Rezensionen
Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
Roman | «Ein unglaubliches Debüt! Die perfekte Mischung aus Poesie und Punk.» Margarete Stokowski
Autor: Sarah Lorenz
Erschienen 2025 bei Rowohlt
ISBN 978-3-498-00699-0
Im Dialog (oder: Monolog) mit Mascha Kaléko - 4 Sterne
Mascha Kaléko kannte ich vor der Lektüre des Romans "Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken" von Sarah Lorenz nicht; ich bemühe mich aber bei solcher Lektüre immer, die Personen so gut wie möglich zu recherchieren und kennenzulernen; ja, ich sehe dies auch als Bereicherung an, die Schicksale von bekannten Personen, in diesem Fall eben der Schriftstellerin Mascha Kaléko, zu erleben und zu lesen.
Im Laufe des Lesens bekam ich immer mehr das Gefühl, dass ich das Buch gern als Jugendbuch einordnen möchte. Die Protagonistin des Romans bewältigt ihre Probleme im Zwiegespräch mit der Dichterin Mascha Kaléko, die ihr aus allerlei Krisen hilft. Für den Fortgang des Buches hätte man m.E. aber die immer wiederkehrende Ansprache der Mascha gar nicht gebraucht, ein netter Kniff ist es aber dennoch.
Der Inhalt des Buches und damit das Schicksal der Protagonistin ist aber eher traurig und damit für den Leser auch etwas düster und deprimierend. Der Dialog mit der Dichterin ist natürlich auch eigentlich ein Monolog, eine wiederkehrende Ansprache.
Das Buch ist durchweg eher traurig, gleichzeitig unspektakulär, aber gute Literatur. Ich mag dieses Genre der contemporary literature, einfach ein Roman, der sonst keinem besonderen Genre zugeteilt werden kann. Noch dazu mag ich gern Bücher, die man in kürzeren Sitzungen lesen kann, weil sie mal nur 200 statt der gängigen 400 Seiten haben. Und eine gute Autorin kann auch auf 200 Seiten sehr viel ausdrücken.
Insgesamt ist der Grundton des Romans mir etwas zu düster, kaum Lichtblicke dabei, immer wieder die Ansprache an Mascha, die man schon auch kritisch sehen kann, aber es ist auch eine Kunstform. Ganz gepackt hat mich der Roman nicht aber er lässt sich gut lesen. Somit möchte ich hier 4 Sterne vergeben.
Im Laufe des Lesens bekam ich immer mehr das Gefühl, dass ich das Buch gern als Jugendbuch einordnen möchte. Die Protagonistin des Romans bewältigt ihre Probleme im Zwiegespräch mit der Dichterin Mascha Kaléko, die ihr aus allerlei Krisen hilft. Für den Fortgang des Buches hätte man m.E. aber die immer wiederkehrende Ansprache der Mascha gar nicht gebraucht, ein netter Kniff ist es aber dennoch.
Der Inhalt des Buches und damit das Schicksal der Protagonistin ist aber eher traurig und damit für den Leser auch etwas düster und deprimierend. Der Dialog mit der Dichterin ist natürlich auch eigentlich ein Monolog, eine wiederkehrende Ansprache.
Das Buch ist durchweg eher traurig, gleichzeitig unspektakulär, aber gute Literatur. Ich mag dieses Genre der contemporary literature, einfach ein Roman, der sonst keinem besonderen Genre zugeteilt werden kann. Noch dazu mag ich gern Bücher, die man in kürzeren Sitzungen lesen kann, weil sie mal nur 200 statt der gängigen 400 Seiten haben. Und eine gute Autorin kann auch auf 200 Seiten sehr viel ausdrücken.
Insgesamt ist der Grundton des Romans mir etwas zu düster, kaum Lichtblicke dabei, immer wieder die Ansprache an Mascha, die man schon auch kritisch sehen kann, aber es ist auch eine Kunstform. Ganz gepackt hat mich der Roman nicht aber er lässt sich gut lesen. Somit möchte ich hier 4 Sterne vergeben.
von signalhill - 2025-06-02 00:10:00
Zu bemüht für mein Gemüt - 2 Sterne
Über autofiktionale Geschichten zu urteilen ist immer schwierig. Schließlich steckt darin ja oft mehr als „Opa erzählt vom Krieg“ – wahre, traurige bis traumatische Erlebnisse, die in Buchform kanalisiert werden. Und manche davon sind für mich als Leser vielleicht nicht so berührend, wie es für die jeweiligen Autor:innen ist. Das ist auch leider bei „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“ von Sarah Lorenz der Fall. Was, bei längerem Nachdenken, für mich an zwei Dingen liegt: Es fehlt mir an Tiefe – und das Gespräch mit Mascha Kaleko ist mir zu bemüht und am Ende auch fast nicht mehr existent.
Sarah Lorenz gehört zu den Bluesky-Sweethearts des Landes. Launige Skeets, früher Tweets, als man noch nicht von Schwurblern auf diesem anderen Netzwerk überrannt wurde, nachdenkliche Einblicke ins Familienleben, ehrenwerter Antifaschismus, Mumin-Bilder, manchmal etwas quatschig. Große Fan-Bases im Netz mit Schreibtalent sorgen nicht selten für Buchverträge. Und manchmal geht’s gut, manchmal weniger. Die Autorin nimmt ihre Leser:innen mit auf eine fiktionalisierte Reise durch ihr Leben. Ob alles wahr ist, who knows, wer ihr schon länger folgt, kennt auf jeden Fall die ein oder andere Episode und freut sich sicher, mehr über Sarahs, hier Elisas, Leben zu erfahren. Trennung der Eltern, Monate im Heim, Punk-Leben mit Dosenbier und Domplatte, irgendwann zur Ruhe kommen in Hamburg, der Tod des Vaters in Eckernförde.
Kein einfaches Leben – Liebesmangel der Mutter, übergriffiges Verhalten von Männern gegenüber einer Minderjährigen, Krebserkrankung des Mannes. Stoff für sehr, sehr traurige, böse, wachrüttelnde Bücher. Leider kratzt die Autorin hier nur an der Oberfläche, als wolle sie es weglächeln. Es erzählen, aber dann mit einem Abwinken vom Tisch wischen. Das ist schade, vielleicht aber auch verständlich, wer spricht schon gerne über selbsterlebte Traumata, wie nackt möchte man sich vor tausenden Leser:innen wirklich machen? Daher: kein Vorwurf, nur schade.
Doch in „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“ gibt es noch eine weitere Hauptfigur, eigentlich: Mascha Kaleko. Die Dichterin, 1907 in Polen geboren, 1975 in der Schweiz gestorben, hat die Buchfigur Elisa und vermutlich auch die Autorin ihr Leben lang begleitet. Jedes Kapitel wird durch ein Gedicht Kalekos eingeleitet, das zum Geschehen danach passt. Eigentlich eine hübsche Idee. Immer wieder spricht die Erzählerin Mascha daraufhin an, versucht ihre Erfahrungen in Linie zum Gedicht zu bringen, stellt ihr rhetorische Fragen zum Leben oder zu historischen Figuren. Aber das geht, für mich zumindest, ziemlich schief, ist bemüht, wirkt mehr wie ein Geplapper eines Kindes, das mit Lego-Figuren oder Puppen spielt. Am Anfang noch halbwegs charmant, ist der Abnutzungseffekt recht hoch – und am Ende finden diese Einschübe kaum noch statt, was zwar für mich als Lesenden erleichternd, aber aus Buchsicht recht inkonsequent ist.
Weniger Zwiegespräche, mehr emotionale Tiefe, und Sarah Lorenz‘ Debüt hätte mich mit dem Mix aus Familiendrama, Punk und Antifaschismus zu 100 % gepackt – so leider so ziemlich gar nicht. Aber eines hat die Autorin dann doch geschafft: Ich möchte mehr von Mascha Kaleko lesen. Und ich glaube, das würde ihr dann zumindest doch gefallen.
Sarah Lorenz gehört zu den Bluesky-Sweethearts des Landes. Launige Skeets, früher Tweets, als man noch nicht von Schwurblern auf diesem anderen Netzwerk überrannt wurde, nachdenkliche Einblicke ins Familienleben, ehrenwerter Antifaschismus, Mumin-Bilder, manchmal etwas quatschig. Große Fan-Bases im Netz mit Schreibtalent sorgen nicht selten für Buchverträge. Und manchmal geht’s gut, manchmal weniger. Die Autorin nimmt ihre Leser:innen mit auf eine fiktionalisierte Reise durch ihr Leben. Ob alles wahr ist, who knows, wer ihr schon länger folgt, kennt auf jeden Fall die ein oder andere Episode und freut sich sicher, mehr über Sarahs, hier Elisas, Leben zu erfahren. Trennung der Eltern, Monate im Heim, Punk-Leben mit Dosenbier und Domplatte, irgendwann zur Ruhe kommen in Hamburg, der Tod des Vaters in Eckernförde.
Kein einfaches Leben – Liebesmangel der Mutter, übergriffiges Verhalten von Männern gegenüber einer Minderjährigen, Krebserkrankung des Mannes. Stoff für sehr, sehr traurige, böse, wachrüttelnde Bücher. Leider kratzt die Autorin hier nur an der Oberfläche, als wolle sie es weglächeln. Es erzählen, aber dann mit einem Abwinken vom Tisch wischen. Das ist schade, vielleicht aber auch verständlich, wer spricht schon gerne über selbsterlebte Traumata, wie nackt möchte man sich vor tausenden Leser:innen wirklich machen? Daher: kein Vorwurf, nur schade.
Doch in „Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken“ gibt es noch eine weitere Hauptfigur, eigentlich: Mascha Kaleko. Die Dichterin, 1907 in Polen geboren, 1975 in der Schweiz gestorben, hat die Buchfigur Elisa und vermutlich auch die Autorin ihr Leben lang begleitet. Jedes Kapitel wird durch ein Gedicht Kalekos eingeleitet, das zum Geschehen danach passt. Eigentlich eine hübsche Idee. Immer wieder spricht die Erzählerin Mascha daraufhin an, versucht ihre Erfahrungen in Linie zum Gedicht zu bringen, stellt ihr rhetorische Fragen zum Leben oder zu historischen Figuren. Aber das geht, für mich zumindest, ziemlich schief, ist bemüht, wirkt mehr wie ein Geplapper eines Kindes, das mit Lego-Figuren oder Puppen spielt. Am Anfang noch halbwegs charmant, ist der Abnutzungseffekt recht hoch – und am Ende finden diese Einschübe kaum noch statt, was zwar für mich als Lesenden erleichternd, aber aus Buchsicht recht inkonsequent ist.
Weniger Zwiegespräche, mehr emotionale Tiefe, und Sarah Lorenz‘ Debüt hätte mich mit dem Mix aus Familiendrama, Punk und Antifaschismus zu 100 % gepackt – so leider so ziemlich gar nicht. Aber eines hat die Autorin dann doch geschafft: Ich möchte mehr von Mascha Kaleko lesen. Und ich glaube, das würde ihr dann zumindest doch gefallen.
von Morten - 2025-04-25 10:11:00
beeindruckendes Debüt - 5 Sterne
Der letzte Satz des Buches lautet " Siehst du , Mascha, ich bin deinem Rat gefolgt: Ich war klug und hielt mich an Wunder."
Sarah Lorenz erzählt in ihrem Buch, welches auch autobiografische Elemente beinhaltet, über das nicht einfache Leben von Elisa. Denn es ist schon ein Wunder, dass Elisa dieses Leben in dem es eine Kindheit im Heim, Obdachlosigkeit, Alkohol, Drogen und immer wieder die Suche nach Liebe und Geborgenheit gab, gemeistert hat. Diese Geborgenheit fand sie lange Zeit in Büchern.
Sie bewundert die Dichterin Mascha Kaléko und ihr erzählt sie auf einer Zugreise ihre Geschichte.
Jedem Kapitel vorangestellt ist ein Gedicht der Dichterin. So verbindet der Roman die persönliche Geschichte von Elisa mit den Gedichten von Mascha Kaléko.
Er zeigt die große Bewunderung der Autorin für diese Frau, Ihr Leben und ihre Werke und gleichzeitig ist es ein Liebesgeständnis an die Wunder, die das Leben für uns bereithält.
Unbedingt lesen, es ist wirklich großartig!
Sarah Lorenz erzählt in ihrem Buch, welches auch autobiografische Elemente beinhaltet, über das nicht einfache Leben von Elisa. Denn es ist schon ein Wunder, dass Elisa dieses Leben in dem es eine Kindheit im Heim, Obdachlosigkeit, Alkohol, Drogen und immer wieder die Suche nach Liebe und Geborgenheit gab, gemeistert hat. Diese Geborgenheit fand sie lange Zeit in Büchern.
Sie bewundert die Dichterin Mascha Kaléko und ihr erzählt sie auf einer Zugreise ihre Geschichte.
Jedem Kapitel vorangestellt ist ein Gedicht der Dichterin. So verbindet der Roman die persönliche Geschichte von Elisa mit den Gedichten von Mascha Kaléko.
Er zeigt die große Bewunderung der Autorin für diese Frau, Ihr Leben und ihre Werke und gleichzeitig ist es ein Liebesgeständnis an die Wunder, die das Leben für uns bereithält.
Unbedingt lesen, es ist wirklich großartig!
von peppi - 2025-04-02 15:43:00
Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken - 5 Sterne
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich die richtigen Worte finde, um diesem Buch gerecht zu werden. Elisas Leben ist alles andere als geradlinig und konventionell – ihre Mutter liebt sie nicht mehr, sie kommt ins System, wo sie keineswegs hineinpasst, sucht nach einer Ersatzfamilie und Liebe, erfährt Gewalt von Partnern und richtet ihre Wut auch auf sich selbst, Verlust ist immer ein Thema ihres Lebens. Begleitet hat sei bei alldem die Lyrikerin Mascha Kaléko, der sie nun aus ihrem Leben erzählt. Den Kapiteln vorangestellt ist immer auch ein Gedicht, das einen schon in die richtige Stimmung versetzt. Es ist ein Buch so voller schöner Sätze und Vergleiche, voller eindrücklicher Passagen, so ehrlich und wild und brutal und dabei so zart.
„Jedes Gefühl muss ich unmittelbar mit einer Freundin teilen. Wie ein Ausstellungsstück reiche ich meine Gefühle weiter, auf dass alle einen Blick drauf erhaschen und ihre Einschätzung dazu abgeben können. […] Man muss sich das mal vor Augen führen. Wir alle wandeln auf dieser Welt herum, unwissend, weshalb irgendwas existiert, wie lange es existieren wird und ob dieses Irgendwas, das unser Alles ist, reiner Willkür oder einem Plan entspringt. Und inmitten dieser unsicheren Ahnungslosigkeit treffen wir auf Menschen, denen wir das Beste wünschen. Mit deren Sorgen wir Verstecken spielen und deren Freuden wir teilen wollen. Da soll nochmal einer an der Existenz von Wundern zweifeln.“
Das ist nur eine von unzähligen wunderbaren Stellen aus dem Debüt von Sarah Lorenz, das mich zutiefst bewegt hat. Ein Buch, das ich bestimmt immer wieder zur Hand nehmen werde. Und einen Gedichtband von Mascha Kaléko brauche ich jetzt natürlich auch dringend!
„Jedes Gefühl muss ich unmittelbar mit einer Freundin teilen. Wie ein Ausstellungsstück reiche ich meine Gefühle weiter, auf dass alle einen Blick drauf erhaschen und ihre Einschätzung dazu abgeben können. […] Man muss sich das mal vor Augen führen. Wir alle wandeln auf dieser Welt herum, unwissend, weshalb irgendwas existiert, wie lange es existieren wird und ob dieses Irgendwas, das unser Alles ist, reiner Willkür oder einem Plan entspringt. Und inmitten dieser unsicheren Ahnungslosigkeit treffen wir auf Menschen, denen wir das Beste wünschen. Mit deren Sorgen wir Verstecken spielen und deren Freuden wir teilen wollen. Da soll nochmal einer an der Existenz von Wundern zweifeln.“
Das ist nur eine von unzähligen wunderbaren Stellen aus dem Debüt von Sarah Lorenz, das mich zutiefst bewegt hat. Ein Buch, das ich bestimmt immer wieder zur Hand nehmen werde. Und einen Gedichtband von Mascha Kaléko brauche ich jetzt natürlich auch dringend!
von Verena Gruber aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2025-04-02 15:20:47
Ich hätte es so gerne gemocht - 2 Sterne
Ich habe mich so auf das Buch gefreut.
Hier fand ich das Cover schon so ansprechend, der Titel hatte mich dann endgültig. So schön! Auch wenn ich das Buch leider nicht liebe, der Titel hat für mich auf jeden Fall einen Platz auf dem Treppchen für den schönsten Buchtitel 2025 verdient.
Jetzt aber genug des Vorgeplänkels. Ich kann mit Lyrik nicht viel anfangen und habe mich deshalb gefreut, hier so einen einfachen und wohldosierten Zugang zu bekommen. Die Kapitel beginnen jeweils mit einem Gedicht und das hat mir gut gefallen.
Ansonsten hält die Ich-Erzählerin mit Mascha Kaléko immer wieder Zwiegespräche, einfach so, was ihr in den Sinn kommt, so als ob sie mit einer Freundin spricht. Aber auch nicht losgelöst, sie bezieht sich schon auf die Person Maschka. Gut gemacht.
Insgesamt aber habe ich mich schon ein wenig durch das Buch gequält. Obwohl es mit 216 Seiten ein schlankes Buch ist, habe ich gefühlt ewig dafür gebraucht.
Es hat mich angestrengt, von den immerwährenden schlimmen Erfahrungen der Ich-Erzählerin zu lesen, davon, wie sie als Kind und junge Heranwachsende leben musste. Die verzweifelte Suche nach Liebe - und meine Wut auf Eltern, Punk-Begegnungen und überhaupt die Männer, die sie getroffen hat.
Keine einfache Kost und auch nicht gefällig zu lesen.
Ich habe nur Verzweiflung und Brutalität wahrgenommen, die wenigen Momente von Liebe und Zuversicht sind in dem Gesamtkonstrukt bei mir nicht angekommen. Und - ich traue es mich fast nicht zu schreiben - ich habe mich beim Lesen leider gelangweilt, weil mich das Buch so gar nicht erreicht hat.
Hier fand ich das Cover schon so ansprechend, der Titel hatte mich dann endgültig. So schön! Auch wenn ich das Buch leider nicht liebe, der Titel hat für mich auf jeden Fall einen Platz auf dem Treppchen für den schönsten Buchtitel 2025 verdient.
Jetzt aber genug des Vorgeplänkels. Ich kann mit Lyrik nicht viel anfangen und habe mich deshalb gefreut, hier so einen einfachen und wohldosierten Zugang zu bekommen. Die Kapitel beginnen jeweils mit einem Gedicht und das hat mir gut gefallen.
Ansonsten hält die Ich-Erzählerin mit Mascha Kaléko immer wieder Zwiegespräche, einfach so, was ihr in den Sinn kommt, so als ob sie mit einer Freundin spricht. Aber auch nicht losgelöst, sie bezieht sich schon auf die Person Maschka. Gut gemacht.
Insgesamt aber habe ich mich schon ein wenig durch das Buch gequält. Obwohl es mit 216 Seiten ein schlankes Buch ist, habe ich gefühlt ewig dafür gebraucht.
Es hat mich angestrengt, von den immerwährenden schlimmen Erfahrungen der Ich-Erzählerin zu lesen, davon, wie sie als Kind und junge Heranwachsende leben musste. Die verzweifelte Suche nach Liebe - und meine Wut auf Eltern, Punk-Begegnungen und überhaupt die Männer, die sie getroffen hat.
Keine einfache Kost und auch nicht gefällig zu lesen.
Ich habe nur Verzweiflung und Brutalität wahrgenommen, die wenigen Momente von Liebe und Zuversicht sind in dem Gesamtkonstrukt bei mir nicht angekommen. Und - ich traue es mich fast nicht zu schreiben - ich habe mich beim Lesen leider gelangweilt, weil mich das Buch so gar nicht erreicht hat.
von Marie aus E. - 2025-03-27 19:12:00
Ob es Mascha Kaléko gefallen hätte? - 3 Sterne
Mascha Kaléko schreibt wunderbare Gedichte und diese in einen Roman einzubinden, ist eine grandiose Idee.
Jedes Kapitel beginnt mit einem dieser Gedichte und die Hauptfigur Elisa wendet sich mit ihren Gedanken direkt an die große Lyrikerin. Das weckt das Interesse herauszufinden, in welchem Bezug dieses oder jenes Gedicht zur Hauptfigur/zur Autorin steht. Denn obwohl es nicht als Autobiographie bezeichnet wird, gibt es sehr wohl autobiographische Züge.
Die Hauptfigur ist niemand, in die sich der Leser hineinversetzen will. Kindheit und Jugendalter sind hart: „Das bisschen Lebenslauf hatte mich bereits nach 16 Lebensjahren sehr ermüdet.“ (S.148). Drogenszene, Kölner Domplatte, kein fester Wohnsitz, Vergewaltigungen, Abtreibung, Suff, Heroin, betteln, Borderline, Paranoia…usw. - zu viel von allem. Erinnerungen an Christiane F „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ kommen hoch und irgendwie passt hier nicht dazu, dass diese Hauptfigur so gedichtaffin ist. Irgendwann wendet sich dann alles doch noch zum Besseren und sie findet die Liebe, die sie immer gesucht hat. Nur schlägt auch hier wieder das Schicksal zu.
Letztlich wurde es mir zu viel, nicht nur die Hauptfigur war von ihrem Lebenslauf erschlagen. Und dann passten auch die Gedichte nicht mehr dazu. Es ist mir schwer gefallen, durchzuhalten.
Jedes Kapitel beginnt mit einem dieser Gedichte und die Hauptfigur Elisa wendet sich mit ihren Gedanken direkt an die große Lyrikerin. Das weckt das Interesse herauszufinden, in welchem Bezug dieses oder jenes Gedicht zur Hauptfigur/zur Autorin steht. Denn obwohl es nicht als Autobiographie bezeichnet wird, gibt es sehr wohl autobiographische Züge.
Die Hauptfigur ist niemand, in die sich der Leser hineinversetzen will. Kindheit und Jugendalter sind hart: „Das bisschen Lebenslauf hatte mich bereits nach 16 Lebensjahren sehr ermüdet.“ (S.148). Drogenszene, Kölner Domplatte, kein fester Wohnsitz, Vergewaltigungen, Abtreibung, Suff, Heroin, betteln, Borderline, Paranoia…usw. - zu viel von allem. Erinnerungen an Christiane F „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ kommen hoch und irgendwie passt hier nicht dazu, dass diese Hauptfigur so gedichtaffin ist. Irgendwann wendet sich dann alles doch noch zum Besseren und sie findet die Liebe, die sie immer gesucht hat. Nur schlägt auch hier wieder das Schicksal zu.
Letztlich wurde es mir zu viel, nicht nur die Hauptfigur war von ihrem Lebenslauf erschlagen. Und dann passten auch die Gedichte nicht mehr dazu. Es ist mir schwer gefallen, durchzuhalten.
von fantasia - 2025-03-27 12:37:00
Heilsames Schreiben an Mascha - 5 Sterne
«Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinke» ist ein Buch zum genießen, nichts, was man zwischendurch nebenbei weg lesen kann. Elisa hat "einen festen Willen und ganz viel Sehnsucht“ nach Liebe, Geborgenheit und einer Sicherheit, die sie als Kind schmerzlich vermisst hat. Elisa erzählt vom kalten Haus, in dem sie ihre Kindheit verbrachte, von der Kälte ihrer Mutter und dem zarten Band zu ihrem Vater. Als sie ihre Ausbildung zur Buchhändlerin macht, entdeckt sie die trostvolle Welt der Bücher. Es ist ein ganz besonderer Roman, indem Elisa Biografie mit dem literarischen Werk von der Dichterin Mascha Kaléko verknüpft werden, denn Elsa bewundert ihr Talent und möchte gern einmal mit ihr im Himmel einen Kaffee trinken. Sie reagiert auf Maschas Gedichte, kommuniziert mit ihr und erzählt schonungslos von ihrem Leben. Diese Idee fand ich grandios und wunderschön umgesetzt. Es ist hart, brutal und gleichzeitig liebevoll. Sehr berührend und emotional, was dann passiert. Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mich an den Schreibstil gewöhnt habe. Aber danach konnte ich die Formulierungen genießen und die Poesie hat sich allmählich entfaltet und mich total eingenommen. Ich habe schon länger keine so interessante Protagonisten mehr verfolgt. Ein hartes Leben und das Überleben zwischen Buchdeckeln.
Jetzt ist mein Interesse für Mascha Kaléko geweckt, zumal mir die Gedichte zu Beginn jedes Kapitels sehr gefallen haben. Lesenswert!
Jetzt ist mein Interesse für Mascha Kaléko geweckt, zumal mir die Gedichte zu Beginn jedes Kapitels sehr gefallen haben. Lesenswert!
von La Calavera Catrina - 2025-03-24 17:28:00
Kaffeetrinken mit Elisa - 3 Sterne
Das Buch ist ja mittlerweile gefühlt überall zu sehen, und das gefällt mir sehr.
Ein gelungenes Cover mit fragenden Augen ist das Erste was mich anspricht.
Genau Augen spielen eine Rolle im Leben der Elisa, die einen Brief an ihre Lieblingsdichterin Mascha Kalèko schreibt.
Es ist bei Gott kein leichtes und angenehmes Leben welches Elisa da erzählt.
Themen wie Angst, Selbsthass, Selbstverletzung, Drogen, Missbrauch und Gewalt in Beziehungen kommen hier vor.
Eine innere Leere, die nach Mutterliebe schreit verfolgt sie ihr ganzes Leben.
Das tut schon weh es zu lesen.
Hoffnung gibt es in Form von Gedichten, die jedes Kapitel vorangestellt sind.
Mit dieser Form hat mich das Buch schon gewonnen, ich liebe es Gedichte oder Zitate bei jedem Abschnitt zu lesen.
Der ganze harte Stoff kommt aber mit einer gewissen Leichtigkeit daher, ein großes Kompliment an die Autorin.
Das Buch würde ich aber an Jugendliche nur mit Bedacht empfehlen, denn ich glaube die Wirklichkeit ist viel viel härter und schlimmer als es im Buch rüberkommt.
Ein gelungenes Cover mit fragenden Augen ist das Erste was mich anspricht.
Genau Augen spielen eine Rolle im Leben der Elisa, die einen Brief an ihre Lieblingsdichterin Mascha Kalèko schreibt.
Es ist bei Gott kein leichtes und angenehmes Leben welches Elisa da erzählt.
Themen wie Angst, Selbsthass, Selbstverletzung, Drogen, Missbrauch und Gewalt in Beziehungen kommen hier vor.
Eine innere Leere, die nach Mutterliebe schreit verfolgt sie ihr ganzes Leben.
Das tut schon weh es zu lesen.
Hoffnung gibt es in Form von Gedichten, die jedes Kapitel vorangestellt sind.
Mit dieser Form hat mich das Buch schon gewonnen, ich liebe es Gedichte oder Zitate bei jedem Abschnitt zu lesen.
Der ganze harte Stoff kommt aber mit einer gewissen Leichtigkeit daher, ein großes Kompliment an die Autorin.
Das Buch würde ich aber an Jugendliche nur mit Bedacht empfehlen, denn ich glaube die Wirklichkeit ist viel viel härter und schlimmer als es im Buch rüberkommt.
von mariasibylla - 2025-03-23 19:28:00
Im Zug zwischen Zürich und Hamburg - 4 Sterne
Auf einer langen Zugfahrt lässt Elisa ihr Leben Revue passieren. Das macht sie, indem sie sich gedanklich an ihre Lieblingsdichterin Mascha Kaléko wendet, deren Grab sie in Zürich besucht hatte und deren Gedichte sie durchs Leben begleitet haben. So steht auch zu Beginn eines jeden Kapitels ein Gedicht Kalekos, das das Thema vorgibt.
Dieser Aufbau und auch der Prolog, in dem die Autorin ein Liebeslied auf Buchhandlungen, Bücher und Poesie singt, hatten mich bei der Leseprobe sofort begeistert und Lust auf diesen Roman gemacht. Auch den Titel und das Cover fand ich sehr ansprechend.
So war ich anfangs auch sehr begeistert. Von der Erzählform, der Sprache, ich litt mit der Protagonistin mit, mochte ihren inneren, an die Dichterin gerichteten Monolog, in dem sie über das Leben Kalékos spricht und uns von ihrer eigenen, sehr schwierigen Kindheit und Jugend erzählt.
Doch ging der Reiz dann im Laufe der Geschichte verloren. Die Geschichte selbst hat man so oder so ähnlich schon oft gelesen (Lieblosigkeit der Mutter, Rebellion, Flucht ins Punkermilieu, Obdachlosigkeit, Suche nach Liebe, schlechte Erfahrungen mit Männern, einzige Konstante Bücher und das Lesen und dann die richtige, wirklich große Liebe). Die Erfahrungen wiederholen sich, es ist alles in sehr leichtem, flockigem Ton erzählt, bei dem nicht klar ist, ob er ironisch sein soll, relativierend oder ob es darum geht, die Schwere nicht an sich heranzulassen. Es geht um Selbstverletzung, Drogen, Traumen, … Ausgelassen wird ein wenig, wie es zur Rückkehr und Gesundung kam, dazu gibt es nur Andeutungen. Und die Glorifizierung der Liebe, bis zum Schluss, das Motiv der Rettung durch die wahre, gesunde, große Liebe, auch das konnte mich nicht ganz überzeugen.
Ich mochte den Aufbau sehr, die Gedichte am Anfang der Kapitel, auch wie über Maschas Leben und Wirken gesprochen wurde. Elisas Leben blieb mir etwas zu flach. Und hatte zwischendurch Längen.
Schönes Buch, interessanter Aufbau, großteils sehr gelungene Sprache. Elisa und ihre Geschichte hätte aber mehr Tiefe verdient.
Dieser Aufbau und auch der Prolog, in dem die Autorin ein Liebeslied auf Buchhandlungen, Bücher und Poesie singt, hatten mich bei der Leseprobe sofort begeistert und Lust auf diesen Roman gemacht. Auch den Titel und das Cover fand ich sehr ansprechend.
So war ich anfangs auch sehr begeistert. Von der Erzählform, der Sprache, ich litt mit der Protagonistin mit, mochte ihren inneren, an die Dichterin gerichteten Monolog, in dem sie über das Leben Kalékos spricht und uns von ihrer eigenen, sehr schwierigen Kindheit und Jugend erzählt.
Doch ging der Reiz dann im Laufe der Geschichte verloren. Die Geschichte selbst hat man so oder so ähnlich schon oft gelesen (Lieblosigkeit der Mutter, Rebellion, Flucht ins Punkermilieu, Obdachlosigkeit, Suche nach Liebe, schlechte Erfahrungen mit Männern, einzige Konstante Bücher und das Lesen und dann die richtige, wirklich große Liebe). Die Erfahrungen wiederholen sich, es ist alles in sehr leichtem, flockigem Ton erzählt, bei dem nicht klar ist, ob er ironisch sein soll, relativierend oder ob es darum geht, die Schwere nicht an sich heranzulassen. Es geht um Selbstverletzung, Drogen, Traumen, … Ausgelassen wird ein wenig, wie es zur Rückkehr und Gesundung kam, dazu gibt es nur Andeutungen. Und die Glorifizierung der Liebe, bis zum Schluss, das Motiv der Rettung durch die wahre, gesunde, große Liebe, auch das konnte mich nicht ganz überzeugen.
Ich mochte den Aufbau sehr, die Gedichte am Anfang der Kapitel, auch wie über Maschas Leben und Wirken gesprochen wurde. Elisas Leben blieb mir etwas zu flach. Und hatte zwischendurch Längen.
Schönes Buch, interessanter Aufbau, großteils sehr gelungene Sprache. Elisa und ihre Geschichte hätte aber mehr Tiefe verdient.
von Petra Gruber - 2025-03-23 10:04:00
Bisheriges Jahreshighlight - 5 Sterne
Für mich ist „Mit dir möchte ich im Himmel Kaffee trinken“ bisher das Lesehighlight dieses Jahres – nicht zuletzt, weil ich Mascha Kaléko als Dichterin, um die es im Roman auch geht, ohnehin sehr liebe. Im Zentrum des Romans steht jedoch Elisa, die der Dichterin ihre eigene bewegende Lebensgeschichte erzählt.
Elisa fühlt sich von Kalékos Gedichten verstanden, seit sie sie mit Anfang 20 entdeckt hat, und vertraut ihr ihre Gedanken an – über ihre schwierige Kindheit, ihre Zeit im Heim, ihre Liebesbeziehungen, immer auf der Suche nach Geborgenheit, die sie lange nur in Büchern fand. Und trotzdem ist der Roman nicht düster, sondern voller Sehnsucht, Hoffnung und Poesie. Mit großer Leichtigkeit wird von den schweren Dingen erzählt, beim Erzählen über Freundschaft, der Liebe zu Büchern und der großen Liebe wird es aber auch schon auch mal ein bisschen pathetisch. Diese Mischung hat mir einfach richtig gut gefallen und ich habe mir Vieles angestrichen.
Besonders gelungen fand ich auch die Struktur des Romans: Jedes Kapitel beginnt mit einem passenden Gedicht von Mascha Kaléko, das Elisas Erlebnisse und Gedanken spiegelt. Das hat mir die Gedichte noch einmal anders näher gebracht und ich habe jetzt richtig Lust auf mehr. Insgesamt ist der Roman damit eine literarische Liebeserklärung – an Kaléko, an die Kraft der Worte und daran, dass wir selbst in den dunkelsten Momenten Trost finden können.
Elisa fühlt sich von Kalékos Gedichten verstanden, seit sie sie mit Anfang 20 entdeckt hat, und vertraut ihr ihre Gedanken an – über ihre schwierige Kindheit, ihre Zeit im Heim, ihre Liebesbeziehungen, immer auf der Suche nach Geborgenheit, die sie lange nur in Büchern fand. Und trotzdem ist der Roman nicht düster, sondern voller Sehnsucht, Hoffnung und Poesie. Mit großer Leichtigkeit wird von den schweren Dingen erzählt, beim Erzählen über Freundschaft, der Liebe zu Büchern und der großen Liebe wird es aber auch schon auch mal ein bisschen pathetisch. Diese Mischung hat mir einfach richtig gut gefallen und ich habe mir Vieles angestrichen.
Besonders gelungen fand ich auch die Struktur des Romans: Jedes Kapitel beginnt mit einem passenden Gedicht von Mascha Kaléko, das Elisas Erlebnisse und Gedanken spiegelt. Das hat mir die Gedichte noch einmal anders näher gebracht und ich habe jetzt richtig Lust auf mehr. Insgesamt ist der Roman damit eine literarische Liebeserklärung – an Kaléko, an die Kraft der Worte und daran, dass wir selbst in den dunkelsten Momenten Trost finden können.
von LeserinLu - 2025-03-21 08:13:00


