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Rezensionen

Teddy
Ein bewegender Roman über Selbstbestimmung und Emanzipation

Autor: Emily Dunlay

Erschienen 2025 bei ROWOHLT Kindler
ISBN 978-3-463-00059-6
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Der Traum vom Dolce Vita - 5 Sterne

Wie das Cover bereits vermuten lässt, spielt der Roman Ende der 60er Jahre. Teddy Carlyle hat für die damalige Zeit spät geheiratet und zieht mit ihrem Ehemann, der für die amerikanische Botschaft arbeitet, nach Rom. Von Italien erhofft sie sich Dolce Vita und Glamour, ihr Ehemann scheint darauf aber wenig Lust zu haben. Zugleich hat sie wenig Mitspracherecht, was die Gestaltung des gemeinsamen Lebens und das Geldausgeben angeht, obwohl sie selbst ein gewisses Vermögen mit in die Ehe gebracht hat. Als sie ohne ihren Mann auf einer Feier in der Botschaft ist, schießt ein Paparazzi eine kompromittierende Aufnahme von ihr und dem amerikanischen Botschafter und Teddy hat eine Menge Probleme zu lösen.

Ich fand die Zeitreise ins Rom Ende der 60er Jahre sehr unterhaltsam und es war interessant, mehr über das Leben von Teddy als Diplomatengattin zu erfahren, das in der damaligen Zeit nicht so glamourös war, wie man meinen könnte. Teddy wirkt teilweise etwas naiv, nichtsdestotrotz muss man sie einfach mögen und leidet mit ihr mit, wenn sie sich in ungute Situationen manövriert. Was die Handlung angeht, gibt es immer wieder überraschende Wendungen. Der Schreibstil ist gut nachvollziehbar und anschaulich. Ich habe das Hörbuch gehört und fand die Sprecherin passend gewählt. Man konnte ihrer Vortragsweise gut folgen und ihre Stimme harmonierte mit dem Erzählten.
von Island - 2025-07-28 21:33:00

Etwas zäh - 3 Sterne

Ich habe die Hörbuch-Version des Buches gehört und Cathlen Gawlich hat es sehr gut eingesprochen. Ich fand, dass sie die verschiedenen Charaktere gut dargestellt hat und es war angenehm, ihr zuzuhören.

Zum Inhalt:
Es geht um Teddy, US-Amerikanerin aus reichem Hause, frisch verheiratet und mit ihrem Mann gerade nach Rom gezogen. Ihr Mann arbeitet dort in der amerikanischen Botschaft und von Teddy wird erwartet, dass sie die perfekte Gattin ist.
In ihrer Vorstellung beinhaltet das glamourös, diskret, perfekt gekleidet und unerbittlich höflich zu sein.

Anfangs werden wir mitgenommen in das Rom aus 1969 in die sogenannte bessere Gesellschaft, allerdings völlig isoliert auf die Botschafts-Bubble.

Aufgezogen ist alles in einem Verhör, dem Teddy unterzogen wird und in dem sie das alles erzählt - und natürlich noch viel mehr.
Denn Teddy hat eine dunkle Vergangenheit und nach und nach erfahren wir auch mehr über ihre Familie.
Es tun sich Abgründe auf, mehrfach.

Allerdings fand ich die Erzählweise ganz schön zäh. Die Verhörsituation, aus der sich nur tröpfchenweise die Vergangenheit erschließt, viele Wiederholungen und aus meiner heutigen Sichtweise sehr viele langweilige Nichtigkeiten in Teddys Alltag. Wahrscheinlich als Stilmittel gedacht, denn sie transportieren wunderbar die Eintönigkeit und Ödnis in Teddys Leben als Ehefrau. Denn mehr ist sie für die Gesellschaft nicht, obwohl sie einen Studienabschluss hat und in der Botschaft arbeitet.

Insgesamt hat mich auch Teddys Naivität genervt. Was sie da so abzieht und wo ihre Prioritäten liegen, wie sie von einem Schlamassel in das nächste stürzt, das war schon etwas stark aufgetragen.

Was mit wiederum gut gefallen hat, waren die politischen Verzwickungen und die Abgründe der Familie um Teddy. Auch die Darstellung, wie sehr das Leben von Erwartungen geprägt war, die zu erfüllen sind und welchen Preis man dafür zu zahlen bereit war.

Eine krasse Geschichte, die zwar Längen hatte und bezüglich Teddys Persönlichkeit für mich auch nicht ganz rund, aber dennoch auch faszinierend war.
von Marie aus E. - 2025-06-15 13:11:00

Ein Ausflug nach Rom und in die Geschichte einer Frau - 4 Sterne

Im Sommer 1969 ist Teddy Mitte 30, seit wenigen Wochen mit einem Diplomaten verheiratet und gerade erst von Texas nach Rom gezogen. Die Geschichte beginnt quasi mit einer Art Verhör: Man weiß, dass irgendwas passiert ist, hat jedoch keine Ahnung, was genau. Um dies herauszufinden lauscht man Teddy, wie sie ihre Geschichte erzählt.
Doch anstatt sich auf das Wesentliche zu fokussieren, ist es quasi so, als würde man einer Freundin zuhören, die von ihrem Leben berichtet. Relevante Passagen wechseln sich ab mit Anekdoten und Geschehnissen aus ihrer frühen Kindheit und immer wieder fragt man sich, was davon jetzt wichtig ist und wie alles zusammenhängt.

Teddy ist hierbei teilweise durchaus eine unterhaltsame Erzählerin, die auch mit Sarkasmus und Selbstironie punkten kann, an anderer Stelle ziehen sich ihre Berichte jedoch auch mal.
In diesem Sinne kommt nur bedingt Spannung auf, man will zwar wissen, was passiert ist, jedoch steht dies nicht wirklich im Fokus.
Auch fand ich Teddy nicht immer sympathisch, bei einigen ihrer Aktionen und Verhaltensweisen musste ich öfters mal den Kopf schütteln. Ihre Ehe generell wirkte von Anfang an schon fast wie ein Unfall, bei dem man nicht wegschauen kann.
Interessant fand ich jedoch den Ausflug in das damalige Rom, die Atmosphäre wurde immer wieder ganz gut beschrieben und hat gefühlt auch sehr zur Zeit gepasst. Auch die politischen Themen haben öfters mal einen schönen Rahmen für die Handlung geliefert.
von Ryria - 2025-06-09 22:22:00

Ein sensationeller Erstling - 5 Sterne

Teddy heiratet einen Mann im diplomatischen Dienst und folgt ihm nach Rom. Eine neue Welt, zu der sie gehören, eine respektierte Frau sein, die Erfüllung in Ehe und Kindern finden möchte. Es scheint so zu kommen, bis zuerst die Vergangenheit, dann die Gegenwart sie in die Verzweiflung treibt.
Da war auch die schillernde Tante Sister, der die Familie sehr schlimm zugesetzt hatte, weil sie nicht dem sorgfältig gepflegten Image der Familie entsprochen hatte, die jedoch nicht gestorben ist, sondern vom Clan zum Verschwinden gebracht wurde. Da ist ein Hochglanzdasein der Reichen und Mächtigen mit spiegelglatter Oberfläche, das keineswegs befleckt werden darf. Schließlich geht es auch um eine erfolgreiche Kandidatur für ein hohes politisches Amt.
Teils überlief es mich kalt, einerseits, weil es in der Ich-Form geschrieben ist. Ich konnte mir aber auch sehr gut vorstellen, wie alles geschehen konnte, selbst wenn ich nie in einer ähnlichen Situation gewesen bin. Einem Bild entsprechen müssen und wollen, welches die Familie von sich und damit auch von Teddy hatte, es immer allen recht machen, damit man dazu gehört, geachtet und gesehen wird. Und vor allem, dass ihr Mann David sie für würdig hält, Mutter zu werden. Das ist mehr, als die verwöhnte Mittdreißigerin bewältigen kann.
Das treibt sie zu Verzweiflungstaten, aber auch zur Überzeugung, niemals aufzugeben. Teddy weiß ja schon ihr ganzes Leben lang, dass sie sich stets anpassen muss. Und doch will sie eines noch viel mehr: endlich leben. Und damit reitet sie sich geradewegs in ein großes Schlamassel.
Den Rahmen bilden die Ermittler, denen sie den ganzen Ablauf erklären sollte. Das bedingt, dass in Zeitsprüngen bis zurück zu ihrer Jugend in Amerika erzählt wird, und damit werden die Hintergründe zu Teddies Entscheidungen erläutert. Allerdings: Auf den allerletzten Seiten tauchen Personen auf (zum Beispiel Anna), von der ich nicht mehr wusste, wer sie ist. Da wäre es hilfreich gewesen, sie im Lauf der Zeitreise mit kurzen Bemerkungen gelegentlich wieder aufleben zu lassen.
Der Roman ist ungeheuer spannend, gleichzeitig eine psychologische Studie, sowohl genau durchdacht als auch recherchiert. Wenn ich gegen Ende zwischendurch das Buch aus der Hand gelegt habe, fand ich nur schwer aus der Stimmung, welche Teddy und auch mich bedrückte und den Sorgen, welche sie belasteten. Jetzt hinterher muss ich an Patricia Highsmith denken, welche durch verwandte Themen ihren Erfolg errungen hat. Seit langem war ich von keinem Roman mehr so gefesselt wie von „Teddy“. Die höchste Punkteanzahl vergebe ich selten, aber diesmal mit Überzeugung.
Den Roman würde ich allen empfehlen, die zwar keine Krimis mögen, aber gern Spannung vereint mit sehr guter Literatur genießen möchten.
von Emmmbeee - 2025-06-07 12:19:00

Pillen, Pastell und Perfektion - 3 Sterne

Emily Dunlays Debütroman Teddy entführt uns ins Rom des Jahres 1969 – eine glühend heiße Stadt voller Diplomaten, Dekadenz und Desillusion. Im Zentrum: Teddy Carlyle, frisch verheiratet, elegant und bemüht, endlich das zu sein, was man von ihr erwartet – eine perfekte Ehefrau im diplomatischen Glanzlicht.
Teddy will neu anfangen. Nach Jahren des Scheiterns glaubt sie, endlich ihren Platz gefunden zu haben. Doch die römische Fassade beginnt schnell zu bröckeln: Ein kompromittierendes Foto, ein Schatten aus der Vergangenheit und die undurchsichtige Familiengeschichte reißen sie aus dem selbstgebauten Kokon aus Pillen, Etikette und Etuikleidern.
Dunlay schreibt atmosphärisch dicht und stilistisch versiert. Der Roman wechselt elegant zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Verhörzimmer und Cocktailparty. Teddys Stimme wirkt oft schwankend – zwischen Naivität und Kalkül, zwischen Glamour und Angst. Das macht sie nicht immer sympathisch, aber durchweg interessant.
Die Stärke des Romans liegt nicht in klassischen Spannungsbögen, sondern in seiner psychologischen Tiefenschärfe. Wer auf große Enthüllungen hofft, wartet lange – doch gerade das allmähliche Entblättern von Teddys Innenleben hält die Geschichte lebendig.
Ein stimmiges, feinfühliges Porträt einer Frau im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Korsett und individueller Selbstfindung. Stilistisch überzeugend, inhaltlich manchmal etwas zurückhaltend – aber genau das passt zur Protagonistin.
⭐️ 4 von 5 Sternen
Fazit: Ein bittersüßer Cocktail aus 60er-Jahre-Glamour, persönlichem Trauma und der Frage: Wer darf man sein, wenn man allen gefallen will?
von nil_liest - 2025-06-05 12:53:00

Teddy - 5 Sterne

„Wir waren wie Schoßhündchen, überzüchtet, ohne eine Ahnung, wie wir alleine zurechtkommen sollten. Nutzlos, aber charmant, gut gepflegt. Unfähig, unseren eigenen Schlamassel zu beseitigen.“

Lassen Sie sich von diesen Worten nicht täuschen.
Die titelgebende Ich-Erzählerin dieser großartigen Geschichte weiß sich sehr gut zu helfen. Sie hat zwar ein ausgesprochenes Talent dafür, sich in die Bredouille zu bringen, aber ihr Talent, sich aus jedem Schlamassel auch wieder zu befreien, ist mindestens ebenso groß.
„Ich war nie gut darin, das zu tun, was von mir erwartet wurde. Ich war gut darin, es so aussehen zu lassen.“

Aber der Reihe nach.
Also, das hatte sich Teodora Huntley Carlyle, genannt Teddy, ganz anders vorgestellt! Mit knapp fünfunddreißig hat sie mit dem steifen, pflichtbewussten David Shepard zwar nicht unbedingt ihren Traummann geheiratet, aber wenigstens ist sie endlich verheiratet, und als David beschließt, sie mit nach Rom zu nehmen, denkt ein kleiner, gefährlicher Teil von ihr, das sei endlich ihre Chance, die Welt zu sehen. Aber während David den lieben langen Tag als Wirtschaftsbeauftragter der amerikanischen Regierung im Büro ist oder auf Dienstreise nach Neapel, Verona oder Mailand geht, versauert Teddy in der engen Wohnung. Und obwohl sie sich solche Mühe gibt, eine gute Ehefrau zu sein, gelingt es ihr nicht, Davids Hemden zu waschen oder früh aufzustehen und sparsam zu wirtschaften, aber das ist nicht so einfach bei dem wenigen „Taschengeld“, das sie von ihrem Mann wie ein Kind zugeteilt bekommt.
Dabei sollte doch in Rom alles anders werden, es sollte Teddys Chance sein, jemand Neues, jemand Besseres zu werden, doch jetzt wird ihr klar, dass diese Version von ihr nicht existiert.
Doch dann ändert sich Teddys Leben plötzlich doch: Endlich nimmt David sie mit zu einem Empfang in die Botschaft, sie lernt „den Wolf“, einen ehemaligen Schauspieler, der jetzt der Botschafter ist, und seine elegante Frau Lina kennen – und alle sind begeistert von Teddy und ihrer frischen und unbekümmerten Art. Aber Teddy wäre nicht Teddy, es passiert etwas und die sprichwörtlichen Leichen, die sie glaubte, begraben zu haben, tauchen wieder auf und – zack! – ist sie in einen handfesten Skandal verwickelt!

Was für ein Spaß und was für ein Genuss, diesen Roman zu lesen!
Ich garantiere Ihnen, Sie werden sich Hals über Kopf in Teddy verlieben!
Sie spricht oft selbst von sich als „dumme, naive Teddy“ und in einer Schlüsselszene wird sie von Davids Kollegin Margot gefragt: „Sind Sie tatsächlich so dumm, oder tun Sie nur so?“
In einer Zeit, in der Frauen in erster Linie gut auszusehen hatten, aber ansonsten die Klappe halten und – ja! – ruhig ein bisschen dumm sein sollten, wirkt Teddy zwar auf den ersten Blick genauso, impulsiv und sehr blond, ein bisschen zu laut und immer chaotisch, schrecklich naiv für eine so geübte Lügnerin, aber ihr Motto lautet auch: „Zu wissen, dass man die intelligenteste Person im Raum ist, kann gefährlich sein; ich fand es oft sicherer, dumm zu wirken.“
Teddy ist perfekt darin, den Leuten etwas vorzumachen, und ihre Lügen dienen einer wichtigen Sache, der wichtigsten Sache überhaupt: ihrem eigenen Leben.

Emily Dunlay hat mit Teddy eine unwiderstehliche Figur geschaffen, hinter deren sorgsam gepflegten Image der dummen Blondine ein scharfer Verstand steckt und ein wilder Wille zur Freiheit.
Teddy ist eine Heldin, die fast jede Situation versemmelt, aber nie aufgibt. Die lügt, um zu überleben. Die scheitert, weil sie träumt. Die liebt, obwohl sie verletzt wurde. Und deren Geschichte man verschlingt wie eine gute Romanze mit Spionage-Elementen, Gesellschaftssatire und Frauenemanzipation in perfekter Balance.

Das alles in der Kulisse Roms, in der Zeit des Kalten Krieges, während des Kampfes der Amerikaner gegen den Kommunismus, die Atmosphäre ein Traum aus den 1960er Jahren. Man hört förmlich die Absätze auf den Marmorfliesen klacken und riecht den Zigarettenrauch in den verspiegelten Sälen der Botschaft – cool, sexy, raffiniert!
Einer meiner Sommer-Favoriten. Unbedingt lesen!
von Maxie Bantleon aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2025-06-02 23:21:16

Beeindruckender und faszinierender Debütroman - 5 Sterne

Die in Dallas lebende, aus einer wohlhabenden Familie stammende Teddy Carlyle ist 34 Jahre alt, als sie sich vornimmt, bis zu ihrem 35. Geburtstag einen Ehemann zu finden. Es ist bei Teddy keine Liebe auf den ersten Blick, als sie auf Vermittlung einer Cousine David Shepard zum ersten Mal begegnet. Dieser zeigt Interesse an der jungen Frau, nach nur wenigen Wochen findet die Hochzeit statt. Das Leben der beiden ändert sich schon bald, als sie nach Rom ziehen, wo David als Botschaftsangehöriger arbeiten wird. Auf einer Party des Botschafters Warren Carey erregt Teddy nicht nur durch ihre Schönheit viel Aufsehen, und man bietet ihr an, die Kunstsammlung der Botschaft zu sichten und zu katalogisieren. Teddy blüht auf, sie und David sind nun gern gesehene und gefragte Gäste auf Empfängen und Obernabenden, darüber hinaus erhält sie viele Einladungen der Botschaftsfrauen. Als auf einer Party ein kompromittierendes Foto von ihr und dem Botschafter geschossen wird, gerät sie in große Schwierigkeiten ....

Die Geschichte ist auf zwei Zeitebenen erzählt. Im ersten Erzählstrang, wir schreiben den 9. Juli 1969, steht Teddy in Rom zwei Ermittlungsbeamten Rede und Antwort, die zweite Zeitebene spielt in Dallas und umfasst die Monate Januar bis Mai 1969. 
Ich fand es faszinierend, die Ich-Erzählerin Teddy zu begleiten und dabei tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt zu blicken. Sie führt in Rom ein vollkommen anderes Leben als in den USA, lebt mit ihrem Mann in einer kleinen und bescheidenen Wohnung und hat den Wunsch, ihre geheimnisvolle Vergangenheit hinter sich zu lassen und eine gut gekleidete, höfliche und perfekte Diplomatengattin zu sein. 

Sprache und Erzählstil des Romans haben mir sehr gut gefallen, die Geschichte ist flüssig und äußerst unterhaltsam erzählt. Die Charaktere sind sehr bildhaft und authentisch beschrieben. Ich mochte die naive, chaotische und mir sehr oberflächlich erscheinende Protagonistin, der Designerkleidung und Kosmetika übertrieben wichtig sind, die zu viel Alkohol trinkt und aufputschende Tabletten schluckt, anfangs überhaupt nicht und konnte ihre Handlungsweisen oft nicht nachvollziehen. Im Laufe der Handlung und mit zunehmendem Wissen über ihre Vergangenheit wurde sie mir sympathischer, und ich habe sie bedauert bei ihren verzweifelten Versuchen, den von ihr mitverursachten Skandal zu verhindern.

Die Handlung springt zwischen den beiden Zeitebenen hin und her, und während wir immer mehr über Teddys Vergangenheit erfahren, steigt die Spannung stetig bis zum überraschenden Ende. Der Zeitgeist ist ganz wunderbar eingefangen, und es war spannend, in die sechziger Jahre einzutauchen und dabei Einblick in die damaligen Gesellschaftsstrukturen zu erhalten, als die Rolle der Frau noch eine vollkommen andere war als heute. 

Ich habe das faszinierende Buch, in dem es neben dem Dolce Vita auch um traurige Familiengeheimnisse, Tablettenmissbrauch, Kunst, Intrigen, Verrat, Manipulation und Korruption geht, sehr gern gelesen. 

Absolute Leseempfehlung!
von Bücherfreundin - 2025-05-21 17:44:00

Von der Schwierigkeit, perfekt zu sein - 4 Sterne

Theodora “Teddy“ Huntley Carlyle stammt aus einer reichen und einflussreichen texanischen Familie. Ihr Onkel Hal rechnet sich sogar Chancen auf die nächste Präsidentschaft aus. Deshalb muss nach außen alles perfekt sein. Da passt es nicht ins Bild, dass Teddy mit knapp 35 noch unverheiratet ist und ihr Leben in jeder Hinsicht nicht in den Griff bekommt. Dann lernt sie David Shepard kennen, der wenig später einen Job in der amerikanischen Botschaft in Rom antreten wird. Sie heiraten, und Teddy freut sich auf den Neuanfang. Sie will die perfekte Diplomatengattin sein. Dazu gehört ein glamouröses Äußeres und perfektes Benehmen in der Öffentlichkeit. Anfangs bezaubert sie alle mit ihrer Schönheit und hat Spaß an ihrem kleinen Job in der Botschaft. Jedoch wird im Prolog schon deutlich, dass es nicht funktioniert hat. Bei einer Party nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft trinkt sie zu viel, und ein Fotograf schießt ein kompromittierendes Foto, dessen Veröffentlichung sie mit allen Mitteln verhindern will. Sie hat nicht nur bei einem anderen Empfang den Russen Jewgeni Larin wiedergetroffen, mit dem sie sich in Texas für eine Nacht eingelassen hat und den sie inzwischen für einen Spion hält - sie wird jetzt auch zum Opfer einer Erpressung, die ihr kurzes glanzvolles Leben wieder zerstören kann. Es gibt in diesem Zusammenhang einen blutigen Vorfall bei der letzten Party, und das Sicherheitspersonal der Botschaft befragt sie. Ihr detaillierter Bericht ist die Geschichte ihres Lebens bis zur Gegenwart. Inzwischen weiß Teddy, dass ihr Mann seine eigenen Geheimnisse hat und sie ihn nie wirklich kannte.
Die entscheidenden Ereignisse passieren im Sommer 1969. Es ist eine noch stark männerdominierte Epoche. Ihr Ehemann gibt ihr Taschengeld und kritisiert ihre Verschwendungssucht, obwohl das Geld von ihrer Familie kommt. Er schreibt ihr vor, was sie zu tun und zu lassen hat. Teddy glaubt, dass sie sich mit ihrer teuren Garderobe, dem Schmuck, den zahllosen Kosmetikartikeln und dem Sortiment an Pillen zu der Frau machen kann, die sie sein will. Sie hofft, in ihrem neuen Leben die perfekte Fassade aufbauen zu können. Um jeden Preis will sie verhindern, dass irgendjemand die Wahrheit über ihr zügelloses Leben in der Vergangenheit erfährt, vor allem über ihren gefährlichen Kontakt zu dem Russen. Teddy ist kein unsympathischer Charakter, legt aber viel zu viel Wert auf Äußerlichkeiten und lässt zu lang andere über sich bestimmen. Der Roman ist nicht frei von Längen. Die Tatsache, dass sie von Anfang in Vorausdeutungen äußert, dass sie es nicht schaffen wird, dass sie alles ruiniert hat, nimmt dem Roman noch zusätzlich die Spannung. Sprachlich ist das Buch gelungen, auf jeden Fall ein interessantes Porträt einer anderen Zeit und einer ungewöhnlichen Frau.
von cosmea - 2025-05-16 18:43:00

Sommer 1969 - 2 Sterne

Der Roman von Emely Dunlay spielt im Sommer 1969 in Rom.
Die Hauptprotagonistin ist Teddy, die Tochter einer vermögenden und einflussreichen texanischen Familie. Ihr Onkel Hal ist Senator und will Präsident werden. Teddy war in der Kunstsammlung der Familie , die die größte Texas ist, "angestellt".
Nach einigen Jahren voller schlechter Männer und ebenso schlechten Erfahrungen, atmet die Familie auf, als sie mit 34 Jahren David heiratet.
Sie ziehen gemeinsam nach Rom. Hier arbeitet David im diplomatischen Dienst. Für Teddy ein Neuanfang als eine gute Diplomatengattin, die sie sein will. glamourös, diskret und perfekt gekleidet .Als ein kompromittierendes Foto von ihr auftaucht und auch eine Person aus ihrer Vergangenheit gerät der Neuanfang ins Wanken.
Auch wenn die Rolle der Frau in den sechziger Jahren eine völlig andere war, konnte ich viele Entscheidungen von Teddy nicht nachvollziehen.
"Teddy" hat es nicht in die Liste meiner Lieblingsbücher geschafft.
von peppi - 2025-05-14 14:20:00

Teddy - 3 Sterne

Teddy ist bereits über 30 und noch nicht verheiratet. In Amerika der späten 60iger Jahre kein anstrebenswertes Leben für eine Frau, noch dazu da Teddys Familie zu den oberen Zehntausend Amerikas gehört. Ihr Onkel hat politischen Einfluss und will Präsident werden. Und Teddy wäre nicht die erste Frau ihrer Familie, die die Familie „weggeräumt“ hat, weil sie sich nicht anpassen wollte. Und Teddy will auf keinen Fall dieses Schicksal teilen. Deshalb heiratet sie etwas überstürzt einen jungen Mann, der in der amerikanischen Botschaft in Rom arbeitet und folgt ihm in die italienische Hauptstadt. Sie versucht alles, um in ihrer neuen Rolle zu glänzen und macht doch alles falsch, bis sich ihre Lage so zuspitzt, dass alles verloren scheint.
Teddy ist eine widersprüchliche Figur, so dass ich nicht sagen kann, ob ich sie liebe, verachte oder einfach nur bemitleide. Abwechselnd trifft wohl alles zu. Was ich aber sagen kann, ist, dass ich sie auf jeden Fall sehr faszinierend fand. Sie ist eine Frau, die man nicht mögen muss, deren Schicksal aber interessiert. Das vor allem, weil man merkt, dass hinter dieser Geschichte mehr steckt, als eine etwas ungeschickte Frau, die einfach ihren Platz in der Gesellschaft nicht findet, oder besser gesagt, ihn sich immer wieder durch Pech und Ungeschicklichkeit verbaut.
von Barbara Pernter aus der Athesia-Filiale in Bozen - 2025-05-14 10:56:11