Rezensionen
Als wir im Schnee Blumen pflückten
Roman | DER große Familienroman aus Schweden über ein samisches Paar auf seinem letzten Weg
Autor: Tina Harnesk
Erschienen 2024 bei List Verlag
ISBN 978-3-471-36070-5
Familienzusammenhalt - 4 Sterne
Der Winter im Norden Schwedens ist hart, besonders für das alte, kinderlose, samische Paar Mariddja und Biera, die in einem inzwischen heruntergekommenen Haus leben. Sie hat gerade von der Krebsdiagnose erfahren, sie hat nicht mehr lange zu leben. Ihr Mann Biera ist dement und benötigt ihre Hilfe. Doch Hilfe von anderen wollen sie nicht. Mariddjas größter Wunsch ist es, den Sohn von Biera Schwester noch mal zu sehen, dass Kind, dass eine Weile bei ihnen lebte um dann mit der Mutter plötzlich und unauffindbar verschwunden ist. Ihren Kummer teilt sie der netten Telefonistin Siri mit, die sie um Hilfe bei der Suche bittet.
Ein weiterer Handlungsstrang befasst sich mit einem jungen Paar, Mimmi und Kaj sind in die von Samen bewohnte Gegend gezogen, nachdem Kajs Mutter starb.
Der Roman fängt langsam, und leider auch ein wenig langweilig an, doch man wird belohnt, wenn man dabei bleibt. Viel wird über die samische Kultur, deren Mythen und die Zeit der Zwangsumsiedlung erzählt. Wichtig ist ihnen die Fürsorge füreinander und der Familienzusammenhalt. Aber auch Probleme, die jeden von uns betreffen können, wie Krebs oder Demenz, die Hilfsbedürftigkeit alter Menschen oder der Neuanfang eines jungen Paares werden thematisiert. Die Sprache ist ruhig und bildhaft.
Ein weiterer Handlungsstrang befasst sich mit einem jungen Paar, Mimmi und Kaj sind in die von Samen bewohnte Gegend gezogen, nachdem Kajs Mutter starb.
Der Roman fängt langsam, und leider auch ein wenig langweilig an, doch man wird belohnt, wenn man dabei bleibt. Viel wird über die samische Kultur, deren Mythen und die Zeit der Zwangsumsiedlung erzählt. Wichtig ist ihnen die Fürsorge füreinander und der Familienzusammenhalt. Aber auch Probleme, die jeden von uns betreffen können, wie Krebs oder Demenz, die Hilfsbedürftigkeit alter Menschen oder der Neuanfang eines jungen Paares werden thematisiert. Die Sprache ist ruhig und bildhaft.
von Ulla - 2025-01-26 12:25:00
Melancholische Familiengeschichte - 4 Sterne
In ihrem mit einem wunderschönen Cover gestalteten Debütroman, der in Schweden als Buch des Jahres 2023 ausgezeichnet wurde, erzählt die schwedische Autorin Tina Harnesk die Geschichte eines hochbetagten Ehepaares, das in Nordschweden in einem alten, heruntergekommenen Haus lebt und zunehmend verwahrlost.
Als die alte Samin Máriddja von ihrer Ärztin erfährt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist, beschließt sie, dass ihr demenzkranker Mann Biera nicht davon erfahren darf, er würde es nicht verkraften. Von einer häuslichen Unterstützung will Máriddja nichts hören. Damit die Behörden sie nicht anrufen können, um sich nach ihrem Zustand zu erkundigen, entsorgt sie auf dem Heimweg kurzerhand ihr Handy. Sie weiß, dass sie bald sterben wird und wünscht sich sehnlichst, ihren Neffen Heaika-Joná wiederzusehen, der vor vielen Jahren bei ihnen lebte und dem sie und Biera ihre ganze Liebe schenkten.
Auf einer zweiten Erzählebene lernen wir das Ärzteehepaar Kaj und Mimmi kennen. Die beiden sind nach dem Tod von Kajs Mutter von der Stadt aufs Land gezogen und dabei, sich in ihrer neuen Umgebung einzuleben. Das besondere Vermächtnis von Kajs Mutter gibt ihnen Rätsel auf, die es zu lösen gibt.
Die Geschichte ist in schöner und ruhiger Sprache erzählt und liest sich sehr flüssig. Die Figuren sind liebevoll und tiefgründig gezeichnet, ich konnte sie mir gut vorstellen: die eigensinnige und kämpferische Máriddja, die trotz ihrer schweren Krankheit jede Hilfe von außen strikt ablehnt, und der zufriedene Biera, der immer mehr in seiner eigenen Welt versinkt. Kaj und Mimmi fand ich sehr sympathisch, beide sind Ärzte aus Leidenschaft und suchen die Ruhe auf dem Land.
Auch wenn das Ende der bewegenden Geschichte früh zu erahnen ist, habe ich das Buch, in dem es neben Liebe, Sehnsucht und Heimat auch um Trauer und Elternschaft geht, sehr gern gelesen. Die Passagen, in denen sich Máriddja mit Sire, einer KI-gestützten Telefonstimme, auf Bieras neuem Handy unterhält, sind berührend und amüsant. Neben der Familiengeschichte der Protagonisten habe ich viel über die mir bis dahin unbekannte Geschichte der Samen sowie über ihre Tradtionen, Bräuche und ihren Aberglauben erfahren. Auch die Zwangsaussiedlungen der Samen werden von der Autorin thematisiert.
Der Roman enthält zahlreiche samische Begriffe, deren Bedeutung mir nicht bekannt ist. Hier hätte ich mir ein erklärendes Glossar am Ende des Buches gewünscht.
Leseempfehlung für diese gefühlvolle und fesselnde Geschichte!
Als die alte Samin Máriddja von ihrer Ärztin erfährt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist, beschließt sie, dass ihr demenzkranker Mann Biera nicht davon erfahren darf, er würde es nicht verkraften. Von einer häuslichen Unterstützung will Máriddja nichts hören. Damit die Behörden sie nicht anrufen können, um sich nach ihrem Zustand zu erkundigen, entsorgt sie auf dem Heimweg kurzerhand ihr Handy. Sie weiß, dass sie bald sterben wird und wünscht sich sehnlichst, ihren Neffen Heaika-Joná wiederzusehen, der vor vielen Jahren bei ihnen lebte und dem sie und Biera ihre ganze Liebe schenkten.
Auf einer zweiten Erzählebene lernen wir das Ärzteehepaar Kaj und Mimmi kennen. Die beiden sind nach dem Tod von Kajs Mutter von der Stadt aufs Land gezogen und dabei, sich in ihrer neuen Umgebung einzuleben. Das besondere Vermächtnis von Kajs Mutter gibt ihnen Rätsel auf, die es zu lösen gibt.
Die Geschichte ist in schöner und ruhiger Sprache erzählt und liest sich sehr flüssig. Die Figuren sind liebevoll und tiefgründig gezeichnet, ich konnte sie mir gut vorstellen: die eigensinnige und kämpferische Máriddja, die trotz ihrer schweren Krankheit jede Hilfe von außen strikt ablehnt, und der zufriedene Biera, der immer mehr in seiner eigenen Welt versinkt. Kaj und Mimmi fand ich sehr sympathisch, beide sind Ärzte aus Leidenschaft und suchen die Ruhe auf dem Land.
Auch wenn das Ende der bewegenden Geschichte früh zu erahnen ist, habe ich das Buch, in dem es neben Liebe, Sehnsucht und Heimat auch um Trauer und Elternschaft geht, sehr gern gelesen. Die Passagen, in denen sich Máriddja mit Sire, einer KI-gestützten Telefonstimme, auf Bieras neuem Handy unterhält, sind berührend und amüsant. Neben der Familiengeschichte der Protagonisten habe ich viel über die mir bis dahin unbekannte Geschichte der Samen sowie über ihre Tradtionen, Bräuche und ihren Aberglauben erfahren. Auch die Zwangsaussiedlungen der Samen werden von der Autorin thematisiert.
Der Roman enthält zahlreiche samische Begriffe, deren Bedeutung mir nicht bekannt ist. Hier hätte ich mir ein erklärendes Glossar am Ende des Buches gewünscht.
Leseempfehlung für diese gefühlvolle und fesselnde Geschichte!
von Bücherfreundin - 2025-01-25 20:07:00
Starke Charaktere und eine Geschichte mit Tragik, Humor und Kreativität - 4 Sterne
Im Norden Schwedens: Máriddja ist sterbenskrank und ihr Gatte Biera schwindet immer mehr in die Demenz. Stur wie die alte Samin ist, lässt sie sich nicht behandeln und kämpft an verschiedenen Fronten gegen jegliche Hilfe oder Kontaktaufnahme. Nur ihre Vergangenheit lässt sie nicht los und immer wieder kehren ihre Gedanken zu ihrem verlorengegangenen Neffen, dem sie einst ihre ganze Liebe schenkte. Eine Freundin findet sie in der Stimme aus der "Telefonapparatmaschine" namens Sire, die sie bei ihren Vorhaben kräftigend zu unterstützen scheint.
Tina Harnesk ist ein humorvoller wie auch tragischer Roman zugleich gelungen, der eine bewegende Familiengeschichte als Kern hat. Die Autorin glänzt mit besonders kreativen Metaphern, die mich oft zum Lachen gebracht haben. Die Hauptfigur Máriddja ist eine sture und eigenwillige alte Dame, die für meinen Geschmack aber oft zu überspitzt gezeichnet wurde. Sie wartet mit Ideen und Handlungen auf, die teils martialisch sind, teils überhaupt nicht nachvollziehbar - allerdings werden sie im weiteren Geschehen des Romans allesamt aufgelöst und dadurch entsteht ein tief gezeichnetes Bild der Gedankenwelt der Protagonistin. Die Figur ihres Gatten Biera ist hingegen besonders gut gelungen und er scheint in seiner dementen Welt sehr glücklich zu sein - ich finde es schön, dass hier das Thema Demenz eben nicht mit der üblichen, drückenden Schwere beschrieben wird. Weitere Nebenfiguren werden ebenso liebevoll und detailreich gezeichnet und für mich war es ein Genuss, den einzelnen Figuren zu folgen.
Besonders hervorzuheben ist auch, dass die Autorin das dunkle Kapitel Schwedischer Geschichte, bei der es um Zwangsumsiedlungen der Sami geht, immer wieder in die Geschichte einwebt, darauf aufmerksam macht, aber nicht zu aufdringlich den mahnenden Zeigefinger hebt, sondern einfach beschreibt, welche Auswirkungen die Umsiedelungen auf die indigene Bevölkerung in ihrer emotionalen Grundfeste hatte. Überhaupt - wie sie die Besonderheiten der Sami beschreibt, ist wunderschön. Anfangs dachte ich mir, dass es gut gewesen wäre, wenn sie einige Begriffe erörtert hätte, aber Harnesk schafft es ohne eine explizite Erklärung, den Leser:innen zu Verstehen zu geben, was gewisse Ausdrücke bedeuten.
Überhaupt ist ihre Sprache sehr bildgewaltig, kreativ und flexibel und doch schafft sie es, ihren Charakteren eine Tiefe zu verleihen. Ab und an übertreibt sie es aber für meinen Geschmack mit der Kreativität, manche Handlungen sind mir zu übertrieben ausgeartet und an etlichen Stellen zieht sich der Text in die Länge. Das entschuldigt aber das berührende Ende, das in einem langsam herangeführten und stimmigen Aufgang aller Handlungsstränge mündet.
Mein Fazit: "Als wir im Schnee Blumen pflückten" ist ein lesenswerter Roman über eine tragische Familiengeschichte im hohen Norden mit samischen Elementen, der humorvolle, manchmal auch übertriebene Momente hat und sich durch stark gezeichnete Charaktere auszeichnet. Trotzdem es zwischendurch seine Längen hat, werden die Leser:innen am Ende mit einem stimmigen Ausgang belohnt.
Tina Harnesk ist ein humorvoller wie auch tragischer Roman zugleich gelungen, der eine bewegende Familiengeschichte als Kern hat. Die Autorin glänzt mit besonders kreativen Metaphern, die mich oft zum Lachen gebracht haben. Die Hauptfigur Máriddja ist eine sture und eigenwillige alte Dame, die für meinen Geschmack aber oft zu überspitzt gezeichnet wurde. Sie wartet mit Ideen und Handlungen auf, die teils martialisch sind, teils überhaupt nicht nachvollziehbar - allerdings werden sie im weiteren Geschehen des Romans allesamt aufgelöst und dadurch entsteht ein tief gezeichnetes Bild der Gedankenwelt der Protagonistin. Die Figur ihres Gatten Biera ist hingegen besonders gut gelungen und er scheint in seiner dementen Welt sehr glücklich zu sein - ich finde es schön, dass hier das Thema Demenz eben nicht mit der üblichen, drückenden Schwere beschrieben wird. Weitere Nebenfiguren werden ebenso liebevoll und detailreich gezeichnet und für mich war es ein Genuss, den einzelnen Figuren zu folgen.
Besonders hervorzuheben ist auch, dass die Autorin das dunkle Kapitel Schwedischer Geschichte, bei der es um Zwangsumsiedlungen der Sami geht, immer wieder in die Geschichte einwebt, darauf aufmerksam macht, aber nicht zu aufdringlich den mahnenden Zeigefinger hebt, sondern einfach beschreibt, welche Auswirkungen die Umsiedelungen auf die indigene Bevölkerung in ihrer emotionalen Grundfeste hatte. Überhaupt - wie sie die Besonderheiten der Sami beschreibt, ist wunderschön. Anfangs dachte ich mir, dass es gut gewesen wäre, wenn sie einige Begriffe erörtert hätte, aber Harnesk schafft es ohne eine explizite Erklärung, den Leser:innen zu Verstehen zu geben, was gewisse Ausdrücke bedeuten.
Überhaupt ist ihre Sprache sehr bildgewaltig, kreativ und flexibel und doch schafft sie es, ihren Charakteren eine Tiefe zu verleihen. Ab und an übertreibt sie es aber für meinen Geschmack mit der Kreativität, manche Handlungen sind mir zu übertrieben ausgeartet und an etlichen Stellen zieht sich der Text in die Länge. Das entschuldigt aber das berührende Ende, das in einem langsam herangeführten und stimmigen Aufgang aller Handlungsstränge mündet.
Mein Fazit: "Als wir im Schnee Blumen pflückten" ist ein lesenswerter Roman über eine tragische Familiengeschichte im hohen Norden mit samischen Elementen, der humorvolle, manchmal auch übertriebene Momente hat und sich durch stark gezeichnete Charaktere auszeichnet. Trotzdem es zwischendurch seine Längen hat, werden die Leser:innen am Ende mit einem stimmigen Ausgang belohnt.
von Kwinsu - 2025-01-06 02:09:00
Raue Schwedin - 5 Sterne
Das Gemälde auf dem Cover von „Als wir im Schnee Blumen pflückten“ lässt einen sofort die unendliche Weite Schwedens spüren, wo dieses Buch spielt. Wir begleiten Marridja, die sich nach einer terminalen Diagnose auf die Suche nach ihrem Neffen macht.
Harnesk hat das Erzähltalent ihrer samischen Vorfahren geerbt. Wir tauchen tief in Mariddjas Denken und Erleben ein – ihre harte, aber herzliche Liebe zu ihrem dementen Mann, ihre unantastbaren Wertvorstellungen und Selbstbild, ihre naiven Versuche, ihren Neffen wiederzufinden, ihre mutige Aufarbeitung der schwierigen Beziehung zu ihrer Schwägerin, ihr trotziger Lebenswille, ihre eigenwillige Herangehensweise an moderne Technik – so tief, dass wir manches erst nach und nach erfahren, wenn die Außensicht von anderen dazukommt. Man erlebt, wie dramatische Lebensumstände wie Vertreibung und Armut so zu einem Teil der eigenen Existenz werden, dass man sie kaum wahrnimmt. Das hat mir bisweilen beim Lesen fast den Atem geraubt. Durch diese Nähe schließt man Mariddja trotz ihrer Verschrobenheit und ihrer bisweiligen Missachtung aller Regeln ins Herz.
Die Handlung entwickelt sich unaufgeregt, wir beobachten einzelne Episoden aus dem Leben des Paares über viele Wochen und oft passiert im Außen wenig, trotzdem habe ich durchgehend gerne weitergelesen. Harnesks Art zu erzählen, der nicht gefühllose, aber unverstellte Umgang ihrer Protagonisten mit den Schicksalsschlägen in ihrem Leben hat mich sehr in seinen Bann gezogen. Gleichzeitig schildert sie mit einer unvergleichlich trockenen Art absurde Situationen, die mich zwischendurch immer wieder zum Lachen gebracht haben. Auch den Einblick in die Geschichte der samischen Urbevölkerung Schwedens fand ich spannend. Ein kleiner Wermutstropfen war ein fehlendes Glossar für die samischen Begriffe, wodurch man sich bestimmte Details nur im Nachhinein erschließen kann.
Insgesamt ein unter seiner Rauheit sehr feinfühliges und damit lesenswertes Buch.
Harnesk hat das Erzähltalent ihrer samischen Vorfahren geerbt. Wir tauchen tief in Mariddjas Denken und Erleben ein – ihre harte, aber herzliche Liebe zu ihrem dementen Mann, ihre unantastbaren Wertvorstellungen und Selbstbild, ihre naiven Versuche, ihren Neffen wiederzufinden, ihre mutige Aufarbeitung der schwierigen Beziehung zu ihrer Schwägerin, ihr trotziger Lebenswille, ihre eigenwillige Herangehensweise an moderne Technik – so tief, dass wir manches erst nach und nach erfahren, wenn die Außensicht von anderen dazukommt. Man erlebt, wie dramatische Lebensumstände wie Vertreibung und Armut so zu einem Teil der eigenen Existenz werden, dass man sie kaum wahrnimmt. Das hat mir bisweilen beim Lesen fast den Atem geraubt. Durch diese Nähe schließt man Mariddja trotz ihrer Verschrobenheit und ihrer bisweiligen Missachtung aller Regeln ins Herz.
Die Handlung entwickelt sich unaufgeregt, wir beobachten einzelne Episoden aus dem Leben des Paares über viele Wochen und oft passiert im Außen wenig, trotzdem habe ich durchgehend gerne weitergelesen. Harnesks Art zu erzählen, der nicht gefühllose, aber unverstellte Umgang ihrer Protagonisten mit den Schicksalsschlägen in ihrem Leben hat mich sehr in seinen Bann gezogen. Gleichzeitig schildert sie mit einer unvergleichlich trockenen Art absurde Situationen, die mich zwischendurch immer wieder zum Lachen gebracht haben. Auch den Einblick in die Geschichte der samischen Urbevölkerung Schwedens fand ich spannend. Ein kleiner Wermutstropfen war ein fehlendes Glossar für die samischen Begriffe, wodurch man sich bestimmte Details nur im Nachhinein erschließen kann.
Insgesamt ein unter seiner Rauheit sehr feinfühliges und damit lesenswertes Buch.
von Chrystally - 2025-01-02 22:13:00
Nicht ganz was ich erwartet hatte - 3 Sterne
Der Titel hat mir richtig gut gefallen und auch die Prämisse klang spannend: eine Frau verheimlicht ihrem dementen Ehemann, dass sie schwer erkrankt ist und versucht stattdessen mit Hilfe einer KI-Stimme in ihrem Handy, ihren verschollenen Ziehsohn zu finden.
Aber leider ist diese Storyline nur eine von vielen und schöpft ihr Potenzial nicht aus. Es mag auch sein, dass ihr hier einfach eine falsche Vorstellung hatte, aber ich hätte mir diesen Teil der Geschichte irgendwie witziger vorgestellt.
Zudem springt die Erzählung zwischen verschiedenen Ebenen und Perspektiven, was mich ehrlich gesagt ein wenig verwirrt hat. Das ständige Hin und Her macht es für mich unnötig schwer, in die Geschichte einzutauchen und die Charaktere kennenzulernen. Es braucht auch immer kurz am Anfang eines Kapitels, um sich in die entsprechende Konstellation einzufinden.
Ich bin dennoch froh, dass ich bis zum Ende durchgehalten habe, denn im letzten Viertel hat es mich dann doch irgendwie gepackt. Es kommen einige Informationen ans Licht, die noch einmal beeinflussen, wie man das Gelesene bzw. Gehörte wahrnimmt und der Abschluss von Mariddjas und Bieras Geschichte war gleichzeitig traurig und auch was fürs Herz.
Das letzte Kapitel wirkte auf mich dann leider etwas aufgesetzt und so, als hätte man es angehängt, um eine politische Aussage zu machen. Schade nach diesem eigentlich sehr schönen Schluss.
Was mich aber leider am meisten gestört hat - und das ist eher selten der Fall - ist die Sprache. Auf der einen Seite wurden die blumigsten Metaphern verwendet und die Sätze lasen sich fast lyrisch, auf der anderen Seite fanden sich eher derbe, schroffe Worte und das hat für mich überhaupt nicht zusammengepasst. Ich habe mich öfter dabei ertappt, wie ich mit den Augen gerollt habe, wenn ein ganz trivialer Sachverhalt poetisch überhöht wurde.
Ich glaube, zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich nicht die richtige Leserin für das Buch war. Ich bin mir aber sicher, dass es anderen Menschen bestimmt richtig gut gefällt, weil durchaus viel Potenzial drin steckt. Also lasst euch von meiner Meinung nicht abschrecken!
Aber leider ist diese Storyline nur eine von vielen und schöpft ihr Potenzial nicht aus. Es mag auch sein, dass ihr hier einfach eine falsche Vorstellung hatte, aber ich hätte mir diesen Teil der Geschichte irgendwie witziger vorgestellt.
Zudem springt die Erzählung zwischen verschiedenen Ebenen und Perspektiven, was mich ehrlich gesagt ein wenig verwirrt hat. Das ständige Hin und Her macht es für mich unnötig schwer, in die Geschichte einzutauchen und die Charaktere kennenzulernen. Es braucht auch immer kurz am Anfang eines Kapitels, um sich in die entsprechende Konstellation einzufinden.
Ich bin dennoch froh, dass ich bis zum Ende durchgehalten habe, denn im letzten Viertel hat es mich dann doch irgendwie gepackt. Es kommen einige Informationen ans Licht, die noch einmal beeinflussen, wie man das Gelesene bzw. Gehörte wahrnimmt und der Abschluss von Mariddjas und Bieras Geschichte war gleichzeitig traurig und auch was fürs Herz.
Das letzte Kapitel wirkte auf mich dann leider etwas aufgesetzt und so, als hätte man es angehängt, um eine politische Aussage zu machen. Schade nach diesem eigentlich sehr schönen Schluss.
Was mich aber leider am meisten gestört hat - und das ist eher selten der Fall - ist die Sprache. Auf der einen Seite wurden die blumigsten Metaphern verwendet und die Sätze lasen sich fast lyrisch, auf der anderen Seite fanden sich eher derbe, schroffe Worte und das hat für mich überhaupt nicht zusammengepasst. Ich habe mich öfter dabei ertappt, wie ich mit den Augen gerollt habe, wenn ein ganz trivialer Sachverhalt poetisch überhöht wurde.
Ich glaube, zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich nicht die richtige Leserin für das Buch war. Ich bin mir aber sicher, dass es anderen Menschen bestimmt richtig gut gefällt, weil durchaus viel Potenzial drin steckt. Also lasst euch von meiner Meinung nicht abschrecken!
von EvaLiest - 2024-12-18 10:33:00
Eine berührende Reise durch Verlust, Verbundenheit und samische Identität - 4 Sterne
Tina Harnesks Debütroman ist kein leicht verdaulicher Snack für zwischendurch, sondern ein intensives Werk, das sich wie eine leise Melodie ins Herz schleicht. Die Geschichte, die im hohen Norden Schwedens spielt, erzählt von Heimat, Verlust und der Kraft familiärer Bindungen – eingebettet in die kulturellen und historischen Wurzeln der Samen.
Im Zentrum stehen zwei Protagonisten: Máriddja, eine ältere Samin, die nach ihrer Krebsdiagnose entschlossen ist, ihren Neffen Heaika-Joná ein letztes Mal zu sehen, und Kaj, ein Arzt, der durch seine Rückkehr in den Norden mit seinen samischen Wurzeln konfrontiert wird. Beide Geschichten verweben sich meisterhaft und offenbaren nach und nach tiefe, verbindende Fäden. Máriddjas Alltag mit ihrem dementen Mann Biera ist von bittersüßer Melancholie geprägt, während Kajs Suche nach Identität und Zugehörigkeit eine zusätzliche Dimension hinzufügt.
Was Harnesk hier erschafft, ist eine stille, aber kraftvolle Erzählung, die sich wie das Schälen einer Zwiebel anfühlt: Schicht um Schicht wird freigelegt, bis die ganze emotionale Wucht der Geschichte auf den Leser trifft. Besonders Máriddjas unerwartete Verbindung zu einer virtuellen Telefonstimme, „Siré“, bringt eine charmante und gleichzeitig tiefgründige Leichtigkeit in die ansonsten ernste Handlung.
Der Schreibstil ist poetisch und bildhaft, manchmal jedoch so reich an Metaphern und samischen Begriffen, dass es einen Moment dauert, um vollständig in die Welt einzutauchen. Diese sprachliche Herausforderung mag nicht jedem liegen, doch sie verleiht der Geschichte eine authentische Tiefe, die lange nachhallt.
Das Cover und der Titel spiegeln die Atmosphäre des Romans perfekt wider – gleichzeitig verspielt und von Vergänglichkeit durchzogen. Trotz der Schwere des Themas bleibt am Ende ein Gefühl von Hoffnung und Verbundenheit.
Mit 4 von 5 Sternen bewerte ich dieses Buch als eine anspruchsvolle, aber lohnende Lektüre, die nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Ein literarischer Schatz, der die Stimme der Samen hörbar macht und zugleich eine universelle Botschaft über Familie und Identität erzählt.
Im Zentrum stehen zwei Protagonisten: Máriddja, eine ältere Samin, die nach ihrer Krebsdiagnose entschlossen ist, ihren Neffen Heaika-Joná ein letztes Mal zu sehen, und Kaj, ein Arzt, der durch seine Rückkehr in den Norden mit seinen samischen Wurzeln konfrontiert wird. Beide Geschichten verweben sich meisterhaft und offenbaren nach und nach tiefe, verbindende Fäden. Máriddjas Alltag mit ihrem dementen Mann Biera ist von bittersüßer Melancholie geprägt, während Kajs Suche nach Identität und Zugehörigkeit eine zusätzliche Dimension hinzufügt.
Was Harnesk hier erschafft, ist eine stille, aber kraftvolle Erzählung, die sich wie das Schälen einer Zwiebel anfühlt: Schicht um Schicht wird freigelegt, bis die ganze emotionale Wucht der Geschichte auf den Leser trifft. Besonders Máriddjas unerwartete Verbindung zu einer virtuellen Telefonstimme, „Siré“, bringt eine charmante und gleichzeitig tiefgründige Leichtigkeit in die ansonsten ernste Handlung.
Der Schreibstil ist poetisch und bildhaft, manchmal jedoch so reich an Metaphern und samischen Begriffen, dass es einen Moment dauert, um vollständig in die Welt einzutauchen. Diese sprachliche Herausforderung mag nicht jedem liegen, doch sie verleiht der Geschichte eine authentische Tiefe, die lange nachhallt.
Das Cover und der Titel spiegeln die Atmosphäre des Romans perfekt wider – gleichzeitig verspielt und von Vergänglichkeit durchzogen. Trotz der Schwere des Themas bleibt am Ende ein Gefühl von Hoffnung und Verbundenheit.
Mit 4 von 5 Sternen bewerte ich dieses Buch als eine anspruchsvolle, aber lohnende Lektüre, die nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Ein literarischer Schatz, der die Stimme der Samen hörbar macht und zugleich eine universelle Botschaft über Familie und Identität erzählt.
von FogandBooks - 2024-12-04 11:48:00
Einsamkeit im Norden - 3 Sterne
Biera und Mariddja leben allein in einer Hütte hoch oben im Norden Schwedens. Beide sind sie alt, und Mariddja hat gerade erst erfahren, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Vor Biera will sie das jedoch geheimhalten, da er längst dement ist und sie ihm nicht auch noch ihre eigene Krankheit zumuten kann. Hilfe wollen die beiden auf keinen Fall - sie werden bleiben, wo sie immer waren. Und sie kommen ja auch gut zurecht, findet Mariddja. Trotzdem freut sie sich sehr, als sie eines Tages in der Telofonistin in Bieras Smartphone eine etwas freche, aber sehr nette Gesprächspartnerin entdeckt. Mariddja beginnt, fast täglich mit Siré (in der der*die Leser*in unschwer "Siri" erkennen wird) zu telefonieren, und es kommt zu einigen sehr skurrilen Situationen. Für Mariddja wird Siré schnell zur Komplizin, denn bevor sie stirbt, hat Mariddja noch einen letzten, großen Wunsch: Sie will ihren Neffen wiederfinden, der als kleiner Junge lange bei ihr und Biera aufgewachsen ist und dann abrupt aus ihrem Leben verschwand. Parallel gibt es einen zweiten Erzählstrang, in dem ein junges Paar ins Dorf zieht, das fortan in der Gesundheitszentrale arbeiten wird, und das bald auch auf die schwierige Lage von Mariddja und Biera aufmerksam wird.
Die Lektüre lässt etwas zwiegespalten zurück. Mariddjas und Bieras Geschichte ist herzerwärmend erzählt und macht auf sehr feinfühlige Art und Weise aufmerksam auf die Situation vieler älterer Meschen, die zunehmend vereinsamen und sich weigern, Hilfe anzunehmen, weil sie "doch bis jetzt auch immer klargekommen" sind. Dabei ist die Grundstimmung zwar durchaus eine nachdenkliche und auch ein wenig traurig, immer wieder aber auch von humorvollen Szenen durchsetzt. Die Balance dazwischen gelingt dem Roman wunderbar.
Schade ist hingegen, dass die Verflechtung beider Handlungsstränge recht lang auf sich warten lässt, obwohl sie für halbwegs aufmerksame Leser*innen schnell zu erahnen ist. Zwar ist die erste Buchhälfte unterhaltsam zu lesen, tritt von der Handlung her jedoch eher auf der Stelle; ein wenig Durchhaltevermögen ist also schon gefragt.
Alles in allem mit ein paar Abzügen ein ganz schöner Roman.
Die Lektüre lässt etwas zwiegespalten zurück. Mariddjas und Bieras Geschichte ist herzerwärmend erzählt und macht auf sehr feinfühlige Art und Weise aufmerksam auf die Situation vieler älterer Meschen, die zunehmend vereinsamen und sich weigern, Hilfe anzunehmen, weil sie "doch bis jetzt auch immer klargekommen" sind. Dabei ist die Grundstimmung zwar durchaus eine nachdenkliche und auch ein wenig traurig, immer wieder aber auch von humorvollen Szenen durchsetzt. Die Balance dazwischen gelingt dem Roman wunderbar.
Schade ist hingegen, dass die Verflechtung beider Handlungsstränge recht lang auf sich warten lässt, obwohl sie für halbwegs aufmerksame Leser*innen schnell zu erahnen ist. Zwar ist die erste Buchhälfte unterhaltsam zu lesen, tritt von der Handlung her jedoch eher auf der Stelle; ein wenig Durchhaltevermögen ist also schon gefragt.
Alles in allem mit ein paar Abzügen ein ganz schöner Roman.
von Anna625 - 2024-11-25 09:43:00
Wurde noch, war aber ein steiniges Lesevergnügen - 3 Sterne
Ich mag Skandinavien und insbesondere den hohen Norden und habe schon inzwischen schon ein paar Bücher über samische Familien gelesen.
Hier hat mich das gemäldegleiche Cover gleich in den Bann gezogen.
Es geht um ein altes Paar, Mariddja und Biera. Sie bekommt beim Arzt eine Diagnose und wird bald sterben müssen, er ist dement und soll davon nichts erfahren.
Im Hintergrund schwingt die schwedische Geschichte mit, eine Vertreibung der Samen und eine Zwangsumsiedlung - näher eingegangen wird darauf leider auch im Anhang nicht. Genauso wenig wie es ein Glossar gibt für spezielle samische Worte. Beides ist aber nicht tragisch, da es nicht für das Verständnis der Handlung erforderlich ist.
Die ersten Kapitel haben mich gefesselt, man lernt das Paar kennen und gleichzeitig gibt es immer wieder einen Schwenk zu einem anderen (viel jüngeren) Paar, das gerade in die Gegend zieht.
Das Leben von Mariddja und Biera erscheint ziemlich trostlos, doch die beiden kommen klar und die innige Beziehung trotz aller Widrigkeiten ist schön zu lesen.
Witzig ist Mariddjas Konversation mit Siri, die für sie eine reale Person ist.
Ganz und gar nicht witzig die Geringschätzung, die ihnen oft entgegenschlägt. Sei es die Ignoranz bzgl. des samischen Namens oder gar offener Rassismus.
Eigentlich ist der Rahmen der Geschichte so vielversprechend und gibt so viel her - doch nach den ersten Kapiteln wurde es sehr, sehr zäh. Ich war kurz davor, abzubrechen und habe mich regelrecht durchgequält. Gegen Ende hin hat das Buch dann die Kurve bekommen. Die Handlung an sich war vorhersehbar, aber es wurde endlich gefühlvoll, fesselnd und interessant. So hätte ich mir das komplette Buch gewünscht!
Hier hat mich das gemäldegleiche Cover gleich in den Bann gezogen.
Es geht um ein altes Paar, Mariddja und Biera. Sie bekommt beim Arzt eine Diagnose und wird bald sterben müssen, er ist dement und soll davon nichts erfahren.
Im Hintergrund schwingt die schwedische Geschichte mit, eine Vertreibung der Samen und eine Zwangsumsiedlung - näher eingegangen wird darauf leider auch im Anhang nicht. Genauso wenig wie es ein Glossar gibt für spezielle samische Worte. Beides ist aber nicht tragisch, da es nicht für das Verständnis der Handlung erforderlich ist.
Die ersten Kapitel haben mich gefesselt, man lernt das Paar kennen und gleichzeitig gibt es immer wieder einen Schwenk zu einem anderen (viel jüngeren) Paar, das gerade in die Gegend zieht.
Das Leben von Mariddja und Biera erscheint ziemlich trostlos, doch die beiden kommen klar und die innige Beziehung trotz aller Widrigkeiten ist schön zu lesen.
Witzig ist Mariddjas Konversation mit Siri, die für sie eine reale Person ist.
Ganz und gar nicht witzig die Geringschätzung, die ihnen oft entgegenschlägt. Sei es die Ignoranz bzgl. des samischen Namens oder gar offener Rassismus.
Eigentlich ist der Rahmen der Geschichte so vielversprechend und gibt so viel her - doch nach den ersten Kapiteln wurde es sehr, sehr zäh. Ich war kurz davor, abzubrechen und habe mich regelrecht durchgequält. Gegen Ende hin hat das Buch dann die Kurve bekommen. Die Handlung an sich war vorhersehbar, aber es wurde endlich gefühlvoll, fesselnd und interessant. So hätte ich mir das komplette Buch gewünscht!
von Marie aus E. - 2024-11-24 19:46:00
Herzerwärmende Familiengeschichte - 4 Sterne
In dem Roman „Als wir im Schnee Blumen pflückten“, der von Tina Harnesk verfasst wurde, geht es um ein altes Samenpärchen, das beide unheilbare Krankheiten haben. Vor dem unausweichlichen Tod will aber Mariddja, die alte Samin, mit einer Krebsdiagnose, noch ihren verschwundenen Neffen auffinden, der wie als ihr Kind bei ihnen aufgewachsen war. Mit keiner anderen Möglichkeit zum Handeln versucht sie den Jungen mit dem Smartphone aufzusuchen. Dabei nutzt sie „Siri“, welche sie als eine freundliche Telefonistin vom Amt interpretiert.
Das Cover gefällt mir ziemlich gut. Die Abbildung von der Landschaft im Norden Schwedens mit einem Pärchen löst direkt Assoziationen aus. Außerdem lässt diese Landschaft zu, dass man sich bei dem lesen direkt die Umgebung besser vorstellen kann. Mir gefällt auch, dass hinter dem Schutzumschlag das Motiv direkt auf dem Buch aufgedruckt ist.
Das Thema ist sehr vielfältig und nicht auf einen Aspekt zu reduzieren. Es geht um ein Familiendrama, häusliche Gewalt, die Vertreibung der Samen, Rassismus, Krankheiten und der Umgang mit deren, der Einsamkeit im Alter und Nächstenliebe. Trotz dieser Fülle an Themen wurden sie, meines Erachtens, sehr ausführlich und zufriedenstellend behandelt. Es findet ein stetiger Wechsel von zwei Perspektiven statt. Die eine Perspektive ist die eines Manns mittleren Alters, welcher in den Norden Schwedens gezogen ist und sich dort nach dem Tod seiner Mutter einlebt. Die andere Perspektive ist die von Mariddja. Manchmal werden noch andere Perspektiven eingestreut, dies findet aber nicht regelmäßig statt. Durch diesen Perspektivwechsel findet ein Miträtseln statt und man versucht die Geschichte selber zu rekonstruieren.
Auch der Schreibstil hat mir gefallen. Die Geschichte wird ziemlich ausschweifend geschrieben. Es werden aber auch samische Geschichten inkludiert. Dies hat durchaus meinen Horizont erweitert und ich nehme vieles aus dem Roman mit.
Die Figuren sind authentisch. Besonders mit Kaj und Mariddja ist es einfach eine persönliche Bindung herzustellen, was mir die eine oder andere Träne entlockt hat. Besonders wenn man persönliche Erfahrungen mit Krankheiten wie Demenz oder Krebs hat, kann man noch besser mitfühlen.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Buch sehr empfehlenswert ist. Besonders, wenn man mehr über die Lebensweise der Samen lernen will und sich auf eine emotionale Familiengeschichte freut.
Das Cover gefällt mir ziemlich gut. Die Abbildung von der Landschaft im Norden Schwedens mit einem Pärchen löst direkt Assoziationen aus. Außerdem lässt diese Landschaft zu, dass man sich bei dem lesen direkt die Umgebung besser vorstellen kann. Mir gefällt auch, dass hinter dem Schutzumschlag das Motiv direkt auf dem Buch aufgedruckt ist.
Das Thema ist sehr vielfältig und nicht auf einen Aspekt zu reduzieren. Es geht um ein Familiendrama, häusliche Gewalt, die Vertreibung der Samen, Rassismus, Krankheiten und der Umgang mit deren, der Einsamkeit im Alter und Nächstenliebe. Trotz dieser Fülle an Themen wurden sie, meines Erachtens, sehr ausführlich und zufriedenstellend behandelt. Es findet ein stetiger Wechsel von zwei Perspektiven statt. Die eine Perspektive ist die eines Manns mittleren Alters, welcher in den Norden Schwedens gezogen ist und sich dort nach dem Tod seiner Mutter einlebt. Die andere Perspektive ist die von Mariddja. Manchmal werden noch andere Perspektiven eingestreut, dies findet aber nicht regelmäßig statt. Durch diesen Perspektivwechsel findet ein Miträtseln statt und man versucht die Geschichte selber zu rekonstruieren.
Auch der Schreibstil hat mir gefallen. Die Geschichte wird ziemlich ausschweifend geschrieben. Es werden aber auch samische Geschichten inkludiert. Dies hat durchaus meinen Horizont erweitert und ich nehme vieles aus dem Roman mit.
Die Figuren sind authentisch. Besonders mit Kaj und Mariddja ist es einfach eine persönliche Bindung herzustellen, was mir die eine oder andere Träne entlockt hat. Besonders wenn man persönliche Erfahrungen mit Krankheiten wie Demenz oder Krebs hat, kann man noch besser mitfühlen.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Buch sehr empfehlenswert ist. Besonders, wenn man mehr über die Lebensweise der Samen lernen will und sich auf eine emotionale Familiengeschichte freut.
von Cxicken - 2024-11-16 22:57:00
Ein letzter Wunsch - 4 Sterne
Die betagte Samin Máriddja bekommt die Diagnose Krebs. Doch auf diese reagiert sie anders als andere Patienten es tun - sie sagt es weder ihrem an Demenz erkrankten Mann, noch will sie sich helfen lassen oder aus ihrem verfallenen Haus ausziehen. Stattdessen treibt sie ein letzter Wunsch an. Sie möchte ihren Neffen nochmal wiedersehen, der vor vielen Jahren mit seiner Mutter wegzog und dabei der Kontakt abbrach. Dabei hilft ihr die Telefonistin Siré Máriddja Fragen bestmöglich zu beantworten…
Der Roman ist mir zuallererst durch das wunderschön gestaltete Cover aufgefallen. Und auch die Geschichte, welche dahintersteckt, ist lesenswert. Die eigensinnige Máriddja ist ein Hauptcharakter, den man nicht oft findet. Sie kämpft für das, was ihr wichtig ist mit allen Mitteln, wobei teilweise wirklich skurrile Situationen entstehen, die mich zum Schmunzeln brachten. Gleichzeitig wird aber auch - neben ihrer Erkrankung und der Demenz ihres Mannes - das überaus ernste Thema der Zwangsumsiedelung der Samen im Roman behandelt. Man bekommt eine kleine Ahnung davon, wie unmenschlich das damals gewesen sein muss. Generell wird vieles aus der Welt der Samen eingeflochten, was mir persönlich sehr gefallen hat. Der Schreibstil an sich ist gewöhnungsbedürftig, mit einigen Metaphern besetzt und man muss definitiv aufmerksam lesen. Auch das Hin- und Herhüpfen zwischen den beiden Haupterzählsträngen mit Máriddja bzw. dem Ärztepaar Kai und Mimmi zahlt darin ein.
Ein Roman, der vieles bietet, vor allem Zwischenmenschliches und das Setting und die Geschichte im Norden Schwedens, welche berührt. Eine Leseempfehlung von mir.
Der Roman ist mir zuallererst durch das wunderschön gestaltete Cover aufgefallen. Und auch die Geschichte, welche dahintersteckt, ist lesenswert. Die eigensinnige Máriddja ist ein Hauptcharakter, den man nicht oft findet. Sie kämpft für das, was ihr wichtig ist mit allen Mitteln, wobei teilweise wirklich skurrile Situationen entstehen, die mich zum Schmunzeln brachten. Gleichzeitig wird aber auch - neben ihrer Erkrankung und der Demenz ihres Mannes - das überaus ernste Thema der Zwangsumsiedelung der Samen im Roman behandelt. Man bekommt eine kleine Ahnung davon, wie unmenschlich das damals gewesen sein muss. Generell wird vieles aus der Welt der Samen eingeflochten, was mir persönlich sehr gefallen hat. Der Schreibstil an sich ist gewöhnungsbedürftig, mit einigen Metaphern besetzt und man muss definitiv aufmerksam lesen. Auch das Hin- und Herhüpfen zwischen den beiden Haupterzählsträngen mit Máriddja bzw. dem Ärztepaar Kai und Mimmi zahlt darin ein.
Ein Roman, der vieles bietet, vor allem Zwischenmenschliches und das Setting und die Geschichte im Norden Schwedens, welche berührt. Eine Leseempfehlung von mir.
von Natalie - 2024-11-11 17:18:00


