Rezensionen
Ein Ort, der bleibt
Generationenroman | Drei Frauen verbunden durch einen Garten am Meer
Autor: Sandra Lüpkes
Erschienen 2026 bei ROWOHLT Kindler
ISBN 978-3-463-00067-1
Emotionale Achterbahnfahrt - 4 Sterne
Das Buch wird hauptsächlich aus der Sicht von Imke im Heute und Mehpare und Magda ab den 1930er Jahren erzählt. Imke ist die Einzige, die aus der Ich-Perspektive berichtet, sodass man sich ihr etwas näher fühlt und ein bisschen Abstand zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschaffen wird.
Es ist eine gute Mischung aus Realität und Fiktion. Fast alle Personen der Vergangenheitsebene haben real existiert und waren interessante Persönlichkeiten, über die man hinten im Buch noch eine Kurzbiographie erhält. Die Istanbul-Karte vorne hat auf jeden Fall geholfen, den Überblick zu behalten und Wege nachzuvollziehen.
Die Botanik zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte. Die Autorin schafft immer wieder Analogien zwischen Pflanzen und Menschen, z. B. was das Wachsen und Verwurzeln angeht. Das ist auch die Kernthematik des Buches: Neuanfänge in der Fremde, sich verwurzeln und seine Identität finden. Auch wenn man wie ich nicht viel Ahnung von Pflanzen hat, ist die Begeisterung der Protagonisten dafür ansteckend.
Man konnte generell sehr gut mit ihnen mitfühlen. Es war ein Auf und Ab aus Verzweiflung und Hoffnung, aus Erfolgen und Rückschlägen. Sowohl persönliche als auch gesamtgesellschaftliche Probleme haben ihren Platz gefunden. Ich fand es sehr interessant, am Rande etwas über die Ausrufung der Republik in der Türkei und die damit einhergehenden Veränderungen der Gesellschaft zu erfahren. Auch die kulturellen und sprachlichen Unterschiede waren spannend zu entdecken.
An manchen Stellen war mir der Schreibstil ein bisschen zu blumig. Auch das Ende ging mir irgendwie etwas zu schnell, hätte aber wohl sonst den Rahmen gesprengt.
Das Buch ist eher ruhig und unaufgeregt, trotzdem hat die Autorin es geschafft, mich zu fesseln und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich für botanische Gärten und Pflanzen, aber auch historische Ereignisse interessiert.
Es ist eine gute Mischung aus Realität und Fiktion. Fast alle Personen der Vergangenheitsebene haben real existiert und waren interessante Persönlichkeiten, über die man hinten im Buch noch eine Kurzbiographie erhält. Die Istanbul-Karte vorne hat auf jeden Fall geholfen, den Überblick zu behalten und Wege nachzuvollziehen.
Die Botanik zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte. Die Autorin schafft immer wieder Analogien zwischen Pflanzen und Menschen, z. B. was das Wachsen und Verwurzeln angeht. Das ist auch die Kernthematik des Buches: Neuanfänge in der Fremde, sich verwurzeln und seine Identität finden. Auch wenn man wie ich nicht viel Ahnung von Pflanzen hat, ist die Begeisterung der Protagonisten dafür ansteckend.
Man konnte generell sehr gut mit ihnen mitfühlen. Es war ein Auf und Ab aus Verzweiflung und Hoffnung, aus Erfolgen und Rückschlägen. Sowohl persönliche als auch gesamtgesellschaftliche Probleme haben ihren Platz gefunden. Ich fand es sehr interessant, am Rande etwas über die Ausrufung der Republik in der Türkei und die damit einhergehenden Veränderungen der Gesellschaft zu erfahren. Auch die kulturellen und sprachlichen Unterschiede waren spannend zu entdecken.
An manchen Stellen war mir der Schreibstil ein bisschen zu blumig. Auch das Ende ging mir irgendwie etwas zu schnell, hätte aber wohl sonst den Rahmen gesprengt.
Das Buch ist eher ruhig und unaufgeregt, trotzdem hat die Autorin es geschafft, mich zu fesseln und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich für botanische Gärten und Pflanzen, aber auch historische Ereignisse interessiert.
von Anonym - 2026-06-17 20:33:00
Eingängiger Roman über Botanik, das Exil in der Türkei und den Zweiten Weltkrieg - 4 Sterne
Alfred und Magda Heilbronn sind Botaniker in Münster. Alfreds Verbindung zu seinen jüdischen Wurzel war bislang nicht existent, doch im Jahr 1933 spielen diese Wurzeln plötzlich eine Rolle und führen zu einem Berufsverbot als Professor. So entscheidet sich die Familie, einer Einladung nach Istanbul zu folgen, denn die Türkei unter Atatürk führt gerade eine Bildungsreform durch und möchte sich von Akademikern aus Deutschland untersttützen lassen. Dort wird die junge Mehpare Başerman Alfreds Assistentin. Zusammen bauen sie einen botanischen Garten in Istanbul auf ...
Sandra Lüpkes hat mit diesem Buch erinnerungswürdige Figuren geschaffen, von denen sich am Ende herausstellt, dass sie tatsächlich existiert haben. Die zunehmende Bedrohung und Verzweiflung in Münster wird sehr eindrücklich vermittelt; das Gefühl einer sich zuziehenden Schlinge, die keinen Ausweg lässt. Im Vergleich zu vielen anderen haben die Heilbronns allerdings Glück und können sich in Istanbul einer wachsenden deutschen Gemeinschaft von Exilant:innen anschließen. Aber auch hier streckt der Nationalsozialismus die Finger nach ihnen aus. In dieser Geschichte geht es aber gar nicht zentral um den bekannten Botaniker selbst, sondern um die weiblichen Figuren der Geschichte. Magda tut sich schwer mit dem Einleben. Sie selbst ist auch Botanikerin, reist jedoch nur als Frau des Botanikers in die Türkei. Um nicht an Langeweile zu vergehen, macht sie lange Spaziergänge durch die Stadt und beginnt, mehrere Sprachen zu lernen. Mehpare hat das Glück, für Alfred Heilbronn zu arbeiten und wird zu seiner ersten Postdoktorandin. Als Mädchen schon immer wissbegierig, musste sie sich vor allem von den männlichen Vorbildern in ihrem Leben sagen lassen, nicht ständig alles zu hinterfragen ("Iss den Honig und frag nicht nach der Biene"). Der Roman zeigt die Aufbruchsstimmung in der Türkei, die durch Atatürks Reformen entstanden ist und die Möglichkeiten, die sich hier auch für Frauen ergeben. Demgegenüber steht der Handlungsstrang um Imke in unserer Zeit, der den Kontrast zwischen der damaligen und der heutigen Türkei aufzeigt und auch einen Blick auf den inzwischen vernachlässigten botanischen Garten wirft. Dieser Kontrast funktioniert sehr gut und überzeugend, doch Imkes viele privaten Problemen haben für mich zu sehr vom historischen Handlungsstrang abgelenkt. Dieser dagegen ist emotional und gleichzeitig lehrreich. Die botanischen und genetischen Hintergrundinformationen sind verständlich und von genau richtiger Menge (und nicht zu ausschweifend), um die Figuren authentisch wirken zu lassen. Man reist mit auf botanische Exkursionen zu seltenen Pflanzen, doch wird dabei nicht mit Informationen erschlagen. Mit dieser glaubwürdigen Wiederbelebung von historischen Personen beleuchtet die Autorin ein wenig bekanntes Stück Zeitgeschichte, in dem die Türkei tausende jüdische Menschen aufgenommen und dadurch gerettet hat.
Mit dem vorliegenden, eher ruhigen Roman bekommt man eine Geschichte, die eine ganze historische Epoche und ihre verschiedenen Stimmungen einfängt und dabei die Figuren nahbar macht, sodass man über die Jahrzehnte an ihrem Werdegang interessiert ist und mit ihnen leidet. Gleichzeitig entwickelt man auch eine Wertschätzung für die Botanik und wichtige Gebäude in der Stadt, die vielleicht auch in der heutigen Zeit erhalten bleiben sollten.
Sandra Lüpkes hat mit diesem Buch erinnerungswürdige Figuren geschaffen, von denen sich am Ende herausstellt, dass sie tatsächlich existiert haben. Die zunehmende Bedrohung und Verzweiflung in Münster wird sehr eindrücklich vermittelt; das Gefühl einer sich zuziehenden Schlinge, die keinen Ausweg lässt. Im Vergleich zu vielen anderen haben die Heilbronns allerdings Glück und können sich in Istanbul einer wachsenden deutschen Gemeinschaft von Exilant:innen anschließen. Aber auch hier streckt der Nationalsozialismus die Finger nach ihnen aus. In dieser Geschichte geht es aber gar nicht zentral um den bekannten Botaniker selbst, sondern um die weiblichen Figuren der Geschichte. Magda tut sich schwer mit dem Einleben. Sie selbst ist auch Botanikerin, reist jedoch nur als Frau des Botanikers in die Türkei. Um nicht an Langeweile zu vergehen, macht sie lange Spaziergänge durch die Stadt und beginnt, mehrere Sprachen zu lernen. Mehpare hat das Glück, für Alfred Heilbronn zu arbeiten und wird zu seiner ersten Postdoktorandin. Als Mädchen schon immer wissbegierig, musste sie sich vor allem von den männlichen Vorbildern in ihrem Leben sagen lassen, nicht ständig alles zu hinterfragen ("Iss den Honig und frag nicht nach der Biene"). Der Roman zeigt die Aufbruchsstimmung in der Türkei, die durch Atatürks Reformen entstanden ist und die Möglichkeiten, die sich hier auch für Frauen ergeben. Demgegenüber steht der Handlungsstrang um Imke in unserer Zeit, der den Kontrast zwischen der damaligen und der heutigen Türkei aufzeigt und auch einen Blick auf den inzwischen vernachlässigten botanischen Garten wirft. Dieser Kontrast funktioniert sehr gut und überzeugend, doch Imkes viele privaten Problemen haben für mich zu sehr vom historischen Handlungsstrang abgelenkt. Dieser dagegen ist emotional und gleichzeitig lehrreich. Die botanischen und genetischen Hintergrundinformationen sind verständlich und von genau richtiger Menge (und nicht zu ausschweifend), um die Figuren authentisch wirken zu lassen. Man reist mit auf botanische Exkursionen zu seltenen Pflanzen, doch wird dabei nicht mit Informationen erschlagen. Mit dieser glaubwürdigen Wiederbelebung von historischen Personen beleuchtet die Autorin ein wenig bekanntes Stück Zeitgeschichte, in dem die Türkei tausende jüdische Menschen aufgenommen und dadurch gerettet hat.
Mit dem vorliegenden, eher ruhigen Roman bekommt man eine Geschichte, die eine ganze historische Epoche und ihre verschiedenen Stimmungen einfängt und dabei die Figuren nahbar macht, sodass man über die Jahrzehnte an ihrem Werdegang interessiert ist und mit ihnen leidet. Gleichzeitig entwickelt man auch eine Wertschätzung für die Botanik und wichtige Gebäude in der Stadt, die vielleicht auch in der heutigen Zeit erhalten bleiben sollten.
von anushka - 2026-06-06 06:27:00
Herrlich atmosphärisch! - 5 Sterne
Manche Bücher liest man und spürt noch während der Lektüre: sie verändern etwas in einem. "Ein Ort, der bleibt" gehört für mich ganz eindeutig zu meinen all-Time-Highlights. Dieses Buch bleibt im Herzen.
Ich weiß jetzt schon: Ich werde nie wieder durch einen botanischen Garten gehen können, ohne an diesen wunderbaren Roman zu denken. An Istanbul. An diesen besonderen Garten. An die Menschen, die in der Türkei Zuflucht fanden. An all die Einzelschicksale.
Bereits "Die Schule am Meer" hatte mir in puncto Figurenzeichnung enorm gut gefallen, doch mit ihrem aktuellen Werk hat die Autorin sich für mich komplett übertroffen.
Besonders faszinierend fand ich den historischen Hintergrund. Obwohl ich sehr gerne historische Romane rund um die Zeit des Zweiten Weltkriegs lese, war mir dieser Aspekt der Geschichte bislang völlig unbekannt: Dass viele jüdische Akademiker:innen während Hitlers Regime in die Türkei flohen und dort unter Atatürk aufgenommen wurden. Allein dieses Thema machte den Read für mich schon außergewöhnlich und unglaublich bereichernd.
Im Mittelpunkt steht unter anderem der jüdische Genetiker Alfred Heilbronn, der in Münster seine Lehrbefugnis verliert und schließlich mit seiner Familie nach Istanbul flieht. Dort entsteht auf einer Brandruine ein botanischer Lehrgarten, ein Ort voller Hoffnung, Wissen und Neubeginn, nicht nur für ihn und seine Familie.
Apropos: Insbesondere die Passagen aus Sicht seiner Frau Magda haben mich berührt. Während sie in Deutschland oft lediglich in ihrer geschätzten Rolle als Frau Doktor existierte, beginnt sie in Istanbul plötzlich aufzublühen. Auf der Reise trinkt sie Champagner, entdeckt neue Seiten an sich, lernt Türkisch und findet Schritt für Schritt zu einer Version ihrer selbst, die zuvor kaum Raum hatte zu existieren. Diese Entwicklung wurde so feinfühlig, atmosphärisch und lebendig erzählt, dass ich vollkommen darin versunken bin.
Überhaupt ist Atmosphäre eine der ganz großen Stärken dieses Romans. Sandra Lüpkes erschafft ein Istanbul, das sich nicht nur lesen, sondern fühlen lässt. Ich konnte die Wärme beinahe spüren, den Duft der Pflanzen riechen und die Geräusche der Stadt hören.
Zusätzlich gibt es die Perspektive von Mehpare, die zunächst als Assistentin für Professor Heilbronn arbeitet, sowie die Gegenwartsebene rund um Imke. Auch sie erlebt durch den Aufenthalt in Istanbul einen tiefgreifenden Wandel, und auch ihre Geschichte hat mich emotional sehr bewegt. Die Dynamik mit ihrer Mutter, ihr ständiges Verantwortungsgefühl, das Gefühl selbst eher die Mutterrolle einzunehmen, all das wurde unglaublich authentisch dargestellt. Umso schöner war es mitzuerleben, wie Imke langsam lernt loszulassen und zu erkennen, dass ihre Mutter durchaus ihren eigenen Weg finden kann (und muss).
Sandra Lüpkes verknüpft mehrere Perspektiven und Zeitebenen miteinander, ohne dass je etwas überladen wirkt. Im Gegenteil: Alles greift so geschickt ineinander, dass ein unglaublich stimmiges Gesamtbild entstanden ist.
Es ist offensichtlich, wie viel Herzblut der Recherche in diesem Buch steckt. Ich hatte das große Glück, eine Buchbox zu gewinnen, der unter anderem ein Interview mit der Autorin beilag. Darin erzählte sie, dass sie selbst die Strecke von Münster nach Istanbul mit dem Zug gereist ist (!) - genau wie einst ihre Figuren. Sie lebte eine Zeit lang in der Türkei, besuchte die Gewächshäuser und folgte den Spuren ihrer Protagonistinnen. Und genau das spürt man beim Lesen auf jeder einzelnen Seite. - Diese Verbundenheit mit Istanbul, mit den Frauen. Man wird selbst ein bisschen eins damit.
Für mich ist dieses herausragende Werk daher weit mehr als 'nur' ein historischer Roman. Es ist eine Geschichte über Neuanfänge, Freiheit, Identität, Verlust, Heimatgefühl, Selbstfindung und darüber, wie sehr Orte Menschen verändern können.
Fazit:
Was für ein starker, beeindruckend atmosphärischer Roman! Schon beim Lesen des Klappentextes war mir klar, dass mich hier ein ganz außergewöhnlicher Read erwarten würde, und zwar nicht nur im Hinblick auf das Setting. - Ein absolutes Lesehighlight und eines jener seltenen Bücher, die man nicht mehr vergisst.
Ich weiß jetzt schon: Ich werde nie wieder durch einen botanischen Garten gehen können, ohne an diesen wunderbaren Roman zu denken. An Istanbul. An diesen besonderen Garten. An die Menschen, die in der Türkei Zuflucht fanden. An all die Einzelschicksale.
Bereits "Die Schule am Meer" hatte mir in puncto Figurenzeichnung enorm gut gefallen, doch mit ihrem aktuellen Werk hat die Autorin sich für mich komplett übertroffen.
Besonders faszinierend fand ich den historischen Hintergrund. Obwohl ich sehr gerne historische Romane rund um die Zeit des Zweiten Weltkriegs lese, war mir dieser Aspekt der Geschichte bislang völlig unbekannt: Dass viele jüdische Akademiker:innen während Hitlers Regime in die Türkei flohen und dort unter Atatürk aufgenommen wurden. Allein dieses Thema machte den Read für mich schon außergewöhnlich und unglaublich bereichernd.
Im Mittelpunkt steht unter anderem der jüdische Genetiker Alfred Heilbronn, der in Münster seine Lehrbefugnis verliert und schließlich mit seiner Familie nach Istanbul flieht. Dort entsteht auf einer Brandruine ein botanischer Lehrgarten, ein Ort voller Hoffnung, Wissen und Neubeginn, nicht nur für ihn und seine Familie.
Apropos: Insbesondere die Passagen aus Sicht seiner Frau Magda haben mich berührt. Während sie in Deutschland oft lediglich in ihrer geschätzten Rolle als Frau Doktor existierte, beginnt sie in Istanbul plötzlich aufzublühen. Auf der Reise trinkt sie Champagner, entdeckt neue Seiten an sich, lernt Türkisch und findet Schritt für Schritt zu einer Version ihrer selbst, die zuvor kaum Raum hatte zu existieren. Diese Entwicklung wurde so feinfühlig, atmosphärisch und lebendig erzählt, dass ich vollkommen darin versunken bin.
Überhaupt ist Atmosphäre eine der ganz großen Stärken dieses Romans. Sandra Lüpkes erschafft ein Istanbul, das sich nicht nur lesen, sondern fühlen lässt. Ich konnte die Wärme beinahe spüren, den Duft der Pflanzen riechen und die Geräusche der Stadt hören.
Zusätzlich gibt es die Perspektive von Mehpare, die zunächst als Assistentin für Professor Heilbronn arbeitet, sowie die Gegenwartsebene rund um Imke. Auch sie erlebt durch den Aufenthalt in Istanbul einen tiefgreifenden Wandel, und auch ihre Geschichte hat mich emotional sehr bewegt. Die Dynamik mit ihrer Mutter, ihr ständiges Verantwortungsgefühl, das Gefühl selbst eher die Mutterrolle einzunehmen, all das wurde unglaublich authentisch dargestellt. Umso schöner war es mitzuerleben, wie Imke langsam lernt loszulassen und zu erkennen, dass ihre Mutter durchaus ihren eigenen Weg finden kann (und muss).
Sandra Lüpkes verknüpft mehrere Perspektiven und Zeitebenen miteinander, ohne dass je etwas überladen wirkt. Im Gegenteil: Alles greift so geschickt ineinander, dass ein unglaublich stimmiges Gesamtbild entstanden ist.
Es ist offensichtlich, wie viel Herzblut der Recherche in diesem Buch steckt. Ich hatte das große Glück, eine Buchbox zu gewinnen, der unter anderem ein Interview mit der Autorin beilag. Darin erzählte sie, dass sie selbst die Strecke von Münster nach Istanbul mit dem Zug gereist ist (!) - genau wie einst ihre Figuren. Sie lebte eine Zeit lang in der Türkei, besuchte die Gewächshäuser und folgte den Spuren ihrer Protagonistinnen. Und genau das spürt man beim Lesen auf jeder einzelnen Seite. - Diese Verbundenheit mit Istanbul, mit den Frauen. Man wird selbst ein bisschen eins damit.
Für mich ist dieses herausragende Werk daher weit mehr als 'nur' ein historischer Roman. Es ist eine Geschichte über Neuanfänge, Freiheit, Identität, Verlust, Heimatgefühl, Selbstfindung und darüber, wie sehr Orte Menschen verändern können.
Fazit:
Was für ein starker, beeindruckend atmosphärischer Roman! Schon beim Lesen des Klappentextes war mir klar, dass mich hier ein ganz außergewöhnlicher Read erwarten würde, und zwar nicht nur im Hinblick auf das Setting. - Ein absolutes Lesehighlight und eines jener seltenen Bücher, die man nicht mehr vergisst.
von Furbaby_Mom - 2026-05-11 17:13:00
Deutschland und Türkei im Wandel der Zeit - 4 Sterne
Der Ort, der bleibt könnte der botanische Garten in Istanbul sein. Imke, eine junge Stadtplanerin aus Münster wird als Assistentin engagiert um eine Expertise über das inzwischen verfallene und vernachlässigte Gebäude und Gartenanlage zu verfassen. Droht der komplette Abriss oder kann es wieder zu einem blühenden Garten werden? Im Jahr 1933 verlässt Professor Alfred Heilbronn Münster, obwohl er vor längerer Zeit zum Protestanten konvertierte, er jedoch als ehemaliger Jude nicht mehr unterrichten durfte. Atatürk, der zu der Zeit die Türkei in einem modernen Staat mit einem hoch angesehenen Bildungssystem veränderte, warb besonders deutsche Professoren und Wissenschaftler an. Dem Biologen Heilbronn betraute er mit der Aufgabe der Gründung eines botanischen Gartens und einem Ort der Forschung. Mehpare wurde seine Assistentin, eine junge wissbegierige Frau, die als eine der ersten Frauen von dem geändertem Schulsystem profitierte.
Der neuere Teil um die Stadtplanerin Imke ist eine fiktive Erzählung, der ältere Teil ist größtenteils historisch verbürgt. Er zeigt uns die unterschiedlichen Lebensweisen in Deutschland und der Türkei in den Jahren 1933 bis 1945 und in der Jetztzeit, besonders die politischen Verhältnisse und was es mit den Menschen macht. Auch wenn die Männer die Entscheidungen getroffen haben, in diesem Roman stehen die Frauen im Mittelpunkt. Sehr gut finde ich, das am Ende über das Leben der im Buch genannten Personen eine Kurzfassung zu finden ist.
Der neuere Teil um die Stadtplanerin Imke ist eine fiktive Erzählung, der ältere Teil ist größtenteils historisch verbürgt. Er zeigt uns die unterschiedlichen Lebensweisen in Deutschland und der Türkei in den Jahren 1933 bis 1945 und in der Jetztzeit, besonders die politischen Verhältnisse und was es mit den Menschen macht. Auch wenn die Männer die Entscheidungen getroffen haben, in diesem Roman stehen die Frauen im Mittelpunkt. Sehr gut finde ich, das am Ende über das Leben der im Buch genannten Personen eine Kurzfassung zu finden ist.
von Ulla - 2026-04-21 11:36:00
Deutsch Türken - 5 Sterne
Ein Ort, der bleibt, ist ein Roman aus der Feder von Sandras Lüpkes.
Der Roman ist in zwei Zeitebenen geteilt, einmal in der Zeit ab 1933 und dann in der heutigen Zeit.
Die Peronen aus der alten Zeit haben fast alle gelebt.
Die heutige Zeit hat die Autorin frei erfunden.
Ich hatte bis jetzt noch nicht gewusst, das Atatürk verfolgte Personen nach Istanbul kommen lies, um junge Türken zu unterrichten.
Alfred Heilbronn war Botaniker in Münster. In Istanbul gründete er einen Garten mit alten Pflanzen, den er mit seinen Studenten bearbeitete. Wenn irgendwo eine seltene Pflanze entdeckt wurde, wurde sie gerettet und in den Garten gesetzt. Allerdings hatte Alfred Heilbronn auch viele Samen mitgebracht und versucht sie zu integrieren.
Die Emigranten konnten sich aber nicht sicher fühlen, denn es lebten auch viele Nazis in der Türkei.
Heute ist Inken als Assistentin nach Istanbul geflogen. Sie sollen untersuchen, ob der vergessene Garten abgerissen und bebaut werden kann.
Die Konflikte von der einen und der anderen Zeit sind brillant gelöst.
Die Autorin hat mit diesem Roman wieder ein beeindruckendes Werk geschaffen.
von begine - 2026-04-16 13:22:00
Ein Buch, das bleibt und beeindruckt! - 5 Sterne
Das Cover von „Ein Ort, der bleibt“ von Sandra Lüpkes liebe ich sehr! Es ist sowohl bildlich, als auch in der Gesamtgestaltung absolut nach meinem Geschmack und es versprüht mit all den Pflanzen im Gewächshaus eine Atmosphäre, die mich sofort in ihren Bann zieht und die mich dazu verleitet, das Buch unbedingt lesen zu wollen.
Und wer diesem Ruf folgt, wird von einer ganz besonderen Geschichte empfangen:
Sie erzählt von einem ganz außergewöhnlichen Ort mitten in einer Metropole – dem botanischen Garten von Istanbul! Unzählige Pflanzen gedeihen hier, aber auch die Schicksale von ganz besonderen Menschen verbinden sich auf diesem Fleckchen Erde zu einer Geschichte. Denn 1933 kommt Magda mit ihrem jüdischen Mann und Wissenschaftler Alfred Heilbronn nach Istanbul und er legt diesen Garten an. Darin arbeitet und forscht Mehpare. Und viele Jahre später, in der heutigen Zeit, wird Imke an diesen Platz geschickt und soll als Stadtplanerin mit darüber entscheiden, wie die Zukunft dieses Ortes aussehen wird.
Sandra Lüpkes hat mich von der ersten Seite an gefesselt und mir mit diesem Buch eine sehr intensive und berührende Lesezeit geschenkt. Es ist eine leise Geschichte, die ohne Drama und Gewese von ganz „normalen“ Menschen erzählt und genau dadurch aber eine unglaubliche Tiefe, Authentizität und Intensität erreicht. Ich konnte mich, trotz der ganz anderen Lebensumstände der ProtagonistInnen, wunderbar in ihre Gefühle und Erlebnisse hinein versetzen, durfte mitfühlen und dem Fortgang der Geschichte entgegen fiebern. Ich war so eingetaucht in das Geschehen, dass mich die Handlung oft auch außerhalb der Lesezeiten stark beschäftigt hat und ich mich immer wieder dabei erwischt habe, dass ich über die Menschen im Buch und ihre Erlebnisse nachgedacht habe. Schön!
Erzählt wird die Geschichte in sehr angenehmer und flüssiger Sprache, die das Lesen leicht macht und durch die Kapitel auf den unterschiedlichen Zeitebenen und aus der Sicht verschiedener Charaktere, durfte ich diesen und dem Geschehen sehr nah kommen. Mir hat das ausgesprochen gut gefallen und es hat die Intensität des Lesererlebnisses noch einmal erhöht. Ganz besonders Anregend waren für mich auch viele Themen, denn mir war zum Beispiel bisher überhaupt nicht bewusst, dass damals deutsche Wissenschaftler in die Türkei berufen wurden und somit dem Holocaust entgehen konnten. Dabei gelingt es der Autorin meisterhaft historische und fiktive Inhalte zu einer Geschichte zu vereinen, die auch aktuelle Themen aufgreift und zum Nachdenken einlädt, die aber auch einfach wunderbar unterhält und berührt.
Die herrlich feinsinnigen und detaillierten Beschreibungen von Umgebungen und Situationen ließen Bilder in meiner Fantasie entstehen und entführten mich an genau die Orte, an denen sich die ProtagonistInnen befanden. Und auch, wenn der Roman in Zeiten spielt, die die Menschen vor große Herausforderungen stellen, so schafft es Sandra Lüpkes, dass der Geschichte eine gewisse Leichtigkeit und Hoffnung nie verloren geht. Etwas ganz besonderes wird dieses Buch dann dadurch, dass viele Situationen und Charaktere reale Vorbilder haben und die Autorin im Anhang eine Einordnung dazu abgibt, welche Inhalte historisch belegt und welche fiktiv eingearbeitet worden sind. Dies ist für mich eine hervorragende Abrundung der Geschichte und auch die Kurzbiografien der historischen Persönlichkeiten habe ich mit Freude und Interesse gelesen.
Dieses Buch ist prall gefüllt mit dem Leben an sich, mit lebensnahen und doch so besonderen Menschen und mit vielen Emotionen. Es ist authentisch, berührend und fesselnd, eine tolle Unterhaltung, aber auch eine ganz besondere Erinnerung – Ich bin begeistert und absolut überzeugt, weshalb ich „Ein Ort, der bleibt“ von Herzen gerne weiter empfehlen möchte! Viel Freude beim Lesen!
Und wer diesem Ruf folgt, wird von einer ganz besonderen Geschichte empfangen:
Sie erzählt von einem ganz außergewöhnlichen Ort mitten in einer Metropole – dem botanischen Garten von Istanbul! Unzählige Pflanzen gedeihen hier, aber auch die Schicksale von ganz besonderen Menschen verbinden sich auf diesem Fleckchen Erde zu einer Geschichte. Denn 1933 kommt Magda mit ihrem jüdischen Mann und Wissenschaftler Alfred Heilbronn nach Istanbul und er legt diesen Garten an. Darin arbeitet und forscht Mehpare. Und viele Jahre später, in der heutigen Zeit, wird Imke an diesen Platz geschickt und soll als Stadtplanerin mit darüber entscheiden, wie die Zukunft dieses Ortes aussehen wird.
Sandra Lüpkes hat mich von der ersten Seite an gefesselt und mir mit diesem Buch eine sehr intensive und berührende Lesezeit geschenkt. Es ist eine leise Geschichte, die ohne Drama und Gewese von ganz „normalen“ Menschen erzählt und genau dadurch aber eine unglaubliche Tiefe, Authentizität und Intensität erreicht. Ich konnte mich, trotz der ganz anderen Lebensumstände der ProtagonistInnen, wunderbar in ihre Gefühle und Erlebnisse hinein versetzen, durfte mitfühlen und dem Fortgang der Geschichte entgegen fiebern. Ich war so eingetaucht in das Geschehen, dass mich die Handlung oft auch außerhalb der Lesezeiten stark beschäftigt hat und ich mich immer wieder dabei erwischt habe, dass ich über die Menschen im Buch und ihre Erlebnisse nachgedacht habe. Schön!
Erzählt wird die Geschichte in sehr angenehmer und flüssiger Sprache, die das Lesen leicht macht und durch die Kapitel auf den unterschiedlichen Zeitebenen und aus der Sicht verschiedener Charaktere, durfte ich diesen und dem Geschehen sehr nah kommen. Mir hat das ausgesprochen gut gefallen und es hat die Intensität des Lesererlebnisses noch einmal erhöht. Ganz besonders Anregend waren für mich auch viele Themen, denn mir war zum Beispiel bisher überhaupt nicht bewusst, dass damals deutsche Wissenschaftler in die Türkei berufen wurden und somit dem Holocaust entgehen konnten. Dabei gelingt es der Autorin meisterhaft historische und fiktive Inhalte zu einer Geschichte zu vereinen, die auch aktuelle Themen aufgreift und zum Nachdenken einlädt, die aber auch einfach wunderbar unterhält und berührt.
Die herrlich feinsinnigen und detaillierten Beschreibungen von Umgebungen und Situationen ließen Bilder in meiner Fantasie entstehen und entführten mich an genau die Orte, an denen sich die ProtagonistInnen befanden. Und auch, wenn der Roman in Zeiten spielt, die die Menschen vor große Herausforderungen stellen, so schafft es Sandra Lüpkes, dass der Geschichte eine gewisse Leichtigkeit und Hoffnung nie verloren geht. Etwas ganz besonderes wird dieses Buch dann dadurch, dass viele Situationen und Charaktere reale Vorbilder haben und die Autorin im Anhang eine Einordnung dazu abgibt, welche Inhalte historisch belegt und welche fiktiv eingearbeitet worden sind. Dies ist für mich eine hervorragende Abrundung der Geschichte und auch die Kurzbiografien der historischen Persönlichkeiten habe ich mit Freude und Interesse gelesen.
Dieses Buch ist prall gefüllt mit dem Leben an sich, mit lebensnahen und doch so besonderen Menschen und mit vielen Emotionen. Es ist authentisch, berührend und fesselnd, eine tolle Unterhaltung, aber auch eine ganz besondere Erinnerung – Ich bin begeistert und absolut überzeugt, weshalb ich „Ein Ort, der bleibt“ von Herzen gerne weiter empfehlen möchte! Viel Freude beim Lesen!
von Sternzauber - 2026-04-15 08:04:00
Authentisch - 3 Sterne
Dieser Mehrgenerationen-Roman entführt in das Jahr 1933. Die Professorenfamilie Heilbronn verlässt, da der Vater jüdischer Abstammung ist, Deutschland und nimmt eine Stelle in Istanbul an. Er soll eine botanischen Garten in der Stadt anlegen. Mehpare wird dort seine Assistentin. In der Gegenwart reist Imke ebenfalls in die Türkei. Sie soll dort ein Gutachten erstellen über die Arbeiten des Professor Heilbronn, der damals alle möglichen Samen aus Deutschland mitgenommen hat um in Istanbul einen herrlichen botanischen Garten anzulegen.
Fazit:
Es geht in diesem athenischen Roman um drei Frauenschicksale in drei unterschiedlichen Zeiten. Der Roman ist sehr bildlich geschrieben, aber sehr gemächlich ohne viel Spannung. Interessant für Leser die sich für Botanik interessieren. Die Auflistung der Personen die im Roman vorkommen am Schluss des Buches ist sehr hilfreich.
Fazit:
Es geht in diesem athenischen Roman um drei Frauenschicksale in drei unterschiedlichen Zeiten. Der Roman ist sehr bildlich geschrieben, aber sehr gemächlich ohne viel Spannung. Interessant für Leser die sich für Botanik interessieren. Die Auflistung der Personen die im Roman vorkommen am Schluss des Buches ist sehr hilfreich.
von Pearl - 2026-04-14 18:23:00
Drei Frauen, viele Geschichten - 5 Sterne
Ein Ort der bleibt - ein schönes Buch, das ich gern empfehle.
Drei Frauen, Magda, Mehpare und Imke.
Mehpare, die in der jungen türkischen Republik schon als Schülerin für die Botanik brennt.
Dr. Magda mit ihrem Mann Prof. Alfred Heilbronn aus Münster. Alfred Heilbronn verliert seine Professorentätigkeit aufgrund jüdischer Abstammung und erhält das lebensrettende Exil in der Türkei.
Und die listenschreibende Stadtplanerin Imke, die in der heutigen Zeit beruflich nach Istanbul reist.
Was diese drei Frauen verbindet: der botanische Garten von Istanbul.
Sandra Lüpkes erzählt gekonnt, lebendig, humor- und verständnisvoll die Schicksale und Geschichten rund um die drei Frauen und die Menschen, mit denen diese arbeiten und leben.
Ich bin sehr begeistert von diesem Buch. Am Ende findet sich ein kurzes Nachwort der Autorin, wie der Roman entstanden ist und eine Liste der historischen Personen.
Fazit: sehr lesenswert!
Drei Frauen, Magda, Mehpare und Imke.
Mehpare, die in der jungen türkischen Republik schon als Schülerin für die Botanik brennt.
Dr. Magda mit ihrem Mann Prof. Alfred Heilbronn aus Münster. Alfred Heilbronn verliert seine Professorentätigkeit aufgrund jüdischer Abstammung und erhält das lebensrettende Exil in der Türkei.
Und die listenschreibende Stadtplanerin Imke, die in der heutigen Zeit beruflich nach Istanbul reist.
Was diese drei Frauen verbindet: der botanische Garten von Istanbul.
Sandra Lüpkes erzählt gekonnt, lebendig, humor- und verständnisvoll die Schicksale und Geschichten rund um die drei Frauen und die Menschen, mit denen diese arbeiten und leben.
Ich bin sehr begeistert von diesem Buch. Am Ende findet sich ein kurzes Nachwort der Autorin, wie der Roman entstanden ist und eine Liste der historischen Personen.
Fazit: sehr lesenswert!
von literaturfreundin - 2026-04-13 00:58:00
Drei Frauen in Istanbul - 4 Sterne
Ich habe schon länger kein Buch von Sandra Lüpkes gelesen, aber habe mich sehr auf dieses Buch gefreut. Vor dem Regime der Nationalsozialisten flieht die Familie Heilbronn aus Münster nach Istanbul, um dort für Atatürk einen botanischen Garten zu gestalten.
Im Mittelpunkt dieses Romans stehen allerdings nicht der Botaniker oder Atatürk, sondern drei Frauen. Da ist zuerst einmal Alfreds Ehefrau Magda, wie er ist auch sie Biologin und agiert mehr im Hintergrund bzw. in Gesprächen mit ihrem Ehemann. Konkrete Mitarbeit leistet die Biologin Mehpare, die mithilft, den botanischen Garten aufzubauen.
Und dann gibt es noch eine zweite chronologische Ebene, die in der Gegenwart angesiedelt ist. Hier reist die Stadtplanerin Imke nach Istanbul, um nach den Spuren des botanischen Gartens und der Heilbronns zu schauen.
Drei Frauen, viel historischer Hintergrund und aktuelle Informationen zur Türkei und gut geschrieben.
Im Mittelpunkt dieses Romans stehen allerdings nicht der Botaniker oder Atatürk, sondern drei Frauen. Da ist zuerst einmal Alfreds Ehefrau Magda, wie er ist auch sie Biologin und agiert mehr im Hintergrund bzw. in Gesprächen mit ihrem Ehemann. Konkrete Mitarbeit leistet die Biologin Mehpare, die mithilft, den botanischen Garten aufzubauen.
Und dann gibt es noch eine zweite chronologische Ebene, die in der Gegenwart angesiedelt ist. Hier reist die Stadtplanerin Imke nach Istanbul, um nach den Spuren des botanischen Gartens und der Heilbronns zu schauen.
Drei Frauen, viel historischer Hintergrund und aktuelle Informationen zur Türkei und gut geschrieben.
von lectrice - 2026-04-12 18:37:00
Wenn Wurzeln wandern – und dennoch bleiben - 3 Sterne
E s beginnt nicht mit einem Ort, sondern mit einem Verlust: Münster, 1933. Eine Tür schließt sich, weil ein Name plötzlich nicht mehr dazugehört. Und während Alfred Heilbronn seine Professur verliert, beginnt etwas, das sich erst viel später als Anfang begreifen lässt.
Sandra Lüpkes erzählt in Ein Ort, der bleibt keine klassische Exilgeschichte – sie pflanzt sie. Und wie jede Pflanze wächst auch diese Geschichte nicht geradlinig, sondern verzweigt sich, schlägt unerwartete Richtungen ein, treibt neu aus. Zwischen Münster und Istanbul, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen drei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Weise versuchen, sich selbst zu verorten.
Magda trägt Samen im Gepäck – nicht nur botanische, sondern auch Erinnerungen, Hoffnungen, vielleicht sogar ein Stück Trotz. Ihre Reise nach Istanbul fühlt sich nicht wie ein Neuanfang an, sondern wie ein vorsichtiges Weiteratmen. Und doch entsteht am Bosporus etwas, das größer ist als Exil: ein Ort, an dem Wissen, Sehnsucht und Überleben ineinander verwurzeln.
Besonders leuchtet für mich Mehpare. Inmitten von Pflanzen, die katalogisiert, benannt und verstanden werden, bleibt ausgerechnet das eigene Innenleben ein Rätsel. Ihre Geschichte hat eine leise Wucht – sie erzählt von Verlust, von Unsichtbarkeit, aber auch von dem Moment, in dem man gezwungen ist, sich selbst zu begegnen. Es ist diese feine psychologische Tiefe, die Lüpkes Figuren nicht nur lebendig, sondern spürbar macht.
Und dann ist da Imke, Jahrzehnte später – eine Frau, die glaubt, einen Ort analysieren zu können, ohne zu ahnen, dass dieser Ort längst begonnen hat, sie zu verändern. Hier zeigt sich die große Stärke des Romans: Zeit ist kein linearer Verlauf, sondern ein Geflecht. Entscheidungen, die einst aus Not getroffen wurden, wirken nach – in Landschaften, in Biografien, in Fragen, die nie ganz verschwinden.
Was mich besonders fasziniert hat, ist die Verbindung von Botanik und Biografie. Pflanzen werden hier nicht zur Kulisse, sondern zur Sprache: für Migration, Anpassung, Widerstand. Was bedeutet es, Wurzeln zu schlagen – wenn der Boden fremd ist? Und ist Heimat ein Ort oder ein Prozess?
Dabei schwingt stets eine leise historische Erkenntnis mit, die mich wirklich überrascht hat: die Rolle der Türkei als Zufluchtsort für verfolgte Wissenschaftler:innen. Lüpkes gelingt es, dieses Kapitel nicht trocken zu erzählen, sondern es mit Leben zu füllen – mit Gerüchen, Stimmen, Beziehungen. Istanbul wird dabei mehr als nur Schauplatz: eine vibrierende, widersprüchliche, zutiefst menschliche Stadt.
Dieser Roman ist kein reines Wohlfühlbuch – und genau das macht ihn so besonders. Er fordert, berührt und bleibt. Wie ein Garten, den man einmal betreten hat und dessen Wege man im Kopf weitergeht.
Oder anders gesagt: Ein Ort, der bleibt ist kein Ort. Es ist ein Gefühl, das Wurzeln schlägt, lange nachdem man die letzte Seite gelesen hat!
Sandra Lüpkes erzählt in Ein Ort, der bleibt keine klassische Exilgeschichte – sie pflanzt sie. Und wie jede Pflanze wächst auch diese Geschichte nicht geradlinig, sondern verzweigt sich, schlägt unerwartete Richtungen ein, treibt neu aus. Zwischen Münster und Istanbul, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen drei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Weise versuchen, sich selbst zu verorten.
Magda trägt Samen im Gepäck – nicht nur botanische, sondern auch Erinnerungen, Hoffnungen, vielleicht sogar ein Stück Trotz. Ihre Reise nach Istanbul fühlt sich nicht wie ein Neuanfang an, sondern wie ein vorsichtiges Weiteratmen. Und doch entsteht am Bosporus etwas, das größer ist als Exil: ein Ort, an dem Wissen, Sehnsucht und Überleben ineinander verwurzeln.
Besonders leuchtet für mich Mehpare. Inmitten von Pflanzen, die katalogisiert, benannt und verstanden werden, bleibt ausgerechnet das eigene Innenleben ein Rätsel. Ihre Geschichte hat eine leise Wucht – sie erzählt von Verlust, von Unsichtbarkeit, aber auch von dem Moment, in dem man gezwungen ist, sich selbst zu begegnen. Es ist diese feine psychologische Tiefe, die Lüpkes Figuren nicht nur lebendig, sondern spürbar macht.
Und dann ist da Imke, Jahrzehnte später – eine Frau, die glaubt, einen Ort analysieren zu können, ohne zu ahnen, dass dieser Ort längst begonnen hat, sie zu verändern. Hier zeigt sich die große Stärke des Romans: Zeit ist kein linearer Verlauf, sondern ein Geflecht. Entscheidungen, die einst aus Not getroffen wurden, wirken nach – in Landschaften, in Biografien, in Fragen, die nie ganz verschwinden.
Was mich besonders fasziniert hat, ist die Verbindung von Botanik und Biografie. Pflanzen werden hier nicht zur Kulisse, sondern zur Sprache: für Migration, Anpassung, Widerstand. Was bedeutet es, Wurzeln zu schlagen – wenn der Boden fremd ist? Und ist Heimat ein Ort oder ein Prozess?
Dabei schwingt stets eine leise historische Erkenntnis mit, die mich wirklich überrascht hat: die Rolle der Türkei als Zufluchtsort für verfolgte Wissenschaftler:innen. Lüpkes gelingt es, dieses Kapitel nicht trocken zu erzählen, sondern es mit Leben zu füllen – mit Gerüchen, Stimmen, Beziehungen. Istanbul wird dabei mehr als nur Schauplatz: eine vibrierende, widersprüchliche, zutiefst menschliche Stadt.
Dieser Roman ist kein reines Wohlfühlbuch – und genau das macht ihn so besonders. Er fordert, berührt und bleibt. Wie ein Garten, den man einmal betreten hat und dessen Wege man im Kopf weitergeht.
Oder anders gesagt: Ein Ort, der bleibt ist kein Ort. Es ist ein Gefühl, das Wurzeln schlägt, lange nachdem man die letzte Seite gelesen hat!
von nil_liest - 2026-04-12 15:19:00


