Rezensionen
Hundesohn
Roman | »Das ist der zärtlichste und klügste Roman seit langem über Liebe, Freundschaft, Begehren.« Martina Hefter
Autor: Ozan Zakariya Keskinkılıç
Erschienen 2025 bei Suhrkamp
ISBN 978-3-518-43254-9
Queere, kafkaeske Liebesgeschichte - 3 Sterne
Okay, ich kann nicht wirklich behaupten, dass ich dem Roman komplett folgen konnte. Sagen wir, ich war vielleicht zu 50% on board, davon hauptsächlich bei den Grindr Chats und den Sex-Szenen.
Bei den vielen Zeit- und Ländersprüngen habe ich dann doch eher in den Overflow-Modus geschaltet.
„Hundesohn“ wird als Liebesroman der Gegenwart beworben und in der Tat erzählt der Debütroman des Politikwissenschaftlers und bereits ausgezeichneten Schriftstellers Keskinkılıç einen Countdown der Sehnsucht.
Zeko liebt Hassan und zählt die Tage bis zu ihrem Wiedersehen.
Der junge Mann lebt in Berlin und hat sich in seinem Heimatort Adana in den Nachbarsjungen Hassan verliebt. In Hassan, der immer nach Orangen und Salz riecht und der von Zekos Großvater Hundesohn genannt wird.
Jetzt ist der Großvater tot und Zeko sucht in Berlin in jedem Mann, den er für casual sex trifft, nach Hassan. Schon bald wird er ihn wiedersehen.
Ich denke schon, dass ich das Grundgerüst grob erfassen konnte. Klar, der Ich-Erzähler ist irgendwie komplett lost auf die junge Berliner Art mit Grindr Dates und Filzläusen.
„Hör zu, sage ich. Ich führe ein Leben im Schmutz und im Dreck und im Hass und ein Leben, das nach altem Sperma riecht, das sich unter der Bettdecke ansammelt. Ein Leben in vertrockneten Kondomen, Blutstropfen, auch ein wenig Scheiße am Finger, am Schwanz, so ein Leben führe ich, und es lässt mich die Angst vergessen.“
Ich könnte jetzt natürlich ChatGPT um ein paar geschliffene Interpretationsansätze bitten, in denen dann safe die Worte „kulturelle und religiöse Identität“ und „poetisch und radikal“ vorkommen, aber das möchte ich eigentlich nicht.
Du liest hier, wie immer, meine eigene, vorsichtige Annäherung an einen Text, der sich mir nicht ganz erschlossen hat.
Keskinkılıçs Erzähler ist von innerer Leere und Sehnsucht getrieben und versucht sich mit häufigen und wechselnden Sexpartnern abzulenken und zu betäuben. Außerdem fühlt er sich zwischen den Kulturen und Ländern verloren und hin- und hergerissen, seine sexuellen Vorlieben sind eine Konstante. Mir gefällt auch der krasse Kontrast von Vulgarität und Intellektualität, die beide in dem Roman miteinander konkurrieren aber auch ergänzen.
Und wenn Yannik vom Suhrkamplesermarketing schreibt „Er vermisst unsere zerrissene Gegenwart - über alle Grenzen von Ländern, Sprache und Körper hinweg.“, ist ganz wörtlich zu nehmen. Ich finde Keskinkılıçs Roman und Schreibweise innovativ und literarisch grenzüberschreitend.
Aber bei den unzähligen Kafka Referenzen bin ich raus. Ich weiß aber, dass es hier viele Liebhaber*innen des Prager Schriftstellers gibt, die kommen mit „Hundesohn“ bestimmt mehr auf ihre Kosten.
„Ich weiß, dieses Buch ist die Axt für das gefrorene Meer in dir, sagte Pari.“
Für mich war es das offensichtlich nicht, und gemeint ist in diesem Fall auch Zeko und „Das Schloss“. Für mich war der “Hundesohn” ein interessantes Stück zeitgenössischer und moderner Literatur, das ich nicht hätte verpassen wollen.
Bei den vielen Zeit- und Ländersprüngen habe ich dann doch eher in den Overflow-Modus geschaltet.
„Hundesohn“ wird als Liebesroman der Gegenwart beworben und in der Tat erzählt der Debütroman des Politikwissenschaftlers und bereits ausgezeichneten Schriftstellers Keskinkılıç einen Countdown der Sehnsucht.
Zeko liebt Hassan und zählt die Tage bis zu ihrem Wiedersehen.
Der junge Mann lebt in Berlin und hat sich in seinem Heimatort Adana in den Nachbarsjungen Hassan verliebt. In Hassan, der immer nach Orangen und Salz riecht und der von Zekos Großvater Hundesohn genannt wird.
Jetzt ist der Großvater tot und Zeko sucht in Berlin in jedem Mann, den er für casual sex trifft, nach Hassan. Schon bald wird er ihn wiedersehen.
Ich denke schon, dass ich das Grundgerüst grob erfassen konnte. Klar, der Ich-Erzähler ist irgendwie komplett lost auf die junge Berliner Art mit Grindr Dates und Filzläusen.
„Hör zu, sage ich. Ich führe ein Leben im Schmutz und im Dreck und im Hass und ein Leben, das nach altem Sperma riecht, das sich unter der Bettdecke ansammelt. Ein Leben in vertrockneten Kondomen, Blutstropfen, auch ein wenig Scheiße am Finger, am Schwanz, so ein Leben führe ich, und es lässt mich die Angst vergessen.“
Ich könnte jetzt natürlich ChatGPT um ein paar geschliffene Interpretationsansätze bitten, in denen dann safe die Worte „kulturelle und religiöse Identität“ und „poetisch und radikal“ vorkommen, aber das möchte ich eigentlich nicht.
Du liest hier, wie immer, meine eigene, vorsichtige Annäherung an einen Text, der sich mir nicht ganz erschlossen hat.
Keskinkılıçs Erzähler ist von innerer Leere und Sehnsucht getrieben und versucht sich mit häufigen und wechselnden Sexpartnern abzulenken und zu betäuben. Außerdem fühlt er sich zwischen den Kulturen und Ländern verloren und hin- und hergerissen, seine sexuellen Vorlieben sind eine Konstante. Mir gefällt auch der krasse Kontrast von Vulgarität und Intellektualität, die beide in dem Roman miteinander konkurrieren aber auch ergänzen.
Und wenn Yannik vom Suhrkamplesermarketing schreibt „Er vermisst unsere zerrissene Gegenwart - über alle Grenzen von Ländern, Sprache und Körper hinweg.“, ist ganz wörtlich zu nehmen. Ich finde Keskinkılıçs Roman und Schreibweise innovativ und literarisch grenzüberschreitend.
Aber bei den unzähligen Kafka Referenzen bin ich raus. Ich weiß aber, dass es hier viele Liebhaber*innen des Prager Schriftstellers gibt, die kommen mit „Hundesohn“ bestimmt mehr auf ihre Kosten.
„Ich weiß, dieses Buch ist die Axt für das gefrorene Meer in dir, sagte Pari.“
Für mich war es das offensichtlich nicht, und gemeint ist in diesem Fall auch Zeko und „Das Schloss“. Für mich war der “Hundesohn” ein interessantes Stück zeitgenössischer und moderner Literatur, das ich nicht hätte verpassen wollen.
von @lust_auf_literatur - 2025-09-29 13:45:00
Poesie versus Derbheit - 3 Sterne
Mit "Hundesohn" hat Ozan Zakariya Keskinkılıç seinen Debütroman im Suhrkamp Verlag veröffentlicht.
In dem Buch geht es um Zakariya, einem homosexuellen Deutschtürken, der in Berlin lebt und auf Grindr unterwegs ist, obwohl er immerzu an seine Jugendliebe Hassan denken muss, der weit weg in der Türkei lebt.
Doch geht es hier nicht um eine klassische Liebesgeschichte. Themen wie Herkunt, Identität und Sprache sind wichtige Elemente der Geschichte und es gibt viele Fragmente im Text, die in türkischer, aber auch anderen Sprachen vorkommen und nicht immer komplett übersetzt werden.
Passend hierzu kommt der wirklich poetische und bildhafte Schreibstil Keskinkılıçs dazu, der der Geschichte eine besondere Note gibt. So ist es auch kein Wunder, dass Keskinkılıç vorher Poesie geschrieben hat.
Doch wer nur poetische Sprache erwartet, der sei gewarnt. Schon auf der ersten Seite der Geschichte, kommt eine Derbheit zum Vorschein, die nicht für jede/n ist.
Mir persönlich hat die Leseprobe im Vorfeld sehr gefallen und ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Das Ende des Buches hat mir nicht ganz so gut gefallen und auch einige Passagen im Text waren für mich eher langweilig. Dennoch muss ich die Sprache des Autors hervorheben und kann mir deshalb vorstellen seine Lyrikbände zu lesen. Deshalb vergebe ich 3,5 Sterne.
In dem Buch geht es um Zakariya, einem homosexuellen Deutschtürken, der in Berlin lebt und auf Grindr unterwegs ist, obwohl er immerzu an seine Jugendliebe Hassan denken muss, der weit weg in der Türkei lebt.
Doch geht es hier nicht um eine klassische Liebesgeschichte. Themen wie Herkunt, Identität und Sprache sind wichtige Elemente der Geschichte und es gibt viele Fragmente im Text, die in türkischer, aber auch anderen Sprachen vorkommen und nicht immer komplett übersetzt werden.
Passend hierzu kommt der wirklich poetische und bildhafte Schreibstil Keskinkılıçs dazu, der der Geschichte eine besondere Note gibt. So ist es auch kein Wunder, dass Keskinkılıç vorher Poesie geschrieben hat.
Doch wer nur poetische Sprache erwartet, der sei gewarnt. Schon auf der ersten Seite der Geschichte, kommt eine Derbheit zum Vorschein, die nicht für jede/n ist.
Mir persönlich hat die Leseprobe im Vorfeld sehr gefallen und ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Das Ende des Buches hat mir nicht ganz so gut gefallen und auch einige Passagen im Text waren für mich eher langweilig. Dennoch muss ich die Sprache des Autors hervorheben und kann mir deshalb vorstellen seine Lyrikbände zu lesen. Deshalb vergebe ich 3,5 Sterne.
von rosetheline - 2025-09-07 20:14:00
Provokant, poetisch, fesselnd - 4 Sterne
Vorneweg: Ich denke, dieses Buch wird die Gemüter spalten. Mich hat es komplett in seinen Bann gezogen und ich habe es an einem Tag durchgelesen. Es ist jedoch keine gefällige Geschichte, die chronologisch und klar verständlich erzählt wird. Vielmehr entfaltet sie sich durch das durchaus sprunghafte und teilweise verstörende Innenleben dass Ich-Erzählers. Zudem muss man als Leser*in bereit sein, sich auf die hässlichen, abstoßenden und schmerzhaften Abgründe des Lebens einzulassen. Das erste Kapitel handelt von Filzläusen in Schamhaaren und wir landen direkt im sehr aktiven und getriebenen Sexualleben des queeren Protagonisten. Dabei ist die Sprache roh und explizit, gleichzeitig sarkastisch-humorvoll, modern und vor allem auch poetisch. Diese Kombination empfand ich als einzigartig und beeindruckend – ich habe manche Stellen gleich mehrmals gelesen, weil ich die Worte so machtvoll und treffend fand. Überhaupt spielt Sprache eine große Rolle in dem Buch; es gibt viel Metaphorik, bildhafte Vergleiche, Bezüge zu Kafka und auch viele kurze Passagen in anderen Sprachen. Es scheint, als ob der traumatisierte Protagonist in seinem alles dominierenden Liebeskummer und seiner Zerrissenheit zwischen der deutschen und der türkisch-arabischen Kultur in sprachlichen Details eine Art Halt findet, ebenso wie (zumindest kurzfristig) in seinem regen Sexualleben. Wenn ich ehrlich bin, so hat die Sprache auch mich als Leserin gerettet in diesem kraftvollen Buch, indem ich mich an besonderen Ausdrücken und Formulierungen festhalten konnte wie an einer Boje, bis ich mich wieder in den Strudel der Geschichte habe reißen lassen. Der Ich-Erzähler offenbart uns schonungslos teilweise abstoßende und verstörende Wahrheiten über sich selbst, belässt dagegen anderes, wie die Geschichte seiner großen Liebe zu Hassan, lange seltsam vage. Dennoch habe ich nie eine Distanz zu ihm gespürt, sondern war im Gegenteil von Beginn an berührt von seinem Leid und wollte unbedingt wissen, wie es mit ihm weitergeht. Dazu hat auch der ungewohnt sprunghafte Erzählstil geführt, der mittels unerwarteter Gedankensprünge, Fantasien und Erinnerungsfetzen eine starke Spannung erzeugt hat. Einen Stern Abzug gebe ich, weil ich mir zwischenzeitliche Auflockerungen der doch sehr schwermütigen Stimmung und ein aussagekräftigeres Ende gewünscht hätte. Fazit: Dieses Buch ist für mich ein beeindruckendes Debüt über die Suche nach der eigenen Identität, die zerstörerische Kraft von Liebe und Homophobie und die heilsame Wirkung von Freundschaft. Es ist keine leichte Kost und doch ganz leicht zu lesen. Ich kann es all jenen empfehlen, die die Macht der Sprache lieben, die gerne über poetische Formulierungen staunen und die bereit sind, sich provozieren zu lassen und bittersüßen Weltschmerz zu empfinden. Pari, die beste Freundin des Protagonisten, drückt es frei nach Kafka so aus: "Ich glaube, man sollte nur solche Bücher lesen, die einen stechen und beißen." (S. 206)
von Katja K. - 2025-09-07 11:22:00
Ein Roman wie ein Gedicht - 5 Sterne
Mit Hundesohn legt Ozan Zakariya Keskinkılıç ein beeindruckendes Romandebüt vor, das weit über die Grenzen des Genres hinausgeht. Wer bereits seinen Gedichtband Prinzenbad kennt, wird auch hier sofort das lyrische Talent des Autors wiederfinden. Denn dieser Roman ist nicht nur Erzählung, er ist zugleich Gedicht: Ganze Sätze kehren wie Refrains zurück, werden variiert, verschoben, neu gewichtet. Die Bilder und Metaphern verraten einen Dichter, der seine Sprache meisterhaft beherrscht.
Im Mittelpunkt steht Zakariya, ein junger Deutscher mit türkischen Wurzeln, gefangen in der Sehnsucht und im Begehren nach Hassan, seinem Freund aus Kindertagen, der weit weg von ihm in der Türkei lebt. Diese Sehnsucht lässt ihn Hassan in immer neuen Gestalten wiederfinden: in Männern, die ihm in Berlin und anderswo begegnen. Zwischen Grindr-Chats, Gesprächen mit seiner besten Freundin Pari, Schweigen in der Therapie und dem Lesen von Kafka bewegt sich Zakariya in einem Schwebezustand zwischen Nähe und Ferne, zwischen Begehren und Verlust.
Doch Hundesohn ist keine klassische Liebesgeschichte. Keskinkılıç verhandelt darin zentrale Fragen unserer Gegenwart: Wo liegt Heimat? Was bedeutet Zugehörigkeit? Wie prägen Rassismus, Homophobie und Religion das eigene Leben? Welche Rolle spielen Familie und Freundschaft?
Mit analytischer Schärfe und poetischer Sprachgewalt verbindet Keskinkılıç Intellekt und Emotion und erinnert dabei an Autoren wie Ocean Vuong oder André Aciman.
Hundesohn ist ein außergewöhnlicher Roman, eine Liebesgeschichte von großer sprachlicher Schönheit und ein Buch, auf das man sich unbedingt einlassen sollte.
Im Mittelpunkt steht Zakariya, ein junger Deutscher mit türkischen Wurzeln, gefangen in der Sehnsucht und im Begehren nach Hassan, seinem Freund aus Kindertagen, der weit weg von ihm in der Türkei lebt. Diese Sehnsucht lässt ihn Hassan in immer neuen Gestalten wiederfinden: in Männern, die ihm in Berlin und anderswo begegnen. Zwischen Grindr-Chats, Gesprächen mit seiner besten Freundin Pari, Schweigen in der Therapie und dem Lesen von Kafka bewegt sich Zakariya in einem Schwebezustand zwischen Nähe und Ferne, zwischen Begehren und Verlust.
Doch Hundesohn ist keine klassische Liebesgeschichte. Keskinkılıç verhandelt darin zentrale Fragen unserer Gegenwart: Wo liegt Heimat? Was bedeutet Zugehörigkeit? Wie prägen Rassismus, Homophobie und Religion das eigene Leben? Welche Rolle spielen Familie und Freundschaft?
Mit analytischer Schärfe und poetischer Sprachgewalt verbindet Keskinkılıç Intellekt und Emotion und erinnert dabei an Autoren wie Ocean Vuong oder André Aciman.
Hundesohn ist ein außergewöhnlicher Roman, eine Liebesgeschichte von großer sprachlicher Schönheit und ein Buch, auf das man sich unbedingt einlassen sollte.
von jori1020 - 2025-08-25 13:50:00
Ein Buch der Kontraste - 4 Sterne
Hundesohn von Ozan Zakariya Keskinkiliç ist ein Roman, der ganz sicher polarisieren wird. Auf dem Buchrücken steht, es sei eine Liebesgeschichte. Und das stimmt definitiv.
Doch es ist nicht nur die Geschichte zwischen Zakariya und Hassan, die erzählt wird. Auch die Liebe zur Familie, zu Freund:innen, zur Literatur, zu Sprache und letztendlich auch zu sich selbst wird hier verhandelt.
Der Roman ist zugleich derb und zärtlich, was wie ein Widerspruch klingt, aber die einzige Beschreibung ist, die hier passt. Neben rohen Passagen über Bettwanzen oder Sexualpraktiken stehen poetische Sätze über Sprache oder Herkunft. Der Protagonist ist dabei unaufhörlich auf der Suche nach sich selbst, seiner Identität und einem Halt in seinem Leben.
Dieses Buch zeigt für mich mal wieder, was Lesen und Literatur alles kann. Ich habe nichts, aber auch gar nichts mit dem Protagonisten gemeinsam. Er ist ein Mann, queer, Muslim, religiös, hat einen Migrationshintergrund, wechselnde Sexualpartner, … . Und dennoch konnte ich mich so sehr in seine Erzählung einfühlen! Manchmal, wenn das Leid und die Sehnsucht besonders spürbar waren, hätte ich ihn einfach gerne in den Arm genommen.
Ich muss aber ehrlicherweise sagen, dass ich auch verstehen kann, wenn man zu dem Buch keinen Zugang findet. Mann muss sich darauf einlassen, die expliziten, drastischen Szenen zu lesen und sich ihnen ausliefern, da die verletzlichen, leisen Seiten erst durch den Kontrast ihre volle Wirkung entfalten.
Doch es ist nicht nur die Geschichte zwischen Zakariya und Hassan, die erzählt wird. Auch die Liebe zur Familie, zu Freund:innen, zur Literatur, zu Sprache und letztendlich auch zu sich selbst wird hier verhandelt.
Der Roman ist zugleich derb und zärtlich, was wie ein Widerspruch klingt, aber die einzige Beschreibung ist, die hier passt. Neben rohen Passagen über Bettwanzen oder Sexualpraktiken stehen poetische Sätze über Sprache oder Herkunft. Der Protagonist ist dabei unaufhörlich auf der Suche nach sich selbst, seiner Identität und einem Halt in seinem Leben.
Dieses Buch zeigt für mich mal wieder, was Lesen und Literatur alles kann. Ich habe nichts, aber auch gar nichts mit dem Protagonisten gemeinsam. Er ist ein Mann, queer, Muslim, religiös, hat einen Migrationshintergrund, wechselnde Sexualpartner, … . Und dennoch konnte ich mich so sehr in seine Erzählung einfühlen! Manchmal, wenn das Leid und die Sehnsucht besonders spürbar waren, hätte ich ihn einfach gerne in den Arm genommen.
Ich muss aber ehrlicherweise sagen, dass ich auch verstehen kann, wenn man zu dem Buch keinen Zugang findet. Mann muss sich darauf einlassen, die expliziten, drastischen Szenen zu lesen und sich ihnen ausliefern, da die verletzlichen, leisen Seiten erst durch den Kontrast ihre volle Wirkung entfalten.
von EvaLiest - 2025-08-11 14:09:00
Voller Kontraste - 5 Sterne
„Hundesohn“ ist der Debütroman des Autors Ozan Zakariya Keskinkılıç.
Die Ereignisse werden aus der Ich-Perspektive von Zeko erzählt. Allerdings ist es keine Handlung im klassischen Sinn, viel mehr sind es die Erinnerungen und Gedanken des Protagonisten.
Zeko lebt in Berlin und trifft an unterschiedlichen Orten Männer, die er über Dating-Apps kennenlernt. Gedanklich reist er immer wieder nach Adana, der fünftgrößten Stadt in der Türkei. Dort wird er Hassan wiedersehen, immer wieder drehen sich seine Gedanken um dieses Aufeinandertreffen.
Die Sprache von Ozan Zakariya Keskinkılıç ist rau, ungeschönt, deutlich und nichts für zarte Gemüter. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und nennt die Dinge beim Namen. Dabei erweckst er eine Atmosphäre zum Leben, die einen direkt in das Leben und die Umgebung des Protagonisten eintauchen lässt - schmerzhaft schön und abstoßend deutlich. Er ist zerrissen, zwischen dem bunten Leben Berlins und familiären Traditionen.
Die Kapitel sind kurz und unterbrechen sich gegenseitig. Dadurch zerreißt der Autor die Handlung sowie das Innenleben, die Gedanken und die Gefühlswelt seines Protagonisten zerrissen sind. Für mich war dies ein interessanter Zug, der hier perfekt passt.
Mir hat diese mehr als ungewöhnliche Liebesgeschichte gut gefallen und ich bin gespannt was wir von dem Autor noch zu lesen bekommen.
Die Ereignisse werden aus der Ich-Perspektive von Zeko erzählt. Allerdings ist es keine Handlung im klassischen Sinn, viel mehr sind es die Erinnerungen und Gedanken des Protagonisten.
Zeko lebt in Berlin und trifft an unterschiedlichen Orten Männer, die er über Dating-Apps kennenlernt. Gedanklich reist er immer wieder nach Adana, der fünftgrößten Stadt in der Türkei. Dort wird er Hassan wiedersehen, immer wieder drehen sich seine Gedanken um dieses Aufeinandertreffen.
Die Sprache von Ozan Zakariya Keskinkılıç ist rau, ungeschönt, deutlich und nichts für zarte Gemüter. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und nennt die Dinge beim Namen. Dabei erweckst er eine Atmosphäre zum Leben, die einen direkt in das Leben und die Umgebung des Protagonisten eintauchen lässt - schmerzhaft schön und abstoßend deutlich. Er ist zerrissen, zwischen dem bunten Leben Berlins und familiären Traditionen.
Die Kapitel sind kurz und unterbrechen sich gegenseitig. Dadurch zerreißt der Autor die Handlung sowie das Innenleben, die Gedanken und die Gefühlswelt seines Protagonisten zerrissen sind. Für mich war dies ein interessanter Zug, der hier perfekt passt.
Mir hat diese mehr als ungewöhnliche Liebesgeschichte gut gefallen und ich bin gespannt was wir von dem Autor noch zu lesen bekommen.
von Tara - 2025-08-09 20:27:00


