Rezensionen
Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen
Roman über Mütter und Töchter | Über die Erwartungen der Mütter, ihr toxisches Erbe und die Schönheit des Erwachsenwerdens
Autor: Anna Brüggemann
Erschienen 2024 bei Ullstein Buchverlage
ISBN 978-3-550-20221-6
Roman über Mütter und Töchter - 3 Sterne
Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen heißt der neue Roman von der 1981 geborenen Filmschaffenden und Schriftstellerin Anna Brüggemann und dieser Titel macht neugierig.
Das Buch ist eine Art Familienroman und erzählt von der resoluten Regina und ihren beiden fast erwachsenen Töchtern Antonia und Wanda. Der Untertitel „Roman über Mütter und Töchter“ ist also wirklich zutreffend.
Ihre Beziehungen zueinander stehen im Mittelpunkt.
Antonia ist besonders sensibel und hat nicht viel Selbstvertrauen. Daher hat sie es mit ihrer starken Mutter nicht immer leicht. Wanda ist etwas jünger und hat eine Essstörung.
Die Perspektiven zwischen den drei wechseln. Durch den Blick in ihre Gedanken lernt man die Figuren besser kennen.
In Teil 2 des Buches gibt es einen Sprung von 12 Jahren und wir sind im Jahr 2010, kurz danach schon 2019 und man der Entwicklung der Frauen gespannt verfolgen.
Anfangs hatten mich einige klischeehafte Sätze und schiefe Bilder irritiert, später hatte ich mich mit dem Stil abgefunden und daran gewöhnt.
Das Buch ist eine Art Familienroman und erzählt von der resoluten Regina und ihren beiden fast erwachsenen Töchtern Antonia und Wanda. Der Untertitel „Roman über Mütter und Töchter“ ist also wirklich zutreffend.
Ihre Beziehungen zueinander stehen im Mittelpunkt.
Antonia ist besonders sensibel und hat nicht viel Selbstvertrauen. Daher hat sie es mit ihrer starken Mutter nicht immer leicht. Wanda ist etwas jünger und hat eine Essstörung.
Die Perspektiven zwischen den drei wechseln. Durch den Blick in ihre Gedanken lernt man die Figuren besser kennen.
In Teil 2 des Buches gibt es einen Sprung von 12 Jahren und wir sind im Jahr 2010, kurz danach schon 2019 und man der Entwicklung der Frauen gespannt verfolgen.
Anfangs hatten mich einige klischeehafte Sätze und schiefe Bilder irritiert, später hatte ich mich mit dem Stil abgefunden und daran gewöhnt.
von yellowdog - 2025-01-01 15:41:00
Unheimlich präzise Beobachtung innerfamiliärer Strukturen - 5 Sterne
Anna Brüggemanns Wenn Nachts die Kampfhunde Spazieren Gehen ist laut Cover ein „Roman über Mütter und Töchter“. Und das trifft es eigentlich schon richtig gut, denn alles, das passiert, lässt sich in irgendeiner Form auf die Beziehung zur Mutter oder aber auch zwischen den Schwestern zurückführen.
Den Roman zu besprechen fällt mir nicht ganz leicht, denn ich finde, dass das, was man beim Lesen empfindet, sehr viel Intimes preis gibt. Je nachdem, wie man die eigene Beziehung zur Mutter und vielleicht auch zu Schwestern erlebt hat, wird man ganz unterschiedlich auf das Buch reagieren. Und ob ich jetzt unbedingt meine familienbezogenen Traumata offenlegen möchte, weiß ich auch nicht… ????
Ganz unabhängig davon lässt sich aber sagen, dass der Autorin ein wirklich guter Roman gelungen ist. Keine der drei Protagonistinnen bleibt verschont von einer knallharten Analyse ihrer Schwachstellen und Probleme, und während sich die Töchter mal mehr, mal weniger reflektiert mit ihren Traumata auseinandersetzen, so bleibt die Mutter bis zum Schluss auf einer sehr oberflächlichen Ebene und scheint sich gar nicht zu trauen, sich ihre Psyche mal genauer anzusehen – das macht sie nur bei Fremden, denn sie ist Psychologin.
Mich hat beeindruckt, wie genau Anna Brüggemann das komplexe Zusammenspiel der drei Empfindlichkeiten seziert und offenlegt und dabei ständig den Finger in der Wunde hat, ohne einen moralischen Zeigefinger zu erheben. Und dennoch gelingt es ihr, zu zeigen, dass wir zwar anerkennen können, dass äußere Faktoren an unseren psychischen Problemen Schuld haben können, wir aber selbst Verantwortung übernehmen müssen, um uns und zukünftige Generationen von der Last des transgenerationalen Traumas zu befreien.
Der Roman bildet meiner Meinung nach gut ab, wie Traumabewältigung und generell Selbstreflektion und die Beschäftigung mit der eigenen psychischen Gesundheit in den unterschiedlichen Generationen stattfinden. Von den Boomern (Regina) über die Millenials (Wanda und Antonia) bis hin zu Gen Z (Celina) wird die Kommunikation immer ein Stück ehrlicher, offener, selbstreflektierter und dadurch letztendlich weniger schädlich. (Versteckte) Misogynie und Machtspiele nehmen ab, während Authentizität und Lebensfreude zunehmen.
Ich könnte noch sehr viel mehr dazu schreiben und tiefer in die Analyse der einzelnen Figuren gehen (besonders spannend finde ich zum Beispiel die Frage der Identitätskonstruktion und -aufrechterhaltung: Während Regina jedwede Kritik von sich abperlen lässt, konstruiert Wanda eine möglichst ideale aber komplett unauthentische Persönlichkeit und Antonia scheint auf alles Identitätsstiftende zu verzichten). Aber dann würde ich vermutlich schon zu viel vom Inhalt verraten müssen und das möchte ich natürlich nicht.
Den Roman zu besprechen fällt mir nicht ganz leicht, denn ich finde, dass das, was man beim Lesen empfindet, sehr viel Intimes preis gibt. Je nachdem, wie man die eigene Beziehung zur Mutter und vielleicht auch zu Schwestern erlebt hat, wird man ganz unterschiedlich auf das Buch reagieren. Und ob ich jetzt unbedingt meine familienbezogenen Traumata offenlegen möchte, weiß ich auch nicht… ????
Ganz unabhängig davon lässt sich aber sagen, dass der Autorin ein wirklich guter Roman gelungen ist. Keine der drei Protagonistinnen bleibt verschont von einer knallharten Analyse ihrer Schwachstellen und Probleme, und während sich die Töchter mal mehr, mal weniger reflektiert mit ihren Traumata auseinandersetzen, so bleibt die Mutter bis zum Schluss auf einer sehr oberflächlichen Ebene und scheint sich gar nicht zu trauen, sich ihre Psyche mal genauer anzusehen – das macht sie nur bei Fremden, denn sie ist Psychologin.
Mich hat beeindruckt, wie genau Anna Brüggemann das komplexe Zusammenspiel der drei Empfindlichkeiten seziert und offenlegt und dabei ständig den Finger in der Wunde hat, ohne einen moralischen Zeigefinger zu erheben. Und dennoch gelingt es ihr, zu zeigen, dass wir zwar anerkennen können, dass äußere Faktoren an unseren psychischen Problemen Schuld haben können, wir aber selbst Verantwortung übernehmen müssen, um uns und zukünftige Generationen von der Last des transgenerationalen Traumas zu befreien.
Der Roman bildet meiner Meinung nach gut ab, wie Traumabewältigung und generell Selbstreflektion und die Beschäftigung mit der eigenen psychischen Gesundheit in den unterschiedlichen Generationen stattfinden. Von den Boomern (Regina) über die Millenials (Wanda und Antonia) bis hin zu Gen Z (Celina) wird die Kommunikation immer ein Stück ehrlicher, offener, selbstreflektierter und dadurch letztendlich weniger schädlich. (Versteckte) Misogynie und Machtspiele nehmen ab, während Authentizität und Lebensfreude zunehmen.
Ich könnte noch sehr viel mehr dazu schreiben und tiefer in die Analyse der einzelnen Figuren gehen (besonders spannend finde ich zum Beispiel die Frage der Identitätskonstruktion und -aufrechterhaltung: Während Regina jedwede Kritik von sich abperlen lässt, konstruiert Wanda eine möglichst ideale aber komplett unauthentische Persönlichkeit und Antonia scheint auf alles Identitätsstiftende zu verzichten). Aber dann würde ich vermutlich schon zu viel vom Inhalt verraten müssen und das möchte ich natürlich nicht.
von EvaLiest - 2024-12-18 10:30:00
Intensive Familiendynamik - 5 Sterne
Das Buch hat mich mit seinen präzise gezeichneten Figuren und der emotionalen Tiefe sehr beeindruckt. Es begleitet die Familie um Regina und ihre beiden Töchter Wanda und Antonia über drei Jahrzehnte hinweg und zeigt, wie Erwartungen, Konflikte und persönliche Entscheidungen das Leben aller Beteiligten prägen.
Besonders gelungen ist die Darstellung der Charaktere: Jede Figur wirkt lebendig und glaubwürdig. Ihre Entscheidungen und Entwicklungen sind oft schmerzlich, aber immer nachvollziehbar. Der ruhige, klare Schreibstil lässt Raum, die feinen Nuancen der Beziehungen und die Familiendynamik über die Jahre zu erfassen.
Ein eindringliches und klug erzähltes Buch von Schauspielerin und Drehbuchautorin Anna Brüggemann, das ich für alle empfehlen kann, die psychologisch tiefgründige und charakterstarke Geschichten schätzen.
Besonders gelungen ist die Darstellung der Charaktere: Jede Figur wirkt lebendig und glaubwürdig. Ihre Entscheidungen und Entwicklungen sind oft schmerzlich, aber immer nachvollziehbar. Der ruhige, klare Schreibstil lässt Raum, die feinen Nuancen der Beziehungen und die Familiendynamik über die Jahre zu erfassen.
Ein eindringliches und klug erzähltes Buch von Schauspielerin und Drehbuchautorin Anna Brüggemann, das ich für alle empfehlen kann, die psychologisch tiefgründige und charakterstarke Geschichten schätzen.
von NT - 2024-12-09 18:21:00
Mutterliebe - 5 Sterne
Regina ist eine Selfmadewoman und wird nicht müde das immer wieder zu betonen; bei jedem Geburtstag ihrer Töchter, bei deren Abifeiern und eigentlich bei jedem Anlass, wo man eine kurze Rede halten kann. Immer wieder hält sie ihren Töchtern vor Augen, was sie alles geschafft hat, ganz ohne Unterstützung ihrer Eltern und wie gut es nur ihre Töchter hätten, die ja so exzellent von ihr gefördert werden.
Wenn das mal nicht Druck auslöst, der sich irgendwie Bahn brechen wird.
Während die ältere Antonia auf die ganze Unterstützung pfeift und ihr Studium hinschmeißt, ergibt sie die jünger und vielversprechendere Wanda dem ganzen Druck und wird dabei zu einer anorektischen Perfektionistin.
Wir begleiten die beiden Töchter auf ihrem Abnabelungsprozess, der alles andere als linear verläuft. Beide haben ihre Päckchen zu tragen und müssen auch einen Weg finden, miteinander klar zu kommen. Denn die Ansprüche der Mutter reißen eine tiefe Kluft zwischen die Schwestern. Sie werden ständig in eine Rivalität gedrängt, die beiden nicht zusagt. Ihre Wege sind sehr unterschiedlich und doch nagen beide and den selben Wunden und sehnen sich dabei nach nichts anderem als bedingungsloser Mutterliebe.
Dieser Roman hat mich sehr beeindruckt. Als Leserin mit Schwestern und einer Mutter im Alter von Regina kann ich ganz einig Parallelen finden. Zum Glück waren sie bei uns bei weitem nicht so ausgeprägt. Aber zu denken gibt mir das schon. Man beginnt Muster und Strukturen zu erkennen, die unterschwellig immer zu spüren waren.
Der Weg aus der traumatisierenden Kindheit wird hier so schön dargelegt. Die Töchter gehen völlig verschiedene Wege und sehen sich immer wieder mit anerzogenen Mustern konfrontiert, die sie manchmal handeln lassen, sich aber auch immer wieder auch hinterfragen lassen. So ein Weg ist nicht einfach zu gehen, aber in einem stetigen Auf und Ab, ist doch ein vorankommen zu erkennen. Das hat mir außerordentlich gut gefallen!
Somit empfehle ich das Buch allen, die sich mit der Mutterrolle mal kritisch auseinandersetzten wollen. Es werden so viele Themen abgehandelt, dass sich wahrscheinlich alle Interessierten was für sich herausholen können. Für mich war das Buch ein Highlight und wird dem coolen Titel absolut gerecht. Ich hoffe, es findet noch viele begeisterte Leser*innen!
Wenn das mal nicht Druck auslöst, der sich irgendwie Bahn brechen wird.
Während die ältere Antonia auf die ganze Unterstützung pfeift und ihr Studium hinschmeißt, ergibt sie die jünger und vielversprechendere Wanda dem ganzen Druck und wird dabei zu einer anorektischen Perfektionistin.
Wir begleiten die beiden Töchter auf ihrem Abnabelungsprozess, der alles andere als linear verläuft. Beide haben ihre Päckchen zu tragen und müssen auch einen Weg finden, miteinander klar zu kommen. Denn die Ansprüche der Mutter reißen eine tiefe Kluft zwischen die Schwestern. Sie werden ständig in eine Rivalität gedrängt, die beiden nicht zusagt. Ihre Wege sind sehr unterschiedlich und doch nagen beide and den selben Wunden und sehnen sich dabei nach nichts anderem als bedingungsloser Mutterliebe.
Dieser Roman hat mich sehr beeindruckt. Als Leserin mit Schwestern und einer Mutter im Alter von Regina kann ich ganz einig Parallelen finden. Zum Glück waren sie bei uns bei weitem nicht so ausgeprägt. Aber zu denken gibt mir das schon. Man beginnt Muster und Strukturen zu erkennen, die unterschwellig immer zu spüren waren.
Der Weg aus der traumatisierenden Kindheit wird hier so schön dargelegt. Die Töchter gehen völlig verschiedene Wege und sehen sich immer wieder mit anerzogenen Mustern konfrontiert, die sie manchmal handeln lassen, sich aber auch immer wieder auch hinterfragen lassen. So ein Weg ist nicht einfach zu gehen, aber in einem stetigen Auf und Ab, ist doch ein vorankommen zu erkennen. Das hat mir außerordentlich gut gefallen!
Somit empfehle ich das Buch allen, die sich mit der Mutterrolle mal kritisch auseinandersetzten wollen. Es werden so viele Themen abgehandelt, dass sich wahrscheinlich alle Interessierten was für sich herausholen können. Für mich war das Buch ein Highlight und wird dem coolen Titel absolut gerecht. Ich hoffe, es findet noch viele begeisterte Leser*innen!
von Miro - 2024-12-01 22:16:00
Dysfunktionale Mutter-Tochter-Beziehungen - 5 Sterne
In dem Roman „Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen“ von Anna Brüggemann geht es um eine Familie und deren Beziehungen. Insbesondere geht es um die Mutter-Tochter-Beziehungen. Eine der Protagonistinnen, die Mutter Regina, wird als Narzisstin dargestellt, die das Leben ihrer Töchter stark in das Negative beeinflusst. Die eine Tochter, Antonia, wird von Regina als Versagerin dargestellt, während die andere Tochter, Wanda, augenscheinlich ihr Leben im Griff hat, aber eine Essstörung entwickelt, um ihrer Mutter zu gefallen.
Zu der Gestaltung und Titelfindung muss ich sagen, dass ich jenes nicht ganz verstanden habe. Der Abschnitt „Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen“ war meines Erachtens nicht so relevant, dass man ihm einen Titel widmen müsste. Die Gestaltung passt zwar zum Titel, aber nicht wirklich zu dem Inhalt des Romanes.
Das Thema fand ich toll und auch großartig umgesetzt. Da der Roman über drei Zeitabschnitte aufgeteilt war, von 1998 bis 2020, konnte man gut eine Entwicklung der Charaktere miterleben. Konflikte innerhalb der Familie können so besser nachvollzogen werden. Es gab einige überraschende Wendungen, die ich nicht erwartet habe, aber auch Sinn ergeben. Generell kann ich sagen, dass die Geschichte sehr gut überlegt ist und mich voll abgeholt hat.
Den Schreibstil finde ich sehr angenehm. Er ist mir nicht negativ aufgefallen und auch humorvolle Stellen sowohl wie Dialog sind authentisch eingebaut.
Die Protagonistinnen sind sehr authentisch. Ich finde es gut, dass sich der Roman wirklich hauptsächlich um die drei Frauen und deren Beziehung untereinander dreht und es nicht so viele Seitenstränge gibt. Ich habe das Gefühl, dass ich die drei gut kennengelernt habe. Für mich ist Antonia die absolute Sympathieträgerin.
Zusammenfassend ist meiner Meinung nach zu sagen, dass dieses Buch sehr empfehlenswert ist. Ich glaube, dass ich auch einiges aus der Geschichte mitnehmen kann. Auch ich habe reflektiert, wie manche Aktionen auf andere Menschen wirken können. Außerdem kann durch einen solchen Roman Fehler in der Zukunft vorgebeugt werden können.
Zu der Gestaltung und Titelfindung muss ich sagen, dass ich jenes nicht ganz verstanden habe. Der Abschnitt „Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen“ war meines Erachtens nicht so relevant, dass man ihm einen Titel widmen müsste. Die Gestaltung passt zwar zum Titel, aber nicht wirklich zu dem Inhalt des Romanes.
Das Thema fand ich toll und auch großartig umgesetzt. Da der Roman über drei Zeitabschnitte aufgeteilt war, von 1998 bis 2020, konnte man gut eine Entwicklung der Charaktere miterleben. Konflikte innerhalb der Familie können so besser nachvollzogen werden. Es gab einige überraschende Wendungen, die ich nicht erwartet habe, aber auch Sinn ergeben. Generell kann ich sagen, dass die Geschichte sehr gut überlegt ist und mich voll abgeholt hat.
Den Schreibstil finde ich sehr angenehm. Er ist mir nicht negativ aufgefallen und auch humorvolle Stellen sowohl wie Dialog sind authentisch eingebaut.
Die Protagonistinnen sind sehr authentisch. Ich finde es gut, dass sich der Roman wirklich hauptsächlich um die drei Frauen und deren Beziehung untereinander dreht und es nicht so viele Seitenstränge gibt. Ich habe das Gefühl, dass ich die drei gut kennengelernt habe. Für mich ist Antonia die absolute Sympathieträgerin.
Zusammenfassend ist meiner Meinung nach zu sagen, dass dieses Buch sehr empfehlenswert ist. Ich glaube, dass ich auch einiges aus der Geschichte mitnehmen kann. Auch ich habe reflektiert, wie manche Aktionen auf andere Menschen wirken können. Außerdem kann durch einen solchen Roman Fehler in der Zukunft vorgebeugt werden können.
von Cxicken - 2024-11-17 20:19:00
Große Erwartungen - 4 Sterne
Ohne eine vorherige Leseprobe hätte ich mir "Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen" von Anna Brüggemann nicht ausgesucht. Cover und Titel weisen erst einmal gar nicht darauf hin, um was es sich hier handelt - mehr noch, mich würde der Titel in eine ganz andere (Roman-)welt führen.
Doch Anna Brüggemann schreibt eine authentische Familiengeschichte über Generationen, über Erwartungen, über Schwestern. Im Fokus steht Mutter Regina mit ihren Töchtern Antonia und Wanda. Im Fokus stehen auch die hohen Erwartungen einer Mutter an ihre Töchter - die jüngere Wanda, die diese erfüllt, die ältere Antonia, die ihren Weg geht und damit für die Mutter nicht mehr wichtig ist.
Der Roman lebt vom Perspektivwechsel, bleibt aber in der Außenansicht durch den personalen Erzähler. Man kann aber gut mit den Frauen mitfühlen, und so lebt das Buch für mich vor allem durch sehr emotionale Passagen. Dass Regina als Mutter traurig macht und sogar schockiert, ist an viele reale Situationen angelehnt, ist in der Gänze aber auch sehr extrem.
Thematisch ist der Roman also tiefgehend, sprachlich erinnert er an manchen Stellen aber eher an einen Groschenroman. Hier gibt es für mich eine kleine Diskrepanz. Dieses Buch richtet sich nicht an Leser und Leserinnen, die eine platte Geschichte lesen möchten. Beim nächsten Roman sollte die Autorin darauf achten. Ich möchte "Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen" gern weiterempfehlen. Ich fürchte aber, dass das Buch im Ladenregal nicht allzuviel Aufmerksamkeit von den Lesern und Leserinnen bekommen wird, an die es sich richtet.
Doch Anna Brüggemann schreibt eine authentische Familiengeschichte über Generationen, über Erwartungen, über Schwestern. Im Fokus steht Mutter Regina mit ihren Töchtern Antonia und Wanda. Im Fokus stehen auch die hohen Erwartungen einer Mutter an ihre Töchter - die jüngere Wanda, die diese erfüllt, die ältere Antonia, die ihren Weg geht und damit für die Mutter nicht mehr wichtig ist.
Der Roman lebt vom Perspektivwechsel, bleibt aber in der Außenansicht durch den personalen Erzähler. Man kann aber gut mit den Frauen mitfühlen, und so lebt das Buch für mich vor allem durch sehr emotionale Passagen. Dass Regina als Mutter traurig macht und sogar schockiert, ist an viele reale Situationen angelehnt, ist in der Gänze aber auch sehr extrem.
Thematisch ist der Roman also tiefgehend, sprachlich erinnert er an manchen Stellen aber eher an einen Groschenroman. Hier gibt es für mich eine kleine Diskrepanz. Dieses Buch richtet sich nicht an Leser und Leserinnen, die eine platte Geschichte lesen möchten. Beim nächsten Roman sollte die Autorin darauf achten. Ich möchte "Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen" gern weiterempfehlen. Ich fürchte aber, dass das Buch im Ladenregal nicht allzuviel Aufmerksamkeit von den Lesern und Leserinnen bekommen wird, an die es sich richtet.
von signalhill - 2024-11-10 21:32:00
Toxische Beziehungen - 3 Sterne
Toxische Beziehungen, sei es im Freundeskreis, in der Beziehung, oder auch, wie hier beispielsweise, im Familiekreis, sind aktuell ein Thema, welches sehr oft behandelt wird. Das Thema ist also sehr aktuell und auch sehr spannend, wie ich finde. Nur passen, meiner Meinung nach, der Titel und auch das Cover nicht wirklich zum Text. Beides ist interessant, wie ich finde, aber es gibt nicht wikrlich einen Zusammenhang mit dem Text selbst.
Im Text spielen Männer eigentlich kaum eine wichtige Rolle, sie sind eher Randfiguren. Das Hauptaugenmerk liegt hier vor allem auf der Mutter und ihren beiden, sehr unterschiedlichen, Töchtern und deren Beziehung zueinander. Die Erwartungen der Mutter sind dehr hoch, die Töchter haben Probleme damit und sie leiden psychisch stark darunter. Noch dazu entwikelt sich, durch diese Behandlung der Mutter, ein stetiger Konkurrenzkampf zwischen den Schwestern. Wir begleiten über Jahre hinweg, wie hier die Mutter ihre Töchter überfordert, demütigt und ihnen auch keine Sicherheit im Leben gibt. Eine sehr faszinierende Geschichte. Ich finde nicht alle Figuren in dem Buch sympathisch, das macht mir in diesem Fall jedoch nicht viel aus. Die Sprache ist knapp und trifft immer den richtigen Ton. Eine gelungene Darstellung einer toxischen Familienbeziehung!
Im Text spielen Männer eigentlich kaum eine wichtige Rolle, sie sind eher Randfiguren. Das Hauptaugenmerk liegt hier vor allem auf der Mutter und ihren beiden, sehr unterschiedlichen, Töchtern und deren Beziehung zueinander. Die Erwartungen der Mutter sind dehr hoch, die Töchter haben Probleme damit und sie leiden psychisch stark darunter. Noch dazu entwikelt sich, durch diese Behandlung der Mutter, ein stetiger Konkurrenzkampf zwischen den Schwestern. Wir begleiten über Jahre hinweg, wie hier die Mutter ihre Töchter überfordert, demütigt und ihnen auch keine Sicherheit im Leben gibt. Eine sehr faszinierende Geschichte. Ich finde nicht alle Figuren in dem Buch sympathisch, das macht mir in diesem Fall jedoch nicht viel aus. Die Sprache ist knapp und trifft immer den richtigen Ton. Eine gelungene Darstellung einer toxischen Familienbeziehung!
von Carmen19994 - 2024-11-04 14:26:00
Eine narzisstische Mutter und ihre beiden Töchter - 4 Sterne
Regina, Jahrgang 1948, wird Anfang der 1980er Jahre Mutter zweier Töchter: Wanda und Antonia. Sie arbeitet als psychologische Psychotherapeutin in einer eigenen Praxis, lebt mit Edgar in einer soliden, aber eher leidenschaftslosen Ehe und definiert sich über ihre Intelligenz, ihren Erfolg und ihre schlanke Figur. Kritisch und erbarmungslos richtet sie ihren wertenden Blick auf alle Menschen in ihrem Umfeld, besonders auf andere Frauen, und auf ihre Töchter. Von der stillen, einfühlsamen und etwas pummeligen Antonia ist sie maßlos enttäuscht. Wanda hingegen ist mehr eine Tochter nach ihren Erwartungen, sehr dünn und hübsch, hochintelligent und ehrgeizig, ein Ebenbild der Mutter in allen Bereichen. Dass Wanda eine ernsthafte Essstörung entwickelt und ebenfalls an den unerfüllbaren Erwartungen an sie leidet, will die Mutter lange nicht sehen, und ihren eigenen Anteil daran leugnet sie bis zuletzt.
Das knapp 400 Seiten lange Buch ist in drei Teile geteilt. Der erste Teil, knapp 200 Seiten, beschreibt die Familie im Jahr 1998 und im Jahr danach, als erst Wanda und dann Antonia Abitur machen. Der zweite Teil, etwa 100 Seiten, spielt im Jahr 2010: die Töchter sind um die 30, die Eltern sind deutlich älter geworden. Und schließlich begleiten wir die Familie auf den letzten 100 Seiten durch die Jahre 2019 bis 2020, bis zum Beginn der Coronapandemie. Beide Töchter werden auch selbst Mütter und wir erleben auch mit, wie sie nun mit ihren eigenen Kindern umgehen.
Es ist also auch neben einer Mutter-Töchter-Erzählung auch eine weibliche Entwicklungsgeschichte und wir erleben die Hoffnungen, Träume, Ziele, Pläne, aber auch Rückschläge und Enttäuschungen der drei Frauen über mehr als zwei Jahrzehnte mit. Begleiten die beiden Mädchen von der Teenagerzeit bis in ihre 40er-Jahre und erleben mit, wie sie sich schrittweise zu eigenen Persönlichkeiten entwickeln und nach und nach auch die Kraft entwickeln, der dominanten und urteilenden Mutter zumindest ein bisschen die Stirn zu bieten und für ihre eigenen Lebensentwürfe einzustehen.
Insgesamt ist es ein sehr interessantes und psychologisch feinsinniges Buch für alle, die sich für Mütter-Töchter-Beziehungen, für Entwicklungsromane und auch für die Unterschiede zwischen verschiedenen Generationen interessieren. Ich bin etwas jünger als die beiden im Buch vorkommenden Töchter und kenne viele Frauen aus der Generation von Regina - in vielem habe ich die Spannungen vieler Frauen meiner Generation im Verhältnis zu ihren Müttern wiedererkannt.
Da wird im Buch sehr gut aufgezeigt, welche Schattenseiten gerade auch die Anspruchshaltung an Frauen, sie sollten stark sein und alles verwirklichen, sollten gleichzeitig die traditionell männlich wie die traditionell weibliche Rolle erfüllen, beruflich sehr erfolgreich, intelligent, leistungsfähig und stark sein, aber auch die Familie im Griff haben und sich niemals schwach zeigen, mit sich bringt. Wie diese Sozialisierung oft zu Lasten des Zulassens der eigenen Emotionen, aber auch des Mitfühlens mit anderen geht, und damit echte Beziehungen zu anderen, auch zu den eigenen Kindern, unmöglich macht. Solche durch die gesellschaftlichen Umstände narzisstisch geprägten Frauen wie Regina gibt es viele, und auch viele ihrer Töchter, die ähnlich darunter leiden wie Antonia und Wanda. Hier ist das Buch also sehr authentisch und wirklich gelungen.
Insbesondere die zweite Hälfte des Buches hat mich beim Lesen auch sehr gefesselt. Auf den ersten 100 bis 150 Seiten hingegen war mir das Buch etwas zu langatmig, gerade die allererste geschilderte Lebensphase, um die Abiturzeit der beiden Mädchen herum, wird ausführlichst geschildert, ohne dass die Handlung wirklich viel voranschreitet. Anfangs war ich mir deshalb gar nicht sicher, ob ich das Buch wirklich zu Ende lesen will, rückblickend bin ich aber nun froh darüber und es ist in den späteren Abschnitten deutlich spannender geworden.
Ein Detail finde ich auch eher unrealistisch bzw. möglicherweise nicht so genau recherchiert: Reginas psychotherapeutische Privatpraxis wird als der leichtere Karriereweg im Vergleich zu einer wissenschaftlichen Karriere dargestellt, als etwas, das Regina halt neben den Kindern noch schnell erreichen konnte, während ein Doktoratsstudium zu dieser Zeit nicht mehr möglich gewesen wäre. Es wird beschrieben, dass Regina als junge Frau erst jahrelang ziellos Lehramt studiert hätte, dann Jahre in Südamerika verbracht hätte und danach dann noch schnell Psychologie studiert und Psychotherapeutin geworden wäre, während sie schon Anfang 30 ihre zwei Kinder bekommen habe.
Wer sich mit dem Psychologiestudium und der darauf folgenden anspruchsvollen postgraduellen Ausbildung auch nur ein bisschen auskennt, weiß, das ist zeitlich sehr unrealistisch, auch wenn man intelligent und ehrgeizig ist wie Regina. Und selbst wenn, dann bedeutet ein Psychologiestudium samt mehrjähriger psychotherapeutischer Weiterbildung einen Aufwand, der in Summe sicher nicht geringer ist als ein Psychologiestudium plus Doktorat. Wer das gemacht hat, so wie Regina in dem Buch, der würde das wissen, insofern wirkt das etwas unrealistisch. Zur narzisstischen Persönlichkeit Reginas passt es natürlich, dass sie sich unzulänglich fühlt und das Gefühl hat, ihr überragendes Talent beruflich nicht genug verwirklicht zu haben, doch hätte sich hier vielleicht ein passenderes Beispiel finden können.
Abgesehen von diesem Detail und dem, wie gesagt, etwas langatmigen ersten Teil, ist es aber ein durchaus sehr gelungenes und psychologisch tiefgründiges, authentisches Buch, das zum Nachdenken anregt. Wohlfühlbuch ist es aber eher keines, dafür sind die vorkommenden Konflikte zu heftig und insbesondere Regina in ihrer Unbarmherzigkeit deutlich zu unsympathisch.
Es ist ein gutes Buch, aber kein sonderlich schönes. Dazu passt dann wiederum auch wieder der etwas sperrige Titel, auf den im Buch nur kurz Bezug genommen wird und der sich erst bei genauerem Darüber-Nachdenken als Metapher erschließt.
Das knapp 400 Seiten lange Buch ist in drei Teile geteilt. Der erste Teil, knapp 200 Seiten, beschreibt die Familie im Jahr 1998 und im Jahr danach, als erst Wanda und dann Antonia Abitur machen. Der zweite Teil, etwa 100 Seiten, spielt im Jahr 2010: die Töchter sind um die 30, die Eltern sind deutlich älter geworden. Und schließlich begleiten wir die Familie auf den letzten 100 Seiten durch die Jahre 2019 bis 2020, bis zum Beginn der Coronapandemie. Beide Töchter werden auch selbst Mütter und wir erleben auch mit, wie sie nun mit ihren eigenen Kindern umgehen.
Es ist also auch neben einer Mutter-Töchter-Erzählung auch eine weibliche Entwicklungsgeschichte und wir erleben die Hoffnungen, Träume, Ziele, Pläne, aber auch Rückschläge und Enttäuschungen der drei Frauen über mehr als zwei Jahrzehnte mit. Begleiten die beiden Mädchen von der Teenagerzeit bis in ihre 40er-Jahre und erleben mit, wie sie sich schrittweise zu eigenen Persönlichkeiten entwickeln und nach und nach auch die Kraft entwickeln, der dominanten und urteilenden Mutter zumindest ein bisschen die Stirn zu bieten und für ihre eigenen Lebensentwürfe einzustehen.
Insgesamt ist es ein sehr interessantes und psychologisch feinsinniges Buch für alle, die sich für Mütter-Töchter-Beziehungen, für Entwicklungsromane und auch für die Unterschiede zwischen verschiedenen Generationen interessieren. Ich bin etwas jünger als die beiden im Buch vorkommenden Töchter und kenne viele Frauen aus der Generation von Regina - in vielem habe ich die Spannungen vieler Frauen meiner Generation im Verhältnis zu ihren Müttern wiedererkannt.
Da wird im Buch sehr gut aufgezeigt, welche Schattenseiten gerade auch die Anspruchshaltung an Frauen, sie sollten stark sein und alles verwirklichen, sollten gleichzeitig die traditionell männlich wie die traditionell weibliche Rolle erfüllen, beruflich sehr erfolgreich, intelligent, leistungsfähig und stark sein, aber auch die Familie im Griff haben und sich niemals schwach zeigen, mit sich bringt. Wie diese Sozialisierung oft zu Lasten des Zulassens der eigenen Emotionen, aber auch des Mitfühlens mit anderen geht, und damit echte Beziehungen zu anderen, auch zu den eigenen Kindern, unmöglich macht. Solche durch die gesellschaftlichen Umstände narzisstisch geprägten Frauen wie Regina gibt es viele, und auch viele ihrer Töchter, die ähnlich darunter leiden wie Antonia und Wanda. Hier ist das Buch also sehr authentisch und wirklich gelungen.
Insbesondere die zweite Hälfte des Buches hat mich beim Lesen auch sehr gefesselt. Auf den ersten 100 bis 150 Seiten hingegen war mir das Buch etwas zu langatmig, gerade die allererste geschilderte Lebensphase, um die Abiturzeit der beiden Mädchen herum, wird ausführlichst geschildert, ohne dass die Handlung wirklich viel voranschreitet. Anfangs war ich mir deshalb gar nicht sicher, ob ich das Buch wirklich zu Ende lesen will, rückblickend bin ich aber nun froh darüber und es ist in den späteren Abschnitten deutlich spannender geworden.
Ein Detail finde ich auch eher unrealistisch bzw. möglicherweise nicht so genau recherchiert: Reginas psychotherapeutische Privatpraxis wird als der leichtere Karriereweg im Vergleich zu einer wissenschaftlichen Karriere dargestellt, als etwas, das Regina halt neben den Kindern noch schnell erreichen konnte, während ein Doktoratsstudium zu dieser Zeit nicht mehr möglich gewesen wäre. Es wird beschrieben, dass Regina als junge Frau erst jahrelang ziellos Lehramt studiert hätte, dann Jahre in Südamerika verbracht hätte und danach dann noch schnell Psychologie studiert und Psychotherapeutin geworden wäre, während sie schon Anfang 30 ihre zwei Kinder bekommen habe.
Wer sich mit dem Psychologiestudium und der darauf folgenden anspruchsvollen postgraduellen Ausbildung auch nur ein bisschen auskennt, weiß, das ist zeitlich sehr unrealistisch, auch wenn man intelligent und ehrgeizig ist wie Regina. Und selbst wenn, dann bedeutet ein Psychologiestudium samt mehrjähriger psychotherapeutischer Weiterbildung einen Aufwand, der in Summe sicher nicht geringer ist als ein Psychologiestudium plus Doktorat. Wer das gemacht hat, so wie Regina in dem Buch, der würde das wissen, insofern wirkt das etwas unrealistisch. Zur narzisstischen Persönlichkeit Reginas passt es natürlich, dass sie sich unzulänglich fühlt und das Gefühl hat, ihr überragendes Talent beruflich nicht genug verwirklicht zu haben, doch hätte sich hier vielleicht ein passenderes Beispiel finden können.
Abgesehen von diesem Detail und dem, wie gesagt, etwas langatmigen ersten Teil, ist es aber ein durchaus sehr gelungenes und psychologisch tiefgründiges, authentisches Buch, das zum Nachdenken anregt. Wohlfühlbuch ist es aber eher keines, dafür sind die vorkommenden Konflikte zu heftig und insbesondere Regina in ihrer Unbarmherzigkeit deutlich zu unsympathisch.
Es ist ein gutes Buch, aber kein sonderlich schönes. Dazu passt dann wiederum auch wieder der etwas sperrige Titel, auf den im Buch nur kurz Bezug genommen wird und der sich erst bei genauerem Darüber-Nachdenken als Metapher erschließt.
von Eternal-Hope - 2024-11-04 14:02:00
Empfehlenswerter Roman über komplexe Mutter-Tochter-Beziehungen - 3 Sterne
Nach „Trennungsroman“ war ich total gespannt auf Anna Brüggemanns neuen Roman – und er hat mich wirklich begeistert! Diesmal dreht sich alles um die komplexen Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern. Im Fokus stehen Regina und ihre Töchter Antonia und Wanda. Regina hat ihre eigenen Träume für die Familie aufgegeben und projiziert all ihre unerfüllten Wünsche auf die beiden. Antonia bricht aus diesem Erwartungsdruck aus, wird alleinerziehende Mutter und schmeißt ihr Studium hin. Wanda hingegen versucht, es allen recht zu machen, bis sie schließlich in eine Essstörung rutscht, die die Familie weitgehend ignoriert. Die Schwestern schwanken ständig zwischen Rivalität und dem Verlangen nach Anerkennung ihrer Mutter.
Uff, was für ein intensiver, bewegender Roman! Brüggemann beleuchtet die komplexen Mutter-Tochter-Dynamiken und zeigt, wie familiäre Erwartungen das Leben prägen. Wir begleiten die drei Frauen über mehrere Lebensabschnitte und sehen, wie sich ihre Beziehungen verändern, während viele Probleme weiterhin unausgesprochen bleiben. Es sind nicht die großen Wendungen, die den Roman ausmachen, sondern die feinen Einblicke in das, was schiefgelaufen ist, und wie Reginas Erziehung ihre Töchter beeinflusst hat. Ein Thema, das viele von uns betrifft – ob als Tochter, Mutter oder beides.
Regina war für mich die schwierigste Figur – oft narzisstisch und stark auf sich selbst fixiert. Besonders schmerzlich: wie sie Antonia mehr oder weniger subtil spüren lässt, dass Wanda ihre Favoritin ist. Oder wie sie bei Wanda über Antonia ablästern möchte. Celina, Antonias Tochter, ist für mich die heimliche Heldin des Buches. Als sie Regina endlich die Meinung sagt, musste ich innerlich jubeln. Sie verkörpert die Hoffnung auf eine freiere, glücklichere nächste Generation, die sich von den familiären Erwartungen endlich lösen kann.
Der Titel „Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen“ ist besonders treffend gewählt. Auf den ersten Blick scheint alles gut zwischen der Mutter und ihren Töchtern, doch in der Dunkelheit, unter der Oberfläche, entfalten sich verborgene Spannungen und Kämpfe. Sehr empfehlenswerter Roman.
Uff, was für ein intensiver, bewegender Roman! Brüggemann beleuchtet die komplexen Mutter-Tochter-Dynamiken und zeigt, wie familiäre Erwartungen das Leben prägen. Wir begleiten die drei Frauen über mehrere Lebensabschnitte und sehen, wie sich ihre Beziehungen verändern, während viele Probleme weiterhin unausgesprochen bleiben. Es sind nicht die großen Wendungen, die den Roman ausmachen, sondern die feinen Einblicke in das, was schiefgelaufen ist, und wie Reginas Erziehung ihre Töchter beeinflusst hat. Ein Thema, das viele von uns betrifft – ob als Tochter, Mutter oder beides.
Regina war für mich die schwierigste Figur – oft narzisstisch und stark auf sich selbst fixiert. Besonders schmerzlich: wie sie Antonia mehr oder weniger subtil spüren lässt, dass Wanda ihre Favoritin ist. Oder wie sie bei Wanda über Antonia ablästern möchte. Celina, Antonias Tochter, ist für mich die heimliche Heldin des Buches. Als sie Regina endlich die Meinung sagt, musste ich innerlich jubeln. Sie verkörpert die Hoffnung auf eine freiere, glücklichere nächste Generation, die sich von den familiären Erwartungen endlich lösen kann.
Der Titel „Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen“ ist besonders treffend gewählt. Auf den ersten Blick scheint alles gut zwischen der Mutter und ihren Töchtern, doch in der Dunkelheit, unter der Oberfläche, entfalten sich verborgene Spannungen und Kämpfe. Sehr empfehlenswerter Roman.
von pageturner - 2024-11-01 07:42:00
Regina und ihre Töchter - 5 Sterne
Im Mittelpunkt von "Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen", dem neuen Roman von Anna Brüggemann, stehen die 51-jährige Regina und ihre beiden Töchter Antonia und Wanda. Wir schreiben das Jahr 1998, Regina ist Psychologin, ihr Mann Edgar arbeitet in einer Baubehörde. Antonia ist 19, sie hat gerade ihr Abitur gemacht und plant, Pharmazie zu studieren. Ihre anderthalb Jahre jüngere Schwester Wanda ist nicht nur sportlich sehr aktiv, sondern auch eine begabte und zielstrebige Schülerin. Antonia ist nicht so ehrgeizig wie ihre Schwester, sie hat kein rechtes Glück in der Liebe und beneidet ihre Schwester, die einen festen Freund hat. Die Mutter hat keine innige Beziehung zu ihren Töchtern, und auch das Verhältnis der beiden zueinander ist eher schwierig.
Regina ist kurz nach Kriegsende geboren und hat gegen den Wunsch der Eltern ihr Elternhaus früh verlassen, um Psychologie zu studieren. Noch heute nimmt sie es den Eltern übel, dass sie nicht genügend gefördert wurde. Das will sie bei ihren Töchtern anders machen. Während Wanda stets bereit ist, die Ratschläge ihrer Mutter umzusetzen, zieht Antonia sich immer mehr zurück und geht ihren eigenen Weg. Ohne Wissen der Eltern ändert sie ihre Zukunftspläne und schlägt eine ganz andere Laufbahn ein, als Regina es sich vorgestellt hat.
Die Handlung spielt über einen Zeitraum von 21 Jahren, wir erleben die Höhen und Tiefen der Familienmitglieder, ihre Sehnsüchte, Sorgen und Tragödien. Der Erzählstil und die schöne Sprache der Autorin gefallen mir sehr gut, das Buch liest sich flüssig. Anna Brüggemann beschreibt die Charaktere authentisch und bildhaft, die Entwicklung der Protagonistinnen über die Jahre ist überzeugend dargestellt. Die Unzufriedenheit der Mutter und ihre Lieblosigkeit gegenüber Edgar und ihren Töchtern kommen sehr gut zum Ausdruck, ebenso die Sehnsucht der beiden nach Anerkennung. Bei Wanda ist diese Sehnsucht so ausgeprägt, dass sie eine Essstörung entwickelt. Regina ist extrem ichbezogen, wenig empathisch, neigt zur Selbstüberschätzung, ist aufbrausend und autoritär. Ihrem Mann Edgar fühlt sie sich überlegen und findet ihn langweilig. Antonia empfindet sie als unsichtbar und kritisiert sie übertrieben streng, Wanda wird von ihr bevorzugt und akzeptiert, weil sie sich nach Reginas Wünschen entwickelt.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es hat mich gefesselt und berührt. Ich hatte wenig Sympathie für Regina, die die Bedürfnisse ihrer Töchter nicht erkennt, sich dennoch für eine gute Mutter hält. Meine Lieblingsfigur war Antonia, die den Mut hat, entgegen Reginas Vorstellungen ihren eigenen Weg zu gehen.
Absolute Leseempfehlung für dieses mitreißende Buch über schwierige Mutter-Töchter-Beziehungen!
Regina ist kurz nach Kriegsende geboren und hat gegen den Wunsch der Eltern ihr Elternhaus früh verlassen, um Psychologie zu studieren. Noch heute nimmt sie es den Eltern übel, dass sie nicht genügend gefördert wurde. Das will sie bei ihren Töchtern anders machen. Während Wanda stets bereit ist, die Ratschläge ihrer Mutter umzusetzen, zieht Antonia sich immer mehr zurück und geht ihren eigenen Weg. Ohne Wissen der Eltern ändert sie ihre Zukunftspläne und schlägt eine ganz andere Laufbahn ein, als Regina es sich vorgestellt hat.
Die Handlung spielt über einen Zeitraum von 21 Jahren, wir erleben die Höhen und Tiefen der Familienmitglieder, ihre Sehnsüchte, Sorgen und Tragödien. Der Erzählstil und die schöne Sprache der Autorin gefallen mir sehr gut, das Buch liest sich flüssig. Anna Brüggemann beschreibt die Charaktere authentisch und bildhaft, die Entwicklung der Protagonistinnen über die Jahre ist überzeugend dargestellt. Die Unzufriedenheit der Mutter und ihre Lieblosigkeit gegenüber Edgar und ihren Töchtern kommen sehr gut zum Ausdruck, ebenso die Sehnsucht der beiden nach Anerkennung. Bei Wanda ist diese Sehnsucht so ausgeprägt, dass sie eine Essstörung entwickelt. Regina ist extrem ichbezogen, wenig empathisch, neigt zur Selbstüberschätzung, ist aufbrausend und autoritär. Ihrem Mann Edgar fühlt sie sich überlegen und findet ihn langweilig. Antonia empfindet sie als unsichtbar und kritisiert sie übertrieben streng, Wanda wird von ihr bevorzugt und akzeptiert, weil sie sich nach Reginas Wünschen entwickelt.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es hat mich gefesselt und berührt. Ich hatte wenig Sympathie für Regina, die die Bedürfnisse ihrer Töchter nicht erkennt, sich dennoch für eine gute Mutter hält. Meine Lieblingsfigur war Antonia, die den Mut hat, entgegen Reginas Vorstellungen ihren eigenen Weg zu gehen.
Absolute Leseempfehlung für dieses mitreißende Buch über schwierige Mutter-Töchter-Beziehungen!
von Bücherfreundin - 2024-10-30 19:03:00


