gilt ausgerechnet einem Jungen, der jüdisch ist – eine Konstellation, die zahlreiche innere und äußere Konflikte mit sich bringt und von Rabinowich sehr sensibel und glaubwürdig erzählt wird. Mos Zerrissenheit ist spürbar, seine Gefühle wirken nah und nachvollziehbar, sodass man als Leser*in intensiv mit ihm mitgeht.

Neben der queeren Liebesgeschichte greift der Roman eine Vielzahl weiterer Themen auf, darunter Islamismus, Antisemitismus, Holocaust, Flucht und weibliche Emanzipation. Genau hier liegt für mich auch der größte Schwachpunkt des Buches. Auf rund 220 Seiten bleibt zu wenig Raum, um all diesen Aspekten die notwendige Tiefe zu verleihen. An manchen Stellen hätte weniger mehr sein können, und eine stärkere Fokussierung auf einzelne Themen hätte der Geschichte gutgetan.

Gleichzeitig sorgt gerade diese thematische Dichte für ein hohes Erzähltempo. Man liest das Buch fast atemlos, fliegt durch die Seiten und bleibt am Ende beseelt und gleichzeitig auch ein bisschen sentimental zurück. Mo & Moritz ist ein berührender Jugendroman, der wichtige Themen anspricht und durchaus emotional berührt.
von jori1020 - 2026-01-19 19:51:00

Mo & Moritz - toller Jugendroman mit aktuellem Thema - 5 Sterne

Julya Rabinowich ist mit ihrem Jugendroman „Mo & Moritz“ ein bewegendes und sehr aktuelles Buch gelungen. Dieser Roman lässt die Leserin nicht mehr los. Mit Leichtigkeit und wie im Rausch liest man sich durch die 220 Seiten dieser wunderbaren Geschichte.

Mo, ein junger Mensch mit muslimischen Wurzeln, fliegt aus der Schule und beginnt eine Lehre in einem Wiener Nobelfriseur. Dort, in dieser völlig anderen, sehr noblen Welt, erlebt er Gleichberechtigung, Anerkennung und Unterstützung und fühlt sich endlich angekommen. Bei seinem Einsatz auf dem Opernball begegnet er Moritz, ein Junge aus jüdischer Familie und verliebt sich.
Eine turbulente, sehr emotionale Reise beginnt… Dürfen sich die beiden lieben? Was sagen ihre Familien? Können die beiden Vorurteile und Grenzen überwinden?
Als Mo unfreiwillig in Anschlagpläne involviert wird, droht ihr Leben aus den Fugen zu geraten.

Julya Rabinowich schafft es mit ihrer feinen, emotionalen und direkten Sprache, lebhafte, detaillierte Bilder zu zeichnen, die uns sehr nah an Mo und seine Gedanken lassen. Man hat das Gefühl, Mo und Moritz auf ihrem gemeinsamen Weg zu begleiten. Es ist ein Fest, diesen Roman zu lesen.
Das Cover, als Softcover gestaltet, mit der gewählten Schrift hat mich sehr angesprochen. Die Zeichnung in passender Farbe und Form ist einfach wunderschön. Auch die Gestaltung der Innenseiten mit Text und Bild passt ausgezeichnet zu diesem Buch und ist ein echter Hingucker.

„Mo & Moritz“ von Julya Rabinowich ist ein außergewöhnlicher Jugendroman und eine absolute Leseempfehlung, nicht nur für jungen Menschen.
von LesenIstLeben - 2026-01-19 12:28:00

Mut zur Ehrlichkeit - 4 Sterne

In „Mo & Moritz“ erzählt Julya Rabinowich eine Geschichte über Identität, die erste Liebe und den Mut, zu sich selbst zu stehen.

Mo stammt aus einer muslimischen Familie, die vor Krieg nach Österreich geflohen ist, und beginnt eine Friseurlehre in einem Wiener Nobelsalon. Als er sich in Moritz, einen Jungen aus einer jüdischen Familie, verliebt, beginnt er, sein bisheriges Leben zu hinterfragen.

Wie in ihren anderen Romanen mochte ich auch in diesem Julya Rabinowichs poetische Sprache und ihre ungewöhnlichen Sprachbilder. Die Grundidee der Liebesgeschichte zwischen den zwei Jungen in Wien fand ich ebenfalls überzeugend. Gleichzeitig blieb für mich Moritz’ jüdische Identität zu wenig ausgearbeitet und teilweise klischeehaft an der Oberfläche. Hier hätte der Roman mehr Tiefe vertragen. Die zentrale Botschaft des Buches, ehrlich zu sich selbst zu sein und den eigenen Weg zu gehen, hat mich aber wieder überzeugt. Auch wenn das Ende sehr positiv und dadurch etwas unwahrscheinlich wirkt, konnte ich es im Kontext der Gesamtaussage des Romans gut akzeptieren.
von LeserinLu - 2026-01-17 03:15:00

Mehr als eine Liebesgeschichte - 4 Sterne

Der Einstieg in Mo & Moritz gelingt sehr gut und macht schnell neugierig auf die beiden Hauptfiguren. Erzählt wird die Geschichte von Mo und Moritz, zwei Jugendlichen, die sich ineinander verlieben und dabei nicht nur ihre Gefühle füreinander, sondern auch ihre Herkunft, ihr Umfeld und ihre eigene Identität neu hinterfragen müssen.

Besonders mutig finde ich, wie viele gesellschaftlich relevante Themen Julya Rabinowich in dieses Jugendbuch packt. Es geht hier bei weitem nicht nur um die Liebe zwischen zwei Jungen, sondern auch um Religion, kulturelle Prägung, familiäre Erwartungen, Vorurteile, Ausgrenzung und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Diese Themen sind wichtig und aktuell, gleichzeitig waren es für mich persönlich stellenweise sehr viele auf einmal. Gerade weil alles sehr nah an der Lebensrealität erzählt wird, hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass man kaum Zeit bekommt, einzelne Aspekte mal wirken zu lassen.

Trotzdem bleibt das Buch gut lesbar. Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und altersgerecht. Die Perspektivwechsel sorgen dafür, dass man beide Jungen gut versteht und ihre inneren Konflikte nachvollziehen kann.

Ein weiterer Pluspunkt ist für mich das Cover. Die zarten Farben sprechen mich persönlich sehr an und passen gut zur nachdenklichen Stimmung des Buches. Insgesamt ist Mo & Moritz ein wichtiges und mutiges Jugendbuch, das viele Denkanstöße liefert. Für mich war es thematisch etwas überladen, aber dennoch absolut lesenswert – deshalb solide vier Sterne.
von Anilam - 2026-01-14 18:12:00