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Rezensionen

Die Ewigkeit ist ein guter Ort
"Ein literarisches Schmuckstück" (Ewald Arenz)

Autor: Tamar Noort

Erschienen 2022 bei ROWOHLT Kindler
ISBN 978-3-463-00034-3
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Zwischen Zweifel und Hoffnung - 4 Sterne

Tamar Noorts Roman „Die Ewigkeit ist ein guter Ort“ hat mir insgesamt gut gefallen. Auch wenn ich mit der Protagonistin Elke nicht ganz warm geworden bin, fand ich ihre innere Suche nach Orientierung und Halt im Glauben sehr berührend und nachvollziehbar.
Elke steht nach ihrem abgeschlossenen Theologiestudium an einem entscheidenden Punkt: Eigentlich soll sie das Pastorenamt ihres Vaters übernehmen, doch sie ist selbst voller Zweifel. Zwischen Tradition und eigener Identität, zwischen Glaubenskrise und Sehnsucht nach Sinn, wirkt sie oft zerrissen. Besonders der Tod ihres Bruders, über den in der Familie kaum gesprochen wurde, prägt ihr Ringen um Glauben und Selbstverständnis nachhaltig.
Was das Buch für mich so stark macht, ist die Mischung aus Tiefe und Leichtigkeit. Noort gelingt es, existenzielle Themen wie Verlust, Glaubenszweifel und familiäre Erwartungen sensibel und nachdenklich darzustellen, ohne den Text schwer werden zu lassen. Im Gegenteil, die Geschichte ist auch von feinem Humor durchzogen und lässt einen immer wieder schmunzeln.
„Die Ewigkeit ist ein guter Ort“ ist ein Roman, der zum Innehalten und Reflektieren anregt. Er zeigt, dass die Suche nach sich selbst und nach einem persönlichen Glauben nicht geradlinig verläuft, sondern voller Umwege, Zweifel und leiser Momente ist.
Ein Buch, das nachwirkt – nachdenklich stimmt, aber zugleich tröstlich und sogar leichtfüßig erzählt ist.
von BarbaraM - 2025-09-16 16:51:00

Eine Pastorin auf der Suche nach Gott - 4 Sterne

Was macht man wenn man sein ganzes Leben lang versucht Gott zu Dienen und dann von einer Sekunde auf die andere kein einziges Gebet, das Wort Gott und geschweige denn ein Amen über die Lippen bringt?

Das versucht die Protagonistin in Tamar Noorts Roman herauszufinden. Von einem Tag auf den anderen vergisst die Pastorin Elke sämtliche Gebete, stottert sich durch predigten und bringt das Wort Gott nicht mehr heraus. Was folgt ist eine lange Suche.. Eine Suche nach Gott, einem Weg mit einem Trauma und großem Schmerz umzugehen und letztendlich eine Suche nach sich selbst.

Ich bin nicht wirklich religiös und kann daher diese tiefe Verbundenheit zu Gott die manche Menschen fühlen und in der sie wirklich aufgehen nicht immer ganz nachvollziehen. Allerdings denke ich das es im Endeffekt um Hingabe geht. Widmet man seine Liebe einem bestimmten Gott, einer Aufgabe oder einem bestimmten oder generell den Menschen. Das alles ist etwas das das Göttliche sichtbar macht und ich denke das in diesem Roman sehr gut gezeigt wird das man, um anzukommen sich selbst sehr gut kennen muss und ich interpretiere die "Gottesdemenz" wie die Protagonistin es nennt als eine Art Abwehrmechabismus der sie dazu zwingt über ihren eigenen Tellerrand zu schauen und letztendlich dazu führt das wie findet was sie sucht. Nicht Gott, oder das was er zu sein scheint sondern ihre Aufgabe als menschliches Wesen das anderen menschlichen Wesen beistehen, für sich selbst einstehen, liebe annehmen und auch geben kann.

Mir hat dieser Roman wirklich gut gefallen. Er war tiefgründig, vielschichtig und stellt wichtige Fragen. Für mich eine absolute Empfehlung, auch für Menschen die nicht unbedingt sehr religiös sind.
von Katharina Grassmugg - 2022-08-16 16:22:00

Kein Titel - 4 Sterne

Als sie am Sterbebett einer alten Dame das Vaterunser sprechen soll, fallen der jungen Pastorin Elke die Worte nicht mehr ein. Ist das Gottdemenz? Oder hat Elke Gott verloren? Auf jeden Fall steht ihr Leben Kopf und Elke muss sich erst mal mit der neuen Schräglage zurechtfinden, denn so schnell scheint sich das Problem nicht zu lösen.
Die Geschichte der jungen Pastorin ist manchmal schräg und dann wieder sehr berührend und immer auch irgendwie schön. Aber auf jeden Fall, ist sie einfach etwas Besonderes.
von Barbara Pernter aus der Athesia-Filiale in Bozen - 2022-07-25 14:59:53

Pastorin Elke - 4 Sterne



Die Schriftstellerin Tamar Noort schreibt in ihrem Roman „Die Ewigkeit ist ein guter Ort“ von den Problemen der jungen Pastorin Elke.
Die Autorin lässt Elkeals Icherzählerin fungieren.
Ich habe erst lange gebraucht um in die Geschichte einzufügen. Elke meint sie hat eine Gottdemenz, denn sie hat Gebete vergessen. Sie hadert mit ihrem Glauben.

Als sie in den Norden fährt, um sich bei ihren Eltern zu pausieren. Da beginnen die Erinnerungen, als vor fünfzehn Jahren Elkes siebzehnjähriger Bruder ertrrank. Da können wir Elkes Kindheit und Jugend gut nach zu empfinden.

Ihr Vater ist auch Pastor. Er muß zu einer Reha und erbittet Elke ihn zu vertreten.
Da kommen unglaubliche Probleme auf sie zu. Die Kirche fing an schief zu werden. Da kommt Elke fasst an ihre Grenzen.

Die Autorun lässt die Emotionen der Personen gut beschreiben.
Das Bich handelt zwar von einer Pastorin, aber der Glaube ust unwochtig. Es ist eine ganz ordentliche Unterhaltung.
von begine - 2022-07-19 18:32:00

Elkes Sinnsuche - 5 Sterne

Die Ewigkeit ist ein guter Ort ist ein Roman im Umfeld von Kirche und Glauben, aber es ist an keiner Stelle Erbauungsliteratur sondern es ist ein ehrlicher Roman um den Weg einer Frau.


Die niederländisch-deutsche Schriftstellerin und Filmemacherin Tamar Noort hat ihren Roman gut verfasst und findet einige ausgezeichnete Formulierungen um den emotionalen Zustand der Hauptfigur darzustellen.

Elke ist in eine Lebenskrise geraten. Sie gerät als angehende Pastorin auch in eine Glaubenskrise, es fallen ihr sogar Worte von Gebeten nicht mehr ein.

Ihre Stelle als Seelsorgerin kann sie nicht mehr ausfüllen, mit ihrem Freund Jan versteht sie sich auch nicht mehr so gut und ob sie als Nachfolgerin ihres Herzkranken Vaters,,der Pastor ist, taugt, weiß sie nicht.

Diese Orientierungslosigkeit verdeutlicht die Autorin anhand zahlreichen Szenen, die Elke immer mehr zweifeln lassen.


Als Leser versucht man Elke und ihre Situation zu verstehen. Da ist zum Beispiel die Leerstelle in der Familie. Ihr Bruder ertrank vor langer Zeit.

Da der Roman Elkes Sinnsuche als Prozess zeigt, wird ein Verstehen auch möglich und das Buch konnte mich wirklich überzeugen.

von yellowdog - 2022-07-19 16:45:00

Beeindruckender Roman über eine Lebenskrise - 4 Sterne

Der Kindler Verlag hat  mit "Die Ewigkeit ist ein guter Ort" den Debütroman der Niederländerin Tamar Noort veröffentlicht. 
 
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Theologin Elke aus Köln. Seit dem Abschluss ihres Studiums arbeitet sie ehrenamtlich als Seelsorgerin in einem Seniorenheim. Als Norddeutsche kann sie dem Kölner Karneval nichts abgewinnen und hat sich daher über die Tollen Tage freiwillig für den Seelsorge-Dienst gemeldet. Am Karnevalsdienstag wird sie zu Alma gerufen, die im Sterben liegt. Als sie am Bett der alten Dame das Vaterunser beten will, versagt ihr Gedächtnis - sie bringt das Gebet nicht über die Lippen. Ihr Gedächtnis lässt sie im Stich, sie hat nicht nur das Vaterunser vergessen, sie hat auch keine Erinnerung an alle anderen Gebete und Kirchenlieder.
 
Elke ist verzweifelt, sie glaubt, an einer Gottdemenz zu leiden und sucht vergeblich ärztlichen Rat. Auch ein gemeinsamer Urlaub mit ihrem Freund Jan auf Pellworm bringt keine Änderung der Situation. Seit zwei Jahren ist sie mit Jan zusammen, der Software-Entwickler mit eigener Firma, leidenschaftlicher Hobbykoch - und Atheist ist.

Elke befindet sich in einer Lebenskrise, die durch den Wunsch der Eltern, die Pastorenstelle ihres Vaters zu übernehmen, verstärkt wird. Sie reist in ihre alte Heimat und wird dort mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Endlich setzt sie sich mit dem tragischen Ereignis, das bereits 15 Jahre zurückliegt und Elke und ihre Eltern in tiefe Trauer stürzte, auseinander ... 
 
Die Geschichte wird in der Ich-Form aus Elkes Perspektive in ruhiger und schöner Sprache erzählt. Das Buch der Autorin, die bereits 2019 für einen Auszug dieses Romans mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet wurde, hat mich sehr beeindruckt und nachdenklich gemacht. Es ist eine Geschichte über Sinnsuche, Verluste, Verdrängung und Sprachlosigkeit, aber auch über die Liebe und das Leben. Gern empfehle ich dieses Buch mit Tiefgang - 4 Sterne!
von Bücherfreundin - 2022-07-19 11:19:00