Rezensionen
Real Americans
Roman | Deutschland liest ein Buch – sei dabei!
Autor: Rachel Khong
Erschienen 2026 bei Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-00572-1
Was macht uns aus? - 4 Sterne
Das Buch hat mich so ein wenig ambivalent zurückgelassen.
Auf der einen Seite fand ich es super zu lesen, je weiter ich kam, desto mehr habe ich den Schreibstil geliebt. Und obwohl ich einen ganz anderen Hintergrund habe, konnte ich mich wirklich gut in Lilys Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen. Es hätte langweilig sein können, weil im Grunde erst einmal gar nicht so viel passiert, aber das war es nicht und das lag definitiv an der Art der Autorin, zu schreiben und der Zeichnung der Charaktere.
Dann wechselt die Perspektive zwanzig Jahre in die Zukunft und zu Lilys Sohn Nick, was für mich ein sehr harter Bruch war und wo mich das Buch auch so ein wenig verloren hat. Was mich vorher noch fesseln konnte, fand ich nun eher zäh und langatmig.
Gegen Ende gibt es nochmals einen Wechsel, diesmal zu Nicks Großmutter Mei und da wurde es für mich auch wieder interessanter.
Trotzdem habe ich mich öfter bei der Frage ertappt, was das Buch mir eigentlich sagen will. Natürlich muss nicht hinter jeder Geschichte eine riesige Botschaft stehen, aber nach den Ankündigungen als "großer Bestseller", den es "nur alle zehn Jahre" gibt, hatte ich schon andere Erwartungen.
Die Frage, was uns zu dem macht, wer wir sind, wird durchaus gestellt und oft genug aufgegriffen. Um diesem Gedanken ernsthaft folgen zu können, wurden mir hier aber zu viele Themen aufgeworfen und diese dann nicht tiefgreifend genug behandelt. Vielleicht hätte das den Rahmen gesprengt, vielleicht hätte man dafür andere Dinge weniger ausführlich darstellen können. Diese Überlegungen sind letztlich natürlich müßig.
So fand ich "Real Americans" durchaus unterhaltsam, zwischendurch aber auch zäh und langatmig. Aufgewertet wurde das Buch auf jeden Fall durch den Schreibstil, der mich wirklich begeistern konnte.
Auf der einen Seite fand ich es super zu lesen, je weiter ich kam, desto mehr habe ich den Schreibstil geliebt. Und obwohl ich einen ganz anderen Hintergrund habe, konnte ich mich wirklich gut in Lilys Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen. Es hätte langweilig sein können, weil im Grunde erst einmal gar nicht so viel passiert, aber das war es nicht und das lag definitiv an der Art der Autorin, zu schreiben und der Zeichnung der Charaktere.
Dann wechselt die Perspektive zwanzig Jahre in die Zukunft und zu Lilys Sohn Nick, was für mich ein sehr harter Bruch war und wo mich das Buch auch so ein wenig verloren hat. Was mich vorher noch fesseln konnte, fand ich nun eher zäh und langatmig.
Gegen Ende gibt es nochmals einen Wechsel, diesmal zu Nicks Großmutter Mei und da wurde es für mich auch wieder interessanter.
Trotzdem habe ich mich öfter bei der Frage ertappt, was das Buch mir eigentlich sagen will. Natürlich muss nicht hinter jeder Geschichte eine riesige Botschaft stehen, aber nach den Ankündigungen als "großer Bestseller", den es "nur alle zehn Jahre" gibt, hatte ich schon andere Erwartungen.
Die Frage, was uns zu dem macht, wer wir sind, wird durchaus gestellt und oft genug aufgegriffen. Um diesem Gedanken ernsthaft folgen zu können, wurden mir hier aber zu viele Themen aufgeworfen und diese dann nicht tiefgreifend genug behandelt. Vielleicht hätte das den Rahmen gesprengt, vielleicht hätte man dafür andere Dinge weniger ausführlich darstellen können. Diese Überlegungen sind letztlich natürlich müßig.
So fand ich "Real Americans" durchaus unterhaltsam, zwischendurch aber auch zäh und langatmig. Aufgewertet wurde das Buch auf jeden Fall durch den Schreibstil, der mich wirklich begeistern konnte.
von Rinoa - 2026-05-11 14:26:00
Zwischen zwei Welten - Vielschichtiger Familienroman - 4 Sterne
Der vielschichtige Roman „Real Americans“ von Rachel Khong ist eine epische, generationenübergreifende Familiensaga über eine chinesisch-amerikanische Familie.
Khongs ehrgeiziger Versuch einen „großen amerikanischen Roman“ über den berühmten Mythos des Amerikanischen Traums, über Immigration und Assimilation, Klassenschranken, soziale Ungleichheiten, Rassismus sowie die Bedeutung von ethnischer und gesellschaftlicher Herkunft für den Lebensweg zu verfassen ist allerdings nur teilweise gelungen. Die beeindruckende Themenfülle lässt den Roman deutlich überladen wirken. Viele aktuelle Themen werden nur angerissen, wodurch der erzählerische Fokus bisweilen verloren geht.
Darüber hinaus greift die Autorin in ihrer Geschichte die brisante Thematik genetischer Manipulationen in der Medizin und die damit verbundenen ethisch-moralischen Fragestellungen in der biotechnologischen Forschung auf. Statt einer tiefgründigen Auseinandersetzung über Wissenschaftsethik oder die Gefahren profitgetriebener Interessen dient dieser vielversprechende Ansatz eher der dramatischen Zuspitzung der Familiengeschichte und bleibt letztlich im Hintergrund.
Der Roman gliedert sich in drei große Teile und spannt einen weiten zeitlichen Bogen über mehr als 5 Jahrzehnte. Jeder Abschnitt ist jeweils aus der Ich-Perspektive mit drei ganz unterschiedlichen Erzählstimmen erzählt und entfaltet sich auf einer eigenen Zeitebene, die sich nach und nach zu einer kunstvoll verwobenen Familiengeschichte zusammenfügen.
So folgen wir in der nicht chronologisch angelegten Geschichte den drei Generationen der chinesisch amerikanischen Familie Chen-Maier und wechselt dabei zwischen Zeiten, Perspektiven und Schauplätzen von New York über Florida und Kalifornien bis nach Beijing und Hongkong.
Im Mittelpunkt des ersten Teils steht zunächst Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer und hochqualifizierter Wissenschaftler, die vor der Kulturrevolution aus China in die USA geflohen sind, im New York der Jahrtausendwende. Als schlecht bezahlte Praktikantin in einem New Yorker Medienunternehmen begegnet sie dem wohlhabenden Matthew Allen, Erbe eines mächtigen Pharmagroßkonzerns. Ihre Liebesgeschichte steht jedoch von Beginn an unter keinem guten Stern, denn zu groß sind die sozialen und kulturellen Unterschiede zwischen ihnen.
Im zweiten Teil wechselt die Perspektive zu Lilys fünfzehnjährigen Sohn Nick im Jahr 2021, der ohne seinen Vater recht isoliert auf einer Insel vor der Küste Washingtons aufwächst. Von Fragen nach seiner Herkunft getrieben, begibt er sich auf die Suche nach seinem unbekannten Vater. Der letzte, in der nahen Zukunft des Jahres 2030 angelegte Teil widmet sich schließlich dem bewegte Leben von Lilys alter Mutter May, die von ihrer Jugend, ihrer Flucht aus China und ihrer wissenschaftliche Karriere erzählt.
Sehr fesselnd ist die Perspektivvielfalt, die die Geheimnisse, Konflikte und Motive der Charaktere aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und zugleich die vielschichtigen Aspekte von Migration, Identität und Herkunft aufzeigt. Insbesondere der letzte Teil über May und ihren Lebensweg entfaltet mit seinen eindringlichen Schilderungen der Kulturrevolution, der Flucht und des Preises wissenschaftlichen Erfolgs eine eindrückliche erzählerische Kraft. Hier finden zudem die zuvor oft fragmentarischen Erzählstränge zu einem bewegenden Gesamtbild einer zerrissenen Familie zusammen. Nicks Coming of Age Geschichte wirkt hingegen vergleichsweise konventionell, vorhersehbar und lässt an psychologischer Tiefe vermissen.
Ob nun Liebesgeschichte, Familiensaga, Coming-of-age-Geschichte, Gesellschaftsanalyse oder Science-Fiction– der Roman vereint viele verschiedene Facetten und wirft wichtige existenzielle Fragen auf.
Eindrucksvoll arbeitet Khong heraus, dass ein Lebensweg von genetischer Disposition, historischen Bedingungen und gesellschaftlichen Strukturen oder auch durch Zufall gleichermaßen beeinflusst werden kann. Vor allem die Kluft zwischen Arm und Reich sowie die unsichtbaren Regeln sozialer Zugehörigkeit sorgen aber dafür, dass die Chancen auch heute noch ungleich verteilt bleiben.
Insgesamt jedoch bleibt der Roman hinter seinem Anspruch zurück. So hatte ich mir eine grundlegende und kompromisslose Abrechnung mit den viel gerühmten amerikanischen Werten und Idealen des American Dream sowie dem Umgang mit Migration und ethnischer Abstammung erhofft. Leider bietet er vor allem eine Vielzahl an Schlaglichtern, ohne sie konsequent zu bündeln oder in einer klaren Zuspitzung zusammenzuführen.
FAZIT
Ein ambitionierter und atmosphärisch dichter Roman , der durch seine thematische Vielfalt beeindruckt, aber erzählerisch nicht immer überzeugt und durch seine Breite an Schärfe verliert. Dennoch eine interessante und lesenswerte Auseinandersetzung mit Identität und Herkunft in der amerikanischen Gegenwartsliteratur.
Khongs ehrgeiziger Versuch einen „großen amerikanischen Roman“ über den berühmten Mythos des Amerikanischen Traums, über Immigration und Assimilation, Klassenschranken, soziale Ungleichheiten, Rassismus sowie die Bedeutung von ethnischer und gesellschaftlicher Herkunft für den Lebensweg zu verfassen ist allerdings nur teilweise gelungen. Die beeindruckende Themenfülle lässt den Roman deutlich überladen wirken. Viele aktuelle Themen werden nur angerissen, wodurch der erzählerische Fokus bisweilen verloren geht.
Darüber hinaus greift die Autorin in ihrer Geschichte die brisante Thematik genetischer Manipulationen in der Medizin und die damit verbundenen ethisch-moralischen Fragestellungen in der biotechnologischen Forschung auf. Statt einer tiefgründigen Auseinandersetzung über Wissenschaftsethik oder die Gefahren profitgetriebener Interessen dient dieser vielversprechende Ansatz eher der dramatischen Zuspitzung der Familiengeschichte und bleibt letztlich im Hintergrund.
Der Roman gliedert sich in drei große Teile und spannt einen weiten zeitlichen Bogen über mehr als 5 Jahrzehnte. Jeder Abschnitt ist jeweils aus der Ich-Perspektive mit drei ganz unterschiedlichen Erzählstimmen erzählt und entfaltet sich auf einer eigenen Zeitebene, die sich nach und nach zu einer kunstvoll verwobenen Familiengeschichte zusammenfügen.
So folgen wir in der nicht chronologisch angelegten Geschichte den drei Generationen der chinesisch amerikanischen Familie Chen-Maier und wechselt dabei zwischen Zeiten, Perspektiven und Schauplätzen von New York über Florida und Kalifornien bis nach Beijing und Hongkong.
Im Mittelpunkt des ersten Teils steht zunächst Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer und hochqualifizierter Wissenschaftler, die vor der Kulturrevolution aus China in die USA geflohen sind, im New York der Jahrtausendwende. Als schlecht bezahlte Praktikantin in einem New Yorker Medienunternehmen begegnet sie dem wohlhabenden Matthew Allen, Erbe eines mächtigen Pharmagroßkonzerns. Ihre Liebesgeschichte steht jedoch von Beginn an unter keinem guten Stern, denn zu groß sind die sozialen und kulturellen Unterschiede zwischen ihnen.
Im zweiten Teil wechselt die Perspektive zu Lilys fünfzehnjährigen Sohn Nick im Jahr 2021, der ohne seinen Vater recht isoliert auf einer Insel vor der Küste Washingtons aufwächst. Von Fragen nach seiner Herkunft getrieben, begibt er sich auf die Suche nach seinem unbekannten Vater. Der letzte, in der nahen Zukunft des Jahres 2030 angelegte Teil widmet sich schließlich dem bewegte Leben von Lilys alter Mutter May, die von ihrer Jugend, ihrer Flucht aus China und ihrer wissenschaftliche Karriere erzählt.
Sehr fesselnd ist die Perspektivvielfalt, die die Geheimnisse, Konflikte und Motive der Charaktere aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und zugleich die vielschichtigen Aspekte von Migration, Identität und Herkunft aufzeigt. Insbesondere der letzte Teil über May und ihren Lebensweg entfaltet mit seinen eindringlichen Schilderungen der Kulturrevolution, der Flucht und des Preises wissenschaftlichen Erfolgs eine eindrückliche erzählerische Kraft. Hier finden zudem die zuvor oft fragmentarischen Erzählstränge zu einem bewegenden Gesamtbild einer zerrissenen Familie zusammen. Nicks Coming of Age Geschichte wirkt hingegen vergleichsweise konventionell, vorhersehbar und lässt an psychologischer Tiefe vermissen.
Ob nun Liebesgeschichte, Familiensaga, Coming-of-age-Geschichte, Gesellschaftsanalyse oder Science-Fiction– der Roman vereint viele verschiedene Facetten und wirft wichtige existenzielle Fragen auf.
Eindrucksvoll arbeitet Khong heraus, dass ein Lebensweg von genetischer Disposition, historischen Bedingungen und gesellschaftlichen Strukturen oder auch durch Zufall gleichermaßen beeinflusst werden kann. Vor allem die Kluft zwischen Arm und Reich sowie die unsichtbaren Regeln sozialer Zugehörigkeit sorgen aber dafür, dass die Chancen auch heute noch ungleich verteilt bleiben.
Insgesamt jedoch bleibt der Roman hinter seinem Anspruch zurück. So hatte ich mir eine grundlegende und kompromisslose Abrechnung mit den viel gerühmten amerikanischen Werten und Idealen des American Dream sowie dem Umgang mit Migration und ethnischer Abstammung erhofft. Leider bietet er vor allem eine Vielzahl an Schlaglichtern, ohne sie konsequent zu bündeln oder in einer klaren Zuspitzung zusammenzuführen.
FAZIT
Ein ambitionierter und atmosphärisch dichter Roman , der durch seine thematische Vielfalt beeindruckt, aber erzählerisch nicht immer überzeugt und durch seine Breite an Schärfe verliert. Dennoch eine interessante und lesenswerte Auseinandersetzung mit Identität und Herkunft in der amerikanischen Gegenwartsliteratur.
von bookloving - 2026-05-06 12:54:00
Die Fehler der Generationen, leider nur angerissen - 3 Sterne
Die Idee, gemeinsam mit vielen anderen zugleich dieses Buch lesen und sich online darüber austauschen zu können (Aktion: Deutschland liest ein Buch), ist einer von zwei Gründen, weswegen ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Der zweite Grund ergab sich nach Lesen der Buchbeschreibung, in der es um eine chinesisch-stämmige junge Frau in den USA und die Privilegien ihres weißen amerikanischen Partners geht. Das ließ auf eine kritische Betrachtung der Diskriminierung von Menschen mit asiatischen Wurzeln in den Vereinigten Staaten hoffen, wie ich sie von Autorinnen wie Celeste Ng und Rebecca F. Kuang (Yellowface) kenne. Und tatsächlich wird die 22-jährige Lilly Chen zu Beginn des Romans von ihrem Chef entsprechend herablassend behandelt. Bis sie auf dessen Neffen Matthew trifft, der vom Verhalten seines Onkels wenig begeistert ist.
Womit ich nicht gerechnet habe ist, wie die Autorin den weiteren Verlauf sowohl inhaltlich wie auch stilistisch gestaltet hat. Eine Entscheidung, mit der ich mich leider ziemlich schwer tat. Da werden irgendwelche Geschehnisse oder Personen in die Handlung geworfen, nur um als völlig irrelevant nie wieder im Roman aufzutauchen. Es gibt keinen wirklichen Fokus oder ein Ziel, dafür eine Andeutung, auf der lange Zeit ohne konkrete Hinweise herumgeritten wird. Und statt des berühmten Roten Fadens kämpfte ich mich durch einen bunten Haufen Wollflusen, nur um plötzlich in einer völlig anderen Zeit eine ganz andere Geschichte aus neuer Perspektive erzählt zu bekommen. Zu den Hauptcharakteren konnte ich keinerlei Bindung aufbauen, vielmehr waren mir alle durch ihrjeweils fragwürdiges Verhalten unsympathisch.
Nicht nur während des Lesens, auch zum Ende hin ließ mich das Buch einfach ratlos zurück. Ich kann bis heute nicht sagen, was mir die Autorin mit dem Buch sagen wollte. Vielmehr empfand ich es als ein Sammelsurium an Geschehnissen und Schicksalen, ohne etwas wirklich emotional tiefergehend zu behandeln. Zwar gibt es einige sehr bewegende Szenen, über die Hintergründe wird man jedoch zu sehr im Unklaren gelassen. Mir persönlich ist es jeweils zuwenig von zu vielen Themen, sei es die Geschichte Chinas, Ethik in der Forschung, Freundschaft, Erziehung, Vorurteile, Diskriminierung, Verantwortung, Identität, Tradition oder Familie. Für meinen Geschmack enthielt das Buch zuviel irrelevantes Füllmaterial, eine gewisse Zähigkeit mit sich bringend. Statt über die Kernthemen hinwegzufliegen, hätten diese stärker ausgearbeitet werden müssen, um mich überzeugen zu können. So ist es ein Sammelsurium an Familiendrama, Gesellschaftskritik, Forschungsethik und Polithistorie, ohne den Finger entscheidend auf eines dieser Themen zu halten.
Womit ich nicht gerechnet habe ist, wie die Autorin den weiteren Verlauf sowohl inhaltlich wie auch stilistisch gestaltet hat. Eine Entscheidung, mit der ich mich leider ziemlich schwer tat. Da werden irgendwelche Geschehnisse oder Personen in die Handlung geworfen, nur um als völlig irrelevant nie wieder im Roman aufzutauchen. Es gibt keinen wirklichen Fokus oder ein Ziel, dafür eine Andeutung, auf der lange Zeit ohne konkrete Hinweise herumgeritten wird. Und statt des berühmten Roten Fadens kämpfte ich mich durch einen bunten Haufen Wollflusen, nur um plötzlich in einer völlig anderen Zeit eine ganz andere Geschichte aus neuer Perspektive erzählt zu bekommen. Zu den Hauptcharakteren konnte ich keinerlei Bindung aufbauen, vielmehr waren mir alle durch ihrjeweils fragwürdiges Verhalten unsympathisch.
Nicht nur während des Lesens, auch zum Ende hin ließ mich das Buch einfach ratlos zurück. Ich kann bis heute nicht sagen, was mir die Autorin mit dem Buch sagen wollte. Vielmehr empfand ich es als ein Sammelsurium an Geschehnissen und Schicksalen, ohne etwas wirklich emotional tiefergehend zu behandeln. Zwar gibt es einige sehr bewegende Szenen, über die Hintergründe wird man jedoch zu sehr im Unklaren gelassen. Mir persönlich ist es jeweils zuwenig von zu vielen Themen, sei es die Geschichte Chinas, Ethik in der Forschung, Freundschaft, Erziehung, Vorurteile, Diskriminierung, Verantwortung, Identität, Tradition oder Familie. Für meinen Geschmack enthielt das Buch zuviel irrelevantes Füllmaterial, eine gewisse Zähigkeit mit sich bringend. Statt über die Kernthemen hinwegzufliegen, hätten diese stärker ausgearbeitet werden müssen, um mich überzeugen zu können. So ist es ein Sammelsurium an Familiendrama, Gesellschaftskritik, Forschungsethik und Polithistorie, ohne den Finger entscheidend auf eines dieser Themen zu halten.
von C. P. - 2026-04-13 20:59:00
Leise, intensiv und bleibt im Kopf - 4 Sterne
Ich habe Real Americans von Rachel Khong gelesen und war am Ende echt überrascht, wie sehr mich das Buch doch gepackt hat.
Am Anfang wusste ich nicht so ganz, wohin die Geschichte will, aber genau das hat es dann irgendwie besonders gemacht. Die verschiedenen Perspektiven von Lily, Nick und Mei haben sich für mich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Vor allem Lily ist mir richtig nah gegangen. Ich wollte sie oft einfach nur in den Arm nehmen und fest drücken.
Nick tat mir an vielen Stellen leid, weil er so zwischen allem steht und versucht, seinen Platz zu finden. Und Mei bringt nochmal eine ganz andere und überraschende Tiefe rein, auch wenn ihr Teil für mich stellenweise etwas schwerer zu greifen war.
Das Buch ist eher ruhig erzählt, aber genau das hat bei mir sehr gut funktioniert. Es passiert nicht ständig etwas Großes, aber die Gedanken und Gefühle der Figuren tragen die ganze Geschichte über das Buch hinweg. Man merkt auch, dass hier Themen wie Familie, Herkunft und Identität eine große Rolle spielen.
Ein kleiner Punkt, der mich manchmal rausgebracht hat, war dieser wissenschaftliche Aspekt im Hintergrund. Der war wichtig für die Story, aber nicht immer leicht zu verstehen.
Trotzdem, die Art wie alles zusammenkommt und wie sich mein Blick auf die Figuren immer wieder verändert hat, fand ich richtig gut. Das ist so ein Buch, über das man noch länger nachdenkt.
Für mich starke 4 Sterne.
Am Anfang wusste ich nicht so ganz, wohin die Geschichte will, aber genau das hat es dann irgendwie besonders gemacht. Die verschiedenen Perspektiven von Lily, Nick und Mei haben sich für mich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Vor allem Lily ist mir richtig nah gegangen. Ich wollte sie oft einfach nur in den Arm nehmen und fest drücken.
Nick tat mir an vielen Stellen leid, weil er so zwischen allem steht und versucht, seinen Platz zu finden. Und Mei bringt nochmal eine ganz andere und überraschende Tiefe rein, auch wenn ihr Teil für mich stellenweise etwas schwerer zu greifen war.
Das Buch ist eher ruhig erzählt, aber genau das hat bei mir sehr gut funktioniert. Es passiert nicht ständig etwas Großes, aber die Gedanken und Gefühle der Figuren tragen die ganze Geschichte über das Buch hinweg. Man merkt auch, dass hier Themen wie Familie, Herkunft und Identität eine große Rolle spielen.
Ein kleiner Punkt, der mich manchmal rausgebracht hat, war dieser wissenschaftliche Aspekt im Hintergrund. Der war wichtig für die Story, aber nicht immer leicht zu verstehen.
Trotzdem, die Art wie alles zusammenkommt und wie sich mein Blick auf die Figuren immer wieder verändert hat, fand ich richtig gut. Das ist so ein Buch, über das man noch länger nachdenkt.
Für mich starke 4 Sterne.
von Julchentim - 2026-04-04 16:25:00
tiefgehender als man anfänglich vermutet - 4 Sterne
1999 trifft Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer auf einer Weihnachtsfeier ihrer Firma in New York Matthew. Im Gegensatz zu ihr – die als unbezahlte Praktikantin für ein Medienunternehmen arbeitet- ist Matthew wohlhabend und sehr erfolgreich in seiner Arbeit. Nach etwas durcheinander treffen sie sich einige Jahre später wieder und Lily erfährt, dass Matthew nicht nur erfolgreich ist, sondern auch aus einer bekannten und reichen Familie stammt, die unter anderem ein Pharmaunternehmen betreibt.
Jahre später, lebt Nick, Sohn von Lily mit ihr auf einer abgelegenen Insel nahe von Seattle. Er kennt seinen Vater nicht, und nutzt die neuen technischen Möglichkeiten ihn aufzuspüren. Ohne es zu ahnen, stößt er dabei auf etliche Geheimnisse.
Wie schon aus dem Klappentext ersichtlich ist, wird der Roman in verschiedenen Abschnitten bzw. Blickwinkeln aufgetischt, die aber auch verschiedene Zeitebenen darstellen. Man begleitet Lily, Nick und schließlich noch Großmutter May im Jahr 2030 auf ihren Spuren und Erinnerungen in den jeweiligen Jahren. All dies eher episodenweise, wodurch man sich manchmal fragt was zwischen diesen Episoden passiert ist und andererseits teilweise auch sehr detailliert in diesen jeweiligen Episoden. Während des Lesens fragt man sich eine zeitlang, wohin die Geschichte damit gehen möchte. Im Rückblick relativiert sich dies und wird auch schlüssig. Teilweise fand ich dennoch, dass die Erzählung unnötige Längen aufwies.
Die großen Themen des Buches sind wohl der sagenhafte „amerikanische Traum“, die Frage was einen Amerikaner ausmacht, Klassendenken und Klassenunterschiede und schließlich (auch wenn sich dies zu Beginn nicht gleich erschließt) Gentechnik und die Möglichkeit das Erbgut zu verändern. All dies ist natürlich gesellschaftlich relevant – nicht nur für Amerika.
Auf Grund dessen, kann ich das Buch durchwegs empfehlen, auch wenn es keine kurze Lektüre für zwischendurch ist.
Jahre später, lebt Nick, Sohn von Lily mit ihr auf einer abgelegenen Insel nahe von Seattle. Er kennt seinen Vater nicht, und nutzt die neuen technischen Möglichkeiten ihn aufzuspüren. Ohne es zu ahnen, stößt er dabei auf etliche Geheimnisse.
Wie schon aus dem Klappentext ersichtlich ist, wird der Roman in verschiedenen Abschnitten bzw. Blickwinkeln aufgetischt, die aber auch verschiedene Zeitebenen darstellen. Man begleitet Lily, Nick und schließlich noch Großmutter May im Jahr 2030 auf ihren Spuren und Erinnerungen in den jeweiligen Jahren. All dies eher episodenweise, wodurch man sich manchmal fragt was zwischen diesen Episoden passiert ist und andererseits teilweise auch sehr detailliert in diesen jeweiligen Episoden. Während des Lesens fragt man sich eine zeitlang, wohin die Geschichte damit gehen möchte. Im Rückblick relativiert sich dies und wird auch schlüssig. Teilweise fand ich dennoch, dass die Erzählung unnötige Längen aufwies.
Die großen Themen des Buches sind wohl der sagenhafte „amerikanische Traum“, die Frage was einen Amerikaner ausmacht, Klassendenken und Klassenunterschiede und schließlich (auch wenn sich dies zu Beginn nicht gleich erschließt) Gentechnik und die Möglichkeit das Erbgut zu verändern. All dies ist natürlich gesellschaftlich relevant – nicht nur für Amerika.
Auf Grund dessen, kann ich das Buch durchwegs empfehlen, auch wenn es keine kurze Lektüre für zwischendurch ist.
von leopol - 2026-03-28 18:22:00
Vielschichtig - 5 Sterne
Der Roman "Real Americans" von Rachel Khong wurde als einer der besten unserer Zeit, vor allem in den USA, gehandelt und dem würde ich auch zustimmen.
Das umfangreiche Werk ist in drei Teile gegliedert, die sich mit den Lebensphasen von Lily, ihrem Sohn Nick und ihrer Mutter befassen. Wir begleiten zunächst Lily, eine unbezahlte Praktikatin in New York mit chinesischen Wurzeln, in den Jahren 1999 bis 2005, die den reichen Unternehmenssohn Matthew kennen und lieben lernt. Bis dahin könnte man meinen, es handle sich um einen Liebesroman, doch die Liebe steht mitunter von Lilys Zweifeln unter einem schlechten Stern.
So verheimlicht sie ihrem Sohn Nick, um den es sich im zweiten Teil dreht, die Herkunft seines Vaters. Nick hat keine chinesischen Züge und ist daher besonders an seinem Vater interessiert. Wir begleiten ihn im Jahr 2021, in dem er sich mit seinem besten Freund Thimothy um Colleges bewirbt und nach seinem Vater sucht. Eine Szene mit Austern, die auf dem Cover zu finden ist, spielt eine zentrale Rolle in dem Werk.
Im Jahr 2030 erfahren wir mehr über Lilys Mutter May und ihre bewegende Geschichte. Am Ende fügen sich alle Puzzleteile, insbesondere für Nick, zusammen.
Fazit: Der Schreibstil ist leicht und packend zugleich in dem Roman, der sich viel mit Identitäten, Angst vor Generbfolgen und der Frage nach der eigenen Herkunft befasst. Daher ist der Roman kein reiner Identitäts-, Geschichts- oder Familienroman, sondern vielmehr eine gelungene Mischung aus allem.
Das umfangreiche Werk ist in drei Teile gegliedert, die sich mit den Lebensphasen von Lily, ihrem Sohn Nick und ihrer Mutter befassen. Wir begleiten zunächst Lily, eine unbezahlte Praktikatin in New York mit chinesischen Wurzeln, in den Jahren 1999 bis 2005, die den reichen Unternehmenssohn Matthew kennen und lieben lernt. Bis dahin könnte man meinen, es handle sich um einen Liebesroman, doch die Liebe steht mitunter von Lilys Zweifeln unter einem schlechten Stern.
So verheimlicht sie ihrem Sohn Nick, um den es sich im zweiten Teil dreht, die Herkunft seines Vaters. Nick hat keine chinesischen Züge und ist daher besonders an seinem Vater interessiert. Wir begleiten ihn im Jahr 2021, in dem er sich mit seinem besten Freund Thimothy um Colleges bewirbt und nach seinem Vater sucht. Eine Szene mit Austern, die auf dem Cover zu finden ist, spielt eine zentrale Rolle in dem Werk.
Im Jahr 2030 erfahren wir mehr über Lilys Mutter May und ihre bewegende Geschichte. Am Ende fügen sich alle Puzzleteile, insbesondere für Nick, zusammen.
Fazit: Der Schreibstil ist leicht und packend zugleich in dem Roman, der sich viel mit Identitäten, Angst vor Generbfolgen und der Frage nach der eigenen Herkunft befasst. Daher ist der Roman kein reiner Identitäts-, Geschichts- oder Familienroman, sondern vielmehr eine gelungene Mischung aus allem.
von Kalligrafin - 2026-03-23 10:04:00
Ambivalentes Leseerlebnis - 3 Sterne
Als Lily als Praktikantin den jungen Matthew kennenlernt, ist ihr schnell klar, dass die beiden Welten, aus der sie stammen, einfach zu weit auseinanderliegen - sie als chinesische Einwanderertochter lebt in mehr als bescheidenen Verhältnissen, während seine Familie im Geld schwimmt. Trotzdem bekommen sie ein Kind, doch ihre Wege trennen sich bald. Als Jahre später ihr Sohn Nick in Kontakt mit seinem Vater tritt, wird langsam klar, dass ihre beiden Familiengeschichten mehr verbindet, als sie alle ahnen konnten.
"Real Americans" ist wirklich außerordentlich eingänglich geschrieben, durch die mehr als 500 Seiten fliegt man nur so hinweg. Nichtsdestotrotz hinterlässt mich die Geschichte enttäuscht.
Grundsätzlich: der Roman ist in drei Episoden aufgebaut. Durch Teil 1 lernen wir Lily kennen, ihre frische Verliebtheit mit Matthew und die Schwierigkeiten, die sie mit so unterschiedlichen Herkunftsfamilien haben. Teil 2, rund 20 Jahre später, erzählt von ihrem Sohn Nick, seinem Erwachsenwerden und seiner Suche nach seinem Vater und sich selbst. Im dritten Teil werden wir nach China in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückgeworfen und lernen die Geschichte von Mai, Lilys Mutter, kennen, wie sie China verlies und in die USA kam.
Leider strotzt das Buch nur so vor Stereotypen und die Charaktere bleiben weitgehend oberflächlich und blass. Viele Entscheidungen, die die Protagonist*innen treffen, sind überhaupt nicht oder nur sehr schwer nachvollziehbar. Besonders wie Lily ihren Sohn Nick von der Welt fernhalten will, ist befremdlich und für mich nicht schlüssig erzählt. Matthews Charakter bleibt oberflächlich und uneinsehbar, aus seiner Figur hätte die Autorin viel mehr machen können. Seine reiche Familie verhält sich stereotyp herablassend. Auch wie sich die Charaktere im Laufe der Zeit entwickeln, finde ich nicht passend - manchmal erkennt man sie in späteren Jahren überhaupt nicht wieder, wobei die Figuren bis auf Mai ohnehin nicht viel Tiefe bekommen. Zwar werden die einzelnen Teile aus unterschiedlichen Blickwinkel erzählt und man könnte die unterschiedliche Wahrnehmung mit der unterschiedlichen Perspektive erklären, nur fand ich, dass man beispielsweise Lily aus Nicks Perspektive so überhaupt keine Ähnlichkeiten und anschließende Erkennungsmerkmale mit der Lily aus der Selbstperspektive hat. Ebenso erging es mir mit Mai.
Es werden auch viele gesellschaftlich relevante Themen angerissen und auf den mehr als 500 Seiten wäre ausreichend Platz gewesen, diese auch adäquat zu verhandeln. Rassismus, Klassismus, ethische Aspekte von Wissenschaft, insbesondere der Genmanipulationen, Schwierigkeiten von Eingewanderten, Identitätssuche, Zugehörigkeit, sozialer Aufstieg, Umweltzerstörung, und vieles mehr - als das findet seine Erwähnung, bleibt aber so an der Oberfläche, dass es fast schon wieder ärgerlich ist, dass es überhaupt thematisiert wurde.
Ein kleiner, positiver Ausreißer ist der dritte Teil um Mai - er wird in einer Rückblende im Gespräch zwischen Nick und Mai erzählt und ihre Geschichte bekommt eine unerwartete Tiefe. Die Verhältnisse, die damals in China herrschten, das Ausmerzen der Spatzen, die bittere Armut, die darauf folgt und generell das herrschende Machtsystem scheint gut recherchiert zu sein und ist einnehmend und schmerzhaft beschrieben. In den USA angekommen kippt bedauerlicherweise die Geschichte ins Absurde, es geht um unglaubwürdige Genmanipulation und die Autorin baut ein fantastisches Element ein, das so gar nicht in den Rest der Geschichte passt. Viele der Erklärungen, die wir am Ende geliefert bekommen, empfand ich als total unglaubwürdig. Das finde ich sehr schade, denn eigentlich hatte die Geschichte viel Potential. Warum um das Buch so ein Hype gemacht wird, kann ich nur bedingt nachvollziehen.
Mein Fazit: "Real Americans" ist ein Easy-To-Read-Roman, bei dem man sich keinen Tiefgang erwarten kann. Er ist äußerst eingänglich geschrieben, weist für meinen Geschmack aber zu wenig Schlüssigkeit und teils abstruse Erklärungen auf. Der dritte Teil im Roman ist überraschend stark und ich finde es schade, dass die Autorin nicht das ganze Buch mit so einem Tiefgang versehen hat.
"Real Americans" ist wirklich außerordentlich eingänglich geschrieben, durch die mehr als 500 Seiten fliegt man nur so hinweg. Nichtsdestotrotz hinterlässt mich die Geschichte enttäuscht.
Grundsätzlich: der Roman ist in drei Episoden aufgebaut. Durch Teil 1 lernen wir Lily kennen, ihre frische Verliebtheit mit Matthew und die Schwierigkeiten, die sie mit so unterschiedlichen Herkunftsfamilien haben. Teil 2, rund 20 Jahre später, erzählt von ihrem Sohn Nick, seinem Erwachsenwerden und seiner Suche nach seinem Vater und sich selbst. Im dritten Teil werden wir nach China in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückgeworfen und lernen die Geschichte von Mai, Lilys Mutter, kennen, wie sie China verlies und in die USA kam.
Leider strotzt das Buch nur so vor Stereotypen und die Charaktere bleiben weitgehend oberflächlich und blass. Viele Entscheidungen, die die Protagonist*innen treffen, sind überhaupt nicht oder nur sehr schwer nachvollziehbar. Besonders wie Lily ihren Sohn Nick von der Welt fernhalten will, ist befremdlich und für mich nicht schlüssig erzählt. Matthews Charakter bleibt oberflächlich und uneinsehbar, aus seiner Figur hätte die Autorin viel mehr machen können. Seine reiche Familie verhält sich stereotyp herablassend. Auch wie sich die Charaktere im Laufe der Zeit entwickeln, finde ich nicht passend - manchmal erkennt man sie in späteren Jahren überhaupt nicht wieder, wobei die Figuren bis auf Mai ohnehin nicht viel Tiefe bekommen. Zwar werden die einzelnen Teile aus unterschiedlichen Blickwinkel erzählt und man könnte die unterschiedliche Wahrnehmung mit der unterschiedlichen Perspektive erklären, nur fand ich, dass man beispielsweise Lily aus Nicks Perspektive so überhaupt keine Ähnlichkeiten und anschließende Erkennungsmerkmale mit der Lily aus der Selbstperspektive hat. Ebenso erging es mir mit Mai.
Es werden auch viele gesellschaftlich relevante Themen angerissen und auf den mehr als 500 Seiten wäre ausreichend Platz gewesen, diese auch adäquat zu verhandeln. Rassismus, Klassismus, ethische Aspekte von Wissenschaft, insbesondere der Genmanipulationen, Schwierigkeiten von Eingewanderten, Identitätssuche, Zugehörigkeit, sozialer Aufstieg, Umweltzerstörung, und vieles mehr - als das findet seine Erwähnung, bleibt aber so an der Oberfläche, dass es fast schon wieder ärgerlich ist, dass es überhaupt thematisiert wurde.
Ein kleiner, positiver Ausreißer ist der dritte Teil um Mai - er wird in einer Rückblende im Gespräch zwischen Nick und Mai erzählt und ihre Geschichte bekommt eine unerwartete Tiefe. Die Verhältnisse, die damals in China herrschten, das Ausmerzen der Spatzen, die bittere Armut, die darauf folgt und generell das herrschende Machtsystem scheint gut recherchiert zu sein und ist einnehmend und schmerzhaft beschrieben. In den USA angekommen kippt bedauerlicherweise die Geschichte ins Absurde, es geht um unglaubwürdige Genmanipulation und die Autorin baut ein fantastisches Element ein, das so gar nicht in den Rest der Geschichte passt. Viele der Erklärungen, die wir am Ende geliefert bekommen, empfand ich als total unglaubwürdig. Das finde ich sehr schade, denn eigentlich hatte die Geschichte viel Potential. Warum um das Buch so ein Hype gemacht wird, kann ich nur bedingt nachvollziehen.
Mein Fazit: "Real Americans" ist ein Easy-To-Read-Roman, bei dem man sich keinen Tiefgang erwarten kann. Er ist äußerst eingänglich geschrieben, weist für meinen Geschmack aber zu wenig Schlüssigkeit und teils abstruse Erklärungen auf. Der dritte Teil im Roman ist überraschend stark und ich finde es schade, dass die Autorin nicht das ganze Buch mit so einem Tiefgang versehen hat.
von Kwinsu - 2026-03-22 20:45:00
Familiengeheimnisse - 4 Sterne
Es gab ja schon recht viele Vorschusslorbeeren für diesen #deutschlandliesteinbuch Roman. Aber was soll ich Euch sagen - es ist schon ein echtes Stück Leseglück. ????
'Real Americans' von Rachel Khong ist in drei Teile gegliedert und erzählt die Geschichte einer chinesisch-amerikanischen Familie über mehrere Generationen hinweg - voller Sehnsucht, unausgesprochener Wahrheiten und Entscheidungen, die noch lange nachwirken.
Im ersten Abschnitt begleiten wir Lily Chen, die Tochter chinesischer Einwanderer. Sie wächst zwischen zwei Kulturen auf und merkt früh, dass sie in beiden nie ganz zu Hause ist. Für die Chinesen ist sie zu amerikanisch umd für die Amerikaner zu chinesisch. Erst als sie Matthew kennenlernt, hat sie das Gefühl, wirklich gesehen und geliebt zu werden.
Der zweiten Teil gehört ihrem Sohn Nick. Sein Vater spielt in seinem Leben keine Rolle mehr, und damit fehlt ihm ein wichtiger Teil seiner eigenen Geschichte. Äußerlich sieht er seinem Vater ähnlich und wirkt kaum chinesisch - doch auch er spürt immer wieder dieses Dazwischen, dieses Gefühl, nirgends ganz hineinzupassen. Und Lilys Schweigen über die Vergangenheit schafft eine Distanz zwischen Mutter und Sohn, die beim Lesen wirklich wehgetan hat.
Im dritten Teil lernen wir schließlich Mai kennen - Lilys Mutter und Nicks Großmutter. Ihre Geschichte bringt viele der verborgenen Wahrheiten ans Licht. Trotzdem blieb sie für mich die Figur, zu der ich am wenigsten Zugang gefunden habe. Wahrscheinlich weil sie mir einfach nicht sympathisch ist und ich einige ihrer Handlungen nicht gutheißen kann.
Und doch: Gerade diese Familiengeschichte, die von Geheimnissen, Erwartungen und Identität geprägt ist, hat mich gefesselt. Nach und nach setzt sich das große Ganze zusammen - und genau das hat diesen Roman für mich so besonders gemacht.
Ich hatte eine richtig gute Zeit mit diesem Buch und kann es euch sehr empfehlen.
'Real Americans' von Rachel Khong ist in drei Teile gegliedert und erzählt die Geschichte einer chinesisch-amerikanischen Familie über mehrere Generationen hinweg - voller Sehnsucht, unausgesprochener Wahrheiten und Entscheidungen, die noch lange nachwirken.
Im ersten Abschnitt begleiten wir Lily Chen, die Tochter chinesischer Einwanderer. Sie wächst zwischen zwei Kulturen auf und merkt früh, dass sie in beiden nie ganz zu Hause ist. Für die Chinesen ist sie zu amerikanisch umd für die Amerikaner zu chinesisch. Erst als sie Matthew kennenlernt, hat sie das Gefühl, wirklich gesehen und geliebt zu werden.
Der zweiten Teil gehört ihrem Sohn Nick. Sein Vater spielt in seinem Leben keine Rolle mehr, und damit fehlt ihm ein wichtiger Teil seiner eigenen Geschichte. Äußerlich sieht er seinem Vater ähnlich und wirkt kaum chinesisch - doch auch er spürt immer wieder dieses Dazwischen, dieses Gefühl, nirgends ganz hineinzupassen. Und Lilys Schweigen über die Vergangenheit schafft eine Distanz zwischen Mutter und Sohn, die beim Lesen wirklich wehgetan hat.
Im dritten Teil lernen wir schließlich Mai kennen - Lilys Mutter und Nicks Großmutter. Ihre Geschichte bringt viele der verborgenen Wahrheiten ans Licht. Trotzdem blieb sie für mich die Figur, zu der ich am wenigsten Zugang gefunden habe. Wahrscheinlich weil sie mir einfach nicht sympathisch ist und ich einige ihrer Handlungen nicht gutheißen kann.
Und doch: Gerade diese Familiengeschichte, die von Geheimnissen, Erwartungen und Identität geprägt ist, hat mich gefesselt. Nach und nach setzt sich das große Ganze zusammen - und genau das hat diesen Roman für mich so besonders gemacht.
Ich hatte eine richtig gute Zeit mit diesem Buch und kann es euch sehr empfehlen.
von Karina - 2026-03-14 07:32:00
Herkunft, Identität und Klasse im modernen Amerika - 4 Sterne
"Real Americans" wird schon am Cover als herausragendes Werk angepriesen, auch auf der Rückseite und auf den Innenklappen finden sich viele Lobpreisungen, der Verlag vermarktet es unter dem Slogan "Deutschland liest ein Buch". Das wunderschöne Cover mit der Auster macht neugierig, genauso wie der Titel. Insgesamt weckt das alles hohe Erwartungen an ein außergewöhnliches Werk.
Tatsächlich handelt es sich auch um ein sehr lesenswertes Buch, das viele aktuelle Themen, die insbesondere die USA, aber im weiteren Sinn auch die Welt beschäftigen, behandelt. Es geht um Migration, Herkunft, Identität, Familiengeschichte, soziale Klassen, Macht, Geld und die damit verbundenen Privilegien, um Liebe zwischen Familienmitgliedern, Enttäuschungen, Entfremdung und Verrat, darum, was uns prägt und wer wir sind, wie wir uns innerlich fühlen und was uns von außen zugeschrieben wird. Auch Genetik, Epigenetik und aktuelle ethische Fragen der Biomedizin insbesondere im Bereich Kinderwunsch spielen eine Rolle, ebenso wie das kommunistische China und kulturelle Unterschiede und Normen.
All diesen Themen nähert sich das Buch aus drei Perspektiven an, die nicht chronologisch erzählt sind und jeweils eines der Mitglieder einer chinesisch-amerikanischen Familie ins Zentrum rücken. Die Geschichte beginnt mit Lily Chen, die in den USA geboren und aufgewachsen ist, als Tochter aus China eingewanderter Eltern, die als Forscher in der Biomedizin-Branche arbeiten und sich erhofft hätten, auch die Tochter würde sich für die Naturwissenschaften begeistern. Doch diese hat sich den eher brotlosen Geisteswissenschaften zugewandt und bis jetzt nach ihrem Studienabschluss nur ein unbezahltes Praktikum in einem Medienkonzern gefundet, sodass sie nach wie vor auf die finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen ist.
Insgesamt ist die Beziehung zwischen Tochter und Eltern, und insbesondere die Mutter-Tochter-Beziehung, eine schwierige, hat die Mutter doch im kommunistischen China nicht gelernt, Gefühle offen zu zeigen. Zwar sagt sie der Tochter immer wieder, dass sie diese liebe, denn sie hat gelernt, dass man das in Amerika so macht, doch emotional kommt es bei Lily nicht so ganz an. Auch sonst hat es Lily nicht so leicht: mit ihren asiatischen Gesichtszügen wird sie, obwohl in den USa geboren, perfekt Englisch sprechend und hochgebildet, immer wieder von anderen nicht als ganz vollwertige Amerikanerin, "real American" angesehen und muss so einiges an Diskriminierungen ertragen. In dieser Situation lernt Lily auf einer Firmenveranstaltung Matthew kennen, unendlich reicher Erbe eines Pharmaimperiums, und die zwei verlieben sich ineinander, doch Lily leidet darunter, das Gefühl zu haben, in Bezug auf ihre Klasse und gesellschaftliche Position so weit unter ihrem Partner zu stehen, und unter dem Machtgefälle, das das mit sich bringt.
So ist es auch nicht ganz verwunderlich, dass wir im zweiten Teil Lily als alleinerziehende Mutter ihres Sohnes Nick kennen lernen und diesen Teil vor allem aus Nicks Perspektive erleben. Lily hat Nick von allen technologischen Errungenschaften unserer Zeit ferngehalten, er wächst ohne Handy, Computer und E-Mail auf, hat nur einen einzigen Freund, fühlt sich als Außenseiter und versucht verzweifelt, herauszufinden, wer sein Vater sein könnte. Auch Nick hat mit den Zuschreibungen anderer Menschen zu kämpfen, aber ganz anders als Lily: er kommt äußerlich sehr nach seinem kaukasisch-weißen Vater, in seinen Gesichtszügen ist trotz chinesischstämmiger Mutter nichts Asiatisches zu entdecken und insbesondere später am College, in einer Zeit, in der es so wichtig wird, sich über die eigene Ethnizität zu identifizieren, wird ihm sein asiatisches Erbe immer wieder von anderen abgesprochen, was seine Orientierungslosigkeit und sein Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit verstärkt.
Im dritten Teil lernen wir schließlich noch die Perspektive von Mai, Lilys Mutter, kennen, die im kommunistischen China aufgewachsen ist, einiges an Entbehrungen unter Mao miterleben musste, in China Naturwissenschaften studiert hat und schließlich auf dramatische Art und Weise das Land verlassen und in die USA auswandern konnte. Insbesondere dieser Teil war für mich sehr interessant zu lesen, weil ich so einiges Neue über Chinas Vergangenheit lernen konnte und auch einen erweiterten Blick darauf bekommen habe, was für eine Herausforderung es für Auswanderer aus dieser Kultur bedeuten kann, in den USA neu Fuß zu fassen und wie bemerkenswert gut das viele von ihnen trotzdem hinbekommen haben.
Insgesamt war das Buch für mich sehr interessant zu lesen. Am Anfang habe ich ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen bzw. hat sie für mich umso mehr Tiefe entfaltet, je weiter die Erzählung vorangeschritten ist und die Charaktere aus den verschiedenen Generationen der Familie vorgestellt wurden. Auch die Familienbeziehungen haben durch die verschiedenen Perspektiven für mich an Reichhaltigkeit dazu gewonnen. Es war ein spannendes und unterhaltsames Leseerlebnis, mit einigen überraschenden Wendungen und tiefgreifenden Fragen zu vielfältigen Themen, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen.
Streckenweise gab es Abschnitte, die mich etwas weniger interessiert haben als die anderen, das war insbesondere am Anfang beim langen Kennenlernen von Lily und Matthew der Fall und später während Nicks ausführlich geschilderten Collegeerfahrungen. Bei manchen Details im Bereich Biogenetik war ich mir auch nicht ganz sicher, wie realistisch die im Buch beschriebenen Szenarien sind. Sprachlich empfand ich das Buch als solide, aber nicht außergewöhnlich.
Ausgeglichen wurden diese kleinen Mängel aber durch die gelungene Verflechtung vieler spannender, zeitgenössischer Themen und ein insgesamt unterhaltsames und vielseitiges Buch, das bestens zum aktuellen Zeitgeist passt und interessante Debatten dazu inspirieren kann.
Tatsächlich handelt es sich auch um ein sehr lesenswertes Buch, das viele aktuelle Themen, die insbesondere die USA, aber im weiteren Sinn auch die Welt beschäftigen, behandelt. Es geht um Migration, Herkunft, Identität, Familiengeschichte, soziale Klassen, Macht, Geld und die damit verbundenen Privilegien, um Liebe zwischen Familienmitgliedern, Enttäuschungen, Entfremdung und Verrat, darum, was uns prägt und wer wir sind, wie wir uns innerlich fühlen und was uns von außen zugeschrieben wird. Auch Genetik, Epigenetik und aktuelle ethische Fragen der Biomedizin insbesondere im Bereich Kinderwunsch spielen eine Rolle, ebenso wie das kommunistische China und kulturelle Unterschiede und Normen.
All diesen Themen nähert sich das Buch aus drei Perspektiven an, die nicht chronologisch erzählt sind und jeweils eines der Mitglieder einer chinesisch-amerikanischen Familie ins Zentrum rücken. Die Geschichte beginnt mit Lily Chen, die in den USA geboren und aufgewachsen ist, als Tochter aus China eingewanderter Eltern, die als Forscher in der Biomedizin-Branche arbeiten und sich erhofft hätten, auch die Tochter würde sich für die Naturwissenschaften begeistern. Doch diese hat sich den eher brotlosen Geisteswissenschaften zugewandt und bis jetzt nach ihrem Studienabschluss nur ein unbezahltes Praktikum in einem Medienkonzern gefundet, sodass sie nach wie vor auf die finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen ist.
Insgesamt ist die Beziehung zwischen Tochter und Eltern, und insbesondere die Mutter-Tochter-Beziehung, eine schwierige, hat die Mutter doch im kommunistischen China nicht gelernt, Gefühle offen zu zeigen. Zwar sagt sie der Tochter immer wieder, dass sie diese liebe, denn sie hat gelernt, dass man das in Amerika so macht, doch emotional kommt es bei Lily nicht so ganz an. Auch sonst hat es Lily nicht so leicht: mit ihren asiatischen Gesichtszügen wird sie, obwohl in den USa geboren, perfekt Englisch sprechend und hochgebildet, immer wieder von anderen nicht als ganz vollwertige Amerikanerin, "real American" angesehen und muss so einiges an Diskriminierungen ertragen. In dieser Situation lernt Lily auf einer Firmenveranstaltung Matthew kennen, unendlich reicher Erbe eines Pharmaimperiums, und die zwei verlieben sich ineinander, doch Lily leidet darunter, das Gefühl zu haben, in Bezug auf ihre Klasse und gesellschaftliche Position so weit unter ihrem Partner zu stehen, und unter dem Machtgefälle, das das mit sich bringt.
So ist es auch nicht ganz verwunderlich, dass wir im zweiten Teil Lily als alleinerziehende Mutter ihres Sohnes Nick kennen lernen und diesen Teil vor allem aus Nicks Perspektive erleben. Lily hat Nick von allen technologischen Errungenschaften unserer Zeit ferngehalten, er wächst ohne Handy, Computer und E-Mail auf, hat nur einen einzigen Freund, fühlt sich als Außenseiter und versucht verzweifelt, herauszufinden, wer sein Vater sein könnte. Auch Nick hat mit den Zuschreibungen anderer Menschen zu kämpfen, aber ganz anders als Lily: er kommt äußerlich sehr nach seinem kaukasisch-weißen Vater, in seinen Gesichtszügen ist trotz chinesischstämmiger Mutter nichts Asiatisches zu entdecken und insbesondere später am College, in einer Zeit, in der es so wichtig wird, sich über die eigene Ethnizität zu identifizieren, wird ihm sein asiatisches Erbe immer wieder von anderen abgesprochen, was seine Orientierungslosigkeit und sein Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit verstärkt.
Im dritten Teil lernen wir schließlich noch die Perspektive von Mai, Lilys Mutter, kennen, die im kommunistischen China aufgewachsen ist, einiges an Entbehrungen unter Mao miterleben musste, in China Naturwissenschaften studiert hat und schließlich auf dramatische Art und Weise das Land verlassen und in die USA auswandern konnte. Insbesondere dieser Teil war für mich sehr interessant zu lesen, weil ich so einiges Neue über Chinas Vergangenheit lernen konnte und auch einen erweiterten Blick darauf bekommen habe, was für eine Herausforderung es für Auswanderer aus dieser Kultur bedeuten kann, in den USA neu Fuß zu fassen und wie bemerkenswert gut das viele von ihnen trotzdem hinbekommen haben.
Insgesamt war das Buch für mich sehr interessant zu lesen. Am Anfang habe ich ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen bzw. hat sie für mich umso mehr Tiefe entfaltet, je weiter die Erzählung vorangeschritten ist und die Charaktere aus den verschiedenen Generationen der Familie vorgestellt wurden. Auch die Familienbeziehungen haben durch die verschiedenen Perspektiven für mich an Reichhaltigkeit dazu gewonnen. Es war ein spannendes und unterhaltsames Leseerlebnis, mit einigen überraschenden Wendungen und tiefgreifenden Fragen zu vielfältigen Themen, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen.
Streckenweise gab es Abschnitte, die mich etwas weniger interessiert haben als die anderen, das war insbesondere am Anfang beim langen Kennenlernen von Lily und Matthew der Fall und später während Nicks ausführlich geschilderten Collegeerfahrungen. Bei manchen Details im Bereich Biogenetik war ich mir auch nicht ganz sicher, wie realistisch die im Buch beschriebenen Szenarien sind. Sprachlich empfand ich das Buch als solide, aber nicht außergewöhnlich.
Ausgeglichen wurden diese kleinen Mängel aber durch die gelungene Verflechtung vieler spannender, zeitgenössischer Themen und ein insgesamt unterhaltsames und vielseitiges Buch, das bestens zum aktuellen Zeitgeist passt und interessante Debatten dazu inspirieren kann.
von Eternal-Hope - 2026-03-13 10:34:00
Beste Unterhaltung mit einigen Denkanstößen - 4 Sterne
Der zweite Roman der in Malaysia geborenen US-amerikanischen Schriftstellerin war in den USA ein Riesenerfolg und steht auch bei uns schon kurz nach Erscheinen auf der Bestsellerliste. Möglicherweise trug dazu die groß angelegte Werbekampagne des Verlags bei.
Der Roman ist ein drei Generationen umspannender Familienroman, der viele Themen aufgreift und große Fragen stellt.
Die Geschichte beginnt in Manhattan im Jahr 1999. Hier lebt die 22jährige Lily, Tochter chinesischer Einwanderer. Sie arbeitet als unbezahlte Praktikantin für ein kleines Medienunternehmen. Das ist für ihre Eltern, beide Wissenschaftler, eine Enttäuschung. Schließlich sind sie auch deshalb in die USA ausgewandert, weil sie sich hier ein besseres Leben versprochen haben. Dass ihre Tochter so gar keine Ambitionen zu haben scheint, frustriert vor allem ihre Mutter.
Auf einer Party lernt Lily den fünf Jahre älteren Mathew kennen, einen gutaussehenden, charmanten Mann. Mathew findet Gefallen an ihr, lädt sie in teure Restaurants ein und sogar zu einem Kurztrip nach Paris. Obwohl Welten zwischen ihnen liegen - da der reiche weiße Erbe eines Pharmakonzerns, hier eine junge Frau mit asiatischen Wurzeln, die kaum weiß, wie sie ihre Miete bezahlen soll - verlieben sich die beiden ineinander, heiraten und bekommen einen Sohn.
Das klingt nach einer wunderbaren Romanze, einer modernen Version von Aschenputtel. Und so endet der erste Teil des Romans, allerdings mit kleinen Irritationen.
Szenenwechsel. Wir sind nun im Jahre 2021 auf einer abgeschiedenen Insel an der Westküste der USA. Hier wächst Nick mit seiner alleinerziehenden Mutter Lily auf. Da Nick überhaupt keine Ähnlichkeit mit seiner Mutter aufweist, die aber auf Nachfragen nach dem Vater ihm jegliche Auskunft verweigert, beginnt Nick selbst, nach seinem Vater zu suchen. Mit Hilfe einer Datenbank stößt er auf Mathew, dessen Geld und Einfluss ihm den Weg auf eine Elite-Uni ebnet.
Im dritten und interessantesten Teil wechseln wir zu May, Lilys Mutter. In San Francisco im Jahr 2030 treffen Nick und seine hochbetagte Großmutter aufeinander. May erzählt ihm ihre erschütternde Lebensgeschichte, die zurück ins China der 1960er Jahre führt. Sie war damals eine junge Biologiestudentin, die davon träumte, eine chinesische Marie Curie zu werden. Dafür hat sie ihr Dorf, ihr armseliges Elternhaus verlassen, um dann in Peking die Brutalität der Roten Garden mitzuerleben. Sie verlässt ihre Heimat Richtung USA. „Amerika war ein Ort, von dem ein Versprechen ausging. In Amerika konnte eine Bauerntochter Wissenschaftlerin werden.“ Und tatsächlich findet sie Arbeit in einem Pharmaunternehmen und wird eine erfolgreiche Genetikerin.
Rachel Khong gliedert ihren Roman in drei Teile, die eine ganz eigene Erzählstimme haben. Das liegt an den wechselnden Ich- Erzählern. Aus Lilys Perspektive bekommen wir eine moderne Liebesgeschichte, bei Nick den typischen Campusroman und bei May haben wir eine Mischung aus historischem Roman mit Science-Fiction - Elementen. Spannung wird aufgebaut, weil sich manche Fragen und das große Familiengeheimnis erst am Ende erklären.
Real Americans - schon im Titel klingt die Frage an, was einen „ wirklichen“ Amerikaner ausmacht. Wie viel Anpassung wird von Migranten erwartet und gehört man am Ende dann tatsächlich dazu? Lilys Eltern haben nach ihrer Ankunft alles Asiatische abgestreift, sich völlig assimiliert. Ihre Tochter weiß wenig über die Heimat ihrer Eltern, sie selbst spricht kein Chinesisch, ist Amerikanerin von Geburt an. Trotzdem wird sie aufgrund ihres Aussehens immer als Asiatin identifiziert, wobei für Amerikaner Korea oder China dasselbe zu sein scheint. Ihr Sohn Nick, der ganz stark seinem weißen Vater Matthew ähnelt, stößt auf Unverständnis, wenn er Lily als seine Mutter vorstellt. Und eine schwarze Freundin wünschte , er „würde nicht so weiß aussehen“.
Rachel Khong hat den Roman während Trumps erster Amtszeit geschrieben. Aber Sätze wie diese sind heute aktueller denn je. „Weiße Rassisten fühlten sich bedroht und schlugen wild um sich. Sie glaubten, nur sie könnten entscheiden, wer ein echter Amerikaner war und wer nicht, wobei sie bequemerweise vergaßen, dass sie selbst gestohlenes Land besetzten.“
Aber auch das Thema Klassenzugehörigkeit wird auf verschiedenen Ebenen durchgespielt. Dass Geld viele Türen öffnet, erleben einige Figuren, auch wenn sie sich gegen manche Privilegien stellen.
Ein zentraler Aspekt des Romans ist die Genetik. Mays Forschungen werfen viele ethische Fragen auf. Darf man alles machen, was möglich ist und welche Folgen hat es, wenn der Mensch Gott spielt?
Dies und noch viel mehr hat Rachel Khong in ihren umfangreichen Roman gepackt. Manchem mag die Fülle an Themen zu viel sein, manches dabei zu konstruiert wirken. Und es stimmt, dass nicht immer alles plausibel erscheint, es keiner phantastischen Ebene bedurft hätte und manche der Figuren zu blass wirken.
Trotzdem habe ich den Roman gerne gelesen, bin den Lebenswegen der Protagonisten gerne gefolgt. Rachel Khong schreibt ungeheuer packend, so dass sich die 500 Seiten in einem Rutsch lesen lassen.
„ Real Americans“ ist für mich beste Unterhaltung, die einige Denkanstöße liefert.
Der Roman ist ein drei Generationen umspannender Familienroman, der viele Themen aufgreift und große Fragen stellt.
Die Geschichte beginnt in Manhattan im Jahr 1999. Hier lebt die 22jährige Lily, Tochter chinesischer Einwanderer. Sie arbeitet als unbezahlte Praktikantin für ein kleines Medienunternehmen. Das ist für ihre Eltern, beide Wissenschaftler, eine Enttäuschung. Schließlich sind sie auch deshalb in die USA ausgewandert, weil sie sich hier ein besseres Leben versprochen haben. Dass ihre Tochter so gar keine Ambitionen zu haben scheint, frustriert vor allem ihre Mutter.
Auf einer Party lernt Lily den fünf Jahre älteren Mathew kennen, einen gutaussehenden, charmanten Mann. Mathew findet Gefallen an ihr, lädt sie in teure Restaurants ein und sogar zu einem Kurztrip nach Paris. Obwohl Welten zwischen ihnen liegen - da der reiche weiße Erbe eines Pharmakonzerns, hier eine junge Frau mit asiatischen Wurzeln, die kaum weiß, wie sie ihre Miete bezahlen soll - verlieben sich die beiden ineinander, heiraten und bekommen einen Sohn.
Das klingt nach einer wunderbaren Romanze, einer modernen Version von Aschenputtel. Und so endet der erste Teil des Romans, allerdings mit kleinen Irritationen.
Szenenwechsel. Wir sind nun im Jahre 2021 auf einer abgeschiedenen Insel an der Westküste der USA. Hier wächst Nick mit seiner alleinerziehenden Mutter Lily auf. Da Nick überhaupt keine Ähnlichkeit mit seiner Mutter aufweist, die aber auf Nachfragen nach dem Vater ihm jegliche Auskunft verweigert, beginnt Nick selbst, nach seinem Vater zu suchen. Mit Hilfe einer Datenbank stößt er auf Mathew, dessen Geld und Einfluss ihm den Weg auf eine Elite-Uni ebnet.
Im dritten und interessantesten Teil wechseln wir zu May, Lilys Mutter. In San Francisco im Jahr 2030 treffen Nick und seine hochbetagte Großmutter aufeinander. May erzählt ihm ihre erschütternde Lebensgeschichte, die zurück ins China der 1960er Jahre führt. Sie war damals eine junge Biologiestudentin, die davon träumte, eine chinesische Marie Curie zu werden. Dafür hat sie ihr Dorf, ihr armseliges Elternhaus verlassen, um dann in Peking die Brutalität der Roten Garden mitzuerleben. Sie verlässt ihre Heimat Richtung USA. „Amerika war ein Ort, von dem ein Versprechen ausging. In Amerika konnte eine Bauerntochter Wissenschaftlerin werden.“ Und tatsächlich findet sie Arbeit in einem Pharmaunternehmen und wird eine erfolgreiche Genetikerin.
Rachel Khong gliedert ihren Roman in drei Teile, die eine ganz eigene Erzählstimme haben. Das liegt an den wechselnden Ich- Erzählern. Aus Lilys Perspektive bekommen wir eine moderne Liebesgeschichte, bei Nick den typischen Campusroman und bei May haben wir eine Mischung aus historischem Roman mit Science-Fiction - Elementen. Spannung wird aufgebaut, weil sich manche Fragen und das große Familiengeheimnis erst am Ende erklären.
Real Americans - schon im Titel klingt die Frage an, was einen „ wirklichen“ Amerikaner ausmacht. Wie viel Anpassung wird von Migranten erwartet und gehört man am Ende dann tatsächlich dazu? Lilys Eltern haben nach ihrer Ankunft alles Asiatische abgestreift, sich völlig assimiliert. Ihre Tochter weiß wenig über die Heimat ihrer Eltern, sie selbst spricht kein Chinesisch, ist Amerikanerin von Geburt an. Trotzdem wird sie aufgrund ihres Aussehens immer als Asiatin identifiziert, wobei für Amerikaner Korea oder China dasselbe zu sein scheint. Ihr Sohn Nick, der ganz stark seinem weißen Vater Matthew ähnelt, stößt auf Unverständnis, wenn er Lily als seine Mutter vorstellt. Und eine schwarze Freundin wünschte , er „würde nicht so weiß aussehen“.
Rachel Khong hat den Roman während Trumps erster Amtszeit geschrieben. Aber Sätze wie diese sind heute aktueller denn je. „Weiße Rassisten fühlten sich bedroht und schlugen wild um sich. Sie glaubten, nur sie könnten entscheiden, wer ein echter Amerikaner war und wer nicht, wobei sie bequemerweise vergaßen, dass sie selbst gestohlenes Land besetzten.“
Aber auch das Thema Klassenzugehörigkeit wird auf verschiedenen Ebenen durchgespielt. Dass Geld viele Türen öffnet, erleben einige Figuren, auch wenn sie sich gegen manche Privilegien stellen.
Ein zentraler Aspekt des Romans ist die Genetik. Mays Forschungen werfen viele ethische Fragen auf. Darf man alles machen, was möglich ist und welche Folgen hat es, wenn der Mensch Gott spielt?
Dies und noch viel mehr hat Rachel Khong in ihren umfangreichen Roman gepackt. Manchem mag die Fülle an Themen zu viel sein, manches dabei zu konstruiert wirken. Und es stimmt, dass nicht immer alles plausibel erscheint, es keiner phantastischen Ebene bedurft hätte und manche der Figuren zu blass wirken.
Trotzdem habe ich den Roman gerne gelesen, bin den Lebenswegen der Protagonisten gerne gefolgt. Rachel Khong schreibt ungeheuer packend, so dass sich die 500 Seiten in einem Rutsch lesen lassen.
„ Real Americans“ ist für mich beste Unterhaltung, die einige Denkanstöße liefert.
von Ruth - 2026-03-11 20:01:00


