Rezensionen
Schweben - 5 Sterne
In nicht allzu ferner Zukunft: nach der Klimakatastrophe leben die Menschen in Wohnsiedlungen, abgeschottet von den jeweils anderen. Es ist streng verboten seine Siedlung zu verlassen. Es regiert "das System", so genau weiß man es nicht.
Der Hauptcharakter, eine Frau, ist namenlos. Beruflich schlüpft sie immer wieder für Wochen oder Monate in die Rolle einer Anderen und lebt das Leben dieser anderen Person. An ihren eigenen Namen kann sie sich längst nicht mehr erinnern.
In ihrer Rolle als Emma gerät sie in eine toxische Beziehung, der Bezug zu ihrer eigenen Identität geht immer mehr verloren. "Emma" wird geplagt von Zweifeln und Fragen: Einerseits wer und wo die richtige Emma wohl ist, was ist Realität und was ist Wahnsinn, gibt es tatsächlich andere Siedlungen, was ist "draußen" und warum ist es verboten darüber zu sprechen.
Der Roman ist spannend, dicht und kompakt erzählt, dunkel und besorgniserregend, aber sehr interessant und fesselnd.
Der Hauptcharakter, eine Frau, ist namenlos. Beruflich schlüpft sie immer wieder für Wochen oder Monate in die Rolle einer Anderen und lebt das Leben dieser anderen Person. An ihren eigenen Namen kann sie sich längst nicht mehr erinnern.
In ihrer Rolle als Emma gerät sie in eine toxische Beziehung, der Bezug zu ihrer eigenen Identität geht immer mehr verloren. "Emma" wird geplagt von Zweifeln und Fragen: Einerseits wer und wo die richtige Emma wohl ist, was ist Realität und was ist Wahnsinn, gibt es tatsächlich andere Siedlungen, was ist "draußen" und warum ist es verboten darüber zu sprechen.
Der Roman ist spannend, dicht und kompakt erzählt, dunkel und besorgniserregend, aber sehr interessant und fesselnd.
von Eva Kronhofmann - 2025-09-05 09:59:10
Die Siedlung - 3 Sterne
Mit "Schweben" versetzt uns Amira Ben Saoud in eine Siedlung die von Wäldern umgeben ist. Nach draußen kann man nicht und jeder, der in die Siedlung möchte, darf erschossen werden. Die Grenze wird immer bewacht. Doch es will eh niemand weg und es kommt auch keiner.
Die Protagonistin in diesem Buch hat sich einen sonderbaren Job geschaffen. Sie schlüpft in die Rolle anderer Frauen und wird gebucht von Menschen, die noch etwas aufzuarbeiten haben. Mal ist sie eine Tochter, mal eine verlorene Geliebte. Sie passt sich an und verliert sich dabei selbst. Sogar ihren wahren Namen hat sie vergessen, sosehr verinnerlicht sie die jeweilige Rolle.
Als ihr bewusst wird, wie sehr sie sich selbst zu verlieren droht, dämmert ihr langsam, dass es Zeit werden könnte, sich eine andere Arbeit zu suchen. Oder ist es dafür längst zu spät?
Dieses Spiel mit Identität oder dem Fehlen einer solchen hat mir sehr gut gefallen. Die Protagonistin wird dadurch zu einer sehr interessanten Person. Auf eine schräge Art wirkt es anziehend, wie sie eine Rolle derartig verinnerlicht. Und gleichzeitig spürt man schnell die Gefahr, die davon ausgeht. Der Riss, der sich immer mehr durch ihre Persönlichkeit zieht.
Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, weil es mich so sehr gefesselt hat und bis zur Hälfte war es ein absolutes Highlight für mich. Doch dann wird es immer abstruser, die Handlungen der Protagonistin werden immer schwerer nachvollziehbar und schlußendlich driftet der ganze Roman ins Magische ab. Das Ende war für mich nicht wirklich stimmig und die Botschaft davon, kam bei mir irgendwie nicht an. Wie ich es drehe und wende, ich weiß nicht, was die Autorin damit sagen wollte.
Dennoch war es eine lesenswerte Geschichte. Toll geschrieben, mit der nötigen Spannung und mal was ganz anderes. Auch wenn mich dieses Buch nicht ganz überzeugen konnte, bin ich gespannt auf weitere Werke der Autorin.
Die Protagonistin in diesem Buch hat sich einen sonderbaren Job geschaffen. Sie schlüpft in die Rolle anderer Frauen und wird gebucht von Menschen, die noch etwas aufzuarbeiten haben. Mal ist sie eine Tochter, mal eine verlorene Geliebte. Sie passt sich an und verliert sich dabei selbst. Sogar ihren wahren Namen hat sie vergessen, sosehr verinnerlicht sie die jeweilige Rolle.
Als ihr bewusst wird, wie sehr sie sich selbst zu verlieren droht, dämmert ihr langsam, dass es Zeit werden könnte, sich eine andere Arbeit zu suchen. Oder ist es dafür längst zu spät?
Dieses Spiel mit Identität oder dem Fehlen einer solchen hat mir sehr gut gefallen. Die Protagonistin wird dadurch zu einer sehr interessanten Person. Auf eine schräge Art wirkt es anziehend, wie sie eine Rolle derartig verinnerlicht. Und gleichzeitig spürt man schnell die Gefahr, die davon ausgeht. Der Riss, der sich immer mehr durch ihre Persönlichkeit zieht.
Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, weil es mich so sehr gefesselt hat und bis zur Hälfte war es ein absolutes Highlight für mich. Doch dann wird es immer abstruser, die Handlungen der Protagonistin werden immer schwerer nachvollziehbar und schlußendlich driftet der ganze Roman ins Magische ab. Das Ende war für mich nicht wirklich stimmig und die Botschaft davon, kam bei mir irgendwie nicht an. Wie ich es drehe und wende, ich weiß nicht, was die Autorin damit sagen wollte.
Dennoch war es eine lesenswerte Geschichte. Toll geschrieben, mit der nötigen Spannung und mal was ganz anderes. Auch wenn mich dieses Buch nicht ganz überzeugen konnte, bin ich gespannt auf weitere Werke der Autorin.
von Miro - 2025-05-04 12:56:00
Identität in dystopischer Isolation - 4 Sterne
Die Idee dieses Buches, eine dystopische Welt nach dem Klimawandel, in der die Menschen in abgeschotteten Siedlungen leben, die sie nicht verlassen können, fand ich erstmal grundsätzlich spannend. Vor allem weil relativ früh die Frage nach dem "außen", hinter den Grenzen der Siedlung aufgeworfen wird. Die Autorin spielt hier mit dem Leser, hält ihm immer wieder kleine Informationshäppchen vor die Nase, verzichtet aber zum großen Teil auf Erklärungen und Antworten. Wer will kann sich seinen Teil denken oder sich in der schwerelosen Geschichte einfach treiben lassen.
Die Protagonistin hat einen interessanten Beruf für sich ergriffen: sie schafft Identitäten, übernimmt das Leben anderer, verliert sich in der Illusion dessen, was sie was als Dienstleistung für andere kreiert. Ein völlig neues selbst, ein Jemand anders sein. Ich finde es sehr spannend, wie sich der Plot entwickelt und wie man als Leser fast schon voyeuristische Einblicke in diese Leben bekommt, die da geschaffen werden. So weit so psychologisch erstmal mitreißend. Aber dann wird es wild.
Denn in der Siedlung scheint etwas vorzugehen. Und plötzlich beginnen die Menschen zu schweben, die Zahl der Todesfälle durch Abstürze steigt stetig. Bei dieser Skurrilität, die auch nicht weiter vertieft wird, hat mich die Geschichte ein bisschen verloren. Ich habe mir rationale Erklärungen gewünscht, etwas greifbares an dem man sich festhalten und orientieren kann. Rund um eine Protagonistin, die der Realität entgleitet, gerät nun auch die physische Welt aus den Fugen.
Das Buch hat einen wahnsinnig tollen Erzählton. Es ist ruhig geschrieben, teilweise nüchtern, teilweise mit einer sanften Bestimmtheit. Mich hat es beim Lesen abwechselnd geschaudert und besänftigt. Am Ende- ein kurzer Blick über den Tellerrand, dann Schluss. Dieses abrupte Ende, ein Finale ohne Schrecken, hat mich einerseits enttäuscht und andererseits begeistert. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber das Konzept, dass die Autorin hier geschaffen hat, funktioniert.
Die Protagonistin hat einen interessanten Beruf für sich ergriffen: sie schafft Identitäten, übernimmt das Leben anderer, verliert sich in der Illusion dessen, was sie was als Dienstleistung für andere kreiert. Ein völlig neues selbst, ein Jemand anders sein. Ich finde es sehr spannend, wie sich der Plot entwickelt und wie man als Leser fast schon voyeuristische Einblicke in diese Leben bekommt, die da geschaffen werden. So weit so psychologisch erstmal mitreißend. Aber dann wird es wild.
Denn in der Siedlung scheint etwas vorzugehen. Und plötzlich beginnen die Menschen zu schweben, die Zahl der Todesfälle durch Abstürze steigt stetig. Bei dieser Skurrilität, die auch nicht weiter vertieft wird, hat mich die Geschichte ein bisschen verloren. Ich habe mir rationale Erklärungen gewünscht, etwas greifbares an dem man sich festhalten und orientieren kann. Rund um eine Protagonistin, die der Realität entgleitet, gerät nun auch die physische Welt aus den Fugen.
Das Buch hat einen wahnsinnig tollen Erzählton. Es ist ruhig geschrieben, teilweise nüchtern, teilweise mit einer sanften Bestimmtheit. Mich hat es beim Lesen abwechselnd geschaudert und besänftigt. Am Ende- ein kurzer Blick über den Tellerrand, dann Schluss. Dieses abrupte Ende, ein Finale ohne Schrecken, hat mich einerseits enttäuscht und andererseits begeistert. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber das Konzept, dass die Autorin hier geschaffen hat, funktioniert.
von Lies_ein_Buch - 2025-04-13 17:06:00
Potenzial verschenkt - 3 Sterne
Die dystopische Welt in der nicht allzu fernen Zukunft, in der der Roman spielt, ist reizvoll. Die Idee des Buches, eine Gesellschaft auszuleuchten, die sich nach dem Klimakollaps in abgeschotteten Siedlungen organisiert hat, hat enormes Potenzial. Auch die Hauptfigur, deren Job es ist, in die Rollen fremder Menschen zu schlüpfen, ist spannend. Leider kann der Roman dieses Potenzial nicht einlösen. Sprachlich bleibt die Schilderung dieser Welt zu konventionell. Auch fehlt es den Figuren an psychologischer Tiefe. Der Plot verliert sich vor allem im letzten Drittel in dem Versuch, verschiedene gesellschaftliche Themen anzusprechen, wobei diese überwiegend nur angerissen werden. Dass das Ende ins Surreale abdriftet, ist sogar noch das Interessanteste daran. Ein Roman muss keine Erklärungen abliefern, er darf sogar Fragen hinterlassen. Doch um einen dauerhaften Eindruck zu hinterlassen, bleibt der Text leider zu oberflächlich, die Stimmung verfliegt schnell. Einen zusätzlichen Punktabzug gibt es zudem für das KI-generierte Cover. Schade!
von mannuber - 2025-04-09 21:47:00
nicht ganz rund - 3 Sterne
Amira Ben Saoud hat mit "Schweben" eine Dystopie veröffentlicht, in der es augenscheinlich keine Gewalt, und nach einer Klimakatastrophe nur einzelne Siedlungen auf der Welt existieren, welche nur den Zweck haben, Waren zu tauschen, um ein Überleben zu sichern.
In den Siedlungen herrscht scheinbar keine Gewalt, es gibt starre Regeln und verlassen kann man die Siedlung nicht. Auf Menschen, die den Versuch unternehmen, die Grenze zu übertreten, wird ohne Pardon geschossen. Die schlimmste Strafe, die in der Siedlung bekannt ist, ist die Ausstoßung aus der Gemeinschaft. Auch wenn das System keine Gewalt auf ihre Bürger ausübt, so verprügeln sich Jugendliche aufs Äußerste und es gibt Tote, welche dann im Abgrund entsorgt werden.
Die Protagonistin des Buches, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, hat für sich den Beruf der Begegnung kreiert. Durch dieses hineinfinden in fremde Personen und diese für andere zu repräsentieren, hat sie sich und ihre eigene Identität verloren. Ihr neuer Auftrag lässt sie jedoch an ihre persönlichen Grenzen kommen. Emma, die Frau, die sie für Gil verkörpert, ist für sie ein Rätsel und ist sie wirklich aus der Siedlung geflüchtet?
Mich lässt die Dystopie etwas zwiegespalten zurück. Die Thematik und auch der Klappentext haben mich sehr angesprochen, doch mit der Umsetzung hadere ich. Der Einstieg war spannend, doch aufgrund des distanzierten Schreibstils konnte ich mit der Protagonistin ohne Namen nicht warm werden. Das Ende lässt mich mit zu vielen Fragezeichen zurück, auch wenn sich das Buch insgesamt gut und flüssig lesen lässt.
In den Siedlungen herrscht scheinbar keine Gewalt, es gibt starre Regeln und verlassen kann man die Siedlung nicht. Auf Menschen, die den Versuch unternehmen, die Grenze zu übertreten, wird ohne Pardon geschossen. Die schlimmste Strafe, die in der Siedlung bekannt ist, ist die Ausstoßung aus der Gemeinschaft. Auch wenn das System keine Gewalt auf ihre Bürger ausübt, so verprügeln sich Jugendliche aufs Äußerste und es gibt Tote, welche dann im Abgrund entsorgt werden.
Die Protagonistin des Buches, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, hat für sich den Beruf der Begegnung kreiert. Durch dieses hineinfinden in fremde Personen und diese für andere zu repräsentieren, hat sie sich und ihre eigene Identität verloren. Ihr neuer Auftrag lässt sie jedoch an ihre persönlichen Grenzen kommen. Emma, die Frau, die sie für Gil verkörpert, ist für sie ein Rätsel und ist sie wirklich aus der Siedlung geflüchtet?
Mich lässt die Dystopie etwas zwiegespalten zurück. Die Thematik und auch der Klappentext haben mich sehr angesprochen, doch mit der Umsetzung hadere ich. Der Einstieg war spannend, doch aufgrund des distanzierten Schreibstils konnte ich mit der Protagonistin ohne Namen nicht warm werden. Das Ende lässt mich mit zu vielen Fragezeichen zurück, auch wenn sich das Buch insgesamt gut und flüssig lesen lässt.
von Nele33 - 2025-04-08 11:11:00
Zu viel gewollt, aber fesselnd - 3 Sterne
Amira Ben Saouds Debüt „Schweben“ spielt in einer düsteren Zukunft, in der der Klimawandel bereits Vergangenheit ist. Die Menschen leben isoliert in kleinen patriarchalen Siedlungen, ohne Kontakt zur Außenwelt. Fragen nach dem "Davor" oder "Draußen" sind unerwünscht, das System bestimmt den Alltag. Die namenlose Protagonistin verdient ihren Lebensunterhalt, indem sie die Rolle anderer Frauen annimmt, um beispielsweise eine Ehefrau zu ersetzen.
Der Roman liest sich schnell und entwickelt eine gewisse Sogwirkung – nicht zuletzt durch die einfache Sprache und die sich zunehmend verdüsternde Atmosphäre. Anfangs ist die Spannung hoch, es liest sich faszinierend und beklemmend zugleich. Doch je weiter die Handlung voranrückt, desto verworrener wird sie. Es gibt viele Themen und Fäden, aber nicht alle führen zu einem klaren Abschluss. Die Autorin verzichtet bewusst auf Erklärungen.
Allerdings bleibt auf den knapp 190 Seiten nicht genug Raum, um allen Ideen gerecht zu werden, das Ende kommt zu abrupt. Am Schluss hatte ich nicht das Gefühl, das Gesamtbild wirklich greifen zu können. Dennoch bleibt Schweben ein atmosphärisch starker Roman, der in seinen besten Momenten fesselt, auch wenn er am Ende nicht alle Erwartungen erfüllt hat und mich etwas ratlos zurücklässt. 2,5/5 Sterne
Der Roman liest sich schnell und entwickelt eine gewisse Sogwirkung – nicht zuletzt durch die einfache Sprache und die sich zunehmend verdüsternde Atmosphäre. Anfangs ist die Spannung hoch, es liest sich faszinierend und beklemmend zugleich. Doch je weiter die Handlung voranrückt, desto verworrener wird sie. Es gibt viele Themen und Fäden, aber nicht alle führen zu einem klaren Abschluss. Die Autorin verzichtet bewusst auf Erklärungen.
Allerdings bleibt auf den knapp 190 Seiten nicht genug Raum, um allen Ideen gerecht zu werden, das Ende kommt zu abrupt. Am Schluss hatte ich nicht das Gefühl, das Gesamtbild wirklich greifen zu können. Dennoch bleibt Schweben ein atmosphärisch starker Roman, der in seinen besten Momenten fesselt, auch wenn er am Ende nicht alle Erwartungen erfüllt hat und mich etwas ratlos zurücklässt. 2,5/5 Sterne
von Alo - 2025-03-28 11:14:00
Surreal und dystopisch - 3 Sterne
In Amira Ben Saouds Debütroman »Schweben« begeben sich die Leser*innen auf eine literarische Reise in eine dystopische Welt, in welcher der Klimawandel und Gewalt der Vergangenheit angehören.
Die namenlose Protagonistin lebt in einer der zahlreichen und voneinander abgeschotteten Siedlungen, deren einzige Verbindung im Warenaustausch untereinander besteht. Das Überschreiten der Grenzen hat schwere Konsequenzen und wird mit dem Tod bestraft. Abgesehen davon ist Gewalt strengstens untersagt und es wird Wert auf ein harmonisches Miteinander gelegt. Doch die vermeintliche Ordnung ist nur eine Illusion und einige der Siedler werden misstrauisch.
Nach einigen traumatischen Erlebnissen verdient die Protagonistin ihren Lebensunterhalt damit, verschwundene Frauen nachzuahmen und deren Rolle als Freundin, Ehefrau, Schwester oder Tochter einzunehmen. Diese „Begegnungen“, wie sie sie nennt, führen dazu, dass sie nicht nur ihren eigenen Namen, sondern auch ihre Identität verliert und zu einer Hülle ihrer selbst wird. Die Dynamiken zwischen den Parteien in den meist toxischen Beziehungen die sie am Leben hält, scheinen ihre innere Leere zumindest kurzzeitig zu betäuben.
Nach und nach häufen sich mysteriöse Vorkommnisse und die Fassade der mühsam aufrecht erhaltenen Stabilität beginnt zu bröckeln.
Die Autorin schafft es in klarer, präziser Sprache eine dichte und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, die beim Lesenden ein unbehagliches Gefühl hervorrufen.
Neben dem Aspekt des Klimawandels, der zwar angeschnitten aber nicht weiter ausgearbeitet wird, widmet sich das Buch auch anderen gesellschaftlich relevanten Themen oder persönlichen Aspekten, wie Selbstwahrnehmung/Identität, Rollenbilder, patriarchale Strukturen, gesellschaftliche Erwartungen etc.
Zum Ende des Romans geht alles etwas schnell, die surrealen Ereignisse haben keinen großen Bezug mehr zum Rest der Geschehnisse und bieten somit auch keine zufriedenstellende Erklärung.
Alles in allem ein interessantes Debüt, dem etwas mehr Fokus auf einige wenige Themen besser getan hätte. Weitere Bücher der Autorin würde ich auf jeden Fall lesen, da sie mit ihrem Schreibstil ein tolles Gespür für Stimmungen bewiesen hat.
Die namenlose Protagonistin lebt in einer der zahlreichen und voneinander abgeschotteten Siedlungen, deren einzige Verbindung im Warenaustausch untereinander besteht. Das Überschreiten der Grenzen hat schwere Konsequenzen und wird mit dem Tod bestraft. Abgesehen davon ist Gewalt strengstens untersagt und es wird Wert auf ein harmonisches Miteinander gelegt. Doch die vermeintliche Ordnung ist nur eine Illusion und einige der Siedler werden misstrauisch.
Nach einigen traumatischen Erlebnissen verdient die Protagonistin ihren Lebensunterhalt damit, verschwundene Frauen nachzuahmen und deren Rolle als Freundin, Ehefrau, Schwester oder Tochter einzunehmen. Diese „Begegnungen“, wie sie sie nennt, führen dazu, dass sie nicht nur ihren eigenen Namen, sondern auch ihre Identität verliert und zu einer Hülle ihrer selbst wird. Die Dynamiken zwischen den Parteien in den meist toxischen Beziehungen die sie am Leben hält, scheinen ihre innere Leere zumindest kurzzeitig zu betäuben.
Nach und nach häufen sich mysteriöse Vorkommnisse und die Fassade der mühsam aufrecht erhaltenen Stabilität beginnt zu bröckeln.
Die Autorin schafft es in klarer, präziser Sprache eine dichte und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, die beim Lesenden ein unbehagliches Gefühl hervorrufen.
Neben dem Aspekt des Klimawandels, der zwar angeschnitten aber nicht weiter ausgearbeitet wird, widmet sich das Buch auch anderen gesellschaftlich relevanten Themen oder persönlichen Aspekten, wie Selbstwahrnehmung/Identität, Rollenbilder, patriarchale Strukturen, gesellschaftliche Erwartungen etc.
Zum Ende des Romans geht alles etwas schnell, die surrealen Ereignisse haben keinen großen Bezug mehr zum Rest der Geschehnisse und bieten somit auch keine zufriedenstellende Erklärung.
Alles in allem ein interessantes Debüt, dem etwas mehr Fokus auf einige wenige Themen besser getan hätte. Weitere Bücher der Autorin würde ich auf jeden Fall lesen, da sie mit ihrem Schreibstil ein tolles Gespür für Stimmungen bewiesen hat.
von Sina - 2025-03-27 11:13:00
Kurz vor dem Untergang? - 5 Sterne
Gerade noch war sie Ona, jetzt ist sie auf dem Weg Emma zu werden. Das, was sie beruflich macht, nennt die Protagonistin „Begegnungen“. Sie schlüpft in die Rollen anderer Frauen, wird zu ihnen, um ihren Angehörigen die Möglichkeit zu geben, die Beziehung mit ihrer Schwester, Tochter, Frau weiterführen zu können. Dabei liegt es ihr nicht daran, die Konflikte zu lösen oder weiterzuentwickeln, ganz im Gegenteil.
Sie lebt in einer dystopischen Welt, die Überhitzung der Erde liegt in der Vergangenheit, inzwischen ist das Klima kühl geworden, die warmen, sonnigen Tage sind wenige. Ihre Siedlung ist abgeschlossen, es gibt nur wenige Regeln: Keine Gewalt, außer es kommen Eindringlinge, die müssen getötet werden, aber es kommt sowieso nie jemand. Man darf die Siedlung nicht verlassen, aber das will auch niemand, denn draußen wartet nur der Tod und selbst wenn man es zu einer anderen Siedlung schaffen würde, würde man spätestens dort von den Bewohnern getötet werden. Von den wenigen, die es versucht haben, hat man nie wieder gehört. Und es darf nicht über das Davor gesprochen werden.
Alle scheinen zufrieden zu sein. Es gibt die wichtigsten Güter, man lebt in relativer Freiheit und Sicherheit. Doch unter der Oberfläche beginnen sich die Dinge zu verändern, Jugendliche verabreden sich, um gegenseitig an sich Gewalt auszuüben, anfangs kontrolliert, möglichst ohne Spuren zu hinterlassen, doch bald läuft etwas aus dem Ruder. Auch so beginnt die Welt Risse zu bekommen. Vorzeichen des Untergangs der Siedlung? Und warum lässt sich Ona auf die neue Rolle der Emma ein, obwohl sie gegen einige ihrer selbst gesetzten Regeln für ihre Arbeit verstößt?
Mich hat dieser Roman total geflasht, und ich habe ihn an einem Tag ausgelesen. Gut, er ist nicht besonders dick (knapp 190 Seiten), aber sehr dicht und intensiv. Die dystopische Welt wird realistisch geschildert, die Charaktere sehr menschlich und lebendig mit viel Tiefgang, Ecken und Kanten und Widersprüchen, so wie Menschen eben sind. Nicht alles wird erklärt, über vieles kann man eigene Ideen entwickeln.
Themen wie Gemeinschaft, Freundschaft, Liebe, aber auch häusliche Gewalt und die Gewalt, die in jeder und jedem von uns steckt finden ihren Platz.
Ein dünner, aber sehr intensiver Roman, der meine Gedanken noch länger beschäftigen wird. Von mir gibt es eine klare Empfehlung.
Sie lebt in einer dystopischen Welt, die Überhitzung der Erde liegt in der Vergangenheit, inzwischen ist das Klima kühl geworden, die warmen, sonnigen Tage sind wenige. Ihre Siedlung ist abgeschlossen, es gibt nur wenige Regeln: Keine Gewalt, außer es kommen Eindringlinge, die müssen getötet werden, aber es kommt sowieso nie jemand. Man darf die Siedlung nicht verlassen, aber das will auch niemand, denn draußen wartet nur der Tod und selbst wenn man es zu einer anderen Siedlung schaffen würde, würde man spätestens dort von den Bewohnern getötet werden. Von den wenigen, die es versucht haben, hat man nie wieder gehört. Und es darf nicht über das Davor gesprochen werden.
Alle scheinen zufrieden zu sein. Es gibt die wichtigsten Güter, man lebt in relativer Freiheit und Sicherheit. Doch unter der Oberfläche beginnen sich die Dinge zu verändern, Jugendliche verabreden sich, um gegenseitig an sich Gewalt auszuüben, anfangs kontrolliert, möglichst ohne Spuren zu hinterlassen, doch bald läuft etwas aus dem Ruder. Auch so beginnt die Welt Risse zu bekommen. Vorzeichen des Untergangs der Siedlung? Und warum lässt sich Ona auf die neue Rolle der Emma ein, obwohl sie gegen einige ihrer selbst gesetzten Regeln für ihre Arbeit verstößt?
Mich hat dieser Roman total geflasht, und ich habe ihn an einem Tag ausgelesen. Gut, er ist nicht besonders dick (knapp 190 Seiten), aber sehr dicht und intensiv. Die dystopische Welt wird realistisch geschildert, die Charaktere sehr menschlich und lebendig mit viel Tiefgang, Ecken und Kanten und Widersprüchen, so wie Menschen eben sind. Nicht alles wird erklärt, über vieles kann man eigene Ideen entwickeln.
Themen wie Gemeinschaft, Freundschaft, Liebe, aber auch häusliche Gewalt und die Gewalt, die in jeder und jedem von uns steckt finden ihren Platz.
Ein dünner, aber sehr intensiver Roman, der meine Gedanken noch länger beschäftigen wird. Von mir gibt es eine klare Empfehlung.
von Petra Gruber - 2025-03-24 17:19:00
Zu viele Ideen - 3 Sterne
In diesem Debutroman wird eine dystopische Zukunftsversion beschrieben, in der die vom Klimawandel in ihrer Zahl reduzierte Menschheit in Siedlungen lebt, deren einzige Verbindung zu den Siedlungen der Außenwelt im Warenaustausch besteht. Das „Streben nach mehr“ und das Ansammeln von Wissen über die Zeit des „Davor“ sind verboten, ebenso die Anwendung von Gewalt. In dieser Welt lebt die Protagonistin davon, dass sie die Rolle anderer Frauen annimmt - Geliebte, Töchter, Ehefrauen. Gleichzeitig scheint es mit der Welt in der Siedlung zu Ende zu gehen und merkwürdige Dinge geschehen.
Wie man aus der Übersicht der Themen erkennen kann, sind in dem Roman sehr viele dystopische Ideen miteinander verknüpft worden. Leider zu viele. Viele Ideen sind grundsätzlich gut, aber nicht zu Ende geführt (wie das Auftreten der Gewalttätigkeit unter Jugendlichen) und eigentlich geht es auch vielmehr um toxische Beziehungen als eine dystopische Zukunft. Schade, gute Ideen vergeben.
Wie man aus der Übersicht der Themen erkennen kann, sind in dem Roman sehr viele dystopische Ideen miteinander verknüpft worden. Leider zu viele. Viele Ideen sind grundsätzlich gut, aber nicht zu Ende geführt (wie das Auftreten der Gewalttätigkeit unter Jugendlichen) und eigentlich geht es auch vielmehr um toxische Beziehungen als eine dystopische Zukunft. Schade, gute Ideen vergeben.
von Reiseweise - 2025-03-22 19:59:00
Starker Beginn, das Ende lässt mich etwas ratlos zurück - 4 Sterne
Der Roman Schweben von Amira Ben Saoud spielt in einer nicht näher definierten dystopischen Zukunft. Durch die Klimakatastrophe haben sich die Lebensbedingungen so drastisch geändert, dass die Menschen nun nicht mehr global vernetzt sind (zumindest nicht auf individueller Ebene), sondern in abgeschotteten Siedlungen leben. Eine unbekannte Regierung bzw. Organisationsinstanz scheint es in irgendeiner Form aber dennoch zu geben, denn ein Warenaustausch zwischen den Siedlungen findet statt (der Kapitalismus stirbt wohl als letztes…). Das Setting hat mich durchaus sehr an The Giver von Lois Lowry erinnert: Erinnerungen an früher, bzw. das Aneignen von Wissen sind verboten und ein Verlassen der Siedlung wird mit dem Tod gleichgesetzt.
Die Protagonistin von Schweben verdient ihr Geld durch „Begegnungen“. So nennt sie das von ihr erdachte Geschäftsmodell, bei dem sie bis zur kompletten Selbstaufgabe in die Rolle einer anderen schlüpft, um den (meist männlichen) Auftraggebern dabei zu helfen, Beziehungen erneut zu durchleben und/oder zu verarbeiten. Viel mehr kann ich zur Handlung gar nicht sagen, ohne zu viel vorwegzunehmen.
Identität ist also ganz klar ein zentrales Thema dieses Romans. Aber es gibt noch mehr. Die ersten zwei Drittel des Buches lesen sich für mich wie ein Kommentar der aktuellen gesellschaftlichen Situation, vor allem in Hinblick auf systemische Gewalt und Machtstrukturen. Im Buch ist Gewalt verboten, und darum gibt es sie natürlich nicht (zwinki-zwonki). Da höre ich doch gleich Horst Seehofer, wie er meint, Racial Profiling bei der Polizei gibt es nicht, weil das ja verfassungswidrig wäre. Und auch die Abhängigkeit vieler Frauen von ihren Partnern wird thematisiert, wobei unter anderem gezeigt wird, wie schleichend dieser Prozess ablaufen kann und wie wenig Chancen sie haben, wenn das System nur scheinbar ihren Schutz gewährleistet.
Leider passieren im letzten Drittel dann ein paar Dinge, die mich an dieser Interpretation zweifeln lassen und mich ziemlich ratlos machen. Viele Aspekte werden nicht erklärt (das ist bei Dystopien ja durchaus mal der Fall, aber hier hätte ich mir wirklich mehr Aufklärung gewünscht) und bestimmtes Verhalten erscheint mir patriarchale Strukturen geradezu zu untermauern. Auch ist mir aufgefallen, dass (mit einer Ausnahme) sämtliche Individuen im Leben der Protagonistin Männer sind. Dabei hatte es so gut angefangen, zum Beispiel mit einem scheinbar unkomplizierten Zugang zu Verhütung und zwei guten Gegenentwürfen zu toxischer Männlichkeit. Und klar, die „Übermacht“ männlicher Individuen kann natürlich auch als Kritik genau daran gedacht sein – aber dafür ist mir die Thematik nicht rund genug, das gibt das Buch für mich nicht her.
Insgesamt also leider kein Highlight für mich, auch wenn ich das Buch gerne und schnell gelesen habe. Trotz vieler guter Aspekte und klug inszenierter Elemente (alleine über den Titel des Prologs könnte ich Lobeshymnen schreiben) hat mich das Buch gegen Ende verloren – sehr schade, denn das Potenzial war da!
3,5/5
Die Protagonistin von Schweben verdient ihr Geld durch „Begegnungen“. So nennt sie das von ihr erdachte Geschäftsmodell, bei dem sie bis zur kompletten Selbstaufgabe in die Rolle einer anderen schlüpft, um den (meist männlichen) Auftraggebern dabei zu helfen, Beziehungen erneut zu durchleben und/oder zu verarbeiten. Viel mehr kann ich zur Handlung gar nicht sagen, ohne zu viel vorwegzunehmen.
Identität ist also ganz klar ein zentrales Thema dieses Romans. Aber es gibt noch mehr. Die ersten zwei Drittel des Buches lesen sich für mich wie ein Kommentar der aktuellen gesellschaftlichen Situation, vor allem in Hinblick auf systemische Gewalt und Machtstrukturen. Im Buch ist Gewalt verboten, und darum gibt es sie natürlich nicht (zwinki-zwonki). Da höre ich doch gleich Horst Seehofer, wie er meint, Racial Profiling bei der Polizei gibt es nicht, weil das ja verfassungswidrig wäre. Und auch die Abhängigkeit vieler Frauen von ihren Partnern wird thematisiert, wobei unter anderem gezeigt wird, wie schleichend dieser Prozess ablaufen kann und wie wenig Chancen sie haben, wenn das System nur scheinbar ihren Schutz gewährleistet.
Leider passieren im letzten Drittel dann ein paar Dinge, die mich an dieser Interpretation zweifeln lassen und mich ziemlich ratlos machen. Viele Aspekte werden nicht erklärt (das ist bei Dystopien ja durchaus mal der Fall, aber hier hätte ich mir wirklich mehr Aufklärung gewünscht) und bestimmtes Verhalten erscheint mir patriarchale Strukturen geradezu zu untermauern. Auch ist mir aufgefallen, dass (mit einer Ausnahme) sämtliche Individuen im Leben der Protagonistin Männer sind. Dabei hatte es so gut angefangen, zum Beispiel mit einem scheinbar unkomplizierten Zugang zu Verhütung und zwei guten Gegenentwürfen zu toxischer Männlichkeit. Und klar, die „Übermacht“ männlicher Individuen kann natürlich auch als Kritik genau daran gedacht sein – aber dafür ist mir die Thematik nicht rund genug, das gibt das Buch für mich nicht her.
Insgesamt also leider kein Highlight für mich, auch wenn ich das Buch gerne und schnell gelesen habe. Trotz vieler guter Aspekte und klug inszenierter Elemente (alleine über den Titel des Prologs könnte ich Lobeshymnen schreiben) hat mich das Buch gegen Ende verloren – sehr schade, denn das Potenzial war da!
3,5/5
von EvaLiest - 2025-03-21 12:38:00


