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Rezensionen

Intermezzo
Roman | Der globale Bestseller der Autorin von »Normal People« | »Ihr bester Roman.« FAS

Autor: Sally Rooney

Erschienen 2024 bei Claassen
ISBN 978-3-546-10052-6
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Scharfsinnig und feinfühlig - 3 Sterne

In »Intermezzo«, dem vierten Roman der irischen Autorin Sally Rooney, begleiten wir die Brüder Koubek kurz nach dem Ableben ihres Vaters.
Die zwei jungen Männer könnten kaum unterschiedlicher sein.
Ivan, Anfang 20, ein Schachprofi und etwas unbeholfen im sozialen Umgang mit seinen Mitmenschen.
Peter, Anfang 30, als Anwalt tätig, der bereits einen Schicksalsschlag einstecken musste.

Wer mit den vorherigen Romanen Rooneys bereits vertraut ist, weiß, sie ist DIE Autorin, wenn es um komplexe zwischenmenschliche Beziehungen geht.
Ihre große Stärke liegt darin, ihre Figuren mit individuellen Stärken und Schwächen zu zeichnen und dadurch auch Beziehungen mit all ihren Facetten authentisch darzustellen.
Hierbei stehen besonders die Gefühle und Gedanken der Protagonist*innen im Vordergrund, weniger die Handlung.

Die wechselnden Perspektiven haben in diesem Roman leider nur bedingt für mich funktioniert. Mit dem Wechsel der Perspektive kam auch ein veränderter Schreibstil einher. Dieser sollte vermutlich nur die Unterschiede im Wesen der Brüder unterstreichen, hat mich jedoch anfangs eher irritiert und schlussendlich genervt.
Zudem wäre es auch interessant gewesen, die Dinge aus der Sicht der Frauen zu betrachten.

Ein im Großen und Ganzen gelungenes Buch mit ein paar Makeln, über die einige sicher hinwegsehen können oder sich nicht daran stören. Nicht mein Favorit unter den Rooney-Romanen aber dennoch lesenswert. Daher insgesamt 3,5 Sterne von mir.
von Sina - 2024-12-15 17:55:00

Emotional - 4 Sterne


Intermezzo hat für mich von allen Büchern von Sally Rooney das mit Abstand schönste Cover bis jetzt. Mein Liebslingsbuch der Autorin ist es aber dennoch nicht. Intermezzo handelt von 2 charakterlich unterschiedlichen Brüdern, die nach dem Tod ihres Vaters mit der Trauer und dem Leben klarkommen müssen. Mir hat besonders gut gefallen, dass die Sichtweisen der beiden Brüder sich abgewechselt haben und die Autorin unterschiedliche Schreibstile für beide Brüder gewählt hat. Der Schreibstil von Sally Roony im allgemeinen ist meiner Meinung nach eher gewohnungsbedürftig. Ich bin auch einfach kein Fan davon, dass die Autorin in ihren Romanen keine Gänsefüßchen bei wörtlicher Rede verwendet.
Obwohl beide Brüder sehr unterschiedlich waren, haben mir beide Charaktere gut gefallen, weil sie für mich realistisch rüberkamen. Auch die eher feindliche Beziehung zueinander und die Liebesbeziehungen in dem Buch wurden gut rübergebracht. Der Fokus des Buches lag definitiv eher auch die Charaktere als auf die Handlung und mir hat bei zweiteres einfach etwas gefehlt. Ich würde das Buch dennoch weiterempfehlen und würde es mit 4/5 Sternen bewerten.
von Tara - 2024-11-24 22:29:00

Am Puls der Zeit - 4 Sterne

"Intermezzo" ist der vierte Roman der irischen Bestseller Autorin Sally Rooney.
Genauso wie in ihren anderen Romanen begleiten wir hier mehrere Menschen und es handelt sich um eine "character study".

Im Fokus stehen die Brüder Peter und Ivan Koubek. Beide könnten nicht unterschiedlicher sein. Ivan, Anfang 20, Schachprofi, steht noch nicht fest im Leben. Peter, Anfang 30, als Jurist tätig, steht fest im Leben. Oder doch nicht?

Vor Kurzem ist ihr Vater gestorben und als Leser*in begleitet man die beiden in der Zeit danach. Auch, wenn der Tod des Vaters nicht das Hauptaugenmerk des Buches ausmacht, ist es ein Thema, das sich durch die ganze Geschichte zieht.

Ivan lernt eines Tages bei einem Schachturnier die 15 Jahre ältere Margaret kennen. Zwischen den beiden entsteht eine tiefe Bindung, die jedoch mit Scham vor gesellschaftlicher Kritik verbunden ist.

Peter hingehen hält innigen Kontakt zu seiner verflossenen Liebe, Sylvia, mit der er allerdings schon länger nicht mehr zusammen ist. Doch es gibt irgendwie auch noch Naomi in seinem Leben, die 10 Jahre jünger ist als er. Doch wie co-existieren diese beiden Frauen in seinem Leben?

Intermezzo ist ein Buch voller Fragen um das Geschwistersein, Familie, Verlust, (alternative) Liebesformen und was gesellschaftlich als richtig/falsch angesehen wird, ebenso wie das Heranwachsen als (junger) Erwachsene/r.

Die Geschichte ist in gewisser Weise anders, als Rooneys vorherigen Bücher, andererseits ist es eine logische Weiterentwicklung. Rooney experimentiert bei der Perspektive von Peter, die an die Erzählart "stream of consciousness" erinnert. Diese Abschnitte waren oftmals wirr und dadurch schwer zu lesen.
Außerdem werden vor allem Peters und Ivans Perspektiven gezeigt und es wäre interessant gewesen die Perspektiven der drei Frauen (mehr) mitzuerleben.

Alles in Allem ist es ein Buch, das etwas verdaut werden muss und zum Nachdenken anregt.
Ich denke, dass es ein Buch ist, das man nochmal lesen muss, wenn man seine Gedanken dazu gesammelt hat.
Es ist nicht mein liebster Sally Rooney Roman, aber er ist lesenswert.
Daher 3.75 Sterne.
von rosetheline - 2024-11-17 19:08:00

Brüder und Schmerz - 4 Sterne

Bücher der Bestseller-Autorin Sally Rooney gefallen mir nicht immer gut. Daher war ich gespannt, wie mir ihr neustes Werk "Intermezzo" in Übersetzung durch Zoë Beck gefallen wird. Und hier bin ich wirklich positiv überrascht worden.
Die Handlung wird aus der Perspektive der beiden Brüder Peter und Ivan berichtet, die sich mehr oder minder in der Erzählung abwechseln. Dabei gefällt mir besonders gut, dass die beiden Perspektiven stilistisch sehr klar voneinander abgrenzbar sind und jeder Bruder somit einen sehr eigenen und sofort erkennbaren Stil und Charakter inne hat.
Die Kapitel aus Peters Sicht sind deutlich abgehackter, stakkatoartig zu lesen, die Sätze sind kürzer, brechen mitten drin ab, wirken mitunter sehr wirr und ztusammenhanglos. Das liest sich für mich deutlich weniger flüssig und anstrengender, ist stilistisch jedoch gut gelungen. Daher wurde ich auch mit Peters Charakter nicht wirklich warum und ich konnte ihn bis zum Ende de sbuches kaum greifen - auch dies kann ein gewolltes Stilmittel sein...
Ivan hingegen war mir aber der ersten Seite sympathisch.
Die Handlung des Buches ist insbesondere in der Beziehungsarbeit zwischen den Brüdern und auch in der individuellen Bewältigung der Trauer über den Tod des Vaters zu sehen. Dabei spielt das Buch vor allem über die Atmosphäre und der Entwicklung der beiden Protagonisten. Spannungsgeladene Turning-Points finden sich in diesem Buch nicht.
Was meinen Lesefluss etwas gehindert hat war die fehlende Kennzeichnung der Dialoge.
Insgesamt ist "Intermezzo" ein Buch, das ich sehr gern gelesen habe, das mich mit seiner Atmosphäre und zwei besonderen Protagonisten für sich gewinnen konnte.
von CanYouSeeMe - 2024-11-11 20:22:00

Tolles Buch! - 3 Sterne

Sally Rooney hat mit ihrem Roman "Intermezzo" erneut bewiesen, dass sie eine Meisterin darin ist, Charaktere zu erschaffen, die trotz ihrer Schwächen unglaublich sympathisch und nachvollziehbar sind. Die Hauptfiguren sind so lebendig und realistisch dargestellt, dass man sich mühelos in ihre komplexen Gefühlswelten und Beziehungen hineinversetzen kann.

Der Roman ist tiefgängig und regt auf vielfältige Weise zum Nachdenken an. Er thematisiert die menschliche Natur und das Zusammenspiel von Nähe und Distanz in zwischenmenschlichen Beziehungen auf eine Art und Weise, die einem noch lange nach dem Umblättern der letzten Seite im Gedächtnis bleibt.

Besonders das Ende hat mir gut gefallen. Es bietet einen befriedigenden Abschluss und lässt zugleich Raum für eigene Interpretationen, was dem Leser die Möglichkeit gibt, seine eigenen Gedanken und Gefühle mit einfließen zu lassen. Rooney gelingt hier das Kunststück, sowohl einen großartigen Unterhaltungsroman zu schaffen, der gleichzeitig anspruchsvoll und tiefsinnig ist.

"Intermezzo" ist ohne Zweifel ein Werk, das in Erinnerung bleibt und eindrucksvoll zeigt, weshalb Sally Rooney zu den bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen Literatur zählt. Ein Muss für alle Fans von intelligentem und gefühlvollem Erzählen!
von Micki - 2024-11-04 13:12:00

Anstrengender Beginn - 3 Sterne

Zu Beginn von "Intermezzo" wusste ich nicht so recht was mich erwartet – auch weil dies mein erstes Buch von Sally Rooney war. Mit Peter und Ivan begegnen wir zwei Brüdern, die wie Tag und Nacht sind. Und das ist besonders spürbar, wenn beide mal aufeinandertreffen – was eher selten der Fall ist. Zudem begegnen wir den unterschiedlichsten Nebenprotagonisten, die die Geschichte und Peter sowie Ivan deutlich beeinflussen.

Über die gesamte Geschichte entwickeln sich interessante Dynamiken und man taucht tiefer in die Beziehungen ein. Gerade Ivan und Margaret sorgen für etwas, mit dem man so vielleicht nicht gerechnet hätte, auch wenn sich ihre Beziehung – für mich – besonders zu Beginn etwas zu repetitiv anfühlte. So erging es mir generell auf den ersten, sagen wir mal 200 Seiten. Dort steigt man in die Geschichte ein, findet sich zurecht und wird manchmal vielleicht doch vom Schreibstil aus dem Konzept gebracht.

An sich hatte ich kein Problem mit den fehlenden Satzzeichen bei der Wörtlichen Rede, dafür aber mit den kurzen, manchmal wirklich sehr abgehakten Sätzen, die ich immer wieder lesen musste, damit ich verstehe, was gerade eigentlich gemeint ist. Dennoch schafft Rooney es, die Charaktere wirklich menschlich zu schreiben, und ihnen die genaue Menge an Authentizität zu verpassen. So trifft man – wie schon erwähnt – auf wirklich unterschiedliche Nebenprotagonisten wie Margaret, die mitten im Leben steht, Naomi, die gar nicht so recht weiß, wie das mit dem Leben geht und Sylvia... Ja. Über Sylvia erfährt man doch nicht so viel.

Insgesamt hat mich die Geschichte doch auch zum Nachdenken gebracht, gerade weil die menschlichen Beziehungen so intensiv wurden. Die Emotionen trotz des nüchternen Schreibstils spürbar. Und ich habe das Gefühl, je länger ich über die Geschichte nachdenke, desto spürbarer wird, was eigentlich wirklich in der Geschichte passiert.
von Jule - 2024-11-04 08:51:00

500 Seiten sind 250 zu viel - 3 Sterne

Sally Rooney hat ein erwachsenes Buch geschrieben, heißt es. Und ja, es stimmt, größtenteils. Zwei der Hauptfiguren sind zwar immer noch im Alter vergangener Rooney-Romane, drei andere aber Mid-30s. Im Alter der Autorin also. Und das Hauptthema neben Trauer ist eben die Liebe mit Altersunterschied. Klingt eigentlich vielversprechend. Ist aber leider, zumindest in der ersten Hälfte des Buchs, furchtbar zäh.

Kann man natürlich auch positiv betrachten. Rooney nimmt sich Zeit, ihre Figuren vorzustellen. Ivan und Peter, zwei Brüder, gut zehn Jahre Altersunterschied. Der Ältere ist Jurist, der Jüngere Noch-Student und Schachspieler. Und beide trauern auf ihre Weise um den jüngst an Krebs verstorbenen Vater. Bei einem Schachturnier lernt Ivan die 36-jährige Margaret kennen und trotz des Altersunterschieds funkt es zwischen dem jungen Mann und der in Scheidung lebenden Frau. Peter findet das kritisch, obwohl er selbst eine Freundin in Ivans Alter hat, was zu einem weiteren Streit zwischen den Brüdern führt. Und dann ist da noch Sylvia, Peters frühere Beziehung, die nach einem Autounfall zerbrach und sich in Freundschaft auflöste, auf ihren Wunsch.

Nur: Sie nimmt sich zu viel Zeit. In kurzen Sätzen, mit vielen Dialogen ohne wörtliche Rede, eigentlich kein Problem für meinen Lesefluss, hier eher anstrengend. Peter und Ivan lamentieren, schweigen, schmeißen ihr Kopfkino an oder kotzen sich aus. Die Nebenfiguren performen dabei höchst unterschiedlich: Margaret bleibt trotz eigener Hintergrundgeschichte (Ex-Mann ist Alkoholiker, die Beziehung zu ihrer Mutter ist gestört) und ihrer Bedeutung für Ivan erschreckend blass. Sylvia ist eine interessante Figur, doch erfährt man relativ wenig über ihr Leben und den Autounfall, der eben jenes auf den Kopf gestellt hat. Am spannendsten ist dann doch die eher im typischen Alter einer Rooney-Figur gezeichnete Naomi, Studentin, Drogendealerin und, vermutlich, Onlyfans-Model. Mit ihrer kühlen Art, Peter zu betrachten, ihr Spiel zu spielen, dabei aber auch souverän mit Sylvia und Ivan umzugehen, ist sie trotz ihrer Probleme die einzige irgendwie positive Figur in Intermezzo.

Ich bin kein ganz schneller Leser, manchmal fliege ich in zwei, drei, vier Tagen durch ein Buch, manchmal dauert es eine Woche – bei Intermezzo waren es mehr als drei. Die meisten Tage gingen für die erste Hälfte des Buchs drauf, ich kam so gar nicht rein, war oft nach wenigen Zeilen wieder genervt von Peter, aber auch von Ivan, ihrer Lethargie, ihrer Unfähigkeit miteinander zu sprechen, ihrer Art übereinander zu sprechen. Muss man ihnen vielleicht auch nicht zum Vorwurf machen, jeder Mensch trauert anders. Vor allem wenn Machtmenschen wie Peter nicht nur um den Vater, sondern auch um die frühere Beziehung und das Verhältnis zum Bruder trauern, ja, vielleicht auch um das leichte Leben der Jugend- und Studentenzeit. Trauer ist vielschichtig und das aufzuzeigen, ist eine Stärke von Rooneys Roman.

Und tatsächlich, irgendwann, so nach der Hälfte der 500 Seiten, wenn genau das konkreter wird, die Geschichte ins Elternhaus von Peter und Ivan verlagert wird und die beiden ungleichen Brüder aktiv(er) werden, beginnt auch die Geschichte Fahrt aufzunehmen, der Lesefluss wird direkt schneller und Intermezzo wird zu einem, ja, doch recht guten Buch. Wären die ersten 250 Seiten nicht gewesen, wäre es vielleicht sogar ein sehr gutes.
von Morten - 2024-10-18 11:02:00

Brüder - 2 Sterne

Sally Rooneys neuer Roman erzählt von 2 Brüdern, die sehr unterschiedlich sind und nach dem Tod des Vaters an einem Wendepunkt im Leben stehen.
Ihr desolater Gemütszustand überträgt sich auf den Leser und die ersten 100 Seiten empfand ich als unglaublich öde. Das kannte ich aus den vorherigen Büchern der Autorin nicht.
Dann hat man sich eingelesen und erkennt, wie gut Sally Rooney die emotionale Seite ihrer Protagonisten beleuchtet.
Das gilt meiner Meinung nach aber weniger für die weiblichen Figuren. Nicht zuletzt deswegen bleiben die Beziehungen zu verhalten. Eigentlich traurig und es bleibt wenig Optimismus. Aber das scheint mir doch nur Sally Rooneys Weltbild, dem ich mich nicht anschließen will.
Leider bleibt eine Distanz zu den Figuren, die nicht zu überwinden ist. Ich halte die Figuren auch für nicht ganz glaubwürdig. Peter ein Macho, Ivan ein schachspielender Nerd. Über diese Klischees kommen sie meistens nicht hinaus. Erst spät im Buch brechen ihre Rollen gelegentlich.
Durch die stockende Erzählweise und dem schlechten Lesetempo kommt man nur schwer voran und das Lesen wird zur Qual.
Das Ende halte ich dann für wenig zufriedenstellend.
von yellowdog - 2024-10-11 20:32:00

Zu viele Nebensächlichkeiten, grosse Distanziertheit - 2 Sterne

Die Brüder Peter und Ivan haben ihren Vater verloren. Peter, Anfang dreissig, ist desillusionierter Anwalt, Ivan, zehn Jahre jünger, Schachspieler. Seit sie erwachsen sind, haben sie sich nicht mehr viel zu sagen. Ihre unterschiedlichen Lebensansichten trennen sie. Ivan lernt Margaret kennen – eine vierzehn Jahre ältere Frau, die noch verheiratet ist. Peter ist mit Naomi, einer jungen Studentin, zusammen. Aber er kann Sylvia, seine frühere Freundin, nicht vergessen…

Erster Eindruck: Das Cover des Schutzumschlages (ich mag keine Schutzumschläge!) ist einfach sehr blau – ein Mann und die Beine eines zweiten Mannes sowie eine am Boden liegende Schachfigur sind abgebildet.

Ich musste die ersten paar Seiten dreifach lesen, in der Hoffnung, den Einstieg in die Geschichte zu schaffen. Ein schwieriger Start für mich.
Ivan ist ein Schachgenie, aber ansonsten sehr unsicher. Margaret hat mir gefallen. Sie ist noch verheiratet, aber getrennt lebend. Warum ist sie nicht geschieden? Ihr Noch-Ehemann möchte sie gerne zurück? Wurde die Scheidung eingereicht? Margaret und Ivan tun einander gut, auch wenn der Altersunterschied wie ein Elefant mitten im Raum steht. Er ist 22, sie 36. Das kann doch nicht gutgehen, oder? Ich verstehe das Verhältnis von Peter und Naomi bzw. Peter und Sylvia einfach nicht. Peter und Sylvia haben sich vor Jahren getrennt, jedoch kommt Peter nicht von ihr los. Und was will er von Naomi bzw. was will sie von ihm? Aus meiner Sicht verhält sich Peter gegenüber Ivan arrogant. Er bezeichnet Margaret als nicht normal, da sie sich mit einem viel jüngeren Mann abgibt. Das war schwach, Peter, sehr schwach!
Die Autorin macht kurze Sätze. Sehr viele kurze Sätze. Sie verwendet abgehackte Sätze, wie z.B. „Wahrscheinlich wäre es für alle das Beste, wenn ich.“ Wie bitte? Zudem gibt es sehr viele Belanglosigkeiten wie z.B. der Kauf eines Geschirrspülers, der Akkustand eines Mobiltelefons und die Begründung, warum es aufgeladen wird, die Farbe des Bacons in der Pfanne – es wollen ja fast 500 Seiten gefüllt werden… Alle Figuren blieben für mich distanziert.

Was soll ich sagen? Ich kann die positiven Voten, die die Autorin für dieses Werk erhalten hat, leider nicht nachvollziehen. Ich habe mich förmlich durch das Buch gequält – am liebsten hätte ich das Buch abgebrochen –, aber meine Neugier, ob mich die Geschichte doch noch packen könnte, hielt mich bei der Stange. Fazit: keine Leseempfehlung von mir, nur 2 Sterne.
von peedee - 2024-10-09 21:31:00

Eine Weiterentwicklung - 4 Sterne


In "Intermezzo" begegnet dem Leser vieles, was man von Sally Rooney gewohnt ist: Es geht um Liebe, komplizierte Beziehungskonstellationen, um Millenials in Dublin und Umgebung. Doch ihr vierter Roman ist auch eine Weiterentwicklung: Er ist ambitionierter, ausschweifender, sentimentaler, erwachsener, tiefgründiger. Auch stilistisch wagt Rooney Neues, indem sie uns in die Gedankenwelt ihrer drei Hauptcharaktere wirft. Wir erleben ihre subjektive Sicht auf das Leben und das, was ihnen geschieht, werden in fragmentierte Bewusstseinsströme und emotionale Überlegungen hineingezogen. In einem Interview hat Rooney Dostojewskis "Die Brüder Karamasow" als Inspiration genannt (nicht zufällig heißen die Hauptfiguren in "Intermezzo" Ivan und Peter Koubek); auch Assoziationen an Virginia Woolf werden wach. Das Buch ist nicht perfekt - es ist vor melodramatischen Szenen nicht gefeit, zudem überzeugen ausgerechnet die Frauenfiguren nicht durchweg. Doch insgesamt ist es ein kluges Buch, in das man versinken kann.
von mannuber - 2024-10-09 13:44:00