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Rezensionen

Sie wollen uns erzählen
Roman

Autor: Birnbacher Birgit

Erschienen 2026 bei Zsolnay, Paul, Verlag GmbH
ISBN 978-3-552-07521-4
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Eine sehr gute Erzählung - 5 Sterne

Die Autorin Birgit Birnbach beschreibt in ihrem Roman die Geschichte eines kleinen Jungen, der zu lebhaft ist, man nennt das hyperaktiv, er fällt also gern mal auf. Das Anderssein stört, zumindest die Umgebung, die Schule und überhaupt. Er, der kluge Ozzy darf nicht so sein, wie er ist.
Ann, die Mutter ist seinem Verhalten ja nicht unähnlich, sie versteht ihn ja, wie es ihm geht, aber sie ist auch überfordert mit der Erziehung, sie muss es ja den anderen recht machen. Sie liebt ihr Kind abgöttisch, gleichzeitig will sie ihn fördern, ihn in normale Bahnen lenken, seine Lebhaftigkeit bremsen, aber auch mit Hilfe, wenn nötig. Ozzy versteht seine Mutter gut, er will es ja auch. In den Schulferien soll er in ein Kindercamp. Doch zuvor müssen sie noch zur Oma fahren, die macht Probleme, sie ist in einer psychischen Notlage. Dann gibt es auch noch die schräge Tante, die wieder ganz anders tickt und gerade eine ganz andere Lebensform ausprobiert. Durch die plötzlichen schwierigen Ereignisse nähert sich die Familie, die lange nichts mehr miteinander zu tun hatte, wieder an.
Man spürt, welcher Balanceakt hier in diesem Mutter-Kind-Verhältnis zu bewältigen ist. Birgit Birnbach verwendet eine außergewöhnliche Sprache, sie erzählt mit Humor und fordert die Leser leise auf, nachzudenken, welchen Kampf es braucht, die Unterschiedlichkeit, die Unangepasstheit anzunehmen und in der Gesellschaft zu verteidigen.
von Annaja - 2026-06-01 14:39:00

Einfühlsam - 4 Sterne

„Sie wollen uns erzählen“ ist ein Roman über ADHS und Neurodivergenz, gesellschaftliche Zuschreibungen, Überforderung im Familienalltag sensibel und mit viel sprachlichem Feingefühl verhandelt.

Leider hat mich die Geschichte über weite Strecken nicht ganz mitgenommen. Gerade im Mittelteil fehlte mir stellenweise etwas Dynamik, sodass ich das Gefühl hatte, dass die Handlung nur langsam vorankommt. Obwohl die Figuren interessant angelegt sind und viele spannende Themen mitschwingen, hat mich der Roman dadurch teilweise gelangweilt.

Umso stärker fand ich allerdings das Ende. Dort nimmt die Geschichte plötzlich Fahrt auf, wird emotionaler und auch dramatischer. Gerade diese letzten Kapitel haben mich dann doch noch sehr berührt und vieles von dem, was vorher eher ruhig und tastend erzählt wurde, emotional zusammengeführt. Besonders hat mir dabei auch die Sprache gefallen: präzise, oft poetisch und immer passend zum Inhalt.

Insgesamt ist „Sie wollen uns erzählen“ damit für mich ein sprachlich schöner und thematisch wichtiger Roman, der mich erzählerisch nicht immer mitnehmen konnte, mich am Ende aber fürs Weiterlesen belohnt hat. Wer ruhige Geschichten mag, kann in dem Roman ganz viel über Neurodivergenz lernen.
von LeserinLu - 2026-05-14 16:26:00

Knisternde Nerven, die stark verbunden sind - 5 Sterne

Er wollte doch nur das Richtige tun. Sein Verhalten wird missverstanden, ist es ja auch recht außergewöhnlich. Er kämpft mit dem Richtigsein. Sie kämpft ebenfalls damit, wie auch mit ihrer eigenen Richtigkeit und vor allem kämpft sie aber für ihn.
Ozzy und seine Mutter Ann haben knisternde Nerven, wie Ann es ausdrückt. Bei Ozzy wird ADHS diagnostiziert, bei seiner Mutter wurde das in ihrer Kindheit nicht. Sie wurde einfach als wild eingestuft. Ozzy wird auch in Schubladen gesteckt. Schubladen, die verhindern, dass er in seiner Ganzheit gesehen und verstanden wird. Als eines Tages in der Schule ein Unglück passiert, auf das Oz so reagiert, dass es andere verstört, beginnen sich Ereignisse aneinanderzureihen, die den Jungen und seine Mutter außerordentlich fordern.
Mich hat die Geschichte sehr berührt. Es waren die Passagen, die Ozzys innere Welt mit der Reaktion der Außenwelt in Vergleich brachten. Vieles von dem kam mir bekannt vor. Das Fehlen von Verständnis, dem richtigem Auseinandersetzen mit dem Menschen, der ein bisschen anders funktioniert und auch das Bedürfnis, diesen Menschen passend zu machen. Mit Ann, ihren Gedanken und ihrem Erleben, ging es mir da sehr ähnlich. Die Autorin erzählt die Geschichte der beiden sehr authentisch. Ich fand mich in vielem wieder und das berührt einfach. Ozzys Wunsch nach einer freien, unbeschwerten Zeit, in der einfach nichts von ihm gefordert wird. Seine Sorge, dass er das eingetretene Unglück visualisiert hat und damit daran Schuld ist. Anns Gedanke, dass alles, was passiert, nur dann wahr ist, wenn man es auch fühlen kann. Das ist mir alles in Variationen vertraut und von der Autorin gut recherchiert oder erlebt. Über all dem steht noch das wichtigste Thema: die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind.
Mir gefällt der Schreibstil von Birgit Birnbacher sehr gut. Die oft unvermittelten Sprünge zwischen den Erlebenden/Erzählenden machen das Buch besonders und bilden für mich auch ein bisschen ab, wie Gedankenprozesse in einem neurodivergenten Gehirn funktionieren können. Die lockere und intelligente Erzählweise, sowie die schon erwähnten authentischen Charaktere machen die Geschichte angenehm lesbar.
Für mich war das Lesen dieses Buches eine schöne gedankliche Reise, die häufig an meiner Realität angedockt hat und mich deshalb berührt hat.
von stina23 - 2026-04-17 11:10:00

Sie wollen uns erzählen - 5 Sterne

Mit Oz ist es nicht einfach- er hat ADHS. In der Schule ist etwas Schlimmes passiert, und er erhält einen Brief an seine Mutter. Anns Nerven sind generell nicht die besten. Als dann auch noch seine Zilly-Oma, die in den Bergen lebt, verschwindet, ist die Katastrophe komplett Die Bachmann Preisträgerin erzählt warmherzig und berührend von der Liebe einer Mutter die, allen Widrigkeiten zum Trotz, stark für ihr Kind kämpft.
Einfühlsam, teilweise auch humorvoll, bringt Birgit Birnbacher der Leserschaft nahe, dass der Umgang mit dem Anderssein nicht immer einfach ist, aber durchaus auch Chancen bietet.
von Doris Stadlbauer - 2026-04-16 08:45:45

So viel mehr! - 5 Sterne

Ann war immer ein wildes Kind, das war für ihre Familie zwar anstrengend, aber man hat sie trotzdem so genommen. Anders ist es nun für ihren neunjährigen Sohn Oz, der so gar nicht in diese genormte Welt passen will. Als durch seine vermeintliche Unaufmerksamkeit ein Hase zu Tode kommt, bricht für ihn die Welt zusammen. Und scheinbar tut das die Welt im Gesamten, denn nicht nur verschwindet seine Großmutter, auch die Welt selbst scheint durch ein Jahrhundertunwetter darnieder zu gehen.

Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher liefert mit "Sie wollen uns erzählen" (der Titel ist dem gleichnamigen Song von Tocotronic aus dem Jahr 1997 entlehnt) erneut einen literarisch herausragenden Roman. Birnbachers Sprache ist eine Wucht, aus mehreren Gründen: ihr Erzähltempo gleicht sich dem Thema an - sei es ADHS, Demenz, Muttergefühle, komplizierte Familienverhältnisse oder die unabsichtliche Tötung eines Hasen. Der österreichische Lokalkolorit, der so speziell ist, aber so echt, so authentisch. Überhaupt ist alles so authentisch und glaubhaft erzählt, das man den Eindruck gewinnt, die Schreibende selbst erzähle ihre eigene Geschichte. Die Autorin hat die Gabe, Menschen in ihren Feinheiten zu beobachten und sie so erzählen zu lassen, als wären sie das Natürlichste der Welt, sie haben Ecken und Kanten, sind klug oder naiv, patriarchal oder konservativ, gebildet oder ungebildet, glauben an die Welt oder an Geschwurble, sind jähzornig oder hyperinteressiert. Das "oder" muss zwangsläufig immer durch ein "und" ergänzt werden. Ich hatte - wie bei allen Büchern der Autorin - das Gefühl, dass die Autorin genauso schreibt, wie sie denkt - und das ist äußerst klug, ohne zu werten, sie zeigt alle Facetten, die wir Menschen so mitbringen.

Dass Oz und vermutlich auch seine Mutter Ann ADHS hat, wird in den meistens Rezensionen als auch in den Buchbesprechungen der Medien als zentraler Aspekt des Buches hervorgehoben, für mich persönlich ist er es aber nicht. Denn es geht um so viel mehr: es geht darum, in einer Welt klarzukommen, die sich rasant weiterentwickelt und doch immer ein wenig stillsteht; um die Mutterrolle, die Frau liebt aber gleichzeitig hasst; um eine Ungeduld, die das heutige Leben so mit sich bringt, die aber das Zusammenleben nicht einfach macht; um Verantwortung der Familie gegenüber, was immer das auch heißen mag; um das Lieben und das Entlieben, sei es dem Partner, der Mutter oder Geschwistern gegenüber; das Unbeschwerte der Kindheit, das nicht sein darf, weil es nicht ins System passt; das Passen-müssen, aber nicht Passen-wollen; der Klimakatastrophe, die auch vor den Alpen nicht halt macht; dem Vergessen mitsamt dem Rückbesinnen auf Vergangenes; den Glauben, den wir nicht wirklich glauben können; schlicht: es geht ums Menschlich-Sein.

Schließlich ist das Ganze auch noch kombiniert mit Bildern, die die Autorin erzeugt, die sich ins Hirn einbrennen und nicht mehr gehen werden. Über die aktuelle Gesellschaft, wie sie ist und bald schon wieder nicht mehr sein wir, was eventuell sogar tröstlich ist. Zusammenfassend kann man mit Tocotronics Worten sagen:

Sie wollen uns erzählen
Sie hätten eine Seele
Sie wollen uns glauben machen
Es gäbe was zu lachen
Sie wollen ganz bestimmt
Daß wir glücklich sind und
Unsere Leidenschaft
Ist ihnen rätselhaft
Sie wollen uns erzählen
Wir sollen uns nicht mehr quälen
Und sie sind schon zufrieden
Wenn wir die Kurve kriegen
Denn für unser Selbstmitleid
Haben sie keine Zeit.
(Tocotronic, Sie wollen uns erzählen, 1997)
von Kwinsu - 2026-04-13 01:27:00

Mit dem Herzen lesen! - 5 Sterne

In 'Sie wollen uns erzählen', bringt uns Birgit Birnbacher, Ann und ihre besondere Familie näher. In einer sehr starken und feinsinnigen Sprache erzählt sie, wie Oz sich in der Schule schwertut, seine Mutter Ann versucht, ihm, ihrer Ehe bzw. ihrer Trennung, ihren Job und auch ihrer Mutter gerecht zu werden und dies obwohl auch sie mit sich und ihren Emotionen zu kämpfen hat. Ich kann mich während des Lesens in fast jede Person hineinfühlen, Oz Angst und Verzweiflung, auch sein Versuchen, der Außenwelt gerecht zu werden, welche ihn nicht immer versteht. Anns Überforderung und auch ihrer Liebe zum Kind und auch zur Mutter Zäzilia kann ich mit jeder Zeile fühlen. Aber auch ihr Gefühl, des alleingelassen zu werden, von Personen, welche nur fordern, ohne zu geben bzw. sich entziehen, wenn es schwierig wird. Wobei ich durchaus auch verstehen kann, warum Nell einen anderen Weg geht, um ihr Glück zu finden. Mein Fazit wäre daher: Darauf einlassen, auch zwischen den Zeilen lesen und diesen besonderen Roman fühlen.
von Michaela - 2026-04-05 10:51:00

Anders und besonders - 5 Sterne

Die Bachmannpreisträgerin Birgit Birnbacher gilt als eine der wichtigen Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur. Nun hat sie mit „Sie wollen uns erzählen“ ihren vierten Roman vorgelegt.
Der neunjährige Oz ist anders als seine Mitschüler, tut sich schwer im schulischen Alltag. Er ist nicht langsam, nein, manchmal ist er viel zu schnell. Da galoppieren seine Gedanken einfach davon. Oz hat ADHS. Seine Mutter Ann hat schon früh bemerkt, dass ihr Sohn ihr ähnelt. In ihr war auch schon immer so eine Unrast; „energiegeladen“ hieß es, eine Diagnose dafür gab es damals noch nicht . „Vom Temperament her ist sie eher der Pulverfass-Typ.“ Das macht ihren nicht gerade einfachen Alltag noch schwieriger. Sie ist zwar promovierte Soziologin, hangelt sich aber von einem befristeten Auftrag zum nächsten. Vom Vater des Jungen lebt sie getrennt. Ständig bewegt sich Ann am Rande der Überforderung. Das weiß Oz und deshalb will er ihr nichts vom Vorfall in der Schule erzählen. Dabei sah es für ihn sehr gut aus. Er hat den Notenschnitt erreicht, der ihm die Qualifikation für das Gymnasium verschafft. Doch nun hat er neben dem Zeugnis noch einen Brief an seine Mutter in der Tasche. Nur wegen dieser dummen Geschichte mit dem Hasen. Und Oz ist wieder einmal an allem schuld.
Auf dem Heimweg wünscht sich der Junge eine kleine Katastrophe, etwas, das seine Mutter ablenkt von dem Brief der Lehrerin.
Als Oz nach Hause kommt, erwarten ihn tatsächlich schlimme Nachrichten. Die Zillyoma ist aus dem Krankenhaus verschwunden und nun muss Ann sich kümmern. Auf ihre Hippie-Schwester Nell ist wenig Verlass. Die schafft es dann nicht einmal, ihren Neffen im Feriencamp für Kinder mit und ohne ADHS abzuliefern.
Was nun folgt ist ein irrer Roadtrip durch das Salzburger Land. Während Ann ihre Mutter im Innergebirg sucht, und Oz von der Bauernhofkommune der Tante flüchtet, braut sich über dem Land ein Unwetter auf „Alarmstufenlevel“ zusammen
Birgit Birnbacher hat mit Ann und Oz zwei unvergessliche Figuren geschaffen.
Oz ist ein besonderes Kind, er spielt nicht die Spiele, die andere Kinder mögen, er hört nur zu, wenn ihn etwas wirklich interessiert, aber er hat ein besonderes Gespür für die Gefühlsregungen anderer Menschen und er ist intelligent. Ann liebt ihren Sohn, so wie er ist und vermittelt ihm das auch. „ Ihn sollen sie nicht zurechtstutzen, wie sie es mit ihr getan haben, er soll wild wachsen dürfen, nicht dauernd deprimiert von diesem diffusen Gefühl sein, irgendwie nicht hineinzupassen…“
Ann ist eine Mutter, die für ihren Sohn immer da ist und für ihn kämpft. Dabei kommt sie selbst oft an ihre Grenzen, auch weil ihre eigene Zündschnur sehr kurz ist.
Wie sich der Alltag für neurodivergente Menschen anfühlt, mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen haben, zeigt die Autorin empathisch und keineswegs belehrend. Sie nimmt uns mit in die Köpfe und Seelen ihrer beiden Hauptfiguren. So spiegelt ihre Sprache die Gedankenwelt von Mutter und Sohn, ist flirrend, sprunghaft und assoziativ. Humor, Ironie und originelle Sprachbilder nehmen dem Thema die Schwere und sorgen für eine heitere Leichtigkeit des Textes.
„Sie wollen uns erzählen“ - sie, das sind die anderen, die der Norm entsprechen, die Norm festlegen. Birgit Birnbacher lässt dagegen Ann und Oz erzählen, ihre Sicht der Dinge. Sie wehren sich gegen die Festschreibung von außen, beharren auf ihrer eigenen „Erzählung“.
So ist dieser Roman ein Plädoyer dafür, Menschen in ihren Eigenheiten und ihren Besonderheiten anzunehmen, sie nicht als Störung, sondern als Bereicherung zu verstehen.
von Ruth - 2026-03-31 20:05:00

Intensiver und berührender Roman über ein wichtiges Thema - 5 Sterne

In ihrem aktuellen Buch "Sie wollen uns erzählen" widmet sich die österreichische Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher dem wichtigen Thema Neurodivergenz.

Oswald, genannt Oz oder Ozzy, ist 9 Jahre alt und geht in die dritte Klasse. Er ist ein besonderes Kind, denn er hat ADHS. Ozzy mag nicht spielen wie andere Kinder, er ist einfühlsam und hat ein gutes Gespür für andere Menschen. Der Junge ist klug und weiß sich gut auszudrücken. Seine Mutter Ann ist Sozialwissenschaftlerin, sie ist aufbrausend und geht in ein Impulskontrolltraining. Sein Vater Christian, überfordert von der familiären Situation, lebt und arbeitet inzwischen in Wien.
Am letzten Schultag vor den Sommerferien bringt Ozzy einen Brief von der Schule mit nach Hause und überlegt, wie er seiner Mutter am besten beichten kann, was in der Schule Schreckliches passiert ist. Doch dazu kommt es nicht, denn Ann erhält einen Anruf aus dem Krankenhaus, weil ihre Mutter Zäzilia kurz vor einer Operation spurlos verschwunden ist. Besorgt macht sich Ann mit Oz auf den Weg, um sie zu suchen .....

Die Geschichte ist abwechselnd aus Sicht der beiden Protagonisten in ganz wunderbarer und klarer Sprache mit feinem Humor erzählt, die Charaktere sind sehr realistisch gezeichnet. Ich musste mich zunächst ein wenig an den eigenwilligen Schreibstil der Autorin gewöhnen, sie springt zwischen Anns und Ozzys Gedanken und Handlungen hin und her, doch genau diese besondere Erzählweise ist es, die uns die Figuren ganz nahe bringt.

Ann liebt ihren Jungen über alles, die beiden haben ein enges Verhältnis zueinander. Auch Ann wurde schon als Kind als eigenartig und wild wahrgenommen, hat aber im Gegensatz zu Ozzy ohne die Diagnose ADHS ein normales Leben führen können. Sie weiß, dass Ozzy ähnlich denkt und fühlt wie sie, seine Gedanken oft abschweifen und er in Tagträumen versinkt. Ich mochte Ann, die für ihren Jungen kämpft, ihn beschützen möchte und nicht zulässt, dass er wegen seines Andersseins medikamentös behandelt wird. Am intensivsten und berührendsten fand ich den Abschnitt, als Ozzy allein unterwegs ist. Ann schafft es kaum, sich selbst zu beruhigen, sie will ihr Kind nicht ängstigen und wächst dabei über sich selbst hinaus. Den kleinen Ozzy, der weiß, dass er anders ist als andere Kinder und immer darum bemüht ist, sich so zu verhalten, dass seine Mutter sich nicht aufregt, habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Seine Schilderung des Vorfalls mit dem Hasen am Ende des Buches fand ich herzzerreißend.

Der Autorin ist mit "Sie wollen uns erzählen" ein ganz wunderbares Buch gelungen, das Verständnis für Menschen mit ADHS weckt und uns mit viel Empathie vermittelt, wie sie denken und empfinden, und wie schwer und herausfordernd der Alltag für sie sein kann. Ich habe die fesselnde Geschichte, in der es neben dem zentralen Thema Neurodivergenz auch um eine unzuverlässige Schwester und Anns Mutter geht, die an Demenz erkrankt ist, sehr gern gelesen, sie hat mich beeindruckt und tief berührt.

Absolute Leseempfehlung für diesen großartigen Roman!
von Bücherfreundin - 2026-03-29 20:37:00