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Rezensionen

Der Schlaf der Anderen
«Ein ganz und gar hervorragender Roman über eine tiefgehende Frauenfreundschaft» Mareike Fallwickl

Autor: Tamar Noort

Erschienen 2025 bei ROWOHLT Kindler
ISBN 978-3-463-00062-6
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Für mich nicht immer logisch - 3 Sterne

Der Schlaf der anderen von Tamar Noort dreht sich um zwei Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen nachts wach sind: Sina kann einfach nicht mehr (ein)schlafen und Janis schiebt Nachtdienste im Schlaflabor. Als Sina eine Schlafanalyse machen lässt, lernen die beiden sich kennen und es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die jedoch durch eine Grenzüberschreitung noch vor dem Ende der Nacht bedroht wird.

Im Folgenden lernen wir die beiden Frauen, ihre Sehnsüchte, Probleme, Beziehungen, etc. kennen. Dabei erfahren wir über die Lehrerin Sina meines Erachtens wesentlich mehr als über die ehemalige Pflegerin Janis, was ich als etwas unausgeglichen empfunden habe. Es werden viele Aspekte angesprochen, die im Leben der beiden (stellvertretend für viele Frauen) Stressfaktoren darstellen und zu psychischer Belastung führen. Grundsätzlich finde ich es richtig, wichtig und gut, wenn darüber gesprochen und geschrieben wird, aber hier konnte es mich nicht überzeugen.

Dabei finde ich noch nicht einmal die Kennenlerngeschichte unglaubwürdig – ich kann nachvollziehen, dass es Menschen gibt, mit denen es einfach passt und zu denen man gleich eine tiefe Verbindung spürt. Aber die Handlungen danach sind für mich oft nicht schlüssig und es gibt weitere Grenzüberschreitungen, die nicht kommentiert werden. Ein bisschen ging es für mich in Richtung Bingobuch, bei dem wichtige Elemente nicht erfolgreich verknüpft oder zu Ende gedacht wurden.

Ich habe das Buch anfangs ganz gerne gelesen, aber so richtig hat es mich eben nicht fesseln können und am Ende habe ich es nur weitergehört in der Hoffnung, dass noch irgendwas Spannendes passiert (tat es nicht…). Ich habe mich vor allem die ganze Zeit gefragt, warum Sina sich nicht krankschreiben lässt, wenn die Schlafprobleme doch so massiv Einfluss auf ihren Alltag haben. Dadurch hatte ich das Gefühl, das Problem wird künstlich am Leben erhalten, nur für den Plot, wenn es doch eine logische Handlungsalternative gäbe (natürlich ist das nicht die Lösung aller Probleme, aber es wäre ein notwendiger erster Schritt gewesen). Insgesamt also eher keine Empfehlung von mir.

von EvaLiest - 2025-09-17 21:00:00

Erschöpft... - 4 Sterne

Janis arbeitet als Aufsichtsperson in einem Schlaflabor. Dort begegnet sie der Lehrerin Sina, die dort Hilfe für ihre Schlaflosigkeit sucht. Beide könnten kaum unterschiedlicher sein, und doch besteht eine Verbundenheit. Sie sind in ihrem Alltag festgefahren und ihr jeweiliger Leidensdruck wird eindrücklich dargestellt.
Tamar Noort kann die Gefühlswelt dieser beiden Damen feinfühlig und einfühlsam beschreiben. In Zuge dessen werden Fragen aufgeworfen, die gesellschaftliche Dynamiken, wie beispielsweise das Rollenbild als Frau bzw. Mutter, sowie die allgemeine Arbeitswelt unter Kritik nehmen. Inhaltlich passieren keine großen Sachen, aber es werden sehr viele Themen angesprochen, sodass die intensivere Auseinandersetzung mit diesen nicht immer den benötigten Raum bekommt. Trotz allem habe ich den Roman gerne gelesen!
von warda - 2025-09-03 16:57:00

Tolle Geschichte mit ernstem Thema - 4 Sterne

Das Buch mit einer wichtigen Message für Personen, die im Leben sich selbst vergessen haben.

Die Geschichte geht um Sina und Janis, die beide bemerken, dass sie gerade in ihrem Leben unzufrieden sind. Die beiden treffen sich in einem Schlaflabor, wo Janis mittlerweile arbeitet, da ihr vorheriger Beruf ihre wichtigen Momente genommen hat. Schließlich kommen die beiden ins Gespräch und haben eine Nacht zusammen, die beide mit vielen Fragen zurücklässt. Das Treffen der beiden im Schlaflabor ist eine interessante Kulisse und hat sehr echt gewirkt. Während die ersten Kapitel mich leider eher gelangweilt haben, fand ich die nächsten Kapitel, wo die beiden sich näher kommen, sehr interessant.

Janis und Sina könnten unterschiedlicher gar nicht sein, zumindest auf den ersten Blick. Beide teilen das Schicksal, dass sie ihr Leben gar nicht so leben, wie sie es einmal gedacht hatten. Janis hat zunächst nicht wie ein tiefsinniger Charakter gewirkt, hat aber im Laufe der Geschichte einen guten Blick in ihr Handeln gegeben. Sina wurde von allen missverstanden, während sie doch eigentlich genau gezeigt hat, was sie bedrückt. Dementsprechend war für mich Sina eine sehr realitätsnahe Protagonistin, die eine sehr wichtige Nachricht in der heutigen Gesellschaft aufzeigt.

Es war mein erstes Buch dieser Autorin und finde den Schreibstil sehr angenehm zu lesen. Das Buch ist kein Buch für zwischendurch, sondern eins, wie ich finde, wo noch ein paar Wochen darüber nachgedacht wird. In der Geschichte werden viele kleine Details beschrieben sowie die Gedanken und Träume der beiden.

Das Buch ist eine Empfehlung für jeden, der das Gefühl hat, seine Träume verloren zu haben und nicht mehr weiß, ob man so ist, wie sein Umfeld es von einem erwartet.
von lesende_zitrone - 2025-08-31 19:55:00

Schlaf, - 4 Sterne

von Emmmbeee - 2025-08-14 17:57:00

Schlaf, der sich rar macht - 4 Sterne

Ja, genau um das geht es in diesem Roman: um Schlaf, weniger um den eigenen, als um den der anderen. So gesehen ist der Titel sehr treffend, und auch das Cover sagt genau das aus: quälende, sich unendlich in die Länge dehnende Schlaflosigkeit.
Janis und Sina treffen zum ersten Mal in einem Schlaflabor aufeinander. Im Lauf dieser Nacht ereignet sich vieles, was das Leben der beiden von Grund auf ändert. Die Leben der beiden Frauen schlängeln sich von Kapitel zu Kapitel umeinander. Das zeigt sich auch daran, wie die einzelnen Abschnitte gestaltet sind, zu Beginn jeder Einheit. Der ganze Roman ist unterteilt in Nacht und Tag, in Janis und Sina. Raffiniert, dass die beiden Namen bis auf das J dieselben Buchstaben haben. Noch dazu heißt Sina, die ohne J, mit Familiennamen Jott. Ein Kunstgriff auch, dass mal in der Ich-Form (Janis), mal in der 3. Person erzählt wird.
Mir gefiel, dass diverse Lebensfragen und -themen angesprochen wurden. Das gibt etliche Denkanstöße für den Leser. Auch kann man einiges aus dem Fachwissen durchaus für sich nutzen. Liebenswert sind die Augenblicke, wenn Sinas Tochter Ida pantomimisch ein Luftkonzert aufführt, gar noch in aller Öffentlichkeit.
Gut gefiel mir auch die Szene mit Janis‘ Stiefeln beim Versuch, bei Schmittie daheim Erotik ins Spiel zu bringen. Immer wieder werden überraschende Szenen hineingestreut, bunt, vielfältig, lebensnah. Originelle Figuren sind im Spiel, die sofort vor dem inneren Auge erstehen und den Text plastisch werden lassen.
Ich muss beschämt gestehen, dass ich aufgrund des Titels ein eher langweiliges Buch erwartet habe, aber das ist es keineswegs. Nach diesem lesenswerten Roman bin ich neugierig auf Tamar Noorts anderes Werk, ihren Erstling „Die Ewigkeit ist ein guter Ort“. Den muss ich unbedingt auch lesen.
von Emmmbeee - 2025-08-14 17:44:00

Nachtaktiv - 5 Sterne

Der neue Roman von Tamar Noort beschäftigt sich mit dem Thema Schlaflosigkeit. Janis ist gelernte Pflegefachkraft und arbeitet mittlerweile nachts in einem Schlaflabor. Dort begegnet ihr die Lehrerin Sina. Sie ist Mitte 40, Mutter zweier Schulkinder und ihr Mann ist ebenfalls Lehrer an ihrer Schule. Sie leidet an Schlafstörungen, die sie mit starkem Medikamenten in den Griff zu bekommen versucht. Ihr neuer Hausarzt schickt sie dann aber ins Schlaflabor. Sie bricht die Untersuchung dort mitten in der Nacht ab und so läuft sie mit Janis durch ihre nächtliche Heimatstadt und sie kommen auf verrückte Ideen.

Mir hat die Geschichte gut gefallen. Insbesondere in Sina konnte ich mich sehr gut hineinversetzen, da ich selbst Lehrerin bin und das, was man über ihren Alltag und ihre Arbeit erfährt, sehr treffend ist. So geht es in dem Roman eigentlich gar nicht nur um Schlafstörungen, sondern auch um vieles, was in unserer Gesellschaft im Argen liegt, zum Beispiel, was Überlastung durch die Arbeit, Mental Load oder die Gleichbehandlung beider Geschlechter angeht. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut, sie findet immer wieder tolle sprachliche Bilder, um etwas auszudrücken. Aber auch insgesamt ist der Roman flüssig lesbar.
von Island - 2025-08-13 16:29:00

Die Intimität der Nacht - 3 Sterne

Da Schlaf so einen großen Teil unseres Lebens ausmacht, fand ich das Thema dieser Geschichte sehr ansprechend, ebenso wie die Erzählperspektive, die zwischen den beiden sehr ungleichen Frauen wechselt. Janis erzählt von der Ruhe der Nacht, Sina vom Trubel des Lebens bei Tag. Und während Sina dabei sehr viel von sich preisgibt, hält sich Janis bedeckt, mehr passive Beobachterin als aktive Protagonistin.

Sinas Leben liest sich wie eine Aneinanderreihung ermüdender Alltagssituationen, die sie zu überfordern drohen. Sehr eindrücklich wird geschildert, wie ihr diese Alltäglichkeit zu entgleiten droht. Jede der Situationen für sich ist dabei nicht mal dramatisch, aber die Summe der Ereignisse mutet besorgniserregend an, steuert auf die unwillkürliche Eskalation zu.

Nach diesem super starken Start verliert die Geschichte, die zwischen Sina und Janis so eindringlich beginnt, in meinen Augen ein bisschen den Fokus und schweift in Bereiche ab, die gar nicht mal mehr so viel mit dem ursprünglichen Thema zu tun haben. Die Handlung wird von der Ruhe der Nacht in die Hektik des Tages und Alltags verlegt. Dadurch verliert sie leider ihre eindringliche Intimität.

Insgesamt hats mir ganz gut gefallen, vor allem der ruhige Erzählton hat meinen Geschmack getroffen.
von Lies_ein_Buch - 2025-07-20 19:35:00

Müde vom Leben - 5 Sterne

Schlafprobleme – klingt erst mal banal? Wer hat nicht schon mal ein oder zwei Nächte schlecht geschlafen. Doch wer länger nicht schlafen kann, für den wird das schnell existenziell. Schlaf ist lebenswichtig. Im Schlaf arbeitet unser glymphatisches System, die Putzkolonne fürs Gehirn, ohne es geraten wir gesundheitlich in echte Schwierigkeiten.

Der Schlaf der Anderen geht diesem Thema auf sehr eindringliche Weise nach. Dabei ist es kein Sachbuch über Schlafmedizin, sondern ein Roman, der zeigt, was Schlafentzug mit Menschen macht – persönlich und gesellschaftlich. Es geht um die Frage, wie Schlafmangel nicht nur das eigene Leben, sondern auch Arbeit, Familie und soziale Beziehungen verändert.

Die Handlung ist auf den ersten Blick schlicht: Zwei Frauen treffen aufeinander. Sina muss ins Schlaflabor, weil sie schon lange nicht mehr richtig schlafen kann. Jannis arbeitet dort als Nachtwache. Beide sind erschöpft, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch, müde vom Leben. Ihre Begegnung verändert etwas in ihnen.

Das Buch ist dabei klar feministisch und systemkritisch. Es wirft Fragen auf, etwa wie Gesellschaft und Arbeitswelt mit menschlichen Bedürfnissen wie Schlaf umgehen. Mir hat das sehr gefallen. Obwohl „nicht viel passiert“, hat der Roman enormen Tiefgang. Er hat mich beim Lesen zum Nachdenken gebracht und ich finde, genau das sollte Literatur tun.

Ich möchte dieses Buch allen empfehlen, die sich für feinfühlige, gesellschaftskritische Themen interessieren. Klare Leseempfehlung, auch das Hörbuch ist sehr gelungen.

von Alo - 2025-07-10 10:52:00

Erschöpfung - 4 Sterne

Der Roman 'Der Schlaf der Anderen' von Tamar Noort hat mich auf seine ruhige und unaufgeregte Art total abholen können.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Janis, einer ehemaligen Krankenschwester, die der Überforderung im Krankenhaus entkommen ist. Nun überwacht sie den Schlaf anderer als Nachtwache in einem Schlaflabor.
Die zweite Protagonistin ist Sina, eine Kunstlehrerin, Ehefrau und Mutter von zwei Kinder und sie ist einfach unendlich müde...
Die beiden Frauen treffen aufeinander und sofort spürt man als Leser diese besondere Verbindung.
Es ist der Schlaf, den sie beide herbeisehnen, und um ihn zu finden, braucht es manchmal Mut und Veränderungen.
Die Handlung lässt sich schwer in Worte fassen und klingt vielleicht zunächst etwas wirr, ist aber tatsächlich sehr durchdacht.
Die beiden Frauen verbringen eine ungewöhnliche und augenöffnende Nacht miteinander.
Nach einem kleinen Fauxpas, seitens Janis, herrscht zunächst Funkstille, doch beide stellen sich indessen ihren Problemen und gehen unkonventionelle Wege, um sich selbst wiederzufinden.
Besonders haben mir die tieferen Botschaften gefallen: die Kritik an gesellschaftlichen Mustern und den Zwängen, die uns oft gefangen halten und uns den Schlaf rauben.
Es sind die feinen Zwischentöne, die diese Erzählung so interessant machen.
Mir hat das Buch sehr gefallen, und ich kann es euch mit gutem Gewissen weiterempfehlen.
von Karina - 2025-07-08 17:37:00