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Rezensionen

Ultramarin
Roman | "Die Spannung steigert sich ständig. Ungewöhnlich gut gemacht." Christine Westermann

Autor: Ann-Christin Kumm

Erschienen 2026 bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
ISBN 978-3-446-28675-7
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Ein Sommer der kippt ... - 4 Sterne

Ultramarin handelt von einem Sommertrip ans Meer, bei dem drei junge Leute zusammen in einem abgelegenen Ferienhaus landen – aus der entspannten Stimmung zu Anfang entsteht nach und nach ein ziemlich intensives Geflecht aus Nähe, Eifersucht und unterschwelligen Spannungen. Anfangs wirkt alles noch leicht und unbeschwert, aber man merkt schnell, dass die Stimmung kippt.

Der Schreibstil hat mir richtig gut gefallen: sehr atmosphärisch und gleichzeitig angenehm ruhig. Die Autorin schafft es mit ihrem Stil einen total in die verschiedenen Stimmungen zu ziehen. Besonders die unausgesprochenen Gefühle wirken total intensiv und machen das Ganze total spannend.

Ein eindringlicher, teilweise verstörender Roman über Nähe, Macht und Abhängigkeit, der vor allem durch seine starke Atmosphäre gefesselt hat. Nicht immer leicht, aber definitiv fesselnd – für mich gute vier Sterne.
von Anilam - 2026-04-19 20:14:00

Toxische Beziehungen - 3 Sterne

Die Spannung ist von Anfang an da zwischen Lou, Raf und Nora, als die drei gemeinsam ins Auto steigen und zu einem Kurzurlaub aufbrechen. Angekommen im kleinen Ferienhaus an der Küste Dänemarks, das schon lange Rafs Familie gehört, spitzt sich die Situation immer weiter zu; besonders zwischen Lou und Raf liegt etwas in der Luft. Lou ist sich nicht sicher, ob da noch etwas überiggeblieben ist von den Gefühlen, die einst zwischen ihm und seinem Freund bestanden haben; er selbst fühlt sich noch zu Raf hingezogen, Raf hingegen sendet äußerst ambivalente Zeichen. Und dann ist da noch Nora, die neuen in der Konstellation, mit der Lou zunächst nicht wirklich etwas anzufangen weiß. Die Tage vergehen, und immer eindeutiger werden die Abgründe erkennbar, die sich hinter der Fassade locker-leichter Sommertage abzeichnen.

Von Anfang an ist klar, dass hier düstere Ereignisse auf die drei Protagonist*innen zukommen. Die Spannung ist ab den ersten Seiten spürbar; dennoch hatte ich mit Fortschreiten der Geschichte zunehmend Probleme, mich in die Welt der Figuren hineinzufühlen, was wohl vor allem an Raf als Charakter lag. Er hat mich beim Lesen zunehmend frustriert, da sein Handeln oft überhaupt nicht nachvollziehbar und den anderen gegenüber mehr als unfair war. Gegen Ende gibt es einen Plottwist, den ich wirklich gut gemacht fand, aber alles in allem hat mir hier trotzdem etwas gefehlt.
von Anna625 - 2026-04-16 11:03:00

Toxisch lässt grüßen - 4 Sterne

Die Geschichte gibt mir massive Saltburn-Vibes: Lou als Sozialprojekt der Geschwister Raf und Sophie, der sich auf eine toxische Beziehung mit Raf einlässt, geprägt von dem starken Machtgefälle zwischen den beiden und einfach nicht loskommt, obwohl es ihn zunehmend ins Verderben stürzt. Ich wollte das Buch mehrmals gegen die Wand werfen, so sehr hat es mich aufgeregt, wie Lou mich sich umspringen lässt und trotzdem jedes Mal wieder ergeben angelaufen kommt, sobald Raf pfeift. So vieles an der Story war dermaßen toxisch, das kann ich gar nicht in Worte fassen.

Ich fand den Schreibstil anfangs ein bisschen gewöhnungsbedürftig, fast schon abgehackt und durch die nicht gekennzeichnete wörtliche Rede auch nicht ganz so angenehm zu lesen. Aber man kommt da dann doch recht schnell rein und dann passt auch zur Stimmung. Die knappen Sätzen, die teilweise derben Beschreibungen, das dezidierte Auseinandernehmen von Lous Innenleben- das alles trägt zur Atmosphäre bei.

Die Geschichte ist der Inbegriff eines trägen Sommer und des Müßiggangs, aber schon Anfang an ist die Stimmung angespannt, unterschwellig brodelnd durch all das Ungesagte, die stille Hoffnung Lous und Raf völliger Ich-Zentrierung. Ich fand Raf irgendwie unheimlich und konnte null nachvollziehen, was Lou an ihm findet. Auch in den Rückblenden vom ersten Aufeinandertreffen bis zu Gegenwart erfährt der Leser die kleinen, leisen Demütigungen, die Raf Lou beifügt, das absolut schäbige Verhalten ihm gegenüber.

Der Beginn des Buches deutet ja bereits an, dass vermutlich irgendwas aus dem rüder läuft, mit dem Ende hätte ich trotzdem niemals gerechnet, das fand ich absolut grandios. Ich fands unerwartet gut.
von Lies_ein_Buch - 2026-04-06 16:56:00

Intensiv, ruhig und voller Zwischentöne - 4 Sterne

„Ultramarin“ ist ein leiser, sehr atmosphärischer Roman, der vor allem über Stimmungen und innere Prozesse funktioniert. Die Geschichte nimmt sich Zeit, die Figuren und ihre Gedanken zu entfalten, und verzichtet dabei bewusst auf große dramatische Wendungen.

Besonders gefallen hat mir die dichte, fast melancholische Atmosphäre. Die Sprache ist ruhig, klar und gleichzeitig sehr bildhaft, sodass viele Szenen lange im Kopf bleiben. Vieles wird eher angedeutet als direkt ausgesprochen, was dem Buch eine besondere Tiefe verleiht.

Allerdings erfordert die Erzählweise Geduld. Das Tempo ist langsam, und nicht jede Passage trägt gleichermaßen zur Spannung bei. Dafür entsteht ein intensives Gesamtbild, das vor allem durch seine Zwischentöne wirkt.

Fazit:
Ein ruhiger, stimmungsvoller Roman, der weniger durch Handlung als durch Atmosphäre überzeugt. Ideal für Leser:innen, die sich auf leise, reflektierende Geschichten einlassen möchten.
von Piet1990 - 2026-03-23 15:16:00

Die toxische Sogkraft von Ultramarin - 5 Sterne

Manchmal beginnt ein Buch aus reiner Neugier – und endet damit, dass man es kaum noch aus der Hand legen kann. Genau so ging es mir mit dem Debüt Ultramarin von Ann-Christin Kumm. Was zunächst wie ein sommerlicher Roman über Freundschaft und Urlaub wirkt, entpuppt sich schnell als psychologisch aufgeladenes Kammerspiel über Macht, Abhängigkeit und die dunklen Seiten von Nähe.
Im Zentrum steht Lou, der schon seit Jugendtagen eng mit den wohlhabenden Geschwistern Raf und Sophie verbunden ist. Besonders Raf übt eine fast magnetische Anziehung auf ihn aus – charismatisch, dominant, unberechenbar. Lou kreist um ihn wie ein Satellit um einen Planeten. Er wartet auf Aufmerksamkeit, erträgt Zurückweisung und kehrt doch immer wieder zurück. Als schließlich nicht Sophie, sondern ihre Freundin Nora mit an die dänische Küste reist, verschiebt sich das fragile Gleichgewicht. Was zunächst nach einem trägen Sommer voller Meer, Zigarettenrauch und improvisierter Mahlzeiten aussieht, wird nach und nach zu einem emotionalen Minenfeld.
Die Dynamik zwischen den Figuren ist dabei das eigentliche Zentrum des Romans. Raf zieht Menschen an und stößt sie gleichzeitig von sich – er verletzt, verspottet, demütigt, nur um im nächsten Moment wieder Nähe zu erzeugen. Gerade diese Wechsel aus Anziehung und Abweisung machen seine Beziehung zu Lou so verstörend. Lou wiederum wirkt lange wie jemand, der sich selbst klein macht, der immer wieder in dieselbe Beziehungsschleife gerät, obwohl er ihre zerstörerische Kraft längst erkannt haben müsste.
Die Figuren sind dabei weniger klassische Identifikationsfiguren als vielmehr Projektionsflächen komplexer emotionaler Abhängigkeiten. Gerade diese Unschärfe verstärkt das Gefühl einer latenten Bedrohung, die über allem schwebt.
Sprachlich wählt Ann-Christin Kumm einen eher ruhigen, fließenden Stil, der gut zu dieser unterschwelligen Spannung passt. Dialoge tauchen ohne typische Markierungen im Text auf, Gedanken und Wahrnehmungen gehen ineinander über. Besonders auffällig ist, wie viele Passagen von Fragen geprägt sind – Gedanken, die Lou durch den Kopf gehen, ohne dass er wirklich Antworten findet. Dadurch entsteht das Gefühl eines permanenten inneren Suchens.
„Das Wasser tief unter uns, ein dunkles Blau, ultramarin. Vielleicht war das schon zu viel gewesen für meine Nerven.“
Diese Bildsprache zieht sich durch den ganzen Roman – sinnlich, flirrend, manchmal beinahe hypnotisch. Die sommerliche Küstenlandschaft bildet dabei einen starken Kontrast zu den emotionalen Abgründen, die sich zwischen den Figuren auftun.
Auch strukturell arbeitet der Roman mit interessanten Mitteln. Rückblenden öffnen immer wieder Fenster in die Vergangenheit und werfen neues Licht auf die Beziehungen der Figuren.
Fazit: Ultramarin erzählt nicht von einfachen Auflösungen, sondern von der Komplexität toxischer Beziehungen, die sich selten klar ordnen lassen. Ultramarin ist damit ein Roman, der weniger durch spektakuläre Handlung als durch seine Atmosphäre wirkt.
von nil_liest - 2026-03-19 08:45:00

Sehr gelungen - 5 Sterne

In diesem Buch geht es um eine komplizierte Beziehung zwischen 2 jungen Menschen.
Dabei ist die eine Person, der Hauptprotagonist des Buches, Lou in einer komplizierte Beziehung mit den Geschwistern Raf und Sophie verstrickt. Doch die Fixierung von Louis bezieht sich eher auf Raf. Raf weiß genau, was er mit Lou machen kann und wie weit er gehen kann denn dieser ist ihm ausgeliefert durch seine Gefühle zu ihm. Dieses Machtgefälle wird in dem Buch ganz deutlich beschrieben und ist ein großer Teil der Geschichte. Man kann sich sehr gut in die einzelnen Personen hineinfühlen und leidet teilweise mit Lou mit. Und sieht wie er von Raf manipuliert wird. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen, da es in einer sehr angenehmen Sprache geschrieben ist. Und mich auf eine interessante Reise mitgenommen hat. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen.
von v_im_wunderland - 2026-03-18 22:18:00

Das Gelächter der Möwen - 4 Sterne

Lou und Raf kennen sich, seit sie Schüler sind. Sie sind mehr als Freunde, haben auch eine sexuelle Beziehung. Doch ihre Beziehung ist ungleich. Der sensible Lou, aus dessen Sicht der ganze Roman geschildert ist, ordnet sich dem coolen Raf vollkommen unter. Raf ist immer bestimmend.
Der bisexuelle Raf hat auch immer wieder Freundinnen. Zu Lou zeigt er sich oft abweisend, doch Lou kann sich nicht lösen.
Diesen Zustand schildert die Autorin Ann-Christin Kumm in verdichtenden Worten und immer wieder mit Rückblicken. Am Schluß zeigt sich, wie weit Besitzergreifung und Abhängigkeiten gehen können.
von yellowdog - 2026-03-17 16:31:00

Eine starke Geschichte - 5 Sterne

Das Cover des Buches ist bildstark, rau, schroff und intensiv, es passt daher sehr gut zur Geschichte.
Es geht hier um Freunde, die gemeinsam, wie auch in früheren Jahren ans Meer fahren, um dort den Urlaub zu verbringen. Raf hat von seinen Eltern ein Ferienhaus an der dänischen Küste. Lou ist Protagonist in diesem Buch, er ist seit der Schule mit Raf befreundet und auch die blonde Nora fährt diesmal mit. Lou wünscht sich schon immer eine richtige Beziehung mit Raf, er lässt sie zappeln, sie kommt aber nicht gegen dessen Egozentrik, Teilnahmslosigkeit und scheinbare Kälte an. Es herrscht die ganze Zeit eine beklemmende und angespannte Stimmung. Lou verhält sich abwartend, hoffend und zuweilen auch sehr anhänglich. Raf trägt nichts zu einer positiven Stimmung bei und Nora ist das 3. Rad am Wagen, die sich zwischen die beiden drängt, jedoch merkt, dass für sie hier nichts zu gewinnen ist.
Doch der Urlaub am Meer sollte in diesem Jahr anders werden, die Dinge geraten aus dem Lot und bald entsteht eine triste Stimmung, das Ende selbst ist verstörend, überraschend und lässt doch ahnen, wozu Menschen letztendlich fähig sind, wenn sie im Schmerz gefangen sind und weiter nichts mehr ertragen können.
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Weitere Rezensionen
von Annaja - 2026-03-14 19:10:00

Atmosphärisch & düster – sehr intensiv - 4 Sterne

„Ultramarin“ ist das Debüt der in Berlin lebenden Autorin Ann-Christin Kumm.

Wäre da nicht der dramatische Prolog könnte man meinen, dass es sich um einen sommerlichen Urlaubsroman handelt. Aber durch den düsteren Einstieg hatte ich von Beginn an ein ungutes Gefühl.

Die Ereignisse werden aus der Perspektive von Lou geschildert.
Lou, Raf und Nora sind auf dem Weg nach Dänemark. Sie wollen dort ein paar Tage in einem Ferienhaus in den Dünen verbringen. Geplant war ein Urlaub zu viert, aber Sophie sagt kurzfristig ab.
Die Atmosphäre ist angespannt. Während Lou alles versucht um Raf zu gefallen, sich ihm regelrecht unterwirft, geht Raf auf Abstand, verhält sich regelrecht grausam und dass Nora Gefühle für Lou hat, macht die Situation noch komplizierter.

Ann-Christin Kumm beschreibt ihre Charaktere vielschichtig, das ändert aber nichts daran, dass ich sie für mich nicht einfach zu greifen waren. Lous unterwürfiges Verhalten gegenüber Raf war für mich nur schwer nachvollziehbar und Rafs Verhalten - seine Anspruchshaltung und Neigung zur Gewalt gegenüber Lou - habe ich schon beim Lesen als unangenehm und abstoßend empfunden.

Die sommerliche Atmosphäre, das wundervolle Setting am Meer in Dänemark und die damit verbundene Leichtigkeit stehen in einem starken Kontrast zu der anspannten Atmosphäre zwischen den Charakteren. Vieles wird nur angedeutet, wodurch sich die Spannung erhöht.

Obwohl mir einiges nicht aus erzählt erschien und es Brüche in der Handlung gab, hat mich die Mischung aus Melancholie, Manipulation, Begehren und subtiler Spannung überrascht und gefesselt, so dass ich gespannt auf weitere Bücher der Autorin bin.
von Tara - 2026-03-13 16:14:00

Toxische Beziehung - 3 Sterne

Im Zentrum des Buches stehen Lou, Raf und Nora.
Lou, aus dessen Perspektive wir die Ereignisse erleben ist verletzlich, suchend und Raf gegenüber unterwürfig.
Raf hat eine große Anziehungskraft und eine starke manipulative Seite. Beide führen eine jahrelange komplizierte Beziehung.
In einem gemeinsamen Urlaub mit Nora, die sich zu Lou hingezogen fühlt, kippt die Stimmung.
Langsam baut sich eine psychologische Spannung auf. beim Lesen ahnt man, dass etwas passieren wird. Trotzdem war ich überrascht wie es geschieht.
Es gibt im Buch Rückblenden zur Vorgeschichte. Hier sieht man Lous Zerrissenheit deutlich. Auch wie die Beziehung von beiden von Abhängigkeit und Manipulation geprägt ist.
Die Entwicklung der Handlung war sehr langsam und manche Konflikte blieben sehr schemenhaft. Die Zeitsprünge empfand ich manchmal störend, sie haben den Lesefluss unterbrochen.
Trotz allem, ein lesenswertes Buch.
von peppi - 2026-03-13 14:15:00