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Rezensionen

Pi mal Daumen
Roman | Lieblingsbuch der Unabhängigen 2024

Autor: Alina Bronsky

Erschienen 2024 bei Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-00425-0
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Pi mal Daumen - 4 Sterne

Oscar ist 16, hochbegabt und studiert Mathematik. In einer Vorlesung trifft er auf Moni (drei Enkel, mehrere Nebenjobs) und glaubt, dass sich die alte Dame nur in der Tür vertan hat. Aber Moni ist gekommen, um Mathe zu studieren. Oscar weiß zunächst nicht, was er von Moni halten soll, aber dass sie scheinbar den berühmtesten Professor der Uni persönlich kennt, lässt ihn den Kontakt zu Moni suchen. Zwischen den beiden entsteht langsam eine Freundschaft, die das Leben der beiden gehörig durcheinanderbringt.
Der hochbegabte Oscar ist er Ich-Erzähler dieser liebenswerten Geschichte und er sieht die Welt mit seinen Augen: manchmal naiv, manchmal unnachgiebig, immer sehr wie Oscar. Manches Mal möchte man ihn einfach schütteln und dann wieder umarmen. Mit Moni tritt ein Mensch in sein Leben, der so gar nicht hineinzupassen scheint. Und doch entsteht zwischen beiden eine Freundschaft, die ungewöhnlich und berührend ist und mich auch zum Schmunzeln gebracht hat.
von Barbara Pernter aus der Athesia-Filiale in Bozen - 2024-11-19 08:44:22

Chaotisch - 2 Sterne

Nachdem "Pi mal Daumen" zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen 2024" gekürt wurde und ich vorher schon Positives über das Buch gehört hatte, wusste ich, dass ich es lesen muss.

Im Buch geht es um Oscar, der mit 16 Jahren anfängt Mathematik an der Uni zu studieren. Dort lernt der introvertierte, autistisch wirkende Junge Monika "Moni" Kosinsky kennen, die er zuerst nicht für eine Kommilitonin hält, da sie fast 40 Jahre älter als er ist und auf ihn eher dumm wirkt.
Mit der Zeit freunden die beiden sich jedoch an und Oscar erfährt mehr und mehr über Monis Geschichte.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und leicht zu lesen. Zu Anfang hat mich die Geschichte gepackt, doch mit der Zeit und vor allem zum Ende hin blieb ich mit Fragen zurück.
Die Charaktere sind oft sehr eindimensional und strotzen teils nur so vor Klischees.
Die Geschichte an sich hätte viel besser verpackt werden können, da auch tiefgehende Themen dabei waren, die viel zu schnell abgehandelt worden.
Leider konnte mich das Buch nicht überzeugen. Vielleicht ist es einfach reine Geschmackssache.
von rosetheline - 2024-11-13 21:01:00

Nette Unterhaltung - 3 Sterne

Von Alina Bronsky habe ich vor einiger Zeit „Barbara stirbt nicht“ gelesen, ein Buch, das mich wirklich nachhaltig beeindruckt hat und das ich sehr mochte. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an „Pi mal Daumen“ und das war vielleicht auch so ein bisschen das Problem.

Aber der Reihe nach: Es ist toll geschrieben und super zu lesen, aus Sicht des 16jährigen Oscar, ein adeliges Genie, der bereits an der Uni studiert, sozial aber doch eher unbeholfen oder auch uninteressiert ist.
Ich fand seine Gedanken ganz gut eingefangen, er war mir nicht unbedingt sympathisch, aber ich konnte ihm seine manchmal doch recht drastischen Äußerungen seinen Mitmenschen gegenüber eigentlich ganz gut verzeihen. Genau wie Moni, knallig, laut, chaotisch, mit Helfersyndrom, sie konnte ich mir wirklich bildlich vorstellen.

Die beiden freunden sich also an und es war auch echt unterhaltsam, mitzuverfolgen, wie beide sich dadurch weiterentwickeln. Aber irgendwie war es das dann auch schon. Ich möchte nicht sagen, dass ich das Buch langweilig fand, das war es nicht, aber am Ende war es mir dann doch ein wenig zu belanglos. Ich war fertig und dachte mir, okay, und das war es jetzt? Es war auch nicht so, dass gar nichts weiter passiert ist, die Geschehnisse fand ich allerdings eher ein wenig schwammig und für mich dadurch nicht ganz greifbar.

Ein bisschen unbefriedigt war ich also nach der Lektüre, es war toll zu lesen, kurzweilig und unterhaltsam, aber irgendetwas hat mir gefehlt.
von Rinoa - 2024-11-13 14:30:00

Ich fand es unterhaltsam - 5 Sterne

Oscar ist sechzehn und hochbegabt. So beginnt er sein Studium gleichzeitig mir Moni, die deutlich älter ist, schon eine Oma mir drei Enkeln und mehreren Nebenjobs. Monika erfüllt sich einen Traum und fängt ein Mathematikstudium an, obwohl sie am ersten Tag für die Putzfrau gehalten wird. Moni und Oscar zeigen es allen Kritikern.


Nicht mein erstes Buch der Autorin, ich mag ihre Ideen, ihren Schreibstil und vor allem ihrem Humor. Mit dieser Geschichte über die zwei total unterschiedlichen Chataktere zeigt sie, was sie kann. Auch wenn das ein oder andere Klischee angesprochen wird, aber das gehört dazu. Die zwei, Oscar und Moni, fand ich genial gewählt. Der hochinteligente Oscar, der zu Beginn so gar nichts von Moni hält und im Laufe der Geschichte feststellen muss, daß Intelligenz nichts mit Schulbildung zu tun hat und Moni ein ganz wunderbarer Mensch ist. Ich fand die Freundschaft zwischen den beiden ganz besonders, es hat mir so gut gefallen. Tolle Unterhaltung, die zum Nachdenken einlädt.
von _ich.lese_ - 2024-11-03 20:03:00

Zwei Welten - 3 Sterne

Nachdem „Pi mal Daumen“ von Alina Bronsky zum „Lieblingsbuch der Unabhängigen“ 2024 gewählt wurde, war meine Neugier geweckt.

In der Geschichte geht es um Oscar, einen vermutlich hochintelligenten und autistischen Jungen (zumindest letzteres ist meiner Meinung nach offensichtlich, wird jedoch nie wörtlich erwähnt) und der exzentrischen Moni, die sich mit Mitte 50 noch entscheidet zu studieren, obwohl sie aufgrund ihres chaotischen Lebens allerhand Mühe aufbringen muss, beides unter einen Hut zu bekommen.
Gleich zu Anfang der Handlung lernen die zwei Hauptcharaktere sich im Hörsaal ihres Mathematikstudiums kennen und trotz ihrer offensichtlichen Unterschiede entsteht nach einiger Zeit eine Freundschaft zwischen den beiden.

Die Charaktere sind für meinen Geschmack viel zu klischeehaft. Bronsky hat sich hier lediglich einiger Stereotypen bedient und diesen keine eigenen individuellen Wesenszüge verliehen, was insbesondere die zwei Protagonist*innen flach und eindimensional wirken lässt.
Auch dass man die Geschichte nur aus Oscars Perspektive betrachtet ist ein kleiner Minuspunkt. Monis aufreibender Alltag, in welchem sie es irgendwie schafft Familie, Studium und mehrere Jobs gleichzeitig unter einen Hut zu bringen laden doch geradezu dazu ein ihr auch eine eigene Stimme zu geben und das Geschehen aus deren Sicht zu schildern. Gleichzeitig fand ich Monis Entwicklung genauso wie die Geschichte rund um ihre Kindheit und ihren Bruder nicht besonders glaubwürdig.

Insgesamt hatte ich mir bei der Prämisse einer ungewöhnlichen Freundschaft deutlich mehr Tiefgang erhofft. Dennoch ist das Buch durchaus lesenswert, wenn man eine nette kurzweilige Unterhaltung sucht. Der Schreibstil mit den kurzen Kapiteln war fließend und gut lesbar.
von Sina - 2024-11-01 15:46:00

Unterhaltsam und nett - 4 Sterne

„Pi mal Daumen“ erzählt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem mathematischen Wunderkind Oscar und der lebenslustigen Großmutter Moni, die sich heimlich ihren Traum vom Mathematikstudium erfüllen will. Trotz ihrer Unterschiede – Oscar, privilegiert und sozial unbeholfen, und Moni, die mit mehreren Nebenjobs plus drei Enkelkindern ihren Alltag meistert – wachsen die beiden im Laufe der Geschichte zusammen und bilden ein sympathisches Team, das sich gemeinsam beim Studium unterstützt.

Moni wird zunächst als Außenseiterin belächelt – allein schon wegen ihres auffälligen Auftretens mit knalligem Lippenstift und hohen Schuhen, und weil sie für eine Putzfrau gehalten wird. Doch der Roman schafft es, schnell zu zeigen, dass sich wahre Intelligenz und Leidenschaft nicht durch äußere Erwartungen und Rollenbilder begrenzen lassen. Es dauert nicht lange, bis Oscar erkennt, dass Monis Wissen und vor allem ihre Hartnäckigkeit etwas Besonderes sind.

Der Humor des Romans bewegt sich oft auf einer schmalen Linie. Während er stellenweise sehr amüsant ist, driftet er manchmal ins Kalauerhafte ab, was sicherlich Geschmackssache ist. An einigen Stellen ist es auch sehr klischeehaft, zudem gibt es hier und da klassistische Ansätze, besonders in der Art, wie Menschen in prekären Lebensverhältnissen dargestellt werden. Der Roman profitiert sicher davon, wenn man das selbst kritisch liest. Doch insgesamt überwiegt der positive Eindruck: Die Charaktere werde trotz der Klischees sehr warmherzig beschrieben und entwickeln sich im Laufe des Romans auch weiter. Die Geschichte ist flüssig und locker erzählt und ich fühlte mich gut unterhalten. Besonders die Entwicklung der Freundschaft, die niemand für möglich gehalten hätte, macht „Pi mal Daumen“ zu einer sehr netten Lektüre.
von LeserinLu - 2024-10-03 19:57:00

zwei Welten prallen aufeinander - 4 Sterne

"Pi mal Daumen" ist mein erstes Buch von Alina Bronsky und die Autorin hat mich mit ihrer humorvollen Mischung aus Mathe (urks), Humor und vielen Emotionen abgeholt und ich wurde sehr gut unterhalten.
Die beiden Protagonisten Moni Kosinsky (53, hält sich mit mehreren Jobs über Wasser und quasi hauptberuflich Oma) und Oscar Maria Wilhelm Graf von Ebersdorff (fast 17, Mathegenie mit Sozialphobie) sind sehr überzeichnet. Aber genau das macht den Charme dieses Romans aus, ebenso wie das Überbetonen von Klischees.

Oscar erzählt dem Leser in ich-Form die Geschehnisse, seit er an die Uni gekommen ist, um Mathe zu studieren. Er sieht sich als jemand, der schon fast alles kann und alle anderen Studenten werden sowieso aufgeben. (Gut, viele machen es auch.) Da man aus seiner Sicht liest, kann man sich eher in ihn hineinversetzen. Was aber dennoch schwierig ist, denn er ist eben anders, hat autistische Züge. Er lebt allein in einer großen Wohnung, die ihm seine Eltern extra gekauft haben, damit er Mathe genau an der Universität studieren kann, wo sein Idol Daniel Johannsen promoviert hat und wieder tätig ist.
Die schrille Moni hingegen kommt aus einer sozial benachteiligten Schicht; sie konnte sich ihren Traum eines Studiums nie verwirklichen und ist ständig für ihre Tochter bzw. die drei Enkelkinder da und versucht sich, mit diversen Jobs über Wasser zu halten.
Die beiden landen im Hörsaal zufällig nebeneinander und Moni sieht alles andere als wie eine Mathematik-Studentin aus. Eher wie die Putzfrau an der Uni.
Aber genau diese klischeehafte Gegenüberstellung der sozialen Schichten macht das Buch lebendig. Einerseits fühlt man sich mittendrin, andererseits fühlt es sich überzogen an.
Was mir nicht so gefiel, war das teilweise unglaubwürdige Verhalten einiger Professoren. Und ich konnte auch nicht nachvollziehen, warum Oscar seine eigene Abschlussarbeit darüber vergisst, dass er Moni bei ihrer hilft. Das war ihm doch immer das wichtigste: lernen und bei den Prüfungen gut abschneiden.

Doch es war so emotional zu verfolgen, wie die alles überrennende Moni, die es endlich wagt, ihren lang gehegten Wunsch wahr werden zu lassen, mit ihrer offenen und lauten Art den stillen und in sich gekehrten Oscar, der nichts mit anderen Menschen und besonders mit Moni zu tun haben will, langsam aus seinem Schneckenhaus holt. Sie lässt ihn gar nicht verschlossen sein, und er nimmt es auch (teilweise) an. Die kleinen Rituale und Neckereien fand ich sehr amüsant.
Eine für mich schöne Passage war, als Oscar die beiden jüngeren Enkel von Moni nicht mehr Kevin 1 und Kevin 2 nennt, sondern bei deren richtigen Namen. (Im inneren Buchdeckel findet man übrigens einen von Oscar gemalten Stammbaum von Monis Familie. Nur Enkel Nr. 3, Justin, findet er außergewöhnlich und deshalb nennt er ihn von Anfang an bei seinem richtigen Namen.)
Leider hat mir das Ende bzw. der Prolog nicht gefallen, weil ich es wahrscheinlich einfach nicht verstanden habe. Schade, das hat mir das tolle Buch ein bisschen verleidet.


Fazit:
Kurzweilige Unterhaltung mit zwei außergewöhnlichen und besonderen Protagonisten, vielen Klischees, viel Emotion, aber auch Humor und einer guten Entwicklung der Protagonisten.
von Petra Sch. - 2024-09-30 23:18:00

zu viele Klischees - 3 Sterne

Mir selbst hat das mathematische Thema sehr gut gefallen. Man muss ja nicht jede Einzelheit verstehen aber die Komplexität und auch die Begeisterung und Faszination für Mathematik wurde gut rübergebracht. Aber in der Summe habe ich mich an den überzeichneten Klischees gestört.

So hat Oscar als Ich-Erzähler immer wieder sehr herablassend von Moni gesprochen: sie immer wieder als dumm bezeichnet, das angestrebte Mathematik-Studium als sinnlos, ihre abgegebenen Leistungen durch die Gemeinschaftsarbeit nur von ihm erbracht, eine 52 Jahre Oma ist wohl nicht mehr lernfähig usw.
Zum Anfang als er sie bei der ersten Begegnung im Hörsaal als Putzfrau eingeordnet hatte war das noch humorvoll aber nicht mehr nach der Hälfte des Buches wo er sie doch so gut kennengelernt hatte. In dieser Zeit hatte sie sich vielfältig um ihn gekümmert, ihn in einem Notfall sogar bei sich zuhause aufgenommen.
von BR - 2024-09-25 20:39:00

Mathe mal anders - 4 Sterne

In Alina Bronskys neuem Roman „Pi mal Daumen“ treffen Oscar - hochbegabter Teenager mit Synästhesie, Matheobsession und nicht unbedingt sozialkompatiblem Verhalten - und Moni - dreifache Großmutter aus sozioökonomisch schwierigen Verhältnissen und verworrener Großfamilie - im Hörsaal der mathematischen Fakultät aufeinander. Oscar wählt sich den vermeintlich hoffnungslosen Fall Moni aus, um bei den erzwungenen Partnerarbeiten allein lernen zu können und findet sich nach kurzer Zeit in Monis erstaunlich komplexes Leben verstrickt.
Die beiden Charaktere sind teilweise (wie auch die Nebencharaktere) etwas zu klischeehaft überzeichnet, aber meist dennoch sympathisch und man glaubt ihnen ihr Verhalten und die Dialoge. Schön sind die kleinen mathematischen Anspielungen, beispielsweise in den Namen einiger Nebencharaktere und insgesamt ist der Schreibstil so locker und spannend, dass man das Buch fix durchlesen will.
von Reiseweise - 2024-09-22 16:41:00

Eigenartig, gewöhnungsbedürftig, gut - 5 Sterne

Der hoch intelligente Oscar hat sich fürs Mathematikstudium eingeschrieben. Das besondere daran. Er ist erst 16!!! Als Hochbegabter kann er mit Mitmenschen nicht umgehen, lernt aber am ersten Tag an der Uni Moni kennen, die zu diesem Zeitpunkt von allen für eine Reinigungskraft oder Kantinenfrau gehalten wird. Moni, 53, bunt und schrill, setzt sich ausgerechnet neben Oscar. Trotz der sozial komplett unterschiedlichen Schichten, Oscar stammt aus einer angesehenen, reichen Familie, Moni genau umgekehrt. Im Laufe des ersten Studiensemesters kommen beide aber darauf, dass sie nicht ohne den anderen können.
Irgendwie hat mich das Buch fasziniert, irgendwie ist es komisch zu lesen, da es aus der Sicht von Oscar geschrieben ist.
Das Buch hat mir gefallen und gibt Einblicke in die Welt eines Menschen mit höherem IQ, zumindest, wie man es sich vorstellt.
Die Mathematikwelt wird meines Erachtens nach etwas zu wenig für Laien erklärt, man kommt aber trotzdem mit, aber völlig Zahlen uninteressierten Personen würde ich das Buch nicht empfehlen.
An und für sich aber eine nette runde Geschichte, anders als ich mir vorgestellt habe, aber sehr nett.
von kuhasi - 2024-09-14 16:20:00