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Rezensionen

Das Licht in den Wellen
Eine Familiengeschichte zwischen New York City und Föhr

Autor: Janne Mommsen

Erschienen 2025 bei ROWOHLT Taschenbuch
ISBN 978-3-499-01584-7
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Das Licht in den Wellen - 5 Sterne

Es gibt Bücher, die liest man – und es gibt Bücher, die begleiten einen eine Weile, wie ein leiser Wind, der noch lange nachhallt. Das Licht in den Wellen gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie. Es ist eines dieser seltenen Bücher, das nicht laut sein muss, um gehört zu werden. Es erzählt von einem Leben – und plötzlich beginnt man, über das eigene nachzudenken.
Im Zentrum steht Inge Martensen, fast hundert Jahre alt, eigensinnig, wach, und alles andere als bereit, sich in die Rolle der Feiernden zum runden Geburtstag fügen zu lassen. Stattdessen tut sie, was sie offenbar schon ihr ganzes Leben getan hat: Sie geht. Einfach so. Steigt mit ihrer Urenkelin Swantje auf ein Schiff Richtung New York. Es ist eine Flucht, vielleicht. Oder eine Rückkehr. Oder beides zugleich.
Schon diese Ausgangsidee hat für mich etwas zutiefst Berührendes: Eine alte Frau, die noch einmal aufbricht, nicht aus Not, sondern aus einem inneren Drängen heraus. Und eine junge Frau an ihrer Seite, die noch nicht weiß, wohin ihr eigener Weg führen soll. Zwischen ihnen spannt sich während der Überfahrt ein Raum aus Erinnerungen – und genau dort beginnt der eigentliche Zauber dieses Romans.
Denn Inge erzählt – und mit jeder Erinnerung öffnen sich neue Bilder: das karge, windgepeitschte Leben auf der friesischen Insel Föhr, wo der Himmel weit ist und die Möglichkeiten eng. Und dann plötzlich New York City – laut, überfordernd, grenzenlos. Der Moment, in dem Inge als junges Mädchen zum ersten Mal die Skyline sieht, gehört zu den eindringlichsten Szenen des Buches. Man spürt ihre Verlorenheit, aber auch dieses kaum greifbare Knistern von Möglichkeit.
Was mich besonders berührt hat, ist die Art, wie Janne Mommsen diese Gegensätze nicht gegeneinander ausspielt, sondern miteinander verwebt. Föhr bleibt in Inge lebendig, selbst als sie längst zwischen Wolkenkratzern steht. Die Erinnerung an den Wind, das Watt, die Gezeiten – sie wird zu einer inneren Kraftquelle. Vielleicht ist es genau das, was dieses Buch so leise und eindringlich erzählt: dass Herkunft kein Ballast sein muss, sondern ein Anker.
Und dann ist da diese wunderbare, fast unscheinbare Erfolgsgeschichte. Inge, die kaum Englisch spricht, die nichts „kann“ außer anpacken – und die sich doch ihren Platz erarbeitet. Nicht durch große Gesten, sondern durch Beharrlichkeit, durch Neugier, durch ein bisschen Mut. Ihr „magic potato salad“ wird fast zu einem Symbol dafür: etwas scheinbar Einfaches, das plötzlich Türen öffnet, Menschen verbindet, ein eigenes Leben bekommt.
Natürlich könnte man sagen, dass manches in diesem Roman ein wenig idealisiert wirkt. Dass die Figuren nicht immer die größte psychologische Tiefe besitzen, dass Konflikte sich manchmal sanfter auflösen, als sie es im echten Leben vielleicht würden. Aber während des Lesens erschien mir das nie als Schwäche. Im Gegenteil: Es passt zu diesem Ton, der eher erinnern als analysieren will, eher erzählen als erklären.
Denn „Das Licht in den Wellen“ ist kein Buch, das beeindrucken möchte. Es möchte berühren. Und das gelingt ihm – auf eine stille, beinahe zärtliche Weise. Besonders in den Momenten, in denen Inge von dem erzählt, was sie nie gesagt hat. Von den Entscheidungen, die man trifft – und von denen, die man nicht trifft. Von dem, was bleibt, wenn ein langes Leben sich langsam rundet.
Am Ende ist es vielleicht genau dieses Gefühl, das bleibt: eine Mischung aus Wehmut und Zuversicht und die leise Erkenntnis, dass kein Leben geradlinig verläuft. Dass man sich verirren darf. Dass man neu anfangen kann – selbst mit fast hundert Jahren.
Das Licht in den Wellen ist kein spektakuläres Buch, aber eines, das Wärme schenkt. Eines, das einen daran erinnert, dass Mut nicht immer laut ist – manchmal ist er einfach nur der nächste Schritt. Eine lichtvolle Empfehlung für das Bücherfrühjahr!
von Katja Hölzl aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck - 2026-04-27 10:42:14

Gut geschriebene, leichte Unterhaltung - 3 Sterne

1947 verlässt Inge die Insel Föhr, um nach Amerika auszuwandern. Sie ist 24 Jahre alt und spricht kein Wort Englisch.
Sie arbeitet sehr viel und hart in einem Deli und wird durch ihren Kartoffelsalat bald zu einer kleinen Berühmtheit.
Drei Jahre später heiratet Inge und übernimmt das Restaurant eines Yachthafen.  Sie und Ihr Mann Hauke werden damit überaus erfolgreich.

Während der ganzen Zeit trägt Inge ein Geheimnis mit sich rum, über das sie mit niemandem spricht.  Die Auflösung gibt es am Ende und ich konnte die grosse Geheimniskrämerei nicht nachvollziehen.

In dem Buch geht es hauptsächlich um das Leben von Inge. Die Kapitel in der Gegenwart sind eher kurz gehalten und somit erfährt man auch nur wenig von ihrer Urenkelin Swantje.

Gut beschrieben ist der Unterschied zwischen dem hektischen New York  und der beschaulichen Insel Föhr.  Auch das Leben der Einwanderer wird recht gut dargestellt.


Ein unterhaltsames Buch, dass sich gut zum Entspannen eignet.  Man sollte aber nicht zuviel erwarten.

von Beavielleser - 2025-06-06 09:01:00

Wunderschöne Familiengeschichte - 5 Sterne

Schon das Cover finde ich sehr inspiriend. Die Weite, die Leichtigkeit und gleichzeitig die Macht des Meeres sind ein wiederkehrendes Motiv im Buch. Wer gern in das Föhr und New York der Nachkriegszeit eintauchen will, ist mit diesem Buch sehr gut beraten. Eine Familiengeschichte über 4 Generationen wird sehr lebhaft beschrieben, die sich auch die Aus- und Rückwandererbewegung zwischen Föhr und New York bezieht. Dabei gibt es immer wieder Zeitblenden die dem Autor sehr gut gelingen und so ein Großes und Ganzes erst nach und nach entstehen lassen. Einige Personen haben historische Ursprünge, andere wurden Hinzugedichtet. Eine Hommage an New York und Föhr, die voller Liebe die Gegensätze hervorbringt und ungeahnte Gemeinsamkeiten aufzeigt.
Sprachlich lässt sich dieses Werk gut und leicht lesen und ist ein tolles Buch für den Sommer.
von Zisa - 2025-05-27 10:10:00

Gestern und heute - 4 Sterne

Das Cover von "Das Licht in den Wellen) passt meiner Meinung nach hervorragend zum Titel.
Janne Mommsen erzählt die Geschichte der fast einhundert jährigen Inge Martensen, die sich kurz vor ihrem runden Geburtstag mit ihrer Enkelin Swantje auf den Weg von der Insel Föhr nach New York macht
Dort erzählt sie ihr von ihrem früheren, glamourösen Leben in der Großstadt, das im krassen Gegensatz zum einfachen Leben auf der Nordseeinsel steht.
Janne Mommsen gelingt es wunderbar, die beiden, doch so unterschiedlichen welten, detailreich und anrührend zu schildern.
Seine Charaktere, insbesondere der starken Figur der Inge, sind sympathisch und nachvollziehbar.
Ich kannte Janne Mommsen bisher nur von seinen Küstenromanen, was ein Thema, welches auch hier durchklingt, aber diese Geschichte hat mich berührt und mitgenommen.
Eine klare Leseempfehlung!



von Mabla59 - 2025-05-07 13:29:00

Berührende Geschichte - 4 Sterne

Hinter dem schönen Cover versteckt sich die Geschichte der hundertjährigen Inge, die einst von ihrer Heimatinsel Föhr nach New York geht um dort bei ihrem Cousin in seinem Feinkostladen zu arbeiten. Warum sie nach New York geht erfährt der Leser erst ganz zum Schluss. Wider erarten lebt sich Inge schnell in New York ein, lernt die Sprache schnell, aber durch des Nordriesenvereines wo alle friesisch sprechen, geben ihr ein Stück Heimat zurück. Immer will sie aber zurück nach Föhr zu ihrer Familie, doch es kommt immer etwas dazwischen und letztendlich auch die Liebe zu Hauke einen Friesen den sie heiratet und mit dem sie sogar ein gutgehendes Esslokal aufmacht.Irgendwann läuft alles aus dem Ruder durch eine harten Schicksal schlag, der sie auch nach Föhr zurückgehen lässt. Doch innerlich ist sie immer zerrissen zwischen Föhr und New York, das sie mit ihren hundert Jahren mit ihrer Enkelin eine Schiffsreise nach Amerika macht.
Fazit:
Eine berührende Geschichte über eine Frau die mit ihrer Vergangenheit abschließen will und deshalb nochmal nach New reist. Was da passiert, erfährt man erst in der Fortsetzung. Schöner berührende Schreibstil der überzeugt
von Rolf Fox - 2025-05-07 10:41:00

Zwei Welten - 4 Sterne

Inge ist eine Meisterin im Ausreißen. Als junge Frau riss sie mit einem schweren Geheimnis im Gepäck von Föhr nach New York aus. Und nun, als fast Hundertjährige, reist sie wiederum von Föhr nach New York. Immer noch dabei: das schwere Gepäck aus ihrer Jugend.
Wir dürfen in der Geschichte teilhaben an dem Leben der jungen Auswanderin, die kaum ein Wort Englisch spricht, als sie in New York ankommt, aber dank ihres magischen Kartoffelsalat dort schnell Karriere macht. Von einer einfachen Helferin in einer Küche bis zur Leitung eines Edelrestaurants. Inge scheint einfach alles zu gelingen. Zu allem Glück lernt sie auch noch einen friesischen Jungen namens Hauke kennen, mit dem sie von nun an ihr Leben teilt. Ein gemeinsamer Sohn macht ihr Glück perfekt. Bis ein Schicksalsschlag Inge dazu bringt, wieder Reißaus zu nehmen. Diesmal nach Föhr.
Das Buch liest sich leicht, hat aber so manche Längen. Bis ins Detail wird erzählt, wie es Inge in all den Jahren ergangen ist. Andere Stellen dagegen werden zu oberflächlich beschrieben, so als müssten sie schnell zu Ende erzählt werden. Von mir gibt es deshalb nur vier Sterne. Trotzdem finde ich das Buch empfehlenswert. Eine Fortsetzung der Geschichte soll schon in Planung sein.
von Sophie H. - 2025-04-21 15:51:00

Einfach schön und lesenswert! - 5 Sterne

'Das Licht in den Wellen' erzählt das bewegte Leben von Inge, welche als junge Frau von Föhr nach New York auswandert, um dort ihr Glück zu suchen. Umrahmt wird dies von einer Schiffsreise nach New York, welche die fast 100-jährige Inge mit ihrer Urenkelin Swantje unternimmt, um all die Orte aus ihrer Zeit in New York nochmals zu besuchen. Janne Mommsen beschreibt das Leben von Inge in einer melodischen, bildhaften und einfühlsamen Sprache. Die Atmosphäre ist richtig spürbar. Ich fühle Inges Ängste und Traurigkeit zum Beispiel bei der Abreise aus Föhr, ihre teilweise Überforderung in der ersten Zeit in New York, ihr Heimweh und freue mich über ihr Glück und ihren Erfolg. Ein wahrer Wohlfühl-Roman, welcher mich als Leserin mit einem guten Gefühl zurücklässt. Ich kann nur sagen, dass ich die Geschichte von Inge geliebt habe. Daher eine absolute Leseempfehlung von meiner Seite.
von Michaela - 2025-04-20 11:58:00

Föhr-Manhattan - 3 Sterne

Es ist die Geschichte der fast hundertjährigen Inge Martensen. Während sie mit ihrer Urenkelin Swantje mit dem Schiff nach New York reist, erzählt sie die Geschichte ihres Lebens
Als junges Mädchen verlässt Inge ihre geliebte Heimatinsel Föhr und wandert nach Manhattan aus. Der Grund warum die Bauerntochter sich für diesen Schritt entscheidet bleibt lange Zeit im Dunklen.
Mit viel Mut und Fleiß schafft sie es sich von einer einfachen Verkäuferin zur Besitzerin eines Restaurants hochzuarbeiten.. Ihre Art zu Kochen zieht bald zahlreiche Besucher an.
Auf ihren Weg gibt es es zahlreiche Herausforderungen. Es gibt Menschen, die immer an ihrer Seite stehen , aber nicht immer wollen alle nur ihr Bestes.
Dem Autor gelingt es hervorragend das Leben dieser starken Frau zu erzählen, die ihren eigenen Weg geht Sie ist in unterschiedlichen Welten zu Hause, aber ihr Herz gehört Föhr.
Leseempfehlung!
von peppi - 2025-04-15 15:07:00

Sink or swim - 4 Sterne



Wer die Inselbücher (Die Reihe Friesencafé oder Inselbuchladen) von Janne Mommsen gerne liest, dem wird auch das neue Buch des Autors „Das Licht in den Wellen“ gefallen. Man kann auf Föhr und in New York in das Geschehen „eintauchen“ und das Leben auf der ruhigen Insel und dem Treiben der amerikanischen Großstadt mitverfolgen.
Ingma – die Hauptfigur des Romans- pendelt zwischen diesen Welten und gemäß dem Motto „sink oder swim“ kämpft sie und schwimmt sich frei. Unterstützt von guten Freunden, ihrer Familie und später dem Ehemann arbeitet sie sich mit viel Fleiß und Mut zur Spitzenköchin und Restaurantbesitzerin empor, die sogar die J.F. Kennedy bekochen darf.
Damit schafft der Autor ein starke Frauenfigur, deren Weg der Leser(wohl eher die Leserin) gerne mitverfolgt und miterleben will. Ihren Mut gibt Ingma später an ihre Nichte und Enkelin weiter, für die der amerikanische Traum wahr wurde bzw. wohl wahr werden wird. Der Stoff für weitere Folgen ist angelegt.
Ein Wohlfühlbuch, in dem auch der flüssige Stil gefällt.

von fantasia - 2025-04-14 14:28:00