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Rezensionen

Wohnverwandtschaften
Roman

Autor: Isabel Bogdan

Erschienen 2024 bei Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-00419-9
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Gemeinschaft - 4 Sterne

Klappentext / Inhalt:

Ein Roman über eine Wohngemeinschaft, in der vier Menschen unterschiedlichen Alters aus unterschiedlichen Motiven zusammenleben und feststellen: Freunde sind manchmal die bessere Familie.
Constanze zieht nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten in die Wohngemeinschaft von Jörg, Anke und Murat. Was zunächst als Übergangslösung gedacht war, entpuppt sich als zunehmend stabil. Da ist Jörg, dem die Wohnung gehört und der eine große Reise plant; Anke, die als mittelalte Schauspielerin kaum noch gebucht wird und plötzlich nicht mehr die einzige Frau in der WG ist; und Murat, der sich einfach keine Sorgen machen will und dessen Lebenslust auf die anderen mitreißend und manchmal auch enervierend wirkt. Constanze sorgt als Neuankömmling dafür, dass sich die bisherige Tektonik gehörig verschiebt. Alle vier haben ihre eigenen Träume und Sehnsüchte und müssen sich irgendwann der Frage stellen, ob sie eine reine Zweck-WG sind oder doch die Wahlfamilie.
In diesem virtuos komponierten, lebensklugen und humorvollen Roman kommen reihum vier grundverschiedene Menschen zu Wort, die jeweils auf ihre Weise ihre Lebensentwürfe neu justieren müssen.

Cover:

Angedeutetes und zerbrochenes Geschirr gehen auf die Thematik ein und setzen diese sinnbildlich um. Einfach und dennoch passend gestaltet und umgesetzt.

Meinung:

Über das Leben, Gemeinschaft und Unterschiede, die verbinden. Eine humorvolle, interessante und gefühlsbetonte Geschichte zu Wohngemeinschaft von sehr unterschiedlichen Menschen, mit dennoch auch Gemeinsamkeiten. Unterhaltsam und interessant umgesetzt.

Inhaltlich möchte ich hier nicht allzu viel verraten und halte mich mit weiteren Informationen dazu zurück.

Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich gut und flüssig lesen. In Geschehnisse und Charaktere findet man sich gut hinein. Jeder der Charaktere hat so seine Eigenarten und jeder für sich ist gut durchdacht. dennoch fand ich nicht in alle hinein und hatte dabei manche, die mir besser gefielen und manche, die ich nicht ganz greifen konnte. Der Wechsel zwischen Erzählung und Dialogen ist ganz gut gelungen und bringt zudem auch Tempo hinein. Die Wechsel der Perspektiven und Personen macht es interessant und unterhaltsam. Die einzelnen Abschnitte haben eine gute und angenehme Länge und ermöglichen so einen guten Lesefluss.

Auch der Humor kommt hier nicht zu kurz, aber auch die Emotionen und Gedanken sind gut ausgearbeitet und man merkt, dass hier auch so einiges zwischen den Zeilen erzählt wird, was auch zum Nachdenken anregt und im Anschluss noch nachhallt.

Alles in allem unterhaltsam und kurzweilig erzählt. Interessant und gut umgesetzt.

Fazit:

Über das Leben, Gemeinschaft und Unterschiede, die verbinden.
von Claudia R. - 2025-08-20 20:19:00

Ungewöhnliche WG - 5 Sterne

Ich mag ja so Mehrgenerationen-Geschichten und Found Family, sowie ungewöhnliche Freundschaften als Thema. Ich fand diese Geschichte super relevant, weil Themen wie Sozialvertrag, Alterseinsamkeit und Wohnproblematiken sehr aktuell sind und sich laut Prognose ja sogar noch zuspitzen werden. Das Buch trifft da voll den Nerv der Zeit und hat mich richtig begeistert.

Die Erzählweise fand ich sehr besonders, es gab abwechselnde, beschreibende Kapitel aus der Innenansicht der einzelnen Figuren und dazwischen fast schon szenisch aufgebaute Kapitel rund um die Gespräche, die geführt werden.

Es ist eine super schön, herzerwärmende Geschichte, voller Menschlichkeit, Verletzlichkeit und Nähe. Ich finde diese Geschichte zeigt sehr gut, was wirklich wichtig ist und worauf es ankommt im Leben.

Ich mochte es, wie unterschiedlich die Figuren angelegt waren, was ihre jeweiligen Lebenssituationen, Sorgen und familiären Hintergrunde angelangt. Dadurch wird ein großes Spektrum an Themen abgesteckt, in denen sich auch der Leser gut wiederfinden kann. Die Figuren ist authentisch und nahbar angelegt, ich fand es schön, dass es auch mal Unstimmigkeiten und Reibungen geben konnte ohne überzudramatisieren.

Es waren tolle, menschliche Alltagsszenen damit, nachvollziehbare Emotionen und der ganz normale Wahnsinn. Hat mir gut gefallen, lädt zum Nachdenken über die eigene Wohn- und Lebenssituation ein und am Ende war ich ganz schön traurig. Tolles Buch
von Lies_ein_Buch - 2025-05-11 19:07:00

Zweck-WG oder Wahl-Familie - 5 Sterne

Constanze hat sich von ihrem Freund getrennt und brauchte kurzfristig eine Wohnung. Für den Übergang fand sie in einer WG ein Zimmer.
Die vermeintliche Übergangslösung wird jedoch zunehmend mehr von den Beziehungen der WG-ler untereinander geprägt. Was als Zweckgemeinschaft begann, wird bald mehr.

Es wohnen:
Jörg, Eigentümer der Wohnung und durch die Untervermietungen an das nötige Geld für eine langersehnte Reise kommend
Anke, mittelalte Schauspielerin und ob ihres Alters zunehmend weniger angefragt und von Existenzängsten geplagt
Murat, lebenslustiger Sonnyboy mit Schrebergartenliebe
und eben Constanze.

Durch Constanze bekommt das eingespielte Gefüge auf einmal einen Schubs, es verändert sich etwas im WG-Beziehungsgeflecht.
Und alle fühlen sich füreinander verantwortlich - das war so schön zu lesen.
Überhaupt das WG-Modell für mittelalte bis ältere Menschen, nicht mehr als Sparmodell der Jugend, sondern irgendwann ein bewusstes Zusammenleben, auch wenn ursprünglich jede*r andere Motive für den Einzug hatte.

Das Buch ist ein Buch der leisen Töne. Und der sehr schönen Töne. Es zeigt, wie jede*r einzelne die Welt eben doch ein kleines bisschen besser machen kann und sei es auch nur für einen einzigen Menschen.
Ich habe das Lesen genossen - obwohl es so viele auch traurige Momente gab.

Ich mag Isabel Bogdans Bücher ohnehin sehr - und jedes ist wieder so anders. Gemeinsam haben sie, dass sie alle gut sind. Dieses ganz besonders.
von Marie aus E. - 2025-01-10 20:51:00

Habe mir mehr erwartet - 3 Sterne

Spätestens seit dem Buch „Laufen“, das mich wirklich nachhaltig beeindruckt hat, ist Isabel Bogdan eine meiner Lieblingsautorinnen. Entsprechend groß war die Vorfreude auf ihr neuestes Buch und - ich gebe es zu - auch die Erwartungshaltung.

Und ich war dann auch gleich mittendrin in der WG, vor allem dank des einzigartigen Schreibstils der Autorin, der sehr direkt ist und fast ungefiltert die Gedanken und Gefühle weitergibt. Es gibt kaum Beschreibungen der Umgebung, zumindest nicht im herkömmlichen Sinn, dafür hat man das Gefühl, als säße man direkt im Hirn des jeweiligen Erzählers.

Dies geschieht abwechselnd aus Sicht der vier Mitbewohner Constanze, Murat, Anke und Jörg, immer mit einem gewissen zeitlichen Abstand zwischen den Kapiteln und gelegentlichen fast drehbuchartigen Gesprächen in unterschiedlicher Konstellation.

Doch leider konnte sich der für mich sehr vielversprechende Beginn nicht fortsetzen und meine Erwartungen daher nicht ganz erfüllen. Außer, dass Jörg immer vergesslicher wird, passiert nicht wirklich viel und die Geschichte plätscherte eher so vor sich hin.

Auch blieben die vier Mitbewohner für mich etwas oberflächlich und schwer greifbar, obwohl der Schreibstil eigentlich bestens dazu geeignet wäre, eine gewisse Nähe zu den Figuren herstellen. Das hat bei mir leider nicht geklappt.

Ich habe das Buch gerne gelesen, der letzte Funke wollte aber am Ende nicht überspringen.
von Rinoa - 2025-01-09 15:50:00

Wahlfamilie - 4 Sterne

Die Zahnärztin Constanze zieht nach ihrer Trennung von Florian in die Wohngemeinschaft von Anke, Jörg und Murat. Durch Constanzes Einzug verändern sich die Strukturen der Wohngemeinschaft und wir erleben den Wandeln aus den Perspektiven der vier Erwachsenen, die alle einen unterschiedlichen Standpunkt zum Leben haben.

Isabel Bogdan schafft es in Wohnverwandtschaften allen vier Perspektiven eine unterschiedliche Stimme zu verleihen, sodass bereits aufgrund des Schreibstils offensichtlich wird, welche Perspektive wir lesen (alle Perspektiven sind jedoch auch deutlich gekennzeichnet). Der ständige Perspektivwechsel sorgt für eine gute Dynamik und wird durch Zwischenkapitel, in denen die WGler aufeinandertreffen aufgefrischt. Diese Aufeinandertreffen werden in Dialogform dargestellt und stellen meinen einzigen Kritikpunkt dar, denn sie waren mir an manchen Stellen zu plastisch.

Insgesamt konnte mich Wohnverwandtschaften aber positiv überraschen, da es nicht nur einen tollen Humor, vier interessante und unterschiedliche Charaktere, sondern auch eine tiefere Botschaft über den Zusammenhalt einer Gemeinschaft besitzt.
von Anndlich - 2025-01-08 18:11:00

Von der Zweckgemeinschaft zur Wahlfamilie auf Zeit - 5 Sterne

Constanze ist Zahnärztin und hat sich gerade von ihrem Freund getrennt, weil sie noch nicht bereit ist, sich endgültig festzulegen. Weil sie in Hamburg keine Wohnung findet, greift sie zu einer ungewöhnlichen Notlösung und zieht in eine WG.
Jörg, der Wohnungseigentümer, ist 68 und trauert seiner verstorbenen Frau nach. Um eine große Reise zu finanzieren, hat er zwei Zimmer bereits an Anke, eine 53jährige Schauspielerin ohne Engagement und Murat, einen IT-Experten vermietet. Er war es auch, der Constanzes Wohnungsgesuch gelesen und seine Mitbewohner:innen überredet hat, sie in die Wohnung aufzunehmen. Besonders Anke tut sich schwer damit, eine weitere Frau in dem eingespielten WG-Alltag zu akzeptieren.
Bindeglied in dieser ungewöhnlichen WG ist eindeutig der immer gutgelaunte, fürs leibliche Wohl zuständige Murat. Aus dem selbst angebauten Gemüse zaubert er die gemeinsamen Mahlzeiten der vier Bewohner:innen. Er schafft es auch, dass die eher konservative Constanze etwas lockerer wird und es gar nicht mehr so wichtig findet, schnell eine eigene Wohnung zu finden. Aber natürlich bleibt es nicht so unbeschwert, denn Anke hat zunehmend auch finanzielle Probleme und Jörg wird nach einer OP immer vergesslicher.

Zwei Jahre lang begleitet man diese vier Menschen, die der Zufall zu einer Gemeinschaft zusammengefügt hat. Es gibt die gemeinsamen Szenen, in denen aus der Sicht aller erzählt wird. Meist sind es aber Szenen aus der Sicht der einzelnen WG-Mitglieder, die auch stilistisch so beschrieben sind, dass die Charaktere sich deutlich unterscheiden und ihre aktuellen Gedanken, Gefühle und Sorgen fühlbar werden.
Jörg, der so große Pläne hat und seiner geliebten Brigitte nachtrauert. Der dann immer mehr vergisst, als Journalist Worte nicht findet und schließlich zunehmend Hilfe benötigt.
Murat, der das Leben liebt und genießen will, ein bisschen oberflächlich wirkt und von den Veränderungen emotional doch am meisten mitgenommen wird.
Anke, die leidet, weil sie aufgrund ihres Alters keine Engagements bekommt und dann doch neue Perspektiven für sich findet. Gleichzeitig aber auch die ist, die lange Zeit die größte Last in der WG trägt.
Constanze, die eher spröde und ein bisschen spießig ist. In der WG taut sie auf, wird Teil dieser Gemeinschaft aus Menschen, die sie normalerweise wohl so nie in ihr Leben gelassen hätte.

Trotz des durchaus ernsten Hintergrundes liest sich Wohnverwandtschaften leicht und unterhaltsam, ein Buch, das auch Hoffnung macht. Der zweite Roman der Autorin, den ich gelesen habe, wird sicher nicht mein letzter von ihr sein. Eindeutige Leseempfehlung!
von bedard - 2025-01-05 15:41:00

ein emotionaler Roman über eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft - 5 Sterne

4,5 Sterne

Die Zahnärztin Constanze zieht nach ihrer Trennung von Flo als Übergangslösung in die Wohnung von Jörg, der mit Anke und Murat eine Wohngemeinschaft bildet.
Dies war nur als Übergangslösung gedacht, doch die anderen wachsen ihr unbewusst immer mehr ans Herz (sie ihnen ebenso), und deshalb bleibt sie dann doch viel länger als geplant.

Die Schreibweise ist außergewöhnlich; es wird abwechselnd aus Sicht der vier WG-Bewohner erzählt, jeweils in ich-Form, oder auch mal als Gespräch von mehreren nach Art eines Theaterstücks.
Jedenfalls ist es so geschrieben, wie die Personen sich die Geschehnisse denken. Salopp, ohne Blatt vor den Mund, offen und emotional. Man kann dadurch sooo gut mit allen mitfühlen. Und es ist so humorig.
Und dadurch lernt man alle Vier natürlich sehr gut kennen; deren Gedanken- und Gefühlswelt.
Constanze, die über die Trennung von ihrem Lebensgefährten hinwegkommen will.
Anke, die ums Überleben kämpft, weil sie keine Schauspiel-Jobs mehr bekommt und die froh ist, endlich weibliche Verstärkung in der WG zu bekommen.
Murat ist der Puffer für alle; unterstützt bei Problemen, ist bei Streitigkeiten da, kocht für alle und hat den Schrebergarten, in dem er Ruhe findet.
Und der Rentner Jörg, der nach dem Tod seiner Frau die Zimmer in der Wohnung vermietet hat und dessen Traum eine Reise nach Georgien mit dem Bulli ist.
Doch manchmal könnte man die vier oder eher drei einfach nur schütteln. Sie sorgen sich um Jörg; diskutieren, dass etwas getan werden muss; und machen jedoch nichts. (Fast) ein Jahr lang. Ich habe das einfach nicht nachvollziehen können!
Ebenso Constanze, die sich schon beim Einzug denkt, sie muss das Klavier loswerden, weil es zu groß ist. Erst recht, als sie ständig dagegen läuft und der riesige blaue Fleck deshalb gar nicht mehr weg geht. doch nach 1,5 Jahren in der WG steht auch das Klavier immer noch an seinem alten Platz.

Doch diese Geschichte lässt einen nicht los. Sie ist packend, aufwühlend, witzig, emotional. Und einfach nur ganz wundervoll.


Fazit:
Eine zusammengewürfelte Zweckgemeinschaft vierer Personen, die als quasi Familie zusammenwachsen, die man aber manchmal einfach nur schütteln könnte. Packend, aufwühlend, witzig, berührend, emotional.
von Petra Sch. - 2025-01-05 01:04:00

herzerwärmend ohne Pathos und Kitsch - 5 Sterne

Nachdem Jörgs Frau Brigitte viel zu früh gestorben ist, ist ihm seine Hamburger Wohnung zu groß und zu ruhig. Sein Sohn Sebastian lebt mit Frau und Sohn in Südfrankreich, er sieht sie kaum. So kommen zuerst der selbstständige Informatiker und leidenschaftliche Koch Murat, die arbeitslose, über 50-jährige Anke und als Neuzugang, die angestellte Zahnärztin Constanze mit in diese Wohngemeinschaft. Für Constanze soll es nur eine vorübergehende Lösung sein, sie hat sich gerade von ihrem langjährigen Lebensgefährten getrennt. Doch bald merkt sie, dass diese ungleiche Wahlfamilie ihr gut tut, das sie einander brauchen. Jeder hat seine Wünsche und Träume und diese werden uns abwechselnd erzählt. Jörg, noch keine 70 Jahre alt, möchte die Reise im Wohnmobil nach Georgien antreten, da wollte Brigitte immer hin, nun möchte er die Reise alleine durchführen, nur was benötigt er dazu? Anke hofft von Casting zu Casting auf eine Rolle, inzwischen ist ihr schon egal welche, nur schauspielern möchte sie wieder, wie ihr Freund, der die tollsten Rollen erhält und den sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Zuerst ist der Prozess schleichend, sie bemerken es erst nicht, bis Jörg immer mehr vergisst. Droht ihre Wohnverwandtschaft auseinander zu brechen?
Ein herzerwärmender Roman ohne Pathos und Kitsch wird das Leben sehr unterschiedlicher Menschen und Charaktere erzählt. Lesenswert.
von Ulla - 2024-12-14 18:37:00

Unverhofftes Zusammenfinden - 5 Sterne

In „Wohnverwandschaften“ wird über das Hamburger WG-Leben von vier Personen erzählt, die unterschiedlicher nicht sein können und sich alle ihren eigenen Herausforderungen im Alltag stellen.
Bogan schafft mit ihrem flüssigen und angenehmen Schreibstil den Spagat zwischen Humor, Menschlichkeit und Ernst des Lebens herzustellen. Die Charaktere sind sehr facettenreich und in ihrer Individualität bereichernd. Die authentische Erzählweise in der Ich-Perspektive sowie die Schilderungen von Emotionen und Gedanken geben Einblick in die verschiedenen Lebenslagen der WG-Mitbewohner*innen, von Trennungsschmerz bis hin zur Demenz. Der Umgang miteinander geht einem hierbei sehr ans Herz und der Roman hebt hervor, dass auch das Für- und Miteinander zwischen Menschen, unabhängig von Verwandtschaftsgraden, eine wertvolle Ressource sein kann.
von warda - 2024-11-26 14:33:00

Ein berührendes Plädoyer für Freundschaft und Zusammenhalt - 5 Sterne

„Wohnverwandtschaften“ – Ein warmherziger und tiefgründiger Roman

Isabel Bogdan gelingt mit „Wohnverwandtschaften“ ein emotionaler und zugleich humorvoller Roman, der den Leser mit auf eine Reise in das Leben einer außergewöhnlichen Wohngemeinschaft nimmt. Was als Übergangslösung für Constanze nach ihrer Trennung beginnt, entwickelt sich zu einer tiefen und unerwarteten Bindung zwischen vier völlig unterschiedlichen Menschen: Jörg, der immer vergesslicher wird, Anke, die als Schauspielerin in der Midlife-Crisis steckt, Murat, der Lebensfreude ausstrahlt, und Constanze, die versucht, ihr Leben neu zu ordnen.

Bogdan schildert die Entwicklung dieser „Wahlfamilie“ auf eine Art und Weise, die sowohl die Höhen als auch die Tiefen des Lebens spürbar macht. Die Gedanken der Protagonisten, die abwechselnd aus deren Perspektive erzählt werden, sind tiefsinnig und nahbar. Besonders die wechselnden Erzählstile der Charaktere, die ihre unterschiedlichen Altersstufen und Lebensrealitäten widerspiegeln, machen das Buch zu einem fesselnden Erlebnis. Dabei wird nie auf Kitsch zurückgegriffen, sondern die Geschichte bleibt authentisch und bewegend.

Der Roman geht weit über die leichte Unterhaltung hinaus und spricht Themen wie Alter, Demenz, Freundschaft und die Frage, was Familie wirklich ausmacht, auf sehr einfühlsame Weise an. Besonders die Darstellung von Jörgs fortschreitender Demenz ist berührend, ohne je in Traurigkeit zu versinken – stattdessen zeigt sich der Zusammenhalt der WG-Mitglieder als eine Quelle von Stärke und Hoffnung.

„Wohnverwandtschaften“ ist eine herrlich unaufgeregte, aber gleichzeitig sehr bewegende Erzählung, die einem bewusst macht, wie wichtig echte Verbindungen im Leben sind. Die Idee einer Wohngemeinschaft als Familie ist in diesem Kontext mehr als nur ein Konzept – sie wird lebendig und greifbar. Wer auf der Suche nach einem Wohlfühlroman ist, der ohne Kitsch und Klischees auskommt, ist hier genau richtig. Ein ganz klares „Leseempfehlung“ von mir!
von Julchentim - 2024-11-09 16:10:00