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Rezensionen

Der Wind kennt meinen Namen
Roman | Eine Geschichte von Liebe und Entwurzelung, Hoffnung und der Suche nach Familie und Heimat

Autor: Isabel Allende

Erschienen 2024 bei Suhrkamp;Plaza & Janés
ISBN 978-3-518-43200-6
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Gegen die Gleichgültigkeit! - 3 Sterne

Isabel Allende erzählt in ihren Romanen nicht nur spannende Geschichten, sie thematisiert immer wieder Anliegen, die ihr wichtig sind. So auch in diesem Roman. Es geht um Flucht, um Flüchtlinge.
Laut UNHCR waren 2023 mindestens 117,3 Millionen Menschen auf der ganzen Welt gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen.

Auch wenn Allende selbst nicht wirklich ein durchschnittliches Flüchtlingsschicksal erlitten hat, so hat sie doch das Gefühl des Verlassen-müssens, des Geduldet-werdens, der Entwurzelung durchaus kennengelernt. Erfahrungen, die prägend für sie waren.

In ihrem Roman erzählt sie von 3 Schicksalen, die exemplarisch für viele (zu viele) andere stehen: Samuel Adler, der 1938 in einem Kindertransport nach England gerettet wird. Leticia, die 1981 das Massaker von El Mozote nur durch Zufall überlebt, aber fast die gesamte Familie verliert und Selena, eine Aktivistin gegen die zero-tolerance-Politik von Trump (und Nachfolger), die sich um ein blindes Mädchen kümmert, das auf der Flucht von ihrer Mutter getrennt wurde.
Die Autorin zeigt auf, dass in erster Linie Kinder Opfer politischer Willkür wurden und noch immer werden. Sie erzählt schonungslos von Gewalt, elenden Lebensbedingungen, von Verlust und Traumata, die nicht verarbeitet werden können, mit denen die Opfer leben lernen müssen.

Dadurch dass sie drei individuelle Schicksale in den Mittelpunkt stellt, macht Isabel Allende deutlich, was diese amorphe und oft bedrohlich wirkende Masse „Flüchtlinge“ eigentlich ist: nämlich Menschen! Das wird ja zu oft einfach vergessen.
Insofern ist dieses Buch politisch brisant, wichtig und lesenswert!

Aber: es gelingt Allende zwar Spannung zu erzeugen, aber die Charaktere bleiben trotz unumstrittener Schreibkunst oberflächlich. Vielleicht weil viele Hintergrundinformationen auf 330 Seiten untergebracht werden müssen.
Außerdem – und das ist jetzt die Anmerkung einer hoffnungslos unromantischen Person – das Ende ist so zinnoberrotzuckerwattesüßklebrig... für mich war das wirklich zu viel! Erzwungene Happy Ends sind so gar nicht meine Sache! Glücklicherweise beschränkt sich das auf die letzten 40 Seiten. Wegen dieser Seiten nur 3 Sternchen. Frau Allende wird mir verzeihen.

Eines muss man Frau Allende allerdings lassen: nur sie kann so viel Kitsch so stilvoll präsentieren!
Trotzdem lesenswert!
von HEYN Leserunde, Miriam Brandl - 2024-08-04 13:07:00

Sehr emotional - 5 Sterne

Wien, November 1938. Rudolf und Rachel Adler verlieren in einer Nacht alles was sie besitzen. Als Juden ist für sie kein Leben in Österreich mehr möglich. Darum schicken sie ihren Sohn Samuel mit einem Kindertransport ins Ausland und in Sicherheit.

2019, Arizona.
Anita Diaz und ihre Mutter fliehen aus El Salvador. Die Lebensumstände sind dort untragbar. Aber in Amerika, ihrem Ziel, ist eine neue, strenge Einwanderpolitik. Anita wird von ihrer Mutter getrennt.

Wie gehören die beiden Geschichten zusammen? Was ist der gemeinsame Nenner...


Das ist der Autorin mal wieder ganz wunderbar gelungen. Ich fand das Buch von Beginn an sehr fesselnd, sehr bedrückend und emotional. Ein Buch über Migration, wie Kinder das erleben, was damals wie auch heute noch alles furchtbares auf dem Rücken von Kindern ausgetragen wird. Es hat mich sehr berührt, der Autorin ist es gelungen, eine solche Sogwirkung aufzubauen,dass ich das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen habe. Emotional hat es mich total gepackt.
von _ich.lese_ - 2024-07-10 13:02:00

Tolles Buch - 5 Sterne

Zum Inhalt:
Samuel muss erleiden, wie seine jüdische Familie alles verliert. Seine Mutter will unbedingt, dass er mit einem Kindertransport nach England flüchtet. Nur mit einer Wechselgarnitur und seiner Geige geht es auf die schmerzhaft Reise. Mehr als 80 Jahre später fliehen die siebenjährige Anita und ihre Mutter aus El Salvador in die USA und werden an der Grenze getrennt, so dass Anita auf sich allein gestellt ist bis sich eine Sozialarbeiterin um sie kümmert.
Meine Meinung:
Ich glaube, wenn man dieses Buch gelesen hat, sieht man Flüchtlinge mit anderen Augen und muss auch erkennen, dass sich zwar die Umstände geändert haben, aber es Im Grunde immer schon Flüchtlinge gab. Ich hab das Buch als sehr emotional und berührend empfunden. Mehr als einmal musste ich schlucken und erstmal verarbeiten, was ich gerade gelesen habe. Die Autorin hat ein tolles Buch geschrieben, dass hoffentlich viele Leser findet.
Fazit:
Tolles Buch
von brauneye29 - 2024-06-12 19:25:00

Eine Geschichte die bewegt - 5 Sterne

Isabel Allende ist eine begnadete Schriftstellerin, welche ich seit langem lese und schätze. Umso mehr freute ich mich auf dieses Buch. Es ist etwas was mich selber bewegt und beschäftigt. Fliehen müssen, alles an Sicherheiten aufgeben und sogar die sicherste Sicherheit die eigenen Eltern, das Elternhaus, das Nest was Geborgenheit vermittelt wie nichts sonst. Mir schnürt allein der Gedanke die Kehle zu. Und doch soll und gibt es ja meistens Hoffnung. Ich war also gespannt auf das Buch und meine Erwartungen waren dementsprechend hoch. Drei Schicksale sind es die miteinander verknüpft sind. Da ist zum einen Samuel, Sohn jüdischer Eltern, der mit einem Kindertransport von Österreich nach England verschickt wurde, somit den den Nazis entkam. Seine Familie mütterlicherseits hatte dieses Glück nicht. Leticia flieht 1982 mit ihrem Vater in die USA. Auch sie haben beide als einzige überlebt, das Massaker in El Mozoto. Anita die letzte im Bunde flieht 2019 zusammen mit ihrer Mutter vor Gewalt aus El Salvador in die USA. Sie wird an der Grenze von ihrer Mutter getrennt. Im Roman finden diese Schicksale zusammen, denn sie gehören irgendwie zusammen. Diese Kunst beherrscht nur Isabel Allende. Super gefühlvoll und zeitlos.
von Bekenner - 2024-06-04 21:34:00

Bewegender Roman über vertriebene Kinder - 5 Sterne

Isabel Allendes Roman Violeta mochte ich schon sehr und ihr neues Buch Der Wind kennt meinen Namen erscheint mir komplex und ambitioniert, so dass er Violeta nicht nachsteht.

Der Roman hat ein relevantes Thema und zeigt Menschen, insbesondere Kinder, die gezwungen sind zu fliehen. Es gibt 3 Handlungsstränge, zeitlich versetzt. Das zeigt, das Flucht universell ist und schon lange gibt.
Der jüdische Jungen Samuel Adler musst wegen Pogromen aus Wien weg.
Da die Handlung bis in die Gegenwart geht, zeigt sich, dass es für die betroffenen schwerer denn je wird.
Das wird erzählt durch das 8jährige Mädchen Anita Diaz, die sehbehindert ist und mit ihrer Mutter aus San Salvador kam, aber getrennt werden. Das ist Trumps unmenschlicher Politik geschildert. Sie ist ein kluges Mädchen, doch auf Hilfe angewiesen und da gibt es Selena Doran, die zusammen mit dem Anwalt Frank sich für sie einsetzt.
Es liest sich flüssig, abwechslungsreich und emotional.
Dadurch wird es schwer, sich dem Buch zu entziehen. Ich wünsche dem Buch viele Leser!
von yellowdog - 2024-05-23 21:37:00

Flucht - 3 Sterne

Menschen müssen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart aus verschiedensten Gründen aus ihrer Heimat fliehen. Dabei passieren unvorstellbar grausame Dinge. In diesem Roman stellt Allende die Flucht eines Jungen vor den Nazis und die Flucht eines Mädchens in der heutigen Zeit in Verbindung. Beide müssen ohne Eltern in einem fremden Land zurechtkommen.
Interessante, traurige Geschichte. Dennoch sind die Charaktere teilweise oberflächlich und stereotyp beschrieben. Mir fehlt es an Tiefgang. Emotional konnte mich die Geschichte nicht wirklich erreichen. Nicht Allendes bestes Buch.
von HEYN Leserunde, Manuela Meierhofer - 2024-05-09 14:07:00

Verknüpfte Migrationsgeschichten - 4 Sterne

Isabel Allendes neuer Roman „Der Wind kennt meinen Namen“ verknüpft die Lebensgeschichten mehrerer Einwanderer in den USA - von Leticia, die mit ihrem Vater einst vor dem Bürgerkrieg aus El Salvador floh, von Samuel, der als jüdisches Kind in Wien von seiner Mutter nach England geschickt wurde, um ihn vor dem Massenmord der Nationalsozialisten zu retten, und von Anita, die beim Grenzübertritt an der mexikanisch-amerikanischen Grenze von ihrer Mutter getrennt wird, wie es während Trumps Präsidentschaft tausendfach getan wurde. Auf verschlungenen Wegen verbinden sich ihre Schicksale.

Der Roman hat einige starke Passagen, zum Beispiel immer dann, wenn die kleine Anita zur Erzählerin wird und wir aus ihrer Sicht erfahren, wie sie versucht, sich selbst vor Trauer und Ungewissheit zu schützen. Auch der Anfang, der noch aus Sicht von Samuels Eltern erzählt wird, ist eindrücklich erzählt. Viele Stellen scheinen jedoch mehr der Hintergrundinformation für uninformierte Leser:innen zu dienen als der Entwicklung der Charaktere oder der Geschichte. Erstere bleiben dadurch leider teilweise etwas blass, letztere wirkt stellenweise etwas unzusammenhängend.
von Reiseweise - 2024-04-29 07:29:00

für historisch Begeisterte sehr zu empfehlen - 5 Sterne

Der Klappentext des Buches hatte mich sofort neugierig gemacht, da historisch aufgearbeitete Themen des Antisemitismus insbesondere im Faschismus mein Interesse wecken.
Ich fand das Buch insgesamt wirklich toll! Es hat die erdrückende Stimmung, die entsteht, wenn ein ganzes Volk gegen eine Minderheit aufgehetzt wird, authentisch nachfühlen lassen. Das Ganze schafft Empathie für die Opfer des Faschismus. Die Darstellung der Figuren hat mich empathisch mit ihnen mitfühlen lassen und ich konnte die Beweggründe aller Figuren gut erfassen. Am besten gefallen hat mir Anita, weil ihr Charakter eine Leichtigkeit in die Geschichte gebracht hat. Mein Lieblingskapitel war ganz am Anfang des Buches, ich empfand dies als tollen Einstieg in die Geschichte. Insgesamt kann ich das Buch sehr für historisch interessierte Leser empfehlen!
von Carolin - 2024-04-25 17:20:00

Der Wind kennt meinen Namen - 5 Sterne

Zwei Kinder in verschiedenen Zeiten und Welten, die Familie und Heimat verlieren. Die miteinander verwobenen Leben von Samuel und Anita beschreibt die Autorin in einer mitfühlenden, historischen Geschichte. Beide Personen sind auf der Suche nach einem menschenwürdigem Leben.
von Doris Stadlbauer - 2024-04-23 09:45:37