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Rezensionen

Strandopfer
Grenzfall Ostsee | Packende Spannung an der deutsch-polnischen Grenze

Autor: Frank Goldammer

Erschienen 2026 bei ROWOHLT Taschenbuch
ISBN 978-3-499-01917-3
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Bernstein-Opfer - 3 Sterne

Lena Schuldt wird an die polnische Ostseeküste geschickt, weil ein deutscher Urlauber tot am Strand liegt. Was wie ein Unfall aussieht, wird sofort rätselhaft, als man einen großen Bernstein im Mund des Toten findet. Nur kurze Zeit später wird die zehnjährige Luisa, die Tochter einer Bekannten des Verstorbenen, als vermisst gemeldet. Gemeinsam mit dem polnischen Ermittler Adam Krawczyk nimmt Lena die Urlaubergruppe in einer Villa ins Visier. Alle wirken nervös, jeder hat Geheimnisse, und niemand sagt die ganze Wahrheit. Als ein zweiter Mensch unter denselben mysteriösen Umständen stirbt, wird klar, dass ein Täter gezielt zuschlägt und dass die Zeit knapp wird, um Luisa zu finden.

"Strandopfer" ist der Auftakt in eine neue Krimi-Reihe mit dem deutsch-polnischen Ermittler-Duo.

Die Grundidee mit dem deutsch-polnischen Ermittler-Duo, kulturellen Reibungspunkten und der Ostsee-Atmosphäre ist sehr interessant, doch leider war die Handlung selbst etwas durchwachsen und Potenzial ging verloren.

Ansich lässt sich der Schreibstil ganz gut und flüssig lesen. Da die Handlung sich an der polnischen Ostseeküste abspielt, werden auch polnische Ausdrücke und Sätze eingebaut, die aber leicht zum Stolperstein werden und dadurch den Lesefluss hemmen.

Die Handlung wird hauptsächlich aus der Perspektive von Lena erzählt. Es plätschert eher vor sich hin, als dass wirklich ermittelt wird. Viele Szenen verlieren sich in Nebensächlichkeiten, Wiederholungen ziehen sich durch das Buch, und die Entscheidung, ausschließlich aus Lenas Perspektive zu erzählen, nimmt der Geschichte auf Dauer die nötige Spannung. Ein Perspektivwechsel hätte hier viel Dynamik bringen können.

Sehr geprägt wurde die Handlung von Vorurteilen gegenüber Polen. Sie nahmen etwas überhand und irgendwann haben sie nur noch genervt.

Über die Hauptprotagonistin Lena erfährt man in diesem Band schon sehr viel. Ihre schwierige Kindheit macht sie greifbar, aber ihre Vergangenheit wird so ausführlich und so oft wiederholt erzählt, dass der eigentliche Fall immer wieder in den Hintergrund rückt. Adam dagegen bleibt noch sehr blass. Man erfährt kaum etwas Privates über ihn, was die Dynamik des Duos unausgewogen wirken lässt.

Mein Fazit:
Ein Krimi mit interessanter Grundidee und atmosphärischem Stil, der sich aber zu sehr in Vorurteilen, Wiederholungen und Lenas Vergangenheit verliert. Die Spannung bleibt auf der Strecke, was sehr schade ist, denn das Ermittler-Duo hätte viel Potenzial.
von Annabell95 - 2026-06-14 20:47:00

Ermittlungen in der Grenzregion - mit Herausforderungen - 5 Sterne

Am Strand an der polnischen Ostseeküste bei8 Swinemünde wird ein deutscher Tourist tot aufgefunden – das besondere in seinem Rachen steckt ein großer Bernstein. Ermittlerin Lena Schuldt aus Berlin wird nach Polen geschickt um dort gemeinsam mit ihrem polnischen Kollegen Adam Krawczyk zu ermitteln, auch da nicht gänzlich klar ist, ob es nicht auch politische Verstrickungen gibt – ist doch ein Mitreisender in einem Ministerium angestellt. Doch rasch bekommt der Fall noch größere Züge, ist doch die zehnjährige Luise verschwunden, seit sie vermutlich mit dem Toten zum Schwimmen aufbrach. Fieberhaft sucht die gesamte Region nach dem Kind und es taucht auch eine zweite Leiche auf, die ebenfalls einen Bernstein im Mund trägt.

Dieser Band ist der Auftakt einer neuen Krimireihe, die im deutsch-polnischen Grenzgebiet spielt, etwas das ich so noch nicht kannte. Rasch merkt man auch, dass die Ermittlungen nicht einfach sind. Einerseits scheinen die deutsche und polnische Polizei, etwas anders zu arbeiten, was Befehlsstrukturen betrifft. Auch spielen immer wieder Vorurteile in die Teamarbeit hinein.

Beide Ermittler sind jeweils doch eher getriebene Charaktere. Lena, die bei ihrem alkoholkranken Vater und danach bei dessen Eltern aufwuchs auf der deutschen Seite der Region, trägt die Erinnerungen an ein schreckliches Ereignis in ihrer Vergangenheit mit sich. Auch tiefer liegende Erinnerungen, die sie dachte mit ihrer Flucht nach Berlin hinter sich gelassen zu haben, brechen wieder auf, als sie sich in der polnisch-deutschen Grenzregion aufhält. Reaktionen und Gefühle, die für mich sehr nachvollziehbar sind und schrittweise im Zuge der Ermittlungen aufpoppen. Auch Adam scheint sein Päckchen zu tragen, bleibt während dem Großteil der Geschichte allerdings eher verschlossen, für Lena und den Leser – seine Geschichte erfährt man hauptsächlich durch Kollegen.

Der Fall selbst weist viele Wendungen und Höhepunkte auf, die Ermittlung selbst ziehen sich teilweise etwas. Wohl durchwegs so wie es bei echter Ermittlungsarbeit ist. Erzähltechnisch ist es wohl einerseits der Tatsache geschuldet, dass stückweise die Biografie der Ermittler eingebaut wird, andererseits ergibt sich das wahrscheinlich auch aus der Tatsache, dass man bei den Ermittlungen vor allem Lena folgt und diese kein polnisch spricht und in Polen auch nicht selbst agieren kann. Sie ist auf Adam angewiesen und er erhält Anordnungen von weiter oben, ist also weniger frei in der Handlung. Persönliche und kulturelle Konflikte werden thematisiert und verlangsamen damit die Geschichte etwas.

Der Ansatz ist spannend, eben weil neben einem Kriminalfall so viel an Konflikten und Klischees aufgegriffen wird, etwas das anscheinend noch immer ein präsentes Thema in der Region ist. Spannend ist auch zu sehen, wie die Biografien zweier Personen an unterschiedlichen Seiten der Grenze verlaufen sind und welche Schicksalsschläge sie geprägt haben.

Ich werde damit definitiv auch den nächsten Band der Reihe lesen, schon allein um herauszufinden, wie sich die Dynamik des Ermittlerduos entwickelt.
von leopol - 2026-06-14 11:17:00

Noch keine echte Partnerschaft bei der gemeinsamen Ermittlung - 3 Sterne

Mit STRANDOPFER stellt Frank Goldammer den ersten Teil seiner neuen Krimireihe vor.
Eine neue Reihe, neue Ermittler, ein neuer Handlungsort! Die deutsch-polnische Grenzregion der Ostseeküste wird hier in den Fokus genommen.
Am Strand bei Swinemünde findet man einen toten deutschen Touristen, bei dem zunächst ein Badeunfall vermutet wurde. Doch bei näherer Untersuchung ist es doch nicht so. In seinem Mund steckt ein größerer Bernstein. Zudem meldet man kurz darauf die zehnjährige Luisa als vermisst. Sie ist die Tochter einer Freundin des Toten.

Die BKA-Kommissarin Lena Schuldt aus Berlin nimmt gemeinsam mit dem polnischen Kommissar Adam Krawczyk die Ermittlungen auf.
Der Tote und das Mädchen gehören zu einer deutschen Urlaubergruppe, die befreundet sind und sich aber sehr bedeckt halten. Die Befragungen gestalten sich sehr zäh. Sie machen sich dadurch verdächtig. Was gibt es zu verbergen? Das ist die nächstliegende Frage. Doch sowohl die deutsche Kommissarin als auch der polnische Polizist, die im gleichen Alter sind, scheinen nicht mit vollem Einsatz bei der Sache zu sein. Lena hat zudem ständig das Gefühl, ihr wird nicht alles richtig übersetzt, da sie der polnischen Sprache nicht mächtig ist.

Mir kommt die gesamte Story reichlich verworren, abstrus und in weiten Teilen schwer nachvollziehbar vor.
Lena und Adam verfolgen unterschiedliche Ermittlungsansätze. Beide haben miteinander zunächst ihre Probleme. Die Berliner Kommissarin wuchs in der Grenzregion auf, hatte eine schwierige Kindheit/Jugend durch das Elternhaus, aber auch als Mitläuferin bei rechtsextremen Cliquen, die z.B. auch auf Polen nicht gut zu sprechen waren. Von einer intensiven gemeinsamen Arbeit bei der Aufklärung der Morde kann man (noch?) nicht sprechen. Die Auflösung erfolgt überraschend und eher nebenbei.

Fazit:
Der erste Teil dieser Reihe wird bestimmt durch Vorurteile, Bewältigung von persönlichen Problemen aus der Vergangenheit und reichlich verworren erscheinenden Theorien zur Auflösung der seltsamen Verbrechen.
Für den zweiten Teil erwarte ich mehr. Die Story und das Ermittlerpaar konnte mich noch nicht überzeugen.

Ich bewerte mit drei von fünf Sternen.

von Hennie - 2026-06-12 15:32:00

Spannender Ostseekrimi - 5 Sterne

Der Krimi "Strandopfer" von Frank Goldammer erschien am 15. Mai 2026 im Rowohlt Verlag. Schon das Cover passt hervorragend zum Titel und zur düsteren Stimmung. In der Geschichte geht es um Ermittlerin Lena Schuldt, die an die Ostseeküste reist, um den Tod eines deutschen Touristen in Swinemünde aufzuklären. Ein Bernstein im Mund des Opfers deutet auf mehr als einen Badeunfall hin. Als ein Mädchen verschwindet und ein weiterer Toter gefunden wird, geraten Lena und Kommissar Adam Krawczyk unter Zeitdruck. Der Schreibstil des Autors ist sehr flüssig, bildhaft und angenehm zu lesen. Ich war schnell in der Geschichte angekommen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Spannung bleibt durchgehend hoch und immer wieder sorgen überraschende Wendungen dafür, dass man miträtselt und seine Vermutungen überdenkt.
Besonders gut gefallen hat mir die Darstellung der Protagonistin Lena Schuldt. Sie wirkt stark, mutig und entschlossen, auch wenn ich in einigen Situationen wahrscheinlich ganz anders gehandelt hätte als sie. Gerade das macht sie aber interessant und lebendig. Mit Adam Krawczyk wurde ich persönlich nicht ganz warm, was mich beim Lesen jedoch nicht gestört hat. Auch die Nebenfiguren sind klar und übersichtlich gezeichnet und fügen sich gut in die Handlung ein. Das Ende hat mich definitiv überrascht. Damit hatte ich so nicht gerechnet, was für mich ein großer Pluspunkt ist. Insgesamt ist das Buch ein gelungener, spannender Krimi mit einem Fall, der bis zum Schluss fesselt. Ich würde mich sehr über einen weiteren Band mit Lena Schuldt freuen.
von Odina - 2026-06-03 12:50:00

Nicht wirklich fesselnd - 2 Sterne


"Manchmal ist das Meer nicht das Kälteste."

Die BKA-Ermittlerin Lena Schulte wird an die deutsch-polnische Ostseeküste gerufen, nachdem ein Tourist tot am Strand von Świnoujście aufgefunden wurde. Zunächst deutet alles auf einen tragischen Badeunfall hin, doch ein Bernstein im Mund des Opfers macht den Fall verdächtig. Gleichzeitig verschwindet die zehnjährige Luisa, die mit dem Toten in Verbindung steht. Als dann noch eine weitere Leiche auftaucht, beginnt für Lena und ihren polnischen Kollegen Adam Krawczyk ein gefährlicher Wettlauf gegen die Zeit.

Klingt spannend? Ist es aber leider nicht wirklich.

Frank Goldammers „Strandopfer“ startet zunächst mit einer durchaus interessanten Ausgangslage, verliert jedoch schnell an Tempo, weil sich die Ermittlungen über weite Strecken im Kreis drehen und viele Szenen unnötig in die Länge gezogen wirken. Immer wieder werden dieselben Fragen an dieselben Personen gestellt, ohne dass die Geschichte spürbar vorankommt.
Hinzu kommt ein Schreibstil, der auf mich teilweise recht holprig wirkte – manche Formulierungen und eigenwilligen Satzkonstruktionen bremsten meinen Lesefluss immer wieder aus.

Auch mit den Figuren wurde ich nicht warm: Sowohl Lena als auch Adam blieben für mich distanziert und wenig sympathisch, wodurch es schwerfiel, wirklich mit ihnen mitzufiebern. Lena wirkte auf mich häufig anstrengend und unsympathisch, während Adam permanent bemüht scheint, sich beweisen zu müssen.

Die Auflösung war am Ende zwar noch einigermaßen solide, das Motiv blieb für mich jedoch nur bedingt nachvollziehbar.

Fehlende Spannung, sich im Kreis drehende Ermittlungen, schwache Figuren: Insgesamt hinterlässt der Roman bei mir den Eindruck eines zähen Reihenauftakts, der wenig Lust auf eine Fortsetzung macht.
von Arambol - 2026-05-21 08:12:00

Hier ist wenig, wie es scheint - 4 Sterne

Dieser Krimi ist Auftakt zu einer neuen Reihe von Frank Goldammer, die uns an die polnische Ostsee führt wo vier befreundete Ehepaare sowie die Tochter eines Paares ihre Ferien verbringen. Die vermeintliche Idylle zerbricht, als einer der Urlauber, Joachim Hundt, tot am Strand aufgefunden wird. Weil Hundt ein Mitarbeiter im deutschen Innenministeriums war, wird Oberkommissarin Lena Schuldt vom BKA Berlin nach Swinemünde entsendet, um sicher zugehen, dass es sich hier um einen schnöden Badeunfall handelt. Gleich bei ihrer ersten Begegnung stehen sich Lena Schuldt und ihr polnischer Kollege Adam Krawczyk mit ihren Vorurteilen gegenüber.

Als sich herausstellt, dass Hundt ermordet worden ist und in seinem Rachen ein großer Bernstein steckt, müssen sie zusammenarbeiten. Mehrmals weist Adam darauf hin, dass Lena in Polen nicht zu sagen hat. Zumal Lena kein polnisch spricht, während Krawczyk neben polnisch auch deutsch spricht. So muss sie immer wieder warten, bis er übersetzt hat, wobei sie den Eindruck hat, er dolmetscht nicht exakt.

Die Befragung der Urlauber ergibt zum Entsetzen der Ermittler, dass Luisa, die Tochter von Silvia Lizkow wird vermisst. Sie soll, trotz Verbotes mit Joachim Hundt zum Strand gefahren sein. Der Tote tritt in den Hintergrund und die Suche nach dem Mädchen läuft an. Gleichzeitig stellt sich heraus, dass sich die Ehepaare doch nicht so grün sind, wie sie behaupten. Außerdem torpedieren sie die Ermittlungen in dem sie mögliche relevante Beobachtungen verschweigen oder überhaupt lügen. Besonders die Mutter des Mädchens fällt durch eigenartiges Benehmen auf. Der Druck das vermisste Mädchen zu finden, wird stetig höher. Doch es gibt weitere Tote und die Ermittler leisten sich auf Grund ihrer gegenseitigen Abneigung einige Ermittlungsfehler.

Werden sie das Mädchen lebend finden?

Meine Meinung:

Ich kenne so gut wie alle Krimis von Frank Goldammer - seine Fußballkrimis, die Bruch-Reihe sowie die beiden Dresden-Reihen rund um Max Heller und dessen Großvater Gustav Heller. Daher habe ich einen guten Überblick über das Werk des Autors. Schon mit der Bruch-Reihe beschreitet Goldammer einen neue Richtung. Seine Ermittler haben private Probleme, sind ohne Beziehung und voller Voreingenommenheiten den anderen gegenüber. Sind es in der Reihe Felix Bruch innerdeutsche Vorurteile zwischen BRD und DDR, so sind es nun Ressentiments zwischen Polen und Deutschland, die für Spannungen sorgen.

Goldammer zeigt in diesem spannender Auftakt zur Grenzfall Ostsee Reihe, welche Vorurteile immer noch in den Köpfen vorherrschen und gleichzeitig, dass es manche Menschen sehr gut verstehen, ihr Umfeld zu manipulieren. Die Geschichte hat viel Potenzial, das leider in einem Strudel von Missverständnissen, Kompetenzstreitigkeiten sowie den Flashbacks von Lena aus ihrer Jugend eingebremst wird. Ich persönlich finde das wirklich schade, dass hier zwischen den Ermittlern kein gutes Arbeitsklima herrscht. Adam besorgt sich heimlich Informationen über Lenas Vorleben und bestätigt mit seinen eigenen Vorurteilen die ihren, die sich ständig zu bestätigen scheinen.

Insgesamt sind die Charaktere hier sehr gewöhnungsbedürftig. Die verschwundene Luisa wird von den Erwachsenen, sogar von ihrer Mutter, als Störenfried, verzogenes Gör beschrieben und hat wenig Liebenswertes an sich.
Die mehrmaligen Wiederholungen über Lenas Kindheit bzw. Jugend sind ein wenig zäh, denn man erfährt nichts wirklich neues.

Interessant zu lesen ist, dass die Hierarchie bei der polnischen Polizei ziemlich militärisch wirkt, was für die deutsche Ermittlerin durchaus irritierend ist. Nun ja, man wird sehen, wie es mit diesem ungleichen Paar weitergehen wird.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Reihenauftakt, der ein Ermittler-Duo zeigt, dass beide randvoll mit Vorurteilen dem jeweils anderen gegenüber sind, und trotzdem zusammenarbeiten müssen, 4 Sterne.
von Bellis-Perennis - 2026-05-19 13:47:00